Anzeiger M^s
Vana« Stadt und Land
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üe. 138
Meustas den
16. L««r
1931
wieder verschärfte Lage
Sin Großkampftag in dev Reichskanzlei - Die Gozialdemokvatie unbesviedigt - Nvüning wiedssbolt die Kabinettskvase - Heute Entscheidung
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* Der Generalsekretär des Völkerbundes veröffentlichte am Montag die auch in Washington bekannt gegebene amerikanische Note über die gesamten Rüstungen der Vereinigten Staaten.
Die gestrigen Lohnverhandlungen mit dem Zechenverband und Bergarbeiterverbände wurden nach kurzer Dauer ergebnislos abgebrochen, da die grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten über die angesichts der Gesamtlage des Ruhrbergbaus notwendigen Maßnahmen eine Annäherung nicht erwarten ließen. Die Fortsetzung der Verhandlungen wird baldmöglichst unter dem Vorsitz des Schlichters erfolgen.
Nach den von den Beauftragten des Stahlhelms eingesammelten und von den Gemeindebehörden bestätigten Ziffern beträgt die Gesamtzahl der Eintragungen für das Volksbegehren „Landtagsauflösung" 6 031 310.
Auf Schloß Salem bei Konstanz findet heute die Verlobung des Markgrafen Berthold von Baden, des Sohnes des verstorbenen Reichskanzlers Max von Baden mit der Prinzessin Theodora von Griechenland,
Im Anschluß an die Besprechung^ mit den Re-
^ drei Schwestern der Braut sind mit deutschen Fürst- m ^ichkeiten verheiratet. Braut und Bräutigam stehen beide im 25. Lebensjahre.
UM -DieZahlderTotenbeiderSchiffs- '"tbtaftr D phe von St. Nazaire wird mit 368 ^angegeben. Der deutsche Botschafter v. Hoesch hat ^Minister Briand das Beileid der Reichsregierung ^âum Slusdruck gebracht.
Der österreichische Ministerrat hat beschlossen, einen Gesetzentwurf einzubringen, der der Regierung die Ermächtigung erteilt, die Einfuhr bestimmter Waren aus Staaten, mit denen eine vertragsmäßige Regelung der Handelsbeziehungen nicht besteht, zu verbieten oder an eine Bewilligung zu binden.
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In der Sitzung des Generalrates der österreichischen Nationalbank wurden vor dem Beschluß über die Zinsfuherhöhung (Diskonterhöhung) von dem Berater Professor Bruins Mitteilungen über g ü n - st i g e Fortschritte in den Verhandlungen betreffend die für O e st e r r e i ch b e r e i t z u st e l - lenden Mittel gemacht.
Uie Havas aus Madrid meldet, ist der Kardinal Primas von Toledo Monsignore Segura, als er auf der Rückkehr von seiner Romreise spanisches Gebiet betreten hatte, auf Anordnung der Regierung ersucht worden, Spanien sofort zu verlassen. Es wurde ihm gestattet, sich einige Stunden in einem Kloster auszuvuhen. Sodann ist er nach der französischen Grenze abgereist.
Durch den Wirbelsturm, von dem die Stadt Birmingham heimgesucht wurde, sind rund 1000 Häuser mehr oder minder schwer beschädigt worden. Die gesamte Polizei der Stadt mußte herangezogen werden, um Gebäude zu bewachen, die wegen einstürzender Mauern und Urtrümmerter Fensterscheiben eine Gefahr für die Bevölkerung bilden.
. Die Kurie hat am Montag vormittag dem italienischen Außenministerium die Antwort auf die Note der italienischen Regierung 'M Zusammenhang mit Ler Tätigkeit der katho- lischen Aktion überweisen lassen. Ueber den Inhalt der Antwortnote wird zurzeit noch Stillschweigen bewahrt.
Das Unterseeboot „Nautilus" ist von dem amerikanischen Kriegsschiff „Woyming" nach langen vergeblichen Versuchen ins Schlepptau genommen worden und soll nach Queenstown in Irland gebracht werden.
