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Mittwoch den 3. Juni 1931

Nr. 127

nach der Meinung dieses Blattes die Frage sein, ob es überhaupt denkbar st, daß man auf der einen Seite trotz der zweifellosen Ueber- steigerung der Reparationslasten Deutschland unter seiner Last zusammenbrechen läßt, wäh­rend man aus der anderen die Voraussetzun­gen der Zusamemnarbeit nicht erfüllt, die im Haag ausdrücklich aufgestellt worden sind und den deutschen Bemühungen, sich beispielsweise durch die Zollunion mit Oesterreich selbst zu helfen, ungerechtfertigte Schwierigkeiten in den Weg stellt.

Es versteht sich von selbst, daß auch bisher schon diplomatische Fühler aller Art aus­gestreckt worden sind, um das Feld zu erpro­ben, auf dem dieRevision des Aoungplanes in Angriff genommen und zu einem guten Ende geführt werden muß. In Chequers wird diese für Deutschland lebenswichtige Frage zum ersten Male zum Gegenstand unmittel­barer Verhandlungen zwischen den Staats­männern Deutschlands und den Staatsmän­nern eines der beteiligten Länder gemacht werden. Darin wird man wohl die Hauptbe­deutung der bevorstehenden Zusammenkunft erblicken können. Dabei fällt den deutschen Staatsmännern die Pflicht zu, die Aktion in Chequers nicht nur ohne jedes Zögern, son­dern auch mit dem denkbar größten Nachdruck einzuleiten. Der Reichskanzler hat sich früher mit Recht geweigert, für den Beginn der Ak­tion einen bestimmten Termin zu nennen. Er hat sich darauf beschränkt, zu versichern, daß die öffentlichen deutschen Finanzen erst ge­sichert sein müssen, ehe Deutschland die Initia­tive in der Revisionsfrage ergreifen kann. Diese Voraussetzung ist in voller Absicht vor der Abreise nach Chequers erfüllt worden. Nun darf es auch kein Zögern mehr geben. Die deutsche Wirtschaftsnot ist so drückend ge­worden, daß unstre Volkswirtschaft ohne eine Erleichterung der Lasten nicht mehr sehr viel länger bestehen kann. Darin liegt ein Zwang der Initiative, dem sich keine Regierung ent­ziehen könnte. Die Möglichkeit zur Eröffnung des Revisionskampfes, die sich in Chequers bietet, muß also in vollem Umfange ausge- nutzt werden, auch deshalb schon, weil die Re­gierung sonst die geplante neue schwere Be­lastung des deutschen Volkes nicht verantwor­ten konnte.

Es ist klar, daß Deutschland sich auf einen schweren Kampf gefaßt machen muß. Die Schlüsselstellung des Kampfgebietes liegt in Washington und es ist wohl nicht daran zu zweifeln, daß man in Washington die Revi- sionssrage ohne eine vorausgegangene Lösung der europäischen Landabrüstung nicht für spruchreif hält. Trotzdem oder vielmehr ge­rade deshalb muß die Eröffnung des Revi- sionskampfes mit allem Nachdruck erfolgen. Denn wir werden die vor uns liegenden Schwierigkeiten nur überwinden, wenn wir selbst unsere ganze Kraft an den Kampf fetzen.

Schiele vevteidist seine Politik

(Fortsetzung von Seite 1) Wanderausstellung ein beredtes Zeugnis ablegt. So ist auch diesmal die Ausstellung der Ausdruck ungebrochenen Lebenswillens und anfeuerndes Bei­spiel für zukunftweisende Arbeit. Dem zähen Wil­len zur Arbeit, der sich in ihr bekundet, dem Pflicht­bewußtsein und der Treue, die aus ihr sprechen, werden sich Reich und Staat niemals versagen können. \

Die Wünsche der preußischen Staatsregierung überbrachte Minister Dr. Steiger, der in gro­ßen Zügen die landwirtschaftliche Struktur der Pro­vinz Hannover skizzierte und dabei die von der preußischen Staatsregierung zur Unterstützung der einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe bereits ge­troffenen und noch zu erwartenden Maßnahmen kritisch erörterte.

