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KanaueAnzeiger

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Vauau Stadt und Land

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Samstag den

2(5. Sunt

1931

âmmt Kitte aus Amerika?

Bedeutsame Besprechungen im weißen Kaufe - Maßnahmen ruv Stärkung der Lase in Deutschland?

Ätwyt ^wyt^^i**

Nachdem sich der Devisenmarkt in den letzten Tagen etwas beruhigt hatte, setzte am Frei­tag an der Berliner Börse wieder starke Nach­frage ein.

Der Berliner Polizeipräsident hat aufgrund der Notverordnung vom 28. März 1931 das am Samstag von den Nationalsozia­listen geplante sogenannte Sportfest im Stadion wie die von kommunistischer Seite für die Zeit vom 4. bis 12. Juli geplante Spar­takiade verboten.

Der Thüringer Landtag lehnte einen kommunistischen Antrag auf Auflösung des Landtages ab. Für diesen Antrag stimmten auch die Nationalsozialisten und die Deutschnatio­nalen. Die Sozialdemokraten übten Stimm­enthaltung. *

In Neiße kam es gestern abend vor dem Parteilokal der Nationalsozialisten zu einem Zu­sammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Es kam zu einer Schießerei, bei der der nationalsozialistische Handlungsgehilfe Müller erschossen wurde.

Nach einer Verfügung^des Litauischen Ministers

i ung bis 1932 für Litauen v e r-

boten worden. Das Verbot wird mit dem Inhalt eines Aufsatzes dieser Zeitung: Markys und Zau- nius? Wer entscheidet im Memelgebiet? begründet.

Der Berliner Oberbürgermeister hat gegen den ' Beschluß des Oberpräsidenten, der die Besoldungs- vrdnung der Berliner Beamten beanstandet, beim Landesschiedsgericht Beschwerde erhoben und Auf­hebungsantrag gestellt.

Der 50. Deutsche Aerztetag in Köln nahm gestern eine Entschließung an, die auf die ' schwere Erschütterung der Lebenskraft des deutschen Volkes durch die Tribute hinweist. Eine weitere Entschließung wendet sich gegen den Gistgaskrieg.

*

Die Vorbereitungen für die (Europareife des Staatssekrtärs Stimson sind nun­mehr so weit gediehen, daß bereits die Auswahl feiner. Begleitung vorgenommen wurde. Außer Frau Stimson werden sein persönlicher Assistent Klotz, sein Adjutant Regnier und sein Privatsekretär Morlock an der Reise teilnehmen. Die Rückkehr aus Europa dürfte Mitte September erfolgen, das Ab­fahrtsdatum ist bisher noch nicht festgesetzt.

Bundespräsident Millas hat Dr. Seipel mit der Kabinettsbildung beauftragt. Seipel hat angenommen.

Der Vorsitzende der radikalen Kammerfraktion Herriot soll, wie derTemps" berichtet, gegen das Verhalten von etwa 40 radikalen Abgeord­neten, die entgegen der Weisung des Vorstandes gegen das Flottenbauprogramm gestimmt haben, protestiert und angedroht haben, daß er auf der nächsten Fraktionssitzung sein Amt als Frak - tionsvorsitzender niederlege.

Das BootNautilu s", das 49 Grad 35 Min. nördlicher Breite und 14 Grad 49 Min. westlicher Länge liegt, hat nach einer Newyorker Meldung neue Störungen zu verzeichnen.

Gestern abend ist in St. Jnglevert an der nord­französischen Küste ein kanadischer Segel­flieger gelandet, der mit seinem Apparat in Lympme aufgestiegen war. Es ist das e r st e Mal, daß ein Segelflieger den Kanal über­flogen hat. Die Flugdauer betrug 1% Stunde. Bemerkenswert ist, daß der Flug mit Hilfe eines Flugzeuges angetreten wurde, das den Segler in Höhe von 4000 Meter brachte.

*

Ueber dem italienischen Seeflughasen von Brindisi stießen gestern zwei Flug­zeuge zusammen. Während das eine glatt landen konnte, stürzte das andere mit 6 Personen ins Meer. 5 Personen sind ertrunken.

