Seile 4
Arettag den 24. Zull 1931
Ar. 171
^lernkskette« aus dem Geerchtssaal
Mit der Axt auf der Holzwürmersuche
Eines Nachmittags im April traf der Groß- auheimer Gemeindefövster im Walde drei Männer an, die in verdächtiger Weise mit einer Axt herum- hantierten. Der Forstbeamte witterte in den axtbewaffneten Waldbesuchern mit einigem Recht holz- frevler und schritt demgemäß ein. Die Männer, von denen zwei dem Förster bekannt waren, erklärten, aber lediglich auf der Holzwürmersuche zu sein, dieweil im April die Fische auf diese kleinen Waldschädlinge am besten anbiffen. Ein zerbrochenes Geleeglas, das halb mit Würmern angefüllt war, wurde dem Förster beweisführend entgegengehalten. Der Förster gab sich aber mit dieser Art von Beweisführung nicht so ohne weiteres zufrieden, da Aexte und ähnliche Werkzeuge ein für allemal im Walde von Unbefugten nicht mitgeführt werden dürfen. Schon allein aus diesem Grunde versuchte er zur Beschlagnahme der Axt und Namensfeststellung des ihm unbekannten Axtträgers zu schreiten, was chm aber nicht gelingen sollte, da sich der eine HdlzwuvMsucher hineinmischte und als Eigentümer der Axt deren Herausgabe ausdrücklich verweigerte. Dabei sollte es auch zu einer Wider- standslsistung gegen den Förster, der vorübergehend den Verweigerer seiner amtlichen Anordnung an der Brust gepackt hatte, gekommen sein. Der Widerstand wurde von der Anklagebehörde, die ihrerseits auch eine Verurteilung zu 35 Mark Geldstrafe an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von 1 Woche beantragte, darin erblickt, daß der Eigentümer der Axt beide Arme mit dem Werkzeug nach hinten streckte und die Beschlagnahme dadurch un- möglich machte. Das Gericht erkannte demgegenüber auf Freispruch, da eine Widerstandsleistung im Sinne des Gesetzes nicht vorlag und von einer Gewaltanwendung gegenüber dem Förster keine Rede fern konnte.
Line verfehlte Geschäftsgründung
Ein Kaufmann aus Großauheim wollte hn September v. I. eine Waffelbäckerei gründen und suchte sich zur Finanzierung der Geschäftsgründung tinen kapitalkräftigen Teilhaber, Len er auch bald fand. Nach und nach wurden von diesen: annähernd 2000 Mark in die Geschichte gesteckt, ohne daß es zu der beabsichtigten Geschäftseröffnung kam. In der Zwischenzeit waren sich die beiden Teilhaber nämlich in die Haare geraten und hatten schließlich auch die Gerichte in Anspruch genommen. Sogar ein Strafprozeß sprang dabei heraus, La der „fpiritus rector" der verfehlten Gründung nachweislich von seinem Finanzier einmal 20Ö Mark erhalten und nicht ordnungsgemäß an die Auheim er Spar- und Darlehnskasse zur Ablieferung gebracht hatte, wo sie zur Anschaffung eines Gasherdes sichergestellt werden sollten. Den Vertrauensbruch mußte er gestern mit 1 Monat Gefängnis büßen.
Ein glücklicher Freispruch
Ein junger Mann aus Niederrodenbach befand sich am 1. November gegen 6 Uhr früh mit einem Kuhfuhrwerk auf dem Wege zum Hanauer Wochenmarkt, als von ungefähr ein Forstbeamter auf« tauchte und lebhaftes Interesse für die Ladung des Wagens an den Tag legte. Beim näheren Zuschauen fand der Forstb eamte auch 0,4 Raummeter zerkleinertes BuchenLnüppelholz auf dem Wagen, dessen Herkunft kaum Zweifel auslüsen konnten. Das Holz wurde daraufhin von dem Forstbeamten beschlagn^mt, während der Fuhrmann sein Gefährt heimwärts lenkte, um angeblich den Kauf- ichein für das Holz zu holen, den indessen bis auf den heutigen Tag kein Mensch zu sehen bekam. Ein Strafbefehl über 10 Mark war die Folge, gegen den der also Beglückte Einspruch erhob. Die Herkunft des Holzes wurde weithergeholt, sollte es doch vor über 5 Jahren der Schwiegervater des Ertappten in seiner damaligen Eigenschaft als Holzhauer erhalten und die Jahre über sorgsam aufbewahrt haben. Der Schwiegervater glaubte dies auch bestätigen zu können, während dem Forstbeamten das Holz mehr als verdächtig frisch vorkam. Das Gericht war denn auch überzeugt, daß es sich um gefreveltes Holz handelte, das keineswegs.ben recht fragwürdigen Beständen des Schwiegervaters entstammen konnte. Dennoch erzielte der Angeklagte einen
Wie kvvlcht das Liev?
