Seife 6
Montag den 27. Just 1931
Nr. 173
Das WasfeusiiMands- dentmal in üomviègn«
Die Unterzeichnung des Waffenstillstandes nach französischer Darstellung
Bon Dr. S. Freitag
Im Walde von Compiègne, etwa 7 Klm. ostwärts der Stadt Compiègne, befindet sich eine Lichtung. Hier wurde am 11. November 1918 der Waffenstillstand, der unser Schicksal besiegelte, abgeschlossen.
Die Franzosen höben an dieser Stelle eine großzügige Denkmalsanlage geschaffen. Eine etwa 250 Meter lange, prächtige Allee führt zu der Waldlichtung die zu einer gärtnerischen Rundanlage von 100 Meter Durchmesser ausgestaltet worden ist. Um die Rundanlage ziehen sich die Bahngeleise, auf denen die Züge der deutschen Waffenstillstandskommission und der alliierten Heeresleitung an Ort und Stelle gebracht worden sind. Die Haltepunkte der Züge, die einander gegenüberstanden, sind durch künstlerisch eingefaßte, in die Gleisanlagen eingelassene Betonplatten bezeichnet worden. Inmitten des Rondells liegt das eigentliche Denkmal. In einem riesigen eingefaßten Oval von mofaifartig angeordneten Steinen ist eine große Steinplatte eingebettet. Die Aufschrift dex Platte ist kennzeichnend, wie man in weiten Kreisen Frankreichs über die Fragen der Kriegsschuld und der Verständigung denkt. Sie lautet wörtlich übersetzt:
Hier unterlag am 11. November 1918 der verbrecherische Hochmut des Deutschen Reiches von den freien Völkern besiegt, die es zu unterjochen trachtete.
Eines der beiden Gleise führt zu einer im Denk- malstil gebauten Halle, mit architektonisch wirkungs voller Fassade, die ein Amerikaner gestiftet hat. Sie beherbergt den Salonwagen des Marschalls Foch, in dem die Verhandlungen seiner Zeit geführt worden sind. Die Verhandlungstische tragen Karten, die den Sitzplatz jedes Bevollmächttgten bezeichnen. In dem Hause ist eine Broschüre käuflich erhältlich, die die Aufschrift trägt:
Der Waffenstillstand von Compiègne
Wie er am 11. November unterzeichnet wurde.
Das Büchlein hat eine Fußnote folgenden Wortlautes: „Diese streng wahren Notizen sind zum großen Teil den Erklärungen, die Erzberger selbst gemacht hat, entnommen." Von dieser kleinen Schrift, die für jeden Deutschen von einigem Interesse sein dürfte, soll hier die Rede sein. Ihr Jnhall ist wörtlich übersetzt folgender:
„Die Waffensttllstandsbesprechungen begannen am 4. Oktober 1918 auf Anregung des Prinzen Max von Baden, des Kanzlers des Deuffchen Reiches, der den Präsidenten der Vereinigten Staaten Wilson angerufen hatte. Seit zwei Monaten hatte sich die Lage Deuffchlands ganz und gar verändert. Der General Ludendorff, erster Generalquartiermeister der deuffchen Armee, gestand, daß feine letzten Reserven erschöpft waren, daß seine Truppen ermattet und entmutigt waren, und daß man die erste günstige Gelegenheit ergreifen müsse, um die Alli- ierten um Frieden zu bitten. Die Wirkung der Tanks und die Ankunft der amerikanischen Verstör-
un»
Die Mumie der Gattin im Gaton
Der italienische RechlranwaN Manzini freigesprochen.
Düsseldorf, 24. Juli. Der unheimliche Fall des italienischen Rechtsanwaltes Dr. Manzini, der die Oeffentlichteit bereits vor Monaten erregt hat, wurde heute in einem Prozeß vor dem Schöffengericht wieder aufgerollt. Dr. Manzini hatte sich gemeinsam mit seiner Hausangestellten Kola, einem 22jährigen Mädchen, wegen Freiheitsberaubung zu verantworten.
Wie erinnerlich, hatte Dr. Manzini aus einer merkwürdigen Pietät heraus die Leiche seiner Gattin in einbalsamiertem Zustande jahrelang in seiner Wohnung aufbewahrt und um ihren Besitz
mit den deutschen Behörden einen erbitterten Kampf geführt.
