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Freitag den 1. Mai 1931

Nr. 101

Unbestbviebene Blüttev und

Blättchen

Wer hat den größten Aktenschrank? Der Mai, denn er hat die meisten Blätter. Der Herr Aktuar, der alles nur unter dem Gesichtspunkt der Papier­aktualität betrachtet, glaubt zwar nicht, daß das richtig ist, aber Blatt ist Blatt. Ungezählte unbe- beschriebene Blätter und Blättchen bringt der Lenz hervor, eine Abstimmung auf unbeschriebenen Zet­teln, alles grün und sehr lustig.

Die Dichter müßten eigentlich ihre Gedichte aus diese grüne Blättchen schreiben, dann röchen sie nicht so nach Papier, und die Seelenvollen unter ihnen hauchen ja längst ihre Verse auf Rosenblätter, das heißt auf die Blütenblätter der Rose, darum sind ihre Worte so zart, so wesenlos und anspruchsvoll, ganz in Duft gekleidet und mit Träumerei um­

fppnnen.

Oder sind diese Blätter und Blättchen, die sich alle der Sonne entgegenstrecken, wie von einer un­sichtbaren Hand gehalten, doch nicht so unbeschrie­ben? Seht sie euch nur näher an. Es ist eine eigen­artige Schrift auf ihnen verborgen. Man muß sie gegen das Licht halten, man mut .......

mit ihnen be-

schäftigen. Dann sieht man, die Hieroglyphen des Lebens stehen darauf, des stillen innigen und doch dröhnenden und wilden Lebens. Ein "wunderbarer

Dichter, der Meister aller Meister hat sie selbst ge­schrieben <

eine Bibliothek des lebendigsten

Lebens!

älewrsketten aus dem Gevichtssaal

Den Bock zum Gärtner gemacht

Zu jener nicht seltenen Kategorie von Stamm­gästen bei dem hiesigen Gerichte zählt auch ein 40jähriger Steindrucker, der schon vor knapp 2 Jahr­zehnten erstmalig' mit dem Strafgesetz in Konflikt kam und feit dieser Zeit dem Gericht eine außer­ordentliche Anhänglichkeit bewies. Gerade in den letzten Jahren erblickt man ihn höchst häufig in den Hallen Justitias, die er sich scheinbar zur ewigen Geliebten erkoren hat. Größtenteils sind es kleinere Gaunereien, die ihn immer wieder einen Dummen finden und vor dem Strafrichter erscheinen lassen. Ist es dann so weit, so kommt jedesmal Leben in die Bude, dafür sorgt zum allgemeinen Gaudium die Persönlichkeit und Phantasie des Angeklagten. Dies­mal sollte er für einen in Druck befindlichen Freund einen blauen Kammgarnanzug versetzen, den letz­terer gerade vom Wohlfahrtsamt erhalten und noch nicht einmal auf dem Leib hatte. Mit einiger Selbst­verständlichkeit tat es unser biederer Freund nicht, sondern verkaufte den Anzug kurzentschlossen auf eigene Rechnung und händigte dem Auftraggeber lediglich 3 RM aus, die er als Pfandsumme erhalten haben wollte. Als der Besitzer den verpfändeten Anzug am nächsten Freitag wieder einlösen wollte, war sein Beginnen vergebliche Liebesmühe, denn der Anzug war auf Nimmerwiedersehen verschwun­den und der Angeklagte hatte sich unsichtbar gemacht. DerFreundschaftsdienst" trug dem Angeklagten, der wiederum einige ganz hübsche Märchen erzählte, fieftern vor dem hiesigen Einzelrichter 1 Monat Ge- ängnis ein.

