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Donnerstag den 11. Juni 1931

Nr. 134

* Gestohlen wurde am 7. ds. Mts. gegen 8.30 Uhr ein auf dem hiesigen Meßplatz abgestellter schwarzer Kindersportwagen mit vernickelten Griff fen. In demselben befand sich ein rosa Feder­kissen. Weiter wurde am S. ds. Mts. auf dem Grundstück, welches hier am Klausenweg gelegen ist, eine Wasserpumpe „Corallpumpe" Figur 1252 B. bestehend aus Eisen, Auslaufrohr und Schlauch- verschrauLung, Zeichen G. A. 9454, entwendet. Für die Wiederbeschaffung der Pumpe, bzw. Nam­haftmachung der Täter hat der Eigentiimer eine Belohnung ausgesetzt. Mitteilungen, auch vertrau­licher Art, nimmt das hiesige Kriminal-Kommissa­riat entgegen.

* 3m Regierungsbezirk Kassel erlegtes Schwarz­wild. Erlegt sind vom 1. April 1930 bis 31. März 1931 im Regierungsbezirk Kassel: Stärkere Sauen in fiskalischen Forsten 178 (61 im Jahre 1929/30), in nichtfiskalischen Forsten 153 (48), Ueberläufer in fiskalischen Forsten 212 (64), in nichtfiskalischen Forsten 195 (70), Frischlinge in fiskalischen Forsten 131 (22), in nichtfiskalischen Forsten 62 (18), zu- ammen in fiskalischen Forsten 521 (147), in nicht- iskalischen Forsten 410 (136), Gesamtsumme: 931 283). Schußprämien sind gezahlt für 196 Stück (102).

Wetterbericht

Langsamer, aber anhaltender Druckanstieg über Mittel» und Südosteuropa gestalten die Wetterlage, die in der letzten Zett durch die im Norden liegende Tiefdruckrinne beherrscht war, wieder um. Die Druckzunahme, die namentlich in den höheren Schichten ihren Sitz hat, bewirkt bereits ein starkes Abflauen der Westströmung, und es wird sich wie­der eine südliche bis südwestliche Luftzufuhr ein­stellen. Die Schauertätigkeit ist damit beendet und zunächst wird sogar vorwiegend heiteres Wetter ein­treten. Gleichzeitig werden aber die ohnHin ziem­lich hohen Temperaturen wieder hochsommerliche Werte annehmen, zumal schon heute in ganz Süd­europa Tagesmaxima zwischen 30 bis 35 Grad be­obachtet wurden. Die Erhitzung dürfte dann aber bald neue, zunächst örtliche Gewittertätigkeit aus­lösen. — Vorhersage bis Donnerstag abend: Wolkig bis heiter, sehr warm und ziemlich schwül, schwä­chere südliche Winde. Witterungsaussichten für Freitag: Heißes Wetter mit zunehmender, aber vor­erst nur örtlicher Gewitterneigung.

LaudHreis Sana«.

ä Bischofsheim, 10. Juni. Schadenfeuer. Gestern entstand hier durch Einschlagen des Blitzes in die Scheune des Wilhelm Seip am Rathaus ein großes Schadenfeuer, dem die Scheune vollständig zum Opfer fiel. In dieser Scheune hatte der hiesige Bauernverein sein Lager in landwirtschaftlichen Be- darfsar titeln, das schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde Ebenso wurden die Ausstellungskäfige des Geflügelzuchtoereins, die in der Scheune unterge­bracht waren, schwer beschädigt und zum Teil ver­nichtet. Dem Vernehmen nach war die Scheune samt Inhalt versichert.

Bruchköbel, 10. Juni. Turn g esellsch aft Bruchköbel. Am vergangenen Sonntag sand das Kinderturnfest des Gaues Main-Offenbach- Hänau m Bischofsheim statt Unsere Schuler und Schülerinnen errangen folgende Siege: K n ab en- Ober st u f e Willi Koch 24. Sieg. — Knaben- Unter stufe Karl Wenzel 1. Sieg, Willi NickÄ 2., PH. Schmidt 7., Adolf Helfmann 11., Erwin Schmidt 12., Karl Schröder 13., Ernst Ruch 14., Karl Lohfink 18., W. Schmidt 20., Willi Heck 24., Hans Maisch 33., Heinz Viehmann 34, Ludw. Alban 34. — Mädchen-Oberstufe Küche Engelhaupt 1. Sieg, Lina Nickel 5., Anna Ruch 9., Lina Schröder 20., Dina Heck 21., Gretel Kürschner 21., Anna Müller 28. — Mädch en- Unter stufe Emilie Fliedner 4. Sieg, Else Staudt 6., Lina Fliedner 13., Marie Emmel 14., Kätchen Herwig 15.

