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Selfe 10

Samstag den 16. Mai 1931

Nr. 113

Vokttsche KachriKte«

Evövtevung der englische» Presse über Bekaud

London, 16. Mai. Die Genfer Sorresponden- ken der .Times und „Worning Post" betonen beide den Abschieds-Eharakker der anerkennenden Worle Henderson für Briand. Der „Times"-Be- richterstatler meint: Briands Antwort hierauf ver­stärke den Eindruck, daß er nur nach Genf gekom- men jei um die Arbeiten des Luropa-Ausschusses zu beschleunigen und daß er dann feine Regie- rungsamter niederlegen werde. Der Pariser Be- richterftatter der „Woring Post" berichtet ebenfalls: D,e Ansicht gewinne immer mehr an Boden, daß lange in Genf bleiben, sondern für endguttig seine Aemter als Außenminister und französischer Volkerbunds-Delegierter niederleqen werde. Spender gibt in „New Ehronicl« der Hoff- nung Ausdruck, daß Briand nicht zurücktreken werde.

Neues aus der Medizin

i-asBBU..

von Dr. med. Leo Bonnin

Kropfbehandlung mit jodhaltigem Sal,

In Süddeutschland und der Schweiz ist der An- blick von Personen, die mit großen Kropfver- dlckungen behaftet sind, überaus häufig. Der Kropf ist nun nicht etwa nur ein Schönheitsfehler, fon« bern kann von schweren Herzkrankheiten und all­gemeiner Verblödung begleitet sein. Dr. Jahi " achtet, in der „Münchner Medizinischen Wi

in be-

andere Ursachen ergeben. Der Verfasser verlangt daher mit Recht eine weitere Ausdehnung der Jodsalzbehandlung in den besonders gefährdeten Gegenden.

Neue Methode der Masernverhütung

Verweisung Oec Zolla«- gleühuug an -eu Kaagev

Gerichtshof?

Paris, 16. Mai. Der Sonderberichterstatter der Agence Havas in Genf glaubt, daß es bei den Be­ratungen in Genf zur Entscheidung über die beutst und die französische These hinsichtlich der Zollanglei- chung ziemlich schwierig erscheine, nicht das juri- stische Gutachten des internationalen Gerichtshofes in Haag anzufordern. Wie es scheint, fei ein dahin- gehender Beschluß als Abschluß der Arbeiten inner­halb de» Völkerbundsrates zu erwarten.

Gedvoffette Eruwaudev««- «ach d. Develnkste« Staaten

Washington, 16. Mai. Nach einer Mittei­lung des Präsidenten Hoover ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres die Einwanderung auf 10 815 Personen zurückgegangen, während der Abaana durch Auswanderung und Ausweisung in der glei- chen Zeit auf 21468 stieg, so daß monatlich 3550 meist Personen die Vereinigten Staaten verließen, als hereinkamen. Von den obigen 21 468 Personen wurden insgesamt 7658 ausgewiesen. Von April 1930 bis Ende März 1931 betrug die Zahl der Aus­gewiesenen 28 498.

Goebbels in Mannheim

Achtet in der „Münchner Medizinischen Wochen­schrift' über die Erfahrungen, die er in den letzten Jahren mit der vorbeugenden Behandlung durch jodhaltiges Salz in den gefährdeten Gegenden er­zielt hat. Obwohl der wissenschaftliche Wert dieser Methode schon lange feststand, konnten doch Ge- rüchte aufkommen, die von angeblichen Schädigun­gen durch diese vorsichtigen Joddosen sprachen. Die­sen Behauptungen war um so weniger Glauben zu schenken, als ja das Jod ein natürlicher Bestand­teil des Schilddrüsenstoffwechsels ist und schon nor­malerweise in der Nahrung vorkommt. Es wurde daher in einigen Ländern, um den Kropf bei der Bevölkerung schon im Anfangsstadium zu heilen, ein jodhaltiges Vollsalz eingeführt, das besonders im frühesten Lebensalter eingenommen werden soll. Die gewaltige Ausdehnung dieser Behand­lungsart erhellt aus der Tatsache, daß in der Schweiz 80 Prozent des gesamten Salzverbrauchs aus diesem Jodsalz besteht. Die Erfolge sind auch schon ganz bedeutend, da ja die Hebung des Jod­niveaus im Blute auch heute noch als das einzige vorbeugende Mittel gegen die Entstehung des Kropfes gilt, und Vorbeugung immer noch besser als Bekämpfung ist. Die Fälle, in denen angeblich eine schädliche Wirkung dieses Salzes festzustellen war, haben bei näherer Untersuchung immer