Verstehen Tiere einander? — Uebereinstimmung der Sprache arloerschiedener Tiere.
o Die Sprache und die verschiedenen Laute der Tiere sind für den Menschen durch das Ohr kaum zu entziffern, da sie nicht die nötige Klangschärfe besitzen, um in ihren Grenzen einwandfrei erkannt zu werden.. Es ist schon lange das Bestreben, die Sprache der Tiere, mit denen mir zusammenleben, wie Hunde, Katzen, Gänse, Hühner, Vögel, Kühe usw. zu entziffern, zumal es vielfach den Anschein hat, als ab sich die Tiere untereinander verständigen. Es kommt dazu, daß diese Verständigung nicht nur unter artgleichen Tieren erfolgt, sondern auch unter artverschiedenen, wie z. B. zwischen Hund und Katze. Tierstimmennachahmer versuchen häufig mit Erfolg, die Laute der verschiedenartigen Tiere wiederzugeben. Man weiß, daß in Varietees und Kabaretts derartige „Künstler" häufig zu hören sind. Auch der Tonsilm hat diese geschickten Nachahmer der Tierlaute nötig, um sie stets im Bedarfsfalls zur Verfügung zu haben. Die Tiere sind nämlich nicht immer bereit, die gewünschten Laute von sich zu geben, wenn sie gebraucht werden. Diesem Streik gegenüber sind die Regisseure machtlos, und sie verwenden darum gern gute Tierstimmen- imitatoren, da diese dann krähen, brüllen oder bellen, wenn der Regisseur sie auffordert. Das Ohr des Menschen ist nicht so genau geschult, um etwaige Unterschiede zwischen der echten und der nachgemachten Tierstimme seststellen zu können. Es kommt weniger beim Tonfilm auf die genaue Uebereinstimmung der nachgeahmten mit der natürlichen Stimme an, als auf den naturgetreuen Eindruck, den die nachgeahmte Stimme macht.
Wie verschiedenartig die verschiedenen Menschen und Volker die Tierstimmen hören, geht daraus hervor, daß z. B. das „Kikeriki" des Hahns durchaus nicht überall so gehört wird, wie bei uns, obwohl der Hahn überall in der gleichen Weise seine Stimme ertönen läßt. Die Franzosen z. B. hören „kokoroko", der Engländer „kokadoodledoo", der Italiener „kukoruku" usw. Was ist nun richtig? Wie spricht der Hahn tatsächlich? Um die Hörfehler Les menschlichen Ohres auszuschalten, hat der For- icher Bastian Schmidt, wie er in seinem Buch „Aus der Welt des Tieres" mitteikt, Oszillogramme von den verschiedenen Tierlauten hergestellt, da der
mechanische Apparat viel exakter arbeitet, als das menschliche Ohr. Der Oszillograph ist ein Apparat, der ähnlich wie der Tonfilmapparat arbeitet. Schallwellen, die im Mikrophon ausgenommen werden, werden in Schwankungen eines Lichtstrahls umgewandelt. Ein lichtempfindliches Papier, das mit dem Oszillograph verbunden ist, ermöglicht es, diese Lichtischwankungen aufzuzeichnen. Es entstehen also auf Lem lichtempfindlichen Papierstrei» fcn Kurven ähnlicher Art, wie sie das Grammophon und der Tonfilm aufweist. Sie ermöglichen aber eine genaue Untersuchung der Tierstimmen durch Vergleiche der einzelnen Kurven. Dabei wurden von Schmidt seltsame Feststellungen gemacht. Zahlreiche Verstimmen erscheinen zweistimmig, wie z. B. Las Krähen des Hahnes und Las Miauen Les Katers. Fernerhin konnte festgestellt werden, daß die Tiere teils dieselben Konsonanten und Vokale haben, wie der Mensch, teils Laute, die in manchen Sprachen fehlen. Die Exaktheit der Unter» suchungen mit Hilfe des Lichtstrahls vermeidet Fehlerquellen, wie sie alle anderen Untersuchungen bisher aufzweifen haten, so daß man jetzt tatsächlich zum ersten Male einen genauen Einblick in die Sprache der Tiere hat, soweit es mit Hilfe technischer Mittel möglich ist. Um die Aehnlichkeit zwischen menschlichen und tierischen Lauten untersuchen und feststellen zu können, wurden Oszillogramme der menschlichen Sprache ausgenommen.
