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Anzeiger fürs^

Vmmu Stadt und Land

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Nr. 123

KreUa« de«

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. > Bei unverschuldetem Ausfall der Liefemng infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aüs Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.,Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956, 3957,3958

29. Mai

1931

Der Siratosphärenftug gegwE

Landung am Gnvglev Serner

Die Koeschev wohlauf - Die Expedition evsolgveich

Äh«^ thwy&^ww

* Nach Mitteilungen von zuständiger Stelle dürfte sich das Reichskabinett bereits am heutigen Freitag mit der Notverordnung befassen.

Die Reichstagsfraktio n der Deut­schen Dolkspartei ist von ihrem Vorsitzenden für kommenden Montag zu einer Aussprache über die politische Lage einberufen worden.

Die von der Reichsregierunq eingesetzte' Gut- achterLommission zur Arbeitslosen­frage hat gestern ihre Arbeiten beendet. In der Schlußsitzung dankte Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald namens der Reichsregierung den Mit­gliedern der Kommission für die mühevolle und schwere Arbeit, bie sie zu leisten hatten. Das dritte Gutachten der Kommission über die Arbeitslosen­hilfe ist fertiggesiellt und bedarf nur noch des re­daktionellen Abschlusses. Voraussichtlich wird, das neue Teilgutachten der Reichsregierung im Verlaufe der nächsten Woche überreicht werden.

Die von der Sozialdemokratischen Partei und von den Kommunisten geplanten Gegenkund­gebungen gegen den Stahlhelmtag in Breslau sind von der Polizei wegen der Gefahr eines Zu-

Gestern empfing Reichsarbeitsminister Stegerwald im Auftrag des Reichskanzlers eine Vertretung des Reichs bundes der Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familien E, V., die den Wunsch aussprach, daß bei unvermeidbaren harten allgemeinen Maßnahme" auf die Kinderreichen Rücksicht genommen werden möge. Der Reichsarbeitsminister erklärte, daß die Reichsregierung die Kinderreichen bestimmt nicht vergessen werde, auch dann nicht, wenn im Augen­blick manche Wünsche nicht verwirklicht werden könnten.

Der Präsident des Haager Schi edsGe­richtshofes hofft, daß das Gutachten über die Zollunion noch vor Ende August er­stattet wird.

Einem Pariser Telegramm derNewyorker Times" zufolge, glaubt man in Bankkreisen zu­verlässig zu wissen, daß man unmittelbar nach Chequers die B. I. Z. ersuchen werde, Deutschlands Zahlungsfähig­keit durch einen beratenden Ausschuß prüfen zu lassen. Der angebliche Plan einer Anleihe von 500 Mill. Dollar wird als undurchführbar bezeich­net. Ebenso wird ein Moratorium als unwahr-' scheinlich erachtet.

* In Dresden begann gestern der große B e - trugsprozeß Uralzew und Gen.

*

Der Philologentag in Hamburg hat gestern eine Resolution zur bevorstehenden Ge­haltskürzung angenommen, in der es u. a. heißt, daß ein erneuter Angriff auf dre Beamten­gehälter nicht mehr tragbar sei. Die Gehaltskür­zung werde auch für die unteren Gehaltsgruppen dadurch nicht erträglicher, daß eine stärkere Be- laftunn der mittleren und höheren Gruppen erfolgt.

* In der französischen Sammer hatte sich gestern Briand gegen Angriffe Franklin- Bouillons wegen ferner Haltung m Genf zu verteidigen. * x

Aus Wien wird amtlich mitgeteilt: Das z w eite E r e d i t - A n st a l t - G e f e tz wurde heute vom Nationalrat beschlossen. Durch dieses Gesetz ist die Regierung ermächtigt, für der Credit-Anstalt ge­währte Kredite die Haftung des Bundes als/^urge und Zahler zu übernehmen. Ein Ermachigtunggilt sowohl für neuzugewährende als auch für die Pro­longierung bereits bestehender Kredite.

Ein englisches Abendblatt hat vor einigen Tagen die Möglichkeit angedeutet, Henderson könne es vorziehen, sich den bevorstehenden We­sp r e ch u ng e n zwischen den deutschen Ministern und dem britischen Premierminister in Cheg uer fernzuhalten. Obwohl es überflüssig erscheinH emer derartigen absurden Vermutung entgegenzutretLN, kann aufgrund maßgebender Information englischer Seite mitgeteilt werden, daß derartige Annahmen jeder Grundlage entbehren.

