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Nr. 139

Mittwoch den 17. Juni 1931

Sette 5

AUS KM und Keen.

Schwere Ausschreitungen gegen einen Lehrer

Kassel, 16. Juni. In der Nacht zum Montag wurde nach Beendigung des Kelzer Schützenfestes von mehreren Burschen aus Hofgeismar vor der Wohnung des Kelzer Lehrers, dem schon wieder­holt von bestimmter Kelzer Seite übel mitgespielt worden ist, das Lied vom armen Dorfschulmeister- lein gesungen und auch sonst der Lehrer und dessen Frau provoziert. Auf Grund früherer ähnlicher Vorkommnisse, bei denen ein Kind des Lehrers durch einen Steinwurf von der Straße aus bei­nahe getötet worden ist, wollte der Lehrer den Burschen entgegentreten. Er wurde von diesen so­fort tätlich angegriffen, zu Boden geworfen und mit Steinschlägen am Kopf und am rechten Auge schwer verwundet. In der größten Not schoß der Lehrer mit einem alten Revolver, den er in der Tasche hatte, mehrere Schüsse auf seine Angreifer und verletzte einen schwer und Zwei andere leicht. Der Lehrer und der Schwerverletzte, dessen Zu­stand nicht hoffnungslos ist, mußten durch ein Sa- mtätsauto in ein Kasseler Krankenhaus überführt werden.

Ein betrügerischer Bürgermeister verurteilt.

Kassel, 16. Juni. Das Große Schöffengericht verurteilte den Bürgermeister Lichtenstein der Kasse­ler Vorortgemeinde Sandershausen wegen Betrugs zu sechs Monaten Gefängnis. Der Bürgermeister hatte im Jahre 1928 bei seiner Einstufung in die neue Besoldungsordnung seiner Gemeindevertre­tuna falsche Angaben über die Auswirkung der neuen Einstufung gemacht. Außerdem wurden dem Angeklagten noch mehrere Betrugsfälle zum Vor­wurf gemacht. So soll er u. a. eine Urkunde ge­fälscht haben; auch eine Amtsunterschlagung wurde ihm vorgeworfen. In all diesen Fällen erfolgte je­doch Freispruch.

Sohn mi, wandelt seinen Vater.

Kassel, 13. Juni. Im Fuldatal geriet ein Wirt mit seinem Stiefsohn in Streitigkeiten,, in deern Verlauf der Vater von seinem Sohn zu Boden geschlagen und durch Fußtritte ins Gesicht schwer verletzt wurde. Dem alten Mann wurden mehrere Rippen gebrochen. Der Mißhandelte faird Aufnahme im Landeskrankenhaus.

Anruhen in Mainz

Mainz, 17. Juni. Auch in Mainz kam es gestern zu kommunistischen Ausschreitungen. Am Nachmittag zogen Trupps zu der Wohnung des Fabrikanten Walb, in dessen Fabrik seit kurzer Zeit ein Streik ausgebrochen ist. Sie wollten anscheinend in das Haus eindringen, gerieten aber an das Nachbarhaus, in dem der frühere z. Zt. abwesende Oberbürgermeister Külb wohnt; mit Steinen wur­den zwei Fensterscheiben eingeworfen. Das Notruf­kommando der Polizei nahm sechs Ruhestörer fest. Besonders die engen Straßen der Altstadt, die Schil­lerstraße, die Ludwigstraße und die Stadthaus­straße, wurden von den Kommunisten aufgesucht. Die. llniuet bielt..die Demonstranten aut in Scbach.