Die Aehnlichkeit der Kurven bei den verschiedenen Lauten des Tieres und des Menschen zeigt, daß auch zwischen den entsprechenden Tönen Aehnlich- keiten und Gleichheiten bestehen. So konnte man die tierische „Sprache" genau festlegen. Es wurden z. B. die Kurven von Vokalen wie u verglichen und es ergab sich, daß sie fast Formengleichheir aufwiesen. Bemerkenswert ist, daß man von einer „einheitlichen" Tiersprache nicht reden kann. Nicht alle Hunde „sprechen" die gleiche Sprache, d. h. haben die gleichen Laute, sondern sie unterscheiden sich vielfach, während andererseits verschiedene Tierarten in ihren Lauten (Vokalen und Konsonanten) überoinstimmen, Es wird überraschen zu hören, daß z. B. Hunde und Hühner die gleichen Vokale aufweisen können, während die Katze und die Gans oft die gleichen Konsonanten haben. Man erkennt daraus, daß die Sprache der Tiere nicht so einfach und unkomplizert ist, wie es bei oberflächlicher Betrachtung den Anschein hat. Daß bestimmte Tiere bestimmte Wünsche immer in denselben Tönen zum
Freispruch, da nicht festgestellt werden konnte, wer das beschlagnahmte Holz irgendwo und -wann gefrevelt hatte.
* Eine rohe Tak. Die Schrebergärten in der Aepfelallee bilden von jeher ein beliebtes Diebesobjekt, wie die Sicherheit der Anwohner in jener Gegend überhaupt sehr viel zu wünschen übrig läßt und Diebstähle, Rohheitsdelikte usw. an der Tagesordnung sind. So wurde erst gestern abend gegen 7 Uhr wieder einem Anwohner höchst übel mitgespielt, als er einen 12jährigen Jungen beim Ueber» steigen einer Gartendrahtumzäunung erwischte und der Polizei übergeben wollte. Kaum hatte der Schrebergärtner den diebischen Jungen vom Drahtgitter heruntergezoaen, als auch schon einige Rohlinge über ihn herfielen und wie wütend auf ihn einschlugen. Dabei erhielt der Angefallene auch einen heftigen Schlag mit einer Maurerkelle gegen dm Kopf, unter dessen Einwirkung er mit einer stark blutenden Wunde ohnmächtig zusammenbrach. Die Rohlinge konnten leider ungehindert entkommen. Der Mißhandelte konnte heute früh infolge der erlittenen Verletzungen seinen Dienst an der Bahn nicht antreten.
* keine Postanweisungen nach dem Ausland. Die Uebersicht der Postanweisungskurfe fällt nach einer Mitteilung der deutschen Reichspost bis auf weiteres durch die geänderten Wirtschasts- und Geldverhältnisse aus. Die Post nimmt keine Einzahlungen auf Postanweisungen nach dem Auslande an. Die Postscheckämter sind angewiesen, ebenfalls wegen der Unterbrechung der Notierungen an den deutschen Börsen die eingehenden Uebevweifungen nacktem Auslande bis auf weiteres nicht auszuführen.
