Einzelbild herunterladen
 

Donnerstag de«

«e. MO

1931

23. An«

ErMungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. / Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aüf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Lezugspreises. / Fürplahvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. / Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956,3957,3958

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / LezugSpreis: Für den halben Monat IM. 1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, FreitagiS, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Sreite 8 5t*pf8-» im Reliameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. / Offerte «gebühr 50 R«pfg.

Kanarr Stadt und Land

Vor dem GchwS der Konferenz

Die amevikanischen Kredite bleiben in Deutschland - Englischer Besuch in Bevliu

Armee in der

ÄtWfW- ^WV^^UM

Aus London werden Fortschritte in den Ver­handlungen für ein Stillhaltekonsortium und den Rediskont für die Reichsbank gemeldet.

Es verlautet, daß die Beratungen des Aus­schusses der Finanzminister zu einer Vereinbarung geführt haben, die morgen der Konferenz zur Kenntnisnahme unterbreitet werden soll.

Dr. Curtius hatte am Mittwoch um 18 Uhr mit Briand eine Unterredung. Ueber den Gegen­stand dieser Unterredung ist nichts bekannt gewoden.

Dem amerikanischen Senator Morrow ist es ge­lungen, zwölf amerikanische Banken zur Belassung ihrer Kredite in Deutschland zu veranlassen.

Die kommunistische Partei hat beschlossen, ihre Anhänger aufzufordern, bei dem für den 9. August, anberaumten Volksentscheid sich für die sofortige Auflösung des Preußischen Landtages einzusetzen. Die Kommunisten wollen nunmehrdie Führung des Volksentscheides" übernehmen.

Im Haag legte gestern Dr. Kaufmann den Standpunkt Oesterreichs zur Zollunion dar.

Russische amtliche Meldungen bestätigen die Nachrichten über die Niederlage der chinesischen Ro Armee in der rovinz Süd^Kiangsi und er- ________ __............. ; * zwischen chinesischen Regierüngstruppen und der chinesischen Roten Armee auf beiden Seiten mehr als 4000 Mann gefallen sind. Der Führer der Roten Armee Sacilin' hat sich selbst erschossen. Die Niederlage hat in Moskau großes Aufsehen erregt.

In der spanischen Provinz Sevilla dauerten die syndikalistischen Ausschreitungen in der Nacht zum Mittwoch fort. Bei dem Versuch, das Tele­phongebäude in Coria del Rio zu stürmen, gab es drei Tote und zahlreiche Verwundete. Bei Zu­sammenstößen in Dos Hermanas wurden etwa 20 Personen schwer verletzt.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" wird morgen zu der geplanten Fahrt in die Arktis starten. In Friedrichshafen sind die letzten Vorbereitungen ge­troffen worden.

In der Nähe von Besancon in Frankreich ver­brannten drei junge Leute bei einem Kraftwagen­zusammenstoß. Der Unglückswagen wollte einem Motorradfahrer ausweichen und raste dabei gegen einen vor ihnen fahrenden Lastwagen. Der An­prall war so heftig, daß der Benzmbehalter des Personenwagens platzte und der Brennstoff fi ) über den heißen Motor ergoß. Im Nu stand der ganze Wagen in Flammen. Die drei Insassen ver­brannten. *

Im Proviantamt der Reichswehr in Altdamm bei Stettin brach heute vormittag Feuer aus, das rasch großen Umfang annahm. Es ist bisher noch nicht gelungen, des Feuers Herr zu werden.

Nach einer Havas-Meldung aus Santiago de Chile ist das chilenische Kabinett zuruckgetrctcn.

Wie aus Sevilla berichtet wird, .sind der Ge­werkschaftsführer Dr. Vallina und seine Anhänger die gegen Sevilla marschieren wollten, verhaftet worden. Es verlautet, daß sie bereits nachAfnka deportiert morden seien, doch liegt eine B i gung hierfür nicht vor.

Wie Reuter aus Washington meldet, werden die verhängnisvollen Folgen des Versuchs der Alliierten, während der Weltwirtschaftskrise Reparationen von Deutschland zu verlangen, durch die von den amerikanischen Anwaltdepartements verojfentlm ten statistischen Angaben klar gezeigt. Dar°us e h man, daß für die am 31. Dezember 1931 ablaufenöe siebenjährige Periode die Handelsbilanz Deu sch um 1500 000 000 Dollar passiv gewesen sei, und dasi dieser Staat während desselben Zeitraum 2 500 000 000 als Reparationen habe zahlen mutzen. Um dies tun zu können, sei Deutschland gezwungen gewesen, 3 835 000 000 Dollar zu leihen.

