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Mittwoch den 3. Juni 1931
Nr. 127
nach der Meinung dieses Blattes die Frage sein, ob es überhaupt denkbar st, daß man auf der einen Seite trotz der zweifellosen Ueber- steigerung der Reparationslasten Deutschland unter seiner Last zusammenbrechen läßt, während man aus der anderen die Voraussetzungen der Zusamemnarbeit nicht erfüllt, die im Haag ausdrücklich aufgestellt worden sind und den deutschen Bemühungen, sich beispielsweise durch die Zollunion mit Oesterreich selbst zu helfen, ungerechtfertigte Schwierigkeiten in den Weg stellt.
Es versteht sich von selbst, daß auch bisher schon diplomatische Fühler aller Art ausgestreckt worden sind, um das Feld zu erproben, auf dem dieRevision des Aoungplanes in Angriff genommen und zu einem guten Ende geführt werden muß. In Chequers wird diese für Deutschland lebenswichtige Frage zum ersten Male zum Gegenstand unmittelbarer Verhandlungen zwischen den Staatsmännern Deutschlands und den Staatsmännern eines der beteiligten Länder gemacht werden. Darin wird man wohl die Hauptbedeutung der bevorstehenden Zusammenkunft erblicken können. Dabei fällt den deutschen Staatsmännern die Pflicht zu, die Aktion in Chequers nicht nur ohne jedes Zögern, sondern auch mit dem denkbar größten Nachdruck einzuleiten. Der Reichskanzler hat sich früher mit Recht geweigert, für den Beginn der Aktion einen bestimmten Termin zu nennen. Er hat sich darauf beschränkt, zu versichern, daß die öffentlichen deutschen Finanzen erst gesichert sein müssen, ehe Deutschland die Initiative in der Revisionsfrage ergreifen kann. Diese Voraussetzung ist in voller Absicht vor der Abreise nach Chequers erfüllt worden. Nun darf es auch kein Zögern mehr geben. Die deutsche Wirtschaftsnot ist so drückend geworden, daß unstre Volkswirtschaft ohne eine Erleichterung der Lasten nicht mehr sehr viel länger bestehen kann. Darin liegt ein Zwang der Initiative, dem sich keine Regierung entziehen könnte. Die Möglichkeit zur Eröffnung des Revisionskampfes, die sich in Chequers bietet, muß also in vollem Umfange ausge- nutzt werden, auch deshalb schon, weil die Regierung sonst die geplante neue schwere Belastung des deutschen Volkes nicht verantworten konnte.
Es ist klar, daß Deutschland sich auf einen schweren Kampf gefaßt machen muß. Die Schlüsselstellung des Kampfgebietes liegt in Washington und es ist wohl nicht daran zu zweifeln, daß man in Washington die Revi- sionssrage ohne eine vorausgegangene Lösung der europäischen Landabrüstung nicht für spruchreif hält. Trotzdem oder vielmehr gerade deshalb muß die Eröffnung des Revi- sionskampfes mit allem Nachdruck erfolgen. Denn wir werden die vor uns liegenden Schwierigkeiten nur überwinden, wenn wir selbst unsere ganze Kraft an den Kampf fetzen.
Schiele vevteidist seine Politik
(Fortsetzung von Seite 1) Wanderausstellung ein beredtes Zeugnis ablegt. So ist auch diesmal die Ausstellung der Ausdruck ungebrochenen Lebenswillens und anfeuerndes Beispiel für zukunftweisende Arbeit. Dem zähen Willen zur Arbeit, der sich in ihr bekundet, dem Pflichtbewußtsein und der Treue, die aus ihr sprechen, werden sich Reich und Staat niemals versagen können. \
Die Wünsche der preußischen Staatsregierung überbrachte Minister Dr. Steiger, der in großen Zügen die landwirtschaftliche Struktur der Provinz Hannover skizzierte und dabei die von der preußischen Staatsregierung zur Unterstützung der einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe bereits getroffenen und noch zu erwartenden Maßnahmen kritisch erörterte.