In der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" berichtet Dr. K. G. Heymann und Busse über Er- folge, die sie bei maserngefährdeten Kindern durch Impfungen mit Erwachsenenblut erzielt haben. Am wirksamsten erwies sich das Blut von solchen Per­sonen, die vor nicht allzulanger Zeit Masern durch­gemacht hatten, oder von solchen, die dauernd auf Masernstation beschäftigt sind. Die Quantität richtet sich selbstverständlich nach dem Alter des Impflings und liegt zwischen 15 und 100 ccm. Die erste größere Versuchsmöglichkeit ergab sich, als man zu vor-! beugenden Zwecken einer Säuglingsstation nach Ein­schleppung der Krankheit durch ein sechs Monate altes Kind alle auf derselben Station liegenden Kinder mit dem Blut einer dreißigjährigen Krankenschwester impfte. Die Versuche wurden wiederholt und sogar Blut verwandt von solchen Krankenschwestern, die schon seit Jahren auf keiner Masernabteilung tätig waren. Immer zeigte sich der glänzende Erfolg, daß sämtliche gefährdeten Kinder nach dieser Blutimpfung | nicht an Masern erkrankten. Lediglich bei einigen I älteren Kindern ergaben sich Versager, die wohl auf I einer zu geringen eingespritzten Blutmenge beruhten. | Kinder bis zu einem Jahr bedürfen nämlich etwa I 20 ccm, während ältere Kinder ganz bedeutend I höhere Dosen benötigen.

Der explodierte Oatient

Line einzigartige Tragödie bei einer Operation

Mannheim, 15. Mai. Heute abend fand im Mbe- lungensaal des Rosengartens eine Massenversammlung der NSDAP, statt, an der etwa 4000 Personen teilnah­men. Reichstagsabg. Dr. Goebels, Berlin, der über das Thema „Der Freiheit eine Gasse" sprach, erklärte, das vom deutschen Volk im Jahre 1918 aufgebâute (Stiftern sei falsch. Der Nationalsozialismus habe sich zur Aufgabe gemacht, dieses System zum Nutzen und Frommen des deutschen Volkes zu korrigieren. Das Ziel zur Bekämpfung dieses Systems sei gesteckt, und der Nationalsozialismus werde nicht eher ruhen, bis dieses Ziel erreicht sei, ob illegal oder legal, ob brachial oder parlamentarisch Auf lZgMb Kge, über mit der Macht, wolle der Nationalsozialismus feine Idee durchsetzen. — In seinen Schlußausführungen kritisierte der Redner die Maßnahmen der Regierung und sagte: Solange man uns nicht in die Wilhelm- straße hineinläßt, kann man es nicht besser machen, sondern man kann immer nur sehen, wie es zu machen wäre.