Bèf Domstraße, wo toteine aus dem Pflaster^e- rissen wurden, mußte sie jedoch energisch mit dem . Gummiknüppel vorgehen, ebenso bei einem Ueber- J fall auf einen Nationalsozialisten. Die Ansamm­lungen verstärkten sich nach Ladenschluß derart, daß L die Polizei, die wiederholt mit Steinen angegriffen »wurde, die Straßen mit Gewalt räumen mußte. »Die Bewohner mußten die Fenster geschlossen hal-

Dev teste slusvoftbvlef aus dem Revuen Osten

WMM

Der erste Flugpostbrief,

der mittels des jetzt eröffneten deutsch-asiatischen Flugverkehrs Schanghai Berlin aus Ostasien eintraf. Der Brief, der in Schanghai aufgegeben wurde, erreichte Berlin in 10 Tagen, das be­deutet 6 Tage weniger als bei Beförderung durch die Eisenbahn.

ten, und Scheinwerfer leuchteten Straßen und Fassa­den ab. Noch um Mitternacht dauerten die An­sammlungen in einzelnen Straßen an.

Gräßlicher Anglücksfall

Bad Homburg v. d. H., 16. Juni. In W'hr- Heim i. Ts. geriet der acht Jahre alte Sohn des Landwirts Ernst Lang beim Spielen auf der Straße unter eine Dampfwalze und wurde von dieser bet­ört zugerichtet, daß er bald nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus seinen furchtbaren Verletzun­gen erlag.

Todessprung aus dem vierten Stock

Wiesbaden, 16. Juni. Das 33jährige Fräulein Katharina Boll sprang Dienstag nachmittag aus dem vierten Stock eines Hauses in der Körnersirahe in den Hof. Die Lebensmüde erlitt so schwere innere Verletzungen, daß sie auf dem Transport nach dem Krankenhaus verstarb.

Einbrecher, die im Auto fahren

Wiesbaden, 16. Juni. Einbrecher, die im Auto vorgefahren waren, zertrümmerten in der ver­gangenen Nacht im Photohaus Bester eine Erker­scheibe und raubten aus der Auslage mehrere wert­volle Photoapparate im Gesamtwerte von 1400 Mark. Sie wurden wohl gestört, konnten aber un­erkannt entkommen.

Todesskurz in der Scheune

Gießen, 16. Juni. In dem Nachbardors Kin­zenbach stürzte der 44 Jahre alte Landwirt Wilh. Kloos beim Futterholen in der Scheune vom hohen Gerüst ab. Er blieb schwerverletzt in der Tenne siegen. Einige ^eit später starb der Bedauerns­werte an den schweren Verletzungen, die er sich beim Sturz zugezogen hatte.

Lin Wanderbursche vom Auto erfaßt und getötet

Arheilgen, 16. Juni. Am Montag nachmittag ereignete sich auf der Frankfurter Straße unweit der Erzhäuser Chaussee wieder ein folgenschwerer Verkehrsunfall, dem abermals ein Menschenleben

zum Opfer fiel. Zwei Wanderburschen marschierten auf der linken Seite der Frankfurter Straße in Richtung nach Frankfurt, als von hinten das Kies- auto der Darmstädter Firma Mitteldorf herankam. Die Unsitte, auf fahrende Lastwagen auszuspringen, wurde hier dem einen Wanderburschen zum Ver­hängnis. Als der Lastwagen herankam, sprang der Wanderbursche, der auf dem westlichen Bankett marschierte, nach der rechten Seite auf die Fahr­bahn, um von hinten auf den Lastwagen aufzu­springen. Im gleichen Moment kam ein Personen­wagen von Frankfurt, der von dem Kaufmann Dr. Fritz Kausch aus Freinsheim gesteuert wurde. Der Wanderbursche sprang direkt in den Personen­wagen hinein, wurde auf die Motorhaube geschleu­dert und von hier in weitem Bogen wieder nach der rechten Straßenseite auf das Bankett gewor­fen. Durch den Sturz zog er sich einen schweren Schädelbruch am Hinterkopf und sonstige schwere Verletzungen zu, die seinen sofortigen Tod zur Folge hatten. Das Auto, dessen Lenker dem Ver­unglückten auszuweichen versucht hatte, geriet in den Straßengraben. Die Insassen tarnen mit dem Schrecken davon. Bei dein Toten handelt es sich um den 1902 in Nürnberg geborenen Packer Lud­wig Gömmel, zuletzt wohnhaft in Pforzheim.

