Seife
Samstag den 25. April 1931
Das Taschenmesser auS dem Kriege
Ein seltsames Wiedersehen
3m Leben ereignen sich Zufälle und Seltsam- keiten, die in jedem Roman oder Film als erklügelt und unmöglich bezeichnet werden würden. Das Leben hat aber den Vorzug, daß die Kritiker verstummen müssen, denn es ist wahr, und wenn es noch so kitschige Rührstücke versaßt. Vor kurzer Zeit kamen in dem Städtchen Pulsnitz zwei Radfahrerin Streit, da einer den anderen angefahren halte. Niemand wollte der Schuldige sein, und jeder behauptete, wie es so üblich ist, daß der andere ein Lump sei, und so kam es fast zu Tätlichkeiten, wenn nicht plötzlich der eine von ihnen, starr vor Staunen, auf den anderen geblickt hätte. Die Hand, die schon zum Schlagen erhoben war, jank herunter und wortlos zog der Ueberraschte ein Messer aus der Tasche, das er dem anderen zeigte. Nun war der andere ebenso überrascht, denn er erkannte sein Taschenmesser, das er im Weltkriege in dem Augen- blick der höchsten Not einem Kameraden gegeben hatte. Es war bei einer der furchtbaren Vogesenschlachten. Beide Soldaten hatten schon schwere Zeiten miteinander erlebt und hielten in treuester Kameradschaft zusammen. Als bei einem Sturm-
angrifs der eine von ihnen in einem Horchposten- stand vermißt wurde, ging der andere auf die Suche und fand ihn in einem grausigen Zustande. Er war von mehreren Marokkanern überwältigt und an einen Pfahl angebunden worden. Was sie mit dem Gefesselten machen wollten, stand nicht fest. Gutes hatte er jedenfalls von ihnen nicht zu erwarten, die nur durch einen Gegenangriff vorübergehend vertrieben worden waren und den Gefesselten, im Stich lassen mußten. Der Soldat, der seinen Kameraden gewissermaßen am Marterpfahl der Afrikaner erblickte, zögerte nicht lange und fragte nicht viel, sondern nahm fein Taschenmesser und schnitt den Bast durch, mit dem der deutsche Soldat an den
feinen Kameraden
Pfahl angebunden war. In diesem Augenblick kehrten die Marokkaner zurück, und der Befreier, der fein Gewehr bei sich schießberest hatte, gab schnell dem Freunde, der unbewaffnet war, sein Taschenmesser, mit dem er ihn befreit hatte, sprang zurück, um aus die Feinde anlegen zu können. Der andere rannte inzwischen schnell nach dem Unterstand, um sein Gewehr zu holen und dem Freunde im Kampf gegen die aftikanischen Soldaten beizustehen. Als er nach wenigen Minuten atemlos zurückkam, traf er den Freund nicht mehr an. Offenbar war er beim Kampf mit einem überlegenen Vorposten gefangen genommen worden. Nach dem Ende des Krieges kehrte der Soldat, der sein Leben seinem unbekannten Kameraden verdankte, wieder in die Heimat zu-
rück und dachte des öfteren an jene furchtbare Zeit. An ein Wiedersehen joagte er gar nicht zu hoffen, der Gefangen-
denn wenn
edersehen wagte er gi der treue Freund auch
aus
schast zurückgekehrt war, so war wohl kaum Aus
ficht vorhanden, daß er ihm jemals begegnen werde, zumal er weder seinen Namen noch seine Herkunft im Gedächtnis hatte. Dazu waren sie zu kurze Zeit zusammen gewesen. Da aber im Kriege die Fi
reun
