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1931

23. Amt

Dienstag de «

ErMungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. > Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Sezieher keinen Anspruch aüf Lieferung oder Nachliesemng oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet, xGeschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956,3951,3958

Erschemt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Stowet MR.1-/ für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag iS, Samstag UR-Psg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 Ä>Pf8-, im Reklameteil van « mm Breite 25 R-Pfg. Qffertengebühr 50 R-Pfg.

Das Weltecho dee Botschaft Koovevs «3u ^onkeueme« und langen Debatten keine Seit* - Svankveich macht noch immer Schwieviskeiten - Stalien fordert Verricht aus die SoUnnio«

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Reichskanzler Dr. Brüning hatte gestern .nachmittag eine Besprechung mit Reichsbankpräsi­dent Dr. Luther über die schwebenden tribut- politischen Fragen.

Im Reichsanbeitsmimsterium fanden B e - sprechungen über Arbeitszeitkürzun- gen und die damit zusammenhängenden Lohn- und Gehaltskürzungen statt.

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* Reichsbankoizepräsident Dr. Dreyse erklärte, die R e i ch s b a n k hoffe mit einer Kreditrestriktion in allermildestem Umfange auszukommen. An eine Diskontänderung werde vorläufig nicht gedacht. Bezüglich der Währungsfragse bestehe kein Anlaß zu Besorgnissen.

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In den Berliner Mnsikersälen hielt nach einer Mitteilung der Pressestelle des Reichskomitees der Revolutionären Gewerkschaftsopposition am Sams­tag bis Sonntag die Revolutionäre Gewerkschafts- appofition ihre zweite Reichskonferenz ab. Im Mittelpunkt des oom Reichstagsabgeordneten Dah. le-m gehaltenen Hauptreferats stand, der Mitteilung zufolge, die unmittelbare Organisierung von Massenstreiks der Arbeiter, Angestellten und Be­amten in allen Betrieben gegen die Rotverord» nuna sowie die Oraanisierung von Massenaktionen

Dem Danzigr Volkstag wurde ein neues, bis zum 1. Januar 1932 befristetes Ermäch­tigungsgesetz zur Sicherung der Ordnung zu. geleitet, in dem der Senat zu außerordentlichen Befugnissen ermächtigt wird, die in erhöhtem Maße die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Erickerheit gewährleisten sollen. Zuwiderhandlungen gegen diese Maßnahmen werden mit schweren Ge­fängnisstrafen und Geldstrafen bis zu 3000 Gulden bedroht. Ferner sind erhebliche Einschränkungen des Vereins- und Versammlungsrechtes und neue ^Bestimmungen über die Schutzhaft geplant.

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Auf Schloß Drogelwitz Kreis Glogau, ist der Senior des Fürstlich Lippischen Hauses, Prinz Rudolf zu Lippe, nach kurzem Krankenlager im Alter von 57 Jahren gestorben.

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Wie derDarmstädter Volksfreund" erfahren haben will, ist es jetzt auch in Darmstadt unter den Nationalsozialisten zu einer Spaltung gekommen. Ein führender S. A.-Mann hat mit 45 Gesinnungs­genossen eine Ortsgruppe derKampfgemeinschaft revolutionärer Nationalsozialisten" gebildet, die der Stennes-Strasser-Gruppe angehören.

Bei den deutsch-rumänischen Han­delsvertragsverhandlungen haben die beiderseitigen Delegationen gestern in allen Punkten volles Einvernehmen erzielt und den Vertragsent­wurf paraphiert. Die Unterzeichnung des Vertrags wird nach Fertigstellung der Urschriften in den näch­sten Tagen erfolgen.

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Der Verband der Herausgeber österreichischer Tageszeitungen hielt seine 13. ordentliche Generalversammlung ab. Die Generalversammlung genehmigte einstimmig den Vorstandsbeschluß, anschließend an die Tagung des Vereins deutscher Zeitungsverleger in Oesterreich, die drei Vorsitzenden des Bruderverbandes, Kom­merzienrat Dr. Krumbhaar, Professor Wolff und Kommerzienrat Dr. Neven-Dumont zu Ehrenmit­gliedern des Verbandes zu ernennen.

