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General Anzeiger Wr

Man «Stadt und Land

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Nr. 134 Dienstag den

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile Ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aüf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. /Geschäftsstelle: Hammerstr. S / Fernspr. 3956,3951,3958

28. S«tt

1931

Englischer Besuch bei der Reichsregierung

Sve««dltchev Cmvfans t« der stekchsvauvtstadt - Osvzliche wovte des bvttischen LNinittevvrästdenten

Kii«^» ^M^^vt^

* Eine Verordnung über die Anmeldung von Auslandsschulden ist vom Reichspräsidenten er­lösten worden. *

* Das Reich ist durch Notverordnung ermäch­tigt, sich an der Akzept- und Garantiebank zu be­trügen.

* Gestern ist eine neue Durchführungsverord­nung zur Kapitalfluchtverordnung ergangen, die vorhandene Lücken der bisherigen Bestimmungen ausfüllen soll.

* Der braunschweigische Minister Dr^Franzen hat seinen Rücktritt erklärt, da die NotvWordnun- gen den Ministerien in den Ländern jede Wir­kungsmöglichkeit im Sinne einer Landesregierung genommen hätten.

Die Reichspost nimmt bei Entrichtung von Ge­bühren und Steuern Schecks in Zahlung.

* Am Dienstag soll eine weitere, den Zahlungs­verkehr regelnde Notverordnung erscheinen.

Franz-Ioseph's-Land mit starkem Gegenwind.

*

In der Montagssitzung des Ständigen Inter­nationalen Gerichtshofes nahm der zweite franzö­sische Vertreter Basdevaut das Wort, um die Aus­führungen Paul Boncours zu ergänzen.

Der amerikanische Staatssekretär Stimson ist Montag mittag 13.25 Uhr von Berlin nach London abgeflogen. Der englische Ministerpräsident Macdo­nald traf gestern nachmittag in Berlin ein.

*

In verschiedenen Blättern wurde die Behaup­tung verbreitet, Adolf Hitler habe vonseinem Freunde" Lahusen in Bremen Gelder erhallen: desgleichen habe Lahusen Gelder für den Erwerb des Braunen Hauses zur Verfügung gestellt. Diese Behauptung wird von der KanAei Hitlers als frei erfunden bezeichnet.

*

Englischen Zeitungsmeldungsn zufolge hat Gandhi an den Vizekönig von Indien, Lord Wil- lingdon, ein in ultimativem Tone gehaltenes Tele­gramm gerichtet, in dem er scharf gegen die Zwangsmaßnahmen der britisch-indischen Steuer­beamten gegen widerspenstige Steuerzahler Stel­lung nimmt. Der Vizekönig hat Gandhi in seiner Antwort ersucht, keine Krise herauszubeschwören und ihm weitere Einzelheiten zu unterbreiten.

*

Der Orient-Expreß wurde bei Philippopel von einer unbekannten Bande beschossen und 3um, Hal­len aufgefordert. Der Lokomotivführer fuhr jedoch mit erhöhter Geschwindigkeit weiter und alarmierte auf der nächsten Station die Polizei.

*

Kriminalrat Vorwerk, der Leiter des Sonder- oezernats zur Bekämpfung des Devisenschleichhan- bels, hat beim Polizeipräsidium den Antrags ge« stellt, sein Dezernat zum 1. August aufzulösen. Kriminalrat Vorwerk begründet seinen Antrag auf Auflösung damit, daß alle Streifen auf Devisen­schieber ergebnislos geblieben sind. Das Sonder- uezernat hat in feiner Tätigkeit, die am 16. Juli nachmittags begann, bis heute leine einzige Ver- yaftung vorgenommen.

Daz von der Polizeidircktion München bis £ August ds. Is. verfügte Verbot desVölkischen Beobachter" wurde durch das Reichsgericht bis 26. 8uli 1931 einschließlich beichronlt.

*

Der Führer der Liberalen Lloyd George leidet uu einem Anfall von Hematune, der ihn zwingt, 6(13 Belt zu hüten.