Schevlugev macht Schule

Landvolkführer v. Salomon erklärt sich für das kommunistische Agrarprogramm

Berlin. 2. Juni. Der aus dem Bombenlsger- prozeß bekannte schleswig-holsteinische LandvalMh- ver Bruno v. Salomon stellt sich in einer Erklärung an die kommunistische Parteizentrale, die in der Roten Fahne" Miedergegeben wird, auf den Bo­den des kürzlich veröffentlichten kommunistischen Agrarprogramms. Bemerkenswert ist an dieser Er­klärung, daß v. Salomon sich sogar die Forderung der entschädigungslosen Enteignung des Großgrund­besitzes zu eigen macht. v. Salomon scheint sich aber auch weiterhin für den bekannten Führer der Land­volkbewegung den Hauptangeklagten im Großen Bombenlegerprozeß, den Großbauern Klaus Heim, einsetzen zu wollen, denn er spricht in der Erklä­rung im Zusammenhang mit einem Appell an alle Geknebelten, Gehaßten und Verfolgten von unserm Führer.

Oke vumaMthen Wahlen

Bukarest, 2. Juni. Nach den bisher vorliegenden Auszählungsergöbnissen sind zur rumänischen Par­lamentswahl über 2,4 Mill. Stimmen abgegeben worden, von denen auf die Regierungspartei etwa 60 Prozent, d. h. über 300 Mandate entfallen. Die nationale Bauernpartei erhält mit 16 Prozent etwa 20 Mandate, die Gruppe Georg Bratianu mit 7 Prozent 9 Sitze, die Gruppe Averescu mit 5 bis 6 Prozent etwa 7 Mandate. Die Ungarische Partei wird mit ungefähr 12 Abgeordneten ins Parlament einziehen. Der Rest der Stimmen verteilt sich aus die kleineren Gruppen und Oppositionssplitter. Ob die Kommunisten und die jüdische Partei die für eine Vertretung im Parlament erforderlichen 2 Pro­zent der Stimmenzahl erhalten haben, ist noch un­gewiß. Die Deutsche Partei und die Liberalen haben Ach bekannÄich der Regierungspartei angeschlossen.

Sozialistische Innenpolitik

Ä und wider die sozialdemokratische SraktkottSvoUtik

Leipzig, 2. Juni. Die heutigen entscheidenden politischen Beratungen auf dem Parteitag der Sozialdemokraten wurden eingeleitet durch die Berichte des Vorsitzenden der Reichstagsfraktion Dr. Breitscheid und des Abgeordneten Sollmann.

Dr. Breitscheid sprach zunächst über die Bekämpfung des Faschismus. Er wandte sich gegen die Auffassung, daß zwischen Mussolini und Brüning ein Unterschied nicht bestehe. Durch solche Auffassungen werde der Kampf gegen die faschistische Gefahr erschwert. Der Faschismus fei eine Bewegung zu einer Staatsfarm, die im Gegensatz zur Demokratie die oberste Gewalt im Staate und das Recht zur politischen Willensbil­dung nicht der Gesamtheit der gleichberechtigten Staatsbürger, sondern einem einzelnen oder einer bevorrechtigten Minderheit zuerkennt. Auch in einer Diktatur des Proletariats sei die Demokratie aus­geschaltet. Vom staatsrechtlichen Standpunkt aus gesehen, gebe es daher zwischen Moskau und Rom keinen Unerschied.

Breitscheid zeichnete dann in großen Zügen die Entwicklung des italienischen Faschismus. Das Elend der dauernden Arbeitslosigkeit, die Ver­armung breiter Schichten habe die Zahl der An­hänger des Faschismus nach und noch in der Nach­kriegszeit immer mehr erstarken lassen. Die Führer der Hitlerpartei sind sich durchaus bewußt, daß sie auf die Dauer weder durch eine zu starke Betonung des Charakters ihrer Bewegung als einer Arbeiterbewegung, noch durch das Festhalten an nebelhaften Formulierungen sich über Wasser halten können. Sie suchen deshalb, wenn auch vor- ichtig, so doch mit vollem Bewußtsein, den A n - chluß an die kapitalistische Klasse inb geben sich dabei höchstens der Hoffnung hin, daß die Massen ihre Wendung nicht ohne weiteres erkennen und sie sie immer noch mit Hilfe der nationalen Phrasen bei der Stange halten würden. Die Herren wären bereit gewesen, schon unnüttel­bar nach dem 14. September mit den bürgerlich­kapitalistischen Parteien gegen die Arbeiterschaft züsammenzugehen. Das Zusammengehen der bür­gerlichen Parteien mit ihnen wurde aber durch die

