Donnerstag den 25. Juni 1931
Nr. 146
* Arbeitslose, denkt an die Tnoalidenversiche. Wing. Dom Vorstand der Landesoersicherungsanstalt Hessen-Nassau wird mitgeteilt: In letzter Zeit ist die Beobachtung gemacht worden, daß Arbeits- lose oft die Weiterversicherung in der Invaliden- Versicherung versäumen, so daß infolgedessen die Anwartschaft aus der Versicherung erlischt und die Rentenanträge -abgelehnt werden müssen. Die Lan. d«sversicherungsanstalt Hessen-Nassau weist daher die Arbeitslosen darauf hin, an ihre Invalidenversicherung zu denken, die Jnoalidenkarten rechtzei- tig, d. h. innerhalb von zwei Jahren — vom Tage der Ausstellung an gerechnet — uinzutvuschën und die zur Erhaltung der Anwartschaft notwendigen Jnvalidenmarken in die Karten einzuklebsn.
* Blitz-Schnitte. Auf die praktische Vorführung von Blitz-Schnitten sei auch an dieser Stelle hin. gewiesen. Siehe Inserat.
* Sonnenwendfeier in Moslers Strandbad. Am Mittwochabend fand in Moslers Strandbad eine Sonnenwendfeier statt. Trotz der Ungunst der Witte rung war der Besuch gut wenn auch der kurze Gewitterregen die Abwicklung des Programms be- einträchtigte. Lebende Bilder und Tänze der Ele- vinnen der Frankfurter Opernhaus-Tanzschule am Springbrunnen ernteten reichen Beifall. Herr Schien und Partnerin Frl. Nanny Conley vertra- ten in einem Tanz Rebenblut und einen Spitzenboston den Solotanz, die ebenfalls lebhaft beklatscht wurden. Es folgten als lebende Bicher noch die Germanen und der Vater Rhein mst seinen Nixen. Den Schwimmsport vertraten Beamte der Hanauer Schutzpolizei, die bei Schweimverferbe- lsuchtung schöne Sprünge ausführten .Polizei- ^Wachtmeister Jericho stellte durch Sprünge vom hohen Sprungbrett in voller Polizeiuniform unter Beweis, daß unsere Hanauer Schutzpolizei auch wasiersportlich auf das allerbeste ausgebildet ist. Ein Johannisfeuer, das magisch in die stürmische Gewrtternacht loderte, biDete den Abschluß.
b-ungen und Ziele der Deutschen Jugendkraft unternahm am verflossenen Sonntag die hiesige DJK. Sie nahm die Einweihung ihres Platzes “ " (Backhausweg) zum Anlaß, die Einwohr
am Backes
tVettevbevkcht
Kühlere nördliche und östliche Lustmasien, die mst wärmeren aus dem Süden stammenden Zusammentreffen, verursachen noch vielfach gewittrige Störungen mit stärkeren Niederschlägen. Besonders am Alpenrand sind diese Niederschläge sehr ergiebig gewesen. Bei der zur Zeit herrschenden Luftdruckverteilung wird die zu Niederschlägen neigende Witterung auch weiter anhalten. — Vorhersage bis Donnerstag abend: Meist bewölkt, noch einzelne Niederschläge, etwas kühler, nördliche bis östliche Winde. — Witterungsaussichten für Freitag: Wieder aufheiternd und im wesentlichen trocken, etwas wärmer.
