Einzelbild herunterladen
 

RDRMRS

-sm-

London, 19. Mai.

Zwischen der englischen Regierung den Diamantengesellschaften Debeers dem südafrikanischen Diamantensyndi- kat und der Londoner Diamond Cor­poration ist ein Abkommen über Einschränkung der Diamantenförderung zustande gekommen. Die bei den Händlern und Produzenten vorhan­denen Diamantenläger übersteigen den Wert von 30 Millionen Pfund. Die Händler des Kontinents haben vor­läufig gegen diese Einschränkungs- maßnahme Einspruch erhoben und drohen mit Ueberschwemmung des Marktes aus ihren Lagerbeständen zu­nächst im Werte von 15 Millionen Pfund.

WarumistderDiamantsowertvoll?

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, das auf dieser Erde den Wert der Dinge bestimmt: das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Wollte man allerdings diese Theorie auch auf die Diamanten anwenden, so käme man bald auf den berühmten Holzweg. Denn alle vier, fünf Jahre wird die Welt und speziell die Diamantenbörse von Amsterdam erschüttert, durch eine Alarmnachricht: riesige Edelstein­felder entdeckt---Dann stürzen die Preise der Juwelen für einige Wochen rapid aber auf die Dauer bleibt alles beim Alten und die schönen und reinen Diamanten werden mit Tausenden bezahlt.

Es muß in diesem Falle sich wohl doch anders verhalten. Und als die alten Griechen dem schönen und klaren Stein den Namen Adamas" - der Unbezwingbare gaben, hatten sie wohl andere Gründe. Tatsäch­lich ist der Wert des Diamanten seit legendärer Zeit bis zum heutigen Tage im Grunde un­angetastet der gleiche geblieben. Wir haben heute viele wissenschaftliche Erklärungen dafür. Seine Schönheit zunächst ist einzigartig. Der sehr lebhafte Glanz und das unvergleichliche Farbensxiel sind auf die sehr intensive Licht­brechung und die außerordentliche Farben­zerstreuung zurückzuführen, die den Diamanten auszeichnen und ihn von allen Juwelen zum edelsten stempeln. Zudem erreicht er die höchste Härte aller im Mineralreich bekannten Stoffe Härte 10 nach der Mohrschen Härteskala.

Die größten Diamantenvorkom- men finden sich in Südafrika, West- und Ost­afrika, in Brasilien und auf Borneo, im Ural und in Australien. Die meisten der historischen Steine entstammen den heute fast erschöpften i indischen Minen. Der Diamant findet sich im aufgeschwemmten Land und im Fluß-. sand, oder eingesprengt in bestimm­ten Gesteinsschichten gemeinsam mit Gold und Platin, oder mit anderen Edelsteinen, wie Topas, Hyacinth oder Granaten. Die meisten Diamantenlager finden sich in einem sehr festen Gestein vulkanischen Ursprungs, das Kimberlit genannt ist. Es findet sich in Zylinderform eingesprengt zwischen Schichten von Schiefer und basaltischen Gesteinen und ist an der Oberfläche verwittert, in der Tiefe dunkelschwarzgrün der sogenannteblaue Grund" der afrikanischen Diamantenfelder. Die Gewinnung dieser Diamanten erfordert einen regelrechten Bergbaubetrieb im Gegen­satz zu den Steinen im Schlemmsand, die gelesen" undgewaschen" werden. Man ver­mutet, daß die Diamanten durch ein Zusammen­wirken von außerordentlicher Hitze und unge­wöhnlich starkem Druck entstanden sind. Kleinere Diamanten, die gefördert wurden, zersprangen auf dem Objektträger des Mikro­skops nachdem man sie dem Druck des sie umgebenden Gesteins entzogen hatte.

Die Gesamtproduktion der Welt beträgt bis zum Jahre 1926 etwa 210 Millionen Karat, wobei das Karat mit 205 Milligramm gerechnet ist. Der Eesamtbesitz der Erde an geförderten Diamanten ist also etwa mit 42 Tonnen zu rechnen.

