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Nr. 116

AlMwoch den 20. Mai 1931

Settel

lassen. Durch Postkarte wurde er später nach Frankfurt a. M. in eine Pension in der Rhein­straße bestellt. Hier wurde er von dem angeblichen Morgel mit einemIng. Dr. Börner" bekannt- gemacht. Auf Verlangen übergab der Bewerber seine Originalzeugnisse und 300. RM Anzahlung auf die Kaution. Am 1. Juni 1931 sollte der Be- Werber angestellt und der Rest bezahlt werden. In Gießen erfuhr der Geschädigte, daß er einem Schwindler in die Hände gefallen sei. In der Frankfurter Pension haben beide Täter nur 4 Stunden gewohnt. Der angebliche Morgel ist etwa 45 Lahre alt, korpulent, trägt Schnurbart, hat auf der rechten Seite einen Goldzahn und spricht badi­schen Dialekt. Der angebliche Dr. Börner ist etwa 30 Jahre alt, 1,70 Mtr. groß, schlank, glatt rasiert, spricht hochdeutsch. In Gießen sollen sich etwa 80 und in Frankfurt a. M. etwa 30 Bewerber gemel­det haben, von denen die Täter sich nur die kau- tionsfähigen Personen aussuchten.

Tödlicher Absturz

Bensheim a. d. B., 19. Mai. Während eines Ausflugs der hiesigen Ortsgruppe des Reichsban­ners Schwarz-Rot-Gold nach dem Dorstein bei Reichenbach, an dem der 41jäif;rige Tüncher Lorenz Gichheimer teilnahm erklomm dieser den dort be­findlichen beträchtlich hohen QuarzfelsenBorstein", stürzte ab und verletzte sich tödlich. Seine Familien­angehörigen, die ihn erst beim Weitermarsch ver­mißten, fanden ihn mit gespaltenem Schädel bewußt­los auf. Im Bensheimer Hospital, wohin der Ver- imglückte verbracht worden war, konnte nur noch ber Tod festgestellt werden.

Freispruch in einem politischen Prozß

Worms, 19. Mai. Das Erweiterte Schöffen­gericht verhandelte am Dienstag gegen 14 National­sozialisten und ein Mitglied des Reichsbanners. Den Nationalsozialisten wurde zur Last gelegt, in der Nacht zum 14. September 1930 sich in Osthofen bei Worms zusammengerottet und eine Gruppe Sozialdemokraten überfallen zu haben. Der Ange­klagte d'Angelo sollte den Ueberfall organisiert und im Verlauf desselben einen Zeugen mit einem ge­fährlichen Instrument körperlich mißhandelt haben. Der Reichsbannermann Boller war der gefährlichen Körperverletzung des Mitangeklagten Valentin Lottermann beschuldigt. Die Zeugenaussagen reich­ten zu einem Strafantrag des Staatsanwaltes nicht us. Das Gerich erkannte deshalb mngels Beweises auf Freisprechung aller Angeklagten. '

Die neue deutsche MaeZne

Nach dem Stapellauf des PanzerschiffesA

Mit dem Stapellauf des neuen Panzerschiffs, das vom Reichspräsidenten auf den Namen Deutschland" getauft wurde, ist die kleine deutsche Reichsmarine um ein hochwertiges Schiff bereichert worden. Es wird zwar nicht das größte Schiff un­serer Flotte sein, wohl aber dank seiner modernen technischen Einrichtungen den grüßtenGefechts­wert" haben. Immerhin werden bis zur Indienst­stellung noch mindestens eineinhalb Jahre vergehen, weil der Einbau der Maschinen, die Errichtung der

\ Aufbauten und der Einbau der zahlreichen tech­nischen Hilfsmaschinen und Apparate bei jedem MW größeren Schiff längere Zeit erfordert.

n ! Potte in den vier alten Linienschiffen, die noch alle

[. i der Vorkriegszeit stammen und erst ganz allmählich / durch die nach dem Versailler Vertrag als Höchst- M grenze zugelassenen Panzerschiffe von 10 000 Ion» nen Wasserverdrängung ersetzt werden können. Das unmodernste dieser Linienschiffe die alteHannover" wird bereits im Herbst dieses Jahres aus dem Dienst gezogen, wenn am 8. Oktober der neue Kreuzer Leipzig", der vor Jahresfrist von Stapel gelaufen ist, einrangiert wird.