(Backhausweg) zum Anlaß, die Einwohner mit ein« dringlichem Ernst auf ihr Tätigkeitsgebiet aufmerksam zu machen, und man kann fÄststellon, daß allen Veranstaltungen der DJK. ein voller Erfolg be- sch jeden war. Der Samstag nachm. bildete den Auftakt. Die Werbespiele nahmen um %6 Uhr ihren Anfang und führten vier gute Gauklossen-Mann- schaften ins Treffen. Scharfe, aber faire Kämpfe brachten folgende Resultate: DJK. Groß-Steinheim gegen Lämmerspiel 6:4, DJK. Mühlheim — DJK. Hanau 8:4. Der eigentliche Werbetag am Sonntag wurde eingeleitet mit einer Frühmesse, Um 9 Uhr war feierliches Hochamt mit Wimpelweihe. Als Fsstprsdwer war der Beyirkspräses Hw. Herr Pfarrer Schwahn aus Hausen gewonnen. In seiner Predigt legte er in der ihm eigenen außerordentlich feinen Art dar, daß die kath. Kirche schon seit jeher der Körperpflege große Beachtung geschenkt und immer einen vernünftigen, nicht zum Selbstzweck gswdrdenen Sport unterstützt hat. Nach der Predigt nahm der Hw. Herr Bezirkspräses bie Wimpel- w eiche vor. Der Wimpel wurde der DJK von der hiesigen Jungfrauen-Sodalität in liebenswürdiger Weise gestiftet und Frl. Horn hatte die künstlerische Stickereiausführung übernommen. Nachm. 1 Uhr war kurze Festandacht mit Segen und Ansprache des hw. Ortspfarrers und Erneuerung des Fuldaer Bekenntnisses. Anschließend an diese Festandacht zog ein prächtiger Festzug der DJKler in Sporttreß und Zivil, angeführt von dem Trommlerchor der DJK. Mühlheim und der hiesigen Feuerwehr-Kapelle durch die Ortsstrahen. An dem Feftzug nahmen teil die nahegelegenen DJK.»Abteilungen mit ihren Wimpeln und Vereinsfahnen. Erwähnt muß noch werden, daß, obwohl die Einwohner nicht besonders darum angegangen wurden, die Häuser doch reichen Flaggenschmuck trugen. Die Werbespiele selbst waren auf einen besonders feinen Ton abgestimmt, ind machten für sich in des Wortes edelster Bedeutung eine gute Propaganda. Den vielen Zu
dieser Familienangehörigen um je 100 RM jährlich.
b) Sozialrentner, Kleinrentner, Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene, die eine öffentliche Unterstützung erhalten, oder eine Zusatzrente be- ziehen, oder Erwerbslose oder andere bedürftige Personen, namentlich kinderreiche Familien. Die Anträge auf Mietunterstützung für das Rj.
1931 sind bei den Bürgermeistereien zu stellen. Büdingen, den 22. Juni 1931.
Hess.Kreisamt-Bezirksfürsorgestelle: Dr. Gaßner.
Bekanntmachung
Wegen Ausführung von Straßenbauarbeiten wird die Provinzialstrahe Lindheim—Düdelsheim vom 29. Juni 1931 für jeglichen Verkehr gesperrt.
Umleitung erfolgt über Stockheim, Büches oder Hainchen, Himbach, Eckartshausen, Calbach, Büches und umgekehrt. Die aufgestellten Warnungstafeln sind zu beachten.
Gießen, den 20. Juni 1931.
Hess. Provinzialdirektion Oberhessen.
• fi werke Haus lichen
Büdingen, 24. Juni. Die Oberhessischen Obst- e. ®. m. H. Büdingen hatte gestern im Kur- zu Selters ihre Mitglieder zu einer ordent- Generalversammlung zusammengerufen. Der
Landkreis Ka«a«
h Langendiebach, 24. Juni. 25j ährig e s Dienstjubiläum als Hebamme. Freitag den 26. Juni, begeht die Hebamme Frau Wilhelmine Völker geb. Kreß, ihr 25jähriges Dienst- jubiläum. Treu und gewissenhaft hat die Jubilarin stets ihren schweren Beruf erfüllt und in den 25 Jahren ihrer Praxis einer größeren Anzahl junger Erdenbürger zum Licht der Welt verholfen.