destreue nicht von einem langen Zusammenleben abhing, sondern von gemeinsam verlebten Gefahren, fo war in dem alten Krieger noch nicht die dankbare Erinnerung an den tapferen Mitkämpfer erloschen. Es mußten fast 14 Jahre vergehen, bis sie sich durch einen fast unglaublichen Zufall in dem kleinen Heimatstädtchen des alten Soldaten wiedersahen, denn der Mann, mit dem der Zusammenstoß stattgefunden hatte, war der einstige Befreier aus großer Gefahr. Durch das Taschenmesser, das er damals behalten hatte, erkannten sich die beiden, die noch eben feindlich aufeinander losgehen wollten. Es braucht wohl nicht besonders erwähnt zu wer-
Rundfunk - Vortragsfolge
Samstag, 25. April
6.15: SF. Wettermeldungen. Anschließend: Morgengymnastik 1. 7.15—8.15: SWF. Frühkonzert des Frankfurter Konzertorchesters (Arbeitslosenorchester). 10.20—10.50: SWF Schulfunk. 11.50: SWF Schallplattenkonzert. 12.35: Störschallplatte. 13.05: Schallplattenkonzert, Fortsetzg. 14: Werbekonzert. 15.20: SWF Stunde der Jugend. 15.50:Dte Sing- und Spielschar, von Schülern aus
Mittelklassen fingt, spielt und berichtet dazu von ihren Fahrten. 16.30: SF Nachmittagskonzert. 18.10: Eine Viertelstunde Deutsche Reichspost: ,.Die Beförderungsniittel der Deutschen Reichspöst", 18.25: SWF „Die Bauernkette in der geschlossenen ' ‘: SWF. „Wie spielt sich
g ab?", Vortrag. 19.20:
Partie", Vortrag. 18.55: < heute eine Parlamentssitzung
SWF Spanischer Sprachunterricht. 19.45: SF
Von Karlsruhe „Narrenzwetschgen" von Karl Joho. 20.05: SF Von Pforzheim: Volksliederabend der Liedertafel Pforzheim 1863. 21: SF Von Stuttgart: Kompositionsabend Viktor Hollaender. 22.35:—24: SF Tanzmusik.
Sonntag, den 26. April
7: SWF Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: SWF Morgenfeier der Freireligiösen Gemeinde Frankfurt. 9.30: SWF Stunde des Chorgesangs. 10: SWF Von der Festhalle: Internationale Hunde-
ausstellung. 10.30: SWF „Die junge Generation", Erstes Gespräch. 11: SWF Einführung in Richard Wagners „Rheingold", Vortrag. 12: SWF Sch " Plattenkonzert. 13.50: SWF Zehnminutendienst Landwirtschaftskammer Wiesbaden. 14:
Stunde des Landes. 15.10; SWF Aus dem Olympia- Stadion, Amsterdam: Fußball-Länderspiel Deutsch,
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land — Holland. 16.50: SF Von Donaueschingen: Blaskonzert. 17.40: SF Unterhaltungskonzert. 18.20: SWF „Der Deutsche im Ausland". 18.55: Stunde der Frankfurter Zettung. 19.20: Sonder- wetterdienst für die Landwirtschaft, anschließend Sportnachrichten. 19.30: SWF „Das Rheingold", Vorabend des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen" von R. Wagner. 22: Tagesnachrichten, Sportbericht. 22.20—24: SWF Tanzmusik.
Montag, den 27. April
5.45: SF Wettermeldung. Anschließend: Morgengymnastik. 7.15—8.15: SWF Frühkonzert. 11.50: Schallplattenkonzert. 14: Werbekonzert. 15.20: SWF Vortragszyklus des Frauenverbandes Hessen-Nassau und Waldeck: „Mutige Schulanfänger, eine Herzensfreude der Mutter", Vortrag. 16.30: SWF Nachmittagskonzert. 18.15: SWF „Ich packe meine Bibliothek aus", Vortrag. 18.40: SWF „Fremder Besuch in Frankfurt", Dreigespräch. 19.10: SWF. Englischer Sprachunterricht. 19.35 SWF Aus dem Saalbau Frankfurt: Stunde der Kammermusik. 20.20: SF Edmund Eysler-Abend. 21.35: SF „Im Fluge um die Welt". 22.40—24: SF Tanzmusik.
