wmi GLadt und Land
1934
12. Lu«r
Krettag de«
Kr. 135
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Speiser M^
Vrüning droht mit Rücktvttt
V«ü«i«g gegen die Einbevusung des Reichstags - Die Deutsche Volkspavtei süv Jusammentvitt des Reichstass und Umbildung dev Regierung - Gespannte innevvolitische Lage
Mioz«- Skwyt&^®1*
Wie wir erfahren, ist Reichskanzler Dr. Brüning heute früh um 8 Uhr nach Neudeck gefahren, um dem dort weilenden Reichspräsidenten Bericht über die Besprechungen in Chequers und über die politische Lage zu erstatten.
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* Die, Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat nach siebenstündiger Beratung kurz vor Mitternacht beschlossen, in der Sitzung des Ältestenrates für die Einberufung des Reichstages zu stimmen.
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• Im Oldenburgischen Landtag wurde ein deutschnationaler Antrag, der die Regierung auffordert, vom Reichskanzler zu fordern, daß die Notverordnung sofort außer Kraft gesetzt werde, mit 33 gegen 21 Stimmen angenommen.
Der deutsche Botschafter v. Hoesch wird sich im Laufe der kommenden Woche zu einer Besprechung mit der Reichsregierung nach Berlin begeben.
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* Der Preußische Landtag nahm in der Ausschußfassung die Vorlage an, wonach 60 Mil- wurde den kommunMsche MMaüendänkraq gegen das Gesamtkabinett debattiert, der am Samstag zur Abstimmung kommt.
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♦ In Kassel kam es gestern erneut zu erheblichen Unruhen, wobei ein Metzgergeselle einen tödlichen Schuß erhielt. Auch aus anderen Städten werden schwere Zusammenstöße gemeldet.
Die polnische Regierung hat in Berlin wegen der Breslauer Stahlhelmkundgebung eine Note überreichen lassen, die, wie verlautet,' in ziemlich scharfem Ton gehalten sein soll. Hoffentlich erhält die polnische Regierung darauf eine nicht weniger scharfe Antwort, denn der Stahlhelmtag geht sie absolut nichts an.
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Nach den bekannten Vorfällen vor dem Dresdener amerikanischen Konsulat begab sich gestern mittag eine aus acht Mann bestehende Abordnung der Dresdener Roten Hilfe zum amerikanischen Konsul, um gegen die angeblich bevorstehende Hinrichtung von acht jungen Negern in den Vereinigten Staaten zu protestieren. Der Konsul empfing nur ein Mitglied der Delegation und erklärte,' er würde seine Regierung von dem Protest benachrichtigen.
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Der schweizerische Nationalrat hat den Antrag des Genfer Freisinnigen Rochix über die Herabsetzung der Militärausausgaben mit 109 gegen 41 Stimmen abge - lehnt. Gegen den Antrag stimmten alle Bürgerlichen außer Rochix, dafür die Sozialdemokraten.
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Zum französischen Senatspräsidenten wurde in der Stichwahl Senator Lebrun mit 147 gegen 139 Stimmen, die auf den Senator Jeanneney entfielen, gewählt. Senator Lebrun ist der intime Freund Poincarès. Als Vorsitzender des Senatsausschusses für Heereswesen hat er im letzten Winter wiederholt Reden gehalten, in_ denen er ganz besonders das Thema der „deutschen Ge- sahr" behandelt hat.
Die französische Regierung hat in der Kammer einen Gesetzentwurf auf Verdoppelung des Zolltarifs (allgemeiner Tarif und Mindesttarif) für Getreide, Trockengemüse und ähnliche Produkte eingebracht, und weiter einen Gesetzentwurf, durch den der allgemeine Tarif für diese Produkte überhaupt erhöht wird.
der Begründung wird Hervorge- doben, daß der allgemeine Tarif nicht ausreicht, um d'e Einfuhr von ausländischen Konkurrenzprodukten auf dem französischen Markt zu verhindern.
, lieber ganz Spanien ist eine H i tz w e l l e Eingeb rochen Die Höchsttemperatur war Sestern 36 Grad im Schatten.
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Die Regierung von Peru hat in ganz P e r u ; en Belagerungszustand wieder einge- suyrt, weil die öffentliche Ordnung durch revoliu- nonare Bestrebungen bedroht sei. "3m Zusammenfall mit diesen Putschgerüchten sind in Lima und
55 Personen verhaftet worden.
*) Näheres stehe im politischen TeU.
