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Gattin «Stadt und Land

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Mittwoch den

ErMvogsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aüf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Für plahvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammersir. 9 / Fernspr. 3956,3957,3958

Erschatat täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Uwes XR.1.-, für den ganzen Monat NM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, FreitagiS, Samstag 12 N-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 N-Pfg-. im Reklameteil von 68 mm Breite 25 N-Pfg. / Qffertengebühr 50 R-Pfg.

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Der Reichskanzler und der Außenminister sind gestern um 8.13 Uhr nach Southampton abgereift, von irrn sie auf derEuropa" die Rückfahrt nach Deutschland antraten. Da dieEuropa" durch Ne­bel im Kanal aufgehalten wurde, traf sie erst zwi­schen 13 und 14 Uhr auf der Reede non Cowes ein, so daß dann erst die deutschen Minister sich an Bord begehen konnten. Vor der Abreise ist zwi­schen den deutschen und den englischen Ministern ein Gegenbesuch in Berlin vereinbart wor­den. Der Zeitpunkt und die Einzelheiten des Be­suches der englischen Minister werden demnächst festgesetzt werden.

Premierminister Macdonald hat auf das Abschiedstelegramm, das Reichskanzler Dr. Brü­ning an ihn gerichtet hatte, mit folgendem Tele­gramm geantwortet:Mein lieber Herr Reichskanzler! Vielen Dank für Ihr freundliches Telegramm. Es war für meine Kollegen und mich eine sehr große Freude, Gelegenheit zu haben, Sie und Dr. Curtius in England persönlich kennen­zulernen. Ihr ergebener Ramsay Macdonald."

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* Reichsfinanzminister Dietrich, der an der Fraktionssitzung der Sta ats P artei teilnahin, er­klärte (bei der Besprechung der Notverordnung, daß durch die Arbeitsbeschaffung der Reichsbahn eine fühlbare Entlastung auf dem Arbeitsmarkt bewirkt werde. Mit den Vertretern des Bergbaues würde über eine Herabsetzung der Kohlen- preise um eine Mark für die Tanne verhandelt.

Der Unterichtsausschuß des Preu­ßischen Landtages nahm einen deutsch- nationalen Antrag an, worin das Staats­ministerium ersucht wird, die neunjährige Unter«

wolksparteilicher Antrag, demzufolge vor Verwirk-' lichung von schulreformekischen Absichten dem i Reichstag rechtzeitig eine Denkschrift vorgelegt 1 werden soll.

* In politischen Kreisen wird erwartet, daß der Volksentscheid über die Landtags- auflösung in Preußen am Sonntag, den 9. August, angesetzt werden wird.

Der Hauptzeuge in dem Beleidi­gungsprozeß Adolf Hitlers gegen die Münchner Poft", denBayrischen Kurier" und Herrn v. Graefe, der Schriftsteller Werner Ab el, der seinerzeit wegen Meineidsverdachts ver­haftet worden war, ist gegen Stellung einer Kaution von 3000 Mark auf freien Fuß gesetzt worden. Der Klage Hitlers gegen die Genannten lag bekanntlich die Behauptung zugrunde, Hitler habe von Italien Gelder für seine Partei an­genommen, wofür Abel der Kronzeuge sein wollte.

Infolge der Ereignisse der vergangenen Tage hat der Polizeipräsident von Duisburg-Hamborn für den P r äsid ia l b e zi r k Duisburg-Ham­born bis auf weiteres alle Versammlungen und Umzüge unter freiem Himmel verboten. Don dem Verbot sind Leichenzüge usw. ausgenommen.

* In der gestrigen französischen Kammersitzung hielt Briand eine Rede, die eine unerhörte Ein- wischung in innerdeutsche Verhältnisse darstellt.

Paul Do um er, der zukünftige französische Staatspräsident, nahm in einem Brief Abschied vom Senat.

Jn Reval hat die politische Polizei in der vergangenen Nacht das Exekutivkomitee der ille­galen Kommunistischen Partei Estlands überrascht und 17 Personen, darunter mehrere aus Rußland gekommene Agenten der Komintern, verhaftet. Es wurde zwei Druckereien, die Korrespondenz der Partei und die Chiffrierschlüssel beschlagnahmt. Daz geheime Büro befand sich in einem unter der Erde angelegten betonierten Raum in einer Vor­stadt Revals. Die Durchsuchungen und Verhaftun­gen werden sortgsetzt.