ÄdwehvvolMk dev GoriawemoSvatte

aufs äußerste erschwert. Gewiß hat die SPD. viele und schwere Opfer auf sich nehmen müssen, aber sie hat verhindert, daß der Wunsch der Rechten in Erfüllung ging, das Parlament arbeitsunfähig wurde und die Feinde des Parla­mentarismus damit an ihr Ziel kamen. Wir haben unsere ganze bisherige Abwehr in erster Linie auf die Fernhaltung der Nationalsozialisten von einer Beteiligung an der Regierung in Gemeinschaft mit bürgerlichen Vertretern eingestellt. Unsere Be­mühungen waren von der Sorge. diktiert, daß die Hitlerpartei, zur Mitarbeit berufen, ihren Einfluß dazu benutzen würde, um die Demokratie zu unter­minieren, um sich in alle erreichbaren Posten hin- faschistisches, so doch ein mit faschistischen Ideen durchsetztes Staatsleben zu schaffen. Wenn man also unsere bisherige Politik für richtig hält, so sehe ich in der stärkeren Betonung der Legalität durch die Nationalsozialisten und den Koalitions­möglichkeiten, die aus ihr erwachsen können, kei­nen Grund, neue Wege einzuschlagen. Wir haben gewußt, daß unser Verhalten bei den Arbeitern, die nicht fest zu unserer Organisation stehen, Bedenken erregen könnte.

Wir dürfen auch keinen Zweifel darüber lassen, daß die Politik des Tolerierens und des Aus- welchens von uns nicht um ihrer selbst willen getrieben wird, daß wir in ihr nur eine harte und vorübergehende Notwendigkeit erblicken, daß wir das Kabinett Brüning nur am Leben erhalten, solange es entschlossen und imstande ist, die faschistischen Aspirationen abzuwehren. Wir müssen uns und den anderen klar machen, daß die Politik, die wir seit dem November befolgt haben, ihre Grenze hat. Unsere Kritiker müssen in allen Erörterungen sagen, was ge­schehen wird und geschehen soll, wenn Brüning stürzt.

Man werde den Gegner nicht überwinden, wenn man ihn nur von der Macht fernhalte und wenn man der kommunistischen Parole folge:Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!", sondern dann, wenn man die materiellen und geistigen Voraussetzungen der Entstehung und des-Wachsens des National­sozialismus beseitige.

TSttgkettsbevicht dev ReUbstasskvaktton

Nach einer kurzen Pause erstattete dann Reichs­tagsabgeordneter S o l l m a n n den Tätigkeitsbe­richt der Reichstagsfraktion. Er erinnerte an den letzten Parteitag in Magdeburg, als Hermann Mül­ler Reichskanzler war und die Partei die schwere und undankbare Belastung der Großen Koalition trug. Die KoalitionspolitU habe damals auf dem Parteitag zahlreiche Kritiker gefunden. Diese Kritik habe insofern einen Erfolg buchen können, als die Partei im Reiche seit 14 Monaten nicht mehr an der Regierung beteiligt sei. Ob die Gegner der ®ro» ßen Koalition mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands und Europas seit dem Ausscheiden aus der Reichsregierung zufriedener feien, dürfe man wohl bezweifeln. Der größte außenpolitische Erfolg, den die Republik erzielt habe, sei einem sozialdemokratischen Kabinett zu danken, nämlich die Rheinlandräumung. Auch der Doungplan sei trotz seiner angeblichen Endgültigkeit für ein Abschnitt zu einer vernünftigen internatio­nalen Reparations- und Schuldenregelung.

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, so erklärte Sollmann, werde sich dem wachsenden Revisionswillen nicht entziehen. Sie werde ihn führen, und gerade darum werde sie sich nie­mals zu außenpolitischen, nationalistischen Ex­perimenten hergeben.

Von außenpolitischen Erfolgen zugunsten Deusch- lands ist seit unserem Regierungsaustritt nichts zu spüren. Von einer Ueberlegenheit der bürgerlichen Staatskunst ist nichts zu bemerken. Die Art, wie die deutsch-österreichische Zollunion diplomatisch vorbereitet wurde, bildet kein Ruhmesblatt für die außenpolitischen Künste der gegenwärtigen Regie­rung. Innenpolitisch hätten wir während der Be­

richtszeit in einer schweren Krise des Parlamentaris­mus und der Demokratie gelebt. Die Sozialdemo­kratie habe in dieser Lage aus zwei klaren und festen Willensäußerungen gekämpft: Verteidigung des Lebensstandards der arbeitenden Massen und Aufrechterhaltung aller demokratischen Rechte. So­lange die Sozialdemokratie in Deutschland parla­mentarisch arbeite, habe das Reich niemals in einer Wirtschafts» und Finanzkrise von ähnlichem Aus­maße gestanden.