In Birmingham kam es in einer Klinik vor einigen Tagen nach englischen Blättermeldungen zu einem ebenso furchtbaren, wie einzigartigen und unerhörten Vorfall. Ein Patient sollte operiert werden, da der Verdacht auf Kehlkopfkrebs bestand. Der Arzt, der auf diesem Gebiete ein ganz be­sonders erfahrener Fachmann ist, bebient sich

für die Kehlkopfoperationen eines besonderen Narkotikums

das aus einer Mischung von Aether und Chloro­form besteht. Bisher hat er mit diesem Mittel die besten Erfahrungen gemacht, denn es sind noch nie die geringsten Zwischenfälle zu verzeichnen ge­wesen. Als er nun vor einigen Tagen bei dem Kehlkopfkranken erneut dieses Narkotikum ver­wendete, ereignete sich kurz darauf eine fürchter­liche Explosion. Der Arzt hatte mit der Operation noch nicht begonnen, sondern er war noch bamit beschäftigt, an dem Instrumentenschrank die er­forderlichen Vorberemmgen zu rrenen, als er durch? einen starken Knall erschreckt wurde, der von dem Operationstisch her erschallte. Als er sich um­wandte, um nach der Ursache der Detonation zu sehen, fand er den Patienten leblos vor. Sein

Näheres über diese seltsame Tragödie In dem Operationszimmer mitteilen. Von der furchtbaren Gewalt der Explosion legt die Tatfache Zeugnis ab, daß die ganze Apparatur, mit der die Betäu­bung vorgenommen werden sollte, zugleich zer­stört worden ist, so daß sich auch aus den Resten nichts über die Ursache dieses geheimnisvollen Vorganges erkennen läßt. Gegen den Arzt wurde eine Untersuchung eingeleitet, da er ein bisher nicht erprobtes Betäubungsmittel verwandte und da­durch unmittelbar zu der Katastrophe beitrug. Bei Maßnahmen mit den allgemein üblichen und er­probten Betäubungsmitteln können selbstverständ­lich derartige bedauerliche Ereignisse nicht eintre­ten, zumal heute die Technik der Betäubung sehr weit fortgeschritten ist und nicht nur eine völlig gefahrlose, sondern auch schmerzlose und von üblen | Nachwirkungen ziemlich freie Behandlung des Patienten ermöglicht. Man ist auf die Ergebnisse der gerichtlichen Untersuchung dieses geheimnis­vollen Vorfalles gewännt,' da

Dov Niedergang des Kaufes Rothschild

Zu dm, Zusammenbruch der „Oeskerelchischen Kreditanstalt" der „Rolschild-Lank"

I Der Zusammenbruch der .tOesterreichifchen Kr«. i ditanstalt" betrifft in erster Reihe das Wiener ; I Haus Rothschild, das einer der Hauptaktionäre des

Unternehmens war. Die Kreditanstalt hieß darum I auch im Volksmunde die „Rotschild-Bank". Der un- I geheure Verlust, den die Rothschildgruppe soeben I erlitten hat, und der auf rund 100 Millionen SM. ling angenommen wird, wird nicht dazu beitragen die Stellung dieses einstmals allgewaltigen Bank.' Hauses zu stärken. Es liegt über derartigen Häusern eine Art von Verhängnis oder Schicksal. Nach einer bestimmten Epoche eines unerhörten Glanzes und größter, fast übermenschlicher Erfolge, beginnt der Abstieg. Gesetze sind für dies« eigenartige Erschei. nung nicht vorhanden, aber sie trifft fast stets mit so unheimlicher Sicherheit ein, daß man schon den Satz geprägt hat: „Große Vermögen halten sich nur drei Generationen." Natürlich sind heut die Roth, schilds noch nicht arm; sie haben noch satt zu essen und sogar noch ganz anftänbige Summen zur Ver­fügung. Dazu war das Haus zu reich. Wer für ein derartiges Weltunternehmen, das tatsächlich viele Jahrzehnte die Weltherrschaft auf dem Kapital, markt besaß, bedeutet es schon empfindliche Schlap- peu, wenn es von den großen Transaktionen aus- geschaltet wird, und es bedeutet ben Niedergang wenn das Einkommen von Jahrzehnt zu Jahrzehnt geringer wird, anstatt anzusteigen.

