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Ka«a« «Stadt und Land

Aschot täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben jlMtf IM.L.-, für den ganzen Monat IM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag IS, HamStag 12R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1mm Höhe im Anzeigenteil ton 28 mm Breite 8 A-PfS, im Reklameteil von 6» mm greife 25 N-Pfg. z Qffertengebühr 50 R-Pfg.

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Mittwoch den

ErMlmgsort und Gerichtsstand für beide Seite ist Hanau, z Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Sezieher keinen Anspruch aüf Lieferung oder Nachlieferung oder ausRückzahlung deS Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keineGewähr geleistet. > Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Femspr. 3956,3951,3958

15. Suli

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Lrettuns durch eigene MI

MobMiievuns dev Selbsthilfe - Dev RetchSpvastdent beicht seinen Urlaub ab

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Der Reparationsausschuß des Kabinetts nahm den Bericht Dr. Luthers über seine wenig erfolg­reichen Verhandlungen in Basel entgegen.

Bis spätestens Donnerstag früh ist das neue Aktionsprogramm der Regierung, das der Be­hebung der Geldmittelknappheit dienen soll, zu er­warten.

Henderson ist in Paris eingetroffen. Aus Aeuße­rungen feiner Begleiter geht hervor, daß die angelsächsischen Staaten nur in einer deutsch-fran­zösischen Entspannung die Rettung sehen.

Vizekanzler a. D., Geheimrat Friedrich Payer, ist in Stuttgart im Alter von 84 Jahren gestorben.

Der Oberpräsident der Provinz Sachsen hat die WochenschriftHarzer Trommler", Kampfblatt für Nationalsozialismus im Harz, bis zum 1. Januar 1932 verboten. Das Verbot ist erfolgt mit Rücksicht auf die in Nummer 28 veröffentlichten groben Be­schimpfungen der Polizei als Organ des Staates.

In Newyorker Finanzkreisen scheint der Ge­danke eines Vorgeheys der übrigen Notenbanken ohne Frankreich erörtert zu werden, jedoch hat die­ser Gedanke noch keine konkrete Gestaltung ange­nommen^

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Bremer Baumwolltermmbörse bleibt in­folge der beiden Bankfeiertage ebenfalls heute und morgen geschlossen.

Der Reichsausschuß der Erwerbslosen hatte kürzlich beschlossen, am 15. Juli einen Reichser- werbslosentag in Form von Demonstrationen und Kundgebungenals Protest gegen den Hunger- seldzug der Brüning-Regierung" durchzuführen. Wie mir erfahren, hat der Berliner Polizeipräsident diese Kundgebung für Berlin verboten.

Der Danziger Börsenvorstand hat beschlossen, die Effekten- und Devisenbörse am heutigen Tage nicht stattfinden zu lassen. Ueber den Zeitpunkt der Wiedereröffnung der Börse wird man sich von Tag zu Tag schlüssig werden. Die Produktenbörse findet wie gewöhnlich statt

Der Budapester Börsenrat hat in seiner heu­tigen Sitzung beschlossen, während der dreitägigen Hankpause am 14., 15. und 16. Juli den Verkehr an der Effektenbörse ruhen zu lassen.

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Aus Budapest wird gemeldet: In einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Debrcczin sind drei Kinder im Alter von ein bis drei Jahren, die von kn Eltern allein zuhause gelassen wurden und mit Streichhölzern spielten, in der abgeschlossenen Wohnung bei lebendigem Leibe verbrannt.

Ein amerikanischer Missionar einer Metho- "stengemeinde im Bezirk Kutein in Nord-Fukien wurde von Räubern gefangen genommen und ver­schleppt.

In Ohlenstedt bei Bremen ist gestern Nacht ein Besitztum niedergebrannt. Stuf der Unglücksstätte fand man die Leichen des Besitzers und zweier Kinder. Zwei weitere Kinder werden vermißt. Die ^tstehungsursache des Feuers ist noch nicht be­kannt.

Bei einer großen Kundgebung für die Selb­ständigkeit der Philippinen, die in Manila statt» tand, drangen 200 Eingeborene in die Anlagen ks amerikanischen Armee- und Marineklubs ein ^nd bewarfen die Offiziere und deren Frauen mit Steinen. Zwei amerikanische Offiziere wurden ge­tötet.