, Die regelmäßigen Post- und Passa­llierflüge zwischen Holland und Rie­de rländisch - Indien, die bisher alle 14 Tage stattfanden, werden ab 1. Oktober d. J. zu einer allwöchenttichen Luftverkehrsverbindung ausgostaltet.

*) Näheres siehe im politischen Teil.

Eine bedeuttame Erklärung Goovers

Washington, 19. Juni. Im Weißen Hause haben heute wichtige Besprechungen stattgefunden, in denen Hoover lebhaftes Interesse für die verwickelte europäische Finanz­lage bekundete.

Präsident Hoover erklärte über diese Besprechungen, er habe mit mehreren Führern beider politischen Pateien über Maßnahmen gesprochen, die geeignet seien, zur wirtschast- lichen Wiedergesundung sowohl in den Vereinigten Staaken als im Ausland beizukragen und insbesondere eine Stärkung der Lage in Deutschland herbeizufüh­ren. Man sei sich noch nicht über bestimmte Pläne schlüssig geworden, aber die Art, in der die Verkreker beider Parteien auf die Angelegenheit eingegangen seien, sei durchaus befriedigend gewesen.

In Washington wird auf Grund dieser Besprechung vermutet, daß irgendein Schritt der Regierung bevorstehe.

Die Seivvechunseu im weis«, KauS

wird

London, 19. 3uni. Aus Washington berichtet, die Wichtigkeit der Besprechungen, die Prä­sident Hoover heule abgehallen hat, kann an den Persönlichkeiten ermessen werden, die herangezogen wurden. Der Präsident hatte zuerst eine längere

Unterredung mit dem Staatssekretär Stimson, hieraus eine mit den Führern der beiden Seuats- srattionen und anfchlretzcn- eine mit dem Anker- schatzsekreiâr Mills. Der Präsident der Senakskom- miffion für Finanzen Smoot ist eiligst telegraphisch nach Washington berufen worden. Die Konferenzen selbst wurden dann am Nachmittag fortgesetzt; Hoo­ver empfing den Unterskaatssekrekär Klein, der Sach­verständiger für Fragen des Außenhandels ist, und eines der ältesten Mitglieder der Finanzkommission des Repräsentantenhauses, Bacharach.

Wie Reuter berichtet, wird das Eingreifen des Präsidenten in Zusammenhang gebracht mit den ge­strigen Unterredungen zwischen Mellon und Mac­donald in London und zeigt. wie man glaubt, daß eine wichtige Entscheidung über die amerikanischen und europäischen Finanzen im Gange sei.

Amerikanisches Echo der Koovev-Evklävung

Washington, 19. Juni. 3m Zusammenhang mit der Erklärung Hoovers über die wirtschaftliche Wiedergesundung wird noch ergänzend gemeldet, daß Präsident Hoover mit den Senatoren Reed, Smoot, Sing und Glaß und mehreren Abgeord­neten Besprechungen führte und längere Konfe­renzen mit Staatssekretär Stimson und dem stell­vertretenden Schatzsekretär Mills hakte.

In der amerikanischen Presse wird die Erklärung Hoovers als ein histori-

Revifi-nsberalungen in Vertin

Die Mnifkerbefprechungen über die Maßnahmen, die in der Reparationsfrage ergrif­fen werden können, find gestern fortgesetzt worden und werden auch in den nächsten Tagen weitergeführt werden. Amtlich verlautet darüber:

Berlin, 19. Juni. Wie wir erfahren, hat der reparationspolitische Ausschuß des Reichskabinetts, der bekanntlich seinerzeit aus Ressorts gebildet wor­den ist, die an die Fragen der Reparationen beson­ders beteiligt sind, heute eine Sitzung abgehalten, an der auch die Botschafter Dr. Hoesch und Dr. v. Schubert teilgenommen haben. Die Beratungen galten natürlich der Vorbereitung der Maßnahmen, mit denen das Reichskabinett die Revision einlei­ten will. Sie werden in den nächsten Tagen fort­gesetzt. Inzwischen werden auch die Botschafter- von Prittwitz und Neurath in Berlin erwartet, die sich bereits auf der Reise befinden. Diese Besprechun­gen, die bereits vor einer Reihe von Tagen ange­kündigt worden waren, werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da der Revisionsschritt bei der großen Bedeutung und den Schwierigkeiten des ganzen Problems natürlich einer eingehenden und sorgfältigen Behandlung bedarf.

