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He. 116

Mittwoch de«

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20. Mai

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Stapettauf des neuen Panzerschiffes

Hittdenbttvs tauft das Schiff auf den NamenDeutschland" - Eine eiudvuBsvolle Rede des Reichskanzlers

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* Der Völkerbundsrat hat in geheimer Sitzung dem britischen Außenminister Henderson die Uebernahme des Vorsitzes aus der Ab- rüstungskonserenz angeboten. Henderson hat sich zur Uebernahme des Vorsitzes bereit erklärt.

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* Jm Genfer Dölkerbundsrat kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Dr. Cur­tius und dem Serben Marinkowitsch, der Deutsch­land der Machtpolitik und der Friedensstörung be­zichtigte. Der Völkerbundsrat nahm einstimmig Hendersons Antrag auf Ueberweisung der Zollunion an den Haager Schiedsg«. richtshof an.

Vor einigen Tagen wurde in München auf dem Speicher eines Mietshauses im Nordwesten der Stadt ein Waffenlager entdeckt und be­schlagnahmt. Das Lager, das nach den poli­zeilichen Ermittlungen für k o m m u n i st i s ch e Umsturz zwecke bestimmt war, bestand aus einem Maschinengewehr, mehreren Jnsanteriege- wehren und einigen Kisten Munition. Festgenom­men wurden acht Personen. Gegen fünf Personen' die der KPD. angehören, ist Haftbefehl wegen Vor­bereitung zum Hochverrat erlassen worden.

'Ne t $5 tag s fr a f H an ist für Donnerstag nachmittag zu einer Sitzung einberufen worden, in der über die politische Lage, insbesondere über die Entwicklung in der Brotpreisfrage, beraten werden soll. Am Mittwoch nachmittag hält der Vorstand der Zentrumsfraktion des Reichs­tags eine Sitzung ab, in der gleichfalls zur gegen­wärtigen politischen Lage Stellung genommen worden soll. *

Eine vom Ortsausschuß Berlin des ADGB. einberufene Betriebsrätekonferenz hat in einer einstimmig angenommen Resolution die allgemeine Durchführung der 40-Stunden-Woche oder der 5-Tage-Woche mit Lohnausgleich und mit der Maßgabe gefordert, daß in freiwerdende Ar­beitsplätze Arbeitslose eingestellt würden. Auch eine Betriebsräteversammlung der AfA-Organisationen stellte die Forderung der 40-Stunden- bzw. 5-Tage- Woche, sowie die Vermeidung aller Ueberstunden. Der zunächst etwa eintretende Lohn- und Gehalts­verlust werde späterhin durch gewerkschaftliche Er­folge wieder auszugleichen sein.

Wie die Pressestelle des oldenburgischen Staatsmmisteviums mitteilt, wird der Landtag zum 10. Juni einberufen.

Die österreichische Regierung hat ein für die Selbstschutzverbände und ähnliche Organi­sationen im ganzen Bundesgebiet vom 31. Mai bis auf weiteres geltendes allgemeines Aufmarschverbot erlassen.

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Die Zahl der Arbeitslosen in England ist gegenüber der Vorwoche um 2675 Personen ge­stiegen. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen beträgt nunmehr 2 532 511.

Das englische Unterhaus hat gestern am späten Abend den konservativen Antrag auf Ablehnung des Etatsgesetzss mit 270 gegen 230 Stimmen abgelehnt und das Gesetz selbst in zweiter Lesung angenommen.

Der belgische Postminister Fort­homme ist zurückgetreten.

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Die Nankinger Regierung beschloß, 40 Handelsflugzeuge, die mit leichten Ma­schinengewehren versehen werden sollen, bei einer britischen Firma zu bestellen.

Wie Havag aus Lissabon berichtet, soll die portugiesische Regierung, um Zwischen­fälle zu vermeiden, beschlossen haben, die Frei­maurerloge Großer Orient zu schließen. Das Gebäude dieser Vereinigung wird von Poli­zei bewacht.

In Roubaix, Tourcving und Umgegend wurden di« streikenden Textilarbeiter gestern auf neun Zehntel der Gesamtbelegschaft ge­schätzt. Zu Zwischenfällen ist es, abgesehen von einem leichten Zusammenstoß in Roubaix zwischen Sozialisten und Kommunisten, nicht gekommen.

) Näheres stehe im politischen Teil.