* Die Unterbringung der neuen Ernte. Die Ernte an Roggen, Weizen, Gerste und Hafer beträgt in Hessen rund 400 000 und in Hessen-Nassau 800 000 Tonnen. Ein bedeutender Teil der Ernte bleibt zwar beim Erzeuger, immerhin müssen riesige Mengen bis zum Verbrauch eingelagert werden. Hierfür stehen in Hessen-Nassau 187 Lagerhäuser mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 86 000 Tonnen und in Hessen 100 mit 54 000 Tonnen zur Verfügung. Meist handelt es sich hierbei um kleine Lagerhäuser mit weniger als 100 Tonnen Fassungskraft, nur . je zwei überschreiten die 5000-Tonnengrenze. Zu diesem Lagerraum treten noch die Lagerräume der Mühlen. Allein die Mühlen mit einer Tagesleistung von über 20 Tonnen verfügen über emen Raum zur Lagerung von 57 000 Tonnen in Hessen-Nassau und 27 000 Tonnen in Hessen. Im ganzen könnten also ohne weiteres über 220 000 Tonnen gelagert werden. Tatsächlich wird der vorhandene Lagerraum aber nur zu einem Sechstel ausgenutzt.
* wann sind die Iahre mückenreich? In diesem Jahre wird besonders heftig über die Mückenplage geklagt, und da muß es interessieren, den Bedingungen nachzuforschen, unter denen sich diese blutsaugerischen Insekten entwickeln. Nach einer Darstellung der Ehemiker-Zöitung gibt es in Deutschland zwei Hauptgruppen von Stechmücken; bei der einen "Gruppe durchwintert das Weibchen und beginnt im Frühjahr mit der Fortpflanzung, die sich dann rasch von Generation zu Generation fortsetzt. Hierher gehören u. a. die gemeine Stechmücke, die Malaria-Mücke und die Ringelmücke. Ihre Häufig- keit hängt hauptsächlich von den Feumtiakeitsver- Hältnissen ab; ist ein Sommer feucht, dann ist die Schar der überwinternden Mücken sehr groß und infolgedessen ist im folgenden Jahre eine Mückenplage zu erwarten. Freilich lassen sich diese Herbstmücken durch die Ausräucherung in den Kellern, die von den Behörden vielerorts ungeordnet wird, in ziemlich weitgehendem Maße ausrotten. Dies ist aber nicht möglich bei der anderen Gruppe, den Wiesen- oder Waldmücken, die ihre Eier nicht auf das Wasser, sondern am Rande der Gewässer oder aufs Trockene ablegen. Da die Eier dieser Insekten den Winter überdauern, so kann auf diese Weise der Bestand der Art ins nächste Jahr hinübergerettet werden. Auch diese Blutsauger vermehren sich am reichsten nach Frü'hj ahrsüb erschwemmun- gen, die die Wiesenflächen unter Wasser fetzen und die dort ruhenden Eier zur Entwicklung bringen. Viele Regengüsse im Sommer tragen zur Bermeh- rung bei. Jedenfalls hmrgt bei beiden Gruppen die
Massenentfaltung in hohem Grade von der Feuchtigkeit ab.
tVettevvevicht
Die nach Mitteleuropa vorgedrungenen Kaltluftmassen, die hier ein Hochdruckgebiet aufgebaut hatten, sinken jetzt unter starker Erwärmung und Aufheiterung rasch zusammen. Dadurch kommt es zu lebhaftem Druckfall, der am Freitag, durch die Ueberhitzung begünstigt, zur Ausbildung eines Teiltiefs über Westeuropa führen wird. Das heitere Wetter wird dadurch unter Gewittertätigkeit zunächst wieder ein Ende nehmen, doch ist die Ausbildung einer neuen Westwetterlage noch nicht wieder wahrscheinlich, vielmehr wird danach voraussichtlich eine neue Besserung eintreten. — Vorhersage bis Freitag abend: Zunächst noch aufgeheitert und heiß, dann Bewölkungszunahme und Gewittertätigkeit mit dem Einbruch etwas kühlerer westlicher Luft. — Witterungsaussichten für Samstag: Bewölktes Wetter mit noch Neigung zu Nachregen, später erneute Besserung.
«vers Vttdtnse«
eu Langenbergheim, 23. Juli. Unglücksfall. Dem Schmiedemeister Wilh. Seitz 2ter von hier wurden beim Beschlagen eines Pferdes von dem Tier einige Rippen eingeschlagen. Durch diesen Schlag kam der Schmied so unglücklich zu Fall, daß er mit dem Kopf auf den Ambos aufschlug und eine bedeutende Kopfwunde erhielt. Er wurde in das St. Vincenz-Krankenhaus nach Hanau verbracht.