Frau Manzini, eine gebürtige Düsseldorferin, weilte im Sommer 1928 mit ihrem Gatten in Genua. Ms sie eines plötzlichen Todes starb, ließ ihr Mann die Leiche einbalsamieren und bewahrte sie zwei Jahre lang in seiner Wohnung auf.
Im Sommer 1930 ersuchte Manzini die beut» schön Behörden um die Erlaubnis, die Leiche seiner Frau nach Deutschland überführen zu dürfen. Gleichzeitig bat er auch um die Erlaubnis zu einer Aufbahrung der Leiche in feiner Düsseldorfer Wohnung. Das Letztere wurde ihm abgelehnt; er durfte die Mumie nur zur Bestattung nach Deutschland mitnehmen.
Ohn« sich um das Verbot der Aufbahrung zu kümmern, brachte Manzini
die Mumie im Auto nach Düsseldorf
und stellte sie dort im Salon seiner Wohnung auf. Als die Behörde ihn aUfforderte, die Leiche'sofort
beizusetzen, erklärte Manzini, die Mumie im Zink- sarg sei keine Leiche im Sinne der deutschen Gesetze.
Mehr als zwei Monate führte der italienische Anwoü einen hartnäckigen Kampf gegen die Behörden. Schließlich erhielt er den endgültigen Bescheid, daß die Leiche bis zu einem bestimmten Tage bestattet sein müsse. Als Polizeibeamte in die Wohnung kamen, um die Durchführung des behördlichen Auftrages nachzuprüfen, war die Leiche spurlos verschwunden. Mancini erklärte, er habe sie aus Düsseldorf wieder fortbringen lassen..
Eine zweite genaue Haussuchung ergab, daß der Anwalt die Mumie seiner Frau
unter einem Bett im obersten Stockwerk des Hauses versteckt
hatte. Ms die Beamten sich aber mit der Leiche entfernen wollte, stellte es sich heraus, daß sie im Hause eingefchlossen waren. Erst nach einer halben Stunde konnten sie durch das telephonisch verständigte Uebersallkommando befreit werden. Die Leiche wurde nunmehr endlich beigesetzt.
Der Vorfall hatte für Manzini eine Anklage wegen Freiheitsberaubung zur Folge, da man trotz seines Leugnens den Verdacht hegte, daß er durch feine Tat den Abtransport verzögern und zu einer neuen Beschwerde Zeit gewinnen wollte.
Das Gericht sprach Manzini frei, während das Mitangeklagte Mädchen, das übrigens jugoslawische Staatbürgerin ist, wegen Widerstandsleistung in Tateinheit trift Freiheitsberaubung zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt wurde.
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kungen, erwiesen von nun an jeden möglich; man mußte verhandeln. —, . wurde die innere Lage Deutschlands jeden Tag kritischer; das Volk litt Hunger; Unruhen brachen allerseits aus; man verlangte die Abdankung des Kaisers. Der Kanzler entflieh sich daher, ohne zu zögern, Verhandlungen um Frieden zu eröffnen. Der Präsident Wilson forderte die sofortige Einstellung des Unterseebootkrieges und ernste Garantten gegen jede Wiederkehr der Feindseligkeiten.
Es war dringend ein Ende zu machen; der Kanzler beauftragte den Minister Erzberger um einen Waffenstillstand, selbst zu ungünstigen Bedingungen, nachzusuchen. . , , .
Die deutsche Kommission wurde, wie folgt, zu- fammengefetzt: Staatsminister Erzberger, Vorsitzender; Generalmajor von Winterfeld; Bevollmachttg- ter Minister Graf Oberndorff; Kapitän zur See Vanselow, denen Hauptmann Geier vom Großen Generalstab und Rittmeister von Helldorf, als Dolmetscher, beigegeben waren. Am 7. November verließ die Kommission Spa in fünf Automobilen und kam am Abend in Chimay an; die Straßen waren von Truppen überfüllt, die sich in der größten Unordnung vom Kampf Zurückzogen. Um der Kommission den Uebergang über die Kampflinie zu erlauben, wurde das Feuer einige Stundest eingestellt; der erste Wagen hatte eine große weiße Fahne gehißt, und ein Trompeter dieß ununterbrochen Signale. Nach ihrer Ankunft bei La Capelle an der französifchen Kampffront, wechselte die Kommission ihre Wagen; jeder Bevollmächtigte hatte seinen besonderen Waaen und in jedem nahm ein französischer Offizier Platz.
