Einzelbild herunterladen
 
  

Nr. 93

Mittwoch den 22. April 1931

5 ite 3

Davi man rum Essen tvknken?

Von Dr. med. Ehrenreich, Bad Kissingen

In den Kreisen der Laien, wie auch in denen icr Aerzte, ist man sich über die Beantwortung bieier Frage keineswegs einig. Frauen, welche auf Taille" halten, erklären im allgemeinen, daß sie beim Essen nicht trinken, weil Essen und Trinken -uqlèich "Fett' ansetze". Derselben Meinung sind jj£(e Aerzte, während ebensoviele diese These be= streiten. Jedenfalls ist eine exakte Beantwortung, L nur durch Experimente zu geben wäre, bis heute noch nicht erfolgt. Theoretisch wird gegen b^z Trinken beim Essen »i""-»»^ ^6 hur* die zugeführte Flüssigkeit ^5 Magendarmkanals zu in ihrer Verdauungskraft richtigen Ausnutzung der

eingewandt, daß durch

die verdauenden Säfte sehr verdünnt, dadurch gemindert und an der Speisen gehindert wer-

Wäre diese Theorie richtig, ja, dann ipüßte man geradezu all denen zum Trinken bei Tisch zu­reden, die abnehmen wollen. Denn gerade bei sol­chen Personen sammt es darauf an, genossene Speisen möglichst wenig auszunützen. Die Unrich- äqkeit der vorher angeführten Theorie ist überdies durch neuerliche Forschungen erwiesen.

Diese Forschungen haben gezeigt, daß die bei Tisch üblichen kleinen Mengen von Flüssigkeit den Magen sofort wieder verlassen, ohne sich inniger mit dem Magensaft zu verbinden. Sie benutzen da­zu einen anderen Weg, die von Waldeyer entdeckte Magenstraße, die sich als schmale Rinne auf dem kürzesten Wege, also entlang der inneren Magen­krümmung, hinzieht. Diese wissenschaftliche Be­obachtung stimmt genau mit den ärztlichen Er­fahrungen des täglichen Lebens überein.

Mitunter wird die Beigabe von Getränken

zur

der

I It t

- Mahlzeit durch den Arzt geradezu befürwortet und zwar aus folgenden Erwägungen heraus: der menschliche Organismus benötigt für die Verdau­ungsarbeit geradezu unwahrscheinlich großer Men- . gen von Flüssigkeit. Es werden produziert Mund­speichel etwa ein bis zwei Liter, Magensaft zwei bis drei, Bauchspeichel ein bis zwei Liter; Galle ca. zwei und Darmsaft mindestens ein bis. zwei ! Liter also zusammen bis etwa 11 Liter. Diese Menge ist größer als die gesamte Menge des Blutes und es ist ein Glück, daß dies Flüffig-

it

I

feitsquantum nicht auf einmal benötigt wird. Denn da es der Organismus zum großen Teil aus der Blutflüssigkeit entleiht, müßte das Blut dazu in einer Weise eingeschickt werden, die bedenklich wäre. Die. Flüssigkeit macht vielmehr einen Kreis­lauf, wird immer wieder vom Darm aufgesaugt und kehrt in die absondernden Drüsen zurück, um

i

neue Verdauungssäfte zu produzieren. Man sich also sehr wohl vorsteellen, daß es für die bauungsgrbeit eine Hilfe bedeutet, wenn außen her Getränke zugeführt werden.

Nun aber gibt es bestimmte Kategorien

lge

kann Ver- von

von

Nahrungsmitteln, die nach Ansicht vieler Laien nicht mit Wasser oder wässriger Flüssigkeit zu­sammen genossen werden sollen. Das sind zum Bei­spiel fette Speisen und Obst. In der Tat kann mandjer Mensch an sich selbst beobachten, daß kal­tes Wasser auf fettes Fleisch genossen, Unbehagen, Magendrücken, leichte Uebelfeit Hervorrufen kann, iel schlimmeres aber kann beim gesunden Magen kaum eintreten. Auch Wasser nach Obstgenuh ist

t'

e:

jf

m

> n<

in

ach «6 ach en- Ä as- I*

inj im, IP kr­au­len en. die rett -och mel ihn sei* uch ler- èah er= ga> r rm«

it es pey iinyt um . auMe- ne^Gxzèsse handelt, inbezug auf die Menge Obstes wie auch auf die Menge der Flüssig­st. Die Verdauungssäfte reichen dann nicht an= ähernd aus, um das Obst zu bewältigen. Halb erarbeitet, saugt es sich voll Flüssigkeit, quillt auf rein riesiges Volumen auf. In diesem Zustande bil­det es einen idealen Nährboden für alle Gärungs­und Fäulniserreger. Bei der ihnen günstigen Körperwärme und der durch die Verdünnung des Magensaftes verringerten Säurekonzentration ver­mehren sich diese Bakterien in kürzester Zeit myviadenfach. Der Gesunde qber braucht sich in keiner Weise im vernünftigen Genusse des lebens­wichtigen Obstes und der Durststillung danach durch ein mäßiges Quantum Flüssigkeit hindern zu lassen. Ebenso darf man schlecht essenden Kindern ruhig erlauben, kleine Schlucke von Wasser, Milch oder Limonade aus frischen Früchten zwischen dem Essen zu trinken, wenn dadurch, wie es so häufig der Fall, die Neigung zur Nahrungsaufnahme ge­steigert wird.

* Vorsicht . bei Verwendung alter Arzneien. Wohl in jedem Haushalt sammelt sich im Laufe per Zeit aus Resten von Salben, Pflastern, Ta­bletten, Pulvern, Tropfen usw. eine in unzähligen istäschchen, Büchsen Schachteln und dergl. zu­sammengewürfelteHausapotheke" an. Namentlich

DICK RUND OHNE MUNDSTUCK

die Un* es mit die ren Heu

Ab

gen ;n0!

Lwvennesevrttnett in Vevlin

Geheimrat Heck vom Berliner Zoo empfängt seine schwarzen Gäste. Vorerst sind die Gesichter der Frauen noch verhüllt, doch wenn sie die Schleier fallen lassen, sehen sie so aus, wie unser unten zeigt. Aber die' Männer aus dem zwerghaften Pygmäenstamm sind auch

Bild links

nicht schöner.

des Berliner Zoo trafen eine Gruppe afrikanicher Lippennegerinnen und mehrere Pygmäen ein. Die schwarzen Damen tragen als Schmuck von Jugend an zwei riesige Holzplatten in den Lippen, so daß der Mund schließlich wie eine gräßliche Klappe aussieht.

Als Gäste männliche

in kinderreichen Familien, wo häufig ein Pflaster, eine Salbe, ein Pulver gebraucht wird, werden die Ueberbleibsel der Heilmittel gern sorgsam aufbe­wahrt, um später wieder verwendet zu werden. Soweit es sich um einfache Hausmittel, wie Bor­salbe oder Vaseline handelt, wird bei zweckmäßiger Aufbewahrung in der Rege! eine spätere Weiter­verwendung ohne Bedenken sein. Man sei aber trotzdem vorsichtig und gebrauche z. B. auch alte Heilkräuter nicht wieder, ohne sich vorher verge­wissert zu haben, ob sie noch gut sind. Allergrößte Vorsicht ist aber bei allen vom Arzt verordneten eigentlichen Arzneien geboten. Hier hat sich vielfach besonders bei Tabletten die sehr bedenkliche Ge­wohnheit eingebürgert, sie im Familien- oder Be­kanntenkreise bei Bedarf anzubieten und weiterzu- geben. Es ist damit schon viel Schaden angerichtet worden. Auch harmlose Arzneien können, wenn sie alt geworden sind, zersetzt sein und dann sehr schädlich wirken. Man sieht einer Arznei, sei sie

flüssig oder in Tablettenform, nicht ohne weiteres

verort

ben sind und längere Zeit aufbewahrt werden, nicht, ohne vorher den Arzt gefragt zu haben.

* Gefunden. In der Zeit vom 14. bis 20. April 1931 sind als gefunden angezeigt worden: 1 Brief­tasche mit versch. Visitenkarten, 1 schwarzer Wolfs­spitz, 1 Lederkoffer mit Inhalt, 1 Baskenmütze aus

.Vaterländischer 1 Bierzipfel

blauem Tuchstoff, 1 Brosche Frauenverein. Für treue Dienste",

mit WidmungM. Hanauske, vom Nikolaus 1928", 1 Glieder-Armband (Gefunden im Lyzeum), 1 Schlüsselring mit 5 versch. Schlüsseln, 1 Schlüssel­ring mit 2 Schlüsseln und 1 hufeisenförmige Geld­börse mit 2.75 RM. Die Eigentümer wollen sich im Fundbüro der Polizeidirektion Zimmer 201b in der Zeit von 812 Uhr melden.

