wmi Stadt und Land
1931
2S. Mar
Mittwoch de«
M. 121
Off stillt täglich mit Ausnahme der Som- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat 3ÖL1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg.. im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. ✓ Qffertengebühr 50 R-pfg.
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ✓ Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aäf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung deS Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. / Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956,3957,3958
ÄnzsLger für>
Ium Gtvaiosphäventtug seftavtet
* Professor Piccard ist heute früh kurz vor 4 Uhr in Augsburg zu seinem Stra - tospHärenflug gest artet.
Der Kanzler hat sich über den Zsitpunkt der Veröffentlichung der neuen Notverordnung noch nicht entschieden. Man rechnet auf spätestens Mitte Juni.
Wie wir erfahren, wird Reichsminister Dr. Curtius im Kabinett über die Genfer Tagung berichten; auch der Reichspräsident wird den Reichsaußenminister wahrscheinlich heute zum Vortrag über die Ergebnisse der Verhandlungen des Europaausschusses und des Völkerbundsrates empfangen. Im Mittelpunkt der politischen Beratungen dieser Woche wird die neue Notverordnung stehen, deren endgültige Redaktion eilt; denn sie soll vor dem Besuch des Kanzlers und des Reichsaußenministers in Chequers abgeschlossen sein. *
Der geschäftsführende Präsident des Völkerbundsrates Pr. Curtius hat die Völkerbundsversammlung zu Montag, den 7. September, einberufen.
Nach einer Meldung, die der „Deutschen Tages- zsstung" aus Schneidemühl zugeht, hat der Schul- strälk, der in Schwetz gegen den polnischen .Religionsunterricht der deutsch-evange- j lkfchcn Kinder entstnnden^P insofern zu einem Er-
gegeben hat, daß dort, wo die Eltern unbedingt darauf bestünden, den deutschen Schulkindern evangelischen Beienntisses der Religionsunterricht in der deutschen Muttersprache zu erteilen fei.
In Wiener Meldungen über die auch während der Pfingstfeiertage fortgesetzten Verhandlungen zur Sanierung der O e st e r r e i ch i s ch e n Creditanstalt war auch von einer Beteiligung deutscher Großbanken an der Bereitstellung von Mitteln die Rede. Wir wir dazu von unterrichteter Seite hören, entbehren diese Behauptungen jeder Grundlage.
♦
Die in Toulouse zu ihrem Jahreskongreß zusammengetretenen ehemaligen Frontkämpfer und Kriegsverletzten haben eine Entschließung angenommen, in der der Völkerbund und die Europäische Union, das allgemeine Schiedsgerichtsverfahren, die Abrüstung und die Völkerannäherung begrüßt werden.
♦
Das polnische Kabinett ist zurück- getreten.
Eine gestern erschienene Bekanntmachung der Fascistischen Partei gibt Richtlinien für die S ch a f - fung neuer Fasci, der Frauen-Fasci, denen jede italienische Frau beitreten kann, die das 22. Jahr erreicht hat. Die Frauenfasci werden anschließend an die männlichen Organisationen gegründet, haben eine ähnliche Führerorgamsatwn und dieselbe Disziplin. *
Aus Lourenco-Marques kommt die Meldung, daß in Portugiesisch-Ostafrika die Revolution ausgebrochen sei. Genaueres ist nicht zu erreichen, ebenso wenig laßt sich die Richtigkeit dieser Nachricht bisher feststellen.
♦
Der Textil arbeit erstreik in R o u - bair-Tourcoing hat, wie die „Information meldet, weiter an U m f a n g z u g e n o m m e n. Die Vorarbeiter und das Aufsichtspersonal der Textilwerke haben sich der Bewegung angeschlossen.
*
Ministerpräsident Stauning erklärte anläßlich der Nachricht aus Oslo, der norwegische Eismeer- ausschuß habe die vorweg. Regierung aufgefordert, die von Norwegen kolonisierten Teile der Ost kü st e von Grönland unter norwegische Staatshoheit zu st e l l e n , einem Pressevertreter yegen'-ber wenn die Norweger die Staatsoberhoheit über Djtgron- land verlangen würden, dann wurde mark sofort beim Völkerbund gegen Norwegen Klage erheben.