Der Distriktsobcrrichter Gariick in Kalkutta ist 'm Gerichtsgebäude ermokd-t worden. Der Mona, oer Garlicks ermordete, wurde sofort nach dem üeberfall von Polizeibeamten erschossen. Wie ver­mutet, wurde er schon seit einigen Tagen wegen E'nes anderen Mordes, den er kürzlich begangen hatte, von der Polizei gesucht.

*) Näheres siehe im politischen Teil.

Gvaüonen sät Macdonald

Berlin, 27. 3uli. Der englische Ministerpräsident Ramsay Macdonald traf um 17.17 Uhr mit dem Holland-Txpreß auf dem Bahnhof Friedrichstraße ein. Eine ungewöhnlich große Menschenmenge hatte sich vor dem Bahnhof und auf dem Bahnsteig selbst eingefunden. Die Polizei hatte umfangreiche Absperruugsmaßnahmen getroffen.

Kurz vor dem Einlaufen des Zuges erschienen aufs dem Bahnsteig Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Curtius mit Herren der Reichskanzlei und des Auswärtigen Amtes, ferner der englische Außenminister Henderson, der eng­lische Botschafter mit dem gesamten Personal der Botschaft und zahlreiche Mitglieder der englischen Kolonie in Berlin. Unter den Anwesenden be­merkte man u. a. auch den Berliner Oberbürger­meister Dr. Sahm.

Reichskanzler Dr. Brüning und Minister Cur­tius gingen, als Macdonald im Begriff war, den Zug zu verlassen, sofort auf ihn zu und begrüßten ihn herzlich. Dann begrüßte der englische Minister­präsident den englischen Botschafter und das Per­sonal der Botschaft. Das auf dem Bahnsteig ange- sammelte Publikum durchbrach in diesem Augenblick die Absperrungen und brachte laute Hochrufe

Aufstellung genommen, die Macdonald mit Heil­rüfen empfing. Beim Verlaffen des Bahnhofes er­tönten aus der draußen angesammelten Menschen­menge dauernde Hochrufe aus Maodonald. Es ertönten Rufe:

Es lebe der Friedet"Rie wieder Kriegt" usw. Die Polizei hatte außerordentliche Mühe, den Durchbruch der Menge vor dem Bahnhofsgebäude

zu verhindern. Die Wagen der Minister konnten sich nur schwer einen Weg druch die Menge bahnen.

Gnwfangsabend dev eng- MG-deutscherr Gesellschaft

Zu Ehren Macdonalds und Hendersons

Berlin, 27. Juli. Die deutsch-englische Gesellschaft veranstaltete heute abend im Hotel Kaiserhof einen Empfang zu Ehren des englischen Ministerpräsiden­ten Macdonald und des englischen Staatssekretärs Henderson. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Ge­heimrat Cuno, begrüßte die englischen Gäste in einer kurzen Ansprache. U. a. bemerkte man unter den Gästen: Reichskanzler Dr. Brüning, Reichs­außenminister Dr. Curtius, Reichsminister Tre- viranus, von der britischen Botschaft den Botschaf­ferner Mlnisteriâldirektor a. D. de Haas, Geheimrat Dr. Kastl, Regierungsdirektor Dr. Mosle, Präsident von Nostiz, vom Reichstag Vizepräsident von Kar- dorff und die Reichstagsmitglieder Dr. Klönne, von Lindeyner-Wildau, Dr. Oskar Meyer, Freiherr von Rheinhaben und von Stauß, von der Wirtschaft Bankier E. M. Warburg, Dr. e. h. Carl von Wein­berg, Kommerzienrat Fritz Rechberg, Herbert M. Gutmann.

Ansprachen von Vrüning und Macdonald

Berlin, 27. 3uli. Bei dem Esten, das heute abend zu Ehren der englischen Minister in der Reichskanzlei stattfand, brachte zunächst Reichskanzler Dr. Brüning einen Toast auf den Reichspräsidenten und den König von England aus. Der Reichskanzler hielt sodann folgende Ansprache:

3m Ramen der Reichsregierung heiße ich Sie, Herr Ministerpräsident, und Sie, Herr Henderson, in der Reichshauptstadt aufs herzlichste willkommen. Das deutsche Volk hat ein dankbares Gefühl für die Bedeutung dieses ersten Besuches der führenden englischen Staatsmänner in Deutschland. Mir ist es eine besondere Freude, die liebenswürdige Gast­freundschaft erwidern zu können, die Sie Herrn Lurkius und mir vor nicht langer Zeit in Ehequers und auch jetzt in London haben zuteil werden lassen. Ich hoffe aufrichtig, daß Sie sich bei uns während des leider nur allzu kurz bemessenen Aufenthalts wohlfühlen und daß die Tage für Sie eine Entspannung bedeuten werden inmitten der schweren Arbeit, in der Sie sich befinden.

