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Aanau GiadL und Land

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22. Mi

1931

Amerika schlägt ein Moratorium vor

NvâKdettt Soovev fovdevt eitijähvigen Aufschub aller Revavationen und Schuldenzahlungen ab 1. Lull - Deutschland stimmt r«

KEZ» ^W<y#4{4(W

Präsident Hoover hat den Missions­chefs eine Erklärung überreicht, in der die ameri­kanische Regierung' einen einjährigen Zahlungs­aufschub für alle Regierungsschulden und Repara­tionen vorschlägt. *

Präsident Hoover, der sich in seinem Landhaus in Orange von einer anstrengenden Woche ausruht, hat mit großer Genugtuung die Presseberichte aus dem Ausland und Amerika über die Aufnahme, die fein Vorschlag gefunden hat, ge­lesen. Amtliche Kreise betonen, Hoover sei sehr befriedigt.

Das britische Kabinett wird sich in sei­ner nächsten Sitzung am Mittwoch mit dem Moratoriumsvorschlag des Präsidenten der Vereinigten Staaten befassen.

Gegen 3000 Kommunisten versammelten sich gestern nachmittag am Großen Fenster im Grunewald, um gegen das Verbot der Spartakiade, die für den 4. bis 12. Juli ange­setzt war, zu demonstrieren. Die Polizeibeamten, die die Versammlung, die nicht angemeldet war, aufheben wollten, und sich gezwungen sahen, bei der Anzahl der Demonstranten mit dem Gummi­knüppel vorzugehen, wurden mit einem Steinhagel empfangen. .Sril nachdem noch Polizeikräste zur

14 Personen wegen Widerstandes gegen die Staats­gewalt zwangsgestellt und der Abteilung IA des Polizeipräsidiums zugeführt.

Nach einem Umzuge der Danziger Ar­beiterschaft anläßlich einer Sonnenwendfeier kam es an verschiedenen Stellen der Altstadt zu blutigen Z u s a m m e n st ö ß e n zwischen Arbeiterschutzbündlern und Nationalsozialisten. Nach den polizeilichen Angaben wurden etwa 60 Personen verletzt. 12 Schwerverletzte, 7 Schutz­bündler, 4 Nationalsozialisten und ein Unbetei­ligter, mußten dem Krankenhaus zugeführt werden. Die Polizei stellte die Ruhe wieder her.

Die französische Polizei hat im nordfranzösi­schen Streikgebiet zahlreiche Kommunisten verhaftet, die beschuldigt werden, die Un­ruhen der vergangenen Woche angestiftet zu ha­ben. Etwa ein Dutzend der Verhafteten wurde zu Gefängnisstrafen bis zu 15 Monaten verurteilt. Zwölf Ausländer, darunter drei aus Ungarn stam­mende Frauen, wurden wegen revolutionärer Um­triebe ausgewiesen, sie müssen Frankreich spätestens in drei Tagen verlassen.

Ein Auto-Car mit in Frankreich wellen­den Müttern amerikanischer Soldaten die während des Weltkrieges gefallen sind, ist gestern ta der Nähe von Amiens mit einem Lastkraftwagen zusammengestoßen. Vier Insassen des Lastkraft­wagens kamen ums Leben. Von den Insassen des Auto-Cars wurde eine Frau leicht verletzt.

Nach amtlichen Auskünften sind die gestrigen Wahlen in Bulgarien überall ruhig ver­laufen. Die endgültigen Wahlergebnisse sind erst , im Laufe des heutigen Tages zu erwarten. Immer­hin kann auf Grund der ersten Resultate festge­stellt werden, daß ein fühlbares Anwachsen der oppositionellen Stimmen zu verzeichnen ist, was auf die gegenwärtig im ganzen Land herrschende Kris« zurückgeführt wird.

Für die am nächsten Sonntag stattfandenden allgemeinen Wahlen zu den verfassung­gebenden Cortes sind gestern in ganz Spanien die Kandidaten offiziell verkündet worden. Insgesamt sind 170 Kandidaten ausgestellt worden. Für'die Hauptstadt ist von der republiamsch-sozia- listischen Koalition Außenminister Lerroux (Repu­blikaner) ausgestellt worden. Die offizielle Pro­klamierung der Kandidaten schließt das Recht der Wähler nicht aus, am nächsten Sonntag für andere Kandidaten als die gestern verkündeten zu stimmen.