Der rettende Ausweg

Das Handwerk ist schon längst nicht mehr auf Rosen gebettet und seufzt schwer unter der allge­meinen Geldknappheit. Ein Schneidermeister aus Großauheim zog an dem gleichen Strick und hatte erhebliche Verpflichtungen an ein Frankfurter Tuch­haus. Als die Gläubigerin eines schönen Tages un­geduldig wurde und mit Nachdruck auf Zahlungs­erfüllung drang, übereignete ihr der Schuldner ein Klavier unter der ausdrücklichen freien Eigentums- Verfügung. Den Nebereignungsvertrag unterschrieb auch die Ehefrau, die damit gleichfalls in den Schla­massel hineingezogen wurde, als es sich hinterher herausstellte, daß der Kaufpreis für das Klavier nur zu einem Bruchteil bezahlt war und die Lieferfirma ihr Eigentumsrecht gebieterisch gelegentlich einer späteren doch noch erfolgten Pfändung seitens des Tuchhauses geltend machte. Das Ehepaar wurde daraufhin zu je 30 RM Geldstrafe verurteilt. Wei­tere 40 RM Geldstrafe mußte der Ehemann oben­

drein noch in Kauf nehmen, da er von dem Inhaber des Tuchhauses einen Barbetrag von 30 RM zur Einlösung eines etwa doppelt so viel ausmachenden Wechsels erhalten und das Geld für sich verbraucht hatte.

3 m Banne des Alkohols

Ein 29jähriger Arbeiter von hier neigt in der Trunkenheit zu Exzessen, ohne angesichts dieser nicht gerade seltenen Eigenschaft seinen Durst etwas zu bezähmen. Die Folge davon ist, daß er gelegentlich in der Trunkenheit recht unangenehme Auftritte mit Polizeibeamten heraufbeschwört, von denen er hinterher nichts mehr wissen will. Auch am 14. Januar gegen 1.45 Uhr nachts war dies an der Ecke Reben- u. Hospitalstr. der Fall, als der Ange­klagte und ein inzwischen verstorbener Freund von ihm unter Einwirkung des Alkohols derart laut schrien und gröhlten, daß zwei Polizeibeamte den Lärm straßenweit hörten und gunädiW beruhigend einschritten. Wie meistens in derartigen Fällen waren die Ermahnungen der Beamten in den Wind gesprochen, denn die beiden Angetrunkenen kehrten sich einfach nicht daran. Personalienverweigerung, Widerstand, Beleidigung und tätlicher Angriff gegen die Beamten überstürzten sich dann und lediglich dem beherzten Zugreifen eines Zechkumpanen der beiden nächtlichen Ruhestörer war es neben der Vernunft der Beamten und der mählichen Ernüchte­rung des inzwischen verstorbenen Krachmachers zu danken, daß weitere üble Auftritte verhütet wur­den. Dem Angeklagten kam die Sache angesichts seiner einschlägigen Vorstrafen mit 1 Monat Ge­fängnis und 3 Tagen Haft recht teuer zu stehen.

Das alle Lied

Ein Wohlfahrtserwerbsloser, der in ähnlichen Sachen bereits eine gewisse Erfahrung hat, hatte sich eines schönen Tages wiederum ein Fahrrad unter Eigentumsvorbehalt aufStottern" erwor­ben, ohne sich über die für feine Verhältnisse sehr hohe Kaufsumme von 122 RM irgendwelche Ge­danken zu machen. Vielmehr versetzte er unmittel­bar nach demKauf" das Rad und ließ das Pfand einfach verfallen, was ihm gestern 1 Monat Ge­fängnis eintrug.

* Wird das Kinzig-Freibad geöffnet oder nicht? Uns wird geschrieben: Der Aufruf zur Erhaltung des Kinzig-Freibades hat bekanntlich einen lebhaf­ten Widerhall in der Hanauer Bürgerschaft gefun­den. Die. überaus stark besuchte Versammlung, die am Montag, den 27. April in der Gebeschusschule stattfand, beweist die lebhafte Teilnahme, die alle Kreise der Bevölkerung an diesem Bade nehmen. Die Erhaltung der Badeanstalt ist nicht, wie viel­fach angenommen wird, eine ausschließliche Ange­legenheit des Lamboyviertels. In der Versammlung wurde festgestellt, daß der größte Teil der Besucher aus dem nordöstlich an die Kinzig angrenzenden Stadtteil stammte. Der gewählte Ausschuß hat in­zwischen mit dem Magistrat verhandelt und wird am nächsten Sonntag Bericht erstatten. Die Bade­anstalt liegt noch nicht im klaren Fahrwasser, aber es steht zu hoffen, daß sie allen Widerständen zum Trotz aufgebaut werden wird, wenn die Be­geisterung so bleibt wie bisher und alle Frauen und Männer, die im letzten Sommer das Kinzig­bad besucht haben, zur nächsten Versammlung er­scheinen. Deshalb hestzt die LosüMAm nächsten Sonntag, 3. Mai, alle Mann an Bord!" Bei günstigem Wetter findet die Besprechung vormittags 11 Uhr am Badeplatz an der Kinzig statt, bei schlechtem Wetter zur gleichen Zeit in der Gast­wirtschaftZum deutschen Hof", August Schnee­mann, Lamboystraße 18, wo ein genügend großer Versammlungsraum vorhanden ist.