Die Melev Mt

Wie bereits kurz gemeldet, fand gestern auf den Deutsche» Werken in Siel in Gegenwart des Reichspräsidenten v. Hindenburg der Stapellauf des ersten n'enen deutschen Panzer­schiffesDeutschland" statt. Rach einer Rede des Reichskanzlers Dr. Brüning sprach Reichspräsident v. Hindenburg folgenden Taufspruch:Und nun gleite in dein Element und ziehe hinaus auf das weite Meer! Tue dort deine Pflicht und Schuldig­keit. Zeugnis abzulegen von deutscher Arbeit und deutschem Können, zum Schutze des Vater­landes! Halle deine Flagge stets rein und hoch in Ehren! Dann wirst du deines Ramens immer würdig fein, den ich dir nun gebe: du solltDeutschland" heißen

DieDeutschland" gleitet in ihr Element

Kiel, 19. Mai. Vom frühen Morgen an eilte eine östlich geschmückte Menge der Werft zu, um dem eierlichen Akt beizuwohnen. Aus ganz Deutschland trömten Kolonnen von Kraftwagen den Deutschen Werken zu. Von der Stadt her schleppte eine kleine Armada von Barkassen und Fährdampfern, bis zum Sinken beladen, die Menschen an das Ostufer des Hafens hinüber. Ueber das weite Werftgelände drängte sich der Menschenstrom zu den hohen Tri­bünen, die bald eine buntbewegte Masse von nicht weniger als 56 000 Zuschauern aufnahmen. Auf der großen Haupttribüne sammelten sich die offiziellen Gäste, die Herren mit den hohen schwar­zen Hüten zwischen den Gala-Zweimastern der Marineoffiziere und den hellen Kleidern der Damen.

Kindenbuvg trifft ein

Alles blickte empor zu dem girlandengeschmückten stählernen Riesenleib des neuen Schiffes, das sich zwischen den Tribünen erhob. Gegen 11 Uhr ver­kündeten Kanonenschüsse die Ankunft des Reichs­präsidenten im Hafen. Im selben Augenblick dröhnten von allen im Hafen liegenden Kriegs­schiffen 21 Schuß Salut. Um 11.40 landete Hinden­burg an der Werft, wurde vom Oberbürgermeister Lueken, vom Direktor der Deutschen Werke Sernow und vom Befehlshaber der Ostseestreitkräfte be­grüßt, und begab sich in Begleitung des Reichskanz­lers Brüning und dps Reichswehrministers Gröner mit Hurra-Rufen stürmisch begrüßt, zu den Haupt- tvibünen. Unter den Klängen eines flotten Marsches schritt Hindenburg, der die Uniform des General- feldmarfchalls trug, die Ehrenkompagnie ab. Dann sah man die hohe Gestalt des Reichspräsidenten hoch oben unter dem Baldachin der Taufkanzel.

Vvünins spricht

Der Reichskanzler trat an das Mikrophon. Klar hörte man seine metallisch klingenden Worte. Ein stolzes Werk so begann Dr. Brüning wird heute seiner Vollendung entgegengeführt. Heiße Kämpfe haben sie lange gefährdet. Um so mehr ist es in dieser feierlichen Stunde für uns ein Gebot, zu bekennen, was uns der Bau dieses stolzen Schiffes bedeutet und aus welcher Gesinnung es ge­schaffen wurde.

Nach unserer Niederlage ist für uns das ele­mentare Recht der Selbstverteidigung einseitig so eingeschränkt worden, daß viele geglaubt haben mögen, das deusche Volk würde es als zweck­los erachten, für dieses unser Recht überhaupt noch Opfer zu bringen.

Durch diese Feier zeigt das deutsche Volk in aller Offenheit der Welt, daß es auch unter den ihm auferlegten Beschränkungen und auch in allergrößter wirtschaftlicher Rot die Kraft findet, den Frieden zu sichern und seine Ehre zu wahren.

Was unsere stolze Flotte einst bedeutet hat, als ein reiches, freies Volk sie sich geschaffen, ist unver­gessen. Heute sind wir arm, aber wir wissen, daß gleiche Pflichttreue und Tapferkeit und gleicher Erfindergeist auch heute noch im Rahmen der Verträge, die mir loyal erfüllen, und mit den geringen Mitteln eines verarmten Volkes unsere Flotte zu höchsten Leistungen befähigen.

