Nr. 99
Seile 6
Mittwoch den 29. April 1931
Geheimnisvolles Verschwinden eines kranken Wanne»
: Wie erst jetzt bekannt wird, ist vor etwa einem; viertel Jahr ein Kranker aus einem hiesigen Kran- ( kenhaus auf geheimnisvolle Weise verschwunden und bis heute noch nicht wieder gefunden worden. Es hndelt sich um den im Jahre 1869 geborenen Otto Dümpert, der mit einem schweren Kehlkopfleiden in ein hiesiges Krankenhaus eingeliefert und auch sofort behandelt wurde. Am 25. Januar ist nun Düm-
pert ganz plötzlich aus dem Krankenhaus verschwunden. Er trug im Hals eine silberne Kanüle und hinter dem Ohr (wahrscheinlich zum Abfluß von Eiter) einen Gummischlauch Dümpert soll schon mehrfach Selbstmordabsichten geäußert haben, so daß nach Lage der Dinge die Wahrscheinlichkeit besteht, daß der von Schmerzen gepeinigte Kranke seinem Leben durch Ertränken ein Ende gemacht hat.
Bei der Arbeit tödlich verunglückt
: In einer Fabrik in der Hanauer Landstraße fiel dem Arbeiter Friedrich Kuger bei der Arbeit ein schweres Eifenstück auf den èeib. Mit mehreren Rippenbrüchen und schweren inneren Verletzungen wurde der Bedauernswerte ins Krankenhaus gebracht, wo er bald nach feiner Einlieferung verstarb.
Aus Kab und See«.
Revision im Orlenberger Wädchenmordprozeß.
— Gießen, 28. April. Der Landwirt Wilhelm Lohr aus Altenstadt, der anfangs voriger Woche vom oberhessischen Schwurgericht in Gießen wegen Mordes an dem Dienstmädchen Martha Peppel zum Tode verurteilt worden war, hat gestern durch seinen Rechtsanwalt Revision beim Reichsgericht gegen das Todesurteil anmelden lassen.
Deutscher Typenwein — Neue Wege des Weinabsatzes
— Koblenz, 27. April. Am Samstag besuchten Vertreter der Staats- und Gemeindebehörden sowie der fresse den Zentralkeller der „Deutschen Lager-Keller und Typenweingenossenschaft", kurz „Delatyp" genannt. Die Delatyp wurde im Sommer vergangenen Jahres gegründet und ist eine Bereinigung der dem Rheinisch-Trierischen Genossenschaftsverband Raiffeisen e. B. in Koblenz angeschlossenen Winzergenossenschaften. Die Aufgabe des neuen Unternehmens ist die treuhänderische Lagerung von Weinen der Winzergenossenschaften sowie die Herstellung und der Vertrieb von Typenwein. Der neue Weg der Weintypisierung ist beschritten und der erste Moselweintyp geschaffen unter dem Namen „Moselwinzerwein" der Delatyp. Nach der Besichtigung der Kellereinrichtung gab das Vorstandsmitglied, Regierungsrat Graf Matuschka- Greifenclau, einen Ueberblick über die Lage des Weinbaus sowie über Ziele und Zweck der „Delatyp". Unter Typenwein ist ein für das betreffende Weinbaugebiet charakteristischer angenehmer Tischwein zu verstehen, der ständig und unabhängig vom Jahrgang unverändert nachgeliesert werden kann. Der Wein wird nach jeder Stadt Deutschlands geliefert und ist im Kleinverkauf in ganz Deutschland zum Preise von 1.50 RM die Flasche zu haben. Auch mit den Gastwirten soll ein fester Ausschankpreis verabredet werden, der für ganz Deutschland zu gelten hat und der 2.50 3M» ie Fiaswe betragen fall. '-Tte^rfah)^rotuba3^brtroi?CT^3un^oetnym?n Wein, namentlich in den großen Konsumentengebieten, wieder wecken und an die Stelle der unzähligen Weinbezeichnungen den Namen der Winzer- genosienschastlichen Organisation setzen, die dem Konsumenten für die Güte und Preiswürdigkeit des Weines bürgt. Weiter hofft sie, dem deutschen Wein, insbesondere aber dem Mosel-, Rhein- und Nahe- Wein, neue Liebhaber in ganz Deutschland zuzuführen.
