Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat MR.1-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 1Z, Samstag « R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe tat «n^igentell von 28 mm Breite 8 X»Pb» in Jtrklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. / Qffertengebühr so SUpfg.
L
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hana«. ✓ Lei mwerschutdetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Lezieher keinen Anspruch aüf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrift u.Erschemungst»ge der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. / Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956,3951,365»
«r. 110
Meustaa bett
*
12. Mar
1031
Belagerungszustand in Madrid
Seh« -Klöster in Madrid in Brand gesteckt - Regievungsmatznabmen gegen Monavchiste«
^W|» ^w^^w*
Gestern fand die Kabinettssitzung statt, deren Zweck die Vorbereitung der Genfer Konferenz war. Curtius eröffnete die Besprechungen mit einem eingehenden Bericht über den Zollpakt, insbesondere über die Aufnahme, die er in der Welt gefunden hat, und legte die Richtlinien dar, von denen die deutsche Delegation sich in Genf leiten lassen will. An die Ausführungen des Außenministers schloß sich eine Diskussion. Im Anschluß an die Kabinettssitzung begab sich der Reichsaußenminister Curtius zum Reichspräsidenten, um ihm Bericht über die kommende Völkerbundsratssitzung zu erstatten.
Die vom Reichsernährungsministerium angekündigten Verhandlungen mit den Berliner Brotfabriken werden voraussichtlich heute stattfinden. Man gibt sich in Regierungskreisen der Hoffnung hin, daß die vorausgegangene grundsätzliche Verständigung mit den Vertretern des Bäckergewerbes von günstigem Einfluß auf die Verhandlungsbereitschaft der Fabriken sein wird.
•
Gestern nachmittag fand in der R e i ch s k a n z - Iei eine Besprechung über die Durchführung der Osthilfe statt, der man in unterrichteten Kreisen für die weitere Entwicklung des Osthilfewerkes eine erhebliche Bedeutung beimißt. Die Besprechung dauerte bis in die Abend- zunächst noch fortgesetzt werden. Es ist aber anzu- nehmen, daß schon recht bald gewisse Verordnungen erscheinen, die im Interesse der Osthilfe für notwendig erachtet werden.
*
* In Varel (Oldenburg) sprach gestern abend im Rahmen einer staatsparteilichen Kundgebung der Reichsfinanzmlnister über die Nöte unserer Zeit. Die Wiederankurbelung der Wirtschaft hält er für unerläßlich. Ist sie unter dem Druck der Tributlasten nicht möglich, dann wird auch die Zahlung der Tributlasten an das Ausland auf die Dauer nicht möglich sein.
In den interfraktionellen Besprechungen der Regierungsparteien ist jetzt über die endgültige Fertigstellung des preußischen Haushaltes ein Einvernehmen erzielt worden. Strittig war noch die Errichtung eines Grenzfonds. Man hat sich nunmehr auf einen Grenz- fonds von zehn Millionen geeinigt, und zwar sollen zwei Millionen der Dollaranleihe, eine Million dem Staatsschatz entnommen werden. Außerdem stehen zur Verfügung 3.9 Millionen an Resten bei den Polizeikosten und etwa zwei Millionen an Ersparnissen bei der Senkung der Gehälter für die Staatsarbeiter. Der Rest wird aus allgemeinen Ersparnissen zur Verfügung ge= stellt.
* Der Preußische Landtag lehnte den kommunistischen Urantrag auf Aufhebung des Verbots der „Roten Fahne" ab und begann die dritte Lesung des Etats 1931. *
* Das Reichspostministerium hat verschärfte Bestimmungen zum Schutze der Geldbriefträger erlassen.
Die Sowjetregie und hat dem Generalsekretär des Völkerbundes telegraphisch mitgeteilt, daß ihre Delegation am 16. Mai zur Teilnahme an den Wirtschaftsarbeiten des Europaausschusses in Genf eintreffen wird
Der englische Außenminister Henderson traf heute auf "der Durchreise nach Genf t n P a ri s ein. Nach dem „Petit Parisien" ist es wahrscheln- lich, daß er mit Briand über die Frage des englisch-französisch-italienischen Flottenabkommen verhandeln wird.
•
Gestern nachmittag ereigneten sich in P o r t Said neue Unruhen. Eine von Studenten geführte Menschenmenge bewarf Reoierwachen der eingeborenen Polizei mit Steinen. Fünf Polizeibeamte wurden verletzt. Die Polizei eröffnete darauf das Feuer und tötet seinen Manifestanten, mmjreno »met verletzt wurden, darunter einer schwer. Die Unruhen beschränkten sich auf das Emgsbormenviertel.