Sozialpolitische Eroberungen ließen sich unter folgen Verhältnissen nicht machen. Es sei schon ein bedeutender Erfolg, daß bei zerrütteter Wirtschaft und Williardenfehlbelrägen in allen öffentlichen Kassen die Sozialpolitik im wesent­lichen aufrechlerhalten bleibe.

Sollmann gab dann einen Ueberblick über die poli­tische und parlamentarische Entwicklung während des Kabinetts Müller und nach dem Sturz dieses Kabinetts, über die Reichstagsauflösung und ihre Folgen.

Der 14. September habe eine ganz neue inner­politische Wachtgruppierung geschaffen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion habe nicht eine Politik treiben können, als wenn nichts ge­schehen wäre.

Im Oktober fei die Gefahr einer Uebernahme der Regierungsmacht durch die Nationalsozialisten groß und unmittelbar gewesen. Die Sozialdemokratie habe diese Gefahr abgewendet.

Der politische Weg, den die Sozialdemokraten im neuen Reichstag eingeschlagen hätten, be- deute Opfer und Zugeständnisse. Er sei aber der einzig mögliche gewesen.

Die Tolerierung der großen Notverordnungen sei eine politische Belastung, der gegenüber die Stimm­enthaltung bei den paar Millionen für Panzerschiffe harmlos erscheine.. Die Sozialdemokratie habe es durch ihre Taktik erreicht, daß die Notverordnungen in zahllosen Fällen zugunsten der Aermsten gemil­dert worden seien. Die letzten anderthalb Monate der parlamentarischen Tätigkeit seien die schwersten gewesen. Eine Rechtsregierung hätte zweifellos andere sozialpolitische Abbauplöne verwirklicht, als die Regierung unter dem Druck der Sozialdemo­kratie es wagte. Wenn die Sozialdemokraten durch die Ablehnung des Panzerschiffbaues die Reichs­und Preußenpolitik hätten scheitern lassen, so hätten sich Hugenberg und Seldte die Kosten und die Bla­mage des Volksentscheides sparen und einen Dank­brief an die Reichstagsfraktion richten können. So war die sozialdemokratische Fraktion zur Stimm­enthaltung gekommen.

Sollmann polemisierte in seinen weiteren Aus- führungen gegen die Haltung der neun Abgeord­neten und plädierte für die Einigkeit der Partei, die gerade in dieser Zeit mehr denn je oberstes Ge­bot sei. Es müsse verlangt werden, daß der Partei­tag den Schritt der neun verurteilt und Garantien gegen eine Wiederholung solcher Disziplinbrüche schaffe: denn es handele sich ja nicht um eine Bin­dung an Herrn Brümngl'söndërn um eme'Bnidung an die politische Einsicht, daß es gelte, das unab­sehbare Unglück abzuwehren, das eintreten würde, wenn die Demokratie vor die Hunde gehe. Nur deshalb habe man auch gewisse Einengungen der Demokratie in Kauf genommen. Hierauf kam er auf die Entschließung' der Reichstagsfraktion zu sprechen, die die Reichsregierung besonders ernst nehmen müßte. Im gesamten deutschen Arbeitsvolk mache sich eine tiefe Enttäuschung über die Regie­rung Brüning breit. Die Regierung möge sich nicht darüber täuschen, daß man mit kleinen Ent­scheidungen der Krise nicht beikommen könne. Deutschlands Wirtschaft und seine internationale Lage erfordere vielmehr eine organisierte Wirtschaft und Produktion. Mit Sparmaßnahmen und Dros­selungen der Sozialpolitik sei die Krise nicht zu be­heben.

Damit war der Uebergang zu der bevor­stehenden Notverordnung gefunden. In bezug güf sie forderte der Redner vom Parteitag für die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Freiheit des Handelns; denn ein gewis­senhafter Politiker müsse bei der schwierigen poli­tischen Lage die Notverordnung im Wortlaut ken­nen, ehe er Entscheidungen treffen kann. Wie diese ausfallen werden, könne in dieser Stunde noch nie­mand sagen.

Redner schloß mit den Worten:Die Republik ist uns wertvolle Gegenwart, der Sozialismus ist uns leuchtende Zukunft."