Aus Frankfurt a. M
Gühne nach dreizehn Naveen
Ein Raubüberfall am Opernplatz
: In eine längst der Vergangenheit an gehörende Epoche wurde man in einer Verhandlung vor dem Großen Schöffengericht versetzt, als es sich um die Aburteilung eines westfälischen Schisfsheizers drehte der des Straßenraubs angeklagi war. Die Tat wurde an einem Augustsonntage «n Kriegs- jahre 1918 begangen. Als in den Nachtstunden ein Fliegerangriff auf Frankfurt erfolgte, betraten Zwei Matrosen, darunter der Angeklagte, eine Wirtschaft in der Großen Eschersheimer Straße, um dort Schutz zu suchen. Dort saß ein Feldwebel, der guter Laune war und mehrere Schoppen bezahlte. Unter den Gästen weilte auch ein Kohlenhändler, der zwar auch eingezogen, mar, aber sich in Zivil in dem Lokal aufhielt. Der Händlern der auch gezecht hatte ließ eine Brieftasche fallen, in der sich 1600 Mark befanden. Die beiden Matrosen stießen sich an und warfen sich vielsagende Blicke zu. Als sich der Kohlenhändler nachher auf dem Heimweg befand, wurde ihm am Opernplatz vor dem Denkmal von hinten mit einem Schirm auf den Kopf geschlagen, wobei der Schirmgriff abbrach. Gleichzeitig wurde er von hüben und drüben festgehMen, und es nahm ihm jemand die Brieftasche aus der Brusttasche „Sie sind gekommen wie die Katzen und gegangen wie die Katzen", so drückte sich der Händler in der jetzigen Verhandlung aus. Die Täter entkamen damals; nach einiger Zeit erfolgte die Festnahme des einen, der vom Schwurgericht zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Der Mittäter, eben jener Schiffsheizer, begab sich, nachdem er von der Beute 300 Mark Schweigegeld erhalten hatte in feine westfälische Heimat und wurde dort unter dem Verdacht, einen anderen Raub begangen zu haben, verhaftet. In diesem Verfahren wurde er aber frechesp rochen. Er kam dann auf freien Fuß. Er schloß sich zunächst einer Formation an, die den Kampf gegen die Bolschewiken ausnahm. Dann ließ er sich in Swine- münde von einem dänischen Dampfer anheuern und gelangte 1922 nach Amerika Hier war er auf einer seinem Schwiegervater gehörigen Farm tätig, und als die Farm verkauft wurde, siedelte er mit seiner Familie nach Deutschland über. Nun
Ausdruck bringen, weiß jeder Tierfreund, der sich mit der Tierseele befaßt. Besitzer von Hunden wissen meist genau, was der Hund will, wenn er bestimmte Laute von sich gibt. Das ist eine empirisch-praktische Tierfprachenkunde, die allgemein geübt wird, aber mit der wissenschaftlichen Erforschung nichts zu tun hat. Die wissenschaftliche Arbeit ist jedenfalls eine erwünschte Ergänzung der bisherigen Kenntnisse und wird sicher dazu beitragen, auch in das rätselhafte Dunkel der Tierseele einen Einblick zu gewähren. Die Arbeiten Schmidts sind auf diesem Gebiete bahnbrechend, denn sie machen die Erforschung der „Sprache" der Tiere -unabhängig von den Irrtümern und Zufällen der Erkundung durch das menschliche Ohr.
TvMans Geelenwattdemms
Eine Unterhaltung mit Walter Kirchhof
o Ein großer Tenor hat Europa den Rücken gekehrt, um als Beteiligter bei der „Freien Zeitung" in Newyork einen wohl einzigartigen Wechsel des Berufes zu beginnen. Tristan ist tot, zu guterletzt gab ihm nicht Isolde, sondern die Presse den Liebestrank. „Ich spielte meine Lieblingsrolle ca. lOOmaL Ich sage Ihnen dies, weil amerita« Nische Reporter Zahlen größere Bedeutung als anderen Tatsachen beimaßen." Die Frische und Lebendigkeit des eleganten Zivilisten, dessen Gesicht keine Spur beruflicher Resignation entdecken läßt, veranlassen mich, mein Erstaunen über das Hinüberschwenken von der bekrittelten zur kritischen Laufbahn auszudrücken. „Ich scheide zu meinem ehrlichen Bedauern von den Brettern, mit denen ich 25 Jahre verbunden war; aber ich habe keine Gelegenheit, auf deutschen Opernbühnen zu singen."