Die russische Seismographische Stadion in Pul­kowo bei Leningrad verzeichnete am 18. Juni ein großes Erdbeben in 5000 Kilometer Ent- fernung. Der Herd des Bebens befindet sich m Zentraltibet. Im ganzen Tschetschen- rengsbiet im Kaukasus gingen starke Wolken­brüche nieder. Die Dörfer Troizkaja und Spelzaw- fkaja wurden überschwemmt und von der Außen­welt abgeschnitten. Acht Brücken wurden wegge- rissen. Nähere Nachrichten fehlen noch.

*1 Näheres siehe im politischen Teil.

Die Vottthaft Soovevs

Washington. 21. 3unL Präsident Hoover gab um 12 Uhr Mitternacht. Berliner Zeit, in Anwesenheit Stimfons und des Unterstaatssekretärs im Schatzamt, Mills, einen Erlaß heraus, in dem es heißt:

Die amerikanische Regierung schlägt ein einjähriges Moratorium für âlle Kriegsschulden, Annuitäten oder Zinsen vor. Mit Einverständnis des Kon­gresses tritt das Moratorium vom 1. Juli ab in Kraft. Das Moratorium fand die Billigung von 16 Sensoren und 18 Mitgliedern des Abgeordnetenhauses, außerdem von Dawes und I o u n g.

Aus Berlin wird ergänzend gedrahtet: Reichspräsident von Hindenburg hatte vorher ein Telegramm an Präsident Hoover gesandt, in dem er darauf hinwies, daß die Rotlage des deutschen Volkes eine sofortige Entlastung notwendig mache. Es ist anzuneh­men, daß der Reichspräsident diesen Schritt nicht ohne das vorherige Einverständnis des Präsidenten Hoover unternommen hak. Eine Veröffentlichung des Telegramms wird nicht in Berlin, sondern vielleicht in Rewyork erfolgen.

Der Wortlaut der Erklärung Hoovers, die den Missionschefs der beteiligten Länder, darunter dem deutschen Geschäftsträger Leitner durch das Autzen- amt überreicht wurde, ist folgende:

Die amerikanische Regierung schlägt einen ein­jährigen Aufschub aller Zahlungen auf Schulden der Regierungen, Reparationen, und Wiederaufbauschulden vor, und zwar sowohl be- züglich des Kapitals wie der Zinsen, ausgenommen natürlich Schuldverpflichtungen der Regierungen,

kankfchs RMeëung bereit zu einem Aufschub aller ihr seitens fremder Regierungen geschuldeten Zah­lungen während des am 1. Juli 1931 beginnen­den Etatsjahres unter der Bedingung, daß die wichtigeren Gläubigerstaaten ebenfalls alle ihnen geschuldeten Zahlungen auf Regierungsschulden für ein Jahr aufschieben. Dieser Schrill ist von fol­genden Senatoren bereits gebilligt worden: Ashurst, Bingham, Horah, Byrnes, Capper, Fetz, Fletcher, Glaß, Harris, Karrison, Bull, King, Mor­row, Moses, Reed, Swanson, Vandenberg, Wagner, David Walsh, Thomas Walsh, Watson, ebenso von 18 Mitgliedern des Repräsentantenhauses. Er wurde ferner gebilligt von den Botschaftern Dawes und Owen d Poung. Zweck dieses Schrittes ist, das kommende Jahr der wirtschaft- liessen Erholung der Welt zu widmen und die Kräfte in den Vereinigten Staaten, die be­reits am Wiederaufbau arbeiten, von den von außen kommenden verzögernden Faktoren zu be­freien. Die über die ganze Welt verbreitete De- preffion hat die europäischen Staaten mehr in Mit­leidenschaft gezogen als uns. Einige jener Staaten fühlen die Verminderung ihrer wirtschaftlichen Stabilität durch diese Depression im ärgsten Matze. Das Gewicht der Regierungsschulden, das in nor­malen Zeiten tragbar wäre, drückt inmitten dieser Depression schwer auf die Völker.

Aus einer Reihe von Gründen, die aus der Depression resultieren, beispielsweise der Preis- stürz fremder Waren und das mangelnde Ver­trauen in die wirtschaftliche und politische Stabili­tät im Auslande, erfolgte eine abnorme Zuwan­derung von Kapitalien nach den Vereinigten Staa­ten, wodurch die Kreditfähigkeit vieler fremder Staaten vermindert wurde. Diese und andere Schwierigkeiten im Auslande verringern die Kauf­kraft für unsere Exportwaren und sind daher in gewissem Umfange schuld an unserer fortdauern­den Arbeitslosigkeit und den fortdauernden nied­rigen Preisen für unsere Faumprodukle. Rechtzei- lige Matznahmen sind daher geboten, um den Druck dieser ungünstigen Faktoren im Auslande zu lindern zur Wiederherstellung des Vertrauens bei- zutraqen und dadurch den politischen Frieden und die wirtschaftliche Stabilisierung in der Welt zu fördern Die Autorität des Präsidenten der Ver­einigten Staaten bezüglich der Lösung dieser Probleme ist begrenzt, da er hierin vom Kongreß