Brüning zur Stoiversrdnuns
Sie kann abgeändevt werden - Reichstagseittberuftttts aber ist eine âabinsLtsfvage
Berlin, 11. Juni. Reichskanzler Dr. B r ü n i n g hak Heuke, einem Wunsch der Parteien entsprechend, die Verhandlungen mit den Führern der Reichstagsfraktionen ausgenommen, um festzustellen, welche Wünsche die Parteien hinsichtlich der Rokverordnung hegen. Zunächst empfing Dr. Brüning die Vertreter der Landvolkfraktion Dr. Gereke und Döbrich, danach den Führer der Deutschen Volkspartei Dingeldey und um 7 Uhr abends die Sozialdemokraten Dr. Breitscheid, Dr. Hertz und Aufhäuser Wie verlautet, hat der Reichskanzler allen Abgeordneten erklärt, daß ein Beschluß des Aeltestenrats, den Reichstag jetzt einzuberufen, ihn zu „weitgehenden Folgerungen" klärung des Reichskanzlers dahin, daß er mit
Bereits in den frühen Morgenstunden versammelten sich die Mitglieder des Reichskabinetts beim Kanzler, der ihnen zugleich mit dem Außenminister zunächst über die Besprechungen in Chequers Bericht erstattete. Die Berichterstattung dauerte mehrere Stunden. Wie verlautet, ist sich das Kabinett über den Weg, den es zur Revision des Poung- planes «infchlâgen will, bereits klar geworden und hat darüber völlige Uebereinstimmung erzielt. Der Reichskanzler wird morgen dem Reichspräsidenten darüber Vortrag halten.
Im Anschluß an die außenpolitische Aussprache
Reichskanzler darüber einig gewesen sein, daß ihrer Meinung nach ein alsbaldiger Zusammentritt des Reichstages im Augenblick „nicht opportun" sei. Die Reichsregierung scheint neuerdings eine Ueberprü- fung der Notverordnung nicht mehr abzulehnen, hält aber sowohl eine Tagung des Reichstages als auch des Haushaltsausschusses angesichts der widersprechenden Wünsche der Parteien für „aussichtslos". Auch jetzt noch scheint der Kanzler an dem Standpunkt festzuhalten, daß ein Beschluß des Ael- testenrates auf vorzeitige Einberufung des Reichs-
Die Deutsche BoSSspavtei für Einberufung des Reichstags Sie fordert RüBtritt des Kabinetts und Umbildung der Regierung unter Brünings Führung
Berlin, 11. Juni. Die Reichslagsfraktion der Deutschen Volksvarlei hak nach siebenstündiger Beratung kurz vor Mitternacht beschlossen, in der Sitzung des Aelkeslenrales für die Einberufung des Reichstages w stimmen.
Der mit Mehrheit gefaßte Entschluß der Reichs- tagsfraklion der Deutschen Volkspartei, für die Einberufung des Reichstages einzutreten, wird von maßgebender volksparteilicher Seite damit begründet. daß die Fraktion die Verantwortung für die Notverordnung ablehnt, da die Verordnung weder wirtschaftlich noch finanziell eine wirkliche Sanierung der öffentlichen Haushaltungen zu bringen vermöge.
Von maßgebender volksparleilicher Seite wird hierzu betont, daß die Fraktion wiederholt zum Ausdruck gebracht habe, daß nach ihrer Auffassung neue Lasten für die Bevölkerung nur möglich sind, wenn gleichzeitig durch einen entsprechenden diplomatischen Schritt von der Reichsregierung die Tri- butfrage aufgerollt würde. Die Fraktion ist, wie weiter betont wird, nach den letzten Vorgängen zu der Ueberzeugung gelangt, daß das Reichskabinett in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung zur erfolgreichen Durchführung der von ihr vertretenen, mit der Notverordnung in wichtigen Punkten verlassenen Politik keine Garantie mehr bietet. Die Fraktion hat den Reichskanzer wissen lassen, daß sie in ihren Entschließungen nicht von irgendwelchem Mißtrauen gegen Dr. Brüning selbst geleitet ist, von ihm aber erwartet, daß er eine Neubildung desReichskabinelts unter seiner Führung herbeiführt.