Schweres Unwetter in der Rhön

Poppenhausen, 16. Juni. Bei dem schweren Unwetter, das in der Nacht zum Montag über die Rhön niederging, hat der damit verbundene Hagel­schlag großen Schaden angerichtet. Die Kornernte ist teilweise bis zu 90 Prozent vernichtet. Auch die Obstbäume haben schwer gelitten. An den Häusern wurden viele Fensterscheiben zertrümmert. Am Fliegerlager auf der Wassersuppe wurden deren 70 zerschlagen. '

Drei Todesopfer des Rheines.

Reuwied, 16. Juni. Der Rhein forderte in den letzten Tagen ungewöhnlich zahlreiche Opfer. In Weißenthurm ist ein 17jähriger Bäckerlehrling ertrunken. Seine Leiche wurde von der Strömung abgetrieben. In Unkel ertrank ein 27jähriger An­gestellter des vor Anker liegenden Dampfers Elberfeld" der Köln-Düstsseldorfer. Er fand den

Tod, als er vom Motorboot aus ein Bad nehmen wollte. Seine Leiche ist ebenfalls noch nicht gebor­gen. In Linz wurde eine weibliche Leiche ans Land gespült. Es ist eine etwa 50jährige Frau, deren Personalien noch nicht bekannt sind.

Ein Sägewerk niedergebrannt.

Marienberg (Westerwald), 16. Juni. In dem am Bahnhof Rotzenhahn gelegenen Sägewerk Heinrich ist ein großer Teil der Gebäude durch Feuer vernichtet worden. Die Flammen breiteten sich mit großer Geschwindigkeit auch auf die Holz­vorräte aus, so daß ein großer Schaden entstand. Der Besitzer des Werkes befand sich auf einer Reise und fand bei seiner Rückkehr seinen Betrieb zerstört. Ueber die Ursache des Feuers liegt eine genaue Feststellung noch nicht vor.

Die welbttchett AnsefteUL^n zuv Kotvevovvzmttg

Der Verband der weiblichen Han­dels- und B ü r o a n g e st e l l t c n , die größte Frauenberufsorganisation, äußert sich zu der Not­verordnung vom 5 Juni 1931 wie folgt: In der Anerkennung der Notwendigkeit, in der heutigen schweren Zeit Opfer zu bringen, betrachtet der VWA. doch insbesondere die Krisensteuer und btt Aenderungen der Arbeitslosenversicherung für un­gerecht. Daß in der Krisensteuer die Arbeitnehmer wesentlich schlechter gestellt sind, als die wohl­habenderen Kreise des Volkes, die nicht, oder nicht hauptsächlich auf Gehalt oder Lohn angewiesen sind, muß Erbitterung Hervorrufen. Dadutch wird die Möglichkeit von Ersparnissen bei Angestellten erheblich herabgedrückt, während die anderen Kreise gerade deswegen durch die Notverordnung bevor­zugt werden, um ihnen die Kapitalbildung zu ote leichtern. Der schematische Abschlag von den Unter- stützungssätzen in der Arbeitslosenversicherung wirkt sich für die Angestellten deswegen ungünstig aus, als der Ausfall, mit 5 Prozent auf den Grundlohn berechnet, für Angestellte in der Regel mehr als 5 vom Hundert ausmacht und bis 12 vom Hundert geht. Besonders unerfreulich ist die (Einführung einer Bedürftigkeitsprüfung für Arbeitslosenunter­stützung verheirateter Frauen. Daß die Behörden- angestellten, deren Stellung künbhpr also un= 'sicher ist und die ohnehin Beitrags ^u den sozia­len Versicherungen zu leisten haben, bèW Gehalts­abzug für die Beamten unterliegen, erscheint un­billig. Auch sie wären besser, wie die übrigen Ar­beitsnehmer, nur zur Krisensteuer heranzuziehen. Der VWA. hofft, daß durch Verhandlungen mit der Reichsregierung Erleichterungen erzielt werden.