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Der Wiener Segelflieger Kronfeld ist um 8.17 Uhr von Saint Jnglebert kommend mit feinem Segelflugzeug im Flughafen Heren bei Brüssel gelandet. Er wurde bis über biejStabt von einem Flugzeug geschleppt. Ueber der Stadt wur­den die Haltetaue gelöst und Kronfeld kreuzte danach fast eine halbe Stunde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, für die das Schauspiel vollkommen ueu war, über der Stadt.

In Roubaix fand gestern eine stark besuchte Versammlung streikender Textilarbeit er statt, m der beschlossen wurde, den Lohnkampf bis ?ur restlosen Erfüllung der Arbeit- uehmerforderungen fortzusetzen. Der stabtrat von Roubaix hat weitere 500 000 Francs für die Familien der streikenden Arbeiter bewilligt, nachdem er schon früher eine Million Francs zur Berfügung gestellt hatte.

*) Näheres siehe im politischen Teil.

Meine Jett zu Diskussionen Eine EvASvuns Stimsons

Washington, 22. Juni. In der heutigen Pressekonferenz teilte Staatssekretär Skim- son mit, daß die formelle Unterbreitung des amerikanischen Planes bei den beteiligten Mächten bereits auf diplomatischem Wege erfolgt sei. Daß eine internationale Konferenz zur Diskussion über Hoovers Vorschlag einberufen werde, lehnte Stimson rundweg ab. Er betonte, die Angelegenheit dränge so sehr, daß man zu Konferenzen und langen Debatten

feine Zeit habe.

Das man brauche, sei eine sofortige Zustimmung aller Dächte. Rux das werde den benötigten

psychologischen Effekt auslösen Ratifikation durch den Kongreß Staaten so gut wie sichersiellen. Aktion nicht einstimmig erfolge.

und die spätere der Vereinigten Wenn aber die so könnte über­

Haupt nichts erreicht werden. Eile tue not; eine lange Debatte würde alles zunichte machen. Skim- fon ging hierauf auf den Hindenburg-Brief ein, zu dem er bemerkte, daß er erst am Sonntag, also nach der Erklärung Hoovers, hier eingelroffen sei. Er erklärte, daß es nicht der Hindenburg- Brief gewesen sei, der Hoover zu einer sofortigen Aktion veranlaßt habe, sondern M *in«^utB-*W WOW Richtigkeit des hooverschen Schrittes be­stätigt habe. Eine Frage nach der Abrüstung beantwortete Stimson dahin, daß gutes Einver­nehmen in einer gerechten Sache, nämlich in der Erleichterung der Lage Deutschlands, sicher auch gutes Einvernehmen in einer anderen Angelegen-

WatiS machiRetiungsversuche

Heute Mkuksteveat - Dre uuseschützteu ÄluuuttZten sollen ««atttaftbav sein

Paris, 22. Juni. Mit Spannung sieht man hier dem morgigen M i n i st e r r a t entgegen, der zu Hoovers Initiative Stellung nehmen und unter dem Druck der englisch-amerikanichen Ueberein­stimmung wichtige Beschlüsse fassen soll. Briand befindet sich seit Montag mittag wieder in Paris. Er konferierte mit den Leitern der Wirtschasts- abteilung des französischen Außenministeriums, mit dem Finanzminister Flandin und dem Minister­präsidenten Laval. Der morgige Ministerrat wird demgemäß vor einer ziemlich aufgeklärten Situation stehen. Wichtig für die Pariser Regierung ist jedoch, daß die Ereignisse einen geradezu stürmischen Ver­lauf nehmen. Man bekommt es in politischen Krei­sen beinahe mit der Angst zu tun.Wir sind ja geradezu überrumpelt", rufen Par­lamentarier entsetzt aus. Es wird uns eine Schüssel vorgesetzt, die wir auslöffeln müssen, und wenn wir nicht mittun, so wird die Schuld für einen wirtschaftlichen, politischen und finanziellen Zu­sammenbruch Deutschlands auf uns geschoben." Noch niemals befand sich die französische Europa­politik in einer so verzwickten Situation", so äußert sich ein führender Parlamentarier der Tardieu- Partei.

