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Anzeiger Dr^

Vmrau Stadt und Land

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Ke. 86

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14. «peil

1931

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Reichsinnenminister Dr. Wirt h, der sich seit einigen Tagen in Rom aus hält, ist am Montag vom Pap st epfangen worden und hat dem Kardinalstaatssekretär Pacelli seinen Besuch abge» stattet, *

Der frühere Rechtsanwalt Bredereck, der Pressechef" Kapps, ist in Berlin gestorben.

Der Generalsekretär des Völkerbundes, S i r Eric Drummond, begibt sich am Mittwoch nach Rom, wo er mit der italienischen Regierung die weiter.- Vorbereitung der Weltabrüstungskon- ferenz und damit auch die Durchführung einer Ab­rüstungswerbung besprechen wird. Sir Eric Drum­mond kehrt am" Freitag nach Genf zurück, von wo er sich am Sonntag zu ähnlichen Besprechungen wie in Rom nach Berlin begibt.

Die französischen Sachverständigen für die Londoner Flottenpaktverhandlungen, die gestern abend abreifen sollten, sind mit Ausnahme des juristischem Sachverständigen des Ministeriums des Aeußen vorläufig in Paris geblieben Es heißt, daß sie sich erst nach London begeben wer' den, sobald gewisse juristische, aus der redaktionellen Fassung des Flottenabkommens sich ergebende Schwierigkeiten geregelt seien.

Die Konservativen haben gegen die englische Regierung ein Mißtrauensvotum ein» gebracht. Die Liberalen hüllen sich in Schweigen.

Die englische Regierung hat den Völker­bund ersucht, die Rechtsfrage der Zollunion auf die Tagesordnung der nächsten Tagung zu setzen.

schl a g e s auf die Warichauer Sömfetbob Ichaft angeklagte Poljanski wurde vom Bezirks­gericht zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Einspruch der Verteidigung, daß der Angeklagte nicht voll zurechnungsfähig sei, ist nicht berücksichtigt worden.

Der polnische Spion Vilkiezki wurde gestern in Kowno erschosssen. Sein Begnadi­gungsgesuch war vom Staatspräsidenten abgelehnt worden.

Wie Reuter aus gut informierten Londoner Krei­sen erfährt hat sich die Lage in Madeira während des Wochenendes kaum verändert. Die revolutionäre Junta scheint die Situation nach wie vor völlig in der Hand zu haben. Die Insel ist teilweise blockiert. Man gestattet Schiffen anzulegen und Leute, die die Insel zu verlassen wünschen, an Bord zu nehmen hat aber die Landung von Aus­ländern untersagt.

Der Treuhänder des britischen Anteils an der Boxer-Entschädigung hat beschlossen, daß der Anteil der in London liegenden vier Millionen Pfund Sterling unverzüglich zum Ankauf von Eisen­bahnmaterial in England verwandt werden soll.

Im Kohlenrevier des Departements Hèrault haben sich nach ziemlich langwierigen Verhandlungen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ge­einigt. Die Wiederaufnahme der Arbeit ist beschlossen worden.

Der Vorstand der französischen Ge- werkschaften (CCT.) protestiert gegen die Lohnherabsetzungspolitik der Arbeit, geberverbände, die als Ausnutzung der Arbeits- lofenkrise bezeichnet wird. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter werden ausgefordert, sich gegen die systematischen Lohnherabsetzungen, die Men sozialen Rückschritt bedeuten, zur Wehr setzen. Die kommunistische Textilarbeitergewerkschaft von Lille und Umgebung Hai bereits den generellen Proteststreik angekündigt.

In einer im Bau befindlichen unterirdischen Kanalisationsanlage in Chicago brach aus unbekannter Ursache Feuer aus. Mehrere Arbeiter wurden durch den Rauch erstickt. die bereits bewußtlos waren, konnten zeitig genug geborgen werden. Wie verlautet, sollen sich ober noch mehrere Arbeiter in der Kanalisation befinden.

Entsprechend der Erwartung wurde W a h a - truki heute nach dem kaiserlichen Palast berufen und vom Kaiser mit der Bildung des neuen japanischen Ministeriums be« «raut

Das berühmte Flugzeug Southern Croß, in dem seinerzeit Commander Kingsford Smith von England nach Australien geflogen war, stürzte über 5111 Flugplatz von Sydney aus 700 Meter Höhe

Die beiden Insassen fanden den Tod.