T. Ofenbrink.

den Stein zu, falls er

Diamant

einer stark rotierenden Scheibe

Diamantenstaub geschliffen nach dem Muster des ersten Brügger Diamantenschleifers Berguem aus dem 15. Jahr­hundert-

Du zahlst den Stein mit Deinem Leben..."

Die Geschichte der berühmtesten Diamanten der Welt.

Don H. S. Werner. '

Es ist ein alter Glaube, daß die großen und schönen Diamanten nur darum so stark leuchten und glänzen, weil soviele Tränen darauf ge­fallen sind. Die Geschichte der berühmtesten Steine scheint allerdings das Sprichwort zu bestätigen. Nur fragt ès sich, ob nicht vielmehr der Träger dem St-»in, als umgekehrt der Stein seinem Träger ein Schicksal brachte . <.

Der Pitt.

Dieser seltene Stein hat ein Gewicht von 136 Karat und zeigt einen Brillantenschnitt von höchster Vollkommenheit. 1702 fand ihn in den Gruben von Parteal in Ostindien ein Sklave, der den herrlichen Stein für sich behalten wollte. Da er aber die scharfe Kontrolle fürchtete, brachte er sich eine tiefe Wunde am Bein bei und versteckte den Diamanten unter dem Ver­band. Der Besitz des Steins versprach Reichtum und vor allem Freiheit. Der Sklave ver­traute sich einem Matrosen an und sicherte ihm ihm die Freiheit ver­schaffe. Der Matrose nahm ihn auch tat-

fachlich auf sein Schiff, ließ sich den Stein geben und warf den Skla­ven über Bord. Den herrlichen Dia­manten aber kaufte ihm für tausend Pfund Sterling der damalige Gouverneur des Forts St. George ab, Lord Pitt, dessen Namen der Stein noch heute trägt. Der Matrose brachte das Geld in kürzester Zeit durch und erhängte sich.

Pitt brachte den Stein nach Frank­reich, wo ihn der

Große Diamantenmine in Transvaal.

Wk^èH

für den damals noch unmündigen Lud­wig XV. erwarb und 31/* Millionen Frank dafür bezahlte. Damals wog der Stein 410 Karat, und wurde erst jetzt zur vollkommenen Form geschliffen, wobei er zwei Drittel seiner Größe einbüßte.

Die Operation nahm 2 Jahre in Anspruch und kostete 17 000 Taler, die abgesprengten Stücke hatten noch einen Wert von 48 000 Taler. 1892 wurde auch derPitt" mit sämt­lichen anderen Kronjuwelen aus den Tuilerien geraubt und blieb ein paar Jahre verschwunden. Ein anonymer Brief führte später wieder auf seine Spur; es war dazumal in Frankreich zu gefährlich, mit so wertvollen Objekten zu handeln. Die französische Republik verpfändete darauf die Pitt aus Geldmangel an den Kaufmann Treskow in Berlin, und nach seiner Wiedereinlösung schmückte er den Degenkn^uf Napoleons. Man glaubte schon,

Die größten Diamanten.

Fig. 1. Großmogul, 270 Karat. Fig. 2 u. 11. Regent oder Pitt, im französischen Kronschatz, 136*11 K. Fig. 3 u. 5. Florentiner, im Schatz des österreichischen Kaisers, 133*1» K. Fig. 4 u. 12. Stern des Südens, aus Brasilien, in Prioat- besitz, 125 K. Fig. 6. Sancy, im Besitz des russischen Staates, 53*11 K. Fig. 7. Grüner Diamant, im Grünen Gemölbe zu Dresden, 40 K. Fig. 8. Kohinur, im eng­lischen Kronschatz, alte Form, 280 K.; Fig. 10. neue Form, 106* in K. Fig. 9. Blauer Diamant, von

Hope in Amsterdam, 44*l< K.

in dem Wagen Napoleons, der bei Waterloo erbeutet wurde, auch den Degen mit dem Pitt erobert zu haben. Es handelte sich jedoch damals um ein kleineres Juwel, der Pitt ist heute noch das wertvollste Stück des französischen Kron­schatzes.

