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Jette •

Srettag den 10. April 1931

Ar. 83

Go stürzte die amerikanische SVesevin Güinov emüb aus 8000 Meter HSHe ab

Bei dem Versuch, den Höhenrekord für Frauen zu brechen, stürzte die waghalsige amerikanische Flie­gerin Ellinor Smith (Porträt oben links) aus 8000 Meter Höhe ab und konnte nur durch ihre Geistes­gegenwart das Flugzeug noch notlanden.

Dev Mann -ev sich evmov-eu läßt

Eine in der Geschichte der Kriminalistik unbe­kannte« Verbrechen

Die Ermordung des Weinhändlers Steinherz steht als Verbrechen in der Geschichte der Krimina­listik einzigartig da. Die Phantasie der Bersiche- rungsbetrüger ist gerade in der letzten Zeit sehr ins Kraut geschossen. Die Fälle Tetzner und Saffran sind Beweise dafür, wie skrupellos derartige Ver­brecher arbeiten. Aber bisher wurde es für unmög­lich gehalten, daß ein Mannn sich wirklich ermor­den läßt, um seinen Angehörigen die Versicherungs­summe zugänglich zu machen. Man nimmt bekannt­lich an, daß der ungarische Weinhändler Steinherz sich in der Ersenbahn auf dem Wege Budapest— Szegled von seinem Komplizen Fischl nur zu dem Zwecke ermorden ließ, um die Versicherungssumme in Höhe von mehr als 100 000 Mark für seine Familie zu retten. Vor Jahren erregte es bereits das größte Aufsehen, als man annahm, daß der Oesterreicher Marek sich selbst verstümmelte, um die Versicherungssumme zu erhalten. Derartige Ver­sicherungsbetrügereien sind dann recht häufig ge­wesen. Bei allen diesen Verbrechen handelt es sich nicht um den eigenen Tod, sondern um den Ver­lust eines Gliedes. Welche furchtbare Verzweiflung muß aber einen Menschen erfüllen, der den Auf­trag gibt, mit Hammerschlägen ermordet zu wer­den, und der nach dem ersten furchtbaren Schlag noch die Kraft hat, die anderen Schläge .auszuhal­ten und die Schmerzen zu ertragen! Tötungen auf Verlangen sind in der Geschichte in der Kriminali­stik nichts Neues. Meist handelt es sich dabei um Liebespaare, die einen gemeinsamen Tod wünschen, und von denen der eine Teil nicht den Mut hat, selbst Hand an sich zu legen. Der „Fall Steinherz" gibt aber nicht nur den Psychologen, sondern auch den Kriminalisten und Juristen neue Rätsel auf.