Es ist übrigens nicht der erste krasse Berufswandel, den Kirchhof Äurchmacht. Als Fünfund- zwanzigjähriger sagt er dem „bunten" Rock der Opernbühne zuliebe ade. Dragoner in Metz. Mit einem Lächeln: „Leutnant war ich einst bei den Dragonern. Mit 25 Jahren Offizier, 25 Jahre Wagnersänger, und nun hoffe ich, weitere 25 Jahre Zeitungsmann zu sein." Eine bunte Seelenwanderung — aber die Frage nach dem Nirwana steht noch offen. Kirchhofs Name als Tenor ist an dem „Opernhaus Unter den Linden" bekannt geworden, ausg-edehnte Gastspielreisen festigten dann seinen Ruhm im Ausland. Norwegen, Schweden, Spanien, Südamerika, zuletzt sang er mit großem
ergab es sich, daß er hier noch ein Konto zâ gleichen hâ, und so mußte er dreizehn Qahré nach der Tat vor Gericht erscheinen. Sein Mii- täter hat seine Strafe längst abgefeffen. Jnzwjsch^ ist auch die Stvafpvozeßoronung geändert worden und der Angeklagte braucht nicht wie sein Mittäter vor dem Schwurgericht zu erscheinen, da nun das Große Schöffengericht zuständig geworden ist j)er bisher noch unbestrafte Angeklagte, der sich durck seine früher gemachten Angaben belastete, behaus tet jetzt, daß er den Beschützer des Kohlenhändler- gespielt habe, denn er habe den AbgeurtMten davon abzuhalten versucht, auf den Händler einzuschlagen. Als der Angeklagte die Tat beging, uuir er, wie sich aus einem Gutachten des Medizinal. rats Dr. Kohl ergibt, vermindert zurechnungsfähig Im Krieg hatte der Beschuldigte einen Gehirnstcck. schuß boDongetragen. Das Gericht ließ aus diesen Gründen Milde, walten und erkannte wegen schweren Raubs auf eine Gefängnisstrase von einem Jahr. Dem Angeklagten wurde eine Bewährungsfrist von drei Jahren bewilligt.
Familientragödie in Frankfurt
Ein Vater vergiftet seine beiden Söhne und . sich selbst mit Lysol
’: Donnerstagabend gegen 19 Phr hörten die Bewohner eines Hauses in der Allerheiligenftrasi aus der Wohnung eines dort wohnenden Sanfte- amten Stöhnen und Röcheln. Als auf wiederholtes Klopfen nicht geöffnet wurde, drangen die Rach. Harn in die Wohnung ein. Sie fanden den Zn- Haber der Wohnung, einen ZSjährige» Bankbeam- ten, und seine beiden neun- und zehnjährigen Söhne auf dem Boden liegend in qualvollen Schmerzen vor. Der Vater halte feinen beiden Söhnen Lyfol zu trinken gegeben und dann selbst das Gift getrunken. Die sofort herbeigerufene Rettungs- wach« verbrachte die Drei in das heiliggeist-ho. fpital. während der eine Sohn außer Gefahr ist, ist das Befinden des Vaters und des zweiten Soh- nes sehr bedenklich. — Der Grund zu der Tal dürste in mißlichen Familienverhätlnissen liegen. Die Ehefrau des Bankbeamten hatte ihre Familie seit einigen Tagen verlassen. — In einem hinterlassenen Briefe bittet der 3 ans beamte seine Ehefrau inständig, wieder zurückzukehren. In einem anderen Briefe schreibt der Ehegatte, daß er Z». sammen mit seinen beiden Söhnen aus dem Leben scheiden wolle.