Außer der neuenLeipzig" besitzt die Reichs­marine vier moderne Kreuzer, nämlichEmdens Köln",Karlsruhe" undKönigsberg", die in den Jahren 1925 bis 1929 erbaut wurden, sowie einem älteren KreuzerBerlin".

Zur eigentlichen Flotte gehören ferner 12 moderne Zerstörer, die in den Jahren 1926 bis 1928 erbau wurden, ferner 14 alte Torpedoboote aus der Vorkriegszeit (Baujahr 1907 bis 1912).

Da unsere Flotte weder U-Boote noch Flugzeug­mutterschiffe haben darf, ist damit die eigentliche Kriegsflotte" bereits erschöpft. Zur Marine ge­hören jedoch eine Anzahl weiterer Fahrzeuge, die in erster Linie technischen Aufgaben dienen. An erster Stelle ist hier ein Vermessungsschiff, der bekannte Meteor", zu nennen. Weiter gehört zur Flotte ein Segelschulschiff, drei Fischereischutzboote, fünf Artillerieschulboote, vier Tender, zwei Versuchsboote für technische Versuche, 20 Minensuchboote, die noch aus der Kriegszeit stammen, ferner drei kleinere Vermessungsfahrzeuge für die Küstenaewässer (so­genannte Peilboote) 14 U. Z.-Boote (Bewachungs­fahrzeuge) und schließlich 22 Sperrübungsfahrzeuge zur Bewachung von Sperrgebieten.

Wie klein die deutsche Flotte in Wirklichkeit ist, ergibt sich aus einem Vergleich mit den gegenwär­tigen Flotten der anderen Mächte. England besitzt zur Zeit 16 Linienschiffe, vier Schlachtkreuzer, 54 Kreuzer, 8 Flugzeugmutterschiffe, 16 Flottcllen- führer, 134 Zerstörer, 54 Unterseeboote neben tau­senden von kleinen Hilffahrzeugen, nicht viel ge­ringer ist die amerikanische Flotte, deren Schiffe zum Teil noch moderner sind. Frankreich besitzt neun moderne Linienschiffe, 17 Kreuzer, 1 Flugzeug­mutterschiff, 9 Flotillenführer, 58 Zerstörer, 7 Tor­pedoboote und 52 Unterseeboote.

Aus aller Welt.

Aankvaub ht tVanne-Äickol

Wanne-Eickel, 19. Mai. Drei mit Pistolen be­waffnete gutgekleidete Personen drangen beute in der ersten Nachmittagsstunde in die Geschäfts­räume der Commerz- und Privatbank, Zweigstelle

Eickel, ein. Die Räuber fesselten die anwesenden beiden Bankbeamten mit Stricken, sperrten sie so­dann in einn Nebenraum ein und raubten Geld­beträge in Höhe von 17 000 RM. Die geraubte Summe bestand aus 45000 RM Hartgeld, der Rest aus Papiergeld. Die Einbrecher haben das Geld in vier dunkelbraunen Aktentaschen fortge­schafft. Die Ausführung der Tat hat etwa 20 Mi­nuten gedauert. Die Täter entkamen. Einer von ihnen hatte kurz vor der Tat in der Zweigstelle holländische Gulden gewechselt. Die Bank hat für die Ergreifung der Räuber 1000 RM Belohnung ausgesetzt.

