Saturn Giadi und Land
1931
Douuerstas den
28. Mak
Nr. 122
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Anzeiger Mr^
Oiecards GchLBsal ungewiß
Piceavds Ballon trieb gestern abend über den Tiroler Alpen
Heute vormittag
Uesen keine Nachrichten über das Schicksal Piccards vor
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* Um das Schicksal des Professors Piccard ist man sehr besorgt, da heute vormittag noch keine Meldung von einer Landung vorliegt. Man weiß nicht, ob die beiden Forscher noch am Leben sind.
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* Der Kanzler machte den Sozialdemokraten positive Zusagen in der Brotpreissrage, auch stellte er eine Herabsetzung der Getreidezölle in-Aussicht.
Im Landtag von Thüringen wurde ein Antrag der Linken angenommen, nach dem die von Dr. Frick erlassene Verordnung „wider die Negerkultur — für deutsches Volkstum" wieder aufgehoben wird. Ferner wurde ein Antrag der Sozialdemokraten angenommen, zu verhindern, daß Staatsämter durch rechtsradikale Parteien zur Propaganda gegen den Staat benutzt werden.
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Wegen Vorbereitung zum Hoch- und Landesverrat wurden in D e u t s ch - E y l a u die Kommunisten Brolifowski, Schönhoff und Prèuß verhaftet und im Amtsgericht Rosenberg (Westpreußen)
-Nau befürchtet das Schlimmste
Soch keine Nachricht von einer Landung
Bis Redaktionsschluß liegt keine Rachricht von einer Landung des Stratofphären-Vallons des Prof. Piccard vor. Heute morgen 9 Uhr wurde gemeldet, daß der Ballon gestern abend 9.15 Uhr in etwa 5000 Meter höhe über dem Oehtal gesichtet, und daß er dann auf ita- lienisches Gebiet getrieben worden fei. Seitdem liegen keine Meldungen mehr vor.
Bereits gestern nachmittag verstärkten sich die Befürchtungen um das Schicksal der beiden Insassen des Höhenforschungsballons, da bis zum Einbruch der Dunkelheit der Ballon zwar gesichtet worden war, aber keine Anstalten für eine Landung erkennbar waren. Rach seinen eigenen Aussagen vor dem Start glaubte Piccard bereits mittags um 1 Uhr wieder gelandet zu sein. Die Mitteilungen über den Sauerstoff- und Lebensmittelvorrat an Bord widersprechen sich. Zunächst wurde von einem Sauerstoffapparat für 12 Stunden, später Heute morgen befürchtet man das Schlimmste.
Die Konferenz für die Beschränkung der
Her-
ent- und
hielten, dem Beispiele Scheringers zu folgen gleich ihm in die rote Armee einzutreten.
richtet "zu haben, Sie’ den Mief des ehemaligen Leutnants Scheringer und die Aufförderung
stellung der Rauschgiftmittel, ist gestern in Genf unter dem Vorsitz des belgischen Senators de Broucker zusammengetreten. Es sind 52 Staaten vertreten, darunter Deutschland durch Frei- Hern von Rheinbaben. Die>Konferenz hat darüber zu beraten, durch welche praktischen Maßnahmen die Limitierung der Rauschmittelproduktion vorgenommen werden soll.
Die österreichische Regierung teilt amtlich mit: Wie bereits gemeldet, hat die Bundesregierung mit den ausländischen Finanzgruppen über neue Kredite zur Sicherung der Rekonstruktion der Credit- Anstalt Verhandlungen geführt. Um die Gewährung dieser Kredite zu erleichtern, bringt die Bundesregierung morgen im Nationalrat eine Gesetzesvorlage ein, in welcher die Uebernahme der Haftung des Bundes für solche neuen Kredite vorgesehen ist.
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Die deutsche und die ungarische Delegation für die Handelsvertrags- Verhandlungen sind gestern in Berlin zusammengetreten. Die diesmaligen Besprechungen haben zum Ziele, zunächst die prinzipiellen' Grundlagen für den Ausbau des zurzeit geltenden provisorischen deutsch-ungarischen Handelsabkommens vom Jahre 1920 zu erörtern.
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In Bukarest wurde die Agrarkonferenz der Balkan st aaten in Anwesenheit der Abgesandten und der diplomatischen Vertreter der Balkanländer eröffnet. Der Vorsitzende der bulgarischen Abordnung, Sakisoff, hielt die Begrüßungsrede.
von einem Vorrat für zwei Tage gesprochen.
Oke letzte« Meldungen
Innsbruck, 28. Mai. wie der Sonderbericht, erstattet des W. T. B. erfährk, hat die Gendarmerie- station Sölden, dèx höchstgelegene Posten der Oetz- taler-Alpen heute früh um 9 Uhr gemeldet, daß der Piccard-Ballon gestern abend um 21 Uhr, also vor genau 12 Stunden etwa 5000 Meter
stand der Ballon über Venk im hintersten Oehlal und muß dann zwischen dem Rölerkogl und Storkkogl die österreichische Grenze in Richtung Italien überflogen haben. Es ist anzunehmen, daß demnach der Ballon gestern abend die Slubbaier-Alpen noch glücklich überflogen hat und sich aus italienischem Gebiet befindet. Es ist dies aber das weit gefährlichere Gletschergebiet der Oetztaler-Alpen mit 4000 Meter hohen Gipfeln und abgrundtiefen Rissen. Seit dieser Zeit fehlt jede Rachricht.
