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Nr. 110

Dienstag den 12. Mai 193;

Seife 7

Beschleunigung der Auslieferung der Geschwister Reins.

Berlin, 11. Mai. Die Auslieferung der Ge­schwister Reins soll so beschleunigt werden, daß mit ihrem Eintreffen in Berlin vielleicht bereits in zehn Tagen zu rechnen ist. Wie sich herausgestellt hat, befindet sich der Vater der Geschwister Reins schon -eit fünf Jahren wegen Paralyse in der Irrenanstalt. Die Großmutter des Mörders Reins ist im Irren­haus gestorben.

Flugzeugunglück.

Paris, 11. Mai. Ueber dem Flugplatz Villa- coitblay bei Paris stießen heute vormittag zwei ; Jagdflugzeuge in 150 Meter Höhe zusammen und stürzten brennend ab. Die Insassen, ein Oberst und ein Unteroffizier, fanden den Tod.

Personenzug überfährt Kraftwagen.

Königsberg. 11. Mai. Ein Personenzug der Strecke Braunsberg— Mehlsack überfuhr gestern abend bei einem Uebergang ohne Schranken den mit drei Personen besetzten Kraftwagen de- Guls- bsitzers Schmidt aus Demuth (Kreis Braunsberg). Der Kraftwagen wurde mitgeschleift und zertrüm­mert. Die Insassen des Wagens, Gutsbesitzer Schmidt und seine Ehefrau, wurden getötet, das Kind sehr schwer verletzt. Der Wagenführer hat wahrscheinlich die Warnungssignale der Lokomotive überhört.

Die -kausmaunsgebttfen tagenr

Am 9. und 10. Mai fand in H e r sfe ld der alle zwei Jahre wiederkehremde Gautag des Deutsch­nationalen Handlungsgehilsen-Verbandes, Gau Main-Weser statt. Mehrere hundert Vertreter aus den rund 100 Ortsgruppen des Gaues kamen am Samstag Nachmfttag zum 27. Gautag zusammen, um zu dem umfangreichen gedruckt vorliegenden Jahresbericht Stellung zu nehmen. Gauvorsteher Auerbach-Frankfurt leitete die Tagung.

Die Aussprache zu dem Jahresbericht zeugte von lebhafter Anteilnahme an den Aufgaben des Ver­bandes. Das Mitglied der Verwaltung Brost-Ham­burg überbrachte die Grüße und den Sant der Der- banösleitung. Der Feftabsnd, der von fast 1000 Personen, darunter zahlreiche Ehrengäste besucht war, stand unter dem Motto „Deutsche Heimat". Diese Gedanken lagen auch der Festrede des Kreis- geschäftsführers Rothhaar-Kassel zugrunde.

Ueber Weg und Wille des DHV. unterrichtete be- - sonders eindrucksvoll der 16. Kaufmannsgehilfem- tag, der am Sonntag vormittag in der großen Turn­halle stattfand und durch den stellvertretenden Gau- oorfteher Hirch-Gießen geleitet wurde. Ueber 600 Kausmanngehilfen und 50 Ehrengäste waren an- weend. • Für die letzteren sprach insbesondere auch ■ als Vertreter des verhinderten Regierungspräsi­denten der Landrat Graf v. Wedel. Sodann sprach Dr. Kandeler-Frankfurt a. M. über das Thema: „Neue Wege der Sozialpolitik". Er führte aus: Die moderne Sozialpolitik muß den Ausbau der Selbst' Verwaltung zum Ziele haben, weil dadurch der Staat entlastet und der Arbeitnehmerschaft nicht nur wirt- I schaftlich geholfen, sondern ihr auch Gelegenheit ge- I geben wird, in die Führung von Staat und Wirt- j schäft hinsinzuwachsen. Die Angestellten verlangen, l^tigyii^teittunaei^ter&IbHver waltun q gebührend < respektiert werden. Der DHV. hat die Brüskierung I des Verwaltungsrates der Angëstelltenverfiche'rung ►••mit parlamentarischen Anträgen auf Erweiterung der Selbstverwaltung beantwortet. Der Ausbau der Selbstverwaltung ist umsomehr zu rechtfertigen, als die RfA, bisher ohne finanzielle Zuschüsse des Staates ausgekommen ist und auskommen wird, i wenn man nicht von außen hinein regiert. Auch für & die Kranken- und Arbeitslosenversicherung ist eine