' In Homblières bei St. Luenttn empfing der General Debenay, Befehlshaber der ersten französischen Armee, die Kommission und bot ihr Abendessen an; er ließ die Bevollmächtigten darauf aufmerksam machen, daß man ihnen mit der gleichen Speisenfolge aufwarten würde, die an diesem Tage den französischen Generälen und Soldaten angerichtet würde: Suppe, gesalzenes Fleisch, kleine Erbsen. Ein Sonderzug erwartete die Deuffchen im Bahnhof von Tergnier; die Wagenfenster waren verhängt; am 8. November, 7 Uhr morgens, kam der Zug im Bahnhof Compiègne-Rethondes, im Walde von Compiègne, an; er wurde auf einer dem Bahnhof benachbarten Kreuzung, auf dem Gebiet der Gemeinde Compiègne, gegenüber dem Zug des Marschalls Foch, der seit dem Vorabend am gleichen Platz stationiert war, abgestellt. Die Begegnung fand am gleichen Tag im Bürowagen des Zuges des Marschalls statt. Um 9 Uhr morgens, als die Bevollmächttgten in diesen Wagen gebracht worden waren, trat der Marschall ein und grüßte militärisch. Herr Erzberger stellte die Mitglieder der deutschen Kommission, der Marschall seinerseits die Offiziere, die ihn begleiteten, vor. Der erste Lord der englischen Admiralität, Sir Rosslyn Wemyß; der englische Konteradmiral Hope; und der Generalstabschef des Marschalls, der General Weygand. Herr Erzberger übergab feine Vollmachten und der Marschall zog sich in das benachbarte Abteil zurück, um sie zu prüfen. Er kam wenig später zurück und sich an Erzberger wendend:
lererfeits
Oberndorff (vermittelnd): Wir wünschen von den Bedingungen Kenntnis zu nehmen, unter welchen die Alliierten in einen Waffenstillstand einwilligen würden.
Der Marschall: Ich habe keine Bedingungen zu machen.
Erzberger (schüchtern): Jedoch, der Präsident Wilson .,..
Der Marschall (in trockenem Ton): Ich bin hier, um Ihnen zu antworten, wenn Sie um Waffenstillstand bitten. Bitten Sie um Waffenstillstand? Wenn Sie darum bitten, könnte ich Ihnen die Bedingungen bekanntgeben, unter welchen er erlangt werden kann.
Erzberger und Oberndorff (zusammen): Ja.
Jedermann setzte sich, und General Weygand verlas den von den verbündeten Regierungen vorbereiteten Text.
Erzberger: Kann ich von diesen Vorschlägen meiner Regierung Mitteilung machen?
Der Marschall: Sie können sie durch einen Sonderkurier abschicken.
Erzberger: Angesichts der Schwierigkesten der Verbindung, bitte ich, daß die Frist zur Beantwortung, die auf 72 Stunden festgesetzt ist, um 24 Stunden verlängert wird.
Der Marschall: Die Frist von 72 Stunden ist durch die verbündeten Regierungen festgesetzt worden. Cs muß dabei b öwen dem""Ich erwarte Ihre Antwort bis zum 11. November, 11 Uhr morgens ranzösische Zeit).
Während dieser ganzen Unterredung hatte der Marschall die Ruhe einer Statue, der englische W- miral spielte mit seinem Monokel. Die Deutschen waren niedergeschlagen, bestürzt. Die Sitzung hatte dreiviertel Stunden gedauert. Hauptmann von Helldorf reifte sogleich mit dem Text des Waffen- tillstandes nach Spa ab und hatte beim Ueber« freiten der deutschen Linien alle möglichen Schwierigkesten. Bei seiner Ankunft waren große Ereignisse vor sich gegangen. Der Kaiser hatte ab- gedankt, und die Leitung der Staatsgeschäfte war dem Abgeordneten Ebert anvertraut worden. Die Republik war ausgerufen. Die neue Regierung nahm von dem von den Verbündeten vorgeschriebenen Bedingungen Kenntnis und schickte eine Annahme unter gewissen Vorbehalten. Das drahtlose Telegramm fügte nichtsdestoweniger hinzu: „Wenn Sie nicht dazu gelangen, diese Milderungen zu erreichen, werden Sie trotzdem abschließen müssen."