Dev Deutsche Aevzteias

Krankenkassenwesen und § 218

in

Köln, 16. Juni. Der 50. Deutsche Aerztelag, den ... Köln vom 15. bis 20. Juwi stattfindet, wurde gestern »nit einem Begrüßungsabend für die Presse im Domhotel eingeleitet. Dr. Haedenkamp-Berlin, der ständige Beauftragte der ärztlichen Spitzenor­ganisationen Deutschlands, gab einen Ueberbl ck über die Aufgaben der Veranstaltung, die insbe

stellt. Er rügte vor altem die Mängel auf dem Er­biete des Krankenkasssnivesens. Durch die Notver­ordnung D das System der Vertrauensärzte büro­kratisiert und mechanisiert worden. Es sei ein un­haltbarer Zustand, zwischen den krankenkassemnä- ßigen Aufwendungen und der Zahl der zuzulassen- den Kranikenkassenärzte einen Zusammenhang zu konstruieren. Infolge dieser Maßnahmen sei die Lage des ärztlichen Nachwuchses unerträglich ge-

Sibis Maat was tun: PI Xv^VON'SAamficx^

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des Stadtbildes bald erkennen. Die fridrizianische Gotik schuf in der Kathedralkirche und in seiner Burg, deren berühmte Doppeltreppe ein Unikum ist, ihre repräsentativsten Vertreter, die Renaissance, ursprünglich oberitalienischer Import, erbaute das prachtvolle Landhaus und daneben das Zeughaus, das landschaftliche Waffendepot, heute noch im Zu­stand des 17. Jahrhunderts, wie es kein zweites mehr auf der Welt gibt. Renaissance sind die wunder­vollen alten Höfe in der Altstadt mit den bogen­überspannten offenen Treppenanlagen. Zwei unge­mein wertvolle Stücke der italienischen Früh- renaissance sind die beiden Reliquienschreine mit wundervollen Elfenbeinreliefs in der Kathedral­kirche, von denen Graf Eduard Coudenhove-Erthal in einer prachtvoll ausgestatteten Monographie (Leykam-Verlag) kürzlich nachweisen konnte, daß sie auf Mantegna zurückgehen. Den stärksten Zug hat die Barocke der Grazerstadt ausgeprägt. Franz Ulrich Fürst von Eggenberg, Finanzminister Ferdi­nands II. und persönlicher Freund Wallensteins, erbaute vor den Toren der Stadt sein prunkvolles Schloß, in dem sich Deutschlands erster Barockfestsaal befindet. Barock sind die vielen Adelspaläste und Kirchen, der Klassizismus und das anmutige Bie­dermeier haben in den Häusern des wohlhabenden Bürgertums ihre architektonische Ausprägung ge­funden. Zwar fehlt der Architektur die Größe und Wucht der Reichshauptstadt, um den Schloßberg herum sind ihre Maß und Formen gemildert, beschei­den, wie es dem Charakter einer Provinzstadt zu­kam. Aber mitten durch die Stadt zieht der herrliche Stadtpark, ein Juwel, das uns das Spätbiedermeier hinterließ. Wer je, besonders an einem sonnigen Tag vom Schloßberg, der jetzt einen wundervollen Steingarten an feiner Westseite bekam, über die Patinakuppeln der Kirchen, über die roten Dächer der Adelspalazzis, über die Bürgerhäuser und die Kronen der alten Bäume des Stadtparkes geschaut hat, wird diesen Blick in die Südostecke des deut­schen Landes kaum je vergessen können.