1 *1 Näheres stehe im politischen Teil.

âttißche Lage in Spanien

Die Kepnbrrranev fordern die Aevublik - Wird âdnis Alfons addanken?

Berlin, 13. April. Die Gemeindewahlen in Spanien haben in Berliner politischen Kreisen erheblich überrascht. Sie bedeuten eine politische Niederlage für die augenblickliche Regierung und auch für die Monarchie. In fast allen größeren Städten haben die Repu­blikaner den Sieg davon getragen. Es wäre Zwar bei den Wahlen zum verfassungs­gebenden Parlament eine Mehrheit für die Monarchie deshalb möglich, weil auf dem Laude in rein bäuerlichen Gegenden überwiegend monarchistisch gewählt wurde, man muß aber beachten, datz auch kleinere Ortschaften in Zndustriegegenden und im Gebiete des Groß- grundbesitzes eine republikanisch-sozialistische Mehrheit aufzuweiseu haben.

Madrid, 14. April. Das Stimmenverhältnis zwischen den beiden Koalitionen stellt sich von 49 Proviuzstädlen einschl. Madrid und Barcelona aus 595 Mitglieder der monarchistischen Koalition gegen 972 Republikaner.

Oke Attsvuftms dev Republik gefovdevL

Madrid, 13. April. Verschiedene republikanische und sozialistische Persönlichkeiten hielten heute nachmittag in der Wohnung Alcala Zamoras eine Versammlung ab. Nach Schluß derselben wurde eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt: Die Ab­stimmung in der spanischen Hauptstadt und in den städtschen Hauptzentren hat die Bedeutung eines für die Monarchie ungünstigen, für die Republik günstigen Plebiszits. Sie trägt gleichzeitig die Merkmale eines Schuldspruchs gegen den höchsten Träger der Regierungsgewalt. Wir fordern sämt­liche zivilen und militärischen Institutionen des Staates auf, die Entscheidung des Volkes zu re«

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der Nation und der internationalen öffentlichen Meinung die Verantwortung für das, was unver. weidlich eintreten wird, ablehnen. Im Namen Spa­niens, das wir vertreten, da wir die Mehrheit be­sitzen, erklären wir öffentlich, daß wir energisch Vorgehen werden, um dem Wunsche der Nation durch Errichtung der Republik in Spanien Genug­tuung zu geben. Diese Erklärung ist unterzeichnet von Alcala Zamora, Fernando del Los Rio, Casa- ron Mignel Maura, Largo, Caballero, Albornoz, Berroux und Azana.

Koch Seine Entscheidung des MkriftevvatS

Der angekündigte spanische Ministerrat ist gestern nachmittag 17 Uhr zusammengetreten, um zu der durch das Ergebnis der Gemeindewahlen geschaffenen politischen Lage Stellung zu nehmen. Wie Havas aus Madrid meldet haben sich zwei Auffassungen geltend gemacht: ein Teil der Mi­nister sei der Ansicht, daß die Regierung in ihrer bisherigen Zusammensetzung bestehen bleiben müsse, weil die M o n a r ch i st e n im Grunde genommen die Mehrheit in der Gesamtheit der spanischen Gemeinderäte besäßen: der andere Teil der Minister vertrete jedoch die Ansicht, daß der Sieg der Linken in den Provinzialhauptstädten und den größeren Städten derart fei, daß die Regierung unmöglich

Der Iottplan kommt vor den Dötterbundsrat Gnstand beantragt in «Sens pvüsnng der Rechtslage

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muß aW sSekhbevechtrgtev Partner zugezogen werden

Genf, 13. April. Die englische Regicrun g hat in einer Note an den Generalsekretär des Völkerbundes das Ersuchen gerichtet, die Rechtsfrage der Uebereinstimmung des deutsch- österreichischen Zollabkommens mit den Bestimmungen des Genfer Protokolls auf die Tagesordnung der Maitagung des Völkerbundes zu setzen.

Die Note ist ganz kurz und nimmt keinen Bezug auf irgend einen Artikel des Völkerbundspakts. Sie ist nicht von Henderson selbst, sondern von einem höheren Beamten des Foreign Office unterzeichnet und läßt durchblicken, daß in einigen Ländern Zweifel an der Uebereinstimmung des Abkommens mit dem Genfer Protokoll von 1922 entstanden seien, ohne daß sich jedoch die englische Regierung in dieser Note diese Zweifel selbst zu eigen macht. Der Antrag geht auf die Unterhauserklärung Hendersons zurück.

