Saturn Gtadt und Land
1931
üe. 169
Mittwoch he«
22. LU»
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Anzeiger Wr^j
Ämevita greift ein
Älbftovvo« der ^veditabzüge beschlossen - Das französische Milliaeden-Anleibe-vvoiekt wesen seine« politischen Forderungen fallen selassen
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* Auf der heutigen Dormittagsfitzung der Londoner Konferenz ist ein Vorschlag der amerikanischen Regierung vorgelegt worden, daß die Banken der M ihre Kredite in der bestehenden Höhe in Deutschland belassen foltern
* Die Rsichsregierung veröffentlicht eine Der- «rtnung über die 'Auszahlung der Beamtengehöl- i«. Es handelt sich um eine einmalige Maßnahme. Sie Notverordnung gift auch für die Privatwirtschaft
Bor dem offiziellen Beginn der Konferenz Dienstag um 10 Uhr vormittags hatten Reichs- imzler Dr. Brüning und Staatssekretär Dr. Schäfer vom Reichsfinanzministerium eine einstündige Besprechung mit Snowden und Roß im Schatzamt, während Reichsaußenminister Dr. Curtius und Ctaatsfskretâr von Bülow eine Unterredung mit Henderson lim Foreign Office hatten.
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Reichstagspräsident Löbe hat heute vormittag dem österreichischen Bundeskanzler Buresch einen Besuch abgestottet.
Dienstag nachmittag wurde das Karl Liebknecht- staus in Berlin nach verbotenen Zeitschriften durch- Mcht. Dabei wurde der Landtagsavgeordnete Gohlke wegen Behlftdevung der Sl'mtshandlungen feftg-enommen. Weiter wurde eine Person wegen Plhatogvaphierens polizeilicher Maßnahmen verhaftet. Sie wurde der 'Abteilung la zugeführt. Bon ben Beamten wurden mehrere hundert verbotene Broschüren und Zeitungen beschlagnahmt. Zwischenfälle irgendwelcher Art Haden sich nicht ereignet.
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* Die französische Regierung hat dem General- lstretär des Völkerbundes eine Note übermittelt, die das Programm der französischen Regierung für die Abrüstungskonferenz enthält. Die Note vertritt mit ungewöhnlicher Schärfe die bekannte imnzösische Forderung, daß die internationalen Verträge nach wie vor als alleinige, unerschütterliche Grundlage für die darin geschaffenen Verpflichtungen anerkannt werden müßten.
Einer Reutermeldung aus Nanking zufolge, heben die chinesischen Regierungstruppen in der Provinz Kiangsi, die von Kommunisten besetzte Stadt Ningtu mit allen modernen Kriegsmitteln ""gegriffen' und, wie es in einer Regierungsmit- Nrmg heißt, „vom Erdboden wegbombardiert." Der Kampf um die Stadt dauerte 12 Stunden. Bon der Stadt soll nichts übrig geblieben fein als Ulrichsnde Trümmer und ein Anblick wüstester Zer. förung.
Montag abend kam bei Diou in Frankreich ein Pneatkraftwagen, in dem der Besitzer Mit Frau . M Tochter, sowie ein Fmnd Platz genommen hotten, in scharfem Tempo beim Ueberqueren der ""ire-Brllcke ins Rutschen, durchbrach das Geländer "td stürzte auf die 12 Meter tiefer liegende Sand- JW. Hier überschlug sich der Wagen. Alle vier Nassen waren auf der Stelle tot und zum Teil 'ächtbar verstümmelt.
. Das Dresdner Polizeipräsidium hat auf Grund p II. Verordnung des Reichspräsidenten zur Be- fMpfung politischer Ausschreitungen vom 17. ds.
bic kommunistische Wochenzeitung „Der arme Achsel aus der Oberlausitz", sowie die 14tägig er- Ninenbe, ebenfalls kommunistische „Sächsische f^werbslosenzeitung" mit ihren Kopfblättern „Der ^leitslose, Kampforgan der R. G. O. der In- Mriegebiete Leipzig, 'Wurzen und Forna", sowie
„Roter Ruser" auf die Dauer von zwei Mollen verboten.
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, Die Regierungskommission des Saargebiets gibt ,efannt: Angesichts der gegenwärtigen Lage sind °ut Verfügung des Mitgliedes der Regierungs- wmmissjgn für'die Angelegenheiten des Innern vom -bIuli 1931 bis auf weiteres alle öffentlichen Ver- ""staltungen mit Ausnahme von Versammlungen "' geschlossenen Räumen und von sportlichen Ver- ""staltungen auf den Sportplätzen verboten.