g Dörnigheim, 10. Juni. Turner-Jubiläum. Am. verflossenen Samstag, Sonntag und Montag feierte der hiesige Arbeiter-Turnverein (Freie Tur­ner) sein 25jähriges Jubiläum. Wegen der gegen­wärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse hatte man

Das gränzende Elend am Bvoadwav

wie es hinter den Kulissen der Newyorker Bühnen aussieht.

o Don Zeit zu Zeit gelangen aus Amerika Nachrichten über Vermögen nach Europa, die ein Theaterdirektor einer einzigen 'glücklichen Unter­nehmung zu danken hat. Diese Riesenziffern könn­ten zu dem Glauben verleiten, das Theater bringe in U. S. A. ebensoviel ein wie etwa die Aus­beutung von Petroleumquellen oder die Fabrika­tion von Automobilen. Ein großer Irrtum! Schon in normalen Zeiten ist das Theater dort ein recht riskantes Geschäft. Das ist statistisch zu belegen. Im Vorjahr hatten von 280 Stücken, die auf 76 New- yorker Bühnen aufgeführt wurden, nur 17 das, was man Erfolg nennt. 200 etwa erwiesen sich als Nieten und der Rest deckte kaum die Kosten der Aufführung. Da sich die Jszemerumg eines neuen Stückes im Durchschnitt auf 30 000 Dollar stellt, von denen im Fall eines Mißerfolges nur höch­stens 10 000 Dollars wisde reingebracht werden, so kann man sich ausrechnen, um welche Verluste es sich hier handelt.

Im Newyorker Theaterviertel, am Broadway, herrschen eigentümliche Verhältnisse. Nur selten stchen ständige Direktoren an der Spitze des Be­triebes. Gelegenheitsdirektoren zählen nach Hun­derten. Allerdings besitzen die Bühnenleiter aus der ersten Gruppe, wie Claw, Erlinger, Woods, Schubert und andere jeder eine oder mehrere eigene Bühnen, einen besonderen Spielplan, sogar ein festes Stammpublikum So betätigt sich Schu­bert als Spezialist in der Operette, Woods im Lustspiel, der verstorbene Belasco pflegte das Drama das Guild-Theater moderne Stücke. Wenn diese hervorragenden Organisatoren auch manch­mal bei der Wahl ihrer Stücke und der Inszenie­rung den rechten Geschmack vermissen lassen, so haben sie als unbestrittenen Vorzug vor ihren Zu­fallskollegen die Erfahrung voraus. Das amerika­nische Theater kennt Autoren im europäischen Sinn so gut wie gar nicht. Die Autoren refrutieren sich oft genug aus dem Heer der Dilletanten, von denen jede Saison einen in den Vordergrund tre­ten läßt, dessen Name bis dahin völlig unbekannt Mr. Gestern war es. ein kleiner Advokat aus Chi­

von einer größeren Feierveranstaltung abgesehen. Am Samstag, abends 8 Uhr, bewegte sich ein statt­licher Zug durch die mit Fahnen geschmückten Stra­ßen zu dem schönen am Main gelegenen Festplatz. An der akademischen Feier beteiligten sich sämtliche Gesangvereine des Ortes und eine Akrobatengruppe aus Offenbach. Die Festrede hielt der Vorsitzende Herr Wilhelm Dold. Besonders gedachte er mit ehrenden Worten den 25 Gründern des Vereins. Am Sonntag vormittag famen leichtathletische Wett­kämpfe und musikalische Vorträge, letztere ausge- führt von einer 60 Mann starken Tambourkapelle, zur Aufführung. Um 2 Uhr fand der Hauptfestzug unter Klängen der Musikkapelle zum Fèstplatz statt.