a Lilanstädten, 23. Juni. Unglücksfall. Ein hiesiger junger Mann, der bei einem Landwirt als Knecht diente, wollte heute gegen 11 Uhr vormittags eine Wiese auf der Aue mähen. Als der Landwirt später nachkam und ihn zum Essen rufen wollte, fand er nur Sense, Wetzstein und die Mütze des jungen Mannes vor. Man suchte nun sofort in der Nidder nach und fand auch nach langem Suchen die Leiche. Es steht fest, daß sich der junge Mann zwei tiefe Schnittwunden an der einen Hand beim Schärfen der Sense zugezogen hat. Sicher wollte er nun die Wunde auswaschen und ist dabei in den Fluß gefallen. Da er nicht schwimmen konnte, ist er ertrunken.
schauern wurde ein erstklassiger und besonders im Entscheidungsspiel zwischen Groß-Steinheim und Mühlheim technisch hervorragender Handball vorgeführt. Den Fullb allfreunden war durch das Fußballspiel zwischen den Handballspielen auch Rechnung getragen. Die Resultate der Werbespiele am Sonntag nachm. sind folgende: DJK. Lämmerspiel gegen Hanau 4:3. Fußballspiel Hanau — Großauheim 3:2. Das Entscheidungsspiel im Handball zwischen den beiden Siegern DJK. Groß-Steinheim und Mühlheim endete 3:4. Der Sieger aus den Handballspielen wurde ausgezeichnet mit einer Mosterts-Gedenktafel. Nach den Spielen versammelten sich die Mitglieder der hiesigen DJK. abends hn Vereinslokal. Hier wurden nach kurzer Ansprache den beiden Manschaftsführern der 1. u. 2. Mannschaft die Meisterschaftsurkunde der B- und C-Klasse überreicht. Der Präses der hiesigen DJK.< Abteilungen sprach noch einige Worte des Dankes und der Anerkennung für die geleistete Arbeit und ermahnte die Mitglieder, weiterhin gewissenhaft und eifrig bei der Sache zu sein. Nach einigen gemütlichen Stunden wurde der Abend beschlossen.
Vorstand gibt zunächst ein Bild über die Bilanz für das Geschäftsjahr 1930, woraus hervorgeht, daß das Verlustkonto am 31. Dezember noch 61000 RM beträgt. Die rückständigen Geschäftsanteile betragen 10100 RM. Auf Grund eines vertraglichen Abkommens mit den Oberhessischen Obstwerken hat die Hessische Landesgenossenschaftsbank den Geschäftsbetrieb in Aktiva und Passiva übernommen, so daß die Mitglieder außer der Zahlung ihres Geschäftsanteils von 500 RM, kein Risiko mehr zu tragen haben. Der Weiterbestand der Oberhessischen Obstwerke wird in Anbetracht des Interesses der obstbautreibenden Bevölkerung des Kreises beschlossen. Von der Erzeugung fabrikationsmäßigen Produkten wird abgesehen und nur die reine Verwertung des Obstes getätigt. Bei der Neuwahl des Aufsichtsrates, werden die Herren Fürst!. Kammerdirektor Dr. Weimer, Bübingen, Bürgermeister Siegel, Selters Landtagsabgeordneter Wolf, Effolderbach, Jüngling, Stockheim und Bürgermeister Schäfer, Ober-Widdersheim, zu Aufsichtsratsmitgliedern gewählt. Die Erhöhung der Geschäftsanteile werden um 10 RM und der Haftsumme um 50 RM beschlossen.
fi Altenstadt, 24. Juni. Die hiesige Bürgermeisterwahl fällt, da kein Gegenvorschlag eingereicht wurde, aus. Nach dem Hess. Wahlgesetz ist nunmehr der seitherige Bürgermeister Herr Karl Wagner, auf weitere 9 Jahre als Bürgermeister gewählt.
