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Der Midasfluch.

Warum schwimmt Frankreich in Gold?

Die Gesetze, nach denen sich in der Nach­kriegswelt die Bewegungen des Goldes voll­ziehen, sind selbst für die gewiegtesten Fach­männer noch ungelöste Probleme. Am unheim­lichsten haben sie sich in Frankreich ausgewirkt, wo der rote, tote Schatz Jahr um Jahr, Monat um Monat wächst. Allein mit ihm wächst nicht Besitzerftolz und Selbstbewußtsein, sondern eine ungewisse Angst, die ein wenig an die Geschichte vom König Midas erinnert, der schließlich verhungern mußte, weil ihm unter den Händen alles zu Gold wurde. So schlimm ist es ja in Frankreich nun noch nicht, aber der in den unterirdischen Panzerforts der Bank von Frankreich lagernde Eoldhort ist zwar in­sofern tot, als er keine Zinsen trägt, unheim­lich lebendig aber insofern, als er den Papier­franken entwertet und die Preise unaufhaltsam steigen läßt.

55 Milliarden Franken liegen gegenwärtig in den Kellern der Bank von Frankreich, das sind beinahe 10 Milliarden Mark;

nicht sehr viel weniger, als das reichste Land der Welt, die U. S. A., in den Tresoren seiner Federal Reserve Banken liegen hat (ca. 12 Mil­liarden Mark). Und was soll nun dies Gold? Warum strömt immer mehr dorthin, wo schon so viel aufgestapelt ist?

Dabei spielen mehrere Faktoren eine wich­tige Rolle; die wichtigste aber wahrscheinlich das Mißtrauen. Frankreich ist reich; die Mil­liarden, die ihm aus Deutschland, aus den uns entrißenen Industriegebieten, aus seinen Ko­lonien usw. zufließen, würden es instand setzen,' den Finanzier der Welt zu spielen. Aber an dieser Rolle liegt dem Franzosen nichts; er will Rentier und seiner Renten sicher sein. So ge­bietet ihm und seinen Finanzministern und Nationalbankdirektoren die Sorge um die Sicherheit seiner Rente und sein Mißtrauen, seine Guthaben in der sichersten Form an= zulegen, die es gibt. Das aber ist das Gold. # Gold aber ist nüchtern gesehen nichts anderes, als eine Ware, deren Preis sich nach Angebot und Nachfrage richtet. Hält ein Kauf­mann von irgendeiner Ware einen abnorm großen LagerbestaiiL. â es^n^SanXnon Frankreich mit ihrem Gold tut, so wird er sich schließlich dazu bequemen müssen, den Preis der Ware herabzusetzen, um nicht auf ihr sitzen zu bleiben. Billigeres Gold aber bedeutet: teurere Bezahlung der Gegenstände des täglichen Be-; darfs mit Papiergeld. So ist tatsächlich die Kaufkraft des Papierfranken in den letzten zwei Jahren um ca. 25 Prozent gesunken.

So verringert sich durch die Last des riesigen Goldschatzes immer mehr der Vorsprung, den Frankreichs Industrie und Export seit der Sta­bilisierung des Franken im Jahre 1928 vor den anderen Ländern hatte. Und auch diese Gesetz­mäßigkeit wird sich weiter auswirken, bis das französische Preis- und Lohnniveau sich in vollem Umfange dem Weltmarkt angeglichen haben wird. Erst dann wird der Eoldstrom, der sich immer noch in die Keller der Bank von Frank­reich ergießt, seine Richtung ändern wahr­scheinlich sehr zur Erleichterung der Herren von der Bank von Frankreich die zwar Besitzer so vieler Goldmilliarden, aber schon lange nicht mehr die Herren des Goldes und seiner Be­wegungen sind.