AetH Gelnbauke«.

s wäckflersbach, 10. Juni. Zusammen mit der 60-Jahrfeier der Freiwilligen Feuerwehr Wäch­tersbach, einer der ältesten Wehren des Kreises Gelnhausen, fand hier in Anwesenheit von Landrat Delius der diesjährige Abgeordnetentag des Feuer- wehrkreisverb andes für den Kreis Gelnhausen statt und vermittelte ein vortreffliches Bild von dem guten Stand und dem ständigen Weiterausbau des Feuerschutzwefens im gesamten Kreisgebiete. Der von Krei sb randmeister Baumeister Goepfert, Geln­hausen. erstattete Gesamtbericht wies besonders eine stattliche Zahl neugegründeter freiwilliger Wehren und deren einheitliche Ausbildung und Ausrüstung nach. Für 40jährige Dienstleistung im Feuerlösch­wesen wurden Bürgermeister a. D. Kistner, Neu­dorf, und K. Fink, Birstein, «für 25jährige Ver­dienste 14 Wehrangehörige geehrt und ausgezeich­net. Brandingenieur Goldbach, Kassel, hielt sodann ein wertvolles Referat über das Thema „Wersor- guna 'der Ortschaften mit Feuerlöschwasser".

)( Bad Orb, 10. Juni. In dankbarer Anerkennung der Verdienste, die sich der vor zwei Jahren ver­storbene Sanitätsrat Dr. Scherf für das Spessart­bad Orb erworben hat,. ist von der Kurverwaltung ein Gedächtnisbrunnen am Kurparkeingang errich­tet worden. Am Samstag, den 13. Juni findet vor diesem Brunen eine Gedsschtnisstunde statt, zu der prominente Persönlichkeiten ihr Erscheinen zugesagt haben. Abends %9 Uhr wird die erste große Kur- parkbeleuchtunq dieses Jahres veranstaltet. Sanitäts­rat Dr. Scherf hat sich als Arzt, als Kommunalpoli- tifer und als Mensch in weiten Kreisen einen Namen geschaffen, und darf wohl als der Träger der gün- stigen Entwicklung Bad Orbs bezeichnet werden. Der Kurdirektion stand er nahezu 25 Jahre vor.

Kreis Nüdinse«.

ü Lckarlshausen, 10. Juni. Heute feiert Herr Pfarrer P a b st seinen 70jährigen Geburtstag in geistiger und körperlicher Frische.

eu Langenbergheim, 11. Juni. Der Gesang­verein Edelweiß hält am kommenden Sonntag, 14. Juni, im Saale von Wich. Seitz I. ein Sommer­fest ab. Es haben mehrere Vereine ihr Erscheinen zugesagt, so daß mit einem schönen Verlauf zu rechnen ist. Beginn des Singens ist 2 Uhr, ab 4 Uhr Tanz.

^ .^^âs, -■•friniaiiMiilt^^

Aus SeattWitei a. M

Verfehlungen eines Posthelfers.

: Am 28. Februar wurde der Posthelfer M. er­wischt, als er in den Rocktaschen 22 Briefe, meist Schreiben aus Amerika, hatte. Es ist den Post­beamten stritte untevsagt, in der Rocktasche irgend­welche Postsendungen, die nicht für sie bestimmt sind, zu tragen. Als M. ins Verhör genommen wurde, gab er zu, um Weihnachten zwei Briefe unterschlagen und zerrissen zu haben. Des Ämts- verbrechens vor dem Kleinen Schöffengericht am Mittwoch beschuldigt. ergab es sich, daß der Ange­klagte, der völlig geknickt war, und der nach der Urteilsverkündung im Saal zusammenbrach, sich die Briefe angeeignet hatte, um seiner Familie zu helfen, die sich in Not befand. Der Angeklagte be­fand sich im Mai in Köppern zur Beobachtung sei­

cago, heute eine Stenotypistin aus St. Louis, mor­gen wird es eine alte Rentnerin aus Boston sein, deren Name in Riesenbuchstabem an der Front der Theater aufleuchtet.