Eine Reihe großer Arbeitgeberverbände darun­ter Verband Berliner Metall,ndustrieller, der Arbeitgeberverband der chemischen Industrie G Ur berlin und der Reichsverband des Deutschen Emzei Handels hat es abgelehnt, von der 'Ermächtigung einer der letzten Notverordnungen Gebrauch zu machen, die Gehälter ihrer Angestellten m zwei Noten zu zahlen.

*) Näheres siehe im politischen Teil.

Die ersten Ergebnisse

London, 22. Juli. Die ernsten Mienen auf den müden und abgespannten Gesichtern der Konferenzteilnehmer, als sie heute kurz nach 13 Uhr das Auswärtige Amt verließen, hatten nicht vermuten lassen, daß sowohl die amtliche Mitteilung über die heutige Morgen­sitzung wie die amtlichen Kommentare auf einen optimistischen Ton gestimmt waren. In gewissem Sinne hat es sich bewahrheitet, was der Sprecher der englischen Regierung gestern in später Abendstunde mikteilte, daß nämlich die heutige Sitzung die entscheidende würde, denn die Konferenz ist nicht, was man aus der allgemeinen Stimmung in konferenzkreisen gestern abend befürchten mußte, auseinander gefallen. Die Franzosen sind dageblieben und

haben heute rege mitgearbeitet.

Ueber die Besprechungen der sieben Mächte, die um 13 Uhr vertagt wurde, wurde folgendes Kom­munique Horausgegeben:

Die internationale Konferenz hielt heute um 10 Uhr eine weitere Besprechung im Foreign Office ab, die sich weiter mit den Methoden befaßte, das Vertrauen in die Sfabilifä der deutschen finanziellen Lage durch eine einvernehmliche internationale Koo afion auf der Basis des vom Komitee der Finanzminister vorgelegten Berichte wiederherzu. stellen. Es wurde ein Fortschritt erzielt und gewisse technische Fragen sind den Finanz- ministern überwiesen worden, welche darüber heute nachmittag beraten wollen und der morgen vor­mittag abzuhaltenden Hauptkonferenz Bericht er­

staffeln werden.

Es sind einige Fo ratsch ritte

ge-

prechung mit den deutschen Pressevertretern ein. Er wies darauf hin, daß gestern nachmittag die Finanzmrnistsr der in Betracht kommenden Länder zusammengesessen haben, und daß sich der Gegen- tand der Diskussion im wesentlichen um drei Punkte gedreht hätte.

1. Die Verlängerung des bisherigen Rediskont­kredites von 100 Millionen.

2. Die Maßnahmen, um sonstige private kre- dike folgen zu lassen.

3. Die Frage, wie darüber hinaus neue kurz­fristige Kredite der Reichsbank zur Verfügung ge­stellt werden können.

Verschiedene Anregungen wurden in dieser Rich­tung gemacht, die heute vor die Vollkonfötenz ge­bracht wurden. Sie sind in formulierte Vorschläge gefaßt, die eine Einleitung enthalten und worin die verschiedenen Punkte angeführt werden, ohne daß deshalb die Vorschläge als endgültige Vorschläge be­trachtet werden können. Es ist ausdrücklich betont worden, daß es sich lediglich um Anregungen han­delt, die sich aus den gesamten Diskussionen heraus kristallisiert hatten, und daß die Finanzminister und Landesvertreter in ihren Entscheidungen frei sind und nicht gebunden durch die Stellungnahme der FinanMninister. In der Einleitung des Dokumentes, das nicht in die Oeffentlichkeit gelangen wird, weil es umredigiert und in eine endgültige Entschei­dung eingefügt werden wird, wird deutlich betont, daß'

die Aufrechkerhaltung der finanziellen Stabili­tät Deutschlands wesentlich für die Interessen der ganzen Welt und der auf der Konferenz anwesenden Regierungen ist. und daß alle Re­gierungen bereit sind, zur Wiederherstellung des

Vertrauens zusammenzuarbeiten, soweit es in ihrer Macht liegt.

Abstempelung

der Lohnttfieu

Ein EviaS des vreutzttlbe« SandelsministevS

Berlin, 22. Juli. Durch den Amtlichen Preu­ßischen Pressedienst wird folgender Erlaß des preu­ßischen Handclsmiyisters bekanntgegeben:

Die Kreditinstitute dürfen nach der dritten Not­verordnung über die Wiederaufnahme des Zah­lungsverkehrs nach Bankfeiertagen vom 18. Juli 1931 Barauszahlungen und Ueberrveifungcn unbe­schränkt vornehmen, soweit der Empfänger die Be­träge nachweislich benötigt zur Zahlung von Loh­nen, Gehältern, Ruhegehältern und ähnlichen Be­zügen. Der Nachweis bei den Kreditinstituten wird durch Vorlegung von Lohn- und Gehaltslisten getrennt nach Arbeitern und Angestellten unter Angabe der Lohn- und Gehaltsperiode geführt, die von der örtlich zuständigen Polizeibehörde ab= gestempelt sind.