Der amerikanische Schatzsekretär Mellon, der ich für einige Wochen an die französische Riviera suriickziehen' wollte, hat beschlossen, bereits am bfeitag nach London abzureisen. Ein amerikanischer v^anzmann aus seiner Begleitung erklärte einem Vertreter desOeuvre", daß man in Amerika lieber ?,c deutschen Sachverständigen zu Verhandlungen 111 Paris, als die Bolschewisten in Berlin sehe.

, Am Montag ereignete sich 43 Klm. von Mos- k"u entfernt ein schweres Flugzeugunglück. Ein schweres Bombenflugzeug stürzte bei Uebungen über dem Bahnhof Albino ab. Der stellvertretende Mef des Militärflugwesens der Roten Armee, E"ow, ein Mitglied des russischen Gencralstabes, skelonowski, der persönliche Mitarbeiter des Kriegs- Mmissars, Arkamijew, zwei Flieger, zwei Mecha- ^ker und ein Beobachter fanden dabei den Tod.

*1 Näheres stehe im politischen Seil.

SelbMiw'.

Berlin, 14. Juli. Der Reichsbankpräsident ist heule nachmittag gegen 5 Uhr im Flug­zeug wieder in Berlin eingekroffen. Er begab sich sofort in die Reichskanzlei, wo bereits der sogenannte Reparalionsausschuß des Kabinetts unter Vorsitz des Reichskanzlers ihn er­wartete, um seinen Bericht über die leider wenig erfolgreichen Verhandlungen in Basel enl- gegenzunehmen. Da nach dem Ergebnis der Besprechungen bei der BIZ. in absehbarer Zeit mit einem Auslandskredit nicht zu rechnen ist, sieht sich die Regierung gezwungen, un­verzüglich Maßnahmen zu treffen, um auf dem Wege der Selbsthilfe über die gewaltigen Schwierigkeiten der nächsten Zeit hinwegzukommen. Im Reichsfinanzministe­rium sind bereits die nötigen Vorarbeiten geleistet worden.

Es steht eine ganze Reihe von Projekten zur Beratung, aus denen sich bis spätestens Donners­tag früh, wenn die Banken wieder ihre Schalter öffnen, ein Aktionsprogramm herauskristallisieren soll. In erster Linie handelt es sich jetzt darum, der Geldknappheit Herr zu werden und" die nötigen Mittel bereitzustellen, damit die Lohnzahlungen am Freitag reibungslos vor sich gehen können. Im Verlauf der Konferenzen, die sich vermutlich noch über den ganzen morgigen Tag erstrecken werden, sollen auch Vertreter der Banken und prominente Führer der Wirtschaft um ihre Meinung befragt werden. Heute nachmittag hatte der Reichsfinanz­minister Dietrich bereits Unterredungen mit den Leitern der Großbanken, die Aussprache zog sich bis zum Abend hin. Sie ist nach nicht abgeschlossen und über ihren Ausgang kann einstweilen noch nichts gesagt werden.

Um 9 Uhr

Sitzung zusammen. Unter den zahlreichen Vor­schlägen, die an die Reichsregierung herangebracht werden, taucht auch der Plan auf, den Bestand an Rentenmarkscheinen, der zurzeit noch etwa 400 Millionen Mark beträgt, um das Doppelte zu vergrößern. In derBerliner Börsenzeitung" wird der Gedanke der Schaffung einerBinnenmark" neben der Reichsmark angeregt, wobei die letztere nur noch als ausländisches Zahlungsmittel ver­wendet werden soll. Für den Aufbau der Wirt­schaft auf der Grundlage einer solchen Binnenmark wird eine mitdiktatorischen Vollmachten ausge­stattete Persönlichkeit" verlangt. Offenbar denft das Blatt dabei an den früheren Reichsbankpräsi­denten Dr. Schacht, den es in diesem Zusammen­hang als den Schöpfer der Rentenmark feiert.

Allerdings wird auch wieder von der Möglich­keit eines 'inneren Moratoriums gesprochen. Das Kabinett hat sich bislang für dieses zweifellos zweischneidige Mittel nicht entscheiden können.

&bb<m dev VaEeieviase

Berlin, 14. Juli. Das Reichskabinett trat heute nach 22 Uhr zu einer neuen Sitzung zusam­men. die bereits um 23.30 Uhr beendet wurde. In dieser Sitzung wurden im wesentlichen die Richt­linien der im Laufe des heutigen Rachmittags ge­faßten Beschlüsse beraten, druch die die gegenwär­tigen Bankseiertage wieder abgebaut und normale Verhältnisse wiederhergestellt werden sollen.