Aber so groß auch der Erlfolg dieser aus dem Dunkel auftauchende Neulinge ist, so bleibt es ein Tageserfolg, und es kommt nur selten vor, daß es ihnen gelingt, ein zweites Stück anzubringsn. Nicht besser geht es den Schauspielern. Die Theater besitzen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, fein ständiges Ensemble. Das haben die Direktoren auch gar nicht nötig, denn es sind soviel Schauspieler auf dem Markt zu haben, daß die Wahl eine Quai ist. So engagiert man denn für jedes Stück eine neue Truppe. Ist das Stück ein Erfolg, so wird es auch ein Glücksfall für die Schauspieler sein, ist es ein Mißerfolg, so können sie jahrelang auf ein neues Engagement warten. Und wenn sich auch die Wochengagen auf Tausende von Dollars belaufen, so kommt dabei doch der Schauspieler, der oft ge­nug jahrlang arbeitslos bleibt, nicht' auf seine Kosten. Der scharfe Konkurrenzkampf bringt es mit sich, daß der Direktor eines amerikanischen Thea­ters Geld und Zeit nicht schont, um dem Geschmack des Publikums entgegenzukommen. Nachdem die eingegangenen Manuskripte gesichtet sind, tritt ein Sachverständigenkollegium zusammen, um unter den besten Stücken das Beste auszuwählen. Das gewählte Stück wird unbedingt ein „happy end", eine überraschende Szene, den „punch" eine gruse­lige Sensationsepisode, den „thrill", eine Liebes­geschichte und einen Schuß „Mystery", enthalten. Aber auch das sichert nicht immer den Erfolg, denn es kommt manchmal vor, daß auch ein Stück ohne „happy end" und ohne „thrill" einen Kassenrekord aufsteltt.

Die Proben dauern sehr lange und sind auf­reibend. Steht dann das Stück endlich, so werden Dekorationen, Schauspieler, Regisseure, Maschini­sten und alle Mitwirkenden nach einer Provinz- stadt befördert. Dort veranstaltet man eine Probe- aufführung, um zu sehen, ob das Stück Aussicht hat, in Newyork zu gefallen. Nach den Erfahrun­gen in der Provinz beginnt eine sorgsame Bearbei­tung. Man, streicht, stellt um, macht Zusätze; oft genug wird der erste Akt an den Schllltz gestellt, der zweite mit dem dritten zusammengezogen und neue Szenen mit neuen Personen eingefügt. Ist das Stück umgsarheitet, beginnt die Tätigkeit der

nes Geisteszustandes. Man hat es, wie nach dem in der Verhandlung erstatteten ärztlichen Gutachten anzunehmen ist, mit einer affektlabilen, Willens­schwächen Persönlichkeit von erheblich psychopati- scher Konstitution zu tun, bei der aber die Straf­ausschließungsgründe des § 51 Str.-G.-B. nicht zu­treffen, wohl aber eine mildere Berücksichtigung angezeigt erscheint, da der Angeklagte schon in der Jugend gesundheitlich schwer belastet erscheint. Der Vertreter der Anklage beantragte eine Zuchthaus­strafe von einem Jahr, die mildeste Strafe, wenn Amtsverbrechen vorlag, so wie die Anklage es an­genommen hatte. Das Gericht verurteilte den An- geklagten wegen Briefunterdrückung nach § 354 Str.-G.-B. und Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. Es wurde berücksichtigt, daß der Angeklagte in Not war, daß er Plychopath ist, aber auch, daß er eine gute Schulbildung hatte und sich feiner Handlungsweise voll bewußt war. Die Rechtsauffassung des Gerichts stehe im Einklang mit der neueren Rechtsprechung des Reichsgerichts und den Ausführungen von Ebermeyer.

425 Bewerber um eine Sladlraksstelle

: Für die ausgeschriebene Stelle eines Stadtrats als Nachfolger des aus dem Magistrat ausgeschie­denen Stadtrats Dr. Schmude sind nicht weniger als 425 Bewerbungen eingegangen. Zur Sichtung dieses umfangreichen Materials hat der Magistrats­wahlausschuß eine Unterkommission eingesetzt, die eine engere Auslese unter den Bewerbern treffen soll.