Eine zweite und letzte Zusammenkunft der Bevollmächtigten fand in der Nacht vom 10. auf den 11. November statt. Die Verhandlungen dauerten bis um 5 Uhr, zu welcher Stunde die Deutschen sich tief bekümmert entschlossen, ^u unterzeichnen. Der Marschall Foch und der Admiral Wemyß unterzeichneten zuerst, alsdann die deutschen Bevollmächtigten. Die Waffenstillstandsverhandlungen waren sehr hart; die Deuffchen nahmen nur schwer die Besetzung des linken Rheinufers und die Nichtentlas- ung der Kriegsgefangenen an. Deutschland mußte außerdem Elsaß-Lothringen wieder abtreten, , und sofort übergeben: 5000 Kanonen, 25 000 Maschinengewehre, 3000 Minenwerfer, 1700 Flugzeuge, 5000 Lokomotiven, 150 000 Eisenbahnwagen, 5000 Lastkraftwagen, alle Schiffe der Kriegsflotte etc. Die deuffche Kommission verließ am 11. November um 11 Uhr den Wald von Compiègne in dem Zug, der sie hergebracht hatte. Im Bahnhof von Tergnier bestieg sie wieder ihre Automobile.
Die Dauer des Waffenstillstandes war auf 36 Taae festgesetzt worden; es wurde notwendig, ihn zu verlängern. Zu diesem Zweck fanden drei Begegnungen 13. Dezember, 16. Januar und 16. Februar in Trier in dem gleichen Bürowagen vom Bahnhof Rethondes statt. — Der Friede wurde endgültig am 28. Juni 1919 in Versailles unterzeichnet."
gab es keine Rohstoffe zu holen; das Land, das die drei Nordpolforscher Payer, Weyprecht und Wilczek, entdeckt hatten, brachte der Monarchie nichts ein, kostete ihr allerdings auch nicht einen Heller.
Franz-Josephs-Land, das Opfer der Witzblätter, geriet aber allmählich in Vergessenheit, als der Krieg ausbrach, und Oesterreich dringendere Sorgen hatte. So konnte es geschehen, daß, ohne das die Welt etwas davon erfuhr, die Kolonie des Kaiserstaates unmittelbar nach Ausbruch der Feindseligkeiten von den Russen besetzt, formell annektiert und dem Gouvernement Archangelsk unterstellt wurde. Vier Kriegsjahre genügten vollauf, die Erinnerung an Franz-Josephs-Land aus dem
Gedächtnis seiner rechtmäßigen Besitzer zo löschen. Der Friede von St. Germain setzte zwar genau fest, was Oesterreich an Nachfolgestaaten und Kriegsgegner verlor; aber in dem Vertrag ist Franz-Josephs-Land nicht mit einem einzigen Wort erwähnt. Es wiederholte sich, was sich schon einmal, im Frieden von San Stefano, begeben hatte: Damals hatte man vergessen, über das Besitzrecht an der kleinen türkischen Donauinsel Ada Kaleh bei Orsowa eine Entscheidung zu treffen.
Die Oesterreicher interessierten sich begreiflicherweise für das Land im Polarkreis nicht im Ge-
Was ist der Grund Ihres Besuches?
Erzberger: Wir kommen um die Vorschläge der Alliierten Mächte bezüglich des Abschlusses eines Waffenstillstandes zu Wasser, zu Lande, in den Lüften, auf allen Fronten und in den Kolonien entgegenzunehmen.
Der Marschall (kalt): Ich habe Ihnen keine Vorschläge zu machen.