Dienstag, den 28. April
Schallplattenkonzert. 14: Werbekonzert. 15.20: SWF Hausfrauennachmittag. 16: SF Von Baden-Baden: Konzert. 18: SWF „Dante Deutsch", Vorlesungen. 18.25: SF „Deutsche Romantik", Vortrag. 18.55: SF „Vom Geheimnis des Bucherfolges". 19.30: Von Trier: Abendbesuch im Konvikt in Trier. Hörbericht. 20.15: SWF Nach Köln: Unterhaltungskonzert. 21.45: „Hörmodell II". 22.35: SWF Tanzmusik.
Mittwoch, den 29. April
5.45: SF Wettermeldung. Anschließend: Morgengymnastik. 7.15—8.15: SWF Frühkonzert. 10.20 bis 10.50: SWF Schulfunk: „Mit dem Mikrophon im In- und Auslande", Hörbild. 11.50: SWF Schallplattenkonzert. 14: Werbekonzert. 15.20: SWF Stunde der Jugend. 16.30: SWF Nachmittagskonzert. 18.15: SWF „Universitäts- und Berufsbildung", Vortrag. 18.45: SF „Betriebsvereinbarung und Arbeitsordnung", Vortrag. 19.15: SF Volkstümlicher Opernabend. 20.30: SF Bunter Abend. 21.45: SF „Das Theater und die junge Generation", Vortrag.
Donnerstag, den 30. April
5.45: SF Wettermeldung. Anschließend: Morgengymnastik. 7.15—8.15: SWF Frühkonzert. 11.50: Schallplattenkonzert. 14: Werbekonzert. 15.20: SWF Stunde der Jugend. 16.30:. SWF Violoncell- Konzert. 17: SWF Neue Tanzmusik. 18.15: SWF Zeitfragen. 18.45: SWF „Sind Charakterzüge angeboren?", Vortrag. 19.15: SWF Ausstellung: „Madsimu Dsangara". 19.45: SF Variationen über das Thema Frühling. 20.30: „Die Hochzeit des Figaro" (Der tolle Tag), Kom. Oper. 22.30: SF Von Freiburg: „Warum fahre ich mit dem U-Boot nach dem Nordpol?", Vortrag. 23—24: SF Tanzmusik.
Freitag, den 1. Mai
5.45: SF Wettermeldung. Anschließend: Morgengymnastik. 7.15—8.15: SWF Frühkonzert. 11.50: Schallplattenkonzert. 14: Werbekonzert. 15.20: SWF und Bildung: Das Mikrophon in der 16.30: SF Nachmittagskonzert. 18.10:
Erziehung 1
Schulklasse. L_____ ________________ „
Denkmalspflege im römischen Trier. 18.35: SF Aerztevortrag „Arbeitshygiene. 19: SF: Von Berlin: Feierstunde, ausgeführt vom Sozialistischen Kulturbund. 20.05: SF Aus dem Stadtgartensaal
Stuttgart: Liederstunde. 21: SF „Taxichauffeur", Hörspiel. 22: SF Von Mannheim: Klavierkonzert Ernst Toch. 23—24: SF Tanzmusik.
5.45: SF Wettermeldunq. Anschließend: Morgen- ----- ----------- .
ernmnaftit. 7.15—8.15: SWF Frühkonzert. 11.50: SWF Tanzmusik.