Deut-Maud

Hat bereits zugeftimmt

Berlin, 21. Juni. Die Reichsregierung ist über den Vorschlag des amerikanischen Präsidenten ebenso wie die anderen Hauptmächte auf dem Wege über ihre Botschaft in Washington am Freitagabend unterrichtet worden. Wie wir von unterrichteter Seite er­fahren, hat sie der amerikanischen Regierung bereits ihre Zustimmung zu dem Vorschlag

mitgeteilt.

Die Zustimmung ist umso freudiger erfolgt, als man in Berlin wohl zu würdigen weiß, was die Einschaltung der Vereinigten Staaten in die Be­mühungen für Beseitigung der Weltwirtschaftskrise bedeutet.

Die Erleichterung, die Deutschland nach dem amerikanischen Vorschlag zuteil würde, beläuft

unterstützt werden muß. Dem Präsidenten ist von führenden Mitgliedern beider Häuser des Kon­gresses herzliche Unterstützung zugesichert worden.

Der Kern des Vorschlages ist, den Schuldnern Zeit zur Wiedererlangung ihrer na­tionalen Prosperität zu geben, und ich richte an die Amerikaner den Rat, in ihrem eigenen Interesse gute Gläubiger und gute Nachbarn zu sein.

Ich möchte diese Gelegenheit dazu benutzen, meine Ansicht über unsere Beziehungen zu den

Summen offen zu äußern:

Unsere Regierung hat sich nicht an der Auf­erlegung der Reparationen beteiligt, noch sich irgendwie bezüglich ihrer Festsetzung geäußert. Wir haben mit voller Absicht keinen Anteil gehabt an den allgemeinen Reparationen oder an der Auf­teilung von Kolonien oder von Privateigentum. Die Rückzahlung der Anleihen, die wir den Alliier­ten für den Krieg und für Wiederaufbau gewähr­ten, wurde auf einer Basis geregelt, die weder mit den deutschen Reparationen irgendwie zusammen­hing, noch von deren Zahlung abhängig gemacht wurde. Daher ist die Reparationsfrage notwendigerweise ein rein europäisches Problem, mit dem wir nichts zu tun haben. Ich billige nicht im entferntesten die Streichung der uns geschulde­ten Summen. Das Weltvertrauen würde durch einen derartigen Schritt nicht gefördert werden. Keiner unserer Schuldner hat das je vorgeschlagen, aber da die Basis der Fundierung dieser Schulden die Zahlungsfähigkeit des Schuldners unter nor­malen Verhältnissen war, so führen wir nur konse­quent unsere eigenen Prinzipien durch, wenn wir die gegenwärtigen anormalen Verhältnisse in der Welt in Rechnung ziehen. Ich bin davon über­zeugt, daß das amerikanische Volk nicht den Wunsch hak, den Versuch zu machen, vom Schuldner mehr herauszuholen als er zahlen kann, und meiner An­sicht nach verlangt eine weitschauende Politik, daß unsere Regierung die gegenwärtige Situation in ihrer Realität anerkennt. Diese Haltung entspringt vollkommen unserer bisher befolgten Politik. Wir wer. den dadurch nicht die Diskussion rein europäischer Probleme, zu denen die Reparationsfrage gehört, hineingezogen, wir wollen lediglich unsere Bereit­schaft ausdrücken, zur baldigen Erholung der Welt- prosperität, an der unser Volk so arg interessiert ist, unseren Teil beizukragen.

Ich möchte noch hinzufügen, daß wir, obgleich dieser Schritt mit der für nächsten Februar ange- fehlen Konferenz zur Beschränkung der Landrüskun- gen nichts zu tun hat, doch die Hoffnung haben, angesichts des starken Einflusses des Wettrüstens auf die gegenwärtige Depression werde unser Schritt zu freundschaftlicheren Beziehungen beitra­gen, die für die Lösung dieser wichtigen Rüstungs- frag notwendig sind.

sich nach den Berechnungen an zuständigen

Stellen auf etwa 1500 Millionen;

von der Gesamtsumme, die während dieses Zeit­raums fällig wäre, muß man nämlich etwa 200 Millionen für weiterlaufende Zinsverpflichtungen abziehen. In diefm Zusammenhang ist auch zu un-