Näheres stehe im politischen Teil.

16 CCC m als neuer SSbenvetord

Innsbruck. 28. 7Nai. Die Sorgen um das Schicksal der beiden Forscher Professor Piccard und Ingenieur kipfer waren unnötig: beide Herren sind heute wohlbe­halten auf dem Gurgler Eisgletscher angetroffen worden. Piccard sah sich gestern abend bei Einbruch der Dunkelheit veranlaßt, seine Rekordfahrt vor Ueberfliegung der Oehkaler Gletscher zu beenden. Die Landung erfolgte auf dem Großen Gurgler Cis- ferner, zwar an einer sehr kritischen Stelle inmitten von Gletscherspalten, un­gefähr 150 Meter unterhalb der allen Karlsruher Hütte, aber ziemlich glatt. Apparat und Instrumente sind unversehrt gebieben; lediglich die Kleider der beiden Forscher sind zerrissen.

Der erste Augenzeuge, der den Ballon Piccards auf seiner abenteuerlichen Fahrt im Oetztal verfolgt hat, ist der Wirt vom Gasthof zur Post in Sölden. Er benchtek, daß der Ballon Piccards Mittwoch abend etwa 20.30 Uhr in genau nördlicher Rich­tung in etwa 45000 Meter Höhe das Oetztal hinauf in Richtung auf dem Gurgler Ferner flog, der von Sölden aus durch den Rölder Kogel ver­deckt ist. Der Ballon war so deutlich im Abend- sonnenschein sichtbar, daß man genau die schwarze und die weiße Hälfte der Gondel bei der Drehung im Winde unterscheiden könnet. Kurz nach 21 Uhr verschwand der Ballon unter dem Grat des Rölder Kogel. Diese Zeitangabe stimmt genau mit der von Vent aus gemachten Beobachtung des Ballons und den Angaben Piccards überein.

Der Oberlehrer^ Falkner, der Schullehrer Gstrchn,

0Augsburg

Landsberg

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KOCHEL-SEE

... ------- ------a, erreichten um 11 Uhr als erste die Landungsstelle des Ballons am Ferner. Prof. Piccard und fein Assistent Ingenieur Kipfer befanden sich bereits außerhalb der Gondel und waren im Begriff, auf die Felsen hinaufzusteigen. Die Bergungsmannschaft machte sie jedoch schon zeitig auf die Gefährlichkeit dieses Aufstiegs auf­merksam und begaben sich zu ihnen hinunter auf den Gletscher. Sie labten dann die beiden Forscher, die an starkem Durst litten, mit Tee und gaben ihnen Lebensmittel. Die Forscher hatten selbst noch einen geringen Rahrungsmilkelvorrat.

Piccard erklärte Falkner bei der Be­

Prof, gegnung. gobniffen rekord

er sei sehr zufrieden mit den Er. des Flugs. Er habe einen Welthöhe- von 16000 Meter erreicht. Die

Vroß. Oieeard erzählt

Aevvliche Sahet in Vee

StvaiosvbSve"

Innsbruck, 28. Mai. Piccard hat sofort nach seinem Eintreffen in Obergurgl eine Reihe Drah­tungen abgesandt, die über "den Verlauf des Fluges interessante Aufschlüsse geben. Aus diesen Telegrammen wird u. a. entnommen:

herrliche Fahrt in der Stratosphäre, haben die gewünschte Höhe erreicht und dort gearbeitet, konn­ten erst nach «Sonnenuntergang die Stratosphäre verlassen, Landung in 2700 Meter Höhe, hatten große Schwierigkeiten und konnten erst 21 Uhr niedergehen, sind wohl und gesund, haben Vio Atmosphäre erreicht, Abstieg sehr schwierig, muß- ten 16 Stunden in der Stratosphäre bleiben, glück­liche aber harte Landung.

Snievview mit Prof. Piccard

Gurgl im Oetztal, 28. Mai. Professor Piccard hatte die Liebenswürdigkeit, einige Zeit nach seiner Ankunft in Gurgl dem Münchener Vertreter des WTB., der als erster Journalist in Gurgl eintraf, eine Unteredung zu gewähren. Er nahm die Glück­wünsche zu seinem gelungenen Vorstoß in die Stratosphäre sichtlich erfreut entgegen und schilderte dann anhand seiner in kleinen Notizbücher nieder­gelegten Fahraufzeichnungen die Ergebnisse seines Fluges, soweit sie ihm wissenschfatlich besonders be­merkenswert erschienen. Dabei wies Professor Piccard darauf hin, daß ein Teil der Apparate gut funktioniert hatte, daß aber auf die Verwendung eines anderen Teils der Apparate, wie vorauszu­sehen, verzichtet werden mußte.