En amevKanr-ches Bandtteuftück in âvakan

Zwei Universilätsprofessoren in eine Falle gelockt und beraubt

8 tat au, 19. Mai. Am Montag mittag wur­den die Krakauer Universitätsprofessoren Dr. Keller und Dr. Glatzel von drei eleganten Burschen auf höchst raffiniert« Weise nach ganz amerikanischem Vorbild entführt. Der Professor Dr. Keller, ein Do­zent bei der Krakauer Universität und berühmter Frauenarzt, wurde nach der Siegmund-Augusi- Straße 5 gerufen, um dort eine dringende Operation vorzunehmen. Als er die fremde Wohnung betrat, wurde er von drei Banditen empfangen, von denen einer ein« Maske frug. Mit vorgehaltenem Revolver wurde er gezwungen, an den Professor Dr. Glatzel ein Schreiben zu richten, worin dieser durch ihn zur Teilnahme an der Ope­ration aufgeforberf wurde. Einer der Banditen frug das Schreiben zu dem Professor Glatzel hin und brachte diesen auch in die Wohnung in der Siegmund-August-Straße. hier wurde nun Dr. Glatzel gezwungen, einen Brief an seine Frau zu richten, in dem Frau Glatzel aufgesorderl wurde, ihrem Manne sofort 4000 Dol­lar zu bringen. Frau Glatzel begab sich auch gleich darauf nach ihrer Bank und hob dort von ihrem Konto die 4000 Dollar ab. 3n der Bank hatte man ihre große Erregung wahrgenommen. Die Direktion schickte ihr darum einen Angestellten nach. Aber sowohl Frau Glatzel, als auch der Bank- angeffellfe fielen in die Hände der Banditen, die außer den 4000 Dollar noch 150 Zloty sich aneignen konnten. Alsdann wurden die Aeberfallenen ge­fesselt. Die Banditen sagten ihnen, sie würden die Schlüssel der Wohnung dem Dienst­mädchen von Professor Glatzel bringen. Dieses würde sie dann aus der mißlichen Lage befreien. Eine« der Banditen brachte auch lafiächlich die Schlüssel in die Wohnung des Professor Glatzel. Inzwischen hatte sich jedoch einer der Gefesselten zum Teil seiner Fesseln entledigen können. Er hatte eine Fensterscheibe eingeschlagen und bald darauf die Polizei alamiert, die sofort telephonisch das Dienst­mädchen warnte. Als nun der Verbrecher mit den Schlüsseln erschien, rief das Mädchen sofort um Hilfe. Der Bandit flüchtete. Der alarmierte Por­tier hatte aber sofort affe" Hauseingänge ver­schlossen, worauf der Bandit über die Dächer flüch­ten wollte. Hier wurde er aber von einem Poli­zeiposten wahrgenommen, der andere Polizisten zu Hilfe rief. Es kam zu einer Schießerei. Als der Verbrecher sah, daß er gegen die Vebermacht nichts ,tz»<^r> -können,^n^r üw eine Lu«Q in die Brust. Er wurde in schwerverletztem Zustande nach dem Spital gebracht. Die Polizei fand bei ihm das gesamte geraubte Geld.

Sie Suftvlc-AsfSve vor dem Sbevsien Gerichtshof

Paris, 19: Mai. Dor dem Senat in seiner Eigen­schaft als Oberster Gerichtshof begann heute das Verfahren gegen die in die Oustric-Affäre verwickel, ten politischen Persönlichkeiten, den ehemaligen Mi­nister Peret, den früheren römischen Botschafter V e s n a r d und die beiden ehemaligen Unterstaats- fetretäre Vidal und Favre. Noch selten waren die Bänke des Senats und die Tribünen so gefüllt, wie bei Beginn der Gerichtssitzung. Genevalftaots- anwalt Scherdlin verlas die Anklage-Erhebung, ein umfangreiches Dokument, in dem Peret beschuldigt wird, bei der Börsen -E inführu ng der Sma-Biscosa- Aktien in seiner Eigenschast als Finanz- und Justiz­minister einer Gesellschaft, die er hatte überwachen müssen, bândere Vergünstigungen gewährt zu haben. Den übrigen drei Angeklagten wird Mithilfe bei diesem Vergehen zur Last gelegt. Der General­staatsanwalt beantragte eine ergänzende Unter­suchung, da die von der Kammer vorgenommene Prüfung des Falles nicht objektiv gewesen sei und den Angeklagten die Akten zugänglich gemacht wor­den seien, was gesetzlich nicht richtig sei. Der Ver­teidiger Perets wandte sich gegen diesen Antrag und verlangte die ununterbrochene Weiterführung der Verhandlung, da die juristische Grundlage der gan­zen Affäre nicht standhielle und das angebliche Ver­gehen Perets überhaupt nicht existiere.

Nachdem Peret anschließend in bewegten Wor­ten seine Unschuld beteuert hatte, ergriffen der Reihe nach die Verteidiger der übrigen Angeklagten das Wort, um ebenfalls die angeblich durch nichts begründeten Anschuldigungen zurückzuweisen und gegen die Arbeiten der Unterfuchungskommission zu protestieren. Nach einstündiger Beratung nahm der Gerichtshof den Antrag des Generalfwatsan- walts an und beschloß, eine ergänzende Unter­suchung anzuordnen. Die Sitzung wurde auf un­bestimmte Zeit vertagt.