Großfeuer in Pirmasens — Heldenhaftes Verhalten einer Wutter
— Pirmasens, 28. April. Heute morgen gegen vier Uhr brach oennutlich infolge Kurzschluß, in der Wohnung des Rechtsanwalts Müller^ in der Schützenstraße ein Brand aus. Das Feuer griff sehr rasch um sich und zerstörte die gesamte Woh- nungs- und Büroräume restlos. Das gesamte Mobilar, alle Emrichtungsgegenstände, Akten, Bücher usw. sind vollkommen zerstört. Darauf griffen die Flammen auf eine Wohnung im zweiten Stockwerk über, die ebenfalls fast vollkommen aus= brannte. Es konnte nichts mehr gerettet werden. Eine Wohnung im dritten «tock hat durch Wasser erheblichen Schaden gelitten. Dort schlief eine Mittler mit zwei Kindern, der der Weg über das mit Rauch und Flammen angefüllte Treppenhaus versperrt war. Sie kletterte mit ihrem ältesten Kind aus dem Fenster einige Meter die Dachrinne entlang, bis sie die Leiter der Feuerwehr erreichen tonnte. Dort nahm man ihr das Kind ab. Sie ging denselben Weg zurück, das Jüngste zu holen, das sie ebenfalls auf schwindelndem Pfade über die Dachrinne die Leiter herab auf die Straße brachte. All drei sind unversehrt geblieben. Die Flammen ergriffen auch das Dachgeschoß, das ebenfalls vollkommen ausgebrannt ist. Dort befand sich das Laboratiorium eines Zahnarztes, der im Nebengebäude wohnt. Auch dieses ist mit allen Apparaten und Vorräten ein Raub der Flammen geworden. Der Schaden ist sehr beträchtlich, dem Vernehmen nach jedoch größtenteils durch Versicherung gedeckt.
Das änsortiunr HeBen vor Geeicht
Frankfurt, 28. April. Der Hecken-Prozeß, der heute im Schwurgerichtssaal begonnen hat, begegnet ftärtftem Interesse des Publikums; der Zu- drang ist groß. Unter den Zuschauern befindet sich eine Dmne, die sogar eine Reise von Newyork nicht gescheut hat, um dem Fall beizuwohnen. Unter den Angeschuldigten weilt ein Verwandter, um dessen Schicksal die Weitgereiste besorg ist. Aus der Anklagebank fanden sich folgende Personen ein: Metzger Albert Hecken, 30 Jahre alt, aus Essen; Kaufmann Kurt Wortmann, 28 Jahre, aus Berlin; Molkereigehilfe Heinrich Schmunk, 28 Jahre; Artist Arkadi Rakoff, 35 Jahre, aus Leningrad: Hausiererin Regina Siegel, 32 Jahre, aus Zürich; Eafè- hausgeschästsführer Max Landsberg, 42 Jahre; Sattler Mandel Beitler, 42 Jahre, aus Riga; Kunstmaler Eduard Völz, 28 Jahre, aus Berlin; Händlerin Rosa Turkaska, 46 Jahre, aus Polen; Ehefrau Margarete Krebs, 39 Jahre; Händler Ignaz Nußbaum, 35 Jahre. Hecken, Wortmann, Schmunk und Rakoff sind des Bandendiebstahls ,die
übrigen Personen der gemerbs» und gewohnheitsmäßigen Hehlerei. die Turkaska auch -er Begünstigung beschuldigt. Die Turkaska ist die Schwester der Siegel und die Schwägerin des Kunstmalers, der mit einer geborenen Siegel verheiratet ist. 2tus der Feststellung der Personalien ergibt sich, daß Hecken 1924 in Limburg eine Zuchthausstrafe neuneinhalb Jahren erhalten hat, daß Wortmann
von
