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Vanarr GtadL und Land

drfdielet täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben M^ai IM 1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, HamStag 12 N-Psg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 N-Pfg-' im NeNameteil von 68 mm Breite 25 N-Psg. , Ossertengebühr SO N-Psg.

Nr. 88

Donnersta« den

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. - Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aus Lieferung ober Nachlieferung oder am Rückzahlung des Bezugspreises. / Für Platzvorschrift u. Erschemungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet., Geschäftsstelle: tzammerstr.S / Fernspr. 3956, 3951,3958

16. April

1931

Das neue Regime in Spanien

Unruhen in Barcelona

Maeka für ein selbständiges Katalonien des Königs ohne Abdankung

Slbschiedsmanifest

foWyv ^0^^844^

Der Reichsrat ist für Dienstag, 21. April, 12 Uhr, zu einer Vollsitzung einberufen mor« den. Aus der Tagesordnung stehen nur kleinere Vorlagen.

Der Reichspräsident hat dem früheren Danziger Präsidenten Sahm anläßlich seiner Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Berlin telegra­phisch seine herzlichsten Glückwünsche zur Wahl und den Wunsch für eine erfolgreiche Amstätigkeit ausgesprochen. Auch Reichskanzler Dr. Brü­ning hat dem neugewählten Oberbürgermeister von Berlin telegraphisch seme Glückwünsche über­mittelt. Das preußische Staatsministerium hat die Wahl Sahms und der anderen Magistratsmitglieder betätigt. Ferner hat der Oberpräsident die Wahl von Bruno Asch zum Stadtkämmerer und die Wah­len der neuen unbesoldeten Stadttäte bestätigt.

Auf die Beschwerde des Stahlhelms vom 10. April ist das Verbot des Flug­blattes Nr. 1 zum Volksbegehren vom preußi­schen Innenminister wieder aufgehoben worden.'

VoiMouMes gebeten, auf die Tagesardr

Sitzung des Europäischen Ausschusses den Punkt: f,Die Entwicklung der Zolloerhälinisse in Europa" zu setzen. Dabei wird auch die deutsch-österreichische Zollunion erörtert werden.

Durch den Polizeipräsidenten von Berlin ist nyt Datum vom 11 Avril derDeutsche Vorwärts" auf die Dauer von drei Monaten verboten worden, weil in den ArtikelnFort mit Rot-Preußen" undDer Kampf für unsere Freiheit" eine Beschimpfung und Verächtlichmachung der verfassungsmäßig festgeleg­ten republikanischen Staatsform enthalten sei. Der Verlag hat sofort Beschwerde gegen dieses Verbot eingelegt.

Wie wir erfahren, hat der spanische Bot­schafter in Berlin Espinosa de los Monteros her provisorischen republikanischen. Regierung in Madrid seinen Rücktritt a n gekündigt.

Gestern wurde mit einem Ferngespräch zwischen dem Reichspostminister und dem siamesischen Ver- kehrsminister, dem Prinzen Purachatro, die draht­lose Fernsprechverbindung zwischen Deutschland und Siam (BerlinBangkoks dem öffentlichen Verkehr übergeben. Ein Gespräch von drei Minuten Dauer kostet 96 RM, für jede weitere Minute 32 RM mehr.

Nach einer Bekanntmachung des badischen Mi­nisters des Innern tritt das am 4. März 1931 für Baden erlassene Verbot von Ansammlun- 9 e n und Versammlungen unter freiem Himmel mit einer Reihe Einschränkungen außer Kraft.

* Bei der lieb ergäbe des Beglaubigungsschrei- ^ns des neuen japanischen Bots ch a f t e r s in Berlin wurden zwischen ihm und Hinden­burg herzliche Ansprachen gewechselt.

*

* Bei Osnabrück ist gestern der Start vlugraketen geglückt, wobei eine Höhe 2000 Metern erreicht wurde.

von von

Der neuernannte deutsche Gesandte " i r ch e n f e l d ist gestern abend i in «"getrosten.

Graf v. Brüssel

des italie-

Der Herzog von Geuna, Oheim - Öfchen Königs, ist gestern in Turin gestorben.

»Der spanische KreuzerPrincipe Alfonso" mit König Alfons an Bord hat, wie man aus zu- Wiiger Quelle erfährt, Kurs auf Mar. eille genommen. Jnfant Juan bleibt vorläufig m G braltar. Ueber seine Weiterreise nach Frank- kkich oder England steht noch nichts fest.