Erweiterung des der Selbstverwaltung gezogenen Spielraumes erforderlich. In der Arbeitslofenver ficherung wird die Mitarbeit der Versicherten am ; besten durch Errichtung von Angestellten-Ersatzkassen gefördert. In dem ersten Teilgutachten der Brauns- Kommission sind die besonderen Verhältnisse der Angestelltenschaft zu wenig berücksichtigt worden. — " Dem Tarifvertragswesen muß durch die baldige Schaffung des Tarifvertragsgesetzes eine sichere Grundlage gegeben werden.

Gauvorsteher Auerbach behandelte das ^herrw: „Wert und Leistung unseres Standes". Er schilderte umfassend das Standwerden der Kausmaunsge- Hilsen und ihre Stellung zu Volk, Wirtschaft und Staat, zu den politischen Strömungen und dm ; übrigen Arbeitnehmergruppm. Die Kaufmanns­gehilfen stellen eine wertvolle Mittelschicht dar, die es gegenüber allen Anfeindungen zu behaupten gilt. In der Unterhöhlung der festen und standesgemäßen Einkommensgrundlage und der auf längere Frist gesicherten Stellung der Kaufmannsgehilfen, wie sie in der letzten Zeit von den verschiedensten Seiten her versucht worden ist, ist die Einbruchsstelle für das proletarische Denken auch bei den Kausmanns­gehilfen gegeben. Das ist aber im Hinblick auf hie gerade jetzt wieder von marxistischer Seite her er­folgten Andichtung von Minderwertigkeitskomplexen gegenüber den Angestellten für einen gesunden und organisch gegliederten Aufbau unseres Volkes eine große Gefahr. Der Redner stellte dann eine Reihe von Forderungen heraus, die zur Behauptung und weiteren Aufwärtsführung des Standes dienen. U. a. vertiefte geistige und berufliche Schulung des Einzelnen Schaffung eines neuen Lebensstiles, Formung des Standes zu einer überindividuellen Berufsgemeinschaft, Stärkung der kollektiven wirt­schaftlichen Machtwittel insbesondere des Arbeft- I nehmerkapitals und sein Einsatz nach sozialen und ethischen Gesichtspunkten, schließlich verstärkte ge­werkschaftliche Erziehung der Standeskollegen.

Beiden Vorträgen, die mehrfach von lebhaften Zustimmungen unterbrochen wurden, ist reicher Beifall gezollt worden.

Lebenslängliches Zuchthaus fite den LNbvdev eines Kriminalbeamten

Düsseldorf, 11. Mai. Vor dem hiesigen Schwur­gericht fand heute der Prozeß gegen den A u t o - banditen Walter Reiners wegen Mor- des an dem Kriminalbeamten Philipp und wegen qualifizierten Raubes an dem Kassenboten der Re­gierungshauptkasse in Düsseldorf, statt. Am Sams­tag, 11. Oktober, brachten Reiners und der Chauffeur Koll zu einer Garage in der Ackerstraße in Düsseldorf einen Lanxia-Wagen zur Reparatur, den sie am Montag, 13. Oktober wieder abholen wollten. Da den Angestellten der Garage verschie­dene verdächtige Momente aufgefallen waren, wie das seltene Vorkommen eines Lancia-Wagens im Rheinland, sowie eigenartige Einrichtungen bei den Erkennungszeichen, wurde die Polizei benachrich­tigt. Zwei zur Garage geschickte Polizeibeamte stellten fest, daß es sich um einen in Berlin ge­stohlenen Wagen handelte. Als Reiners und Koll in der Garage erschienen und von dem Polizei­assistenten Philipp zur Rede gestellt wurden, feuerte Koll aus der Manteltasche heraus einen Schuß ab, der Philipp in den Schenkel traf. Der Beamte fiel zu Boden, das Gesicht nach der Erde gedreht und Reiners jagte ihm noch zwei Schüsse in den Hinter­kopf, durch die er getötet wurde. Zwischen den anderen Beamten und den beiden Autobanditen entspann sich eine Schießerei, in deren Verlauf Koll erschossen wurde. Reiners konnte entkommen. Er wurde einen Monat später in Köln verhaftet. Im Laufe der Voruntersuchung gestand Reiners, daß er mit dem erschossenen Koll und den Erwerbslosen