Ueber diese Mitteilung hinaus ist noch nachzutragen, daß die Fraktion den Fraktionsvorsitzenden Dingeldey zum Kanzler geschickt hatte. Dr. Brüning wurde der Rat gegeben, der Abstimmung der Fraktion zuvorzukommen und freiwillig zu demissionieren, um dadurch für eine Neubildung des Kabinetts den Weg freizugeben. Der Kanzler hat das abgelehnt und dadurch den Beschluß der Fraktion veranlaßt.
Die „Deutsche Allg. Ztg." berichtet in ihrer heutigen Morgenausgabe über die Stellungnahme der volksparteilichen Reichstagsfraktion, daß der Abge-
zwingen werde. Man versteht diese Er-
seinem Rücktritt gedroht habe.
tages den Rücktritt des Kabinetts zur Folge haben müßte. Die namentlich von der Landvolkpartsi gewünschte Neugestaltung des Kabinetts findet beim Reichskanzler kein Entgegenkommen. Dr. Brüning glaubt keinen Anlaß für Aenderungen zu sehen, im Gegenteil scheint man im Augenblick in Regierungskreisen eine Umbildung des Kabinetts angesichts der bevorstehenden außenpolitischen Verhandlungen für bedenklich zu halten. Die Bestrebungen zur Umbildung laufen in erster Linie darauf hinaus, den Reichsfinanz-
scheint die Regierung Aenderungen soweit zulassen zu wollen, wie sie das Ziel und die finanzielle Auswirkung der Notverordnung nicht in Frage stellen. Man glaubt jedoch in Regierungskreisen eine Aenderung der Notverordnung nur durch direkte Verhandlungen mit den Parteien erreichen zu können, und zwar nicht durch überstürzte Verhandlungen, sondern eventuell durch eine neue Notverordnung, die nach einigen Wochen erlassen werden würde und die am meisten angegriffenen Punkte der gegenwärtigen Notverordnung abändern würde.
ordnete Dingeldey dem Reichskanzler empfohlen habe, auf Grund der jetzigen Sachlage die sofortige Gesamtdemission des Reichskabinetts einzurechen Er habe ihm nahegelegt, diese Entscheidung und möglichst die Entscheidung des Reichspräsidenten über die Betrauung eines neuen Kabinetts umgehend herbeizuführen, weil dann die Beschlußfassung im Aeltestenrat am nächsten Dienstag unter einem wesentlich anderen Gesichtspunkt zu erfolgen hätte. Das heißt, so schreibt das Blait: Erklärt sich Dr. Brüning bereit, sein Kabinett umzuöüden, so würde die Deutsche Volkspartei, so würden wahrscheinlich auch die Landvolk- und möglicherweise die Wirtschaftspartei gegen die Einberufung des Reichstages stimmen. Sie würden auf diese Weiss Dr. Brüning in die Lage versetzen, seine Politik weiter- zuführen, und zwar ohne Parlament.
Ueber den Verlauf der Fraktionssitzung der Volkspartei wird weiter gemeldet, daß Außenminister Dr. Curtius an dem größten Teil der Beratungen teilgenommen hatte. Als sich ergab, daß die Mehrheit der Fraktion für die Einberufung des Reichstages und damit gegen die Absichten des Reichskanzlers und des Gefmntkabinetts stimmen werde, verließ er die Sitzung.
Nach diesem Beschluß muß die innerpolitische Lage als außerordentlich gespannt bezeichnet werden.
Sozialdemokraten beim âanzlev
Berlin, 12. Juni. Ueber den Verlauf der Be- sprechung des Reichskanzlers mit den Vertretern der Sozialdemokratie, an der auch Reichsarbeitsminister Dr. Siegerwald teilnahm, berichtet der
Sozialdemokratische Pressedienst, daß die Vertreter der Sozialdemokratie dem Reichskanzler ihre Bedenken gegen die Notverordnung unterbreitet und ihn auf die politischen Folgen des Inkrafttretens insbesondere derjenigen Bestimmungen der Notverordnung aufmerksam machten, die eine weitgehende Minderung der sozialen Leistungen bezwecken. Der Reichskanzler betonte, daß die Einberufung des Reichstags mit schweren Gefahren für die Kreditverhältnisse verbunden sei, und man im gegenwärtigen Augenblick davon eine weitere Zuspitzung der Wirtschaftskrise, der Ar- beitslosigkeit und der Finanzschwierigkeiten befürchten müsse.