Das Schwurgericht in Rottweil verur- teilte den 48 Jahre alten Joh. Stieß in Rottweil, am 17. Mai seine Frau mit der Axt erschlagen hatte, zum Tode.

*t Näher«» stehe im politischen Teil.

Der erste Tag der Repuvltt

Madrid, 15. April. Heuke war Feiertag, Nationalfeiertag der spanischen Republik. Die- Arbeit ruhte, die Fabriken, die Werkstätten und Geschäfte waren geschlossen. Ueber-

all herrschte großer Jubel.

Schon früh fluteten Arbeiter und Angestellte von ihren Arbeitsstellen, in Trupps gesammelt, in die Stadt. Scharen anmutiger Mädchen, mit Blumen geschmückt, kamen aus den Ateliers und zogen singend mit dem Menschenstrom. Ueberall erschallten harmlose Spottliedchen auf König Al­fons, nach den Weisen lustiger Kinderlieber mit primitiven Reimen aus der Stunde heraus vom Volk gedichtet. Wo die Trambahn überhaupt noch ihren Weg durch die dichtgedrängte Menge bahnen konnte, hockte aus den Wagendächern fröhliche Jugend. Eine Abteilung von Feuerwehrleuten hat heute vor­mittag die über dem Hauptor des königlichen Palais angebrachte königliche Krone mit einer Fahne ver­hängt. Eine zahlreiche Menge brach bei diesem An­blick in ein Jubelgeschrei aus. Sämtliche Eingänge zum königlichen Palais sind geschlossen. Die bis- heriae Königstraße ist umgetauft worden in Straße des 14. Aprils, und die Avenida Eduardo Dato heißt jetzt Avenida Alcala Zamorra. Der Ober- ndierend« des in Cartagena liegenden j

Rossel Finanzen: G Manuel Carrasco.

sämtlichen spanischen Kriegsschiffen die "'Republik ausgerufen sei. In Tetuan (Spanisch-Marokko) ist es vor dem spanischen Oberkommissariat zu Zwi­schenfällen gekommen. Eine begeisterte Menge zog vorbei unter Hochrufen auf die Republik. Eine Ab­teilung scherfischer Garde feuerte auf die Menge. Acht Personen wurden verletzt, darunter drei schwer. Der spanische Oberkommissar in Marokko hat sich der provisorischen Regierung angeschlvsfen.

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-ev neuen Res^evung

Madrid, 15. April. Kurz nach 1 Uhr nachts wurde der Presse folgende Regierungserklärung mitgeteilt:Die vorläufige Regierung dèr Republik ist fest davon überzeugt, daß die politischen und sozialen Kräfte, die an der Gründung des neuen Regimes mitgearbeitet haben, die Disziplin auf­recht erhalten werden. Davon hängen das Ansehen und das Schicksal der jungen Republik ab. Die Regierung ist deshalb der Meinung, daß diejenigen, die ihr die Macht gegeben haben, an der Festigung des Ansehens der Republik, das die Feinde dieser Staatsform untergraben wollen, arbeiten werden. Was diese Gegner betrifft, so hofft die Regierung, daß sie die außerordentliche Wichtigkeit dieser Stunde für die Zukunft Spaniens verstehen und ihre Haltung danach richten werden. Wir haben an­gefangen, mit Liebe an der Schaffung einer Atmosphäre der Gerechtigkeit und der Achtung zu arbeiten, die Spanien bisher nicht kannte, und haben, um dieses Ziel zu erreichen, die Verordnun­gen zur Ernennung des Präsidenten der vorläufi­gen Regierung und der Minister, sowie über die Verfügungen über das juristische Statut der vor­läufigen Regierung, die Amnestie und die Schaffung des Verkehrsministeriums erlassen."

Michtise VekGUiske

Madrid, 16. April. Die gestrige Sitzung des Ministerrats war um 21.30 Uhr beendet. Nach Schluß der Sitzung übermittelte der Ministerrat an die Presse eine Erklärung, in der mitgeteilt wird, daß die Regierung unverzüglich das königliche Palais mit Beschlag belege und die Wohnräume versiegeln und unter Schutz stellen werde. Weiter wurde beschlossen, drei Prozesse einzuleiten.

1. Jur Feststellung der Verantwortung für die Katastrophe von Wellila 1921.

2. über die Amtsführung aller die an der ersten Diktatur teilgenommen haben und

3. über den Prozeß von Jacca. .