•
Der vom Völkerbundsrat eingesetzte Sonderausschuß zur Ausarbeitung eines Abkommens über kriegsvorbeugende Maßnahmen des Völkerbundes fit am Montag vormittag in Genf zusammenge- treten.
•> Näheres stehe im politischen Seil
Paris, 11. Mai. Wie Havas aus Madrid berichtet, hat die Regierung auf Grund der Vorstellungen der Sozialistischen Partei und des Allgemeinen Arbeiterverbandes eine Reihe st r e n g e r Maßnahmen beschlossen. In der ersten von der Regierung herausgegebenen Bekanntmachung wird die vorübergehende Schließung sämtlicher Börsen in Spanien angeordnet. Die zweite Bekanntmachung bezieht sich auf die Ereignisse des Sonntags. Die Regierung habe sich, in den letzten 24 Stunden außerordentlich gemäßigt gezeigt, sie wolle aber jetzt den Bestand der Republik mit allen Mitteln verteidigen. Sie hoffe dabei auf die Unterstützung des Volkes, aus dessen verschiedenen Schichten sie unzählige Beweise der Anhänglichkeit habe.
Zum Schluß erklärt die Regierung, folgende Beschlüsse gefaßt zu haben:
1. Wiederverhaftung des Generals Berenguer, dem erneut der Prozeß gemacht werden soll. ,
2. Sofortige Auflösung der höchsten M>. l i t ä r - und M a r i n e g e r i ch t e, die die Freilassung Berenguers verfügt hätten.
3. Verhaftung sämtlicher Monarch lsti- scherFührer.
4. Einleitung von Prozessen gegen alle maßgebenden Leute, die während der Diktatur Uebergriffe begangen haben.
5. Gerichtsverfahren gegen die letzten monarchistischen Innenminister wegen ihres Vorgehens gegen das Madrider Atheneum.
Ferner erklärt die Regierung, sie habe den Kriegszustand ausrufen müssen zum Schutze der Republik, deren junges Leben gleichermaßen von rechts und links bedroht fei. Von Maßnahmen gegen die Kommunisten, die die Klöster angezündet haben, steht nichts in den Regierungsbekanntmachungen.
Vor der Herausgabe obiger Bekanntmachungen erschien im Ministerrat eine Abordnung unter der • Führung des Mechanikers Rada, her bekanntlich
öftrem auf die Klöster
Paris, 11. Mai. Wie Havas aus Madrid berichtet, teilt das Innenministerium mit, daß im Verlaufe der Ausschreitungen der letzten Tage zehn Klöster in Madrid in Brand gesteckt wurden. Die Polizei fei aber Herr der Lage und der Verkehr beginne heute in den späten Nachmittagsskunden wieder zu funktionieren. Die Regierung hat den Belagerungszustand über Madrid verhängt.
Auch aus der P r o v i n z werden Angriffe gegen Klöster gemeldet. 3n Cordoba und in Sevilla hat die Menge versucht, mehrere Klöster in Brand zu stecken.
drid abends ziemlich ruhig. Man sieht wieder viele Autolaxis u. Privatwagen. Die Straßenbahnen haben den Verkehr wieder ausgenommen. Dichte Volksmengen, darunter viele Frauen und Kinder umlagern die brennenden Gebäude und sehen sich das Schauspiel an. Gegen 8 Uhr abends fuhr über den Hauptplatz eine Abteilung von Tanks. Man weiß nicht, wohin sie dirigiert werden. Auch der große, in der Nähe von Madrid in Ehamarkin liegende Klosler-Palast der Jesuiten ist in Brand gesteckt worden. Die Volkswut richtet sich besonders gegen das Jesuitenklosler in der Gran Via, weil die Stadt Madrid vor kurzem dem Jesuitenorden 2 Millionen Pesetas Entschädigung hatte zahlen müssen für ein ganz kleines Stück seines botfigen Grundstückes, das man für den Durchbruch der neuen Gran Via nötig hatte. Mehr herzugeben weigerten sich die Jesuiten, so daß dieser Teil der großen Durchbruchstraße nicht so breit, wie geplant, angelegt werden konnte. Als sich die Menge vor oem Gebäude sammelte, wurde iUt 0 i ifta ü? aus den Fenstern hecausgeschossen. Auch ertönten Rufe: „Es lebe die Monarchie, Hoch der Klerus". Bald darauf aber flüchteten sämtliche Insassen des Gebäudes in Zivilkleidern durch die Hinterausgänge. Ein daneben Legendes Privalhaus geriet später auch in Brand. — vor dem großen Residenzgebäude der Jesuiten am Boulevard kam es zu einer kurzen Schießerei zwischen Gendarmerie und Unruhestiftern. Mehrere Personen wurden verwundet. Gegen abend konnte die Feuerwehr an mehreren, jetzt von Truppen bewachten brennenden Klöstern die Löscharbeiten aufnehmen, ohne weiter belästigt zu werden.