* Eine Gefahr für die Jugend bildet schon seit einigen Jahren ein 27jähriger erwerbsloser Tape­zierer von hier, der sich fortgesetzt an Knaben im schulpflichtigen Alter vergeht. Bereits in den Jahren 1927 und 1929 stand er dessentwegen vor dem hiesigen Schöffengericht und kam unter Be­rücksichtigung seiner geistigen Minderwertigkeit bei­desmal mit der gesetzlichen Mindeststrafe von 6 Monaten Gefängnis davon, die ihm obendrein noch bedingt ausgesetzt wurde. Daß diese Strafen und die eingeräumte Bewährungsfrist bei dem un­natürlich veranlagten Angeklagten nichts gefruchtet haben, bewies die gestrige Verhandlung vor dem

hiesigen Schöffengericht. Am 13. März hatte er sich in derGoldenen Aue" wiederum an einen 5jäh- rigen Knaben herangemacht und sich unsittlich an ihm vergangen, was ihm gestern 9 Monate Ge­fängnis eintrug. Nach wie vor zu bedauern bleibt es, daß in derartigen Fällen dem Gesetz noch keine Handhabe geboten ist, auf eine zeitliche Unter­bringung in eine Verwahrungsanstalt zu erkennen und durch eine derartige' Maßnahme eine schlimme Gefahr für die Jugend zu bannen.

* Der Christliche Sängerbund der 1879 gegrün­det wurde und heute etwa 1300 Gesangvereine mit rund 37 000 Mitgliedern zählt, wird in diesen Tagen in Hanau eine Kundgebung veranstalten. Die Mittelrheinische Vereinigung des Bundes hält am 24. und 25. April unter Leitung des Bundes­chormeisters Fritz Liebig aus Stuttgart einen Schulungskurs für ihre Dirigenten ab. Am Sonn­tag den 26. April findet morgens 8.30 Uhr eine

für jedermann zugängliche Morgenandacht in der

Stadthatte statt, wobei Chöre vomKreis Hanaus Bahn^ofsrëstâurant ~ Stemmler

Nachmittags 4 Uhr geben die Gesangvereine der Kreise Hanau u. Frankfurt einen festlichen Gesangs­gottesdienst in der Stadthalle. Wir verweisen auf die Anzeige in dieser Ausgabe.

* Preuß. Klasienlolkeric. In der 1. Klasse wurden am 1. Ziehungstage unter anderen folgende Num­mern gezogen (ohne Gewähr): 70"942, 89146, 102 595, 102 597, 105 871, 106 785, 110 338 143 025, 164 860, 268 646, 307 204, 333 423, 346 350, 346 357, 346 360, 347 637. Am 2. Zichungstag wurden unter anderen folgende Nummern gezogen (ohne Gewähr): 70 910, 79 717, 79 748, 79 761, 89126, 89 143, 90 398, 92 416, 105 877, 135 727, 169 544, 188 207, 268 630, 333 432, 346 333, 346 345.

* Frühjahrsveranskaltung der Turngemeinde Hanau 18^7. Die Turngemeinde rüstet für die Tage vom 3. bis zum 10. Mai zu einer großen Früh­jahrsveranstaltung, die verbunden ist mit dem 50jährigen Jubiläum der Vorturner­schaft. Den Auftakt zu dieser Veranstaltung bildet ein am 25. April in der Turnhalle der Turnge­meinde staètfindsnder Kommers zu Ehren der Vor- turnerschaft. An dieser akademischen Feier werden die Veteranen des Vereins, auch, soweit sie heute nicht mehr Mitglied der Turngemeinde sind, teil­nehmen, die in rastloser Pionierarbeit für die Turn­gemeinde und damit für deutsches Turnen tätig

waren und so diesen Tag des Lc, vrigen Bestehens als einen würdigen Ehrentag an sich vorüberziehen lassen sollen. Die eigentliche Frühjahrsveranstal­tung nimmt ihren Anfang mit Vereinswettkämpfen, die am Sonntag, 3. Mai, .nachmittags 3 Uhr im Vereinshaus stattfinden und an denen sich die Turn­vereine von 1860 in Bad Nauheim und der Turn- und Fechtclub Fulda beteiligen. Die Turnstunden in der eigentlichen, mit dem 3. Mai beginnenden Werbewoche werden voll und ganz so einge­stellt, daß sie dem Gepräge der Werbeveranstaltung angepaßt sind.