Der Ministerrat besprach weiter die Kapitalflucht und beschloß scharfe Gegenmaßnahmen.

Ein selbständiges Katalonien

P a r i s, 15. April. Oberst W a c i a, der provi­sorische Präsident der katatonischen Republik, hat einem Vertreter der spanischen Nachrichtenagentur in Barcelona erklärt:Wir haben die katalanische Republik ausgerufen, was jedoch keineswegs einen Zwiespalt mit den spanischen Republikanern bedeu­tet die die spanische Republik proklamierten. Zwischen ihnen und uns herrscht enastes Einver­nehmen. doch durften wir die öffentliche Meinung

Kataloniens, die jetzt fast restlos für die autono- mistische katalanische Idee gewonnen ist, nicht außer Acht lassen.

Wie Havas aus Barcelona berichtet, haben sich in Katalonien die Truppen Oberst Macia zur Verfügung gestellt. Die Ernennung des Generals Lopez Ochoa zum Generalkapitän von Katalonien fei im Einvernehmen mit der Madrider Regierung er­folgt. Die Ausrufung der katalanischen Republik durch das Heer fei in katalanischer Sprache erfolgt. Das Volk verbrüderte sich mit den Soldaten, die zum größten Teil Armbinden in den spanischen republi­kanischen und in den katalanischen Farben tragen.

Madrid, 16. April. Die Regierung der katala­nischen Republik ist definitiv wie folgt gebildet wor­den: Präsident: Francis Macia, Politik: Ven­tura Gafsol, Oeffentlicher Unterricht: Rafael Campalans, Verteidigung: Juan Cas ano -

Man geht wohl, nicht fehl in der Voraussage, daß das Problem Katalonien der Madrider repu­blikanischen Regierung noch viel Kopfzerbrechen bereiten wird. Denn die separatistischen Tendenzen

Monarchie in ReServe

Alfons XiiL hat keine Abdankungsuvkunde nntevfchvkeben

Paris, 15. April. Meldungen der französischen Presse aus Madrid heben hervor, daß König Alfons nicht abgedaakt, sondern lediglich die Staatsgewalt der provisorischen Re. gierung übergeben habe. Der König hat ein Manifest zurückgelasfen, in dem er erklärt, er verzichte auf keines seiner Rechte.

wie Havas aus Hendaye meldet ist an der fran­zösisch-spanischen Grenze das Manifest eingetroffen, das König Alfons, als er Madrid verlassen hat, hinterließ. Dieses Manifest lautet:

Die Wahlen, die am Sonntag stattfanden, zei­gen mir klar, daß ich heute die Liebe meines Volkes verloren habe. Mein Gewissen sagt mir. daß diese Abneigung keine endgültige sein wird. weil ich stets bemüht war, Spanien zu dienen, war doch mein einziges Ziel das öffentliche Interesse selbst unter den kritischsten Umständen. Ein König kann sich täuschen, und zweifellos habe ich selbst bisweilen ge­irrt. Aber ich weiß wohl, daß unser Vaterland sich stets gegenüber Fehlern, denen keine Böswilligkeit zugrundeliegt, großmütig gezeigt hat. Ich bin der König aller Spanier und ich bin selbst Spanier. Ich hätte verschiedene Mittel anwenden können, um die königlichen Vorrechte aufrechtzuerhallen und meine Gegner wirksam zu bekämpfen. Aber ich will alles beiseite lassen, was meine Landsleute in einen mörderischen Bruderkrieg stürzen könnte. Ich ver­zichte auf keines meiner Rechte, weil sie über meine Ansprüche hinaus ein von der Geschichte angehäuftes Gut sind und weil ich eines Tages frei Rechenschaft über die Verwaltung dieses Schatzes zu legen haben werde. Ich warte den wahren Ausdruck der öffentlichen Meinung des Volkes ab, und bis die Nation sich geäußert hat. sehe ich freiwillig die Ausübung der königlichen Gewalt aus und ent­ferne mich aus Spanien. Hiermit erkenne ich an. daß Spanien allein Herr seines Geschickes ist. Auch heute glaube ich, die mir durch die Liebe zu meinem Vaterland dlkterte Pflicht zu erfüllen. Ich flehe Golk an. daß di<- übrigen Spanier sich ihrer Pflicht ebenso tief bewußt sein mögen wie ich.