Die haupkmessung, auf die der Forscher den größten Wert legte, nämlich die Messung der durch die kosmischen Strahlen erzeugten Leit­fähigkeit der Gase, ist, wie Professor Piccard betonte, vollkommen gelungen, jedoch nur in sehr großen Höhen, was dadurch veranlaßt wurde, daß der Ballon äußerst schnell stieg. Er hatte in 25 Minuten bereits eine Höhe von 15 Kilometern erreicht, also viel schneller, als ur- sprünglich beabsichtigt.

Piccard erklärte weiter: Durch einige technische

mitgenommenen Apparate hätten alles genauestens registriert. Verwundert war Piccard, zu hören, daß man ihn für verunglückt und sogar für tot gehal- ten hat.

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X Landungsstelle

Karte des Kreuz- und Querflugs von Augsburg bis zum Gurgl-Gletscher

Fragen, die auf den Ballon bezug hatten und uns während des Aufstiegs vollauf beschäftigt haben, haben wir die Hauptmessung erst in 15 Kilometer Höhe anfangen können. Die größte Höhe von 16 Kilometer wurde nach den Aufzeichnungen Professor Piccards, wie er auf Befragen weiter mitteilte, be­reits um 7.45 Uhr erreicht. Der äußere Luftdruck be­trug um diese Zeit 76 mm (also ungefähr/io atmosphärischen Drucks), nachdem kurz vorher 77 mm gemessen worden waren.

Auf die Bestimmung der Flugroute hat Pro­fessor Piccard keinerlei Wert gelegt, da er mit Dr. Kipfer vollauf mit wissenschaftlichen Messungen be­schäftigt war. Hie und da hat er die Triftbestimmung vorgenommen. Die seitliche Geschwindigkeit betrug im Durchschnitt etwa 15 Sekundenmeter. Piccard verglich mit großem Interesse seine wenigen Auf­zeichnungen über die Beobachtung der Flugroute mit den verschiedenen Standortbestimmungen, die von der Erde aus vorgenommen worden waren. Aus der Gondel selbst konnte immer nur ein ganz kleiner Ausschnitt der überflogenen Landschaft wahrgenom­men werden, was eine genaue Bestimmung des Standortes vom Ballon aus unmöglich machte. Der Mond erschien wesentlich heller als bei Beobachtung vom Erdboden aus. Das Relief der Berge gewährte einen überwältigenden Eindruck.

Auf die Frage, weshalb Professor Piccard die ausgezeichnete Landemöglichkeit in Oberbayern und im Inntal, besonders in Innsbruck, nicht ausgenutzl habe, erwiderte der Forscher, daß es nicht möglich war, das Ventil zu ziehen.

Er hätte sonst unbedingt die Landung gegen 11 Uhr vormittags im Lechtal vorgenommcn, weil er dort sehr gute Landegelegenheit seststellte. Die Signale des Flugplatzes Innsbruck haben die Balloninsassen überhaupt nicht wahrgenommen, so daß auch dort eine Landung unterblieb.^Erst in den Abendstunden war es Professor Piccard möglich, zur Landung zu schreiten, die nach seinen eigenen Aufzeichnungen um 20.52 Uhr erfolgte. Zu diesem Zeitpunkt war er in der Lage, nachdem der innere Druck der Gondel durch Ablassen von Sauerstoff in Uebereinstimmung mit der Außenluft gebracht war, die Mannlöcher zu öffnen.

Die Temperatur in der Stratosphäre betrug außerhalb der Gondel 55 bis 60 Grad unter

Rull, im Innern der Gondel herrschte infolge der Sonnebestrahlung eine ziemlich hohe Tem­peratur, zeitweise bis zu 41 Grad über Rull.

Von außerordentlicher Wichtigkeit für das Gelingen des Fluges hat sich die kluge. Voraussicht des For­schers erwiesen, nicht, wie ihm angeraten war, nur eine Sauerstofslasche, sondern den doppelten Sauer­stoffvorrat mitzunehmen. Professor Piccard erklärte hierzu: Ich treffe für alle wichtigen Unternehmun­gen Vorsichtsmaßregeln und hatte daher zwei Sauerstoffapparte mitgenommen, obwohl mir die Lieferfabrik mitgeteilt hatte, daß die Sauerstoff­flaschen mit absoluter Sicherheit funktionieren.