Madrid, ,11. Mai. Die Nacht vom Sonntag aus Montag ist ruhig verlaufen. Die Volksmenge hatte noch in der Nacht einige Autodafes mit großen Mengen von Exemplaren der Zeitung „ABE." und „El Debate" veranstaltet. Heute früh haben die Autodroschken den Verkehr noch nicht wieder ausgenommen; auch sind Straßenbahnen nur in beschränkter Anzahl unterwegs. Die Sozialistische Partei und sie sozialistischen Gewerkschaften verkeilen Aurufe, in denen zur Ruhe gemahnt wird, und fordern zur Weiterarbeit auf. Ein großer Teil der Bauarbeiter ist jedoch in den Streik aetreten. Heute früh versuchken einige Manifestanken, die Jesuitenkirche in der Straße Gran Via in Brand zu stecken, nachdem sie vorher einige Behälter mit Benzin ausgegossen halten. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gelang es der Volksmenge um 12.30 Uhr den Plan der Inbrandsetzung des Jefuiten- klosters in der Gran Via in die Tat umzusehen. Das GehMe steht in Flamme^ Eine ungeheure Men- schenmenge hat sich vor dem Kloster ««gesammelt.
Die Wut der Bevölkerung nammentlich gegen den Besitz von Ordensgesellschafken — man haßt die Jesuiten vor allem, weil sie hier in Spanien mit ihren unzähligen Millionen große industrielle und andere Unternehmungen leiten —, führte dazu, daß inmitten der Stabs weitere Klöster in Brand gesteckt wurden —, die lichterloh brennen. In der ersten Nach- mitkaasstunde wurde dann das große Residenz- gebaude des Jesuiken-Ordens, neben dem sich eine aroße, von den Jesuiten gut geleitete Hand- werkerschule befand, in Brand gesetzt. Durch eine einstürzende Mauer wurden Zwei der Angreifer schwer verletzt.
Abgesehen von den brennenden Klöstern und einigen umherziehenden Volkshaufen ist es in Ma
Gchavße Maßnahmen
der Regierung
den Fliegermajor ^ranch auf seinem Ozeanfluge begleitet hat. Er überbrachte angeblich im Auftrage des Volkes folgende Forderungen: 1. Auflösung der Zivilgarde. 2. Tötung des spanischen Nationalistenführers Dr. Albina. 3. Haussuchung in allen Klöstern und größeren Zeitungen nach Waffen. 4. Sofortige Einsetzung von Volksgerichten. 5. Rücktritt des Innenministers Maura. Ein Mitglied der Abordnung verlangte sogar die Freilassung des marokkanischen Freiheitshelden Abdel Krim, der bekanntlich von den Franzosen auf der Insel Reunion gefangen gehalten wird. Ein sozialistischer Minister antwortete, die Regierung werde mit alle Mitteln Gerechtigkeit schaffen und alle Schuldigen zur Verantwortung ziehen. Rada erklärte hierauf, seine Regierungsgenossen wollten die Regierung wohl unterstützen, könnten aber nicht dafür garantieren, daß das Volk ruhig bleibe, falls die sogenannten Forderungen nicht in der Hauptsache genehmigt würden.
Die Zensur für sämtliche für das Ausland bestimmte Pressetelegramme ist, wie Havas aus Madrid meldet, wieder hergestellt worden.
General Vevenguev Wieder verhaftet
Madrid, 11. Mai. Der Staatsanwalt hat abermals eine Strafverfolgung gegen General Berenguer, und zwar wegen Fälschung, eingeleitet. General Berenguer ist wieder in das Militärgefängnis eingeliefert worden.
«tMSvtsch«! Schutz lebenswichtige« Betriebe
Paris, 11. Mai. Wie Havas aus Madrid berichtet, hat der Generalkapitän die Elektrizitätswerke, die Wasserwerke und andere Gebäude öffentlichen Interesses durch Truppen besetzen lassen.