•
In einer Synagogedes ostgalizischen Dorfes Nowosiolka (Polen) wurde gestern nacht e ine Granate zur Explosion gebracht Der Altar und ein Teil der Einrichtungen wurden^ zerstört. Die drei Täter — es soll sich um Kommunisten handeln — sind flüchtig.
I__*) Näheres siehe im politischen Teil. -
M« Viccav- hat heute -vüh seine« M in 16000m Höhe ««getreten
Augsburg, 27. Alai. Da die Hochdruckwetterlage anhält, hat Professor Piccard von Brüssel heute früh gegen 3 Uhr mit seinem Riesenballon den geplanten und immer wieder verschobenen Flug ist die Stratosphäre in 16 000 Meter Höhe angetreten. Sein Begleiter ist der Physiker Sipfer-Brüssel.
SUtiLDieie ,&üDeK | lammen von dem mMluckten Statt Piccards Mitte Sepremver o. Js. Links: Prof, mng Piccard nimmt Proviant in feiner Gondel — eine Aluminium- Kugelgondel — auf. Rechts: Alles t bereit! Aber der Ballon wollte damals nicht in die Luft.
Augsb ur g, 27. Wai. Professor Piccard ist heute , früh 3.56 Uhr zu seinem Slratofphären- Ballonflug glatt gestartet. Bei fast windstillem Wetter erhob sich der Ballon ohne jede Schwierigkeit und schlug die Richtung nach Rordost ein. Mit der Füllung des Ballons war bereits gestern um 23 Ahr begönnen worden. Ilm 3 Ahr war der Ballon startbereit. Die Ballonfüllung beträgt wieder- um ein Siebtel gleich 2200 Kubikmeter.
Trotz der frühen Worgenstunde hatten sich etwa 1000 Zuschauer eingefunden. Die Absperrung auf dem Flugplatz wurde sehr streng durchgeführt, so daß selbst die Pressevertreter nicht an die Gondel herantreken durften. Am 3.20 Uhr bestieg Piccard mit seinem Assistenten Ingenieur Kipfer die Gondel, die nach kurzer Verabschiedung verschlossen wurde. — Der Ballon fliegt wiederum unter schweizerischer Flagge.
Der Aufstieg vollzog sich fast ohne jede Kundgebung. Piccard glaubt, daß der Ballon in größerer Höhe die Richtung nach Südwesten ändern wird.
Augsburg, 27. Wai. Entgegen dem im September mißglückten Start vollzog sich diesmal der erste Teil des so viel besprochenen Slratosphären- Fluges Prof. Piccards schnell und glall. Der Ge- lehrte hatte gestern den ganzen Tag über mit seinem Witarbeiter, Ingenieur Kipfer, an den Vorbereitungen gearbeitet und sich nur kurze Zeit Ruhe gegönnt. Als um 23 Uhr mit der Füllung des Riesen- ballong begonnen wurde, war die Gondel schon fertig verproviantiert und wissenschaftlich ausgerüstet. Um 3 Uhr war alles startbereit. Fast regungslos stand der riesige birnenförmige Ballon, der genau dieselbe Füllung wie beim ersten Startversuch (2200 ebm — Vt des Verfassungsvermogens) er- Halten hat über dec silbernen Alluminiumkugel, von zahlreichen Tauen gehalten. Die Absperrung um den Ballon war diesmal auf das strengste durchgefuhrl. Rur die oberste Werkleitung und die aus Schupoleuten und Arbeitern der Ballonfabrik bestehende Slartmannfchaft waren um die Gondel beschäftig«.
RüMsW x dev volttischett Kesrevutts
Warschau, 26. Mai heute nachmittag fand eine Sitzung des Minisierrales statt, in der der Beschluß gefaßt wurde, daß die Gesamtregierung die Demission einreichen wird. Der Staatspräsident hat die Demission des Gesamtkabinetts angenommen. Die bisherige Regierung wurde beaustragt, die Geschäfte bis zur Bildung des neuen Kabinetts weiter, zuführen.