Sevtvaue« dev Zndustvle rum Warntet?

Berlin, 19. Juni. Der Hauptausschuß der deut­schen Industrie trat heute bei zahlreicher Beteiligung aus allen Teilen des Reichs unter dem Vorsitz von

ches Dokument bezeichnet und als Beweis für die Erkenntnis, daß sich Amerika dem Ernst der Lage nicht länger entziehen könne. Ueber die Pläne Hoovers gehen die Vermutungen dahin, daß man Deutschland nicht durch eine Herabsetzung der alliierten Kriegsschulden, sondern durch Gewäh­rung langfristiger Kredite helfen wolle.

Baltimore Sun" behauptet, sie habe aus guter Quelle erfahren, daß Hoover die Initiative in der SchuldeniraL erareiieu und den Alliierten die Zahlungen an bie Bereinigten Staaten einzu stellen, unter der Bedingung, daß sie während des gleichen Zeitraumes keine Reparationen von Deutschland ver­langen. Dieser Plan würde nach derBaltimore Sun die Verträge mit den Alliierten über ihre Schuldenzahlungen unangetastet lassen und es gleich, zeitig den Alliierten ersparen, Amerika um Zah- lungsaufschub zu bitten. Dadurch werde das Pre­stige Europas gewahrt und Amerikas Prestige ge- hoben. Stimson betonte, Hoovers Erklärung werde aller Voraussicht nach seine Europareise nicht verzögern.

London, 20. 3uni. »Newyork Lhronicle" be- nwrkk zu den Erklärungen Hoovers: Newyorker Finanzkreise würden mit Rücksicht auf das in Deutschland inoeffierte amerikanische Kapital eine weitere Verschlechterung der deutschen Wirtschafts­lage sehr bedauern und man fei der An ichk, daß ein Transferaufschub eine Gefahr abwenden wurde. Die Aktion Hoovers werde als DJ * bedeutendste seit der Behandlung der Schuldenfrage angesehen. Sie zeige, daß die amerikanische Regierung bemüht sei, einen Teil der Fuhrerrolle in den Angelegenheiten der Welt wie­der zu übernehmen. In Washington nehme man an, daß Hoover einen ausführlichen Bericht von Mellon erhalten habe.

Geheimrat Dr. Duisberg hier zu einer Tagung zu­sammen, in der die augenblickliche Notlage des deut­schen Volks eingehend erörtert wurde/ Den Haupt­bericht mit dem Thema:Wie stehen wir wirt- schafts- und finanzpolitisch?" erstattete an Stelle des verhinderten Geheimrats Kastl Dr. Silverberg. In der Aussprache nahmen Karl Friedrich von Sie­mens, Geheimrat Ernst von Borsig, Klemens Lam­mers, Direktor Dr. Haußmann, Rudolf Blohm, Baurat Riepert und Abr. Frowein das Wort zu grundsätzlichen Ausführungen. Das Ergebnis der Tagung faßte der Vorsitzende, Geheimrat Dr. Duis­berg, wie folgt zusammen:

Der Reichsverband der deutschen Industrie ist sich darüber klar, daß die Vermeidung eines wirtschaftlichen und finanziellen Zusammen­bruchs in allererster Linie eine Frage des Ver­trauens in die Führung der Reichsgeschäfte ist. Der Person des Reichskanzlers bringt die In­dustrie dieses Vertrauen entgegen.