. ^iach einer Havas-Meldung aus Buenos Aires in der Provinz Corrientes ein Jnfanteric-
'"iaillon gemeutert. Einzelheiten fehlen noch. *
. Das englische Unterhaus lehnte mit 167 gegen Stimmen einen Gesetzentwurf ab, durch den freiwillige Unfruchtbarmachung von geistes- ^achen Personen gestattet werden sollte.
*) Näheres siehe Im politischen Teil.
Die neuen Vse-chiage
Washington, 21. Juli. Der volle Text des Vorschlages, den Amerika durch 5tim- son der Londoner Konferenz unterbreiten lassen wird, lautet: Der Kern des Problems ist die Wiederherstellung des Vertrauens in Deutschlands Wirtschaft, sowohl in Deutschland selbst wie im Auslande. Was die politische Seite anbetrifft, so hofft Amerika, daß die Völker Europas durch gegenseitiges Verständnis und guten Willen alle Reibungsverhältnisse beseitigen, damit die Welt mit der politischen Stabilität Europas rechnen kann. Was die wirtschaftliche Seile anbetrifft, so ist die gegenwärtige Rotlage durchaus eine Krisis
kurzfristiger Kredite.
Der Hcruptdruck auf Deutschlands Wirtsck>ast in der Zeit der Depression ist durch den gemeinschaftlichen Schritt der Gläubigermächte mit der Suspendierung aller Zahlungen aus Regierungsschul- den für ein Jahr erleichtert worden. Deutschland
hat aber sein Wirtschaftsleben zu einem sehr beträchtlichen Grade mittels ausländischer kurzfristiger Kredite finanziert. Es liegt kein Grund vor, die Sicherheit der Grundlage, auf der diese Kredite ruhen, Ml bezweifeln. Aber die in den letzten Wochen herrschende allgemeine Unsicherheit brachte einen solchen Verlust an Vertrauen mit sich, daß Deutschlands Bank- und Kreditwesen einer sehr schweren Belastung ausgesetzt war. Diese Belastung nahm zwei ganz bestimmte Formen an, deren Folge ein
WM der DanMittel â Me BerniinderuM des Gold- und Devisenbestandes war. Erstens gab $
ès
eine Flucht aus der Mark in Deutschland
selbst, zweitens wurden ausländische Depositen abgezogen und die Kredite seitens ausländischer Banken beschnitten. Diese Bewegungen sind durch nichts zu rechtfertigen, und wenn sie durch eine gemeinsame Aktion aufgehalten werden können, so besteht kein Grund, daß die gegenwärtige Notlage nicht sofort und endgültig überwunden werden könnte. Was das Nächstliegende betrifft, nämlich die innere Flucht vor der Mark, so kann dies — und es geschieht dies bereits — erfolgreich bekämpft werden durch die entschiedenen Maßnahmen der deutschen Regierung und der Reichsbamk. Wenn die unberechtigte Besorgnis einmal überwunden ist, so kann der Patriotismus des deutschen Volkes sicherlich dazu geführt werden, die Zerstörung des Kredits des eigenen Landes zu verhindern. Was die auswärtigen Kredite betrifft, so glauben wir, daß die erste Annäherung an dieses Problem in der Aufstellung eines Programms besteht, das
eine Verlängerung der laufenden Kredite
um eine angemessene Frist ermöglicht. In diesem Zusanuneuhang nehmen wir an, daß diese Kreditverlängerung zusammen mit der Befreiung von den Separationen und den sich aus der Behebung der Panik ergebenden natürlichen Rückflüssen genügen sollte, um den gegenwärtigen Bedarf der deutschen Wirtschaft zu decken.
Andererseits dürste klar sein, daß, sofern, für die Aufrechterhaltung der Kredite keine Maßnahme getroffen wird, ein Versuch, neue kurzfristige oder langfristige Kredite zu beschossen, unwirksam sein würde.