Schevlugev macht Schule
Landvolkführer v. Salomon erklärt sich für das kommunistische Agrarprogramm
Berlin. 2. Juni. Der aus dem Bombenlsger- prozeß bekannte schleswig-holsteinische LandvalMh- ver Bruno v. Salomon stellt sich in einer Erklärung an die kommunistische Parteizentrale, die in der „Roten Fahne" Miedergegeben wird, auf den Boden des kürzlich veröffentlichten kommunistischen Agrarprogramms. Bemerkenswert ist an dieser Erklärung, daß v. Salomon sich sogar die Forderung der entschädigungslosen Enteignung des Großgrundbesitzes zu eigen macht. v. Salomon scheint sich aber auch weiterhin für den bekannten Führer der Landvolkbewegung den Hauptangeklagten im Großen Bombenlegerprozeß, den Großbauern Klaus Heim, einsetzen zu wollen, denn er spricht in der Erklärung im Zusammenhang mit einem Appell an alle Geknebelten, Gehaßten und Verfolgten von unserm Führer.
Oke vumaMthen Wahlen
Bukarest, 2. Juni. Nach den bisher vorliegenden Auszählungsergöbnissen sind zur rumänischen Parlamentswahl über 2,4 Mill. Stimmen abgegeben worden, von denen auf die Regierungspartei etwa 60 Prozent, d. h. über 300 Mandate entfallen. Die nationale Bauernpartei erhält mit 16 Prozent etwa 20 Mandate, die Gruppe Georg Bratianu mit 7 Prozent 9 Sitze, die Gruppe Averescu mit 5 bis 6 Prozent etwa 7 Mandate. Die Ungarische Partei wird mit ungefähr 12 Abgeordneten ins Parlament einziehen. Der Rest der Stimmen verteilt sich aus die kleineren Gruppen und Oppositionssplitter. Ob die Kommunisten und die jüdische Partei die für eine Vertretung im Parlament erforderlichen 2 Prozent der Stimmenzahl erhalten haben, ist noch ungewiß. Die Deutsche Partei und die Liberalen haben Ach bekannÄich der Regierungspartei angeschlossen.
Sozialistische Innenpolitik
Ä und wider die sozialdemokratische SraktkottSvoUtik
Leipzig, 2. Juni. Die heutigen entscheidenden politischen Beratungen auf dem Parteitag der Sozialdemokraten wurden eingeleitet durch die Berichte des Vorsitzenden der Reichstagsfraktion Dr. Breitscheid und des Abgeordneten Sollmann.
Dr. Breitscheid sprach zunächst über die Bekämpfung des Faschismus. Er wandte sich gegen die Auffassung, daß zwischen Mussolini und Brüning ein Unterschied nicht bestehe. Durch solche Auffassungen werde der Kampf gegen die faschistische Gefahr erschwert. Der Faschismus fei eine Bewegung zu einer Staatsfarm, die im Gegensatz zur Demokratie die oberste Gewalt im Staate und das Recht zur politischen Willensbildung nicht der Gesamtheit der gleichberechtigten Staatsbürger, sondern einem einzelnen oder einer bevorrechtigten Minderheit zuerkennt. Auch in einer Diktatur des Proletariats sei die Demokratie ausgeschaltet. Vom staatsrechtlichen Standpunkt aus gesehen, gebe es daher zwischen Moskau und Rom keinen Unerschied.
Breitscheid zeichnete dann in großen Zügen die Entwicklung des italienischen Faschismus. Das Elend der dauernden Arbeitslosigkeit, die Verarmung breiter Schichten habe die Zahl der Anhänger des Faschismus nach und noch in der Nachkriegszeit immer mehr erstarken lassen. Die Führer der Hitlerpartei sind sich durchaus bewußt, daß sie auf die Dauer weder durch eine zu starke Betonung des Charakters ihrer Bewegung als einer Arbeiterbewegung, noch durch das Festhalten an nebelhaften Formulierungen sich über Wasser halten können. Sie suchen deshalb, wenn auch vor- ichtig, so doch mit vollem Bewußtsein, den A n - chluß an die kapitalistische Klasse inb geben sich dabei höchstens der Hoffnung hin, daß die Massen ihre Wendung nicht ohne weiteres erkennen und sie sie immer noch mit Hilfe der nationalen Phrasen bei der Stange halten würden. Die Herren wären bereit gewesen, schon unnüttelbar nach dem 14. September mit den bürgerlichkapitalistischen Parteien gegen die Arbeiterschaft züsammenzugehen. Das Zusammengehen der bürgerlichen Parteien mit ihnen wurde aber durch die
ÄdwehvvolMk dev GoriawemoSvatte
aufs äußerste erschwert. Gewiß hat die SPD. viele und schwere Opfer auf sich nehmen müssen, aber sie hat verhindert, daß der Wunsch der Rechten in Erfüllung ging, das Parlament arbeitsunfähig wurde und die Feinde des Parlamentarismus damit an ihr Ziel kamen. Wir haben unsere ganze bisherige Abwehr in erster Linie auf die Fernhaltung der Nationalsozialisten von einer Beteiligung an der Regierung in Gemeinschaft mit bürgerlichen Vertretern eingestellt. Unsere Bemühungen waren von der Sorge. diktiert, daß die Hitlerpartei, zur Mitarbeit berufen, ihren Einfluß dazu benutzen würde, um die Demokratie zu unterminieren, um sich in alle erreichbaren Posten hin- faschistisches, so doch ein mit faschistischen Ideen durchsetztes Staatsleben zu schaffen. Wenn man also unsere bisherige Politik für richtig hält, so sehe ich in der stärkeren Betonung der Legalität durch die Nationalsozialisten und den Koalitionsmöglichkeiten, die aus ihr erwachsen können, keinen Grund, neue Wege einzuschlagen. Wir haben gewußt, daß unser Verhalten bei den Arbeitern, die nicht fest zu unserer Organisation stehen, Bedenken erregen könnte.