Das Haus Rothschild hat vor allen Dingen be­reits feit mehr als einem Vierteljahrhundert feine überragende Bedeutung auf feinem früher unum­strittenen Hauptgebiete, dem Staatsanleihegeschäft, eingebüßt. Die Aktienbanken haben, wie es in der Linie der modernen Wirtschaftsentwicklung liegt, über die großen Einzelvermögen das Uebergewicht erlangt. Die Glanzeit des Wiener Haufes Roth- Mild war in den ersten Jahren der Herrschaft des Barons Wbert v. Rothschild, der im Jahre 1911 ■ “^ 5 Kinder hinterließ. Er sah schon gegen

I Ende seines Lebens die Rochschildgruppe, die unter I Ittner Führung eine ungewöhnliche Bedeutung er« langt hatte, aus den großen Staatsgeschäften" ads« geschaltet. Mit dem Tode des Barans Albert wurde der Geschäftsbereich der Rothschildgruppe immer mehr eingeengt. Hundert Jahre hat das Haus, das im Jahre 1822 den Freiherrntitel erhielt, in Oester­reich geblüht und eine beherrschende Stellung ein» , I genommen, die seit dem Tode Alberts immer mehr zuruckging. In geschäftlicher Beziehung gehören zwar nie Rothschilds nicht nur in Wien, sondern auch in Paris und London immer noch zu den ersten Firmen denn ihr noch bedeutendes Vermögen weist der Familie selbst in der heutigen Zeit der großen Aktienbanken immer noch eine Ausnahme- tellung an. Aber wo sind die Zeiten, da ohne Roth-- fchild kein Millionengeschäft getätigt werden konnte, hm? Da Könige und Staatsmänner die Rothschilds um Rat fragten, wenn es sich um wichtige Kapital- angelegenheiten der Staaten handelte, da das Wort eines Rothschild an der Börse als Orakel galt, dem auch die mächtigsten Börsenfürsten andächtig lausah ten, da mit dem Namen Rothschild der Name Reic ' tum verbunden war und die Famili,

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SukammenftSS« tu Aveslau

Breslau, 16. Mai. Am Freitag abend veran­staltete die Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition auf dem Neumarkt eine Kundgebung. Schon zu Beginn der Versammlung herrschte unter den Teil­nehmern starke Erregung. Aus der Menge heraus fiel schließlich ein Schuß, offenbar jedoch aus einer Schreckschuß-Pistole. Als eine Person wegen Be­schimpfung eines Polizeibeamten festgenommen werden sollte, nahm die Menge gegen die Polizei Stellung. Es wurde auf die Beamten mit Fahnen, transparenten und Musikinstrumenten eingeschla­gen, f£ daß die Polizei vom Gummiknüppel und vom Seitengewehr Gebrauch machen mußte. Die Versammlung wurde aufgelöst und die Teilnehmer in die Seitenstraßen abgedrängt. Hierbei kam es abermals zu Zusammenstößen mit der Polizei. Ein Polizist wurde schwer verletzt und mußte dem Krankenhause zugeführt werden. Auch Zivilisten, die mit der Veranstaltung nichts zu tun hatten, wurden angehalten und geschlagen. 15 Personen wurden festgenommen und dem Polizeipräsidium zugeführt.

Die Wahle« i« Aegypte«

Gesicht war durch die Explosion völlig zerrissen worden. Eine Krankenschwester, die in der Nähe des Operationsfeldes gestanden hatte, wurde nicht unerheblich verletzt. Was an dem schrecklichen Vor­fall die Schuld trug, war einwandfrei nicht fest­zustellen. Offenbar war die Mischung der Betäu­bungsmittel, die ein besonderes Geheimmittel des Arztes ist und von anderen Aerzten nicht verwen­det wird, durch irgend einen Zufall zersetzt und explosiv geworden. Vielleicht war auch eine Un­vorsichtigkeit daran schuld. Jedenfalls ist der ganze Vorgang rätselhaft, zumal aus den Darstellungen nicht zu erkennen ist, wie das Betäubungsmittel verwendet wurde, da