gestern abend Freiherr d.

* Spiegel-Vortrag. In der Centralhalle hielt

I. Spiegel den angekün- g:Die Wahrheit

digten Lichtbildervortrag: ... , ,

üb er den U-Bootkrieg Erlebnisse und Abenteuer im Weltkrieg". Einlei-

tend behandelte der Vortragende die Frage: Warum hat Deutschland den Krieg nicht gewon­nen, warum hat der U-Bootkrieg nicht zum Siege verhalfen?" und beantwortete diese Frage mit dem Treitschke-WortFür Halbheiten kann sich ein Heer nicht schlagen". Bei Ausbruch des Krieges habe die deutsche Kriegsflotte insofern eine Lücke aufgewie-

sen, als die U-Bootflottille zu schwach gewesen sei. tung von E. Valentin aus, da schon lange nicht Von einer Vorbereitung des Krieges durch Deutsch- mehr eine so stattliche Vereinsriege auftreten konnte, land, wie es im Versailler Vertrag heißt, könne Die Turner E. und B. Valentin zeigten dabei hohes schon deshalb keine Rede fein. Bis zum Winter Können turnerischer Kunst. Die flotte Durchführung 1914 sei kein U-Boot im Besitze eines Gesthützes! des Gebotenen und die fleißige und sorgfältige Vor-

gewesen und als man jene Lücke in der Kriegs­flotte zu schließen versucht und am 1. Februar 1915 den ersten unbeschränkten U-Bootkrieg er­klärt habe, sei das Auswärtige Amt auf verschie­dene Proteste Amerikas und neutraler Staaten hin, wieder zurückgewichen, indem es Rücksichtnahme angeordnet habe. Infolge dieser Einschränkungen habe der U-Bootkrieg keine ernstliche Einwirkung, auf die große Kriegführung ausüben können. Nach der Versenkung derLusitania" am 7. Mai 1915 sei der U-Bootkrieg erledigt gewesen und man habe sich nur noch auf militärische Ziele beschränken müssen. Später, nach­dem das Auswärtige Amt seine Fehler eingesehen habe, sei es 1917 zur Erklärung des zweiten un­beschränkten U-Bootkrieges geschritten, aber auch da seien sehr bald wieder Einschränkungen ange- ordnet worden, auch da habe man wieder mit Halb­

Heiten operiert. Im zweiten Teil seines Vortrages zeigte Redner einige technische Bilder von U-Booten und ließ die Zuhörer einen interessanten Blick tun in das Innere dieser Boote. Dann schilderte er die Gefahren, denen die U-Boote auf ihren Fahrten ausgesetzt waren, zeigte die Minen­sperre, U-Bootnetze usw. und plauderte dann von den bewundernswerten Leistungen unserer U-Boote bzw. von den unerhörten Anforderungen an die Besatzung. Schließlich schilderte Redner in überaus lebendiger Weise seine große Fahrt, die er in seinem BuchU-Boot im Fegefeuer" festgehalten hat, und zeigte zahlreiche Aufnahmen von der Versenkung von Schiffen während dieser Fahrt, die schließlich mit seiner Gefangennahme endete. Leider unterließ es Redner dieNacht im Fegefeuer" den letzten Kampf desU 202" gegen eine englische U-Boot- Falle zu schildern. Er tat dies mit Rücksicht darauf, daß zahlreiche Zuhörer sein Buch getauft hätten und er diesen die Pointe nicht nehmen wolle. Eine Rück­sichtnahme, die gegenüber denjenigen Besuchern, die nicht in der Lage waren, jenes Buch zu erwerben, u. E. nicht am Platze war. Den Schluß des Vortra­ges bildeten einige Bilder vom U-Boot-Kriegsschau, platz des Mittelmeeres. Die Zuhörerschaft verfolgte die Ausführungen des Vortragenden, die von An­fang bis Ende ein einziges Heldenlied der Kämpfer unter dem Meeresspiegel in Tat und Tod waren, mit großem Interesse und zollte am Schluß stür­mischen Beifall.