Innsbruck, 28. Mai. Der zur Verfolgung des Fluges von Piccard entsandte Vertreter des Süddeutschen Korrespondenzbüros meldet, daß es endlich um 8.36 Uhr früh gelungen sei, die direkte
geben oder aber, daß dieForscherdenihnen völlig unbekannten Verhalln issen der Stratosphäre erlegen sind und der Ballon irgendwo treibt oder in unwegsamen Geländen niedergegangen ist, so daß seine Auffindung Tage beanspruchen könnte. Die Flugwetterwarte Innsbruck hat ebenfalls keine Rachrichl. Man ist der Meinung, daß der Ballon noch frei treibt oder in den Alpen verloren ist. Rach Auskunft der Fluga
Luftvavvat für zwei Lage
Augsburg, 27. Mai. Zu den austauchenden Be' fürchtungen, daß Piccards Luftvorrat in der verschlossenen Metallgondel nur für 12 bis 15 Stunden reichen würde, teilt die Ballonfabrik Riedinger auf Anfrage mit, daß Piccard nicht nur Lustvorrat, sondern auch Lebensmittel für mindestens zwei Tage an Bord hat.
â Viecavd tot?
Ein Mitglied des Berliner Büros der United
Verbindung mit Bozen und Merane zu erhalten. In Bozen ist die Erkundigung negativ verlausen. Piccards Ballon ist nicht gesichtet worden. Weiter ging das Gerücht, daß der Ballon über Merane gesehen worden fei. Die Wetterstation Merane be-
preß hat gestern nachmittag in einem Interview mit dem Inhaber des Welthöhenrekords für Ballon- flüge, Prof. Berson folgende Aeußerung halten: „Obwohl ich die Hoffnung hege, daß
er-
halten: „Obwohl ich die Hoffnung hege, daß alles mit Piccard in Ordnung ist, befürchte ich das Schlimmste. Wenn beide f o t sind, müssen sie
ftätigfe auch auf Anfrage, daß der Ballon gestern Rächt 22 lltjr in sehr geringer Höhe über Lana,, 10 Kilometer südlich von Merane, im Oetzkale gesehen worden sei. Man hatte den Eindruck, daß er sich anschicke, zu landen. Auch diese Rachrichl stellte sich auf Erkundigung in Lana als falsches Gerücht heraus. In Lana ist nicht das Geringste über eine Sichtung oder Landung des Ballons bekannt. Nachdem bis zur Stunde, 8.45 Uhr, keine neue Sicht-
bereits vor mehreren Stunden gestorben sein. Aus Grund der technischen Vorbereitungen, die Piccard 1930 traf, habe ich mich Freunden gegenüber geäußert,, daß der Stratosphärenflug ein Selbstmord- versuch sei. Ich könnte verstehen. wenn sich Piccard mit seinem Ballon acht bis zehn Stunden in der Höhe gehalten hätte, doch kann nach einem Fluge von 16 Stunden fast sicher mit einem Unglück gerechnet werden
Dev Lahrtvevlaus
Meldungen vorliegen, muß man wohl annehmen, daß der Ballon entweder in den Stubaier oder Oeh- laler Alpen gelandet ist, ohne daß die Forscher bisher Gelegenheit halten, ihre Landung besannt zu
Aus der Fülle der Meldungen über die Beobach- tung des Ballons lassen wir die wichtigsten folgen:
München. 27. Mai. Von den Vertretern der „Reuen
Augsburger Zeitung", die den
Der gestrige Schlichtungsversuch des französischen Arbeitsministers im Tèxtilarbeiter- st r e i k ist gescheitert. Die Delegierten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gehen von ihrem Standpunkt nicht ab. Der Streik geht also weiter. Der Arbeitsminister will jedoch seine Bemühungen um einen Ausgleich fortsetzen.
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* Briand hat seine Demission zurückgezogen. Der Ministerrat hat seine Haltung in Genf gebilligt.
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Der französische Abgeordnete Franklin- Bouillon hat gestern nachmittag in der Kammer eine Interpellation eingebracht, m bet die Notwendigkeit betont wird, sofort den Außenminister zu ersetzen, „dessen Methoden die französische Politik in Genf zu neuen Mißerfolgen geführt haben, und deren Wirkungen im Innern eine ständige Bedrohung der Mehrheit der matiovalen Einigung sind".
Das am Dienstag in der Ostsee während der russischen Flottenmanöver gesunkene Unterseeboot konnte, wie aus Helsingfors gemeldet wird, noch nicht gehoben werden.
U-*) Näheres stehe im politischen Teil.