Unsagbares Unglück und Leid liegt seit letzt nahezu einem halben Menschenalter über unserem

Hendersons Antrag angenommen

Scharfe« Zukammenstotz SuvtiuS-LNavinkowitsch

Genf 19 Mai Der Völkerbundsrat hat in feiner heutigen Sitzung den Antrag Hendersons die Frage der juristischen Vereinbarkeit des deuksch-österreischen Protokolls mit dem Genfer Protokoll vom 4. Oktober 1922 und den Bestimmungen des Ariedensvertrages von Saint Germain dem Haager Gerichtshof zur Begutachtung zu überweisen, einstimmig angenommen. ,

Vor der Annahme des englischen Eintrages kam es zu einem scharfen

Zusammenstoß zwischen dem südslawischen Außenminister Marinkowitsch und Reichs­

autzenminister Eurtius

Marinkowitsch erklärt, er müsse ausdrück­lich gegen die gestrigen Ausführungen von Curtius Protest einlegen, der dem Rat das

Vaterlande. Die schlimmsten Prüfungen sind dem deutschen Volke nicht erspart geblieben. Manche Spur haben sie in seiner Sinnesart zurückgelassen. Aber in seinen Grundzügen hat das schwere Leid den Charakter unseres Volkes, das friedliebend, aber stolz und empfindlich ist, nicht gewandelt.

Trotz aller Rot und Entbehrungen wird däs deutsche Volk jedes Gpser für seine Ehre wie für die Idee einer Gerechtig­keit für alle Völker der Welt bringen. Wenn ein gequältes Volk dem Frieden dienen will und ihm dauernde Opfer bringen soll, so kann es stolzer Augenblicke nicht entbehren, wie dieses, die ihm vor Augen führen, dah es noch immer zu Grotzem befähigt ist. Ich glaube nicht, daß es irgend einen wahren Friedensfreund in der Welt stören kann, wenn wir diesen Stapel- laus durch die Anwesenheit unseres hochverehr­ten und geliebten Reichspräsidenten von Hin- denburg feierlich begehen, währenddessen in Genf der deutsche Außenminister als Vorsitzen­der des Völkerbundsrates den hohen Zielen des Weltfriedens und der europäischen Verständigung dient. Deutschland kann mit großem Recht von sich sagen, daß es in ge­wissenhafter Erfüllung seiner Abrü - stungsverpflichtungen nichts von dem versäumt hat, was ihm die Verträge auferle­gen. Wir warten darauf, dah, wenn aus die­sen Verträgen überhaupt eine Hoffnung für die Menschheit entstehen soll, unsere h - r uit ung ^achu umuug findei. JUgt dadurch dient man dem Frieden, daß man Vol­kern zweierlei Recht und zweierlei Sicherheit gibt.

In dieser feierlichen Stunde strecken wir in tie­fer Wahrhaftigkeit denen die Hand entgegen, die uns gleiches Recht zustehen wollen wie sich selbst. Wie leicht kann vergessen werden, wenn uns die anderen gleiche Vaterlandsliebe und gleichen nationalen Stolz zubilligen, wie sie diese für sich und ihr eigenes Land in Anspruch nehmen.

In diesem Sinne möge das Schiff, das jetzt von der Hand des Herrn Reichspräsidenten seine Weihe erhalten wird, der Wirtschaft und dem Frieden dienen." ,

Der Reichskanzler hatte seine Rede noch nicht beendet, als

das Panzerschiff sich plötzlich, anscheinend durch verkehrt verstandene Kommandos in Bewegung setzte und unter Hochrufen der Menge schneller als sonst üblich die Bahn ins Wasser hinabglitt. Noch als der Koloß auf seiner Bahn hinabglitt, sprach

Reichspräsident von Hindenburg mit lauter Stimme oben mitgeteilten Tauffpruch.

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Das Panzerschiff.Deutschland", ungewöhnlich und viel besprochen, hat eine ungewöhnliche Taufe gehabt. Das Schiff glitt trotz des sofort fallenden Bugankers mit einem gewaltigen Schwung bis über die Mitte des Hafens hinaus, che es zum Stehen kam und die Werstschlepper es in Gewalt bekamen. Das Schiff ging ohne die übliche Zer­splitterung einer Flasche deutschen Schaumweines an dem Bug des Schiffes ins Wasser.

Während der Stapellauffeierlichkeiten kreisten mehrere Flieger über dein Werftgelände und grüß­ten Deutschlands erstes, wirklich modernes Panzer- schiff nach dem Kriege.

Recht abgesprochen habe, die politische Seite des Problems der Zollunion zu erörtern. Grandi habe bereits darauf hingewiesen, daß jedes wirt­schaftliche Ereignis auch von großer politisier Be-

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