Wir dürfen auch keinen Zweifel darüber lassen, daß die Politik des Tolerierens und des Aus- welchens von uns nicht um ihrer selbst willen getrieben wird, daß wir in ihr nur eine harte und vorübergehende Notwendigkeit erblicken, daß wir das Kabinett Brüning nur am Leben erhalten, solange es entschlossen und imstande ist, die faschistischen Aspirationen abzuwehren. Wir müssen uns und den anderen klar machen, daß die Politik, die wir seit dem November befolgt haben, ihre Grenze hat. Unsere Kritiker müssen in allen Erörterungen sagen, was geschehen wird und geschehen soll, wenn Brüning stürzt.
Man werde den Gegner nicht überwinden, wenn man ihn nur von der Macht fernhalte und wenn man der kommunistischen Parole folge: „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!", sondern dann, wenn man die materiellen und geistigen Voraussetzungen der Entstehung und des-Wachsens des Nationalsozialismus beseitige.
TSttgkettsbevicht dev ReUbstasskvaktton
Nach einer kurzen Pause erstattete dann Reichstagsabgeordneter S o l l m a n n den Tätigkeitsbericht der Reichstagsfraktion. Er erinnerte an den letzten Parteitag in Magdeburg, als Hermann Müller Reichskanzler war und die Partei die schwere und undankbare Belastung der Großen Koalition trug. Die KoalitionspolitU habe damals auf dem Parteitag zahlreiche Kritiker gefunden. Diese Kritik habe insofern einen Erfolg buchen können, als die Partei im Reiche seit 14 Monaten nicht mehr an der Regierung beteiligt sei. Ob die Gegner der ®ro» ßen Koalition mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands und Europas seit dem Ausscheiden aus der Reichsregierung zufriedener feien, dürfe man wohl bezweifeln. Der größte außenpolitische Erfolg, den die Republik erzielt habe, sei einem sozialdemokratischen Kabinett zu danken, nämlich die Rheinlandräumung. Auch der Doungplan sei trotz seiner angeblichen Endgültigkeit für ein Abschnitt zu einer vernünftigen internationalen Reparations- und Schuldenregelung.
Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, so erklärte Sollmann, werde sich dem wachsenden Revisionswillen nicht entziehen. Sie werde ihn führen, und gerade darum werde sie sich niemals zu außenpolitischen, nationalistischen Experimenten hergeben.
Von außenpolitischen Erfolgen zugunsten Deusch- lands ist seit unserem Regierungsaustritt nichts zu spüren. Von einer Ueberlegenheit der bürgerlichen Staatskunst ist nichts zu bemerken. Die Art, wie die deutsch-österreichische Zollunion diplomatisch vorbereitet wurde, bildet kein Ruhmesblatt für die außenpolitischen Künste der gegenwärtigen Regierung. Innenpolitisch hätten wir während der Be
richtszeit in einer schweren Krise des Parlamentarismus und der Demokratie gelebt. Die Sozialdemokratie habe in dieser Lage aus zwei klaren und festen Willensäußerungen gekämpft: Verteidigung des Lebensstandards der arbeitenden Massen und Aufrechterhaltung aller demokratischen Rechte. Solange die Sozialdemokratie in Deutschland parlamentarisch arbeite, habe das Reich niemals in einer Wirtschafts» und Finanzkrise von ähnlichem Ausmaße gestanden.