Durch einen Streik der Straßenbahner und Autobussiihrer sind gestern sämtliche städtischen Verkehrsmittel in Mars chau still« gelegt. Die Streikenden verlangen Zurücknahme einer neuen Dienstordnung, die ihrer Meimrng ^ch zu hohe Akkordleistungen verlangt.

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Der schweizerische Ständerat hat die^Ein- iNhoung der Todes stra se im eidgenössischen Strof- Vesetzbüch verworfen.

Die Havas aus Rabat berichtet, kam es bei Eoian unweit eines französischen Postens am E Juni zu Kämpfen zwischen französischen Truppen und Eingeborenen. Die Franzosen haben âwei Tote und einen Verletzten zu verzeichnen.

i *) Näheres siehe im politischen Teil.

rKohlenßâuveaushvuch bei Reueode

Sieben Tote

Breslau, 10. Juni. Wie die Polizeiverwaltung in Neurode mitteilt, ereignete sich gestern abend gegen ^ll Uhr in den Kohlen- und Tonwerken in Kohlendorf bei Neurode zum Schichtwechsel ein Kohlensäureausbruch. Das Unglück forderte sieben Tote, von denen bereits sechs geborgen sind. Außerdem sind noch vier Verletzte zu beklagen. Die Ursache des Kohlensäureausbruchs ist bisher noch nicht bekannt.

Der Kohlensäureausbruch Hal aus der Rubensgrube sialtgefunden. Der Ausbruchs- Herd liegt 500 Weler unter der Erde in einem im Ableufen begriffenen Gerenk. Der Ausbruch er­folgte nach dem planmäßigen Erschütlerungs- schießen und zwar erst nachdem man nach Ablauf der vorgeschriebenen warlezeil die Schietzlüren wieder geöffnet Halle. Die ums Leben Gekommenen sind die Arbeiker gewesen, die den Auslrag hallen, die Banken auf durch das Schießen ausgebreitete Kohlensäure zu untersuchen. Das Reilüngswerk konnte sofort eingesetzt werden, so daß es noch möglich war, 2 von ihnen zu retten. Die Unter­suchung ist im Gange.

An der Unfallstelle traf in der Nacht der neue Berghauptmann Schlaktmann ein. Er erklärte, es

Der Marnos um die Noivevordnuns

ev âvèv-vdttutts - Dov dev Qffenftve in dev Repa vatkonsfvage

Berlin, 9. Juni. In parlamentarischen Kreisen beschäftigt man sich lebhaft mit dec Frage, welche Stellung der Reichskanzler gegenüber den Wünschen nach einer Abänderung der Notverordnung einnehmen wird, die von verschiedenen parlamentarischen Seiten laut geworden sind. Soweit wir unterrichtet sind, ist aber nicht damit zu rechnen, daß Kanzler und Kabinett solchen Forderungen nachgeben werden.

Volksparter haben sich schon vor Tagen

Ler

Das hat seinen Grund vor allem darin, daß ein Entgegenkommen an die Parteien insofern den Bestand der ganzen Notverordnung gefährden kann, als niemand weiß, wo die Aenderungen aus- hören sollen.

Rach der Auffassung, die in der Regierung nahestehenden Kreisen herrscht, würde ein Rach, geben die Reichsregierung aus eine recht ab- schüssige Bahn führen.

Dazu kommt noch, daß die Forderungen der So­zialdemokratie und die des rechten Flügels der Re- gievungskoa!lit!iou nicht nur cruseinandergehen, son­dern sich gegenseitig widersprechen, so daß also praktisch ein Wge zu einer Verständigung über die Abänderung nicht gegeben sein würde.