Bei der Entwicklung eines solchen Programms könnten die Länder, die Hauptbankzentren besitzen, einschließlich der Vereinigten Staaten, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Holland, Italien, Japan und der Schweiz und andere wichtige Vank- zentren es gut auf sich ne heuen ihren Bankiers anzuempfehlen, in der Weise organisatorisch varzu- gehen, daß es ermöglicht wird, die laufenden Kredite für Deutschland für einen angemessenen Zeit' raunt aufrcchtzucrhalten. Die Verantwortung für die Ausarbeitung der Einzelheiten eines solchen Programms und die Methoden, um cs mit gebührender Berücksichtigung des Schutzes für die Banken und der Bedürfnisse der deutschen Wirtschaft wirksam durchzuführen, sollte den Bankgc- meinschasten der betreffenden Länder überlassen werden, und den Zentralbanken könnte, so glauben wir, das Vertrauen entgegengebracht werden, daß sie die notwendige Führerschaft in Bezug auf das Zusammenwirken und die Leitung übernehmen.
Derartige freiwille Abmachungen sollten für die gegenwärtige Zeit ihre Ergänzung finden in einer strengen Kontrolle aller Devisentransaktionen durch die Reichsbank
derart, daß die Integrität des Programms aufrechterhalten werden kann und daß die Banken, die daran teilnehmen, versichert sein können, daß keine willkürlichen Abziehungen stattfinden, weder von deutscher Seite noch außerhalb Deutschlands. Das wird zur Aufrechterhaltung des Gesamtbestandes der Kredite aus jedem Lande beitragen.
Mr find der Anficht, daß, wenn ein derartiges Budget schnell zur Ausführung gebracht würde, eine unmittelbare Wiederherstellung des Vertrauens
die Folge sein würde und daß in verhältnismäßig kurzer Zeit die Notwendigkeit für eine Beschränkung dieser Art verschwinden und dann wieder normale Verhältnisse zur Herrschaft gelangen würden. Für das Vertrauen auf ein solches Ergebnis besteht um so mehr Grund angesichts der Tatsache, daß das Programm der Vereinigten Staaten für die Suspensionen der Schuldenzahlungen rechtswirksam geworden ist und die Ereignisse, die der Ankündigung dieses Programms folgten, deutlich beweisen, daß die Befreiung von der Zahlung der gegenseitigen
legt hat. Von der BIZ. sollte ein Komitee ernannt ernannt werden oder es sollte ein Komitee auf irgend eine andere angemessene- Methode geschaffen werden, um ein Zusammenwirken besonders bei den folgenden Fragen zu gewährleisten:
Um zunächst im Einvernehmen mit den Bankinteressenten in den verschiedenen Ländern von diesen Ländern Vorsorge zu treffen für die Wiedererneuerung des gegenwärtigen Bestandes der tausenden kurzfristigen Kredite, um zweitens über die unmittelbaren weiteren Kre- ditbedürfnifse Deutschlands eine Untersuchung anzustellen, drittens über die Entwicklung von linnen während des Verlaufes der nächsten sechs oder acht Monate für eine teilweise Umwandlung der kurzfristigen Kredite in langfristige Kredite.
Gvklävunsen Saftles
Walhiugkon, 21. Juli. Eastle verlas heute den vollen Text des amerikanischen Vorschlags zur Behebung der gegenwärtigen deutschen Rotlage. Der Plan vermeidet. erklärte er, jegliches Eingehen auf französische finanzielle oder politische Bedingungen und bezeichnet als wichtigstes Problem die Richtkündigung der gegenwärtigen kurzfristigen Kredite sowie deren baldige Umwandlung in langfristige Kredite. Als einzige Garantie wird eine strikte Kontrolle steifens der Reichsbank über die Transaktionen in fremden Devisen
Leansreichs
Adeüstimsspeosramm Eine Densschvist an den Volsevbund
Genf, 21. Juli. Das große „Abrüstungsprogramm" der französischen Regierung, das am Dienstag abend vom Völkerbundssekretariat veröffentlicht worden ist, hat hier wie eine ungeheure Sensation gewirkt. Es legt die Grundsätze der französischen Rüstungspolitik und darüber hinausgehend die Richtlinien und Ziele der französischen Außenpolitik auf diesem Gebiete dar. Für das gesamte Abrüstungsprogramm dürfte mit diesem Dokument eine völlig neue Lage geschaffen sein. Die Grundzüge des französischen Rüstungsprogramms sind folgende:
1. Jeder Staat muß genügend bewaffnet bleiben, um sich noch vor dem Eingreifen des Völkerbundes gegen einen unprovozierten Eingriff schützen zu können.