Sie werden vor Probleme gestellt, die bisher noch nicht erörtert worden sind. Es ist nämlich bei die­sem Versicherungsbetrug die Frage, ob die Ver­sicherungssumme von den Gesellschaften, bei denen er sich gegen Unfall und Tod versichert hatte, aus­gezahlt werden inuß. In der Lebensvevsicherungs- police wurde nämlich Selbstmord als Grund des Todes ausgeschlossen, um zu verhüten, daß der Versicherte nach Zahlung einiger Prämien Selbst­mord begehe und dadurch die Gesellschaften zwinge, eine recht erhebliche Summe auszuzahlen. 91 un hat Steinherz nicht Selbstmord begangen, sondern er ist tatsächlich ermordet worden. Das steht einwandfrei fest. Der Mörder Fischl erklärt aber, daß er den Steinheyz auf dessen Verlangen getötet habe. Ja, er sei sogar zu dem Mord von Steinherz eigens ge­dungen worden, und manche Tatsachen sprechen dafür, daß Fischl die Wahrheit sagt. Aus diese Weise wäre die Ermordung des Steinherz nur eine Umgehung der Bestimmung, daß bei Selbstmord die Versicherungssumme nicht fällig wird. Man kann sagen, daß er Selbstmord verübt hat, wenn Selbstmord ein durch gewaltsame Einflüsse herbei­geführter Tod zu emer bestimmten Zeit ist. Er hat sich dann gewissermaßen des Fischl als Werkzeug bedient. Andere Anschauungen gehen aber dahin, daß man als Selbstmord nur den durch eigene Hand zugefügten Tod bezeichnen kann, während die Tötung auf Verlangen durch einen anderen Men­schen nicht dazu gehört. Da in der Versicherungs­police von einer Tötung auf Verlangen nicht die Rede ist, so ist die Auszahlung der Summe nicht zu umgehen. Die Abgründe der menschlichen Seele, die durch diesen grausigen „Fall Steinherz" aufge­deckt wurden, erstrecken sich auch auf den Tapezie- rergehilsen Fischl, der das Verbrechen ausgeführt hat. Er hat nicht nur nach den bisherigen Meldun­gen wochenlang vorher mit Stemherz die Mord­taten in allen Einzelheiten durchberaten, sondern hat auch anatomische Bücher studiert, um sich die Kenntnisse darüber zu verschaffen, wie man einem Menschen den Schädel zertrümmern könne, ohne ihn zu töten. Offenbar war nur ein Unfall vorzu­tauschen, damit Steinherz die Unfallversicherungs- fumme ausgezahlt bekam. Tatsächlich waren die ersten sieben Schläge nicht tödlich, zumal sich Stein­herz ein Tuch auf den Kopf gelegt hatte, um die Wucht der Schläge abzudämpfen. Offenbar ist Fischl allmählich in einen Blutrausch verfallen, so daß er die letzten Schläge mit tötender Kraft führte. We­gen Mordes kann er wohl trotzdem nicht angeklagt werden, sobald es sich ergibt, daß er die Tat auf das ausdrückliche und ernstliche Verlangen des Ge­töteten vollführt hat. Dieser einzigartige Kriminal­fall birgt jedenfalls zahlreiche Rätsel und Probleme und ist ein Beweis dafür, daß die menschliche Seele viele unergründliche Geheimnisse aufweist.

Die Ztvanzig-HkennLg- âavalßeve

Eine neue Einnahmequelle im Berliner Nachtbetrieb

Wer den Nachtlokalen von Berlin in der letzten Zeit einmal einen Besuch abgestattet hat, der wird sich wohl kaum etwas dabei gedacht haben, wenn ihn eine seiner Tanzpartnerinnen nach Beendigung des Tanzes höflichst bat, ihr doch mit 20 Pfennigen aus- zuh elfen, sie habe ihre Handtasche nicht bei sich und 'müsse sich dorthin begeben, wo 'emë" ältliche Frau über ein kleines Reich herrscht, für dessen Betreten jeder weibliche Besucher seinen Tribut zu entrichten hat. Was sind 20 Pfennige für einen Kavalier? Er lächelt und gibt das Geld gerne.

Einem Berliner Reporter jedoch kam die Sache nicht ganz geheuer vor, nachdem er in einem Lokal zweimal — von zwei verschiedenen Tänzerinnen — und in zwei weiteren Tanzdielen je einmal um den genannten Betrag angegangen worden war. Er ging in das erste Etablissement zurück, nahm sich hier die beiden Mädels vor, lud sie zu Kaffee und Kuchen für den folgenden Tag in seine Wohnung ein, zeigte sich als liebenswürdiger und verständnisvoller Gast­geber und erfuhr schließlich die Einzelheiten über diese neueste aller Berliner Unternehmungen. Die betreffenden Damen waren keinswegs von dem Be­sitzer des Lokals, in dem sie sich jeweils aufhielten, angestellt, sondern standen in den Diensten eines

Herrn aus Berlin-dl, der über einen Stab von 40 Mädels verfügt, die allabendlich eine bestimmte Ver­gnügungsstätte aufzusuchen haben. Zwei Tänzerin­nen besuchen jeweils ein Lokal und haben darauf zu achten, daß nicht zweimal derselbe Herr angegangen wird. Die beiden Gäste des Reporters gestanden, nur aus Unachtsamkeit zweimal an diesen geraten zu sein. Die Mädels erhallen von ihrem Dienst­herrn stets die schönste und modernste Garderobe, auch das Geld für den Verzehr wird ihnen erstattet. Außerdem dürfen sie von jeder Einnahme 10 Pfg., die Hälfte für sich behalten. Zwei RM für den Abend ist der Durchschnittsverdienst.