21 Mal vorbestraft ist, daß Schmunk schon im Zuchthaus saß, daß der staatenlose Rakoff 1920 aus Rußland aus politischen Gründen floh und früher dem Kadettenkorps angehörte, daß Rakoff in Varietes als russischer Eintänzer austrat. Die Straftaten der der Einbrechergilde angehörenden Angeklagten sind teils in Sachsen, eils in Bayern, in. der Schweiz, in der Umgebung von Frankfurt und vielfach in Badeorten begangen worden. Hecken wird zuerst vernommen. Er berichtet, daß er der Sohn eines Kruppschen Beamten ist, daß seine Familie von Essen nach Oberlahnstein übersiedelte. In Hachenburg kaufte die Mutter nach dem Tode des Vaters eine Lederfabrik, später besaß sie in Koblenz ein Cafë. Durch Machenschaften der Verwandten wurde die Familie vermögenslos. Im Krieg diente Hecken als Signalmaat auf einem Unterseeboot. In die rheinische Heimat zu rückgekehrt, geriet er im besetzten Gebiet mit einem amerikanischen Offizier in ein Handgemenge und wurde in Koblenz zu 2 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Ein Baron half ihm nach Monaten zur Flucht. Dann sei er nach Limburg gegangen, die Polizei habe ihn aber den Amerikanern zürückgebracht. Es gelang ihm erneut zu fliehen. Im Juli 1920 wurde er zum ersten Male bestraft. Er bemühte sich dann vergeblich von seinen Angehörigen ein Darlehen zu erhalten. Mittellos wie er war, wurde er zum Einbrecher und ei hielt die erwähnte Zuchthausstrafe. Als er sich im März 1929 wegen seines Magenleidens in dem Krankenhaus Kassel-Wehlheiden befand, rückte er aus. Und nun fetzten die Straftaten ein, die ihm jetzt zur Last gelegt werden. Er betätigte sich als Fassadenkletterer, wobei ihm seine geschmeidige Gestalt, zu statten kam, und begann mit einem Einbruch in Heidelberg, wo er aus einer
bann Abr in Frankfurt, der mittlerweile an Paralyse verstorben ist. Ahr war sein Finanzier und sorgte, daß er auf Reisen gehen konnte.
Mit unheimlicher Gewandtheit schwang sich Hecken bald in Hamburg, bald in Wiesbaden auf Balkon und drang von dort in die Räume von Pensionen und Hotels, um die Gäste zu bestehlen. Die Beute ist teils mäßig, teils gut. In dem Landsbergischen Lokal verkehrte Hecken schon 1921. Nachdem Hecken noch dem Sanatorium Nerothal in Wiesbaden einen unerwünchten Besuch abgestattet hatte, fuhr er über Teplitz nach Karlsbad, um sich einer Magenkur zu unterziehen. Ein Professor verlangte 300 RM für eine zwölfwöchige Kur. Dazu hatte Hecken, der sich Vetersen rannte, da er auf diesen Namen einen Paß besaß, kein Geld. Von Karlsbad hat Hecken dem Landsberg oft geschrieben. Diese Briefe und Karten bilden jetzt ein wuchtiges Belastungsmaterial. Da schreibt Hecken: „Lieber Max. Du wirst erstaunt sein, einen Brief von mir zu bekommen..Ich bin schwer in der Klemme. Verdienen möchte ich noch nichts, weil ich Freitag ein großes Projekt habe. Denke, daß ich Dir Sonntag die Rate für Mai und die vorgesehene für August schicken kann. Ich brauche jetzt auf jeden Fall etwas Geld und ich wüßte nicht, wo ich mich hinwenden soll. An Hans (gemeint ist Ahr) möchte ich mich jetzt
Aus aller Welt.