Der plötzlich erfolgte Rücktritt der Regierung des Obersten S'l awek, die seit dem 4. Dezember v. im Amte steht, hat hier nicht überrascht. Schon seit Wochen,will man in eingeweihten Kreisen wissen, daß sich Slawek mit Demissionsabsichten trage, um wiederum die Leitung des Regierungsblocks im Sejm zu übernehmen! Die schwere finanzielle Lage des Staates sowie die Schwierigkeit, innerhalb des Kabinetts in der Frage der Kürzung der Beamten- UHd Offiziers gehalten zu einer Einigung zu gclan-
WWW
Wan sah Prof. Piccard im grünen Sporlanzug, eine, Zipfelhaube auf. dem Kopfe, die letzten Anweisungen erteilen und um 3)4 Uhr schlüpfte er mit Ingenieur Kipfer in die Gondel, die alsbald hermetisch geschlossen wurde. Um 3 Uhr 55 Win. erfolgten kurze Kommandoworle, unmittelbar darauf erhob sich der Ballon unerwartet schnell vor den Augen der ziemlich überraschten Zuschauer in die Luft. Erst als er über dem Fabrikgelände schwebte, erfolgte laules Händeklatschen. Der Ballon schlug zunächst nordwestliche Richtung ein, drehte dann aber in etwa 1000 Weter höhe nach Südosten und glänzte wie eine weiße Kugel in der Worgensonne. Er blieb lange dem unbewaffneten Auge sichtbar und schwebte etwa 1)4 Stunde nach dem Start am südöstlichen Horizont in schätzungsweise bereits 5000 Weter höhe und etwa 3 Kilometer Entfernung. Wan rechnet nach den eigenen Angaben Piccards mit einem etwa siebenstündigen Flug.
Augsburg, 27. Wai. Um 7.30 Uhr war der in Fahrt befindliche Ballon dem unbewaffneten Auge an leicht bewölktem Horizont noch deutlich sichtbar. Dann entschwand er den Blicken. Der Ballon hat seine Richtung von Südost nach Süden geändert. Wan schätzt die gegenwärtige Entfernung (7.30 Uhr) des Ballons vom Startplatz aus auf 10 Kilometer und die höhe auf 7—800 Weter.
Augsburg. 27. Wai. Piccards Ballon wurde im Laufe des Vormittags in verschiedenen, in der Rähe liegenden Orten in beträchtlicher höhe als kleine silberne Kugel gesichtet, so u. a. in Kempten 8.15 Uhr und etwas später über Lindau am Bodensee.
Sn 12 CM Meiev Höhe
Augsburg, 27. Wai. Rach Mitteilung von ballonsachoerständiger Seite hat Professor Piccard mit seinem Ballon, soweit man seinen Flug verfolgen konnte, die Grenze der Eirruswolken bereits überschritten und damit eine Höhe von 10—12 000 Weter erreicht.
gen, haben zweifellos die Amtsmüdigkeit Slaweks gesteigert.
Als vermutlicher Nachfolger Slaweks gilt der bisherige Handelsminister Oberst P r y st o r, der ebenso wie der bisherige Ministerpräsident zum Kreise der engsten Vertrauten des Marschalls Pilsudski zählt. Prystor, der im rüheren Kabinett das Portefeuille für soziale Fürsorge innegehabt hat, hat nach dem Maiumsturz bei der Neu- arganisierung der polnischen Armee dem Marschall Pilsudski als Personalreferent des Heeres hilfreich zur Seite gestanden.
G-wketvuMche Oemon- sttratwne« gegen Finnland?
Helsingfors, 27. Wai. Wie die finnische Telegraphenagentur meldet, hat gestern kur; noch 17 Uhr ein sowjetrussisches Willär-Flugzeug in einer Höhe von 2000 Metern die Stadt helsingfors überflogen. Ferner wurde eine sowjetrussische Flolille etwa 20 Meilen südlich von Helsingfors bemerkt.