Selbstmord Adolf Mannheimers

Berlin, 19. Mai. Der frühere Inhaber der vor einiger Zeit aufgelösten Berliner Konfektionsfirma V. Mannheimer Adolf Mannheimer hat sich heute nachmittag im Büro des früheren Geschäftshauses in der Jägerstraße wegen wirtschaftlicher Schuneng- keiten erschossen. Mannheimer hatte seinen Wohn­sitz zuletzt in Magdeburg.

«SS Ruse von einer SMveckensinkel Die ganze Bevölkerung an Beri-Beri erkrankt

Wie aus Kapstadt gemeldet wird, ist mit der Ankunft des französischen DampfersAustral" in Durban ein Transport von rund 80 Menschen ge­landet worden, die an Bord des Schiffes genom­men wurden, nachdem aus der von ihnen bevölker­ten Insel mehr als ein Drittel aller Einwohner unter jämmerlichsten Qualen an Beri-Beri ver­storben waren. Es Handeft sich um Einwohner der Kerguelen-Gruppe, einer Reihe von Inseln, die zu Frankreich gehört. Auf diesen Inseln will man die neuen Strafkolonien anlegen, die sicherer fein sollen als Guyana.

Der DampferAustral" befand sich hier auf der Sealjagd, als er von der St. Pauls-Insel einen dringenden Funkspruch erhielt, sofort die Insel an­zulaufen. Die Rufe wurden durch das SOS- Zeichen unterstrichen.Austral" lief sofort die Pauls-Insel, die größte der Kerguelen-Gruppe, an und fand dort von 132 Einwohnern 36 bereits im Sterben. Alle waren an Beri-Beki erkrankt. Uebri- gens auch 22 Europäer. Der Gesundheitszustand war derart, daß der Kapitän des Schiffes nicht die Möglichkeit sah, im einzelnen helfen zu können. Er befahl daher die vollkommene Räumung der Insel. Ein Teil der Einwohner wurde zur Insel Réunion gebracht, während die übrigen. nach Afrika mitgenommen wurden. Eine gan.ze Anzahl Erkrankter war schon gestorben, ehe oder kurz nachdem dieAustral" in St. Paul anlief.

Es handelt sich bei der Massenerkrankung, die auch noch zahlreiche Todesfälle nach sich ziehen wird, um eine radikale Form der Beri-Beri, also der Avitaminose, die bei allen Betroffenen schwere Nervenentzündungen im Gefolge hatte. Diese Form der Erkrankungen soll nicht nur auf den Kerguelen, sondern auf fast allen südindischen und antarktischen Inseln beobachtet worden fein, so daß man auch für bie voraussichtliche neue französische Strafkolonie mit ähnlichen Krankheiten rechnet, zu­mal die beobachtete Form nicht von dem entschäl- ten Reis zu kommen scheint, sondern auf einen an­deren. noch nicht ermittelten Vitaminmangel zu­rückzuführen ist.

Schlangenbiß im Restaurant

Berlin, 19. Mai. In einem Automatenrestaurant an der Joachimsthaler Straße wurde gestern abend ein Engländer, der 40jähvig« Kaufmann de Mcm- cha, von einer südeuropäischen Giftschlange, die ein Student Schöttler in seiner Mappe bei sich trug, in den Finger gebissen. de Mancha wurde sofort nach dem Krankenhause geschafft. Wie sich der Vor­fall im einzelnen abgespielt hat, bedarf noch der Aufklärung durch die Kriminalpolizei. Man hofft, bei de Mancha die Folgen des Schlangenbisses zu beseitigen, ohne daß ernstliche Störungen zurück- bleiben. Lebensgefahr scheint für den Gebissenen nicht mehr zu bestehen.

Schweres Autounglück Zwei Tote

ko bürg 19. Mai. Ein schweres Autounglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen, er­eignete sich heute vormittag in dem Dorf Oberfüll, bach bei koburg. Der nahezu vollbesetzte Wagen vermochte die Anhöhe am Ausgang des Dorfes nicht zu nehmen, fuhr beim versuch des Chauffeurs, den kleinen Gang einzuschalten, rückwärts und stürzte um. Von den Insassen wurden die Gast- wirtsaattin Carl aus Groß-Garnfladt und die Gast. Wirtsfrau Stade aus Altenfeld getötet. Verletzt wurden der handlungsreisende Reich aus Erfurt, eine Näherin aus Koburg und eine Landwirlsehe- ftau aus Grotz-Garnsiadt.