.. Der arabische Exekutivausschuß be- Woß, für Dienstag in Palästina einen Generalstreik auszurufen und zum Andenken an die drei Araber, die im Zusammenhang wlt den Unruhen von 1929 hingerichtet wurden, religiöse Feiern abzuhalten. Zwei Kommunisten wurden zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt, während des Festes Nebimusa aufrühre- kische Schriften verbreitet hatten.
*) Näheres siehe im politischen Teil.
Veßprechungen beim Samtes
Berlin, 15. Juni. Die Reichskanzlei stand heule im Zeichen eines politischen Großkampftages. Schon in den frühen Morgenstunden begannen die Besprechungen des Reichskanzlers mit den Parteien und Organsalionen. Nachmittags fand in der Reichskanzlei eine große Konferenz zwischen dem Reichskabinelt und den Araktionsführern der Parteien statt, die angeblich noch hinter der Regierung stehen. Die Besprechungen haben die politische Situation noch keineswegs geklärt. Der Kanzler hat wiederholt erklärt, daß ein Beschluß auf die sofortige Einberufung des Reichstages die Gefamtdemiffion des Kabinetts zur Aolge haben würde. Auch der von den Sozialdemokraten geforderten Ueberweisung der Notverordnung an den Haushallsausschuß Hal der Kanzler nicht zugestimmt.
Oie OeweEchaften beim tarnte*
Am frühen Vormittag empfing der Reichskanzler die Vertreter der Wirtschaftspartei und alsdann Vertreter der Freien G e m^r kschaf - ten, der Christlichen und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaft. Die Gewerkschaftsvertreter wiesen auf die sozialen Ungerechtigkeiten der Notverordnung im allgemeinen und auf die besonders ungerechte Lastenverteilung bei der Krisen - st e u e r hin. Sie wandten sich ferner gegen die untragbaren Nachteile, die den an sich schwer leidenden Erwerbslosen erwüchsen, nicht zuletzt auch den
n aus brauch machen dürfen. Auch die Ausnahmebelastung der B eh ö r d e n a n g est e llt en und der damit in Verbindung stehende sogenannte Tarifeinbruch durch die Notverordnung waren Gegenstand lebhafter Aussprache. Ferner wurde die Streichung der Lohnsteuerrückerstattungen und die Erstattungspflicht für gewährte Krisenunterstützung abgelehnt. Hierzu wurde betont, daß diese Maßnahmen besonders die Aermsten der Annen treffen.
Reichskanzler Dr. Brüning erkannte, wie der Gewerkschaftliche Pressedienst mitteilt, die schwere Belastung der durch die Gewerkschaften vertretenen Arbeitnehmer an, hob aber hervor, daß der Erlaß der Notverordnung wichtigen Staatsnotwendigkeiten entspreche.
Die Notverordnung müsse am 1. Juli unbedingt in Kraft treten. Er sei aber zu Unterhandlungen bereit und hoffe» bis zum Wiederzusammentritt des Reichstags am 13. Oktober zu einer Verständigung oder zu einem Gesamtkompromiß zu kommen.
Degener vom freiheitlichnationalen Gewerkschaftsring richtete an den Reichskanzler u. a. die Forderung, daß die Reichsregierung dahin wirken möchte, daß der erzwungenen radikalen Gehalts- und Lohnsenkung eine ebenso radikale Preisangleichung folge. Der Reichskanzler sagte die entsprechend schärfere Anwendung der Kartellverordnung zu. Auf eine weitere Frage Degeners brachten die Mitglieder der Reichsregierung zum Ausdruck, daß weitere Notverordnungen nicht beabsichtigt feien. — Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, L e i p a r t, erklärte dem Reichskanzler zum Schluß, er könne nicht für die sozialdemokratische Fraktion sprechen, da diese in ihrem Entschluß selbständig sei, für die Gewerkschaf- t e n jedoch müsse er erklären, daß sie die N o t v e r - ordnung unter allen Umständen ablehnten.