Die Polizeibehörden werden er­sucht, die Abstempelung dieser ß i ft e n auf Antrag vorzunehmen. Durch die Ab­stempelung wird nicht die Richtigkeit des Inhaltes der Listen anerkannt. Sie soll nur verhindern, daß auf Grund mehrerer ungestempelter Listen bei . . .

verschiedenen Kreditinstituten Mehrmals Beträge oder aufzubewahren, für die gleiche Lohnzahlung abgehoben werden.

Dies wurde besonders betont mit Rücksicht auf die gestrige Nachricht, daß die Franzosen d e s- interssiert wären und ihr Gang nach London nur als ein Akt der Höflichkeit zu betrachten sei. Diese Nachricht ist völlig unbedründet. Die Franzosen haben sich, wie von deutscher Seite her­vorgehoben wurde, durchaus positiv eingestellt, nicht nur zu der erwähnten allgemeinen Einleitung, son­dern auch zu jedem einzelnen Punkt. In der Frage des Rediskontkredites und des Stehenlassens sonstiger Kredite ist heute Uebereinstimmung erzielt wor­den. Letzteres ist insbesondere der amerikanische Gedanke, nämlich, daß vor allem Sicherheit ge­schaffen werden muß, damit die jetzt in Deutschland vorhandenen kurzfristigen Kredite nicht weiter ab­gezogen werden.

bSerbe« in DerrLMZand

Verpflichlung amerikanischer Banken zur Aufrecht­erhaltung der Kredite in Deutschland

Washington, 22. Juli. Die gestrige Erklärung des Staatsdepartements, daß, hiesigen Infor­mationen zufolge, die Bankiers dem neuen ameri­kanischen Plan zustimmen würden, wurde heute durch die weitere Mitteilung ergänzt, daß Senator Morrow, der aus der Zeit, da er Partner Mor­gans war, enge Beziehungen zur Wallstreet be­sitzt, auf den Wunsch Hoovers hin, zwölf führende amerikanische Banken dazu bestimmte, sich in schriftlicher Form dazu zu verpflichten, daß sie während der gegenwärtigen Krise keine Depots, Vorschüsse oder Kredite aus Deutschland zurück­ziehen.

Als Zeichner dieses Versprechens werden von Baltimore Sun" u. a. genannt: Chase National, National City, Chatham Phönix. American Exchange and Irving Trust Bank. Morgan u. Co. ist nicht erwähnt.

Die neuen Vorschläge des Präsidenten Hoover sind damit von feiten der amerikanischen Banken angenommen worden. Nach offiziellen Schätzungen dürfte der amerikanische Anteil an den kurzfristigen Krediten, die Deutschland vom Ausland gewährt wurden, annähernd 600 Millionen Dollars be­tragen.

DerNewyork Times" zufolge, gewinnt in Newyorker Finanzkreisen die Ueberzeugung immer mehr an Boden, daß die deutsche Finanzkrise zwangsläufig zu einer Neuaufrollung des gesam­ten Fragenkomplexes der Schulden und der deut­schen Reparationen führen werde. An einer Herab­setzung der deutschen Reparationen werde man da­bei nicht vorbeikommen.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Die Abstempelung darf nur von der örtlich zu­ständigen Polizeibehörde vorgenommen werden. Einem Unternehmen darf nur eine Liste abge­stempelt werden. Hat ein Unternehmen Nieder­lassungen in den Bezirken verschiedener Polizeibe­hörden, so muß es auf der Liste entweder er­klären, daß es Listen bei anderen Polizeibehörden zur Abstempelung nicht vorlegt, oder es muß aus jeder Liste die Beträge vermerken, auf die die übri­gen von seinen anderen Niederlassungen vorzu- legenden Listen lauten.