Daß wir zwei Apparate mitführen, hat uns zweifellos gerettet, denn wir hatten bei der Landung nur noch für eine Stunde Sauerstoff mit.

Die Landung selbst hat sich, wie Professor Piccard zum Schluß der Unterredung mitteilte, glatt vollzogen. Die Gondel rollte einige Male, kam dann aber schnell zum Stillstand. Bei der Landung hatten wir noch 350 Kg. Ballast an Bord, also ' wesentlich mehr als wir beabsichtigt hatten. Wir hätten aber nicht riskieren können, Ballast in größeren Mengen abzugeben, da wir dadurch wieder in größere Höhen getrieben worden wären und unter allen Umständen beabsichtigten, wegen der Abnahme des Sauerstoffoorrats so schnell als möglich zu landen. Erst im letzten Augenblick gaben wir stärker Ballast ab, um ein zu starkes 'Huffeben der Gondel zu vermeiden.

* ' bet

________ _____ chten mit dem frühen Morgen über den Gletscher hinun­ter zu kommen. Dies erwies sich aber als unmög­lich, so daß sie um 9 Uhr aufbrachen, um in den Felsen seitlich des Ferners den Abstieg zu versuchens Sie hatten sich hierzu mit einem der Seile des Ballons in doppelter Seilfidjerung' angefeilt und trafen dann in den Felsen auf die Hilfsexpedition.

Heute abend war Professor Piccard und sein Assistent Ingenieur Kipfer mit den mittlerweile in Gurgl eingetroffenen Vertretern der Behörden und der Presse in engerem Kreise beisammen und gab weitere Einzelheiten über seine Fahrt bekannt.

Besonders bemerkenswert ist noch, daß Professor Piccard nur ein einziges Mal Signal gegeben hat, und zwar ein Signal, was sich als außerordentlich glücklich erwiesen hat, nämlich, als er im Oetztal der Lichter des Ortes Gurgl ansichtig wurde. Dieses Signal mit einer Taschenlampe ist in Gurgl be­merkt worden und hat dazu geführt, daß am Vor- Ä die Rettungsexpedition zur Hilfeleistung für or Piccard aufgebrochen ist.

Zur Erleichterung der Atmung auf der Fahrt wurde sowohl Kohlensäure absorbiert wie Sauer­stoff zugegeben. Der Preßsauerstoff, der mitgeführt wurde, betrug 750 Liter.

Mit Lebensmitteln war Prof. Piccard nicht sehr gut ausgerüstet, insbesondere wurde angesichts der langen Fahrtdauer der Mangel an Getränken stark empfunden. Der Forscher erzählt hierzu noch im kleinen Kreise, daß er froh war, das durch die Kon­densierung des Atmens in der Innenwand der Kabine herabströmende Wasser trinken zu können und daß ihm niemals ein Getränk besser geschmeckt hak, als nach der Landung das geriebene Gletschereis mit etwas Orangen­schalen vermischt.

Dvelmal vergeblicher Landttttssverfuch

Wien, 28. Mai. Piccard gewährte dem Vertreter des österreichischen Pressedienstes ein kurzes Inter­view, worin er sowohl über die Fahrt wie über die Landung berichtete. Die Absicht der Forscher, in den ersten Nachmittagsstunden zu landen, konnte wegen der zu starken Sonnenbestrahlung nicht aus' geführt werden, weshalb man bis zum Sonnen­untergang wartete. Ueber dem Gugler-Ferner fei dreimal ein Landungsversuch gemacht worden, ohne daß man einen geeigneten Platz gefunden habe. Man entschloß sich daher, auf dem Eisberg nieder­zugehen, und die Landung sei um 10 Uhr bei voller Dunkelheit vollkommen glatt erfolgt, wobei' der Ballon mit der Gondel nur sacht aufstieß. Die Luken seien schon früher geöffnet worden und durch die Slusstieglucke der Gondel, die in einer Gletscher­palte stecken geblieben war, stiegen dann die For- cher aus. Obgleich sie sich in einer Wüste befanden, verloren sie nicht ihre gute Stimmung, da sie auf menschliche Hilfe rechneten. Darin hätten sie sich nicht geirrt und sie verdankten ihre Rettung dem heldenhaften Lehrer Fllkner. Während Piccard elbft den Ballon führte, hätte Kipfer wichtige

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