, (Fortsetzung auf Seite 2)

Ein Lahv Zeit

In einem Berliner Blatt wurde noch am Sonntag morgen erklärt, es sei natürlich ganz ausgeschlossen", daß die durch den am Samstag bekannt gewordenen Entschluß Hoo­vers eingeleitete Entwicklung in Siebenmei­lenstiefeln vor sich gehen würde. Tatsächlich ist das nun doch geschehen. Der Ankündigung ist der Schritt auf dem Fuße gefolgt und in diesem Schritt, der einen Aufschub für Repa­rationen und Kriegsschulden für ein Jahr be­deutet, hat den Ring gesprengt, der sich trotz der verzweifelten Bemühungen des Kanzlers unausweichlich zuzuziehen drohte. Die uner­träglich gespannte Sage wird erleichtert. Aus der Sturmflut, die uns an Rand der Kata­strophe brachte, landen wir auf einer Insel und schöpfen neue Hoffnung, daß wir den Damm zum Festland einer vernünftigeren allgemeinen Lösung der Kiegsschulden- und Reparationsfrage errichten können.

Was Hoover vorschlägt, ist ein einjähri­ger Aufschub der Zahlung der Kriegs- s u l d e n, die Amerika von Frankreich, England und den anderen Reparationsgläu­bigern erhält. Diese Länder zahlen ihre Kriegsschulden an Amerika die wgenann- en ^uB^slOimigen nutzem größeren Teck der Reparanonslekstunaen, die sie von Deutsch­land erhalten. Sie sollen nach dem Vorschlag Hoovers uns nicht nur den Betrag dieser Außenzahlungen, sondern die ganze Re­parationszahlung auf ein Jahr stun­den, sie sollen also einen Verzicht über den amerikanischen Nachlaß hinaus leisten. Die Ersparnis des schuldenfreien Jah­res würde für uns etwa 1500 Millionen ausmachen, wobei hervorzuheben ist, daß der Aufschub nicht erst nach dem im Youngplan vorgesehenen Fristen, sondern bereits am 1. Juli eintreten soll ein Vorschlag, der von Deutschland besonders begrüßt werden muß.

Wir sind mit alledem natürlich noch nicht am Ende, aber vielleicht wird man, ohne über- chwenglich zu werden, doch sagen dürfen: Wir stehen, wenn alles gut läuft, am Anfang die­ses Endes. Kann sein, daß man in Frankreich mit den Vorschlägen Hoovers nicht ohne we - teres sich befreunden mögen wird, obschon man die eigene Härte bislang doch immer mit den Verpflichtungen gegen Amerika zu entschuldi­gen versucht hat u. auch der Doungplan in die­sem Falle die entsprechenden Erleichterungen für die deutschen Tribute vorschreibt. Abc" Frankreich hat außer den Vereinigten Staaten auch England und Italien gegen sich. Es ist diesmal wirklich isoliert. Und bevor der ein­jährige Zahlungsaufschub, von dem die bei­den Präsidenten in ihren Drahtungen spre­chen, abgelaufen ist, wird die Abrüstungskon­ferenz stattgefunden haben, die endgültige, bei der ein Ausweichen vor den Problemen nicht mehr möglich sein wird. Die weltpolitische Situation atzt über Nacht ein anderes Gesicht erhalten. Nein, man soll die Dinge auch nicht verkleinern: Die Entwicklung ist diesmal wirk­lich mit Siebenmeilenstiefeln marschiert. Der Schwerflüssige ist in Bewegung geraten, das anscheinend Festgefrorene plötzlich aufgetaut, und wohin der Sturm nun zieht, läßt sich im Augenblick noch gar nicht abschätzen. Es kann doch sein, daß der harte Bann, der länger als zwölf Jahre auf aller Welt, nicht nur auf den beiden deutschen Staaten im Herzen Europas, lag, nach und nach überhaupt gelöst wird.

Eine Voraussetzung freilich wird dabei zu erfüllen sein, eine von uns Deutschen allein: es darf nicht wieder geschehen, wie nach 1924, nach dem sogenannten Wunder der Renten­mark. Der Hafer darf uns nicht wieder stechen, die Erleichterung, die uns jetzt zu winken scheint, darf nicht in haussierenden Stimmun­gen an den Börsen, in Geldvergeudung und sträflichem Aufwand, nach welcher Richtung immer, entarten und so verpuffen. Wir müssen nach Krieg, Inflation und Deflation endlich

Die benKse Stammet umsatzt 12 Setten