DeutkMe Diwniskimft von Svanatb bis Dix (15301930).

o Am 7. Juni schloß die bis zuletzt gut besuchte Ee diesjährige Sommerausstellung .im Kurhaus

Bad Homburg, die der mittelrhemischen Land­schaftsmalerei gewidmet. war, ihre Pforten. Die Gesamtbesucherzahl von runb 5000 Personen be­weist mehr als alle Worte die Berechtigung dieser kulturellen Neuschöpfung. Noch eine besonders glückliche Bedeutung kommt der Ausstellung zu: Sie hat eine Reihe von Gemälden der Rornantiker- zeit dem deutschen Volk erhalten, die ursprünglich nach München in die Glaspalastausstellung wan­dern sollten, dann aber nach Homburg gegeben wurden. U. a. sind wertvolle Gemälde aus dem Besitz des ehemaligen Großherzogs von Hessen auf diese Weise vor der Vernichtung durch Feuer bewahrt worden. Die zweite AusstellungDeutsche Bildniskunst von Cranach bis Dix 15301930" be­titelt und wiederum unter^ Leitung von Dr. von Holst stehend, wurde- am Samstag vor geladenen Gästen eröffnet und bleibt bis zum 26. Juli täg­lich zugänglich. Vom üblichen Schema abweichend, wird diesmal ein Ueberblick über ein weites Ge­biet gegeben, das gleichsam in Essaiform behandelt wird.' Deutsche Bildniskunst wird in etwa 100 aus­gewählten Beispielen vorgeführt, allein die Male­rei der letzten 20 Jahre mit größerer Vollständig­keit. Die großen deutschen Meister des Fachs, von Cranach, Lruyn (16, Jahrhundert) über Willmann, Manyoki (17. Jahrhundert) zu Ziefenis, Graff (18. Jahrhundert), von Rayski, Leibl, Trübner über Liebermann, Corinth zu Kokoschka, Kirchner, Beck­mann und schließlich zu Dix, z. B. Bildnis Dr. Sahm und Groß zeigen nebeneinander Bildnis- schöpfungen von überzeitlichem Wert. Die drei be­rühmtesten Museen des Kontinents, Paris (Louvre), Dresden und Berlin haben Bildnisse ihres Besitzes beigesteuert.

o Die Frankfurter AusstellungVom Abbild zum Sinnbild". Die von der Stadt Frankfurt im Städtischen Kunstinstitut veranstaltete große Aus­stellung moderner europäischer MalereiVom Ab­bild zum Sinnbild" findet in Frankfurt wie auch außerhalb allerstärksten Widerhall. Die Zahl' der Be­sucher zählt schon jetzt nach Tausenden. Als ein besonders wertvolles Zeichen des Interesses kann betrachtet werden, daß sich von der Frankfurter Lehrerschaft der verschiedenen Schularten auf eine erste Anfrage hin mehr als rund 650 Lehrer und Lehrevinnen zur Teilnahme an dem von Professor

Wichert veranstalteten Führungen gemeldet haben. Einzelne Abteilungen der Ausstellung wurden in= zwischen jod) durch einige bedeutsame Werke c" weitert. So ist die bisher schon große Reihe der Werke von Paul Gauguin um ein wertvolles Stil- leben vermehrt worden. Außerdem ist u. a. noch ein Werk des Futuristen Severim neu ausgestellt worden. Es sei bei dieser Gelegenheit auch noch darauf hingewiesen, daß außer der etwa 250 Werke umfassenden Gemäldeausstellung im Graphischen Kabinett des Städel eine an Zahl nahezu- ebenso umfangreiche Sammlung von graphischen Blättern (Zeichnungen, Aquarelle. Lithographien) gezeigt wird. Wegen der Kostbarkeit der Leihgaben und der gegenüber den Sammlern und Museen eilige« gangenen Verpflichtungen ist es leider ganz un­möglich, die Dauer der Ausstellung über den vor­gesehenen Schlußtermin, den 3. Juli, hinaus zu verlängern.

o Die Versteigerung der Sammlung Remes. Die Versteigerung von Gemälden des 14. und 18. Jahr­hunderts aus der Sammlung Nemes in München er­brachte gestern einen Erlös von 1 800 000 RM. Ein Gemälde von Franz HalsBildnis eines Gelehr­ten" wurde für 86 000 RM ersteigert. Rambrandts Fabius Maxismus" erzielte die Höchstsumme von 335 000 RM; es ging wie die meisten Stücke nach Amerika. Ein zweiter RembrandtSanskia als Athena" brachte 80 000 RM.