können Zeppelin und Lt-Voot ruiammenavdetten

Die Aussicht der deutschen Arktis-Luftschiss-Expedition

Uebervafcheud schnell ist die Entscheidung dar- fflüssen ausgosetzt war, darf man als sicher anneh- - ° ..... men, daß der „Graf Zeppelin" auch den Schwierig­keiten der Arktis gewachsen sein wird.

über gefallen, daß das deutsche Zeppelin-Luftschiff „Graf Zeppelin" unter Führung von Dr. Eckener und den Kapitänen Lehmann, Flemaning und v.

Schiller in diesem Jahre die schon so lange ge­plante Nordpolfahrt durchführen wird. Der Plan, ein Zeppelin-Luftschiff zur wissenschaftlichen Er­forschung der arktischen Gebiete zu benutzen, geht bereits auf den Grafen Zeppelin zurück. Er hatte in der Vorkriegszeit schon zahlreiche Vorbereitun­gen getroffen, um von Spitzbergen aus einen Flug möglichst zum Nordpol durchzuführen. Das Unter­nehmen scheiterte damals noch an technischen Schwierigkeiten, die sich weniger aus der nicht ge­nügenden Manövrierfühigksit der Zeppelin-Luft­schiffe ergaben als aus den Schwierigkeiten, einen geeigneten Landungsplatz zu schaffen, von dem aus die Proviantierung und Versorgung mit Brennstoff für das Luftschiff vorgenommen werden konnte.

Seit es dank der energischen Bemühungen Dr. ÄotK gelungen UL in.DcuxjGtuiid einige, we.nn auch wenige Großbauten von Luftschiffen herzu­stellen, hat man sich damit beschäftigt, einen Arktis­flug vorzubereiten. Teils sollte dieser als ein natio­nales, teils als internationales Unternehmen durch­geführt werden. Hier fei vor allem an die Pläne Nanfens erinnert. Aber alle guten Absichten sind gescheitert, wie es seinerzeit hieß, aus technischen Gründen. Nachdem man sich nunmehr aber in Friedrichshafen so schnell dazu entschlossen hat, gleichzeitig mit dem Unterseeboot Nautilus des Ka­pitäns Wilkins zu starten, dürfte der wesentliche Grund der Ablehnung der früheren Pläne die Fi- nanzierungsfrage gewesen sein.

In aller Erinnerung ist noch her unglückselige Ausgang des Arktis-Fluges der „Italia". Allein dieses Unternehmen, das zweite feiner Art nach dem Flug der „Norge", beweist, welche Schwierig­keiten auch heute noch das Gebiet um den Nordpol für Flüge mit Luftschiffen bietet. Denn es ist zu berücksichtigen, daß ein Flug durch einen Schnee- sturm für jebes Luftschiff verhängnisvoll werden kann. Denn wenn sich auf der Luftschiffhülle eine zu große Schneedecke sammelt, die nicht entfernt werden kann, so verliert es dadurch soviel an Auf- trieb, daß der ganze Flug gefährdet wird. Auch ist die Vereisungsgefahr der Propeller und der Mo­toren nicht zu unterschätzen. Man darf als sicher annehmen, daß trotz der Kürze der Zeit der Nord­polflug des „Graf Zeppelin" genügend sorgfältig vorbereitet wird und daß man entsprechende Ge- genmaßn-whmen trifft, um den Gefahren der Arktis zu begegnen. Nachdem das deutsche Luftschiff so großartige Saugleistungen vollbracht hat, wie die mehrfache Ueberfliegung des Atlantischen Ozeans und seine Weltreise bei der es im Zeitkauf von we­nigen Wochen den verschiedensten klimatischen Ein-

Den berühmte Professor und die Tümevin

(Der „blaue Engel" hieß hier „Kakadu". — Die Romane im Leben enden anders wie im Film. —

Liane, die „verrucht schöne Tänzerin".)