Samstag, den 2. Mai
5.45: SF Wettermeldung. Anschließend: Morgengymnastik. 7.15—8.15: SWF Frühkonzert. 10.20 bis 10.50: Schulfunk. 11.45: Werbevortrag: Exotische Schlager. 12.10: SWF Schallplattenkonzert. 14: Werbekonzert. 15: SF Stunde der Jugend 16.30: SF Nachmittagskonzert. 18.15: SWF „Arten der Arbeitslosigkeit", Vortrag. 18.45: SWF Stunde der Arbeit", Zehn Jahre Akademie der Arbeit", Vortrag. 19.15: SWF Spanischer Sprachunterricht. 19.45: SWF „Mein Poesie-Album". 20.30: SWF „100 Minuten . . . Heiterer Abend". 22.30—24:
erzählten, daß sie unausgesetzt gehofft hatten, den anderen einmal im Leben wieder zu sehen, ohne zu
den, daß sie sofort wieder die besten Freunde wur- erzählten, daß sie unausgesetzt gehofft hatten, den den, und daß der Schuldige nunmehr sich nicht mehr anderen einmal im Leben wieder zu sehen, ohne zu einen Augenblick sträubte, dem anderen den Schaden ahnen, daß sie nicht irgendwo in der weiten Welt zu ersetzen, während der andere in plötzlich erwach- lebten, sondern in größter Nähe, und ein Zusammen- tem Edelmut davon nichts mehr wissen wollte. Beide stoß wegen unvorschriftsmäßigen Fahrens und der
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dazu gehörig» Krach waren erforderlich um j alten Kriegskameraden wieder zufammenzufüh»
alten Kriegskameraden Die Welt ist sehr klein.
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Eine Eingabe des âvfkdSniev-Vundes
Millionen aller Soldaten für die Interessen ^ Kriegsbeschädigten und Kriegerhinlerbliebene,
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Der mehr als 3 Millionen früherer Sold«- umfassende Deutsche Reichskriegevbund Häuser" und sein Verband der Kriegsbejchadhii und Kriegerhinterbliebenen haben in einer an jährlichen Eingabe an die Reichsregierung, Reichsrat und den Reichstag auf die Folgen l, seit 1929 fortgesetzen Einschränkung der Bech «i
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gung aufmerksam gemacht. Die Eingabe stellt) nächst fest, daß die Versorgung auf vielen % gebieten ab gebaut wurde und gibt ein anG liches Bild über die zuungunsten der Kriegs» schädigten und Kriegerhinterbliebenen ersetz Aenderungen der beiden letzten Jahre, die sich ü auf die Beseitigung des Rechtsanspruchs auf h L behandlung und die Umwandlung zahlreich c, Rechtsansprüche in Kannansprüche beziehen, i Eingabe fordert sodann, daß mit den Abbaum F nahmen endlich Halt gemacht werde, zumal »
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Pressenachrichten weitere neue AbbaumoßnolM auf dem Gebiete der Versorgung der Kriegs!,^ digten und Kriegerhinterblieben schweben - schließt mit der folgenden Mahnung:
„Immer wieder ist uns versichert worden, d an einen Leistungsabbau nicht gedacht werde:
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daß die Abstoßung von Leistungen und Bermi L gungen dem engeren Kreis der bisher anerkannt R Kriegsopfer zugute kommen sollte. In dieser k Wartung scheinen wir über das Maß des Erki lichen enttäuscht werden zu sollen. Das Inten F auch des öffentlichen Glaubens an den guten $ F len und das gerechte Empfinden der maßgeblich B*! Behörden erheischt ein Haltmachen auf dem ein« ; schlogenen Weg. Wir geben deshalb nicht.mir, Interesse unserer Schutzbefohlenen, sondern a in dem des Staates der bestimmten' Erwarb L Ausdruck, daß die verantwortlichen Stellen »
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nur von weiteren Abbaumaßnahmen auf dem 6
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biete der Versorgung Abstand nehmen, fonbe r1 entsprechend der Entschließung des Reichste vom 4. Februar 1931 Schritte ergreifen, um t V durch die Notverordnung vom 26. Juli 1930 $ durch die Verwaltungsanordnungen des Reit m anbeitsminffters eingetretenen Härten in i Reichsversorgung zu beseitigen oder zumind wesentlich zu mildern." L
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