Zechprellerei und versuchten Diebstahls zu fünf Jahren, acht Monaten Gefängnis, feine beiden Komplizen zu je zwei Jahren, sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Während sich die Mittäter bei dem Urteil beruhigten, legte Weidmann Berufunn ein. Auch die Staatsanwaltschaft wollt« es nicht bei dem Erkenntnis belassen und legte Bemfuch ein, weil nach ihrer Ansicht dem Angeklagten eine Zuchthausstrafe gebühre. Vor der zweiten Strä- kammer wurde der Sachverhalt noch einmal ausgerollt. Einen besonders günstigen Eindruck machten die Bekundungen des Direktors der Erziehungsanstalt Schloß Dehrn der den Angeklagten Weidmann als arbeitssam bezeichnete. Als der Zeuge von der Tat hörte, war es ihm rätselhast wieso der Angeklagte zu einem solchen Verbrechen kam. Der Zeuge hält den Beschuldigten nid)t für verloren, und er äußerste die Absicht, ihn nach der Sttafverbüßung in dem Privatbetrieb eines Verwandten untersubringen. Angesichts dieser Aussage hielt der Staatsanwalt seine Berufung »nicht airfrecht und beantragte die Berufung des Angeklagten zu verwerfen. Das Gericht kam denn auch zur Bestätigung des erstinstanzlichen Erkenntnisses.
Die Anklage gegen die LotterlerSuber
: Das von der Staatsanwaltschaft betriebene Ermittlungsverfahrein gegen die drei Täter Böcker, Paul und Säomann, bie den Lotteriekollekteur in der Schillerstraße beraubten, wurde schon Montag nach umfangreichen Vernehmungen abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft hat darauf am Dienstag die Anklage gegen bie drei Beteiligten wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes erhoben. Die Angeklagten haben selbst den Wunsch, möglichst bald abgeurteilt zu werden. Auch die Mutter des Angeklagten Paul hat sich am Schluß ihrer Vernehmung zu einem Geständnis bequemt. Frau Paul wurde der Hehlerei angeklagt. Insoweit die Mutter ihren Sohn begünstigt hat, ist Anklage nicht erhoben worden, da das Gesetz Beglünstigung naher Verwandten nicht mit Strafen bedroht. Di« Haupt- Verhandlung gegen die Lotterieräuber vor dem Gro. ßen Schöffengericht wird voraussichtlich noch vor den Gerichtsferien stattfinden.
Ein Arzt an Wurstvergiftung gestorben
: Am vergangenen Freitag mußte ein hiesiger Arzt wegen Vergiftungserscheinungen nach dem Kraukenhaus überführt werden. Dort ist er jetzt gestorben. Nach Ansicht der behandelnden Aerzte handelt es sich um eine Wurstvergiftung. Die polizeilichen Ermittlungen zur Aufklärung des Bor- falles sind im Gange.
Betr.: Mietunterstützung aus Anlaß der Sondergebäudesteuer für das Rechnungsjahr 1931.
Aus Steinheim und Umgebung
w Klein-Auheim, 23. Juni. Werbetag und Platzeinweihung. Eine große Werbung für die Destre-
Bekanntmachung
Die Erhebung der Sondergebäudesteuer für das Rj. 1931 erfolgt auf Grund des Sondergebäude- steuergesetzes in der Fassung vom 13. Dezember 1930, Reg. Blatt Nr. 24 von 1930 Seite 313.