Die englische Note war hier bereits seit längerer Zeit erwartet worden. Die Verzögerung des Eintreffens wird in unterrichteten Kreisen dar- auf zurückgeführt, daß die englische Regierung zu- erst die amtliche deutsche Stellungnahme und die Auswirkung des deutsch-österreichischen Zollabkom- mens in den übrigen Ländern abwarten wollte.

länger am Ruder bleiben könne. Dieser Stand­punkt scheine durchgedrungen zu sein. Da aber und sei es nur aus Ehrerbietung gegenüber dem König das Kabnett nicht wie ein gewöhnliches Kabinett zurücktreten könne und zwar wegen der besonders heiklen gegenwärtigen Verhältnisse hätten die Minister untersucht, welche Lösung der Krone unterbreitet werden könne. Eine Lösung würde sein die Einberufung der Cortes schleunigst vor­zunähmen, so daß die Generalwahlen vor den Pro- vingiaimahlen stattstnden würden. Der Minister­präsident werde heute vormittag um 10.30 Uhr vom König empfangen werden und ihn über die Ansichten der einzelnen Minister unterrichten. Man betrachte es auch als möglich, daß der Mi- nisterpräsident dem König raten werde, die Haupt- sächlichsten politischen Persönlichkeiten zu Rate zu ziehen. Heute werde also einer der interessantesten und wichtigsten Tage der gegenwärtigen politischen Krise sein. Nach Schluß des Kabinettsvats hätten die Minister so gut wie keine Erklärung abgegeben. Ministerpräsident Aznar habe auf die Frage, ob es keine Krise gäbe, lediglich geantwortet: Nein, ich werd« dem König berichten und dann wird man

-König Alf»«S?

Madrid, 14. April. Die Agentur Fabra veröffentlicht eine Mitteilung derInformation", daß der König heute früh zu einem Minister, der mit ihm über die durch die Gemeindewahlen ge­schaffene Lage sprach, geäußert haben soll, es sei nutzlos, daß seine Freunde versuchten, die Trag­weite des Ergebnisses der Gemeindewahlen zu mildern. Er sei überzeugt, daß sich die gegnerischen Stimmen nicht gegen das monarchistische Regime oder gegen Persönlichkeiten, die der Monarchie dienen, richten, sondern gegen ihn persönlich. And weil er tatsächlich glaube, daß es sich so verhält, sagte er, daß es seinem Gewissen entspreche, wenn er dieses Problem aus klare und endgültige Weise löse. Nach Behauptung des Blattes verdiene der Gewährsmann dieser Aeußerung absolute Glaub­würdigkeit.

Madrid, 13. April. In politischen Kreisen verlautet, daß ein plötzlicher Rücktritt des Königs nicht ausgeschlossen erscheine. Ein solcher Entschluß wurde von dem Gedanken eingegeben sein, die Monarchie unter Aufopferung der Person des Monarchen zu retten. Eine Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen. Auch liegt eine Aeußerung des Königs in diesem Sinne nicht vor.

Paris, 13. April. Gerüchteweife verlautet, daß König Alfons Abreise ins Ausland Paris oder London unmittelbar bevorstehe. Line Be­stätigung dieser Gerüchte liegt bisher nicht vor.

Durch die ganz allgemeine, an keinen Artikel des Völkerbundspaktes gebundene Form des Antrags soll es dem Völkerbundsrat ermöglicht werden, auf der Maitagung die Angelegenheit sofort sei es durch Einsetzung eines Zuristenausschusses oder eines engeren Ausschusses der Ratsmitglieder zu behandeln, ohne daß die Einholung eines Rechts- gutachtens beim Internationalen Haager Gerichts­hof notwendig wäre. Der Generalsekretär des Völkerbundes übersendet noch am Montag die Note sämtlichen Mitgliedern des Völkerbundsrates Kenntnisnahme.