die Explosion innerhalb des Mundes des Palienten erfolgt

sein soll. Sie ging so schnell und unerwartet vor sich, daß genaue Beobachtungen nicht gemacht werden konnten. Es läßt sich darum auch nichts

von den hervorragendsten Autoritäten die Mög­lichkeit einer derartigen Explosion völlig be­stritten

wird. Es müssen hier seltsame, bisher noch nicht bekannte Dinge oder Fehlgriffe mitgespielt haben, wie sie bei der Aufregung, die bei einer Operation herrscht, hin und wieder vorkommen. Es sei nur daran erinnert, daß nicht selten Instrumente und besonders Mullbinden in dem Patienten vergessen werden, wenn die Wunde zugenäht wird. Es gibt sogar bereits Binden, die durch einen Präpa­rationsvorgang im Röntgenbilde erscheinen. Man kann nunmehr nach einer Operation den Patienten durchleuchten, wenn man feststellen will, ob irgend etwas vergessen, worden ist, was im Laufe der Zeit zu schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit des Patienten führen kann. Selbstverständlich sind der­artige Vergeßlichkeiten sehr selten, wenn man die ungeheure Anzahl der täglichen Operationen be­rücksichtigt. Die Explosion eines Narkotikums ist unseres Wissens noch niemals festgestellt worden, so daß der englische Fall einzig in seiner Art ist.

Kairo, 15. Mai. Wie amtlich gemeldet wird, sind bei den gestrigen Wahlunruhen sieben Personen ge­tötet und 93, darunter 23 schwer, verletzt worden. Einige Polizeibeamte und Militärpersonen sind leicht verwundet worden. Aegyptische Infanterie und Ka­vallerie patrouilliert noch durch die Straßen der Stadt. In Zista lsüdöstlich von Tanta) soll die Menge eine Polizeiwache angegriffen haben, worauf die Be­amten von der Schießwaffe Gebrauch machen mußten.

Nach einer Erklärung des Ministerpräsidenten kann man bereits sagen, daß der Prozentsatz der Wahl­beteiligten höher ist als in den Jahren 1923 und 1925, in welchen 54 bzw. 58 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten.

Holzüberfluß in den Vereinigten Staaten

Washington, 16. Mai. Angesichts des Ueber» Angebotes an Holz hat Präsident Hoover das Acker­bau-Amt angewiesen, die Abholzung von Bundes- forsten auf ein Mindestmaß einzuschränken.

Keuevsbvunft in Lava«

Tokio, 16. Mai. Wie aus Ahyla im nördlichen Japan gemeldet wird, find dort durch eine Feuers­brunst über 600 Häuser in Asche gelegt worden. Der Brand wurde durch starken Wind be­günstigt und wütete mehrere Stunden. Man be­fürchtet, daß ihm zahlreiche Menschenleben zum Opfer gefallen sind, jedoch sind Einzelheiten hier­über noch nicht bekannt. Es handelt sich um den vierten großen Brand, der in einem Zeitraum von etwas über 1 Woche japanische Ortschaften heim­gesucht hat.

Schweres Eisenbahn- Unglück bei Essen

Heizer und der Lokomotivführer wurden dabei so schwer verletzt, daß sie bald nach dem Unglücks- fall starben. Ein Kind, das auf dem Bürgersteig spielte, trug schwere Brandverletzungen davon.