Der Orlow ist der größte der berühmten Diamanten, die

Herzog von Orleans wir in Europa haben. Er stammt aus einer

der ältesten Gruben Indiens und soll ehemals eines der Augen der berühmten Statue des Sherigan im Tempel des Brahma gebildet haben. Später fand man ihn in dem Thronsessel des Schah Nadir von Persien. Bei dessen Ermordung brach ihn ein französischer Grenadier heraus, >er in Persien Dienste genommen hatte, floh damit nach Malabar und verkaufte ihn einem Schiffs­kapitän für 14 000 Taler. Dieser verdiente bei dem Verkauf an einen Händler 70 000 Taler an dem Stein, und so wanderte der Diamant durch verschiedene habgierige Hände, bis ihn ein Armenier erstand, der ihn der Kaiserin Katharina II. von Rußland im Jahre 1775 in Amsterdam für 450 000 Rubel, ein Adelsdiplom und eine Leibrente von 2000 Rubel verkaufte. Seither bildet er die Spitze des Zepters im russischen Kronschatz. Wenngleich man munkelt, es handle sich dabei heute nur um eine Imitation und der edle Stein selbst habe schon wieder neue Irrfahrten durch die Welt angetreten. Der Orlow wiegt heute 1943/t Karat und ist über drei Zentimeter hoch.

Der Berg des Lichts Koh-i-noor

soll der Legende nach einstmals 793 Karat ge­wogen haben. Seine Geschichte verliert sich im Dunkel indischer Sagen, wo ihn vor 5000 Jahren der Held Karna im Feldzug getragen haben soll. Geschichtlich hören wir erst von ihm zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Er war jahr­hundertelang das Kronjuwel der Radschas von Malwa und galt als Talisman der Herrschaft, weil er stets als Siegesbeute dem stärkeren Eroberer zufiel. 1813 kam er in den Besitz des Herrschers von Lahore, wurde 1850 von englischen Truppen erobert und der Königin Viktoria überreicht. Durch den Schliff, den die Königin bei dem geschicktesten Diamantenschleifer fn Amsterdam, Herrn Voorsanger, vprnehmen ließ, wurde sein Gewicht bis auf 106 Karat ver­mindert und sein Wert auf 800 000 Taler erhöht.

Zu den schönsten, wenngleich auch kleineren Diamanten gehört derFlorentiner" oderHerzog von Toskana".

Er gilt als der größte der berühmten Diaman­ten Karls des Kühnen. Er ist vollkommen rein, von gelblicher Farbe und wiegt 133 Karat. 1476 verlor ihn Karl der Kühne in der Schlacht von Eranson. Ein Schweizer fand ihn nebst einer kostbaren Perle in einem Kästchen. Erst warf er den Diamanten verächtlich fort, dann nahm er ihn aber wieder auf und überließ ihn für einen Gulden einem Geistlichen, der ihn für drei Franken nach Bern verkaufte. Hier erwarb der reiche Handelsherr Mey den Stein, dessen Wert inzwischen auf 5000 Taler gestiegen war. Für den doppelten Preis verkaufte ihn später ein kundiger Genueser an den Regenten von Mailand, Ludovico Sforza. Bei der Zersplitterung des Mailänder Schatzes erwarb Papst Julius II. den Florentiner, heute ist er das wertvollste Stück der kaiserlichen Samm­lung in Wien.

Der größte in Brasilien gefundene Diamant wurde 1853 entdeckt und wog 254 Karat. Er be­findet sich in Privatbesitz und ist unter dem NamenStern des Südens" bekannt. Als

exotischer

wird der indische

Großmogul" geschildert, der ein Gewicht von 279 Karat aufweift; als größter Diamcnt der Welt gilt ein bläulichweißer Stein, der 1893 in der Jagersfontain-Mine in Südafrika gefunden wurde und 971 Karat wiegt, jedoch weniger wertvoll ist als die berühmte» Steine mittlerer Größe, die sich durch ihre wunderbare Klarheit und ihr unoergjeWjcheL Leuer asszeichnea.