Schlägerei in der Bottropper Stadtverordneten­sitzung.

Bottropp, 19. Mai. In der heutigen Stadtver­ordnetensitzung wurde ein kommunistischer Stadt­verordneter wegen ungebührlichen Verhaltens von der Sitzung ausgeschlossen. Er weigerte sich, den Saal zu verlassen und sollte deshalb von der Poli­zei gewaltsam entfernt werden. Das war das Signal für die Kommunisten. Mit Stuhlbeinen rückten sie gegen die Beamten vor und schlugen auf sie ein. Im Verlaufe der wüsten Schlägerei wurden zwei Polizeibeamte leicht verletzt. Die ver­stärkte Polizei räumte schließlich den Saal unter Anwendung des Gummiknüppels. Eine kommu­nistische Ansamlung auf der Straße wurde von der Polizei zerstreut.

Maßnahmen gegen die belgischen Giftgase

Brüssel, 19. Mai. Nach einerSoir-Meldung haben die Bürgermeister von Dugrée und Tilleur im Auftrag des ständigen Ausschusses der Provinz Lüttich je eine Fabrik im Gebiete ihrer .Gemeinde schließen lassen, weil sich im Maastale giftige Gase bemerkbar machten. Die Direktoren der beiden be­troffenen Fabriken wandten sich beschwerdeführend an den Minister für Arbeit und Industrie mit dem Hinweis daraus, daß sie in ihren Betrieben gerade daran arbeiteten, Verbesserungen einzuführen, durch welche die giftigen Gas« unschädlich gemacht wür­den.

Schloß durch Erdrutsch verschüttet

Paris, 19. Mai. In der bei Tours gelegenen Ortschaft Mars,la-Bile wurde ein Schloß durch einen Erdrutsch teilweise nerfchüttet. Zwei Diener und ein als Gast auf dem Schlosse weilender ameri» konischer General wurden unter den Trümmern be­graben. Man nimmt an, daß sie ums Leben ge­kommen sind.

Flugzeugabsturz.

,.J».AA. Zwec âazeuge der «ng- kischen Luftstreitkräfte sind heute mittag bei Uebun­gen über dem Moray Firth zusammengestoßen. Die Apparate stürzten ab, und die beiden Flieger wur­den auf der Stelle getötet, wodurch sich die Zahl der Verluste der englischen Luftstreitkräfte in diesem Jahre auf 45 erhöht.

Dev letzte -König dev Aschantis gestorben

Nana Prempeh, der letzte selbständige Herrscher des heute unter britischem Protektorat stehenden westafrikanischen Negerreichs der Aschantis, der 1896 von den Engländern abgesetzt und nach den Sey­chellen verbannt worden war, ist dieser Tage in der Landeshauptstadt Kumassi gestorben. Er hatte im Jahre 1894 denGoldenen Stuhl", den Thron der Aschantis, bestiegen und sich den Königstitel bei« gelegt. Nana ist nur eine Höflichkeitsbezeichnung, Die Fürst und Häuptling bedeutet, und Prempeh nur die prosaische Bezeichnung für einen stämmigen dicken Kerl. Kurz nach seiner Thronbesteigung ent­schloß sich die britische Regierung, den blutigen Stammeskriegen der Aschantis ein Ende zu machen. Den äußeren Anlaß zur Intervention boten die grausamen Menschenopfer der Achantis, die dem bösen Geist" dargebracht wurden, um sein Wohl­wollen zu erkaufen. Mjährlich wurden dort 600 unglückliche Sklaven abgeschlachtet. Eines Tages be­setzten die britischen Truppen Kumassi, Hieben die großen Fetischbäume, die den Opserplatz umsäum­ten, um und .zwangen König Prempeh, sich der Kö­nigin Viktoria zu unterwerfen. Er wurde gefangen- gesetzt und später nach den Seychellen verbannt, wo er 28 Jahre lang ein behagliches Leben führte. Di« Dielen Hunderte von Weibern, die er mit in die Verbannung genommen hatte, schickte er samt und sonders nach Hause, als er sich zum Christentum be­kehrte und sich, wie er sagte,anschickle, im Zy- lindechut zur Kirche zu gehen". 1924 wurde dem König dann erlaubt, als Privatmann nach dem Aschantireich zurückzukehren, und zwei Jahre später wurde er als Oberhäuptling des jftimassabezirks von den Engländern bestätigt. DerGoldene Stuhl" war nach der Niederlage Prempehs verschwunden und wurde erst 1921 wiedergefunden, als er bei den Schachtarbeiten für eine neue Straße 120 Kilo­meter nördlich von Kumassi aus der Erde zutage gefördert wurde.