Sozialpolitische Eroberungen ließen sich unter folgen Verhältnissen nicht machen. Es sei schon ein bedeutender Erfolg, daß bei zerrütteter Wirtschaft und Williardenfehlbelrägen in allen öffentlichen Kassen die Sozialpolitik im wesentlichen aufrechlerhalten bleibe.
Sollmann gab dann einen Ueberblick über die politische und parlamentarische Entwicklung während des Kabinetts Müller und nach dem Sturz dieses Kabinetts, über die Reichstagsauflösung und ihre Folgen.
Der 14. September habe eine ganz neue innerpolitische Wachtgruppierung geschaffen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion habe nicht eine Politik treiben können, als wenn nichts geschehen wäre.
Im Oktober fei die Gefahr einer Uebernahme der Regierungsmacht durch die Nationalsozialisten groß und unmittelbar gewesen. Die Sozialdemokratie habe diese Gefahr abgewendet.
Der politische Weg, den die Sozialdemokraten im neuen Reichstag eingeschlagen hätten, be- deute Opfer und Zugeständnisse. Er sei aber der einzig mögliche gewesen.
Die Tolerierung der großen Notverordnungen sei eine politische Belastung, der gegenüber die Stimmenthaltung bei den paar Millionen für Panzerschiffe harmlos erscheine.. Die Sozialdemokratie habe es durch ihre Taktik erreicht, daß die Notverordnungen in zahllosen Fällen zugunsten der Aermsten gemildert worden seien. Die letzten anderthalb Monate der parlamentarischen Tätigkeit seien die schwersten gewesen. Eine Rechtsregierung hätte zweifellos andere sozialpolitische Abbauplöne verwirklicht, als die Regierung unter dem Druck der Sozialdemokratie es wagte. Wenn die Sozialdemokraten durch die Ablehnung des Panzerschiffbaues die Reichsund Preußenpolitik hätten scheitern lassen, so hätten sich Hugenberg und Seldte die Kosten und die Blamage des Volksentscheides sparen und einen Dankbrief an die Reichstagsfraktion richten können. So war die sozialdemokratische Fraktion zur Stimmenthaltung gekommen.
Sollmann polemisierte in seinen weiteren Aus- führungen gegen die Haltung der neun Abgeordneten und plädierte für die Einigkeit der Partei, die gerade in dieser Zeit mehr denn je oberstes Gebot sei. Es müsse verlangt werden, daß der Parteitag den Schritt der neun verurteilt und Garantien gegen eine Wiederholung solcher Disziplinbrüche schaffe: denn es handele sich ja nicht um eine Bindung an Herrn Brümngl'söndërn um eme'Bnidung an die politische Einsicht, daß es gelte, das unabsehbare Unglück abzuwehren, das eintreten würde, wenn die Demokratie vor die Hunde gehe. Nur deshalb habe man auch gewisse Einengungen der Demokratie in Kauf genommen. Hierauf kam er auf die Entschließung' der Reichstagsfraktion zu sprechen, die die Reichsregierung besonders ernst nehmen müßte. Im gesamten deutschen Arbeitsvolk mache sich eine tiefe Enttäuschung über die Regierung Brüning breit. Die Regierung möge sich nicht darüber täuschen, daß man mit kleinen Entscheidungen der Krise nicht beikommen könne. Deutschlands Wirtschaft und seine internationale Lage erfordere vielmehr eine organisierte Wirtschaft und Produktion. Mit Sparmaßnahmen und Drosselungen der Sozialpolitik sei die Krise nicht zu beheben.
Damit war der Uebergang zu der bevorstehenden Notverordnung gefunden. In bezug güf sie forderte der Redner vom Parteitag für die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Freiheit des Handelns; denn ein gewissenhafter Politiker müsse bei der schwierigen politischen Lage die Notverordnung im Wortlaut kennen, ehe er Entscheidungen treffen kann. Wie diese ausfallen werden, könne in dieser Stunde noch niemand sagen.
Redner schloß mit den Worten: „Die Republik ist uns wertvolle Gegenwart, der Sozialismus ist uns leuchtende Zukunft."
Oke Opposition meldet M
Den heutigen Beratungen liegt ein von der Ve- zirksorganifation Hamburg eingebrachter Antrag zugrunde, der vom Parteivorstand und Parteiausschuß zur Annahme empfohlen wurde. Er wendet sich scharf gegen die neun Disziplin- b r e ch e r , die gegen den Panzerkreuzer stimmten und spricht ihnen und dem Bezirksvorstand Chemnitz — Zwickau die schärfste Mißbilligung aus.