Nach Artikel 15 dieses Gesetzes können Anträge auf Mietunterstützung stellen: Hausbesitzer, sowie Meter, soweit sie in einem sondergebäudesteuerpflichtigen Haus wohnen, a) wenn der Antragsteller und die seinen Haushalt teilenden Familienangehörigen zusammen nachweisbar einen Arbeitslohn oder sonstige Ein- nahmen von nicht mehr als 1300 NM jährlich beziehen. Sind neben dem Antragsteller und dessen Ehefrau andere Familienangehörige vorhanden, so erhöhen sich diese 1300 RM für jeden
Aus SvaukkuBt a. HL
Nochmals der Raub in der Böcklinstraße
: Der dreiste Raubüberfall der am Vormittag des 18. April im einem Einfamilienhaus in der Böcklimstraße verübt wurde, war nochmals Gegenstand einer gerichtlichen' Derhau8lüng7 7ln jens Villa drangen bekanntlich drei junge Leute, der eine mit einer Maske versehen, und begannen nach Wildwestmanier dort zu hausen. Sie hatten Waffen und Schnüre mitgebracht, fesselten eine Hausbewohnerin und hielten die anwesende Masseuse und ein Hausmädchen in Schach, während jeweils einer nach Geld und Schmuck forschte. Zwei der Burschen war es bei diesem Unternehmen etwas seltsam zumute, das Herz war ihnen schon beim Betreten des Hauses in die Hosen gefallen. Nur der Chauffeur, Eugen Weidmann, der die Maske trug, ging couragiert vor. Die Täter, die in einer sechssitzigen Limousine vorgefahren waren, ergriffen in ihr die Flucht. Die Beute bestand lediglich aus Schmuckstücken und einigen Kleinigkeiten. Genau zehn Tage später wurden die Täter vom Großen Schöffengericht schon abgeurteilt, denn nach der Tat erfreuten sie sich nur noch zwei Tage der Freiheit. Weidmann wurde wegen schweren Raubs,
Blitzschlag in eine Kirche
: Bei dem Gewitter in der vergangenen Nach! schlug der Blitz in den Turm der katholischen Kirch in Frankfurt a. M.-Niederraü. In der Kreuzblume entstand Feuer, das unbemerkt »eiter- glimmte. Erst heute früh wurde durch den Küster der Brand entdeckt, der bereits die DachbalkM der Sakristei ergriffen hatte. Unter großen Schtrcmrig- keiten konnte die Feuerwehr die Kreuzblur'pe * nehmen und die glimmenden Dachbalken löfwW
stets das Haar in weichen
Wellen liegt,
dann wars
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reicht für 2 mal
£312-50
LNavbuvgev Fefifviele 1931
o Marburg, die schöne, alte Universitätsstadt an der Lahn, steht im Zeichen der Festspiele 1931. — In den geschmückten Straßen wehen die Fahnen, grüßen die Wimpel der Burschenschaften. Am Sommeranfangstag leuchteten in der Dämmerung von den Höhen die Feuer. Fackellichter der Studenten durchtanzten die Gassen der friedlichen, sorgenlosen Stadt; Krise und Schwere der Zeit scheinen hier äußerlich keinen Glauben zu finden.
Auf dem Schlohberg gab es „Sommernachtstraum"; in der 'Sommernacht. Mond und Sterne ersetzten den Bühnenhimmel, die Bäume des Parks und im Hintergrund das Schloß die Kulissen. Gothische Spitzbogen, phantastisch zum Himmel emporragend, gestalten die Bühne. '
Im Takte der stimmungsvollen Musik tanzen Glühwürmchen, naturechte'und künstliche, durcheinander. Dann spielt —nein, lebt ein ausgezeichnetes, ausgelassenes Ensemble den „Sommernachtstraum". Es ist eine Lust für sie, auf der wuchtig-breiten Naturbühne dahinzuwirbeln, ungebunden, frei — es ist eine Lust, ihnen zuzuschauen. Renee Stobrawa, von Frankfurt her bekannt, als Droll der Mittelpunkt des Spieles: fauchender, knurrender Kobold, burschikos und frech, sprühend vor Einfall und Witz: einfach köstlich. Norbert Schiller, ebenfalls in guter Erinnerung, ein feuriger Pyra- mus, ein zahmer Esel; packend im Spiel. Ganz ausgezeichnet die Thisbe Wolf Beneckendorffs. Und dann noch der sympathische Theodor Becker als Oberin ,Fritta Brod als Elfenkönigin. Schließlich noch verliebte und verlobte Leutchen, Könige, Königinnen und tanzende, hüpfende und wirbelnde Elfen: ein ausgelassenes Völkchen. Prachtvolle Szenerie, stimmungsvolle Beleuchtung. Zum Schluß: herzlicher, langanhaltender Beifall — der Traum war zu Ende. ,
Es wäre der gastlichen Festspielstadt zu wünschen, daß noch manch' einer da droben auf dem Schloßberg den Traum der Sommernacht träume.