Besprechung mit den Regierungsparteien
Nach den Verhandlungen mit den Gewerkschaften trat das Reichskabinett zu einer Sitzung zusammen, in der der Kanzler es über den Verlauf und das Ergebnis feiner Reife beim Reichspräsidenten unterrichtete. Am Nachmittag hatte der Kanzler einen größeren Kreis politischer Persönlichkeiten zu sich in die Reichskanzlei gebeten. Eingeladen waren die Vertreter aller Parteien, die im Kabinett vertreten sind oder es tolerieren, also das Landvolk, die Volkskoservativen, die Christlich- Sozialen, die Deutsche Volkspartei, die Bayrische Volkspartei, das Zentrum, die Deutsche Staatspartei und die Sozialdemokraten. Außerdem wohnten der Besprechung der preußische Ministerpräsident Braun, Reichsbankpräsident Dr. Luther und sämtliche Mitglieder der Reichsregierung bei. Für die Regierung ergriffen sämtliche anwesenden Reichsminister das Wort, dann ferner Dr. Luther, Braun und Severing, die sich sämtlich im Sinne der Reichsregierung und gegen eine Einberufung des Reichstags aussprachen. Auch der Reichstagspräsident Löbe hat sicherem Vernehmen nach seine Bedenken gegen eine Einberufung des Reichstags zum Ausdruck gebracht. Von den Parteiführern ergriffen u. a. der Führer
des Zentrums Kaas, der Vertreter des Landvolks Doebrich und der Vorsitzende der Fraktion des Christlichsozialen Volksdienstes Simpffendörfer das Wort. In den Ausführungen dieser Redner kam weitgehende Kritik an dem Inhalt der Notverordnung zum Ausdruck. Die Vertreter der Deutschen Volkspartei übten Zurückhaltung, da sie der Entscheidung ihrer Fraktion, die für morgen einberufen ist, nicht vorgreifen wollten.
Nev Gmvka«« dev Sorkawemokvaie«
Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion die ab geordneten Wels, Dr. B r e i t s ch e i d, Dr. Hertz und A u f h ä u s e r. In der etwa einstündgigen Aussprache vertraten den Standpunkt der Regierung ebenfalls Dr. Brüning und die Minister und Politiker. Die Forderungen und Erwägungen der Sozialdemokraten wurden von Wels, Breitscheid und Aufhäuser vertreten. Dr. Brüning erklärte den Sozialdemokraten, daß er zwar grundhäßlich zu
Reèchsiagseinberu-uns unvermeidbar?
Berlin, 15. Juni. Nach dem Empfang der Sozialdemokraten durch den Reichskanzler trat der sozialdemokratische Araktionsvorstand zu einer neuen Beratung zusammen. Er kam zu dem Ergebnis, der Araktion, die morgen früh zusammentritt, nur Bericht zu erstatten und ihr die Entscheidung zu überlassen. Das bedeutet nach der Auffassung parlamentarischer Kreise weiter eine Verschärfung der Situation. Bon führender sozialdemokratischer Seile wird uns erklärt, daß es vollkommen ungewiß sei, welchen Beschluß die Araktion
fassen wird.
Man neigt in sozialdemokratischen Kreisen mehr der Auffassung zu, daß die Fraktion sich für die Einberufung des Reichstages entscheidet. Angesichts dieser Situation hat der Kanzler dann in später Abendstunde einen neuen Versuch unternommen, doch noch mit der Sozialdemokratie zu einer Verständigung zu gelangen, und es scheint, daß er auch die Führer des rechten Flügels der hinter ihm stehenden Parteien zugezogen hat. Gegen 11 Uhr ist der sozialdemokratische Fraktionsführer Breitscheid noch zu ihm gekommen. Diese Besprechung, an der auch andere Mitglieder
des Reichskabinetts teilnahmen, war Mitternacht zu Ende.
Auch die Besprechung ist ergebnislos
kurz nach
verlaufen, des Frack-
Damit bleibt es also bei dem Beschluß tionsvorstandes, der Fraktion nur Bericht zu er
statten und ihr die Entscheidung zu überlassen.
Angesichts des ergebnislosen Verlaufes der Besprechungen war man in sozialdemokratischen Kreisen am Montag abend außerordentlich pessimistisch. Man glaubt nicht, daß eine Reichstagseinberufung noch zu vermeiden sein wird, da die Fraktion wahrscheinlich mit übergroßer Mehrheit am Dienstag für die Reichstagseinberufung eintreten werde.