Dev pveutzische Atetbett- vevtvag untevzeiAnet
Berlin, 12. Mai. Der Vertrag des Staates Preußen mit den Evangelischen Landeskirchen ist gestern gleichzeitig mit dem Schlußprotokoll von den staatlichen und kirchlichen Vertretern unterzeichnet worden. Unmittelbar nach der Anierzeichnung sind beide Urkunden dem preußischen Staatsrat zugeleitel worden. Unmittelbar nach der Unterzeichnung sind träges auf den 19. Mai anberaumt hat. Vom Staatsrat gehen Vertrag und Schlußprotokoll dann dem Landtag zur Verabschiedung zu. Es besteht kein Zweifel daran, daß sich im Landtag wie im Staatsrat eine Mehrheit für den Vertrag finden wird.
Es hat fast zwei volle Jahre gedauert, bis die Verhandlungen über den Abschluß eines Kirchenvertrages in Preußen zum Abschluß ge führt haben. Mitte Juni 1929 wurde das Konkordat mit der katholischen Kirche unterzeichnet. Am 9. Juli faßte dann der preußische Landtag eine Entschließung, die das preußische Staatsministerium aufforderte, unverzüglich mit den evangelichen Landeskirchen in Verhandlungen einzutreten, um auf vertraglicher Grundlage eine paritätische Behandlung dieser Kirchen sicherzustellen. Zwei Tage später wurden die Verhandlungen eröffnet. Sie erwiesen sich als recht schwierig, rein äußerlich gesehen schon deshalb, weil diesmal nicht eine ' Kirche, sondern acht Landeskirchez» "dem StaatL als WMüMM'M MöuMtjtaudm, nâ» der größten, der altpreußischen Union, noch die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, die evangelische Landeskirche in Hessen-Kassel, die evangelische Landeskirche in Nassau, die evangelische Landeskirche Frankfurt a. M., die evangelisch-reformierte Landeskirche der Provinz Hannover und die evangelische Landeskirche von Waldeck und Pyrmont.
Aber auch inhaltlich standen dem Abschluß des Kirchenvertrags zunächst erhebliche Hindernisse im Wege. Die evangelichen Landeskirchen waren bisher in der Bestellung ihrer Vertreter bis zum Inhaber der. höchsten Aemter vollständig frei gewesen. Nun verlangte der Staat ein gewisses Einspruchsrecht. Er war bereit, die Dotation, den staatlichen Beitrag für kirchenregimentliche Zwecke, auf 4,95 Millionen zu erhöhen und den kirchlichen Besitzstand zu sichern. Als Gegenleistung sollte aber dem Staate nun auch ein gewisses Einspruchsrecht bei der Ernennung der leitenden kirchlich. n Beamten zugestanden werden. So entstand der Kampf um die politische Klausel, der nach ziemlich langer Dauer zu einer für beide Teile erträglichen Lösung geführt hat.
In dem Artikel 7 des gestern unterzeichneten Vertrages wird bestimmt, daß zum Vorsitzenden einer Behörde der Kirchenleitung oder einer höheren kirchlichen Verwaltungsbehörde niemand ernannt werden kann, von dem nicht durch Anfrage bei der preußischen Staatsregierung festgestellt worden ist, daß Bedenken politischer Art gegen ihn nicht bestehen. An sich hatten die Landeskirchen gegen eine- derartige Bestimmung nichts einzuwenden. Sie wollten nur Garantien gegen einen Mißbrauch dieser politischen Klausel schaffen. Zu diese' Zweck forderten sie zunächst die vertragliche Bindung an ein Schiedsgericht, das von kirchlicher Seite gegen eine politische Entscheidung der preußischen Regierung angerufen werden konnte. Das preußische Kabinett lehnte aber seiner Mehrheit nach eine solche Bindung ab. Es gab auch nicht zu, daß die katholische Kirche in ähnlicher Lage die Möglichkeit habe, ein internationales oder sonstiges Schiedsgericht anzurufen.
Beide Parteien einigten sich dann auf eine Feststellung im Schlußprotokoll zu Artikel 7. Danach dürfen keine kirchlichen oder Partei- politichen Bedenken vom Staate geltend gemacht werdem Bei etwaigen Meinungsverschiedenheiten muß die Regierung ihre Bedenken durch Tatsachen begründen und die Feststellung bestrittener Tatsachen liegt in der Hand einem gemeinsamen zu bestellenden Kom-
SSSB-BH^e—B-— -H
Sie beuttse Uummev umfaOi 12 (Seite»