Aon bet Mttttfi des wanderns
Don Emanuel Clausen
0 Das steckt dem Deutschen von jeher im Blut, bas Wandern. Keiner verstand und versteht es so
gut wie er. Wenn die Sonne lockt, mag er nicht daheim bleiben zwischen seinen vier Wänden, soviel Traulichkeit sie auch im Winter umschließen. Er muß hinaus, der Natur näher sein, sehen, was dort drüben hinter jenen Hügeln liegt, die ihm den Horizont des Alltags begrenzen.
nicht Bor-
Der Deutsche muß wandern! Es war allein der Druck anderer Völker, der unsere fahren zu ihren Wanderzügen veranlaßte. Nein, auch die Sehnsucht nach dem Unbekannten trieb sie in die weite Ferne. Wanderlust ließ die Wikinger in die Welt hinausziehen, Wanderlust schuf den fahrenden Scholaren und den Hand- werksbukschen, Gestalten, die nur das Deutschtum
kennt.
Was weiß der Franzose, der Italiener vom Wandern? Der eine läuft mit Weib und Kind in den „Bois", wo taufend ihm gleichgültige mit ihm auf der gleichen Wiese lagern, der andere bummelt den Korso entlang. Von dem, was draußen in der Natur an stets Neuem, an Herrlichem, an Er- holung auf sie wartet, ahnen sie nichts. Wenn man ihnen etwas sagen wollte von der Kunst des Wanderns, würden sie nur lächeln: „Kunst! Das Laufen ich doch keine Kunst!"
Da mögen sie freilich recht haben. Das Laufen ist keine Kunst. Dazu braucht der Mensch auch nicht hinauszugehen ins Freie. Das kann er schon in der Stadt besorgen. Er kann auch die Landstraße entlang laufen lind Staub schlucken. Ja, er kann vielleicht den schönsten Waldweg einschlagen unb doch nicht wandern, weil er mit allen Wurzeln im Alltag haftet und sich nicht für ein paar Stunden köstlichen Genießens von allen wohnten Fesseln freizumackzen, alle Sorgen zu
gejsen vermag.
Das ist ja die große Kunst des Wanderns, jeder dieser freien Stunden einen Genuß, ein leben, ein Fest zu machen.
ge-
ver-
aus gr»
Wandern heißt nicht, die Sorgen, den Aerger des Berufslebens in die Natur hinaustragen, den Feiertag mit seichten Gesprächen über die lieben Nachbarn aussüllen, mit Klagen und Mähnen über die Not über die Ungerechtigkeit, die einem wider- suhr. über die Geschäfte, die fehl schlugen. Der nur ist der rechte Wanderer, der an nichts anderes denken will und kann als an das Heute, an den Genuß der Stunde. Ein Wandertag muß ein Fest-
tag sein, und eine Wanderstunde kann einem Gottesdienst gleichen.
Wandern heißt auch nicht. der Rekordwut unserer Zeit zum Opfer fallen. Das schönste Wandern ist ohne Ziel, ohne festen Plan. Es darf gar nicht gebunden sein an die Stunde oder gar an die Minute. Du mußt Rast machen können, wenn Du Dich nach Rast und Erfrischung sehnst, und dort, wo es Dir am besten gefällt, dort, wo am Berghange, mitten im Walde oder im Dorfe unter Bäumen ein paar Bänke zum Sitzen einladen. Dann hast Du den wahren Genuß von dem kühlen. perlenden Bier, das die köstlichste aller Erfrischungen ist, das die Kehle labt und gleichzc!itig den Körper kräftigt, was schon unsere Vorfahren schätzten. Darum unterwegs die schlichten, aber einladenden Gasthäuser, die Sommerwirtschaften und ihre Gärten, von denen viele bereits seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten die Wanderer bewirtet haben. Hier findest Du auch heute die willkommene Stätte.