Den Verdienst des findigen Herrn aus Berlin-X dagegen kann man sich sehr leicht ausrechnen 20 Tänze pro Dame macht 800 Tänze an jedem Abend oder 80 RM Bruttoeinnahme. Nach Abzug der Unkosten kann man mit tausend RM pro Monat wohl rechnen.

Armes Berliner Nachtleben! Wer wollte noch be­zweifeln, daß die neuzeitlichen Errungenschaften dem Menschen immer mehr von der Romantik neh­men, deren er zuweilen bedarf!

Ein einziges Schiff erlegt tausend Wale.

Der norwegische Dampfer Sir James Clark Roß, ein ehemaliges deutsches 16 000 Tonncn-Schiff, traf in Christchurch auf Neuseeland mit einer Beute von 100 000 Barrels — ungefähr 15 000 Tonnen — Oel ein. Das entspricht einer erfolgreichen Jagd auf nicht weniger als tausend Wale. Das Schiff ist für die Verarbeitung von Walen in musterhafter Weise aus­gerichtet. Die gewaltigen Tiere werden an Bord ge­nommen und sofort industriell durch Sondermaschinen in jeder Beziehung verarbeitet. Sehr wahrscheinlich wird die Ausrottung der Wale in den Südpolar­meeren auf diesem Wege noch rascher vollzogen wer­den als im nördlichen Eismeer. Die Ausbeute des erwähnten Schiffes ist allerdings sind Höchstleistung. Sie übertrifft bedeutend den Fang eines Schwester­schiffes, das vor zwei Jahren mit 63 500 Faß Oel in Tasmanien eintraf. Im Verlauf der ersten elf Wochen hatte die Anglo-Norwegische Holding-Flotte abgesehen von der angeführten Beute eines einzigen Schisfes schon 134 600 Faß Del eingebracht, die einen Marktwert von fast 12 Millionen Mark haben. Wenn das so weitergeht, werden die Walmetzger auch das südliche Eismeer bald von dem gewaltigsten Säuge­tier „befreit" haben. Der Völkerbund beabsichtigt tat­sächlich schon einen Naturschutzpark für Wale. Er möge damit rascher verfahren als bei der Abrüstung. Sonst kommt er zu spät.

Unser Auge ereicht nicht die Aufnahmeschärfe der photographischen Platte, deren Empfindlichkeit zwi­schen 18 Billionen und 1600 Billionen Schwingun­gen in der Sekunde liegt.

Son der âSnobübne.

Central-Theater. „Schneider Wibbel". Die lustige Komödie Müller-Schlössers, von der Bühne her wohlbekannt, feiertun Tonfilm Auferstehung. Man darf sich ehrlich freuen ob dieses Wiedersehens, denn ein so köstlicher Komödienstoff, so herrliche Typen und so viel echtes rheinisches Volkstum sah man noch in keinem Tonfilm. Hier ist endlich ein Unterhaltungsfilm geschaffen, der nicht nur von rosarotem Operettenkitsch lebt, sondern von echtem Humor. Die Geschichte von dem Schneidermeister, der an seiner statt einen Gesellen ins Gefängnis schickt. Aber Wibbel hat Pech, der falsche Wibbel stirbt in der Haft und der echte Schneidermeister muß nun ein Leben als lebender Leichnam führen. Es gibt genug Komplikationen um eine echte Ko­mödie zusammenzubringen. Gespielt wird ausge­zeichnet; allen voran Paul Henkels als Wibbel, und nach ihm die große Schar der anderen sehr guten Darsteller. Das Stück schlägt ein, der Lach­erfolg ist groß. Ein unterhaltsames Beiprogramm wird zu dem Hauptfilm gezeigt.

Severne. Sevsammlung^

Turn- und Sportvereinigung 1860 (Turnet ' abteilung). Sonntag, 12. April, (8 Uhr norm? beginnend) findet in der Turngemeinde v i straße, unsere Vorturnerstunde statt. Es melde» - bei Joseph Fahrenkopf dortselbst folgende s nerinnen: M. Ruth, A. Dister. E Käthe Schäfer, Käthe Lochmann, A. Weißend» Mariechen Hau.