Oke Opposition meldet M

Den heutigen Beratungen liegt ein von der Ve- zirksorganifation Hamburg eingebrachter An­trag zugrunde, der vom Parteivorstand und Partei­ausschuß zur Annahme empfohlen wurde. Er wendet sich scharf gegen die neun Disziplin- b r e ch e r , die gegen den Panzerkreuzer stimmten und spricht ihnen und dem Bezirksvorstand Chem­nitz Zwickau die schärfste Mißbilligung aus.

Ihm steht ein Antrag der Gruppe Seyde­witz Rosenfeld entgegen, der bei einer weiteren Verschlechterung der Sozialpolitik, bei einem fortgesetzten Lohnabbau und bei einem Wei­terbestehen des Preiswuchers die Beendigung der Tolerierungspolitik fordert.

Ihm und dem Verhalten der Neun in der Pan­zerkreuzerabstimmung galten die Ausführungen des Abg. Seydewitz, der von der Galerie stür­misch begrüßt wurde. Die neun Abgeordneten, so führte er aus, hätten verantwortungsbe­wußter gehandelt, als die Mehrheit, denn es werde die Zeit kommen, wo sich der Kapitalismus mit dem Nationalsozialismus verbinde, und für sie gelte es, die Abwehrkraft der Arbeiterklasse zu erhalten. Die Regierung Brüning sei kein Schutz­wall gegen den Faschismus. Wenn die von ihr neuerlich geplante Notverordnung eine weitere Verschlechterung der Sozialpolitik bringt, dann müsse festgestellt werden, daß die Grenze der Tole­rierungspolitik erreicht ist.

Abg. Frau Sender und Abg. Dr. Rosen­feld forderten den Parteitag auf, der Regierung ein Halt entgegen zu setzen.

Reichstagsavg. Künstler meinte, der Diszi­plinbruch der Neun sei zu verurteilen, wenn auch der Panzerkreuzer angesichts der Not der Zeit eine schwereProvokation" der notleidenden Ar­beitermassen wäre.

Retchstagsabg. Crisp ien verlangte, daß Bor­sorge getroffen werde, damit sich dergleichen Disziplinbrüche in Zukunft nicht wiederholen könn, ten.

Reichstagsabg. Fleißner, der letzte Redner der die Zoll- und Handelspolitik der Reichte-' gierung beleuchtete, kam von dieser Seite zu der Forderung nach dem Schluß des weiteren Tolerie. rens der Regierung. Hierauf erfolgte die Ver. tagung auf Mittwoch.

Die Lvieuev Tagung dev LettungSvevlegev

Wien, 2. Juni. Die Teilnehmer an der Wiener Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zei- tungsverleger waren heute nachmittag Gäste der Stadt Wien bei einem Empfang im Neuen Rathaus. Der Wiener Bürgermeister Karl Seitz sprach den deutschen Zeitungsverlegern namens der Stadt Wien herzliche Willkommensgrüße aus. Er als Parteimann, führte er dann aus trete dafür ein, daß der Meinungskampf nur mit geistigen Waffen geführt werde, und glaube, daß die deutsche Presse führend in diesem geistigen Kampf sei. Der Kampfboden, auf dem wir stehen, sei unser gemein­sames Gut. Er sei derzeit abgesteckt durch die Ge­walt der Sieger. Das deutsche Volk in Mitteleuropa hat nicht das Glück, innerhalb eines Staates zu fein. Den Gedanken von der Einheitt des deutschen Volkes könne uns aber niemand nehmen.

Der 2. stellvertretende Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, Kommerzienrat Dr; | Neven DuMdnt, hob in feiner Erwiderung?- I ansprache die besonderen Aufgaben und Leistungen ; Wiens hervor und schloß mit einem Hoch auf die Wiener Stadtverwaltung und die Bürgerschaft von > Wien. Am Abend fand zu Ehren der deutschen | Zeitungsverleger eine Festausführung in der Staatsoper statt.

Berlin, 2. Juni. Der Verein Deutscher i Z e itun g sve rl« g er hat von seiner Wiener Tagung folgendes Telegramm an den Reichspräsi- ; denken gerichtet:

Die in Wien aus allen Teilen des Deutschen - Reiches versammelten Mitglieder des Vereins Deut­scher Zeitungsverleger, Herausgeber der deutschen Tageszeitungen, entbieten Ihnen, Herr Reichsprofi- , dent, ehrfurchtsvollen Gruß. Die Iahresoevsamm- lung, auf der 2500 reichsdeutsche Zeitungen durch , ihre Führer und Delegierten vertreten sind, findet ; zum ersten Male seit den 37 Jahren des Bestehens unserer Vereinigung außerhalb der politischen , Grenzen des Deutschen Reiches, aber doch auf echt ; deutschem Boden statt. In der Wiener Tagung der , deutschen Zeitungsverleger spiegelt sich aufs sinn- ( fälligste die gesamtdeutsche öffentliche Meinung , wieder, die getragen ist von dem unbeirrbaren Zu- ( sammemgehörigkeitsgefühl der deutschen Stämme. j Dieses Gefühl erfüllt mit einzigartiger Einmütig- , seit alle Teile des sonst von Parteihader so sehr . zerrissenen deutschen Volkes. In Ihnen, hochver- ehrter Herr Reichspräsident, verehrt das deutsche - Volk den über dem Meinungsstreit und den Pcr- i teien stehenden Führer, dessen persönliches, ehr- . furchtsgebietendes Vorbild gekennzeichnet ist duräM das große Opfer, für Volk und Reich,dellen ganzert 4 gung ds deutschen Volkes gerichtet ist. Der VcreMMD Deutscher Zeitungsverleger ist sich seiner neraii'|«^ wartungsvollen Aufgabe bewußt, durch EamnTtmf jH der in der deutschen Presse lebendigen geistige. Kräfte mitzuarbeiten an dem großen Einigung--- werk."

Der Reichspräsident hat hierauf, mieB^ folgt geantwortet: /

Haben Sie vielen Dank für die freundlich- I Begrüßung von ihrer Wiener Tagung, die ich l u herzlichst erwidere. Mit besonderer Befriedigung n habe ich Ihre Versicherung entgegengenommen, « durch Sammlung der in der deutschen Presse leben- » digen geistigen Kräfte an dem großen Werk der Einigung der deutschen Nation mitzuarbeiten. Ich ( wünsche Ihnen für Ihre weitere Arbeit von Herzen s guten Erfolg."

Lveuekttndgebuttsett für ; den Papst

Berlin, 2. Juni. Bischof Dr. Schreiber hat folgendes Telegramm nach Rom an den Papst gesandt:Von einer Pastoralreise nach Pommern zurückgekehrt, bekunde ich Euch, Hl. Vater, zugleich im Namen des Domkapitels, des Klerus und des gläubigen Volkes im Bistum Berlin unseren großen Schmerz über die Vorgänge gegen die Katholische [ Aktion in Rom und in ganz Italien. Wir nehmen | , innigen Anteil an dem Kummer Eurer Heiligkeit und beten zu Gott um Abkürzung der Trübsal und ( Wiederherstellung der Freiheit." §

Wien, 2. Juni. Wie die Christlich-Soziale Nach- 1 ( richtenstelle meldet, hat das Präsidium der Kathob- , schen Aktion in Oesterreich gestern an den Papst eine , von Kardinalbischof Dr. Piffl unterzeichnete Treue- , und Gehorsamskundgebung gerichtet. In dieser heißt - j es zum Schluß:Die Katholiken Oesterreichs wollen arbeiten und beten, daß die katholischen Werke und , das katholische Leben in allen Ländern allen , Schwierigkeiten mit Erfolg begegnen und sich weiter ; entwickeln möge." i 1 i

Evwevbslose«- r ausschvettuttge« in Walsum i ;

Essen, 2. Juni. Zu schweren Ausschreitungen [ kam es hÄute bei der Auszahlung der Erwerbs- losenunlerstützung in der Verwaltungsstelle des ; Arbeitsamtes in Wehofen bei Walsum. Die vorge- s schriebene Kürzung der Unterstützungssätze brachte | ( oie Wenge in so starke Erregung, daß etwa 300 bis j < 400 Personen versuchten, die Verwaltungsstelle zu stürmen. Der Polizei gelang es, dieses Vorhaben 3U 1 vereiteln. Hieraus stürmte ein größerer Trupp in , die Konsumanstalt 19 der Vereinigten Stahlwerke, die sich auf dem Warktplatz in Wehofen befindet, , und schickte fidh an. de" Lao - I $

Die inzwischen herbeigerufene SchuhpoNzei aus i < Oberhaufen konnte Plünderungen verhindern und die Wenfcheuanfammlungen zerstreuen, nicht ohne je- 1 doch dabei mehrfach tätlich angegriffen zu werden. Besonders Frauen taten sich hierbei hervor. Die , Rädelsführer wurden von der Polizei festgenom- i men. Im Laufe des Tages bildeten sich jedoch im- 1 mer wieder neue Ansammlungen, die von der Polizei zerstreut werden mußte«.