Sie kommen nach Deutschland in einer sorgen­vollen Zeit.

Ich habe bei unseren wiederhollen Begegnungen im Laufe der letzten Zeit Gelegenheit gehabt, Ihnen die Lage in Deutschland und die schweren Prob­leme, die uns gegenwärtig beschäftigen, ausführlich zu schildern.

Deutschland setzt alle seine Kräfte daran, der Krise Herr zu werden. Es muß aber auch darauf rechnen, daß das Ausland, das mit Zurück­ziehung kurzfristiger Kredite die Krise auf die Spitze getrieben hat, an diesem Ziele mit- arbeitet.

Wir erkennen dankbar an, was Ihre Regierung durch vorbehaltlose und herzliche Annahme des Hooverplanes sowie durch ihre Bemühungen um das Zustandekommen und das Ergebnis der Londoner Konferenz bereits für uns getan hat. Wir wissen, daß auch Sie in England schwere Zeiten durchmachen. Der Grund hierfür ist nicht zuletzt die gegenwärtige finanzielle Krise Deutschlands, die heute internationale Bedeutung gewonnen hat. Ich bin daher auch überzeugt davon, daß eine wirkliche und gründliche Sanierung der wirtschaftlichen Ver­hältnisse Europas

durch loyale Zusammenarbeit aller Rationen und durch gegenseitige Hilfe

möglich sein wird.

Der Grundstein für die Zusammenarbeit ist in London gelegt worden. Die weitere Aufbauarbeit

muß nunmehr beginnen. Ihr heutiger Besuch ist ein Beweis dafür, daß es auch Ihr Wunsch ist, die glücklich begonnene Arbeit fortzusetzen. Möge sie der Welt wahren Frieden bringen.

Ich erhebe mein Glas auf das Wohl Euer Exzellenzen, auf eine glückliche Zukunft Groß­britanniens und auf die englisch-deutsche Freund­schaft!"

Nachdem

Premierminister Macdonald

für die freundlichen Worte, die der Herr Reichskanz­ler an ihn gerichtet hatte, seinen Dank ausgesprochen hatte, erklärte er folgendes:

Der englische Außenminister und ich sind nach Berlin gekommen, um dem Herrn Reichskanzler und dem Außenminister einen Gegenbesuch abzustatten. Wir haben uns über Ihren Besuch in London sei­ner Zett außerordentlich gefreut, und mit der glei­chen Freude sind mir Ihrer Gegeneinladung gefolgt. Diese gegenseitigen Besuche werden für die Stär­kung des guten Einvernehmens in der Welt und für feine weitere Ausbreitung eine absolute Not­wendigkeit. Wir sind jedoch nicht nur nach Berlin gekommen, um für den deutschen Chequers-Besuch einen Gegenbesuch abzustatten, sondern auch um der Welt zu zeigen, daß

trotz der Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage unser vertrauen in Deutschland unver­mindert forlbeskehk.

Deutschland macht schwere Zeiten durch, und wir sind voller Mitgefühl für den schweren Kampf, den dieses Land im jetzigen Augenblick durchzuführen

hat. Lassen Sie mich gleich eins hinzufügen: Wir sind voller Bewunderung für Deutschland, und wenn auch seine Schwierigkeiten noch nicht überwunden sind, so sind wir doch der festen Ueberzeugung, daß, wenn Deutschland in seinen Anstrengungen fort­fährt, daß, wenn es seine intellektuellen, moralischen und wirtschaftliche Kräfte anspannt, um wieder auf die Füße zu kommen, und sich davor hütet, sich der Verzweiflung hinzugeben, die anderen Völker ihm Hilfe leisten werden und das deutsche Volk nicht un­tergehen lassen.

