Nr. 147
Freitag, den 26. Juni 1931
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hoch sehr beachtlich für die Art der Auswahl der Persönlichkeiten, die man zu Erziehern wählte, daß, ähnlich wie sich dies schon in früheren Prozessen, z. P. in Neumünster über die Verhältnisse in der frühe- ren Anstalt Rickling, zeigte, auch in Scheuen anscheinend Erzieher gearbeitet haben, die aus ganz Ederen Berufen kamen und Erzieherfunktionen erhielten, meist ohne die notwendige besondere Ausbildung und Prüfung über ihre Eignung.
Die Erörterungen und Vernehmungen zum Fall Monka zeigten ein etwas widerspruchsvolles Ergebnis. Die Hortnerin Knoblauch will sich an den Mißhandlungen nicht beteiligt haben. Sie habe auch nicht gesehen, daß Straub« auf Monka eingsschlagen habe. Dieser Vernehmung stehen jedoch anderslautende Zöglingsaussagen gegenüber. Teilweise neue belastende Aussagen gegen Straube lieferte der Zögling Pähr. Er wurde von Straube mit einem schweren Krückstock ins Gesicht geschlagen, als er um einen neuen Mantel bat, weil die Hunde den alten zerfetzt hatten. Dann hetzte der Direktor die Hunde aus den Zögling, so daß dieser seine Verletzungen von einer Krankenschwester behandeln lassen mußte.
Exvwftott in ewev Mm- fad«
Auf dem Terrain der Deutschen Werke in Spandau entstand am Donnerstag mittag in der Chemischen Fabrik Colemann G. m. b. H., in der vornehmlich alte Filmstreifen verarbeitet werden, eine Explosion, die eine Stichflamme von etwa 100 Meter Höhe hervorrief. Die Flammen schlugen aus dem Gebäude heraus und verletzten mehrere Personen. Nur durch schnelles Eingreifen der Feuerwehr konnte eine Katastrophe größten Ausmaßes vermieden werden.
In dem Gebäude befindet sich unter anderem auch eine Filmwäscherei, in der alte Filmabfälle verwertet werden. In dieser entstand aus noch nicht aufgeklärter Ursache eine Explosion, durch die 20 000 Kilogramm Filmstreifen in Brand gesetzt wurden. Das Feuer verbreitete sich mjt so großer Geschwindigkeit, daß die in der Wäscherei befindlichen Personen sich nicht mehr rechtzeitig vor den Flammen retten konnten. Soweit sich bisher feststellen ließ, sind insgesamt fünf Personen von den Flammen erfaßt worden. Alle liefen sofort mit den brennenden Kleidern ins Freie, wo die Flammen von den Arbeitskollegen erstickt wurden. Drei Personen wurden von der Feuerwehr sofort ins Krankenhaus gebracht. Nach dreiviertelstündiger, harter Arbeit war es dann der Feuerwehr, die eine Wasserwand zwischen das brennende und die gefährdeten Gebäude gelegt hatte, gelungen, ein Uèbergreifen des Feuers zu verhindern.
Wenn GMmovdevènnen aus dev Schule Vlaudeen
Rach einem Freispruch neuerlich verhaftet
Szegedin (Ungarn), 23. Juni. Durch die Redseligkeit einer Angeklagten hat eine Gistmordaffäre, die in der Nähe der Stadt Bekefcaaba spielt, eine sensationelle Wendung erfahren. Emmerich Toth, ein reicher 70jähriger Bauer, war mit einer 28- jährigen Frau verheiratet. Im August 1927 starb er unter rätselhaften Begleiterscheinungen und als
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In
Silmdiva a. D. in Moabit
ist Wellruhm? — Der „Wanikürfalon" der Filmdiva. — Das letzte Kapitel eines Romans. — Der „Filmdouble" und die Schönheitskönigin.