Ein Vortrag Stadtbaurals May

: Auf Einladung des Bundes „Das neue Frankfurt" hielt der ehemalige Frankfurter Stadt­baurat Ernst May einen Dortrag über den Bau sozialistischer Städte in der Sowjettimon. Vor einem Jahre wurde May mit einem Stabe eigener Mitarbeiter nach Rußland berufen, um dort die Aufgaben neuer Jndustriesiedlungen im Rahmen des Fünfjahresplaues zu leiten. An Hand einer großen Reihe von Plänen im Bau befindlicher Siedlungen entwickelte der Referent feine Pläne und bezeichnete die Leistungen der UdSSR, als eine heroische Tat.

Magda und ihr Glückskonsortium

: Man sah Magdalena Schön, die 63jährige Wahrsagekünstlerin, nur aus der Perspektive, denn die unermüdlich auf Betrügereien ausgehende alte Dame hält sich gegenwärtig in Moabit auf und brauchte zu dem in Frankfurt gegen sie anstehen­den Prozeß nicht zu erscheinen. Madame Schön vor einiger Zeit ein kleines Gastspiel in der inmetropole. Sie hatte sich in der Heiligkreuz­

gasse als Wahrsagerin niedergelassen, wo sie der Kundschaft ihr wertes Konterfei geigte. Die Art der Aufnahme machte sicherlich auf die, die da kamen und nicht alle wurden, einen mystischen Eindruck, und das war ja eben der Zweck des Ganzen. Magda hatte sich am Märchenbrunnnen in weißem Ge­wand photographieren lassen. Unter ihren Kunden befand sich auch ein Geschäftsmann, den, kein Wunder bei den Zeiten, die Sorge um die Zukunft drückte und der gerne wissen wollte, ob ihm Pech und Schwefel oder noch Glück und Wonne 'beschie- den sein würden. Magda lullte ihn mit einem Lotterieplan ein. Sie verkündete ihm, daß er in der Lotterie eine Glücksnummer habe, daß es eine

Ht eilige Zahl sei, und daß unweigerlich das nur durch sie sich die Lose beschaffen lasse. Sie gab an, daß sie mit einem Glückskonsortium in Köln in Verbindung stehe und daß der Glücksbrief acht­zehn Mark koste. Der Kunde legte die achtzehn Emmchen auf dem Altar der Pythia nieder, ver­schwand und wartete der Dinge, die da kommen sollten. Da aber nichts geschah, erschien er wieder bei der weisen Frau, die ihm Geduld predigte. Wieder vergingen Tage bangen Harrens, wieder herrschte tiefstes Schweigen im Walde, wieder emp­fing die Wahrsagerin den Neugierigen. Nun be­kam er zu hören, daß es gut, sehr gut um feine Sache stehe. Alles sei nämlich schon viel weiter fortgeschritten als er denke. Das Konsortium in Köln habe schon 30 000 Mark gewonnen. Um den freudig erregten Kunden aber auch vollends die Ueberzeugung gewinnen zu lassen, daß ihm das Glück hold sei, fügte sie gleich hinzu, daß es als der beste Beweis der Reellität des Ganzen anzu­

Sachkundigen, deren Amt es ist, die letzten Re­tuschen anzubringen. Es handelt sich dabei ge­wöhnlich um kleine Schriftsteller, die es nicht so weit gebracht haben, ein eigenes Werk zu schrei­ben, aber deren Talent ausreicht, um Schönheits­fehler zu beseitigen. Ihre dramaturgischen Rat­schläge sind hochgeschätzt und werden mit Gold auf. gewogen. Wer auch ihnen geht es oft genug bei der Operation wie den Kollegen von der Chirurgie, wenn die Operation gelingt, aber der Patient stirbt. Mehr als einmal kann eine Arbeit von Mo­naten einen Durchfall nicht verhindern.