Kkndendttvg gebet nach VevSkn rnvück

Berlin, 14. Juli. Reichspräsident von Hinden- bürg wird, wie wir hören, programmäßig morgen

Kendevfons Ankunft in Wavis

Paris, 14. Juli. Bei Ankunft in Paris erklärte der englische Außenminister Henderson den Journalisten:Ich will nichts unversucht lassen, um die furchtbare wirtschaftliche und soziale Krise, die der Zusammenbruch Deutschlands über Mittel- und Osteuropa verbreiten würde, zu verhüten." Auf die Frage, ob er in Berlin vemrltelnd zwischen Frankreich und Deutschland eingreifen werde, entgegnete Henderson:Das wird sich aus der Situation ergeben."

Die Begeliter des englischen Außenministers zeigten sich sehr ernst und erklärten den Bericht­erstattern, daß man in England nichts sehnlicher wünsche als ein Entgegenkommen der französischen Regierung. Es käme nicht so sehr darauf an, daß Frankreich sofort mit großen finanziellen Mitteln Deutschland zu Hilfe eile, als auf grundsätzliche Bereitwilligkeit der Pariser Regierung, an einer Kkedtlhilfe für das Reich nach besten Kräften mit» zu wirken.

Es wurde also deutlich zu verstehen gegeben, daß die angelsächsische und amerikanische Hoch­finanz nur in der deutsch-französischen Entspan­nung die Bürgschaft und Sicherheit für eine Deutschland zu gewährende Kredithilfe erblicken. Ein Henderson begleitendes Mitglied der englischen Abordnung sprach die Befürchtung aus, daß die englische Bankwelt durch einen eventuellen deut­schen Zusammenbruch stark mitgenommen werden sonnte.

sein Gut Reudeck verlassen und nach Berlin zurück­kehren.

Dev ICO KMwnen- KedèMontkvedtt vevlansevt

Berlin, 14. Juli. Wie dieDAZ." wissen will, soll nunmehr die offizielle Mitteilung vor­liegen, daß das internationale Rolenbankkonsor- lium einschließlich der BIZ. den Rediskontkredik von 100 Millionen Dollar der Reichsbank bis Mitte Oktober prolongiert hat.

AvhekislasenunöevfèÄtztttts wwd sezaM

Kein Einfluß der Bankfeierkage auf die Auszahlung Berlin, 14. Juli. Wie die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung mikleilt, werden die Bankfeiertage keinen Einfluß auf die Auszahlung der Arbeitslosen- und ürisen- untcrstühungen ausüben, da die Reichsanskalt in Bankverbindung vor allem mit der Reichsbank sieht.

âein deutsches Kitssgesuch

Berlin, 14. Juli. In dem Baseler Kommunique wird von einem Hilfsgesuch der deutschen Regie­rung bei den anderen Mächten gesprochen. Das ist nicht richtig. Ein solches Hilfsgesuch ist nicht er­gangen, da der Reichshaushalt die ausländischen Kredite nicht benötigt. Es ist vielmehr die Gefähr­lichkeit der Gesamtlage in Deutschland, die durch Abzug der Kredite aus der deutschen Wirtschaft und deren Fokheerscheinungen sich entwickelt hat, dargelegt und um Erwägung über die Mittel zur Abhilfe gebeten worden.

Gegen eine GisButtg dev GteuevzahSuttsen

Berlin, 14. Juli. Die bestehenden wirtschaft­lichen Verhältnisse haben in gewissem Umfange zu einer Stockung der Steuerzahlungen geführt. Liste derartige Stockung muß im Interesse der Allge- lneinheik mit allen Mitteln bekämpft werden. Ge­rade in den Zeiten wie den gegenwärtigen ist beson­derer Wert darauf zu legen, daß jeder seinen steuer­lichen Verpflichtungen nachkonimt. Gehen die ge­schuldeten Steuern nicht pünktlich ein, so wird, wie

(Fortsetzung auf Seite 2)

Der englische Außenminister verbrachte den heutigen Tag bei Sir Tyrell, dem englischen Bot­schafter, Mittwoch vormittag wird Henderson mit dem Ministerpräsideisten Laval Zusammentreffen und als Gast Briands das Äèittagesfen im Kreise der französischen Minister und hervorragender Diplomaten einnehmen. Es ist auch eine Zusam­menkunft zwischen Hcaderson und dem morgen hier eintreffenben ' amerikanischen Staatssekretär Stimson vorgesehen. -