* Heizung der Eisenbahnzüge. Gegenüber den bei dem kühlen und unfreundlichen Wetter vor­handenen Besorgnissen des reisenden Publikums wegen der Heizung der Eisenbahnzüge kann der Gewerkschaftliche Pressedienst" mitteilen, daß die Reichsvereinigung der Reisenden und Vertreter im GDA. auf ihre Anfrage von der Deutschen Reichs­bahngesellschaft die Antwort erhalten hat, daß die dem Personenverkehr dienenden Züge in der Zeit oom 15. September bis zum 15. Mai geheizt werden wenn nicht die Außenwärme so liegt, daß die Beheizung der Wagen sich erübrigt. Die auch nachts laufenden, dem Fernverkehr dienenden Züge bleiben bis zum 31. Mai mit Heizkuppelun­gen ausgerüstet, um heizen zu können, wenn aus­nahmsweise auch in der zweiten Maihälfte noch niedrige Temperaturen auftreten sollen."

* Turnwerbeabend des TV. Kesselstadl. Es war eine Werbung im wahren Sinne des Wortes, was der TV. Kesselstadt in einem Ausschnitt feines Turnbetriebes den zahlreichen Zuschauern darbot. Bereits die Jüngsten eroberten sich mit Springen und Spielen, Turnen und Tanzen im Nu die Her­zen von jung und alt. Mit ganz prächtigen Leistun­gen warteten die Turnerinnen auf. Ihr Können ist im vergangenen Jahre unter Leitung des Turn­lehrers Klein zu einer beachtlichen Höhe herausge­bildet worden, was sich besonders bei dem mit gro­ßem Beifall aufgenommenen TanzspielHahn im Korb" zeigte. Daß es in Kesselstadt noch eine statt­liche Schar Turnerinnen über 25 Jahre gibt, sah man bei den Vorführungen der rhythmischen Ab­teilung (Frauenriege), unter Leitung von Frau Ewald, die großes Interesse und Anklang fanden. Ganz besondere Freude löste das Pferdspringen und Barrenturnen von 12 aktiven Turnern unter Lei­

Turner E. und B. Valentin zeigten dabei hohes

bereitung verdienen noch ein Sonderlob.

* Motorradfahrer und Alkohol. In der vergan­genen Nacht rannte ein angetrunkener Motorrad­fahrer, der ohne Beleuchtung fuhr und keinen Führerschein hatte, auf der Lamboystraße in Höhe der Gabelsberaerstraße mit voller Wucht gegen einen Straßenspervbock auf. Das Motorrad wurde erheblich beschädigt, während der Fahrer mit leich­teren Verletzungen davonkam und sein Heil in der Flucht suchte.