o Das Iubiläumsjahr des Stadttheakers Mainz, das im Jahre 1831 eröffnet worden ist, wird auf ganz besonders originelle Weise gefeiert werden Man hat nicht die Absicht, den Schwer­punkt der Veranstaltung in eine Festwoche zu verlegen, in die wahrscheinlich auch dieses Jubiläumsjahr gipfeln wird, sondern man beab- sichigt tatsächlich ein ganzes Jubiläumsjahr zu schaffen, das von ganz großen Gesichtspunkten aus organisiert werden soll. Selbstverständlich wird man, da dieses Jubiläumsjcchr zu gleicher Zeit das Goethejahr ist, vor allem an Goethes drama­tisches Werk denken. „Götz von Berlichingen" und „Egmont" erscheinen bestimmt im Spielplan, voraussichtlich werden des weiteren „Geschwister", „Stella" und einige andere Jugendwerke folgen. Den Schluß des Ibsen-Jahres will man mit „Kaiser und Galiläa" feiern, das Gerhart-Haupt- mann-Jahr soll nicht nur durch mehrere Werke Gerhart Hauptmanns berücksichtigt werden — man denkt an „Die Weber", „Florian Geyer", und erwägt sogar die Möglichkeit, das Jahr­hundertfestspiel von 1913 wieder für die Bühne zu gewinnen — sondern soll auch an das Werk Carl Hautpmanns erinnern, dessen „Armseligen Besen­binder" und „Lange Jule" man aufführen will. Gemeinsam mit Alfons Paquet, der einen Vortrag halten soll, will man einen Zyklus rheinischer Dichter veranstalten. In Aussicht genommen sind Werke von Zuckmayer, Paquet, Unruh, Eulen­berg, Burte und Droop. Zweimal im Laufe des Jubiläumsjahres werden die rheinischen Dichter korporativ in Mainz zusammentreten, zum ersten Mal im Anschluß an die Freiburger Dichter- tagung, zum zweiten Mal im Anschluß an den

sehen sei, daß sie das Geld nicht in die Hand be. komme, sondern daß der Vorsteher des Kölner Konsortiums nach Frankfurt mit dem Geld gefah­ren komme und ihm das Geld bringen werde. Der gutgläubige Kunde hat sicher in den folgenden Nächten nicht schlafen können. Aber er wartete auch jetzt wieder vergeblich, denn niemand meldete sich bei ihm mit viel Geld. Da eilte er in die Woh- nunm der Wahrsagerin, mußte aber erfahren, daß die Dame Frankfurt verlassen hübe und daß er um achtzehn Mark geprellt war. Die Schwindlerin wurde in Berlin verhaftet; sie hat in Frankfurt in sechs Fällen auf die vorgenannte Weise Leute ge­schädigt. Das Kleine Schöffengericht verurteilte die Angeklagte, die die Hälfte ihres Lebens im Gefäng­nis und Zuchthaus zubrachte, zu anderthalb Jahren Gefängnis.

Kommunistische Demonstration gegen die Notverordnung

: In 'den gestrigen Abendstunden ueranftatteten die Kommunisten eine Demonstration, die sich gegen die Notverordnung richtete. In verschiedenen Stadt­teilen, besonders aber in der Altstadt, rotteten sich plötzlich größere Trupps zusammen, die mit den Rufen „Nieder mit der Regierung Brüning" nach der Konstabler Wache ziehen unb sich dort ver­einigen wollten. Die Polizei war jedoch in der Lage, die Demonstranten zu zerstreuen, ohne daß sie zu ernsteren Maßnahmen schreiten mußte. Im Stadtteil Höchst wurde ein Polizeibeamter von Demonstranten überwältigt, zu Boden geworfen und ihm im Gesicht eine stark blutende Wunde beigebracht. Als der Beamte seine Waffe zog, lie­ßen die Kommunisten von ihm ab und flüchteten. Das Ueberfallkommanda stellte die Ordnung wieder her. Verschiedene Sistierungen wurden vorge­nommen.

Ermittelte Eisenbahnräuber

: Der Frankfurter Eisenbahnpolizei ist es ge­lungen, in der vergangenen Nacht einen der Eisen­bahnräuber zu erwischen, die in der letzten Zeit auf dem Güterbahnhof in Babenhausen Güterzüge be­raubt hatten. Es handelt sich um einen Händler Steiger aus Frankfurt. Die anderen Täter konnten fliehen, nachdem ihnen mehrere Schüsse nachgesandt worden waren, die aber fehlgingen.

Aus Liebeskummer erschossen

: Im Nieder Wald bei Höchst brachte sich ein 22jähriger Arbeiter einen tödlichen Schuß mit einem Terzerol in die Brust bei. Er verstarb auf dem Transport nach dem Krankenhaus Höchst. Der Grund zum Selbstmord dürfte darin liegen, daß sich seine Geliebte von ihm lsssagen wollte.

Aus KM «Nd See«.