Könrs Alfons' Sevmösen

London, 16. April. Der Star bringt heute ein Interview mit einer Persönlichkeit der Londoner City, die mit den Mitgliedern des spanischen Kö­nigshauses in enger Fühlung steht und die zu be­richten weiß, König Alfons habe schon vor längerer Zeit der jetzt eingetretenen Entwicklung durch ent­sprechende Finanzttansaktionen vorgebeugt. Als er vor einigen Wochen nach England gekommen fei, habe er den Ernst seiner Lage gut gekannt. Er habe schon vor.einigen Jahren gewußt, daß sein Thron

waren dort schon immer stark. Sie beruhen auf einer alten Tradftion, einer Feindschaft zwischen demeuropäischen" Katalonien und demAfri­kanischen" Kastilien, dem Heimatland der spanischen Staatlichkeit.

Blutige Zusammenstöße in Barcelona

Paris. 15. April. Wie Havas aus Barcelona berichtet. demonstrierten gestern abend mehrere tausend Personen vor dem Gefängnis und vercang- ten die Freilassung der Gefangenen. Dir Wenge wußte nicht, daß Oberst Wacia inzwischen die Frei­lassung verfügt hatte Da die Tore des Gefängnisses geschlossen blieben, versuchte die Wenge das Ge­fängnis zu stürmen und in Brand zu sehen. Der Gesängnisdirektor war, um blutige Zwischenfälle zu vermeiden, gezwungen, sämtliche Gefangenen, auch die wegen unpolitischer Delikte verurteilten Straf­gefangenen. freizulassen. Das gleiche ereignete sich im Frauengefängnis vou Barcelona, wo die Volks­menge die Kartothek des Gefängnisses vernichtete. Gegen 23 Uhr versuchten Demonstranten, unter denen sich offenbar lichtscheue Elemente befanden, ein Polizeikommissarillt zu sturmen. Die Garde war gezwungen, eine Salve abzugeben. Ein De­monstrant wurde getötet, mehrere andere wurde«

Madrid. 15. April. Nach einer Meldung aus Barcelona kam es heute nachmittag dort zu einem Zusammenstotz zwischen Syndikalisten und Arbèi- kern. Dabei wurden zwei Personen getötet und 5 verwundet.

in Gefahr sei. Jetzt habe er zwar seinen Thron verloren aber nicht fein Vermögen. In Citykreisen wird allgemein angenommen, daß Alfons und mit ihm die Mitglieder seines Hofes ihre Gelder aus Spanien herausgezogen und in England angelegt haben. Wie es dazu in gut unterrichteten Londoner Kreisen heißt, trägt das Vermögen des ehe­maligen Königs von Spanien nicht weniger als 70 Millionen RM.

Menteeei im LettensefStts- ms von Balencia

Valencia, 15. April. Heute vormittag brach hier im Zellengefängnis eine Meuterei aus. Die Be­hörden und die Gefängniswache bemühten sich, die Häftlinge ohne Gewalt zur Botmäßigkeit zurück­zuführen, aber diese nutzten die allgemeine Ver­wirrung aus und stürzten in den Hof des Ge­fängnisses hinunter. Unterdessen trafen die tele­phonisch herbeigerufenen Verstärkungen der Ge­fängniswache ein und außerdem die Delegierten des republikanischen Ausschusses Fernando Valero, Sigfrebo Blasco und Julio Just. Diese forderten die Häftlinge unter Zusicherung der Straflosigkeit auf, sich zu ergeben. Die Häftlinge bemächtigten sich aber der Delegierten und erklärten, sie würden letztere nicht eher freilassen, als bis man Urnen die Freiheit wiedergäbe. Inzwischen trafen weitere Verstärkungen mit Tränengas ein. Dieses wurde aber nicht benutzt, weil man befürchtete, daß auch die republikanischen Delegierten, die sich in der Ge­walt der Gefangenen befanden, darunter leiden könnten.

Der Leiter des Gefängnisses rief nun tele­phonisch in Madrid bei der Regierung an, die sich damit einverstanden erklärte, daß man die Ge­fangenen einstweilen frei lasse, zumal sich die meisten von ihnen nur im Zusammenhang mit einem schwebenden Prozeß in Untersuchungs­haft befänden. Die Häftlinge lieferten die Waffen ab, deren sie sich bemächtigt hatten, worauf sie freigelassen wurden.

Die Henttse Nummer umfaßt 14 Seiten