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dielen Millionen englischer Pfunde aufbewahren, ind durch Amtssiegel verschlossen. Um eine völlige Katastrophe zu verhüten, ist schon zum zweiten Mal das allgemeine Moratorium verlängert Mi- )en. Mühlenbesitzer und Makler sind heute ge zwangen, aus der Straße oder «n Hafen mit Ast und anderen Gegenständen des täglichen Bedarfs M handeln. "
Die Edelstesmindustvie nicht nur Antwerpens uch Amsterdams, sondern der ganzen Welt liegt in da Agonie. Sie führt einen Verzweiflungskampf m ihre Existenz — das ist die Meinung der mch gebenden Fachleute. Das Angebot ist um 70 Prozent höher als die Nachfrage. Private Käufer M es nicht mehr. Der Karatpröis ist um die Hälfte gesunken. Der WeNumsatz des Brillantenmarktes betrug im Jahre 1929 noch 350 Millionen Geli- mncs, im folgenden Jahre nur noch 100 Milli» tuen Goldfrancs; gleichzeitig aber stieg die Produktion von 2 680 000 Karat im Jahre 1929 ;W
3160 000 Ka rat um
ringsten. Ruhland übte die tatsächliche Herrschaft eine Panik und ein 1
ausunLänderk^âu^^eü Ramen Inselgruppe
in Leninsland um, eine Bezeichnung, die sich aller- lings noch nicht eingebürgert hat. Es meldete sich edoch vor einigen Jahren ein neuer Interessent: Italien. Damals stand die Luftschiffexpedition des Generals Nobile nach dem Nordpol bevor, und dies brachte einflußreiche militärische Kreise aus den Gedanken, für die Rückerstatttung des Franz- Josephs-Landes an Italien einzutreten. Rückerstattung — denn nach der Beweisführung dieser Leute darf sich Italien als Rechtsnachfolger der nicht mehr bestehenden Oesterreichischen Flotte betrachten, deren Schiffe ja mit Kriegsende in italienischen Besitz übergegangen sind. Die Eroberung des Franz-Josephs-Landes aber ist, ebenso wie die Entdeckung, durch ein Schiff der k. und k. Marine, den Dampfer „Tegethoff", erfolgt; also hat Italien einen Rechtsanspruch auf dieses Gebiet. Die Forderungen sind übrigens nicht weiter betrieben worden, da Italien infolge des furchtbaren Ausganges der Nobile-Expedition fürs Erste die Lust an Polarabenteuern verloren zu haben schien.
Wie schon erwähnt, wurde Franz-Josephs-Land von der österreichischen Polarexpedition unter der Führung Julius von Payers entdeckt. Die Expedition hatte am 13. Juni 1872 auf der „Tegethoff' Bremerhaven verlassen. Sie sollte eine der schwierigsten und denkwürdigsten aller arktischen For- chungsfahrten werden. Schon am 21. August wurde das Schiff bei Nowaja Semlja von Eismassen eingefchlossen, aus denen es auch nicht wieder befreit werden konnte. Am 30. August 1872 tauchte am Horizont Land aus; man gab ihm den Namen Franz-Josephs-Land, und die Expedition, die zwei Winter auf der Eisscholle verbringen muhte, beschloß, das neuentdeckte Gebiet zu erforschen. Das geschah unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen, denn unter der Mannschaft wütete der Skorbut. Von einem Schiffsfähnrich und einem Matrosen begleitet, fuhr Payer auf Hundeschlitten nach Norden, wobei er beim Kap Fligely als nördlichsten Punkt 82 Grad 5 Minuten erreichte. Am 20 Mai 1874 mußte die „Tegethoff" verlassen und die Rückkehr nach Europa auf Schlitten und Booten angetreten werden. Es war ein Weg von 700 Kilometer über Packeis, aber es ging alles glücklich vonftatten. Im August nahm ein russisches Fischerboot die Reisenden auf, und brachte sie nach Lappland, von wo sie in die Heimat zurückkehren konnten. Auf Franz-Josephs-Lamd wird sich nun ..Graf Seppelin" auf seiner Polarfahrt mit dem
Nesitzsshermnis mm Lvanr-Sosevhs-Land „Graf Zeppelin" und Eisbrecher „Malygin" treffen sich auf Franz-Josephs-Land
Die alte Donaumonarchie hatte nicht wenig unter den Witzen ihrer spottlustigen Untertanen zu leiden gehabt; und sie hat es ihnen oft leicht gemacht. Den dankbarsten Stoff für echt Wiener Ironien hat jedoch die Tatsache abgegeben, daß Oesterreich-Ungarn eine Kolonie besaß — nicht in Afrika, Asien oder Amerika, kein Land mit Bodenschätzen und Siedlungsmöglichkeiten, sondern eine Inselgruppe hoch tm Norden der arktischen Zone, unwirtlich und unbewohnbar, bar jeder Naturreichtümer, fern der Heimat und fast unerreichbar. Dort oben, jenseits des 80. Breitengrades,
Graf Zeppelin" auf seiner Polarfahrt mit Eisbrecher „Malygin" treffen.