Vor dem Amtsgericht zu Berlin-Tempelhof stand als Angeklagte Liane, die „verrucht schöne Tän­zerin", und als Zeuge war der berühmte Professor anwesend, der zugleich über ein ungeheures Ein­kommen verfügte. Liane mit dem oben erwähnten romantischen Titel stellte sich wirklich als eine Schön­heit ersten Ranges dar, die wohl sanftere Blicke ver­dient hätte, als der berühmte Professor gegen sie

Arnemann und Flink die Raubüberfälle auf einen Kassenboten bei der Reichsbank in Köln und auf die Kreissparkasse in Porz begangen habe. Diese Fälle wurden bereits vom Kölner Schöffengericht abgeurteilt. Weiter räumte Reiners ein, auch den Ueberfall auf den Hilfskassenboten Gautier der Re­gierungshauptkasse in Düsseldorf am 8. Mai 1930 verübt zu haben. Reiners hatte sich auch heute we­gen Mordes und qualifizierten Raubes zu verant­worten. Wegen des letzteren Verbrechens waren ferner noch Arnemann und Flink angeklagt.

Der Staatsânwalt beantragte gegen Reiners wegen Mordes die Todesstrafe und dauernde Ab­erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte sowie Stel­lung unter Postzeiaufsicht, wegen Mordversuchs acht Jahre Zuchthaus und wegen quilifizierten Raubes weitere acht Jahre Zuchthaus. Zusammen­gerechnet beantragte er gegen Reiners im ganzen 12 Jahre Zuchthaus, gegen Arnemann zehn Jahre Zuchthaus, und gegen Flink vier Jahre Zuchthaus.

Nach langer Beratung verkündete das Gericht folgendes Urteil: Reiners wird wegen Tot. schlages zu lebenslänglichem Zucht- Haus. wegen Totschlagversuches und Raubes zu acht Jahren Zuchthaus bei Aberkennung der bür­gerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt. Arnemann erhält wegen schweren Raubes zehn Jahre Zuchthaus, Fink wegen des gleichen Delikts fünf Jahre Zuchthaus. Beiden werden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt.

Neben einer 4ütöpfigen Besatzung werden etwa neun Plätze für Wissenschaftler reserviert werden können, die während des Fluges ihre Beobachtungen anftellen werden. Heute weiß man bereits, daß das bisher einzig brauchbare Mittel, genaue Erkun­dungen in der Arktis anzustellen, Luftschiffe sind. Das Unternehmen selbst kann im Augenblick noch garnicht beurteilt werden. Es klingt phantastischer, als es in Wirklichkeit ist. Jedenfalls wird man zu­nächst abwarten, müssen, ob überhaupt der Nautilus vordringen kann und ob es möglich jein wird, mit dem Unterseeboot irgendwelche Forschungsarbeit zu leisten.

An sich ist der Arktts-Flug des „Graf Zeppelin" zur Unterstützung der Unierfeebootsfahrt des Kapi­täns Wilkin gedacht. Hier wird man den größten Zweifel hegen müssen, ob der Zweck erreicht wird. Denn ex erscheint,.immerhin Mr unsicher, â HM

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dem gemeinschaftlichen Start noch einmal treffen können. Dr. Dillinger, der einzige deutsche Teil­nehmer der Unterseebootfahrt glaubt zwar, daß eine Verständigung mit dem „Graf Zeppelin" möglich sei, da das Unterseeboot, wenn es an die Oberfläche kommt, selbst senden bzw. Sendungen aufnehmen kann. Aber selbst wenn dies gelingt, was noch zweifelhaft erscheint, so ist damit noch nicht die Ge­währ geboten, daß sich Unterseeboot und Luftschiff gegenseitig unterstützen können. Es sind die großen Differenzen in der Fahrtgeschwindigkeit zwischen Zeppelinluftschiff und U-Boot zu berücksichtigen. Es ist auch zu bedenken, wie schwer es ist, aus der Luft bei nur ungenauer Positionsangabe die Stelle zu finden, in der sich das an die Oberfläche aufgetauchte Unterseeboot befindet. Hier sei nur daran erinnert, wieviel Zeit verging, ehe es dem zur Rettung der Nobile-Gruppe ausgesandten Flugzeug gelang, das Rote Zelt zu sichten, obwohl verschiedene in der Nähe liegenden Kriegsschiffe in dauernder Funk­verbindung mit den Geftrandten standen. Wenn der „Graf Zeppelin" auch einen blutenden Aktionsradius hat, so kann die Besatzung doch nicht dadurch gefährdet werden, daß der „Graf Zeppelin" viele Stunden damit verbringt, das Unterseeboot zu suchen. Denn damit besteht die Gefahr, daß der „Graf Zeppelin selbst nicht mehr rechtzeitig seinen Stützpunkt erreicht.