o Bernard Shaw aus Versehen in Ehequers? Bekanntlich weilte auch der englische Dichter Ber­nard Shaw als Gast in Chequers, als die beiden deutschen Staatsmänner in dem Wochenendheim des englischen Ministerpräsidenten zu Besuch eintrafen. Er kam, wie die Londoner Zeitungen berichteten, in dem selbstgesteuerten Automobil mit einiger Verspätung an. Vielleicht ist er dabei gar nicht so sehr vermißt worden, denn einige Londoner Blät­ter behaupten, seine Einladung sei gar nicht beab­sichtigt gewesen, sondern habe auf einer Verwechs­lung' beruht. Bei der Besprechung in Chequers sollte auch die Abrüstungsfrage eine Rolle spielen und es war deshalb natürlich, daß der englische Ministerpräsident auf die Anwesenheit des Marine- unb des Kriegsministers Wert legte. Es sind dies die Herren Alexander und Tom Shaw.Alexander und Shaw sollen auch kommen" so etwa lautete der Auftrag, den der englische Ministerpräsident gab. Der Beauftragte, der die Einladung ergehen

ließ, verstand unter Shaw aber nicht den Kriegs­minister, sondern den Dichter und so kam Bernard Shaw zu der Ehre, Gast des englischen Minister­präsidenten bei der geschichtlichen Zusammenkunft zu sein. Offiziell wird die Richtigkeit dieser Nach­richt natürlich bestritten. Auch Bernarb Shaw hält eine Verwechslung für ausgeschlossen. Als er von der angeblichen Vermcchsliing erfuhr, meinte er. der Hauptzweck der deutschen Staatsmänner bei ihrem Besuch in Chequers sei selbstverständlich ge­wesen, ihn, den berühmten Dichter kennen zu ler­nen.

oCecil Rhodes" von Hans Rehberg, das die totaatstheater in Berlin neuerdings als Urauf« führung plakatieren, obgleich das Werk bereits im Vorjahre in Bochum das Licht der Rampe erblickte, ist ohne Frage eine nicht unbegabte Leistung eines Anfängers, setzt stark und vielversprechend ein, um aber dann zum Schluß flacher und flacher zu wer­den. In Berlin ist mich die Aufführung diesem Schicksal nicht ganz entgangen. Den Eindruck, der von der ersten Szene ausgiitg, wußte die Aufsüh- rung am Ende nicht mehr zu halten. So erlahmte allzu früh das Interesse an dieser an sich nicht un- beachtlichen Vorstellung, mit der Lothar Müthel er­folgreich als Regisseur debütierte. Walter Frank weiß eindrucksstark die Titelrolle zu verkörpern, die seinem künstlerischen Wesen außerordentlich entgegonkomint. Blaß wirkt neben ihm Günther Hadank als Lord Derby, vortrefflich dagegen^ sein andorer Gegenspieler auf der englischen Seite, Ferdinand Hart als General Buller. Ganz pracht­voll aus der Umgebung des Rhodes Bernhard Mi- netti als Dr. Jameson und Fritz Genschow als Leutnant Wellington. Undiskutabel Laubinger als Sekretär, Körner als General, völlig fehlbesetzt Hans Otto als Chef des Zioilkabinetts in der un­glücklichen und überflüssigen Sanssouci-Szene, in der Leopold Ledebour als alter Preußengeneral als einziger den Ton ganz traf, der dorthin ge­hörte. Franz Sandinger, Paul Günther, Alexan­der Kökert, Arthur Menzel, Erich Dunskus, Veit Harlan, Arthur Malkowsky und Clemens Hasse sind in Nebenrollen zu erwähnen. Die einzige Damenrolle gab einer Neuerscheinung: Maria Schanda, noch zu wenig Gelegenheit, eine Befähi- guno nachzuweisen. Die Bühnenbilder von Rochus Gliese sind vortrefflich gelungen. Der Publikudns» erfolg ist mäßig.