Moabit spielte sich vor einigen Tagen das letzte Kapitel — ist es das letzte? — einer Künstlerinnentragödie ab. Nur ein Zufall führt« den Berichterstatter in den Gerichtssaal, da hier nicht aufsehenerregende Prozesse verhandelt wurden, und auch der Terminzettel, der vor dem Gerichtssaal aushing, nicht besonders sensationelle Fälle erwarten ließ. In dem Gerichtssaal selbst fiel aber sofort die Person der Angeklagten auf. Es war eine Frau, der man ansah, daß sie eine große Schönheit gewesen sein mußte, und deren Figur noch heute einen stolzen und prachtvollen Eindruck machte. Das Gesicht hielt sie gesenkt, so daß man die Züge nicht
etzte? — einer Künftle- Zufall führte den Be-
erkennen konnte. Nur der Gesämtsindruck ließ darauf schließen, daß die Frau die besten Jahre der Jugend und Schönheit hinter sich hatte. Als sie einen Augenblick den Kopf hob, war man überrascht, ein Gesicht zu sehen, das in vergangenen Tagen sehr bekannt war. Es handelte sich, wie auch der Name auf dem Terminzettel bestätigte, um eine einstmalige Filmdiva, die in früheren Zeiten Weltruf genossen hatte. In Berlin und Paris, in London und Newyork, in Peking und Tokio hingen vor den Filmtheatern die Plakate, auf denen dieses Gesicht als größte Anziehungskraft zu sehen war, und in Riesenlettern wurde der Name des Filmstars verkündet, der Taufende und Abertausende von Menschen entzückte. Wenn man an die Zeiten zurückdachte, in denen der Name dieser Frau in aller Munde war und jede ihrer Bewegungen mit Gold bezahlt wurde und sie nun hier als Angeklagte stehen sah, dann drängte sich unwillkürlich die Frage auf: „Was ist Welttuhm?" Die Anklage war recht unangenehmer Art, denn sie betraf das Verbrechen der Kuppelei. Ein großer und schöner Lebensroman war hier zu einem ziemlich kläglichen Abschluß gelangt. Es- zeigte sich wieder, daß der Film ein Moloch ist, der seine eigenen Angehörigen frißt. Was gestern noch zu den größten Lieblingen des Publikums gehörte, ist heute abgetan. Eine Diva, die nicht mehr „zieht" vergeht sich in schwerster Weise gegen die' Gesetze des Films. Und unbarmherzig schreitet die Entwicklung der Filme über sie hinweg. Die Kinotheater brauchen ständig neue Sensationen, neue Gesichter, neue Lieblinge. Der Bedarf ist ungeheuer groß und das Angebot nicht geringer. Wenn sich dann die ersten Anzeichen des Alterns bei dem Star bemerkbar machen, dann ist er zum alten Eisen geworfen. So ungefähr erging es der einstmaligen Filmdiva, die jetzt vor Gericht stand. Sie hatte einen Manikürsalon im Westen von Berlin eröffnet, und hier wurden zahlreiche junge Damen beschäfttgt, die in entzückenden leichten seidenen Gewändern ihres Amtes walteten. Die
Staatsanwaltschaft hegte den Verdacht, daß die Tätigkeit dieser schönen jungen Damen nicht allein auf die Pflege der Hände und Fingernägel beschränkt bliebe, und darum erhob er Anklage wegen Kuppelei, ohne daß die Schuldfrage beim ersten Prozeß schon entschieden werden konnte. Es wird noch ein Prozeß stattfinden, in dem die Zeuginnen vernommen werden sollen. Der Ausgang ist aber unwesentlich, soweit die Oeffemtlichkeit in Betracht kommt, mit der die Filmdiva jetzt zum letzten Male in eine recht peinliche Berührung kam. Die Lorbeerkränze sind verwelkt, und non einer üppigen Tafel des Lebens ist ein schaler Rest übrig geblieben.
Nach dem freisprechenden Urteil war Frau Toth auf freien Fuß gesetzt worden. Inzwischen hatte aber ihre Zellengenossin der Staatsanwaltschaft von dem Gespräch Mitteilung gemacht. Und als Frau Toth zur Berufungsoerhandlung, die durch )ie Staatsanwaltschaft veranlaßt worden war, er« chien, erfuhr sie, daß sie sich durch ihre Redseligkeit elbst das Grab geschaufelt hatte. Totenblaß hörte je den Antrag des Staatsanwalts an, der ihre neuerliche Verhaftung und Ergänzung der Beweisaufnahme forderte.
Frau Toth wurde auf der Stelle verhaftet und sieht nunmehr ihrer Aburteilung entgegen.
Dev ttvalreff-vvozetz
Noch ein anderer Prozeß in den letzten Tagen spielte in Filmkreisen. Ein „Filmdouble" stand vor Gericht in Eharlottenburg wegen des Ueberfalles auf einen Juwelier in der Kantstrahe, der Wochen großes Aufsehen erregte. Ein „Filmdouble" ist bekanntlich ein Mann, der für die Filmstars die halsbrecherischsten Kunststücke ausführen muß, wenn es bas Manuskript verlangt. Wenn der Star an Häusern hochklettert, aus Zirkuskuppeln herunterspringt oder auf dahinrasenden D-Zügen Kunststücke macht, dann ist es immer der „Double", der in der Maske des Filmstars auftritt und auf diese Weise den täuschenden Eindruck Hervorvief, daß der hochbezahlte Star ein kühner Artist sei. Aber auch die halsbrecherische Beschäftigung als „Filmdouble" ist nicht immer sehr gewinnbringend, wie der Fall Alfred Torges zeigt, der trotz seiner zahlreichen lebensgefährlichen Vorführungen in Filmen und Zirkussen mit Glücksgütern nicht gerade reich gesegnet war. Sein Glück oder Unglück war es, daß eins der schönsten Berliner Mädchen, „Miß Berlin" die Berliner Schönheitskönigin, feine Braut war. Der Filmdouble hatte die Absicht gehabt, an der Spielbank von Monte Carlo seine zerrütteten Der- mögensverhältnisse wieder in Ordnung zu bringen und zu seiner schönen Braut tritt einem Vermögen zurückzukehren. Er war aber ein armer Teufel und das Schicksal war gegen ihn. Er verlor in Monte Carlo sein letztes Geld und kam arm nach Berlin zurück, wo er bald mit der größten Not zu kämpfen hatte. Armut ist aber nicht der Liebe sehr förderlich, und so sah er auch das Ende seiner Beziehungen zu der Schönheitskönigin kommen. In einem Zustand der Verzweiflung wollte er den Juwelier berauben, nachdem er ihn mit Chloroform betäubt hatte. Aber auch dieser Streich mißglückte ihm, und er wurde vom Gericht zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten verurteilt, einstmals ein Meister der artistischen Sensationen.