Alpenverein. Sonntag, 12. April Mz J | derung: Rheinheim — Groß-Bieberau — I berg — Neunkircher Höhe — Ruine Rodenste? Reichelsheim. Abfahrt Hanau Hpt. ab 6 iii Sonntagskarte 3. Klasse Wiebelsbach — s 5Ü9H 2.20.

Kath. Kasino „Eintracht". Morgen abend * natsversammlung.

Christlicher Verein junger Männer. MG Sonntag Wanderung zum Jugendheim M» ■ bach. Abfahrt Hanau-Haupt 7.51 mit Sonnt» rückfahrkarte. Näheres morgen abend im JW > lokal.

Rhönclub, Zweigverein Hanau e. V. 4.11 einswanderung Sonntag, den 12. April S Meerholz — Lützelhausen — Geiselbach, dal» auf Wunsch Mittagstisch RM 1.00, — Horba». Meerholz. Abfahrt: Hanau-Haupt 7.36 Uhr. & tagskarte Gelnhausen RM 1.20. Rückkehr 211 Uhr. Marschzeit 5 Stunden. Gäste willkon!» Ferner machen wir auf die morgen Gan^; abend 8 30 Uhr im Vereinslokal stattfindende K ; natsversammlung aufmerksam, und bitten um « reiches und pünktliches Erscheinen. 4

1. H. S. V. 1912. Wir erinnern nochmals s; den Ausflug am kommenden Sonntag. M^ i ist heute abend im Jugendheim zu erfahren, r

Verein ehemaliger 166er. Samstag, 11. April, abends 8.30 Uhr, Versammlung Kamerad Reis. Die Kameraden werden gefe zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand.

Amtliche Veramttmachtm«»

Amtliche Bekanntmachung betr. Schulbeginn der gewerblichen Berufsschule des Landkreises Hanau

Der Unterricht an den gewerblichen BerussW des Landkreises Hanau beginnt für die einzel« Schulen an den nachstehend bezeichneten Tagen.

Die Schulpflichtigen, auch die Ostern d. 3.: der Schule entlassenen, haben sich an dem fürtz Ort zuständigen Schulsitz wie folgt einzufinden u beim Schulleiter zu melden:

in Bischofsheim: am 17. April 1931, 14 Uhr, aus!» Hofe der neuen Schule, Waldstraße. Etz leiter: Herr Rektor Goedecke;

in Bruchköbel: am 16. April 1931, 14 Uhr, t oberen Saale des Rathauses. Schulleid Herr Rektor Schumann;

in Windccken: am 16. April 1931, 14.30 Uhr, in! Volksschule, Schulleiter: Herr Rektor häuf in Langenselbold: am 16. April 1931, 14 Uhr, in!

Turnhalle der Knabenschule, Bremesga Schulleiter: Herr Lehrer Kircher.

Die Schulpflichtigen aus den Orten Großkrch burg und Wolfgang \

in Großauheim: am 16. AvrUlÜÄl Uhr, in ist gewerblichen Berufsschule (alte Schug Haggasse. Schulleiter: Herr Rektor

Die Arbeitgeber und die gesetzlichen V. sind verpflichtet, den schulpflichtigen Jugendlichä die nötige freie Zeit zu gewähren und sie P pünktlichen und regelmäßigen Schulbesuch Ä halten. Dies gilt insbesondere für den Schulbege Ich ersuche die Herren Bürgermeister für übliche Bekanntmachung Sorge zu tragen. Hanau, den 9. April 1931

Der Vorsitzende des Kreisausschusses, J. D.: Silit

Verla^direkUon. Paul Naek.

Hauptschriftleitnng: Richard H altsek Verantwortlich für Politik end allgemeinen Teil: RleW1 Hultsch, für Lokale» und Feuilleton: Werner 8 i mann, für Sport und Provinz: Han» 0”' • obläget, für Anzeigen und Reklamen; Fr. Slebnj höhnet, »amtlich io Hanau. Rotationsdruck " Waiunnnausbuehdraekerei Hanae enreehaneehluß Nr 8956 8957 8958

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