* Stenographische Frühjahrsprüsung. Das Stenographische Prüfunasamt der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau veran­staltet am Sonntag, den 10. Mai, vormittags 9 Uhr, in der städtischen Handelslehranstalt II Frankfurt a. M., Junghofstraße 18 und in dem Lyzeum Frankfurt a. M.-Höchst, Hostatostraße die diesjährige Frühjahrsprüfung. Anmeldungen kön­nen bis Donnerstag, den 7. Mai, bei der Jndustrie- und Handelskammer, Börse in der Zeit von 913 Uhr erfolgen. Anmeldungen für die Prüfung in Höchst werden entgegengenommen in Frank­furt a. M.-Höchst, Antoniterstraße 36 II. Für Prüfungen über 240 Silben ist letzter Meldetermin der 2. Mai 1931. Der Anmeldung ist die Gebühr von RM 3. beizufügen. Bei Anmeldungen nach Ablauf der Anmeldefrist erhöht sich die Gebühr auf RM 5.. Bei der Anmeldung ist Vor- und Zuname, Adresse, Geburtsort und -Datum, Beruf, bei welcher Firma beschäftigt, sowie in welchem System und welcher Geschwindigkeit geprüft wer­den soll, anzugeben Auch ist mitzuteilen, ob der Prüfling bereits früher an einer Prüfung teilge­nommen hat.

* Freiherr t). Spiegel-Vortrag. Der bekannte U-Bootführer Freiherr v. Spiegel, der Verfasser des interessanten SeekriegsbuchesU-Boot im Fegefeuer", wird am Donnerstag, 30. April in der hiesigen Centralhalle einen Vortrag halten. (Siehe auch Inserat).

wetieebevicht

Das europäische Tiefdruckgebiet wandert langsam nach Osten hin ab. An seiner Rückseite blieb im Gebiet nördlicher Winde das Wetter vorerst noch kalt, aber nur zu geringem und meist lokalen Nie­derschlag geneigt. Anhaltender Druckfall über Nord­europa deutet auf Entwicklung neuer Tiefdruck- Zörungen im Nordseegebiet. Dadurch wird all­mählich mehr westliche Luftzufuhr bedingt, womit dann allmählich wärmeres, wenn auch zunächst noch unbeständiges Wetter einsetzen dürfte. Vor­hersage bis Mittwoch abend: Noch meist bewölkt, aber nur vereinzelte Niederschläge, vorerst noch kühl, späterhin bei mehr nach Nordwest drehenden

Winden wieder Erwärmung.

Witterungsaus

sichten für Donnerstag: Bei mehr w:stüchcn Win­den wärmer mit zeitweiser Regenneigung.

L«ndS«rW Ka««u.

Großauheim, 21. April. Versammlung. Am Sonntag, 12. April fand zu Großauheim im

die diesjährige

Hausversammlung der ^Vereinigung selbständiger Bürsten- und Pinselmachermeister von Gelnhausen und Ilmgegend'" statt. Der Vorsitzende, Herr Hein­rich Ebert, begrüßte die Erschienenen. Hierauf brachte der Geschäftsführer, Herrn Franz Ickes, das Protokoll der letzten Versammlung sowie den Jah­res- und Kassenbericht zur Verlesung. Nachdem die Revisoren die Kasse geprüft; wurde ihm Entlastung erteilt. Die diesjährige Gesellenprüfung wurde auf den 22. Mai festgesetzt. Der Jahresbeitrag wurde wie seither festgesetzt. Blindenarbeit: Vom Geschäfts­führer.wurde der über diese Angelegenheit mit der Handwerkskammer zu Kassel gepflogene Schuft- wechsel verlesen, woraus zu ersehen ist, daß die Gesuche der Vereinigung weitgehend unterstützt werden. Es ist unverantwortlich, daß unter dem StempelBlindenarbeit" Riesenmengen von Wa­ren abgejetjt werden, die garnicht von Blinden her­gestellt, sondern anderweitig bezogen werden. Wei­ter wurde der Warenhäuser und Erwerbslosen- Regiebetriebe gedacht. Auch diese tragen dazu bei, das Gewerbe zu ruinieren. Als Tagung der näch­sten Hauptversammlung wurde Gelnhausen be­stimmt.

r Rüdigheim, 22. April. Silberne Hochzeit. Heute feiert Herr Metzgermeistcr Heinrich Uhrig und seine Ehefrau Elisabeth geb. Simon das Fest der silber­nen Hochzeit.

an g«"

405