Das Kreditinstitut, das auf Grund der ge­stempelten. Liste die, Auszahlung oder Ueberweisung vornimmt, durchstreicht den Stempel oder vermerkt auf der Lifte neben dem Stempel den ausgezayi- ten oder überwiesenen Betrag. Nach Ablauf einer Gehalts- bzw. Lohnperiode kann die abaestempettc Liste der Polizeibehörde erneut zur Abstempelung vorgelegt werden, damit auf Grund dieser Av- stempelung die weiter fälligen Lohnbeträge avge- holt werden können. Ueber die Abstempelung hat die Polizeibehörde einen Vermerk aufzunehmen

Ettttü«schu«g in London

Die Londoner Konferenz hat die Erwar­tungen nicht erfüllt, die auf sie gesetzt wurden. Sagen wir es offen: es ist eine Enttäuschung. Sie hat die Aufgaben nicht zu lösen vermocht, die an sie gestellt wurden. Sie bedeutet kei­nen Wendepunkt in der Geschichte der Nach­kriegszeit. Indessen braucht die Welt nichts so dringend wie gerade eine entscheidende Wen­dung. Denn so wie bis jetzt kann es nicht weiter gehen, weder in Deutschland noch in der übrigen Welt. Das wissen wir alle schon seit langem. Nur die Staatsmänner und die Wirtschaftsführer scheinen anderer Meinung darüber zu sein.

Ein großes Berliner Blatt, das der Schwer­industrie nahe und politisch recht weit rechts steht und kaum die Gefahr läuft, als rot oder auch nur rosa bezeichnet zu werden, schrieb unlängst nicht ohne Bitterkeit:Es scheint überhaupt nicht, daß die Weltfinanziers und die Weltpolitiker dem Tempo der herandrohen­den Weltkatastrophe gewachsen sind." Diesem Satz kann nur vollkommen beigöpflichtet wer­den.

Die Minister-Konferenz in London hat sich mit erschreckender Schnelligkeit als eine Kon­ferenz wie viele andere entpuppt. Das alte ertreibMU hEr^ Kulissen, egenmanooer, Verschiebungs- ommissionsberatungen, Bildungen von Komitees, Vertagung der Streitfragen bis zur neuen Konferenz. So wurde schon im­mer versucht, die bestehenden Gegensätze zu vertuschen, ohne sie aus der Welt zu schaffen. Ein solchesMindestprogramm" könnte viel­leicht zu normalen Zeiten in Kauf genommen werden, aber man mußte eigentlich annehmen, daß heute diese Methoden nicht mehr am Platze sind, es sei denn, daß man bewußt dem Unter­gang zuzusteuern sucht. Und diese Ansicht kann doch nicht im Sinne derer sein, die das Schicksal nicht nur Deutschlands sondern der gesamten zivilisierten Welt in ihren Händen halten.

Man hat in London in der Hitze des Ge­fechtes offenbar vergessen, um was es eigent­lich geht und was auf dem Spiel steht. Man hat vergessen, daß heute niemanden mehr mit Zwischenlösungen geholfen werden kann. Eine Atempause? Was aber weiter? Die Hoffnung, daß es dann irgendwie von selbst schon werden wird, wäre eine gefährliche Selbsttäuschung. Vogelstraußpolitik auf weite Sicht hin das ist kein Rezept zur Heilung der schweren Krankheit, von der die meisten Länder der Welt heute befallen sind, und erst recht kein Ausweg aus der verzweifelten Lage, in der sich heute Deutschland und die deutsche Wirtschaft befindet. Der amerikanische Staatssekretär des Aeußern Stimson irrt sich, wenn er unter Berufung auf Hoover und dessen Ratgeber Morrow erklärt, eine Stillhalteaktion, das heißt eine Aktion, die einen weiteren Abfluß von kurzfristgen Krediten aus Deutschland unterbinden soll, würde Deutschland retten. Eine solche Maßnahme ist außerordentlich be­grüßenswert, sie ist geradezu notwendig, aber sie ist nichh ausreichend. Sie wäre am Platze, als einer der zahlreichen Punkte des großen Aufbauprogramms. Als Ersatz für das ganze Programm ist sie ein Tropfen Wasser auf den heißen Stein. So erfreulich es auch ist, wenigstens den ersten Schritt auf dem lan­gen Wege zur Gesundung zu machen, so zweck­los ist dieser Schritt, wenn der weitere Weg nicht vorgezeichnet bleibt. Es ist wirklich höchste Zeit, daß die Führer des politischen und wirt­schaftlichen Lebens sich endlich etwas mehr von demPlangedanken" leiten lassen, von dem in der letzten Zeit so viel die Rede ist und von dem man in der Praxis so wenig merkt. Will man schon Entleihungen bei Stalin machen, dann ist heute eine nie wiederkehrende Ge­legenheit dazu gegeben. Solange aber die Gegensätze das politische und wirtschaftspolt-

Die heuikse Nummev MmlW

10 Gekten