Ein endgültiges Ergebnis wurde nicht erzielt. Die Besprechungen über die von der Sozialdemokratie gewünschten Abänderungen der Notverordnung sollen nach Rückkehr des Reichskanzlers von Neudeck und nach einer Fühlungnahme mit dem Reichskabinett fortgesetzt werden.
Nach einer weiteren Mitteilung des Sozialdemokratischen Pressedienstes ist die Reichsregierung zu Aenderungen unter der Voraussetzung bereit, daß dadurch die finanziellen Ergebnisse nicht beeinträchtigt werden. Die gewünschten Abänderungen sollen jedoch weder durch den Reichstag, noch durch einen Ausschuß beschlossen, sondern auf dem Wege interner Verhandlungen vereinbart werden.
aimster Dietrich aus seinem Amt zu entfernens
Oldenburg, 11. Juni. Der Oldenburgische Landtag versuchte in feiner heutigen Sitzung zunächst die gestern ergebnislos verlaufene Wahl des ersten Vizepräsidenten durchzuführen. Aber auch dieses Mal konnte der sozialdemokratische Kandidat die notwendige Mehrheit nicht auf sich vereinigen, so daß mit 23 gegen 20 Stimmen beschlossen wurde, es vorläufig bei einem Vizepräsidenten zu belassen.
Darauf beantwortete Ministerpräsident Casse» b o h m die förmliche Anfrage der Nationalsozialisten über seine »Stellungnahme zur Notverordnung der Reichsregierung. Er erklärte, daß in der Länderkonferenz eine Billigung der Maßnahmen der Reichsregierung von den Ländervertretern nicht gefordert und nicht erteilt worden sei. Es habe sich lediglich um eine informatorische Besprechung gehandelt. Das oldenburgische Staatsministerium sei bereit, wenn der Landtag einen Antrag auf Zurücknahme der Notoerordung beschließen wolle, diesen Antrag an das Reichskabinett weiterzuleiten. Er verspreche sich aber davon keinen Erfolg. Nach geltendem Recht komme die Notverordnung selbstverständlich in Oldenburg zur Durchführung. — Auf diese Erklärung hin stellten die Nationalsozialisten einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung.
Sodann trat der Landtag in die Beratung eines deu tfchn aki o na le n Dringlichkeit»- antrages, in dem die Skaaksregierung ersucht wird, vom Reichskanzler zu fordern, daß die Notverordnung sofort außer Kraft gesetzt werde. Nach sehr erregter Aussprache wurde der deutschnationale Antrag mit 23 gegen 21 Stimmen angenommen. Dafür stimmten de Deulschnationalen, die Nationalsozialisten und die Deutsche Volkspartei. Letztere ließ aber gleichzeitig erklären, daß nach ihrer Meinung die Haltung zur Notverordnung kein Anlaß sei, etwa der oldenburgischen Regierung gegenüber eine mißtrauische Haltung einzunehmen, da die Notverordnung Sache des Reiches sei.
Gegen den deulschnationalen Antrag stimmten die Sozialdemokraten, das Zentrum, der Staatsparteiler und der Landvolkabgeordnete. Die Kommunisten enthielten sich der Stimme. Die Abstimmung über den Mißtrauensankrag erfolgt in der Vollsitzung am nächsten Dienstag.
über die âissnsienev
- Berlin, 11. Juni. Die Kritik, die an der Notverordnung geübt worden ist, richtet sich vielfach gegen die Person des Reichsfinanzmimsters. Dr. Dietrich fetzt sich in der „Voff. Ztg." mit diesen Angriffen auseinander:
Er legte zunächst dar, daß die Krisensteuer geschaffen wurde, um den Fehlbetrag der Krisenfürsorge zu decken und noch einen gewissen Fonds für Zwecke der Arbeitsbeschaffung zu bilden. Die Reichskasse selber nimmt diese Krisensteuer in keiner Weise für sich in Anspruch. Ferner führte der Minister aus: Es sind ein« Reche von Vorschlägen
DK betröge Kummer umkatzt 12 «-Leu