Genf odev OeefaiUed ?
iér
Die großen Genfer Tagungen interessieren oft weniger durch die Probleme, welche von ihnen behandelt werden, als durch die Wieder- spiegelung der allgemein-politischen Situation, die sie stets zu bringen pflegen; diesmal waren jedoch Rats- und Europa-Tagung sowohl durch wichtige Programme als auch dadurch gekennzeichnet, daß diese Genfer Zusammen- kiinfte ein sehr klares Bild der europäischen politischen Lage im Beobachter zurucklassen. Will man dieses Bild mit einem Wort umschreiben, so muh man feststellen, daß sich am Beispiel der Zollunion erneut und mit besonderer Deutlichkeit das Fortbestehen der Ver- sailler Geisteshaltung zeigt, und daß der Ausspruch Dr. Curtius von den „Staaten minderen Rechtes" leider nicht nur für einen gewissen Fall in der Zukunft, sondern für die tatsächliche Gegenwart zuzutreffen scheint.
Trotz des zwölfjährigen Bestehens des Vol- kerbundes kommt es leider auch heute in der internationalen Politik nicht nur auf das Recht und auf die guten Argumente an; denn beide waren in den Debatten am Ratstisch uni) in der Europakommission auf Deutschlands und Oesterreichs Seite. Obschon sich auch unsere Gegenspieler darüber klar sein dürften, daß der Wirtschaftsvertrag zwischen Deutschland und Oesterreich nicht gegen das Genfer Protokoll von 1922 verstoßen kann, und obwohl sie nicht vergessen haben, dah der Völkerbund srat vor fünf Jahren ausdrücklich seinen iüiitplie» dern den Abschluß besonderer wirtschaftlichr- Abkommen mit Oesterreich nahelegte, hat man dennoch den Haager Gerichtshof befragen zu müssen geglaubt: Nicht, um dem Recht zum Siege zu verhelfen, sondern um Zeit zu gewinnen, und um diese Zeit zu anderen, politischen Druckmaßnahmen zu benutzen. Obschon während der zahlreichen Sitzungen der Europakommission kein einziges wirtschaftliches Argument gegen den in seiner Einfachheit einleuchtenden deutsch-österreichischen Grundgedanken einer europäischen Neuorganisierung „von unten her", d. h. durch allmähliche Verbreiterung der Wirtschaftsgebiete, geltend gemacht werden konnte, hat dennoch die Europakommission eine Unzahl von neuen Ausschüssen eingesetzt, die hauptsächlich die Ideen des französischen „Gegenplanes" diskutieren werden, — abermals, um Zeit zu gewinnen. Dabei hat man diese wirtschaftlich unhaltbaren französischen Ideen im Einzelnen sogar erheblich kritisiert, und man ist auch im Innersten fest davon überzeugt, daß ihre Diskussion in den verschiedenen Ausschüssen in den nächsten Monaten keine brauchbaren Ergebnisse für die wirtschaftliche Neuordnung unseres Kontinentes bringen wird: Das alles hat dennoch die Einsetzung dieser Ausschüsse nicht im Geringsten verhindert, ja, es wäre sogar zur Schaffung des politisch gefährlichsten dieser Ausschüsse, des sogenannten österreichischen Komitees, gekommen, menn nicht hier die Oesterreicher selbst im letzten Augenblick gegen solche unerwünschte „Hilfe" überdeutlich protestiert hätten.
Man sieht, die Entscheidungen des Völkerbundsrates und der Europakommission sind
gegen das Recht und gegen die guten Argumente gefällt worden; dabei waren nicht nur Frankreich und die Tschechoslowakei auf der „anderen Seite", sondern auch die übrigen Staaten der Kleinen Entente, Rumänien und Jugoslawien, sogar England und Italien, von denen man diese Haltung am wenigsten erwartet hatte. Kein Staatsmann außer dem deutschen und dem österreichischen Außenminister hat in Genf ein gutes Wort über die Zollunion gesagt; im Gegenteil, der jugoslawische Vertreter hat im Rat sogar den beiden deutschen Staaten „Prestigepolitik" vorgeworfen, und Briand und Benesch haben sich ausdrücklich vorbehalten, nach dem Spruch des Haager Gerichtes nochmals die Zollunionsfrage vor dem Völkerbundsrat zu besprechen, — und zwar dann von ihrer politischen Seite her. Gewiß kann man sagen, daß ein solches Vorhaben durch ein dem deutsch-österreichischen
Nie heutiae Kummer umfa-t 10 Sekte«