Wenn man auch die Aussichten der Zusammen­arbeit zwischen Unterseeboot und Luftschiff nicht be­sonders günstig beurteilen kann, so erscheint das ganze Unternehmen doch als besonders großzügig. Die ganze Welt wird den Verlauf der Arktis-Ex­pedition 1931 mit größter Spannung verfolgen.

schleuderte. Es gab übrigens auch Zeiten, in denen die Blicke des Professors nur Liebe und Bewun­derung lächelten, nämlich damals, als er die schöne Tänzerin in der Tanzbar „Kakadu" kennen gelernt hatte. Nun entwickelte sich ein interessantes Gegen­stück zu dem „Blauen Engel". Der Professor wurde nämlich von der Tänzerin durchaus nicht hinabge­zogen, sondern er stattete sie mit allem Luxus aus, von dem junge Vartänzerinnen träumen.- Sie er­hielt eine kostbare Wohnung und mehrere tausend Mark im Monat als „Nadelgeld" und ließ sich von ihrem Professor bewundern und in die teuersten Weinlokale führen. Das war ein Leben wie im Schlaraffenland. Da aber das Schlaraffenland nur im Märchen vorkommt, so hatte auch dieses Leben in

der Wirklichkeit nicht lange Bestand, sondern es war eben so schnell zu Ende wie es seinen Anfang ge­nommen hatte. Schönheit allein genügt nicht. Es muß auch eine Persönlichkeit hinter dieser Schön­heit stecken, wenn ein geistig bedeutender Mann, wie dieser berühmte Professor auf die Dauer Wohl­gefallen an einer Frau finden soll. An die Schön- Heft hatte sich der Professor im Lause der Wochen gewöhnt und da die Unterhaltung immer von der­selben banalen Gleichgültigkeit war, so wurde ihm allmählich der Verkehr langweilig, und er wollte sich nun von seiner Freundin trennen. Er hatte ihr ja keine Treue fürs Leben versprochen und glaubte, die angenehmen Stunden, die er in ihrer Gesellschaft verbracht hatte, mit dem monatlichen Scheck von mehreren tausend Mark genügend bezahlt zu haben. Aber die Tänzerin wollte kein Ende dieser Be­ziehungen, die für sie so einträglich waren. Sie sträubte sich dagegen mit einer Zähigkeit, die einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Aber der Pro­fessor blieb kühl und hart. Es gab keine gemein­samen Vergnügungen mehr mehr keine Besuche in teure Weinlokale und keine monatlichen Schecks. An der Wohnungstür sorgte der Diener dafür, daß der Professor unbehelligt blieb. Aber wozu ist denn der Fernsprecher da? Mit ihm kann man bei Tag und besonders bei Nacht auch einen vielbeschäftigten Mann aufs stärkste beunruhigen. Man kann ihn nicht nur aus dem Schlafe wecken, sondern ihn auch mit den „lieblichsten" Worten bedenken, die aus so schönem und zartem Munde besonders unfein klin­gen. Die Tänzerin sann Tag und Nacht, da sie stets unbeschäftigt war, darauf, ihren Professor zu quälen und bloßzustellen. Dieser wandte sich aber höchst unromantisch ans Gericht, wo die „verrucht schöne Tänzerin" wegen Erpressung mehrere Wochen Ge­fängnis mit Bewährungsfrist erhielt. Auch der Rich­ter konnte sie nicht davon überzeugen, daß dies nicht die angenehmste Art sei, Beziehungen zwischen Mann und Frau zu lösen. Darum entschloß sie sich auch, sich nicht bei dem Urteil zu beruhigen, sondern Berufung einzulegen.