Urteil im s-senanttten ErrdN-PvozeH
Hannover, 28. April. In £em sogenannten Erdöl- Prozeß wurde heute vormittag 10 Uhr folgendes Urteil verkündet: Die Angeklagten Hirsch, Lampe und Wiegand wurden freigesprochen. Jacobsen erhält sieben Monate Gefängnis, Rehbock vier Mo-
nicht wenden, weil er mir die besten Stücke womöglich verkauft. Also bleibst nur Du." Mit dem großen Projekt soll ein Brillantenschmuggel gemeint gewesen sein. Von Karlsbad ging die Reise nach Bad Kissin- gen. Hier stahl er Brillanten. Wir finden Hecken in Partenkirchen wieder. Einem amerikanischen Ehepaar bringt er durch Diebstahl von 660 Dollar Travellerschecks in Ungelegenheiten. Ehe die weiteren Taten besprochen werden, wird Landsberg vernommen. Als er Hecken kennenlernte, befand sich dieser in guter Gesellschaft und es floß Sekt. Einer der Gäste lud die Gesellschaft zur Jagd in die Rhön ein. Nachher erfuhr L., daß Hecken verhaftet und bestraft wurde. Landsberg schildert ausführlich seine schlechte wirtschaftliche Lage. Als er Hecken nach Jahren wiedersah, gab H. an, daß er aus dem Krankenhaus entlassen worden sei. Er will Hecken oft unterstützt haben; das Guldenguthaben ist heute noch unangetastet auf der Bank. Hecken läßt sich nun über seine Beziehungen zur Regina Siegel aus, die er durch ihren Bruder kennen lernte. Er reift mit ihr nach München und Gastein, wo er Kinbrüche verübt und lud sie im Winter 1929/30 nach der Schweiz ein. In Montreux wohnt man wochenlang im Hotel „Dent de Midi". „Es ist sehr schön, habe Rockefeller gesehen," schreibt Hecken an Landsberg. Ein andermal heißt es: „Meine Geschäfte waren für die Verhältnisse gut, habe nur zweimal gearbeitet." Dann wieder: „Sende sofort 200 Franken. Ich schicke sofort ab Basel Ware." Noch interessanter ist folgender Bericht: Ich war Sonntag in Interlaken und habe mir bei einem Sprung das rechte Bein verstaucht"» oder die Briefstelle: „Habe hier mit einem Weibsbild gelebt, als wenn ich Tausende zur Verfügung hätte". Hecken wollte Landsberg so viel Geld beschaffen, daß sich Landsberg eine Erholungsreise nach Fiume gönnen konnte. Aber aus dieser Reise wurde nichts. Das Brautpaar machte dann eine Geschäftsreise durch Mitteldeutschland, um sich schließlich in einer Pension in Wiesbaden niederzulassen. Regina Siegel, von Geburt Schweizerin, kam mit sechs Jahren nach Frankfurt. Regina war verheiratet und wurde geschieden. Hecken wurde ihr in einer Apfelweinwirtschaft unter dem Namen Petersen vorgestellt. Als sie nach der Münchener Reise erfuhr, mit wem sie zusammenlebte, wollte sie nicht an die Vergangenheit Heckens glauben und hielt die Ausstreuungen für Produkte des Neids. Früher gab die Siegel zu, daß sie genau über alles orientiert war, daß vereinbart war, daß Hecken 30 000 RM beschaffen sollte und zwar durch Einbrüche. Heute bestreitet sie die Richtigkeit ihrer Angaben. Der Angeklagte Wortmann ist der Sohn eines Rumänen, der heute in der Schweiz lebt. Der Vater war vor dem Krieg Direktor der Dresdner Bank. Wortmann hat gute Schulen besucht und war einem Kriminalrat zur Erziehung in die Hände ge= geben. Er rückte aber aus, wird in Wien wegen Paßvergehens bestraft, ist in Bukarest bei Verwandten Plantageaufseher, kommt nach Tunis und handelt 1927 in Deutschland mit Hausiererartikel. Durch die Torkaska kommt er mit Hecken usw. zusammen. Hecken entzweite sich mit Wortmann, da dieser zu viel Geld brauchte und nichts verdiente. Nun trat Schmunk an Stelle Wortmanns. Es ât^ -’ "’ ■ ■ “ "' ..........