Ein freies und sich selbst achtendes Deutschland ist für die Gemeinschaft der Zivilisation unent­behrlich.

Genau so, wie kein Sperling vom Dache fällt, ohne daß der Schöpfer aller Dinge davon nichts weiß, so kann auch keine Nation, die sich selbst achtet, aufhören zu existieren, ohne daß für alle anderen Glieder der internationalen Gemeinschaft sich daraus das schwerste Unglück ergibt. Es wäre undenkbar, daß einem Land, das sich in der Kunst, in der Wissenschaft, im Geisteswissen so ausgezeichnet hat, wie Deutschland, das den Körper und den Geist gleichermaßen fest in der Gewalt hat, das in einer langen und wechselvollen Geschichte seine Qualitäten erwiesen hat, von den anderen Völkern die Hilfe in der Not verweigert würde.

Die Evgebnifse der Londoner Konferenz sind nicht sensationell gewesen. Es hat sich darum gehandelt, die Stellung zu halten, während die Vorbereitungen für eine gründlichere Behandlung der Schwierig­keiten getroffen wurden. Das, worüber man sich in London geeinigt hat, ist zu einem großen Teil bereits durchgeführt worden. Das Studium der deutschen Finanzlage hat begonnen, die Ratgeber Deutsch­lands, die von der Londoner Konferenz vorgesehen worden sind, befinden sich hier in Berlin, und der Apparat ist auf diese Weise in Bewegung gesetzt worden.

Das wichtigste aber ist, daß die Rationen, die auf der Londoner Konferenz vertreten waren, sich auf Zusammenarbeit zur Hilfe für Deutsch­land haben einigen können.

Obwohl der Genius und das Verantwortungs­gefühl des Bankiers sich von der Politik fernzu­halten hat, so müssen trotzdem, wenn die Banken und die Kreditinstilutionen ihre große Funktion in der Zukunft richtig ausüben wollen, zukünftige Generationen alle, ihre Anstrengungen darauf rich­ten, den internationalen Wohlstand zu erhöhen. Es genügt nicht, wenn jeder die Macht, die er auf diesem Gebiet besitzt, nur für feine eigenen Zwecke verwendet. Alle finanziellen Hilfsquellen müssen dazu verwendet werden, die Wege der nationalen und internationalen Zivilisation zu stärken und zusammenZuhalten. In diesem Zusammenhänge müssen die Grundursachen der gegenwärtigen Krise früher oder später einmal klar ins Auge gefaßt und mit gesundem Menschenverstand und gutem Willen einer glücklichen Lösung entgegengeführt werden Als Vorbereitung dazu muß ein Gefühl gegenseitigen Vertrauens geschaffen werden, ein Gefühl gegenseitigen Vertrauens in persönlicher Hinsicht, so daß der Unterhändler auf der anderen Seite offene und ehrliche Worte zu ihnen spricht und offen und ehrlich handelt. Nicht durch schrift­liche oder mündliche Abmachungen, sondern durch ein Gefühl des Vertrauens im Herzen eines jeden ist dieses Ziel zu erreichen. Und zum zweiten

muß das verlrauensgsfühl von Ration zu Ration wiederhergestellt werden.

Jedes Volk hat viel dazu beizutragen, und ich möchte der Hoffnung Ausdruck geben, daß Besuche, wie die von Chsguers. von London oder unser etzigcr Berliner Besuch, nicht als einzelstehende Daten bestehen bleiben, sondern daß sie als Aus­druck einer Tendenz zum besseren gegenseitigen Verständnis auf internationaler Grundlage ihre Fortsetzung in ähnlichen Zusammenkünften finden mögen.

Seit Abschluß der Londoner Konferenz ist man­ches Wichtige geschehen. Zu allererst möchte ich in diesem Zusammenhang die

Hilfeleistung Frankreichs

anerkennen und dem Wunsch Ausdruck geben, daß Jie Besprechungen zwischen Ihnen und den franzö- ischen Staatsmännern fortgesetzt werden mögen, unter Teilnahme anderer Länder, wenn dies nötig ein sollte. Die Schaffung von Beziehungen von Mensch zu Mensch ist das Wichtigste. Wir müssen die Vergangenheit vergessen, weil die Zukunft von

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