be- No- Be-
Dresden, 25. Juni. Im Uralzeff-Prozeß kündete heute der Berliner Rechtsanwalt und tar Henning, von dem angeblich die notarielle glaubigung stammen sollte, die sich als Fälschung erwiesen hat, daß bei ihm in der Nacht vom 23. zum 24. Mai 1930 der Notariatstempel, mit dem später die Fälschung cmsgeführt wurde, gestohlen worden sei. Außerdem sei ein Band Notariatsurschriften abhanden gekommen, die zweifellos als Vorlage für die Fälschungen gedient hätten. Die Kostenrechnung über die Notariatsakte aus der Rück- feite der geflaschten Urkunde stimme merkwürdigerweise genau. Der Zeuge erklärte es für gänzlich ausgeschlossen, daß er jemals die notarielle Beglaubigung einer Abschrift vorgenommen hätte, die noch nicht vorhanden war.
Nach der Mittagspause verkündete der Vorsitzende, daß dem Antrag auf Zuziehung eines neuen Gutachtens des Gerichtsarztes yber den seelischen und körperlichen Zustand Uralzeffs zurzeit seiner Straftaten stattgegeben werden soll. Nach Vernehmung zweier weiterer Zeugen über ihre Beziehungen zu Uralzeff wurde die Verhandlung auf
morgen früh vertagt.
zyev Bvaud von Fevzis
das Werk eines Brandstifters
Wittlich (Bezirk Trier), 25. Juni. Der Brand, der vor einigen Tagen in dem Moselweinort Uerzig ausbrach, und bei dem neun Häuser völlig vernichtet und ein zehntes schwer beschädigt wurden, ist, wie sich nachträglich herausstellt, durch Brandstiftung verursacht worden. Beamte der Landeskriminalpolizei Köln nahmen gestern den 63 Jahre alten Winzer Jakob Melcher unter dem Verdacht der Brandstiftung fest. Melcher hatte sein Haus vor einigen Monaten hoch versichert und befand sich in finanziellen Schwierigkeiten. Anscheinend, um die Versicherungssumme zu erhalten, hat er den Brand in seinem Hause angelegt. Er hat gestern vor dem hiesigen Amtsgericht die Brandstiftung eingestanden. Er scheint geistig minderwertig zu sein. Ein Bruder von ihm ist bereits in eine Irrenanstalt untergebracht worden.
Das Gericht mußte sie dann wegen Mangels an Beweisen freisprechen. Ungefähr um die gleiche Zeit kam auch der Fall einer 60jährigen Frau Olajos zur Verhandlung, die ebenfalls wegen eines Giftmordes unter Anklage gestellt und zum Tode verurteilt wurde.
Die beiden Freundinnen verbrachten ihre Untersuchungshaft in einer Zelle. Eines Abends brachen sie das hartnäckige Schweigen, das sie bisher über den Tod ihrer Männer bewahrt hatten und erzählten einer mitverhafteten Frau, daß sie gemein-
Der Europa-Rundflug 1932
Berlin, 24. Juni. Der Aeroklub teilt mit: Bei der FAJ.-Tagung in Bukarest zeigte sich, daß sich das Ausland noch stärker für den Europa-Flug 1932, den größten internationalen Flugwettbewerb interessiert, j Neben den, m. den letzten W-ren Heteittglen, Lan-
alten Mannes zu interessieren. Bald darauf wurde schaft, bei der vielleicht auch der Umstand mitge- die junge Frau unter der Anschuldigung, ihren spielt haben dürfte, daß die beiden in einen und Gatten mit Arsenik vergiftet zu haben, verhaftet > denselben Mann, einen Baptistenprediger, verliebt
nach Breda x
Amd des Giftmordes an geklagt.
waren.
nach Budapest gefahren und hätten dort für 16 7”^
Zentner Weizen Gift gekauft. Da niemand davon ™ ® ° misse, werde man es ihnen auch nie beweisen ““ ^g artio3beteiligen.
können.
lasten
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und
neuerdings
nkreich, Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei
auch
Italien sich an Dänemark, Holland,
Oesterreich, Schweden und die Türkei wollen im
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ab heute bis zum nächsten
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