■ ■ ge len, die man in mitgebrachte Koffer verpackte. Die Zigarette,, mitsamt den Koffern wurden der init- angeklagten Frau Krebs für 380 RM verkauft, die sich „dabei nichts gedacht haben will". Auch Nußbaum, der die Zigaretten von ihr erwarb, will guten Glaubens gewesen ein, hat aber früher gesagt: „Ich muß annehmen, daß sie die Ware nicht auf rechte Weise erworben hat." Hecken und Schmunk führten Einbrüche in Mainz und Baden-Baden aus. Im August 1930 klaute Hecken in Koblenz mehrere Pässe, die er auf den späteren Reisen mit der Siegel und Schmunk gut gebrauchen konnte. Das Einbrecherfeld wurde in die Schweiz verlegt, und Basel, Luzern und Bern wurden heimgesucht. In einem Papierwarengeschäft erbeutete man 500 RM und einen Haufen Füllfederhalter. Ein Hauptcoup glückte den Herrschaften dann in Luzern, wo man aus einem Juwelierladen für 18 000 Franken Ge- oenstände mitnahm, die man Landsberg für 6000 RM anbot. Landsberg lehnte ab. Ahr erwarb für 450 RM Trauringe, die man ihm nach Gewicht verkaufte. Ein Teil der Sachen wurde verschenkt, Landsberg zahlte für den Rest 2800 RM. Schmunk bekam 800 RM davon ab. Hecken freute sich, daß er endlich Geld hatte, um eine Kur durchzumachen. Die treue Regina soll gute Baldowerdienste in der Schweiz getan haben.
nate Gefängnis und Meisold 200 Mark Geldstrafe, ersatzweise 20 Tage Gefängnis wegen fortgesetzten Betruges, der darin zu erblicken ist, daß die Angeklagten beim Vertrieb von Erdöl-Anteilen falsche Tatsachen vorgespiegelt haben.
In der Urteilsbegründung wird darauf hingewiesen, daß es nicht ganz richtig sei, wenn man den Prozeß in der Oeffentlichkeit Erdöl-Prozeß genannt habe, da nicht die Aufklärung von Gründungsvorgängen von Erdöl-Gesellschaften zur Verhandlung stand. Die Gründungsvorgänge hätten nur den Hin
tergrund des Prozesses gebildet. Bezüglich der An. geklagten sei das Gericht zu der Ueberzeugung 0e. langt, daß sie als Gründer nicht von vornherein die Absicht gehabt hätten, Schwindel zu treiben. Sie hätten vielmehr an den Erfolg ihrer Bohrungen geglaubt, und auch heute noch beständen Aussichten, daß die Bohrungen fündig werden. Andererseits seien aber entgegen der Ansicht der Vertej. digung die Gründungen nicht völlig einwandfrei durchgeführt. Es seien Momente zu Tage getreten, die als unkorrekt und unzulässig bezeichnet werden müßten.
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Eine lebensgefährliche Situation.