* Gestohlen wurden am Mittwoch und Donners­tag folgende Fahrräder: 1. Damenrad Marke Dioli, Fabriknummer 290182, schwarzen Rahmen und Schutzblech. Bereifung Conti, grau, englische Lenk­stange, Glocke mit der AufschriftGrimm", Schutz­netz grau mit lila und gelb durchzogen. Ferner be- fand sich an dem Fahrrade eine elektrische Beleuch' tung MarkeBaco". 2. Herrenfahrrad Marke Bu-

dina, Rahmen, Schutzblech nud Felgen schwarz, Be reifung grau, Lenkstange: deutsche mit schwarzen Gummigriffen, Beleuchtung: alte Boschlampe ohne Batteriebehälter und ohne Fassung. An der Lenk­stange war ein schwarzer Batteriekasten, Marke Radsonne, befestigt. 3. Damenfahrrad Marke Röba, Torpedofreilauf, Rahmen und Felgen schwarz mit grünen Streifen, Schutzbleche schwarz mit Goldstreifen, Bereifung grau, deutsche Lenkstange mit einem schwarzen Gummigriff. An dem Fahr­rade fehlt die Vorderradbremse und das Marken­schild. Sachdienliche Mitteilungen über den Ver- bleib der Räder und über die Täter erbittet das Kriminalkommissariat, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden.

* Freibank-Verkauf am Samstag, 2. Mai 1931, von 811 Uhr. Zum Verkauf kommt Rindfleisch. Preis pro Pfund 50 Pfg. Höchstgewicht 6 Pfund. Der Verkauf erfolgt nur in der genauen Reihen­folge der ausgegebenen Karten Kartenausgab« im Schlachthof am Samstag, 2. Mai 1931, von 7.50 Uhr vormittags ab bis zum Ende des Verkaufs.

wettevbevkcht

Ueber dem Kontinent hat sich von Westen her ein flacher Hochdruckrücken entwickelt, m dessen Be­reich auch bei uns am Donnerstag stärkerer Be­wölkungsrückgang einsetzte. Der Hochdruckeinfluß wird zunächst vorherrschen und bei östlichen und südlichen Winden wird es tagsüber zu stärkerer Erwärmung kommen. Ein über dem Ozean liegen­des, weit nach Norden reichendes Hochdruckgebiet wird jedoch später wieder einen erneuten Zustrom kälterer Luft hervorrufen, der wiederum bas. Auf­kommen unbeständiger Witterung bedingt. Vor hersage bis Freitag abend: Stellenweise Früh­nebel, sonst heiter bis wolkig, im wesentlichen trocken, mittags ziemlich warm, Windrichtung wech­selnd. Witterungsaussichten bis Samstag: Wie­der Aufkommen unbeständigerer, später auch küh­ler Witterung, Neigung zu gewittrigen Schauern.

etmfëfömfen im Landkreis

Das Kuratorium der Kreisfortbildungsschulen hat einen Bericht über das Schuljahr 1930/31 her­ausgegeben, dem wir folgendes entnehmen:

Das deutsche Volk befindet sich heute in der schwerstm Krise, die es bisher durchgemacht hat. Was liegt da näher, als da abzubauen, wo es am wenigsten wehe tut, bei den kulturellen Aufgaben der Kommunen, vor allem dem jüngsten Kinde unseres Bildungswesens, den Berufsschulen. Die Kreisinstanzen sind sich jedoch bewußt, daß der­artige Anschauungen verfehlt sind, daß ein Zurück­schrauben der Berufsschule auf frühere Zustände nicht nur einen bedauerlichen kulturellen Rück­schritt, sondern eine schwere Verkennung der Ver­änderungen unserer wirtschaftlichen Struktur und der daraus sich für eine Förderung unseres wirt­schaftlichen Wiederaufstiegs ergebende Notwendig­keiten bedeuten. Man war deshalb bestrebt, der im allgemeinen günstigen Entwicklung des Berufs­