öle Hâung dev KvaMonen
Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hielt am Montag nachmittag nur eine ganz kurze Sitzung ab, da der Parteivorsitzende Dingeldèy an der großen Konferenz beim Reichskanzler teilnehmen mußte. Ueber seine Verhandlungen mit dem Reichskanzler auf der Fahrt nach Hildesheim hatte Bingeibet) schon in einer Sitzung des Fraktionsvorstandes, die der Fraktionssitzung vorausging, berichtet. Mit Rücksicht auf die neuen Verhandlungen mit dem Reichskanzler vertagte die Fraktion ihre endgültige Entscheidung auf Dienstag Dormittag. Die Fraktion tritt AS Uhr zusammen.
Aenderungen an der Notverordnung bereit sei. Es dürfte sich dabei jedoch nicht um wesentliche Aenderungen handeln, die den Aufbau und den finanziellen Ertrag der Verordnung beeinträchtigten, und deutete weiter an, daß Voraussetzung für diese Aenderungen das Vorhandensein einer parlamentarischen Mehrheit sein müsse. Ferner lehnte Dr. Brüning jede sofortige Aenderung ab und vertröstete die Sozialdemokraten ebenso wie die übrigen Parteiführer auf den Herb st. Er werde dann in persönlichen Besprechungen mit den Vertretern der Parteien feststellen, auf welche Wünsche sich eine Mehrheit vereinigen lasse.
Hinsichtlich der Einberufung der Vollversammlung oder des Haushallausschusses blieb Dr. Brüning bei seinen bisherigen Erklärungen» wonach beides für ihn der Anlaß zu seinem endgültigen Rücktritt sein werde.
Sie ÄattonatkoriaUfteu beim Kanzler
Berlin, 16. Juni. Ueber seinen Empfang durch den Reichskanzler teilt der Führer der Nationalsozialisten, Abg. Göhring, der „Börsenzeitung" zufolge, mit, er habe den Reichskanzler davon kurz unterrichtet, daß nach Auffassung der Nationalsozialisten nicht die Einberufung des Reichstages, fön«
weniger von der Frage Ler Einberufung des Reichstages adhäng«, als davon, daß in Deutschland geordnete Zustände herrschten, d. h. Leib und Leben nationaler Deutscher nicht in dem bisherigen Maße bedroht sei. Die kommunistischen Ueberfälle und Unruhen und das Versagen der Regierung seien nach Ansicht der Nationalsozialisten weit mehr Grund des Mißtrauens desLluslandes als die Einberufung des Reichstages.
Die Reichstagsfraktion der Wirtschaftspar t e i hielt am Montag vormittag eine mehrstün-
(Fortsetzung auf Seite 2)
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(Letzte Meldung)
Berlin, 16. Juni. Die politisch parlamentarische Lage hat nach der Verschärfung am Biontag abend am Dienstag vormittag keine Entspannung erfahren. Aast sämtliche Reichslagssrakkwnen traten schon in den frühen Morgenstunden zusammen, um sich über ihre endgültige Haltung im Aeltestenrat schlüssig zu werden. Rach der gestrigen Entwicklung hat sich das Schwergewicht von der Deutschen Volkspartei zu den Sozialdemokraten verlagert. Rach der Stimmung in der sozialdemokratischen Araktion ist damit zu rechnen, daß die Araktionsmitglieder mit großer Mehrheit für die Reichstagseinberufung ein - treten wird. In diesem Aalte wäre in der Sitzung des Aeltestenrates, die für 12 Uhr anberaumt ist, ein Beschluß auf Reich stagseinberufung nicht zu vermeiden. da ja allein Sozialdemokraten, Kommunisten, Deutschnationale und Nationalsozialisten die überwiegende Mehrheit besitzen. Eine Vertagung der Entscheidung des Aeltestenrates kommt nicht in Arage, es haben auch im Laufe des Dienstagvormittags weitere Verhandlungen zwischen Regierung und Parteien nicht mehr slattgefunden. Sollte der Beschluß auf Reichskagseinberufung vom Aeltesten- ral gefaßt werden, dann wird das Kabinett Brüning seinen Rücktritt erklären. Eine Regierungskrise ist also in beträchtliche Rähe gerückt. Man spricht auch schon davon, daß Reichspräsident von Hindenburg heute abend nach Berlin zurückkehren wird.
Dks heutige Nummer umfatzi