Gftmfon nach Vavis abgeveM

Rom, 14. Juli. Der Staatssekretär der Vereinig­ten Staaten und Frau Stimson sind heute nach Paris abgereist. Im Auftrage Mussolinis wurde Frau Stimson ein Orchideenstrauß überreicht,

Dor ernsten Entschlüssen

Der Reichsbankpräsident Dr. Luther ist von Basel wieder nach Berlin zurückgekehrt, um mit der Regierung gemeinsam über die Maßnahmen zu beraten,die sich jetzt als not­wendig erweisen. Dabei wird man davon auszugehen haben, daß die ersten Bemühun­gen des Reichsbankprästdenten um einen aus­reichenden Kredit gescheitert sind. Wenn in der offiziellen Mitteilung über die Sitzung des Verwaltungsrates der Internationalen Zah­lungsbank von einem Schritt der deutschen Regierung bei denverschiedenen Regierun­gen" die Rede ist, so trifft diese Darstellung nicht zu. Dr. Luther war bei seiner Rundreise nicht der Träger oder Vermittler einer Kredit­aktion der Reichsregierung. Es unterliegt kei­nem Zweifel daß die wirtschaftliche und finan­zielle Sicherheit in Deutschland nur wieder­hergestellt werden kann, wenn wir einen hohen langfristigen ausländischen Kredit er» halten. Es versteht sich ebenfalls von selbst, daß die Regierung hinter dieser Kreditaktion stehen muß und wird. Zurzeit aber handelt es sich um die Befriedigung eines dringenden AugeMicksbsdürfMtzs,'/namÄch um die Wer- neue Zahlungsmittel für die Wirtschaft zur Verfügung stellen kann, ohne gleichzeitig die Sicherheit der Währung in Frage zu stellen. Einen solchen Kredit, der nach Lage der Dinge wohl nur kurzfristig sein kann, sucht nicht das Reich, sondern die Reichsbank auf dem aus­ländischen Markt zu erhalten.

Luther hat in London und Paris nichts er» reicht. In Basel sind seine unmittelbaren Be­mühungen ebenfalls nicht sehr erfolgreich ge­wesen. Die Internationale Zahlungsbank hat sich mit der Verlängerung des letzten Redis­kontkredites einverstanden erklärt, so daß die bereits verbrauchten 100 Millionen Dollars am 16. Juli nicht zurückgezahlt zu werden brauchen. Darüber hinaus aber hat der Ver­waltungsrat der Internationalen Zahlungs­bank zunächst keine Hilfe gewährt, sondern sich nur bereit erklärt, an einer finanziellen Unter» stützung der Reichsregierung mitzuwirken.

Mit diesem Ergebnis ist der Reichsbank­präsident nach Berlin zurückgekehrt. Es geht aus diesem ganzen Zusammenhang hervor, daß die Lage sich erheblich verschärft hat und daß die Reichsregierung jetzt vor sehr ernsten Entschlüssen steht. Daß die Börsenruhe verlängert und sämtliche Banken und Sparkassen einschließlich des Post­scheckamtes für zwei Tage geschlossen wurden, beruhte bereits auf Besprechungen, die tele­phonisch zwischen Luther in Basel und der Reichsregierung am'Montag abend stattgefun- den hatten. Deutschland muß sich jetzt unter allen Umständen auf die Notwendigkeit e i n r i ch t e n, sich selbst zu h elfen, nachdem unsere Kon­trahenten im Auslande sich nicht zu einer so­fortigen Hilse verstanden oder an die Gewäh­rung von Finanzhilfe politische Forderungen und Bedingungen geknüpft haben. Auf diese Lage hat man sich in Berlin bereits eingestellt, als der Reichsbankpräsident sich zur Reise nach Basel anschickte. Denn man kannte damals die Lage schon ziemlich genau, wenn auch die Entscheidung in Basel noch ausstand.

Geht man von der Lage aus, wie sie sich nach der Sitzung des Verwaltungsrates der Internationalen Zahlungsbank gestaltet hat, so ergibt sich als die unmittelbarste Folge, daß die Reichsbank nur noch gerade über den De­visen- und Goldbestand verfügt, der zur Ein­haltung der vierzigprozentigen Deckungs­grenze notwendig ist, daß sie sich also mit der Abgabe von Devisen aufs äußerste einschrän­ken muß. Es muß jetzt unbedingte Sorge der Reichsbank und der Regierung sein, daß die Wahrung absolut gesichert bleibt und daß der

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