Zwei Tote

Essen, 16. Mai. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich heule vormittag an einer lleberführung in der Nähe des Bahnhofs Essen-Nord. Eine Ran­gierlokomotive wurde von einem ausfahrenden Gülerzuge in einer weiche am Brückenkopf so stark gestreift, daß die Lokomotive die Rangiermaschine aus den Schienen hob und über das Gelände auf den Bürgersteig stürzte. Der

C Das Ergänzungsstück. Mark Twain, der nicht nur amüsant schreiben konnte, sondern auch im Leben überaus witzig war, hatte, wie viele Leute seiner Art, die Gewohnheit, in seiner Kleidung manchmal etwas nachlässig zu sein. So geschah es, daß er eines Tages der gleichfalls berühmten Har­riet Beecher Stowe einen Besuch abstattete, ohne sich zuvor eine Krawatte umzu binden. Das Fehlen dieses in Gesellschaft unerläßlichen Kleidungsstückes bemerkte er aber erst, als ihn seine Frau bei seiner Rückkehr voller Entsetzen darauf aufmerksam machte. Ein Weilchen später lieferte ein Bote bei Mrs. Stowe ein kleines Paket ab. Sie öffnete es und fand darin eine schwarze Seidenkrawatte und fol­gendes Schreiben: „Anbei eine Krawatte. Nehmen Sie sie bitte heraus, und sehen Sie sie sich an. Ich glaube, ich bin heute morgen etwa eine halbe Stunde ohne diese Krawatte bei Ihnen geblieben. Wollen Sie so freundlich sein, sie nach Ablauf die­ser Zeit wieder zurückzuschicken, es ist nämlich die einzige, die ich besitze. Ihr Mark Twain".

für die größte Volkstümlichkeit? Diese Zeiten [im?-™ endgültig vorüber. Zwar haben die Rothschild durch. lhre Heiraten innerhalb der eigenen Familie qe^ wissermaßen „Fideikommisse der Millionen" errich-f ■ tet und dem Verfall der Riesenvermögen entgegen-' ' gearbeitet. Aber wo nicht neue große Erfolge blü- : den, dort gehen die Vermögen zurück, da Verluste, Testungen und wirtschaftliche Umgestaltungen an Urnen zehren. Zuerst kam die Entwickelung des Vermögens der Frankfurter Rothschilds zum Still- H«;. Nach dem Tode des Wiener Albert von

• wurde auch das Vermögen des öster­reichischen Zweiges durch Erbschaststeilun- gen vermindert. Aehnlich erging es den Londoner Rothschilds, die ihr Riesen- ^E^ögen auch nicht wachsen sahen, wäh­rend der Bestand mehrfach Verminderungen durch Teilungen erlitt. Am besten erhalten ist noch das Vermögen der Pariser Rothschilds, die zwar heute noch zu den reichsten Männern Frankreichs ge­hören, aber auch hier nicht mehr die große Stel­lung der früheren Jahrzehnte haben. Als dem Pa- rtjer einst der Besuch des Grafen Morny, des Halb­bruders Napoleons gemeldet wurde, ließ er ihn eintreten und sagte zu ihm, ohne von der Arbeit 5?l3ubllcken: „Nehmen Sie, bitte, einen Stuhl!" (Sraf Motny war über diesen unzeremoniellen ^Lfang ungehalten und, da er annahm, daß Rothschild seinen Namen nicht verstanden hatte, ™ ®rQf Morny". Wieder blickte

Rothschild Nicht auf, sondern erwiderte nur: „Nun, nehmen Sie 2 Stühle." Damals fühlten sich die Rothschild als Fmanzherrscher Europas. Und sie hatten recht, denn sie waren es auch.

Heute aber haben sie einen schweren Konkur- renzkampf mit den großen Bankinstituten zu füh­ren. 150 Jahre sind es her, seit der erste Rothschild dem Kurfürsten von Hessen die Geschäfte machte, die den Grundstein zu dem Riesenvermögen leg en. Heute sind nicht nur zahlreiche Amerikaner ötel reicher als die Rothschilds, sondern die Ein­nahmen der Rothschilds sind in den letzten 30 Jah- ren auch beträchtlich zurückgegangen, so daß z T. sogar schon hier und da alter Kunstbesitz aufgelöst mürbe. Die Weltherrschaft der Rothschilds ist dahin.

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