Selbstverständlich lehnt es die Regierung ab, in einem Augenblick, wo diplomatische Verhand­lungen zwischen Paris und Washington einsetzen sollen, der Deputiertenkammer irgend welche Mit­teilungen über die neu geschaffene Lage zu machen. Der Jnterpellationsantrag des Linksdeputierten Margaine wird von Laval zurückge­wiesen werden. Die Hauptsorge des Kabinetts be­steht darin, die im Budget Frankreichs einge­tragene ungeschützte deutsche Jahresleistung nicht einzubüßen. Man behauptet, daß der Vorschlag Hoovers das französische Budgetdefizit steigern und den deutschen Staatshaushalt wieder aktiv machen würde. Ein solchesUnrecht" dürfe nicht geschehen. Dann beschwört man Washington, die Existenz des Youngplanes nicht anzutasten. Das in Gold schwimmende Frankreich schlägt weinerliche Tone an und erhebt bewegliche Klage für die ungerechte Behandlung, die es durch die Vereinigten Staaten erfahren würde, währendfür Deutschland eine enorme Erleichterung geschaffen werden soll".

Trotzdem findet man in keinem Blatt und ver­nimmt von keiner verantwortlichen presse die Er­klärung, daß der amerikanische Vorschlag abgelehnt werden soll. Retten wir, was in dieser katastrophalen Situation noch zu

heit, nämlich in der Einigung über Rüstungsbe­schränkungen im Gefolge haben würde.

Gitte ameeWauifchs tVarmurrs an Gueova

R e w y o r k, 22. Juni. In einem Leitartikel unter der UeberschristLin großartiger erster Schritt" erklärtWorld Telegramm", Hoover habe die Krise nicht übertrieben. Sie könne gar nicht übertrieben werden. Deutschland fei dem Banke­rott und der Revolution so nahe. wie es eine Ra­tion nur sein könne. Ehe diese Ereignisse eintreten, müsse in dem einen Jahr, für das der Zahlungs­aufschub gelten solle, die Beseitigung des Wett­rüstens, der falschen Grenzziehungen und der un-

überffeiabati

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geschoben. Falls die früheren Alliierten in der kommenden Abrüstungskonferenz ihre Rüstungen nicht durchgreifend herabfetzlen, könnten sie sicher sein, daß der Kongreß es ablehnen werde, den Zahlungsaufschub zu verlängern. und daß die amerikäische öffentliche Deinung die weitere Zu­sammenarbeit mit Europa ablehnen werde.

retten ist. Dieser Gedanke läßt sich zwischen den Zeilen und in allen, wenn auch noch so gereizten Ausführungen erkennen.

DeutiGla«- soll 500 MM. in Kaironal-evrssn zahle«

Paris, 23. Juni. Der diplomatische Ditarbei­ter der Havasagentur glaubt zu wissen, daß der französische Botschafter in Washington mit Stimson eine Unterredung über den Vorschlag Hoovers ge­habt und sich geäußert Hal, daß Frankreich die edelmütigen Gefühle begrüße, die Hoovers Initia­tive herbeigeführi habe, und daß Frankreich bereit wäre dem Vorschlag des Präsidenten zuzustimmen, daß es aber den Wunsch habe, das Problem einer aufmerksamen Prüfung zu unterziehen, ehe es amt­lich seine Antwort zur Kenntnis bringe. Die mit internationalen finanziellen Vorverhandlungen ver­trauten Personen seien der Ansicht, daß die Zu-

Garantien be-

stimmung Frankreichs von

gleitet sein müsse, daß das Doralorium Hoovers den Poungplan nicht ver­letzen würde und die U n a n l a st b a r k e i t der

ungeschühlen Annuitäten beachten müsse. Bestimmte französische Kreise meinen, daß Deutsch­land 1931/32 500 Millionen RD in Ra­tionaldevisen zahlen müsse, die Frankreich den interessierten Rationen zur Verfügung stelle. Das im französischen Budget austretende Defizit könne durch Ausgabe kurzfristiger Schahscheine zum Ausgleich gebracht werden.

Auch die unseschüHtett deutschen Iahlungen weede« aufgeschobe«

R e w y o r k. 22. Juni. Wie Associated Preß aus Washington von maßgebendster aulorativer Stelle erfährt, bezieht sich der Vorschlag des Prä­sidenten Hoover eines einjährigen Zahlungsauf­schubes der Kriegsschulden- und der Reparations­zahlungen auch auf die ungeschützten deutschen Re­parationszahlungen.

Der Zechenoerband hat gestern den am 20. Juni durch den Schlichter Professor Brahn ge­fällten Schiedsspruch, der das bestehende Lohnabkommen im Ruhrbergbau bis zum 30. September 1931 wieder in Kraft setzt, a b ge­lehnt.