Devetzte- Vevsammlungen.

T. F. E. (Hockey). Heute abend 8.30 Uhr Spieler­sitzung betr. eines gemeinsamen Ausfluges. 715 Turn- unb Fecht-Club. Donnerstag Leicht­athletiktraining in Wilhelmsbad. Freitag abend 9 Uhr wichtige Besprechung in der Turnhalle. 716 Gesangverein der Marienkirche. Die morgige Chorstunde wird in der Marienkirche ab gehauen. Es wird gebeten, pünktlich 8.15 Uhr und vollzählig zu erscheinen wegen Pfingstvorberei­tungen. 714 Kirchenchor Kefselstadt. Wegen unsrer Mitwir­kung am Pfingstsonntag muß alles zur Stelle sein. Liederbücher nicht vergessen. 717

rtttndfunk-pvosvamm

Mittwoch, 20. Mai 1931

5.55: WettermÄdung. Anschließend Morgen­gymnastik. 7.308.30: Don Bad Orb: Frühkonzert. 10.2010.50: Schulfunk. 11.50: Schallplatten, konzert. 14: Werbekonzert. 15.20: Stunde der Ju­gend. 16.30: Nachmittagskonzert. 18.15:Modernes Gift", Vortrag. 18.45: Esperanto-Unterricht. 19.10: Nachrichtendienst. 19.15:Neuerungen auf dem Ge­biet der Sozialfürsorge seit 1928", Vortrag. 19.45: Balalaika-Kongert. 20.30: Von Breslau : Reichs­sendung:Das ist Schlesien". 22: Von Karlsruhe: Bilderbuch ohne Bilder. 23: Nachrichtendienst.

AmtÜHe Nekanntmaümnge«.

Bekanntmachung

Auf Grund des 8 4 Abs. 1 der Abgabenordnung über die Erhebung von Vorausleistungen für die Wegeunterhaltung hat der Kreisausschuß in seiner Sitzung vom 15. Mai 1931 den Einheitssatz für jeden beförderten Bruttotonnenkilometer auf 4 Pfg. für das Rechnungsjahr 1931 festgesetzt.

Hanau, den 18. Mai 1931.

Der Vorsitzende des Kreisausschuffes Kaiser, Landrat.

Bekanntmachung

Der Landwirt Wilhelm Ruppel VII. in Mittelbuchen beabsichtigt, auf seinem in der Ge­markung Mittelbuchen, Grundbuch Band 9, Blatt Nr. 102, Hauptstraße 14, belegenen Grundstück ein Schlachthaus mit Wurstküche einzurichten und zu benutzen. .

Gemäß § 16 der Reichsgewerbeordnung wird dieses Dorhcâen zur öffentlichen Kenntnis gebracht.

Einwendungen find binnen einer Frist von 14 Tagen, vom Tage des Erscheinens dieser Bekvnnt- inachung im Hanauer Anzeiger an gerechnet, beim Unterzeichneten schriftlich in zwei Exemplaren ober zu Protokoll auf Zimmer 16 des Kreishaufes Hanau anzubringen. An dieser Stelle liegen wäh­rend der vorbezeichneten Frist die Zeichnung und Beschreibung des geplanten Unternehmens während der Dienststunden von 712.30 Uhr und von 1417.30 Uhr zur Einsicht aus.

Nach dem Ablauf dieser Frist können Einwen­dungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Zur mündlichen Erörterung der etwa erhobenen Einwendungen wird Termin âuf

Samstag den 6. Juni d. I., 10 Uhr, im Zimmer Nr. 16 des Kreishauses, Hainstr. 10, anberaumt.

Zu derselben werden der Unternehmer und die etwa Widersprechenden mit der Warnung oorge- laden, daß auch im Falle ihres Ausbleibens mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen wer­den wird. 14

Hanau den 19. Mai 1931.

Der Vorsitzende des Kreisausschuffes. I. D.: Fitt«