Gevum gegen Luttgen- etttründrmg

o Mit Hilfe derNotgemeinschaft der Wissen­schaft wurden zahlreiche Tierversuche gemacht, um ein Heilverfahren des Heidelberger Forschers Dr. Gundel bei Lungenentzündungen zu erproben. Diese Krankheit trotzte bisher allen ärztlichen Maßnah­men. Besonders bei der gefürchteten Grippe trat sie nahezu epidemisch auf und war die Hauptur­sache dafür, daß die Grippe zu den Schrecken der Menschheit gehörte. Zwar waren in ihrem Gefolge auch allerlei andere sehr unangenehme Organ­erkrankungen, aber die größte Gefahr für das Le­ben der Patienten bestand dann, wenn sich die ern­sten Anzeichen einer beginnenden Lungenentzün­dung bemerkbar machten. Dann hing das Leben des Kranken fast ausschließlich von der Widerstands­fähigkeit des Herzens und der anderen Organe ab, da sich die Aerzte darauf beschränken mußten, den Körper zu stärken. Die Lungenentzündung befällt meist kräftige junge Leute und Patienten, die durch Operation geschwächt sind. Nach ärztlichen Mittei­lungen ist es gelungen, in dem Blutserum von Kran­ken, die eben eine Lungenentzündung überstanden haben, ein Heilmittel gegen dieses furtbare Leiden zu entdecken. Dr. Gundel hat diese Feststellung ge­macht und an zahlreichen Tierversuchen die Richtig­keit der Tatsache erprobt. Den Tieren, die an Lun­genentzündung erkrankt waren, wurde das Blut­

serum menschlicher Rekonvaleszenten eingespritzt, woraufhin sofort eine merkliche Besserung des Krankheitszustandes erfolgte. Die Möglichkeit einer derartigen Heilung ist durch die Neigung des Or­ganismus gegeben, im Blute von Kranken und Ge­nesenden Stoffe zu bilden, durch die das Krankheits­gist unschädlich gemacht wird. Diese Stoffe sind naturgemäß im Blute von Genesenden in sehr großer Menge vorhanden, da eben die Genesung anscheinend von ihr abhängig ist. Eine Einspritzung des Blutserums von Menschen, die eben die Lun­genentzündung überstanden haben und sich auf dem Wege der Genesung befinden, bedeutet eine Stär­kung der Abwehrkräfte des Körpers. Bisher mußte man ruhig, abwarten, ob der Körper selbst genü­gend Abwehrkräfte entwickeln konnte, und man hat nur durch fiebermindernde und herzstärkende Mittel

oDas Experiment", Lustspiel von Josefa Mehl (Uraufführung im Sladttheater Bielefeld). Das Werk hat die Probleme der medizinischen Verjün­gung zum Thema. Zwei bedeutende Chemiker mokieren am eigenen Leibe die Wirkung des von hnen erfundenen Verjüngungsmittels aus; Fuß- ack = Vollbart des einen, Glatze, Bauch und X- Beine des andern verschwinden, und die beiden alten Knaben bekommen wieder Aussehen und Unternehmungslust junger Studenten. Das zau­berhafte Mittel übte übrigens auf Geist und Er­innerungsvermögen keine in früheren Lebensstadien zurückversetzende Wirkung aus, so daß also nun eigentlich der volle Genuß der Jugend bei aller Be­wußtheit des reiferen Alters möglich fein müßte, wenn, ja, wenn da nicht noch ein Haken wäre. Die Wirkung des Mittels läßt nämlich bei starker Erhöhung der Körpertemperatur nach. Und als die beidenNeu-Jünglinge" bei ihrer Fahrt ins Jugendland zunächst einmal sich prompt verlieben, da ergeben sich allerlei fatale Situationen. Zum Beispiel, wenn die schöne Lilli beim Austausch stür­mischer Zärtlichkeiten plötzlich einen ganzen Schopf der wieder rapide ausgehenden Haare ihres Part­ners in der Hand behält oder wenn die Züge des anderen im Ueberschwung der Gefühle über das Wiedersehen mit einer alten Jugendliebe wieder einen unbegreiflich greisenhaften Ausdruck anneh­men. Es hilft nichts, sie ist nicht ganz echt die neue Jugend. Gerade das Ersehnteste, nämlich die Liebe, kann durch das Mittel nicht zurückgebracht werden. Und schleunigst verlassen die beiden ent­täuschten Forscher das lustige Atelierfest in Schwa­bing, den Schauplatz ihrer rühmlos verlaufenen Liebesabenteuer. Nun sind die beiden wieder alt, wie sie es im Anfang waren. Der eine, der sein Herz an ein junges Mädchen verloren hatte, muß auf das erträumte Glück verzichten, der andere allerdings bekommt am Schluß doch noch die an­gejahrte zum Glück inzwischen geschiedene Herrin seines Herzens. Das Publikum amüsierte sich köstlich und brachte der anwesenden Verfasserin, dem Regisseur und den Darstellern lebhafte Ova­tionen dar. Ein schöner Erfolg.