Das Gebttvèszimmev Sviedvich des Geode« wieder insiandgefetzt

Schloß, in dem am 24. Januar 1712 der älteste

Das kleine Zimmer im ehemaligen Königlichen Sohn des Preußischen Königs Friedrich Wilhelms des I. geboren wurde, ist wieder in seinen einst­maligen Zustand versetzt worden, denn der kleine Bewohner dieses Zimmers hat bekanntlich später unter dem Namen Friedrich der Große einen er­

heblichen Einfluß aus die Gestaltung der Geschicke Europas gehabt. Es war doch ein lobenswerter Ge­danke, dieses Zimmerchen gewissermaßen zu einem Stück des Museums zu machen und die Größe des Königs dadurch zu ehren. Das Hauptstück dieses Geburtszimmers bildet natürlich die kleine Wiege, in der der Säugling die ersten Monate seines Lebens verbrachte. Es ist ein ausgezeichnetes Stück Kunsthandwerk und fällt nicht nur durch die schöne Arbeit, sondern auch durch die edlen Proportionen auf. Man verstand sich auch damals, in dem ein­fachen schlichten Preußen der Zeit Friedrich Wil­helms des I. vorzüglich auf kunstvolles Tischlerhand- werk. Die Wiegè war wegen ihres fachlichen, künst­lerischen und ideellen Wertes in Monbrjou-MufLUM

Stätte zurückgewandert, wo sie vor mehr als 200 Jahren gestanden hat. Die übrige Ausstattung des Zimmers ist von wahrhaft spartanischer Einfachheit, wie sie bei dem sparsamen Sinn des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. es kaum anders erwartet wer­den konnte. Aus den Memoiren der Markgräfin von

Bayreuth, der Schwester Friedrich des Großen, wissen wir, daß in dem Kinderzimmer des Schlosses nicht nur Einfachheit sondern beinahe Kargheit herrschte. Den Bildschmuck des Zimmers bildet ein bescheidenes Bild des Königs, und ein paar einfache Barockstücke in schlichten Linien stellen das Mobiliar dar, mit dem das königliche Kinderzimmer ausge­stattet war. Soweit es möglich war, wurde der Ori­ginalzustand dieses bedeutsamen Kinderzimmers wieder hergestellt.

warum die Kalmücke« Dhvviuse trage«

Alle in der westlichen Mongolei lebenden Kal­mücken oder Torgoten, wie sie sich selbst nennen, trugen, mit Ausnahme der Priester, bis vor kur­zem einen silbernen Ring im linken Ohr. Dieser Brauch ist heute nicht mehr recht lebendig. Aber gn fernen und abgelegenen Plätzen findet man^doch noch Männer, die der alten Sitte treu sind, vorn Hedin erzählt in seinem neuen Buch über seine große Asienexpedition, bcrs demnächst unter dem Titel „Rätsel der Gobi" bei Brockhaus erscheint, wie diese Sitte entstanden ist. Sie geht, wie viele andere Gewohnheiten in früherer Zeit, auf einen Fürsten zurück. Dieser mächtige Herrscher stammte aus dem Zelt (Familie) Dschingis Khans. Er besaß Pferde, Vieh und Frauen im Ueberfluß, aber einen Sohn hatte er nicht. Das Lager des Khans war an dem großen Fluß Jli aufgeschlagen, und jeden Morgen zogen seine Leute aus, um Fische zu fangen. Eines Tages sahen die Angler etwas im Sommer treiben. Ein Mongole wurf die Schnur aus und fing damit einen kleinen Knaben. Der Angelhaken war im Ohr des Kindes haften geblie­ben. Der Knabe war kräftig und niedlich und gefiel dem Khan wohl. Er beschloß, ihn in feinem Sat­tel reiten und nach seinem Tode sein Volk regieren zu lassen Aber den Angelhaken konnte man nicht wieder herausnehmen. Damit sein Sohn nicht zum Gespött der Leute würde, ließ der alte Khan den Haken versilbern und befahl, daß von jetzt ab alle Männer im linken Ohr einen silbernen Ring tragen sollten.

Klugheit beweisen- (

für alle Speisen:

SN 25-123

DIE FEINE PREISWERT WIE KEINE