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Berlin, 13. April. Der dem Sekretariat Völkerbundes jetzt vorliegende englische Antrag, die

Fortsetzung auf Sette 2) ___

Spaniens hiNovttcbe Stunde

Der Wahltag des 12. April wird in der Geschichte Spaniens als ein Tag fortleben, der einen Wendepunkt im Schicksal des Lan­des bedeutet. Die großen Erfolge, die die Republikaner in fast sämtlichen Städten von Bedeutung erzielen konnten, haben bewiesen, daß die Zurückhaltung, mit der die Chancen Alfons XIII. in der Weltpresse beurteilt wur­den, mehr als berechtigt war. Niemand konnte ahnen, daß bei dem starken Druck, der seitens der Regierung aus den Gang der Wahlen und auf die Wahlergebnisse ausgeübt wurde, die republikanische Linke die entscheidende Mehr­heit in den Stadtverwaltungen des ganzen Landes erzielen konnte. Gegenüber dieser Tatsache treten die Ergebnisse aus den länd­lichen Wahlbezirken völlig zurück. Bei dem heutigen Stand der Dinge entscheiden in Spanien über die Geschicke der Heimat die Städte und nicht das flache Land. Die ersten Wahlen seit 1922 haben deutlich bewiesen, daß die Monarchie das Vertrauen des Bürger­tums nicht besitzt.

Dabei ist zu bedenken, daß in Spanien nur diejenigen Bürger wahlberechtigt sind, die die 25 Jahr-Grenze überschritten haben. Die Jugend, die zweifellos die aktivsten Elemente aufweist, und die durchweg radikal-anti­monarchistisch gesinnt ist, konnte an den Wah­len nicht teilnehmen. Wäre das Wahlalter in Spanien aus 20 Jahre herabgesetzt, so wären die Ergebnisse sür das Königtum noch nieder- eine große Bedeutung nicht nur deswegen ZU, weil dies die erste Kraftprobe zwischen bet Monarchie und Republik war, eine Kraft­probe, die einen Vorgeschmack der Wahlen zum Parlament und Senat gibt, sondern weil den neugewählten Körperschaften ein großer poli­tischer Einfluß zukommt. Sie wurden nicht unter verwaltungstechnischen Gesichtspunkten gewählt, sondern durchweg unter politischen. Und wenn der Führer der katalonischen Lin­ken, Oberst Macia, am Vortage der Wahlen für den Fall eines republikanischen Sieges die Zusammenberufung der Gemeinderäte zwecks Proklamierung der Republik in Aussicht stellte» so bekundete er hiermit nur die wahre Rolle, die die Gemeindeverwaltungen heute in Spanien für sich in Anspruch nehmen.

Welche Situation ist nunmehr in Spanien entstanden? Sie ist dadurch charakterisiert, daß die Republikaner in den Städten zwar eine wichtige Schlacht gewonnen haben, aber noch nicht den entscheidenden Sieg im ganzen Lande. Miguel Maura, der Sohn des be­kannten Staatsmannes, hat kürzlich die Ge- msindewahlen als eine Episode in dem großen Kampf bezeichnet, der nunmehr ausgebrochen ist, in einemKampf auf Leben und Tod zwischen König und Volk." Noch kategorischer hat sich Largo Caballero, der Führer der sozialistischen Gewerkschaften, aus- redrückt als er sagte:Die Gemeindewahlen sind nur eine Episode; wir befinden uns in einem Kriegszustände, und wir müssen ihn per­sönlich verantwortlich machen, für das Blut, das vergossen wird, und für die Unruhen, die zwangsläufig entbrennen werden." In dieser unoerhüllten Drohung ist der Tatbestand ent­halten, der vor nunmehr beinahe 150 Jahren in der gegen den König Louis XVI. von Frankreich erhobenen Anklage eine gewichtige Rolle spielte und dazu beitrug, daß Louis XVI. und die Königin Marie Antoinette ihr Leben unter der Guillotine lasten mußten. Durch den Sieg ermuntert, werden die spanischen Repu­blikaner gern bereit sein, den Krieg gegen den König fortzuführen, um die erste siegreiche Episode durch die kommenden zu ergänzen. Wird aber auch der König seinerseits zum mat­teren Kampf bereit sein?

Das ist im Augenblick die entscheidende Frage. König Alfons XIII., der schon oft schwierige Situationen erleben mußte, muß erkennen, daß alle bisherigen Schwierigkeiten seiner königlichen Laufbahn ein Kinderspiel im Vergleich zu seiner heutigen Lage waren. Drei Wege stehen ihm offen: 1. die Militär- diktatur. Diese aber kann heute in Spanien nur einen Bürgerkrieg bedeuten. Wird Don

Oie heutt-e Nummer umfAti 10 Seite»