Große Aktion der Frankfurter politischen Polizei gegen die Ralionalsozialisten
: Die Frankfurter Polizei hatte vor einigen Tagen eine Aktion durchzeführt, die sich in her Hauptsache gegen die Kommunisten richtete und bie nicht gerade von überraschendem Erfolg gefrönt war. Gestern morgen wurde eine zweite Aktion durchgeführt, die gegen die Nationalsoziabisten ge; richtet war und einen besseren Erfolg zeitigte. In aller Frühe besetzten Kriminal- und Schutzpolizei die Gasleitung, die Kreisstelle, das SA.-Büro und die Redaktion Les „Boltsblaites" sowie die Geschäftsstelle in Höchst. Es war der PolizS: in der Hauptsache darum zu tun, festzustellen, woher die zahlreichen ungesetzlichen Flugblätter stammen, die lin den letzten Wochen von nationalsozialistischer Seite verteilt wurden. Diese Flugblätter sollen dem Pressegesetz und den Notverordnungen n.cht entsprechen und auch der Polizei nicht vorgelcgci>j Haben. ^Außerdem suchte ™ Polizei ZU ergründen: ob es Tatsache sei, daß die NationalfoziaMeu Ma terial aus dem Polizeipräsid.um erhalten haben. Wie die Polizei versichert, ist sie mit dem Erfolg der heutigen Aktion durchaus zufrieden.
Revision im Tolfchlagsprozeß Seitz
: Gegen das Urteil des Schwurgerichts, das gegen den Polizeiobwachtmeister Seitz wegen Totschlags feiner Braut ausgesprochen worden war, und das auf vier Jahre lautete, hat die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt.
Ergebnislose Iagd nach Devisenschiebern
t Die Notverordnung über Len Devisenverkehr hatte, wie gemeldet, die Schaffung eines Sonder- bezernats bei der Staatsanwaltschaft und dem Polizeipräsidium Frankfurt a. M. zur Folge. D>c- ses Devsienkommissariat des Polizeipräsidiums Erfolg in London und Paris. Und immer in deutscher Sprache. Der Höhepunkt war die „MetropoU' tan Opera", „wo ich mit meinen bescheidenen Kräften singen durfte". Er will auch «siterM noch gelegentlich Konzerte in Amerika geben. »E sind Sie zu Ihrer neuen Berufswahl geformtem „Ich habe großes Interesse für redaktionelle Arbeiten und in Amerika gute Beziehungen dura, meine Bekanntschaft mit Hoover. Aber abgesehen davon — reizt mich diese neue Tätigkeit ihre Aktivität, Einsetzen voller Arbettskraft, verstehen — wenn man' 25 Jahre Tenor war. Man hat dabei Fett angesetzt." Er spricht mit von der deutsprachigen „Freien Zeitung", die m nächsten Jahre ihr 75jähriges Bestehen R" „Welchem Gebiete wollen Sie sich besonders M men?" — „Dem kulturellen. Ich erstrebe den M bau einer starken, gänzlich unpolitischen Heroin Lung mit der Heimat. Anschließend: „ . • • freue mich auf die neue Arbeit — lediglich Bern verlasse ich wegen der vielen schönen Frauen m gern." ___________
o Berliner Wozart-Iugenocyor. Am 31.
gibt der Berliner Mozart-Chor ein Konzert in de Stadthalle. Durch seine ausgedehnten Konzern reifen hat der Chor sich einen außerordentlich guCu Ruf in der Musikwelt verschafft und die Krittke unserer bedeutendsten deutschen Tageszeitungen l1^ des Lobes voll. So berichtet der „Han. Anzeiger unterm 9. 8. 28. Das diesjährige Konzert des Ber liner Mozart-Chors (sein drittes hier in Hanau gestaltete sich zu einem vollen Triumph. Man kaw nur staunen, wie erschöpfend in Technik wie abu™ und Vortrag er mit seiner Schar die einzelne» Kompositionen meistert. Alle Achtung vor Taten der verschiedenen Domchöre, jedoch hier die Voraussetzungen zum Erfolge in Anbetracht de' weit größeren Mitgliederzahl Jugendlicher doch bedeutend ungünstiger; um so höher ist also der folg zu werten. Eine blendende Dynamik und klar Aussprache. Tonreinheit und Sicherheit im Stoi'- flüssiger und belebter Vortrag, charakterisieren Darbietungen. Kein Wunder also, wenn man den meisten Werken von schlechtweg vollendeten Vortrag sprechen darf und muß. Wunsch auf bau bifles Wiedersehen mit dem erstklassigen Chore. Kartenvorverkauf bei Jean Paul, Krämerstrasst- Musikhaus C. Schaaf, Inh. K. Müller, Marktplatz -und Hapag-Reise-Büro, V. Holly, Langstrahe.