An dem Inhalt der Notverordnung vom 5. Juni wurde heftige Kritik geübt. Die ent­scheidenden Schritte, die Wirtschaft von den Fesseln zu befreien, die ihr durch die ungeheure Ueber- iastung mit öffentlichen Abgaben und die alten Methoden der Wirtschafts-, Finanz- und Sozial-

(Fortsetzung auf Seite 2)

Dit Woche

Die hinter uns liegende Woche hat uns wieder einmal mit aller Deutlichkeit erleben lassen, daß Deutschland heute noch un« frei ist, daß das deutsche Volk noch nicht ma­chen kann, was es will.Schulden machen immer unfrei", so führt der frühere Staats­sekretär Rich. v. Kühlmann in seinem Buch Gedanken über Deutschland" aus und gibt uns den Rat, nicht nur aktive Außenpolitik, sondern vor allem die innere Sanierung durchzuführen. Nur durch ruhige, ziel­bewußte Arbeit auf innere Selbständig­keit könnte Deutschland vor Rückschlägen in der Außenpolitik bewahrt bleiben. Zweifellos richtig. Nachdem Ende der vorigen Woche bekanntgeworden war, daß verschiedene hinter der Regierung stehende Reichstagsparteien sich mit der Absicht trügen, den Reichstag vorzeitig einzuberufen, um von der Regie­rung Rede und Antwort über die hart be­kämpfte neue Notverordnung bzw. deren Aenderung zu verlangen, als ferner die Ab­sicht des Reichskanzlers laut wurde, daß ein Beschluß auf Einberufung des Reichstages oder des Haushaltsausschusses die Demission da setzte der zweite große0 Abzug von Gold und Devisen ein, d. h. der gewaltsame Versuch des Auslandes, feine in die Milliarden ge­henden Kredite, die leider vielfach nur auf ganz kurze Frist gegeben sind, aus dem ka­pitalarmen Deutschland herauszuholen. Der 1. Abzug erfolgte bekanntlich nach den Wah­len vom 14. Sept. v. Is. Reichsarbeitsminister Stegerwald erklärte am Donnerstag, daß dies­mal rund eine Milliarde Devisen aufgerufen ein Verlust, der in der krisenreichen Ge­schichte der Reichsbank in den Nachkriegs­jahren einzig dasteht und Kreditkündigun­gen von etwa 2,53 Milliarden erfolgt seien. An dem Devisenaufruf war natürlich wieder der inländische Devifenkauf beteiligt, der die typische Form der Kapitalflucht dar­stellte. Bedauerlich! Was hätte mit diesem im Laufe der Zeit ins Ausland gewanderten Gelde nicht alles geleistet werden können, wenn es im Inlands geblieben wäre. Die Folge dieses Abzuges bzw. der Devisenkäufe war die ri­gorose Diskonterhöhung der Reichsbank um volle zwei Prozent, die der deutschen Wirt­schaft erhebliche Opfer aufzwingt. Glücklicher­weise waren die Abwehrmaßnahmen der Reichsbank von Erfolg, die deutsche Währung ist trotz dieser ganz erheblichen Devisenver­luste noch vollkommen gesichert, doch wer weiß, was eingetreten wäre, wenn es nicht gelungen wäre, die politische Krise zu mei­stern. Angesichts dieser Gefahren mußte die Regierung an ihrem Standpunkt, die Ein­berufung des Reichstages nicht zuzulassen, festhalten, denn das eine steht fest: Wäre der Reichstag einberüfen worden, so wäre die Notverordnung im Strudel parlamentarischer Abstimmungen versunken. In der Zwischen­zeit aber und diese hätte von langer Dauer sein können, denn mit unserem heuti­gen Reichstag ist in kritischen, schweren Stun­den nur langsam zu operieren wäre der Zustand für die Geldwirtschaft und damit für die deutsche Wirtschaft überhaupt immer be­drohlicher geworden und schließlich wären unsere Reichsboten nicht in der Lage gewesen, anstelle der Notverordnung etwas Besseres oder wenigstens Gleichwertiges zu setzen. Die Sanierung, und damit die notwendige repara­tionspolitische Aktivität wäre unmöglich ge- worden.

Nun wird man sagen: Also lieber die Notverordnung schlucken! Nein, wir wollen mit Gesagtem'nur zeigen, wie vorsichtig man in unserer gegenwärtigen Lage sein muß hin­sichtlich der Stellung von Forderungen, die den Charakter eines Ultimatums tragen. Die vergangene Woche hat uns erneut bewiesen,

Die heutige Summer umsatzt 20 Seiten