Ihm steht ein Antrag der Gruppe Seydewitz — Rosenfeld entgegen, der bei einer weiteren Verschlechterung der Sozialpolitik, bei einem fortgesetzten Lohnabbau und bei einem Weiterbestehen des Preiswuchers die Beendigung der Tolerierungspolitik fordert.
Ihm und dem Verhalten der Neun in der Panzerkreuzerabstimmung galten die Ausführungen des Abg. Seydewitz, der von der Galerie stürmisch begrüßt wurde. Die neun Abgeordneten, so führte er aus, hätten verantwortungsbewußter gehandelt, als die Mehrheit, denn es werde die Zeit kommen, wo sich der Kapitalismus mit dem Nationalsozialismus verbinde, und für sie gelte es, die Abwehrkraft der Arbeiterklasse zu erhalten. Die Regierung Brüning sei kein Schutzwall gegen den Faschismus. Wenn die von ihr neuerlich geplante Notverordnung eine weitere Verschlechterung der Sozialpolitik bringt, dann müsse festgestellt werden, daß die Grenze der Tolerierungspolitik erreicht ist.
Abg. Frau Sender und Abg. Dr. Rosenfeld forderten den Parteitag auf, der Regierung ein Halt entgegen zu setzen.
Reichstagsavg. Künstler meinte, der Disziplinbruch der Neun sei zu verurteilen, wenn auch der Panzerkreuzer angesichts der Not der Zeit eine schwere „Provokation" der notleidenden Arbeitermassen wäre.
Retchstagsabg. Crisp ien verlangte, daß Borsorge getroffen werde, damit sich dergleichen Disziplinbrüche in Zukunft nicht wiederholen könn, ten.
Reichstagsabg. Fleißner, der letzte Redner der die Zoll- und Handelspolitik der Reichte-' gierung beleuchtete, kam von dieser Seite zu der Forderung nach dem Schluß des weiteren Tolerie. rens der Regierung. — Hierauf erfolgte die Ver. tagung auf Mittwoch.
Die Lvieuev Tagung dev LettungSvevlegev
Wien, 2. Juni. Die Teilnehmer an der Wiener Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zei- tungsverleger waren heute nachmittag Gäste der Stadt Wien bei einem Empfang im Neuen Rathaus. Der Wiener Bürgermeister Karl Seitz sprach den deutschen Zeitungsverlegern namens der Stadt Wien herzliche Willkommensgrüße aus. Er als Parteimann, führte er dann aus trete dafür ein, daß der Meinungskampf nur mit geistigen Waffen geführt werde, und glaube, daß die deutsche Presse führend in diesem geistigen Kampf sei. Der Kampfboden, auf dem wir stehen, sei unser gemeinsames Gut. Er sei derzeit abgesteckt durch die Gewalt der Sieger. Das deutsche Volk in Mitteleuropa hat nicht das Glück, innerhalb eines Staates zu fein. Den Gedanken von der Einheitt des deutschen Volkes könne uns aber niemand nehmen.
Der 2. stellvertretende Vorsitzende des Vereins । Deutscher Zeitungsverleger, Kommerzienrat Dr; | Neven DuMdnt, hob in feiner Erwiderung?- I ansprache die besonderen Aufgaben und Leistungen ; Wiens hervor und schloß mit einem Hoch auf die Wiener Stadtverwaltung und die Bürgerschaft von > Wien. — Am Abend fand zu Ehren der deutschen | Zeitungsverleger eine Festausführung in der ■ Staatsoper statt.