diesen Prozeß zu unterstützen versucht. Große Ge­fahr war auch dann vorhanden, wenn die Lungen­entzündung im Zusammenhang mit anderen schwe­ren Krankheiten auftrat. Mit Hilfe dieses neuen Serums soll es nun möglich sein, in den Kampf gegen die Lungenentzündung systematisch einzutre­ten. Besonders gute Erfolge sollen mit direkter Blutübertragung erzielt worden sein. Das Blut der Kranken, die eben eine Lungenentzündung überstanden hatten, wird direkt auf andere Kranke übertragen, wodurch schnelle Heilung in zahlreichen Fällen erfolgt. Die Versuche sollen jetzt in zahlrei­chen Krankenhäusern unternommen werden. Es ist zu hoffen, daß sich die Erwartungen erfüllen, die an diese Heilmethode geknüpft werden. Erst nach ausreichender klinischer Erfahrung wird ein endgül­tiges Urteil über diese Methode der Behandlung der Lungenentzündung gefällt werden können. Ins­besondere wird sestzustellen sein, ob sich schädliche Folgen ergeben. Die Lungenentzündung ist aller­dings eine so gefährliche Krankheit, daß man auch geringe schädliche Folgen wohl in Kauf nehmen wird, zumal es sich darum handelt, diejenigen Pa­tienten der neuen Heilmethode zu unterziehen, die sonst nach ihrem Zustande Und der Schwäche ihres Körpers dem sicheren Tode verfallen fein würden. Das Serum soll in der Weise gewonnen werden, daß es einige Tage nach dem Beginn des Gene­sungsprozesses den Kranken entnommen wird. Von großem Interesse wären Mitteilungen, wie lange es haltbar und wirksam ist, und ob auf diese Weise die Behandlung von Lungenentzündungskranken unabhängig davon ist, daß andere Kranke als Se­rumlieferanten zur Verfügung stehen. Besonders in kleinen Städten oder an kleinen Krankenhäusern hat diese Frage eine erhebliche Bedeutung, da die Möglichkeit einer Behandlung der Lungenentzün­dungskranken mit dem Serum davon abhängig ist. Man wird darum weiteren Mitteilungen, diè die Richtigkeit der Nachricht bestätigen und die zahlrei­chen Fragen, die noch ofsenstehen, beantworten, mit großem Interesse entgegensetzen dürfen. Die An-

1 gelegenheit hat für die ganze Menschheit die aller-

größte Bedeutung, denn die Lungenentzündung ist eine furchtbare Heimsuchung, die alljährlich Tau­sende und Abertausende von Menschenopfer fordert. Hoffen wir also, daß endlich ein Heilmittel dagegen gefunden worden ist.

Allevlei WWenSwevtes

Wer der eigentliche Erfinder der Schreibfeder aus Metall war ist nicht bekannt. Es steht aber

fest, daß Metallfedern schon von den alten Römern benutzt wurden. Indes war die im alten Rom be­nutzteCalamus" genannte Rohrfeder, die noch heute im Orient vielfach vor der Stahlfeder bevor­zugt wird, mit ihrer ungespaltenen Spitze ziemlich hart und unelastisch, um als Schreibfeder im heu- tiaen Sinne verwendet werden zu können. Die Ausgr bungen in Neapel, sowohl als am Palatin in Rom, wie auch die neueren Funde in Trier, Main und Köln förderten Schreibfedern in der Form einer schablig zugespitzen, kupfernen, bron­zenen und auch eisernen Röhre an den Tag.

Jeder Mensch bewegt sich im Raum mit einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern in der Sekunde.

Gumov

Die Frauen sind doch geduldige Wesen!"

Das finde ich gerade nicht!"

So? Na denken Sie doch nur daran, wie oft eine Frau'vierzig ist bevor sie dreißig wird."

(Goblin.)