Wittenberge, 27. April. Dem Tode knapp entronnen sind vier Insassen des Freiballons „Braun- schweig 3", der auf den Elbwiesen bei Cumlosen eine Landung vornehmen wollte. Der Freiballon war am Vormittag in Braunschweig aufgestiegen unter der Führung des Kommerzienrats Pilz, der nahm und in dessen Begleitung sich die Herren Dr, seine Erstlingsfahrt als Freiballonführer unter- Meyer, Ingenieur Grote und dessen Sohn befanden. Die Insassen beabsichtigten auf den Elbewiesen zu landen. Da diese unter Hochwasser stehen, mußten die Ballon-Insassen Ballast über der Elbe abgeben. Der Ballon erhielt Auftrieb und strich nun direkt über die Häuser des Dorfes Cumlosen. Der Ballon verfing sich in einer Eiche. Zum Entsetzen der Insassen trieb dann der niedergehende Ballon auf eine 15 000 Volt starke Hochspannungsleitung zu, die von Wittenberge nach Lenze führt, Der Korb blieb in den Drähten hängen, wobei es infolge Kurzschlusses eine große Stichflamme gab. Auf der Transformatorenstation wurden infolge- dessen die Schalter ausgelöst. Zum Glück der Insassen rissen schließlich die Drähte. Herbeieilende Bewohner des Dorfes retteten die Insassen und halfen den Ballon mit bergen.
GevkSMches Kachkviel eines «Mionen -Konknrres
Remscheid, 29. April. Vor dem Remscheider Erweiterten Schöffengericht stand gestern der Inhaber der im Oktober vorigen Jahres in Konkurs geratenen Wollhandelsfirma Troost & Ci e. in Hueckeswagen, Otto Troost, unter der Anklage der Urkundenfälschung, des Betrüger und des Konkursvergehens. Bei dem Zusammenbruch der Firma, die noch im Jahve 1929 einen Umsatz von 9,5 Millionen Reichsmark buchen konnte, belief sich die Ueberschuldung auf 1 639 000 Reichsmark. Um diesen Betrag wurden die Remscheider Zweigstelle der Dresdner Bank, die Kom- merz- und Privatbank in Barmen und die Berliner Filiale der Südamerikanischen Bank geschädigt. Nach mehrstündiger Verhandlung verurteilte bas Gericht Otto Tröost wegen fortgesetzten Betruges unter Freisprechung von den übrigen Anklagepunkten zu neun Monaten Gefä ngni, und 10 000 Reichsmark Geldstrafe, Troost erkannte die Strafe an. Da auch der Anklagevertreter zustiinnrte, ist das Urteil rechtskräftig geworden.
Ein drittes Todesopfer der Bluttat in AngerbW
Tilsit. 28. April. Die Bluttat im streife Angerburg hat nunmehr ein drittes Todesopfer gefordert, da der Hofbesitzer Otto Wiecht inzwischen seinen Verletzungen erlegen ist. Nach den ersten amtlichen Ermittlungen handelt es sich bei dem blutigen Borgang offenbar um einen Racheakt, da ein seit längerer Zeit schwebender Prozeß zwischen Wiecht und Schulzig vor kurzem zu Gunsten der Wiecht entschieden wurde. Schulzig wurde nach seiner Verhaftung dem Amtsgerichtsgefängnis zo- geführt. Nach kurzem Verhör wurde er an den Tatort zur Aufklärung des Falles geführt. 6 t erlitt aber am Tatort einen Nervenzusammenbruch und war nicht vernehmungsfähig.
Geschäftliches
Die Förderung des Kundendienstes bei Opel
Die Opelwerke legen von jeher besonders großen Wert auf die möglichst vollkommene Organisation des Kundendienstes in ganz Deutschland. Ihre diesbezüglichen Bestrebungen lassen immer neue Wege für die Durchführung finden. So wird u. a. am 27. April eine in den letzten Monaten organisierte Kundendienstschule eröffnet. Diese hat zur Aus' gäbe, den Besuchern eine gründliche Kenntnis der Opelwagen zu übermitteln und sie mit der Konstruktion, den technischen Einzelheiten sowie mit allen Fragen des Kundendienstes genauestens vertraut zu machen. Zum Abschluß der verschiedenen Kurse erhalten die Teilnehmer, die den allerdings hochgestellten Anforderungen bei der Prüfung standhalten, ein Diplom. Der Besitzer eines solchen dürfte für sein späteres Berufsleben einen wertvollen Beweis feiner Tüchtigkeit und Kenntnis aus dem Gebiet der wirtschaftlichen Wagenbehandlung in Händen haben.
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