Berlin, 2. Juni. Der Verein Deutscher i Z e itun g sve rl« g er hat von seiner Wiener Tagung folgendes Telegramm an den Reichspräsi- ; denken gerichtet:
„Die in Wien aus allen Teilen des Deutschen - Reiches versammelten Mitglieder des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, Herausgeber der deutschen Tageszeitungen, entbieten Ihnen, Herr Reichsprofi- , dent, ehrfurchtsvollen Gruß. Die Iahresoevsamm- lung, auf der 2500 reichsdeutsche Zeitungen durch , ihre Führer und Delegierten vertreten sind, findet ; zum ersten Male seit den 37 Jahren des Bestehens unserer Vereinigung außerhalb der politischen , Grenzen des Deutschen Reiches, aber doch auf echt ; deutschem Boden statt. In der Wiener Tagung der , deutschen Zeitungsverleger spiegelt sich aufs sinn- ( fälligste die gesamtdeutsche öffentliche Meinung , wieder, die getragen ist von dem unbeirrbaren Zu- ( sammemgehörigkeitsgefühl der deutschen Stämme. j Dieses Gefühl erfüllt mit einzigartiger Einmütig- , seit alle Teile des sonst von Parteihader so sehr . zerrissenen deutschen Volkes. In Ihnen, hochver- ehrter Herr Reichspräsident, verehrt das deutsche - Volk den über dem Meinungsstreit und den Pcr- i teien stehenden Führer, dessen persönliches, ehr- . furchtsgebietendes Vorbild gekennzeichnet ist duräM das große Opfer, für Volk und Reich,„dellen ganzert 4 gung ds deutschen Volkes gerichtet ist. Der VcreMMD Deutscher Zeitungsverleger ist sich seiner neraii'|«^ wartungsvollen Aufgabe bewußt, durch EamnTtmf jH der in der deutschen Presse lebendigen geistige. Kräfte mitzuarbeiten an dem großen Einigung--- ■ werk." ■
Der Reichspräsident hat hierauf, mieB^ folgt geantwortet: /
„Haben Sie vielen Dank für die freundlich- I Begrüßung von ihrer Wiener Tagung, die ich l u herzlichst erwidere. Mit besonderer Befriedigung n habe ich Ihre Versicherung entgegengenommen, « durch Sammlung der in der deutschen Presse leben- » digen geistigen Kräfte an dem großen Werk der Einigung der deutschen Nation mitzuarbeiten. Ich ( wünsche Ihnen für Ihre weitere Arbeit von Herzen s guten Erfolg."
Lveuekttndgebuttsett für ; den Papst
Berlin, 2. Juni. Bischof Dr. Schreiber hat folgendes Telegramm nach Rom an den Papst gesandt: „Von einer Pastoralreise nach Pommern zurückgekehrt, bekunde ich Euch, Hl. Vater, zugleich im Namen des Domkapitels, des Klerus und des gläubigen Volkes im Bistum Berlin unseren großen Schmerz über die Vorgänge gegen die Katholische [ । Aktion in Rom und in ganz Italien. Wir nehmen | , innigen Anteil an dem Kummer Eurer Heiligkeit und beten zu Gott um Abkürzung der Trübsal und ( Wiederherstellung der Freiheit." §
Wien, 2. Juni. Wie die Christlich-Soziale Nach- 1 ( richtenstelle meldet, hat das Präsidium der Kathob- , schen Aktion in Oesterreich gestern an den Papst eine , von Kardinalbischof Dr. Piffl unterzeichnete Treue- , und Gehorsamskundgebung gerichtet. In dieser heißt - j es zum Schluß: „Die Katholiken Oesterreichs wollen arbeiten und beten, daß die katholischen Werke und , das katholische Leben in allen Ländern allen , Schwierigkeiten mit Erfolg begegnen und sich weiter ; entwickeln möge." i 1 i ’
Evwevbslose«- r ausschvettuttge« in Walsum i ;
Essen, 2. Juni. Zu schweren Ausschreitungen [ kam es hÄute bei der Auszahlung der Erwerbs- losenunlerstützung in der Verwaltungsstelle des ; Arbeitsamtes in Wehofen bei Walsum. Die vorge- s schriebene Kürzung der Unterstützungssätze brachte | ( oie Wenge in so starke Erregung, daß etwa 300 bis j < 400 Personen versuchten, die Verwaltungsstelle zu stürmen. Der Polizei gelang es, dieses Vorhaben 3U 1 vereiteln. Hieraus stürmte ein größerer Trupp in , die Konsumanstalt 19 der Vereinigten Stahlwerke, । die sich auf dem Warktplatz in Wehofen befindet, , und schickte fidh an. de" Lao— - I $
Die inzwischen herbeigerufene SchuhpoNzei aus i < Oberhaufen konnte Plünderungen verhindern und die Wenfcheuanfammlungen zerstreuen, nicht ohne je- 1 doch dabei mehrfach tätlich angegriffen zu werden. Besonders Frauen taten sich hierbei hervor. Die , Rädelsführer wurden von der Polizei festgenom- i men. Im Laufe des Tages bildeten sich jedoch im- 1 mer wieder neue Ansammlungen, die von der Polizei zerstreut werden mußte«.