2. Die Rüstungen dürfen nicht unter die für die nationale Sicherheit notwendige Grenze herabgesetzt werden.
3. Keine Rivellierung oder automatische Gleichstellung der Rüstungen aller Staaten.
4. Schärfste Einhaltung des Teiles 5 des Versailler Vertrages, der für die vier Staaken, Deutschland, Oesterreich, Ungarn und Bulgarien bestimmte Rüfttlngsverbote für alle Zukunft festlegt.
gefordert. Castle keilte mit, daß der Plan am Freitag an Stimson und Mellon gesandt wurde und daß Slimfon ihn am Samstag mit den französischen und deutschen Premierministern besprochen habe. Er bezeichnete die Aufnahme des amerikanischen Planes als durchaus freundlich. Er gab ferner an, daß von den 1200 Millionen Dollars der in Deutschland investierten kurzfristigen Kredite etwa die Hälfte aus den Vereinigten Staaten stammte. Er hoffe, daß die Zentralbanken zusammen mit der BIZ. die Privatbanken dazu veranlassen würden, diese Kredite nicht abzurufen, „etwa notwendige weitere kurzfristige Kredite zu geben", dann aber innerhalb des nächsten halben Jahres Ne Umwandlung dieser Kredite in eine langfristige Anleihe in die Wege zu leiten. Er betonte, daß die ersten beiden Punkte lediglich ein erster Schritt seien, um Zeit für diese Umwandlung zu gewinnen. Jn Regierungkreisen sprach man sich zuversichtlich darüber aus, daß der amerikanische Plan mit Rücksicht darauf, daß Deutschlands finanzielle Struktur die „fundamentale Grundlage" sei und daß die Reichsregierung so energische und mutige Schritte zur Bekämpfung der Flucht aus der Mark ergriffen habe, eine baldige Annahme durch die in Betracht kommenden Stellen finden werde. Man sei erfreut über den fteundschafllichen Ton der Diskussion zwischen Frankreich und Deutschland und man glaube, daß die Banken den amerikanischen Plan billigen würden, da es ihnen ohnehin nichts nütze, ihr Geld aus Deutschland zurückzuziehen.
Die Äufttahme der amevi- Sankfchett Vovsthlage
auf der Londoner Konferenz
London, 21. Juli. Wie verlautet, scheint die Hauptfrage der Konferenz das Problem der Erhaltung der Deutschland gegenwärtig gewährten Kredite geworden zu sein. Die von Stimson vorgettage- nen Ansichten werden anscheinend von (Wien Mächten mit Ausnahme Frankreichs günstig ausgenommen. Die Preß Association erfährt von maßgebender französischer Seite, Frankreichs Haltung zu diesen Anregungen werde von der Tatsache bestimmt, daß es fast keine Kredite in Deutschland habe und deshalb nicht direkt von der Frage berührt werde. „Dies bedeutet", so erklärt eine ber, maßgebenden französischen Persönlichkeiten, „daß wir an einem Plan zur Erhaltung der Kredite in Deutschland nicht interessiert sind. Wenn ein solcher Plan ausgestellt werden kann und er Deutschland hilft, seine unmittelbaren Schwierigkeiten zu lösen, so werden wir uns freuen. Das ist jedoch eine Sache, an der die anderen Konferenzmächte in erster Linie interessiert sind. Es ist das aber wahrscheinlich nicht die endgültige Lösung. Und diese Ansicht ist so offenbar und die Atmosphäre ist derart, daß die Möglichkeit der Beendigung der Konferei^ morgen abend oder Donnerstag unter der Voraussetzung besteht, daß die anderen Mächte mit Ausnahme von Frankreich Deutschland in der erwähnten Weise unterstützen werden".
5. Alle Beschlüsse der Abrüstungskonferenz müssen auf der uneingeschränkten Anerkennung der internationalen Verträge ausgebaut sein.
6. Die Abrüstungskonferenz muß ein politisches System der Sicherheit schaffen, in dem sich die Staaten gegenseitig sofortige und wirksame Unterstützung garantieren.
Die Abrüstungsnole gliedert sich in drei Teile. In langen Ausführungen wird im ersten Teil das Verhältnis zwischen Teil 5 des Versailler Vertrages, der die Rüstungsbeschränkungen für die vier besiegten Staaten festlegt, und Artikel 8 des Völkerbundspakkes auseinander gefetzt, der die Herabsetzung der Rüstungen von den nationalen Sicherheiksbedingungen, . insbesondere geographischen und sonstigen Bedingungen der einzelnen Staaten abhängig macht. Wenn die Abrüstungsbestimmungen in Teil 5 des Versailler Vertrages gleichmäßig und allgemein auch auf die übrigen Staaten angewandt werden sollten, so
Die heutige Stamm«? umfaßt
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