Wenn Du dann weiterziehst und den rechten Wanderkameraden hast, so wirst Du sehen, wie sein Herz sich öffnet, selbst wenn es bisher noch ein wenig verschlossen blieb. Du wirst fühlen, wie Du selbst empfänglich bist für alles, was er Dir zu sagen und zu zeigen weiß. Schätze, die vielleicht in Eurem Innern verborgen lagen, werden plötzlich gehoben. Menschen, von denen Du glaubtest, sie seien verschlossen unb liebten nur sich selbst, sind in dieser Stunde verwandelt. Sie fühlen wie Du, das aus dem Walde, aus der Wiese. von den Hügeln etwas Großes zu ihnen spricht. Sie helfen Dir, die Sprache zu verstehen, und finden andere, neue bessere Worte für sie. Weiß Du nun auch, warum so viele Menschen beim Wandern zueinander fanden, auf einer Wanderung den Bund fürs Leben schlossen?
Wenn dann Dein Wandertag zu Ende ist, ohne Mißklang, nur von Freude und Genießen erfüllt, so hast Du Kraft genug gesammelt, um einer neuen Alltagswoche ohne Bangen entgegen zu sehen. Du hast Dir die Lungen voll frischer Luft gepumpt lind den Wind um Dein« Sorgenfalten wehen lassen. Du freust Dich schon Wochen vorher auf den nächsten Wandertag mit dem Freunde, der Dich versteht, mit dem Mädchen, das in Dir den Rechten fand, mit der Frau, die nicht nur Deinen Alltag mit Dir teilen soll sondern auch den echten
Feiertag, mit dem Wanderkameraden, der an Deiner Seite durch das Leben zieht. Und beglückt erkennst Du die Wahrheit der alten Worte: „O Wandern, Wandern, welche Lust . . .!"
GcharrWâVbosheit und
-ââtt
Von G. w. Beyer.
Eine bekannte Schauspielerin war ihr eigener Direktor. In dieser Eigenschaft bat eines Tages ihr Partner in einem neu einstudierten Stück um Audienz: „Ich bin nun schon ein Jahrzehnt bei Ihnen und muß mich noch immer mit meinen Anfangsbezügen zufrieden geben. Gewähren Sie mir bitte eine Zulage!" — „Nein", setzte ihn fein Direktor vor die Türe.
Am Abend traten beide zusammen auf. Der Mime spielte den König, sein weiblicher Chef seine jugendliche Vertraute. Da sie aber über ■ dieses Alter längst hinaus war, mußte der Herrscher während des Beisammenseins auf der Bühne höher sitzen als sie, so daß sie zu ihm aufsah und ihr dreifaches Kinn verschwand.
Dieses Mal aber setzte sich der König tiefer als sie. Das nahm sich vielleicht ganz gut aus: ein König zu Füßen der Dame seines Herzens. Leider aber mußte letztere jetzt zu ihrem Partner herao- sehen, und ein viertes Kinn gesellte sich zur Erheiterung des Publikums zu den drei im Prival-
Kinn verschwand.
leben vorhandenen.
Die Schauspielerin kochte vor Wut. Trotzdem brachte sie es fertig, ganz ruhig und ihrer RcM entsprechend zu fragen: „Haben Majestät heüte gul gespeist?" . _
„Nein", antwortete der König mit dröhnender Stimme, die nicht im geringsten zur zärtlichen Stunde paßte. „Ich habe sehr 'schlecht gespeist, Gräfin. Bei dem Gehalt, das ich in diesem Hause be- ziehe, kann ich nicht satt werden." ,
Kein Wunder, wenn das Stück einen Durchs^ erlebte. Ein Drama darf das Publikum nicht zum Lachen reizen.
Dor einem halben Jahrhundert liebte man besonders auf der Bühne — sanfte weibliche Run- düngen. Eines Tages nun sollte eine betanke