Unter diesen Umständen hält nm es für richtig, die Notverordnung so zu lassen, wie sie nun einmal aussieht. Dabei wird darauf hingewiesen, daß die Reichsregierung die Absicht hat, die viel kritisierte Krisensteuer nur solange zu erheben, wie es unbe­dingt notwendig ist. Die Kritik an der Notverord­nung dürfe nun nicht dazu führen, daß die Regie­rung in der Kampagne um die Revision der Tribut­lasten behindert werde. Der Kanzler wird bei den Besprechungen, die er nach seiner Rückkehr mit den

LtnerhSvte Drohungen

Neiands gegen Deutschland

Gegen die Vveslauer Stahlhelm-Kundgebung - Slhlehnnns allev Revavatronssovdevungen

Paris, 9. Juni. In der französischen Kammer beantwortete Außenminister Briand heute einige Interpellationen, in der Hauptsache eine, die sich mit der Stahlhelm-Kund­gebung in Breslau befaßte.

Der Abgeordnete Lorin (Fraktion Maginot) verlangte oie baldige Diskussion feiner Inter- pellation über die Breslauer Stahlhelm- kundgebung, die eine Provokation dargestellt habe, und an der sogar der Kronprinz, der' Kan­didat für die Nachfolge Hindenburgs fei, teilge­nommen habe. Am 24. Mai habe unter offizieller Beteiligung von Reichswehrregimentern in einer schlesischen Stadt eine ähnliche Kundgebung statt- gefunden. In Aachen hätten die Stahlhelmleute Eupen und Malmedy, ja sogar Elsaß-Lothringen zurückgefordert. Die Reichseisenbahnverwaltung habe durch Gestellung von Sonderzügen derartige Kundgebungen unterstützt. Als bemerkenswert be­zeichnete der Redner,' daß auf dem Leipziger sozialdemokratischen Parteitag die Redner, die die Stahlhelmkundgebung tadelten, doch die Besei-

sei eine große Seltenheit, daß ein Kohlensäureaus­bruch erst längere Zeit nach dem Schießen hervor- treke. Das Unglück hak, wie berichtet, sieben Wann das Leben gekostet. Vier sind schwer verletzt. Die Getöteten waren bis auf zwei verheiratet. Die Verheirateten waren fast alle Väter mehrerer Kinder. In dem gefährdeten Ge­biet arbeiteten gewöhnlich 100140 Leute, die aber wegen des Schießens hinter die Schießtür zurück- gezogen worden waren. Die Rellungs- und Bergungsarbeiten haben eigene Leute der Grube durchgeführl, die mit Gasschuhmasken ausgerüstet waren.

Parteiführern haben wird, zweifellos mit allem Nachdruck auf diese in diesem Sinne einwirken. Nachdem sich das Kabinett voraussichtlich am Don­nerstag mit der Situation befaßt haben wird, wird er am Freitag nach Neudeck zum Reichspräsidenten reisen, um Bericht zu erstatten, und dann werden sich in der nächsten Woche die Besprechungen mit den Parteiführern anschließen, soweit nicht schon am Donnerstag eine Reihe von Aufklärungen an sie gegeben worden sind.

Auch in den Kreisen der Reichsregierung ist man sich durchaus bewußt, daß der nächste Schritt in der Reparationsfrage nicht in irgend welchen platonischen Erklärungen bestehen kann, daß die Reichsregierung vielmehr mit ganz be­stimmten Vorschlägen und Forderungen heraus­kommen muß. Ls ist anzunehmen, daß der Reichskanzler den Parteiführern erklärt, daß er für die notwendigen Vorbereitungen etwa drei Wochen braucht, daß aber noch Ende dieses oder Anfang nächsten Monats entscheidende Schritte unternommen werden. Von dieser An­kündigung wird die nächste politische Entwick­lung beherrscht sein.

tigung der Reparationen gefordert hätten. Er wolle die Eigenschaften des deutschen Volkes aner­kennen, aber Deutschland sei gegenwärtig panger­manistisch und bedrohe den Frieden Europas.

ÄlutzenminMev Nviand erwiderte: Die Redner auf den Stahlhelmkund- gebungen bewiesen nicht gerade pazisistischen Geist. lind besonders in Breslau, wo übrigens nicht 150 000, sondern nur 50 000 bis 60 000 Teil­nehmer gewesen seien, seien in Anwesenheit von Marschällen, Generalen und Prinzen besonders bedauerliche Worte gefallen. Zum mindesten müsse man die dortigen Vorfälle als bedauerlich und tadelnswert bezeichnen, und sie würden gerade kurz

(Fortsetzung auf Seite 2)