Aegypter verwendeten in der 17. und 18. Dy­nastie, das ist etwa 1700 Jahre vor Christi Geburt, Gold zur Herstellung feiner Schmuck­waren. Als nächstältestes Eoldland der Welt ist Asien anzusehen. Das Stromgebiet des oberen Indus und die Abhänge des Himalaja gelten noch heute als das Land der von Herodot beschriebenengoldholenden Inder". Die Kulturwanderung von Osten nach Westen erschloß neue Eoldquellen, den Ural, den Kaukasus, Lydien und Phrygien. Und sogar die Sage vom goldenen Vließ führt uns auf eine Spur die Anwohner von Kolchis

ganzen Welt. Kanada und Australien können erst in weitem Abstand folgen. Europa, spielte Europa keine Rolle mehr? Nur einmal, um

, Weltkapital an Gold von 100 bis 110 Mil­liarden Reichsmark

rechnen. Das entspricht ungefähr einem Ge­wicht von 34 Millionen Kilogramm. 2400 Güterwagen, hochbeladen mit reinem Gold, wären imstande, diese Werte der Welt zu trans­portieren ...

Der Gebrauch des Goldes beginnt mit seiner

Wertschätzung im alten Aegypten, wo man bereits begann, Münzen aus Gold zu prägen _ - , . . . . und Gold in Barren und Stangen abzuwiegen.

1845 herum, stellte Rügland einen Rekord auf. eigentliche Münzwirtschaft beginnt jedoch Dte alten Eoldbergwerke am Osthange des - {m antiken Griechenland. Bis zum 4. De- Urals waren wiederentdeckt" worden. In ' ber 1871 hatte außer Großbritannien, Jr- dieser Zeit lieferte Rußland doppelt soviel Gold lanö Bremen und Portugal kein europäischer auf dem Weltmarkt ab, als ganz Südamerika.; s Die Goldwährung. ' An diesem Termin Gemeinsam betrug ihre Goldproduktion etwa

An diesem Termin

, erließ das deutsche Reich das Münzgesetz und drei Viertel der Weltproduktion. Eine kurze feine Währung von Silber auf Gold um. Freude - Nordamerika und Australien hatten Staaten. Dänemark, Schweden,

in kürzester Zeit mehr Gold zu liefern, als all , - - - - ~

Norwegen, führten im Jahre 1872, Oesterreich

H. Hilgendorf.

Quellen und Wettvorräte des Goldes.

2400 Güterwagen voll Gold . . .

Seit wann datiert denn eigentlich die Herr­schaft des Goldes? Von welchem Zeitpunkt an rechnen wir mit Gold? Als erstes Land, das Goldgewinnung in größerem Maße betrieb, vird uns das N i l d e l t a bekannt. Die

dies. Von Südafrika ganz zu schweigen.

^ÄÄ»^

DieGoldfestung von Paris, 60 Meter unter der Erde, mit eigener Licht- und Wasser­anlage, bemacht von 1000 Mann Militär.

pflegten Schaffelle in die Eewäßer zu legen, s

Wie hoch ist der Wert des Eoldbefitzes der

erst 1892 die Goldwährung ein.

K. Lennartz.

Wie wird das Gold der Erde gewonnen?

Schon lange, bevor man an den Abbau der Edelerze in den Bergen dachte, begann man das Gold, das die Flüße mit sich führten. _zu sammeln. Jahrhunderte lang bediente man sich der sogenanntenTrommel", wie sie uns aus dem alten Indien und Aegypten überliefert wurde. Sie besteht aus einem schräggestellten Brett mit siebartigen Oeffnungen^am unteren Ende. Der Schwemmsand der Flüße wurde durch diese primitive Schleuse hindurchgetrieben, Sand und Steinteilchen mitsamt dem Waßer wieder durch die Oeffnungen sortgeschwemmt, während die schweren Goldteilchen schwerer als Sand und gleichgroße Steinchen sich in der kleinen Vertiefung; unterhalb der Sieb- öffnung, sammelten. Der Apparat wurdever­vollkommnet", als in späterer Zeit ein rauhes Tuch den Boden der Trommel bedeckte, an dessen Oberfläche die Eoldteilchen einen Widerstand fanden und haften blieben. Damit war die Chance der Eoldwajcher, mit diesem System das Flußwaßer auszuschöpfen, vergrößert Denn, wie auch der Laie sich vorstellen kann, konnte mit diesen einfachen Mitteln kaum die Hälfte allen Goldes mit Sicherheit gewonnen werden.