Flug
Prof. Piccard-Brüssel
Rechts: Funkbild vom Aufstieg des Stratosphärenballons
Piccards im Kraftwagen verfolgen, erhalten wir um 11.50 Uhr folgenden Bericht: Unsere Fahrt ging von Augsburg zunächst nach Krumbach, hier wurde der Ballon um 6 Uhr gesichtet. Um 7 Uhr erschien er über Kaufbeuren, zwischen 8 und 8.30 Uhr über Kempten. Dann schlug er westliche Richtung ein. Es ist anzunehmen, daß er in der langen Zeit zwischen 7 und 8.30 Uhr, die der Ballon zur Zurücklegung der kurzen Strecke zwischen Kaufbeuren und Kempten brauchte, in die Stratosphäre aufgestiegen ist. Dann ging der Flug^über Memmingen, Leutkirch, Ravensburg und Friedrichshafen. Es ist anzunehmen, daß der Ballon nunmehr die Wolkenschicht, die sich nach Schätzung Sachverständiger in einer Höhe von 10 000 bis 15 000 Meter befindet, durchstoßen hat. Zurzeit ist der Ballon außer Sicht. Er treibt vermutlich in westlicher Richtung auf das Rheintal zu, so daß man annehmen kann, daß die Landung entweder dort oder in den Ausläufern der Vogesen stattsm- den wird. Nach Angaben Piccards wollte er zwischen 11 und 1.3 Uhr landen, doch erklärte er noch kurz vor dem Aufstieg, daß er, wenn die Verhältnisse günstig seien, drei Stunden sich in der Stratosphäre aufhalten wolle.
Augsburg, 27. Mai. In den späten Vormittagsstunden trafen keine weiteren Standortmeldungen mehr ein, da Höhenwolken offenbar den Ballon der M- Nach privaten Mitteilungen um die Mittagsstunde war der Ballon von der bäuerlich- württcmbergischen Grenze wieder in nordöstliche Richtung getrieben worden. Zwischen 13 und 14 Uhr wurde der Ballon in etwa 8000 Meter höhe über Schongau (30 Km. westlich des Würmsees) gesichtet.
Partenkirchen, 27. Mai. Gegen 14.30 Uhr wurde der Ballon Piccards ganz überraschend in der Gegend von Partenkirchen gesichtet. Er war in außerordentlich großer höhe als winziger Heller Punkt, zuweilen von Cirruswolken verdeckt, deutlich zu beobachten. Anscheinend treibt der Ballon in westlicher Richtung. Zuletzt stand er über dem Ettaler Mandl.
Wien, 27. Mai. Wie aus Innsbruck gemeldet wird, wurde der Ballon des Professors Piccard gegen 17.15 Uhr in einer höhe von 4- bis 5000 Mtr. von Seewald in Tirol aus gesichtet. Er schwebte über dem Wettersteingebirge in kleinen Kreisen und kam offenbar nicht von der Stelle. Es schien, als ob er in eine windstille Zone geraten sei. Um 17.30 Uhr ging er auf 3000 Meter herab und bewegte sich langsam nach Osten. Später stieg er wieder in größere Höhe und wurde gegen das Oberinntal abgetrieben/Um 20.15 Uhr wurde die in der Sonne glänzende Kugel noch gesehen.
Es machte den Eindruck, als schwebe der Ballon führerlos dahin; bald stieg er, bald senkte er sich herab. Er bewegt sich zur Zeit in der Richtung auf Innsbruck, und zwar wieder in einer Höhe von etwa 3000 Meter
Gegen 22.30 Uhr wurde der Ballon zum letztenmal gesehen. Er verschwand dann über einer Wolkendecke, und man nimmt an, daß er inzwischen die italienische Grenze überflogen Hal.
Bozen, 28. Mai. Der Sonderberichterstatter des w. T. B. teilt mit, daß um 7 Uhr früh — das Schicksal Professor Piccards und seines Be- gleilers noch vollkommen in Dunkel gehüllt ist. Rach der letzten Sichtmeldung um 22.20 Uhr über Bozen, die aber noch von keiner Seite bestätigt ist, fehlt von dem Ballon jede Rachrichl. Ls ist daher nicht einmal mit Sicherheit anzunehmen, ob er diesen Weg eingeschlagen hat oder etwa bereits ilm Stubbai-Tal niedergegangen ist.
Innsbruck, 28. Mai. Die Flugwellerwarte Innsbruck nimmt auf Grund der letzten Wettermeldungen an, daß der Ballon, wenn er in der lctzkgemeldeten Sichthöhe von 3000 Metern geblieben ist, noch weiter südlich oder südöstlich in die Gegend von Trient abgetrieben ist.
Innsbruck, 28. Mai. Die Flughafenleitung Innsbruck teilt mit, daß sie gestern abend durch Abschuß von Raketen Verbindung mit dem Ballon gesucht hat, die Raketensignale von dem Ballon aber nicht beantwortet wurden.
Innsbruck, 28. Mai. Entgegen anderslautenden Meldungen teilt die Flughäfenleitung Innsbruck mit, daß Lichtsignale zum Ballon Piccard vonfFlug- Hafen aus wohl gegeben worden find, ohne jedoch irgendwie beantwortet worden zu fein.
Oke heutige Nnmmev umfaßt 13 Seiten