Allgemeiner Wider­stand

gegen die Notvevovdnung

In steigendem Maße macht sich die Auf­fassung geltend, daß die in der letzten Notver­ordnung enthaltenen steuerlichen Bestim­mungen dringend einer Aenderung bedürfen. Die Zentrumspresse versagte sich zunächst so gut wie jede Kritik, weil sie offenbar oem Reichskanzler keine Schwierigkeiten machen wollte. Inzwischen muß sich aber doch wohl in ihrem Parteilager der Widerstand recht kräftig gerührt haben. Denn neuerdings gibt auch die Zentrumspresse der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Grenze der erträglichen steuerlichen Belastung durch die Einführung der Krisensteuer überschritten worden ist. Auch die Bayerische Volkspartei erhebt in ihrer Presse lebhaften Einspruch dagegen, daß die Regierung durch eine einfache Verfügung in dieser unerträglichen Weise die Steuerschraube anzieht. Die Christlich-Sozialen melden eben­falls ihren Einspruch gegen die Notverordnung an. Bemerkenswert ist auch eine Aeußerung desVorwärts", der namens der sozialdemo­kratischen Reichstagsfraktion davon spricht, man müsse der Notverordnung einige Gift­zähne ausbrechen. DerVorwärts" meint damit aber wahrscheinlich nicht die Krisen­steuer, sondern die Korrekturen, die an der Arbeitslosenversicherung vorgenommen wor­den sind. Bemerkenswert ist auch, daß die Frankfurter Sozialdemokraten die Einbe­

rufung des Reichstages, bzw. Aufhebung NÄSLLÜÄMÜL^I 'ölt

der die

Parteiführer Dingeldey und der frühere Reichsfinanzminister Moldenhauer scharf ab­lehnend zur Notverordnung geäußert und Opposition gegen die Regierung durchblicken lassen.

Der wachsende Widerstand gegen die Not­verordnung wird nach der Rückkehr des Reichskanzlers nach Berlin sicher auch in den Regierungsbesprechungen mit den Partei­führern Ausdruck finden. Dem Reichskanzler wird zweifellos von verschiedenen Seiten die Forderung unterbreitet werden, an der Not­verordnung Aenderungen vorzunehmen. In welcher Richtung sich diese Forderungen be­wegen werden, läßt sich noch nicht übersehen. Die Ansichten über die abänderungsbedürf- tigen Punkte der Notverordnung und über die Abänderungen selbst gehen noch auseinander. In dem einen Punkte aber stimmen die Par­teien schon jetzt weitgehend überein, daß die Notverordnung in der gegenwärtigen Gestalt nicht aufrecht erhalten werden kann. Wie weit sich die Abänderungswünsche dem Reichskanz­ler gegenüber in den unmittelbaren Be­sprechungen durchsetzen lassen, muß vorläufig noch abgewartet werden. Bei der Regierung scheint nach der nebenstehend wiedergegebenen Berliner Meldung wenig Neigung zu be­stehen, die Notverordnung zu korrigieren. Von der Beanstandung der Frage bezüglich der Ab­änderungswünsche wird es in erster Linie ab­hängen, wie die einzelnen Parteien sich zu dem Anträge auf Einberufung des Reichstages verhalten. Wie schon gestern berichtet, wird die Entscheidung über die Einberufung des Reichstages nicht in der heutigen Sitzung des Aeltestenrates fallen, da die Fraktionen sich erst in den nächsten Tagen schlüssig werden. Am Donnerstag aber wird sich bei dem Emp­fang der Parteiführer durch den Reichskanzler die parlamentarische Lage wohl schon eher übersetzen lassen. Wird dem Wunsch der Par­teien nach einer Abänderung der Notverord­nung nicht Rechnung getragen, so ist anzu­nehmen, daß in den einzelnen Fraktionen über den Kreis der bisherigen Opposition hin­aus das Verlangen nach einem Eingreifen des Reichstages starken Ausdruck finden wird. Da die Regierung ihren Widerstand gegen einen Zusammentritt des Reichstages in erster Linie mit außenpolitischen Rücksichten begründet, so kann darauf hingewiesen werden, daß man in den parlamentarischen Kreisen den Erfolg von Chequers etwas skeptischer beurteilt als in den Berliner Regierungskreisen. Man behält sich

Vie heutise Kummer umtadt 46 Sekten