Strafanträge im Prozeß Ritz

— Fulda, 10. Juni. Am Mittwoch vormittag wurde in dem Prozeß wegen des Sparkassenfken- dals von Neuhof nach fast vierzehntägiger Dauer die Beweisaufnahme geschlossen. Sie hatte einig interessante Streiflichter auf die Großzügigkeir geworfen, mit der der Hauptangekagte. der Bevoll­mächtigte Ritz, zu wirtschaften in der Lage war. Es' «TW' W'WfW^

Monaten 12 000 RM für Reisespestn erhallen hat. Ein Autovermietungsgeschäft in Fulda berechnete dem Ritz für Autofahrten 9 800 RM; allerdings verweigerte der als Zeuge vernommene Geschäfts­inhaber die Aussage auf die Frage, ob diese Rech­nung im Einvernehmen mit Ritz aufgestellt wurde. Jedenfalls wurde die Rechnung mit dem Geld der Darlehenskasse bezahlt. 7000 RM mußte der Dar­lehensverein noch für Autoreifen bezahlen, die Rü mit seinem eigenen Auto angeblich gemacht hat. D seinem Plädoyer hielt es der Staatsanwalt für er­wiesen, daß Ritz der geistige Urheber der Geschäfte gewesen sei. Er betonte, daß Ritz einen sehr gra­ben Vertrauensbruch begangen habe, da es sich bei den geschädigten Mitgliedern der Darlehenskasse meist um recht arme Leute gehandelt habe. Im einzelnen beantragte der Staatsanwalt gegen Ritz wegen fortgesetzter Untreue, fortgesetzten Betruges und fortgesetzter Unterschlagung drei Jahre Gefäng-

Goethetag in Frankfurt am Main. Werke von Fulda und Schnitzler werden anläßlich der 70. Geburtstage dieser beiden Dichter ebenfalls auf dem Spielplan erscheinen. Ein besonderer Mozart- Zyklus wird eingeleitet werden mit einer Neuein­studierung des völlig in Vergessenheit geratenen „Titus"; mit dem seinerzeit das Mainzer Theater vor 100 Jahren eröffnet worden ist. Es folgen des weiteren „Jdomeneo" und „Don Giovanni". Trotz der erneuten Herabsetzung des städtischen Zuschusses von 450 000 auf 390 000 Mark, hat man keinen Zweifel, daß die Durchführung des Jubiläumsjahres auf einem künstlerisch hohen Niveau gelingen wird. Daß dieser Optimismus berechtigt fein kann, beweist die Taffacke, daß unter der Leitung des Intendanten Klitsch, der seit Herbst 1927 in Mainz tätig ist, bisher die Herabsetzung des städtischen Etats von 960 000 aus 450 000 Mark möglich war, ohne den künstlerischen Betrieb auch nur im geringsten zu gefährden.

O Fast 5000 Studenten an der Frankfurter Universität. Die Frankfurter Universität wird nach einer Uebersicht, die am Ende der Belegfrist dieses Semesters abgeschlossen ist, wie folgt besucht: von Studierenden in der Rechtswissenschaftlichen Fakul­tät 888, in der Medizinischen Fakultät 1046, in der Philosophischen Fakultät 851, in der Naturwissen­schaftlichen Fakultät 739, in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät 1410, zusammen 4934. Außerdem wird die Universität noch von 603 Gasthörern besucht.

o h Staatlicher Musikberater. Der Direktor des des Dr. Hoch'schen Konservatoriums, Prof. Sekles, in Frankfurt a. M., ist als Musikberater und der Redakteur Dr. C. Holl in Frankfurt a. M.-Nieder- rad ist als Stellvertreter für den Stadtkreis Frank­furt a. M., Obertaunuskreis, Main-Taunuskreis, und vom Regierungsbezirk Kassel die Kreise Hynau Stadt und -Land, Gelnhausen, Schlüchtern, Fulda und Gersfeld auf zwei weitere Jahre bis Ende März 1933 wieder ernannt worden.

Onkel Sam (englisch Uncle Sam) ist eine scherz­hafte Bezeichnung der Amerikaner, deren Ursprung mit Sicherhtt nicht nachweisbar ist. Vielfach wiro behauptet, daß Uncle Sam aus einer witzigen Deu­tung von U. S. A. gekürzt für United States America entstanden ist,