Gold, das dehnbarste un_ zugleich eines der weichsten aller Metalle, findet sich meist regulär kristallisiert oder aber, in kurzen Drähtchen, in Plättchen, Körnchen Goldsand. Es kommt außerdem legiert vor, mit Silber, Tellur, Platin, ferner eingesprengt in kristallinischen Gesteinen, vor allem in Quarz. In größeren Blöcken findet sich reines Gold sehr selten. Vor kurzem allerdings wurde einer der größten Funde der Weltgeschichte, ein Goldbarren von 50 Zentimeter Durchmesser in Transvaal gefunden. Gestein. in dem Gold enthalten ist, wird inSchleusen" undMüh­len" fein zermahlen, das Gold aus dieser Masse mittels eines Amalgationsprozeßes durch Quecksilber herausgezogen. Man erreicht das gleiche Ziel nach dem Plattnerverfahren bei Anwendung von Chlor oder Zyankalium>

Zyanidsystem.

um die Goldteilchen, die die Flüße mitführten, ganzen Welt? Man kennt die Produktions-^ Das Gold, das sich mit den drei Stoffen aufzufangen. | Ziffern von der Entdeckung Amerikas an bis, verbindet, wird hernach wieder elektrolytisch

Im klassischen Altertum spielen die Gold- heute. Der Wert des von jenem Zeitpunkt

Minen der Insel Thasos eine bedeutsame Rolle. Die Kultur, nach Norden und Westen vordrin­gend, greift bald nach den Vorräten der iberischen Halbinsel, der Karpathen, Tauern. I Aber all diese Vorräte versiegen rasch. Schon im 12. Jahrhundert rühmt man nicht mehr

Spanien, sondern Böhmen als das goldreichste Land der Erde, im 16. Jahrhundert treten die j Alpenländer in den Vordergrund und im 18. und 19. Jahrhundert hat Europa seine Rolle als Eoldland ausgespielt.

Ein mächtigerer Konkurrent trat auf Amerika. Vis ins 18. Jahrhundert hinein lieferte Brasilien die Hälfte der Weltproduk­tion. Sein Ruhm wird aber bald überflügelt von dem Eoldreichtum Kaliforniens und Ka­nadas. Aber auch diese Länder bleiben nicht führend Australien wird als Eoldland entdeckt, und schließlich siegt, Ende des vergan-! genen Jahrhunderts Südafrika. Es hielt sich an erster Stelle bis heute und liefert etwa

bis zum Jahre 1900 gewonnenen Goldes beträgt annähernd 04 Milliarden Reichs­mark. Bis zum Jahre 1492 sind wir auf eine Wahrscheinlichkeits­

rechnung angewiesen, überdies beträgt die Produktion der Welt seit Beginn des Jahr­hunderts etwa 30 dis 35 Milliarden. Nicht zu vergeßen ist natür­lich ein gewißer Ver­lust an Eoldmaterial, der im Laufe der Jahrhunderte ins Ge-

wicht fällt.

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Wieviel tragen die goldreichsten Länder der Erde zum Weltgoldbesitz bei?

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Wieviel Gold entfällt, dem Goldbesitz der verschiedenen Länder entsprechend, auf jeden Kopf der Bevölkerung?

Wir können daher mit einem

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oder durch Destillation von dem fremden Stoff geschieden.

Für Münzmetall erweist sich reines Gold als

zu weich. Man legiert es zumeist mit Kupfer,

i Silber oder beiden Metallen vereint und rech» ! net den Prozentsatz der Legierung nach Karat.

Rote Karatierung deutet auf sogenanntes Kupfergold", weißliches aufSilbergold". Doch täuscht hier leicht der Augenschein. Durch äußere Behandlung mit heißer Goldfarbe eine Mischung von Kochsalz, Salpeter, Salz­säure gewinnen Goldkupfermünzen leicht das Aussehen von reinem Gold.

In neuerer Zeit, wo in den Metallminen der Abbau der Edelerze im Großbetrieb vor­genommen wird, sind selbstverständlich zum Goldwäschen", zum Mahlen und Schleusen moderne Apparate eingeführt. In Eesteinen, die sehr reiches Goldvorkommen zeigen, wird der Fels durch Wasserkraft und Dynamit auf« geschloßen und das Gold auf chemischem Wege dem Urstojf entzogen.

D. Ofenbrink.