Stopp der Vettwivt- schaftskvise?

Die Erklärungen des amerikanischen Prä­sidenten Hoover, die im Grunde genommen nichts anderes bedeuten als eine völlig ver­änderte Stellungnahme zu den politischen und wirtschaftlichen Problemen Europas hat in der ganzen Welt mit der Gewalt einer Bombe ein­geschlagen. Fast beispiellos in der Wirtschafts- gefchichte ist, was sich im Verlauf von noch nicht 48 Stunden abgespielt hat. Die so oft als Wirtschaftsbarometer gescholtene Börse hat in einer Weise auf die veränderte Situation reagiert, wie selbst die größten Skeptiker über­rascht hat. Und zwar gilt dies nicht allein für die deutschen Börsen, sondern auch für alle Börsenplätze der Welt. Es ist zu einer Hausse gekommen, die exaltierter war als alle vor­angegangenen schweren Kurseinbrüche; nahmen doch die Kurssteigerungen von einem Tag zum anderen ein derartiges Ausmaß an, wie es zum Glück bei der Baisse niemals eingetreten ist. Viele meinen, daß in diesem radikalen Stimmungsumschwung der Börsen ein besonderes Gefahrenmoment liege, da der Wechsel zu rasch eingetreten sei. Diese Skepsis

wesentlichen neuen....................... berechtigt zu sein. Denn wir stehen tatsächlich fast über Nacht vor einer ganz neuen Si­tuation.

Nicht allein die deutsche, sondern die Welt­wirtschaft stand kurz vor dem Erliegen, weil eine Vertrauenskrisis von unerhörtem Aus­maß die Grundpfeiler des herrschenden Wirt­schaftssystems erschüttert hat. Die Weltkrise hat sich in besonders schroffer Form in Deutsch­land abgespielt, da wir nicht allein unter den schweren Folgen des Konjunkturniederganges zu leiden hatten, sondern darüber hinaus der unerträglich hohen einseitigen Zahlungen in­folge des Youngplanes belastet waren. So mußte Deutschland als das von der Krisis am schwersten bedrohte Land nicht allein zu einem Unruheherd für Mitteleuropa, sondern für die ganze Welt werden. Nicht 5 Minuten vor 12, sondern 5 Sekunden vor 12 sind der Welt, vor allem Amerika über die Lage Deutschlands die Augen aufgegangen. Ein Devisensturm, wie man ihn seit der Stabilisierung der Mark nicht mehr erlebt hat, setzte bei der Reichsbank ein und entzog ihr im Verlauf von noch nicht ein­mal drei Wochen fast 1% Milliarden Deckungs­mittel. Nachdem nach Ueberbrückung der größ­ten innerpolitischen Schwierigkeiten und nach der drakonischen Maßnahme der Reichsbank, eine 2prozentige Diskontheraufsetzung, eine kurze Ruhepause eingetreten war, folgte be­reits in der zweiten Hälfte der vorigen Woche ein neuer heftiger Rückschlag, der die Mark­währung aufs schwerste erschütterte. Das De­visen- und Goldportefeuille der Reichsbank wurde in so erheblichem Maße geschwächt, daß man bereits damit rechnen mußte, daß zum Ultimo Juni die gesetzliche Deckungsgrenze unterschritten war. Ob die rollende Lawine noch einige Tage, ja selbst noch einige Stun­den durch verschärfte Kreditrestriktion aufzu­halten war, erschien mehr als zweifelhaft. Der kritische Termin war der 1. Juli. Und es hat sich herausgestelll, daß man in Amerika offen­bar über die deutschen Verhältnisse sehr gut unterrichtet war; denn gerade an diesem 1. Juli soll das Weltmoratorium beginnen.

Wie ungeheuer groß die Nervosität in den Wirtschaftskreisen war, ging aus den Vor­gängen an der Samstag-Börse hervor, die un­begreiflich gewesen wären, wenn man nicht der Börse zugute hielte, daß sie durch die voran­gegangenen jahrelangen Erschütterungen völlig zermürbt war. Wohl beantwortete die Börse immer betrachtet als Wirtschaftsbarometer die überraschenden Erklärungen Hoovers mit einer starken Aufwärtsbewegung. Als

die heutige Nummev nmfatzt 1(5 Geiten