schrie 19301 Die Folgen wM
Ms repräsentierte, und das noch bis vor kur'« die Weltpreise diktierte, stand vor dem Banfe, » Das Syndikat beschloß, die Produktion aüf M Viertel herabzufetzen und Steine im Wert von Millionen Goldfrancs aus dem Handel zurücke ziehen. Doch diese Maßnahmen genügten nicht. W Preis« sanken weiter, und das Syndikat mußte B an die Regierung von Südafrika wenden.. Minenbesitzer in Johannesburg und Pretoria, das Syndikat jahrelang ausgebeutet hatte, regierten. Sie gingen dazu über, zu Lumpen, so w ich die Leiter des Syndikats dem Ab-grund w staubten. Sir Basil Blacketts begab sich auf dem ge nach Südafrika, wo es ihm w Verhandlungen gelang, mit der
El« Sachwert, der reine Liebhaber findet
Wohl in kölner europäischen Großstadt tritt die Weltwirtschaftskrise so deutlich in biie Erscheinung wie in Antwerpen. Das wirtschaftliche Löben der Stadt geht zusehends zurück; der früher so mächtige Wirtschastsfwktor, die Steinschleiferei, ist am Erliegen. Von den 21000 Antwerpener „Mühlen" zum Schleifen der Edelsteine sind zwei Drittel außer Betrieb, viele tausend Schleifer, Arbeiter imd Angestellte einer ehedem blühenden Industrie sind brotlos. In den weltbekannten Geschäften des Internationalen Diamantenhandels herrscht Friedhofsruhe. Die betonierten Tresore und Stahlkammern, die kostbare Edelsteine im Wert von
schnellsten Wei
langwierigen Verhandlungen gelang, mit der K«- gierung, die die Minen subventioniert, eine Verm barung zu erzielen, die aber die Machtvollkomme» Heit des Syndikats aufs Aeußerfte einschränkt- Das Weltzentrum des Edelstsinhandels wurde vm London nach Johannesburg verlegt; das Symch- mußte sein Aktienkapital von 5 aus 10 Million^" Pfund erhöhen. Die südafrikanische Regierung jetzt am Gewinn b-eteiligt, reguliert die Produkt» setzt die Preise fest und ist berechtigt, die unbem- besteten Steine der südafrikanischen JndustrieM zu einem weit niedrigeren Preis zu überlasten, ^ sie der Weltmarkt notiert. Damit war die W’ schäft des Syndikats gebrochen. Alles, was Repräsentant erreicht hatte, war die AnwendM des Dumpings und die Verringerung her fr ‘ duktion. Ob diese Verträge aber den endgulM Untergang der Ed-elsteinindustrie verhindern kennen, ist die Frage. Die Sachverständigen in werpen blicken jedenfalls mit äußerstem Pestuw» mus in die Zukunft.
was ist eine Ghebvechevw wevt?
In Birmingham verhandelte kürzlich das Erricht in einer Schadenersatzklage eines Mann -
gegen seinen Freund, der ihm die Frau abspen^ | . gemacht hatte. Es handelte sich darum, den delswert" der treulosen Gattin festzustellen. Geschworenen standen der Frage ratlos gegehW nicht aber der Richter, der die unschlüssigen ® schworenen mit folgender vielbeachteten Rede lehrte. „Sie haben die widerspruchsvollen Erklär gen der beiden Parteien gehört", sagte der Riw „Der Kläger versichert, daß seine Gattin, «d fam, klug und geschickt und in allen W'rffchai - dingen das Vorbild einer tüchtigen Hausfrau w Er zögert nicht, dieses Zeugnis einer Frau aus» stellen, die ihn erwiesenermaßen seit Jahr« i trogen hat. Aber diese jahrelang geübte um hat der Frau im Grunde nichts von ihrem genommen. Die einfache Feststellung des Km» gibt Ihnen die Richtschnur zur Bemessung Schadens. Es kommt dabei gar nicht auf eine > ralifche Wertung an. Schätzen Sie den Werl, wenn es sich um eine Sklavin in ir9e”° da orientalischen Lande handelte, und Sie werden Richtige treffen." Nach dieser Rechtsbelehrung Richters Mc Cardie verurteilten die Geschw ^ den Freund der Frau, dem betrogenen w einen Schadenersatz in Höhe von 100 Pfund fing zu zahlen.
„Der Kläger versichert,