Nr. 78
Donnerstag de« 2. April 1931
Seite 7
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Das neue Revolutionsmuseum in Leningrad
Das Leningrader Revolutionsmuseum wird Merdings wieder erweitert. Mehrere Räume sollen »„schließlich der revolutionären Bewegung in Jn- hjen und China dienen. Besonders bemerkenswert i» das neuentdeckte Material, das sich auf die Vorbereitung der Ermordung Nikolaus II. bezieht. Ke man aus dem bisher unbekannten Akten- material erfährt, war der letzte Romanow schon vor ^r Revolution zahlreichen Attentaten ausgesetzt, M denen die Oeffentlichkeit nichrs erfuhr. In un= mittelbarer Nähe des Zaren befanden sich Leute, ^ncn sowohl der Zar als auch die Ochrana blindes Vertrauen schenkten, und die dennoch gefährliche Minde des Kaisers waren. Für den günstigsten ^eitpunft zur Ausführung eines Anschlages hielten jie Revolutionäre den Aufenthalt des Zaren auf (einer Lustyacht. Das Ka-serliche Schiff pflegte im Sommer in den Finnischen Schären zu kreuzen. Während einer solchen Fahrt sollte der Zar er« morbet werden. Ein Maschinist sollte den Anschlag ousfüijren. Einmal bot sich die günstige Gelegenheit boju. Der Zar stieg in den Maschinenraum und ließ sich die Konstruktion der Maschine erklären. Eine Mtelstunde befand sich der Zar mit dem Mann allein, der zu seinem Mörder ausersehen war. Trotzdem hatte der Attentäter nicht den Mut, Hand an den Monarchen zu legen. Als das revolutionäre Zentralkomitee das erfuhr, war die Bestürzung unbeschreiblich. „Der Zentralakt", so hieß in der Sprache der Revolutionäre der Zarenmord, sollte die kurz vorher geklückten Attentate auf Plehwe unb den Großfürsten Sergius, den Generalgouver- neur von Moskau, krönen. Der Plan stammte von
2lfem, der Revolutionär und agent Provokateur zugleich war. Durch die Ermordung des Zaren wollte Asew den Verdacht des Verrats entkräften, der feit dem Jahre 1905 auf ihm lastete.
Der geplante Zarenmord ist ein neuer Beitrag zum Rätsel Asew. Denn wie aus den Veröffentlichungen des sozialrevolutionären Komitees einwandfrei hervorgeht, war der „Zentralakt" von Asew vollständig ehrlich gemeint. Die Ochrana war nicht unterrichtet. Asew trat mit einem deutschen Ingenieur in Verhandlung und plante nichts Geringeres als die Erwerbung eines U-Bootes, das heimlich in den finnischen Meerbusen einfahren sollte, um die Nacht des Zaren zu torpedieren. Der Plan zerschlug sich an den mit ihm verbundenen Schwierigkeiten. Assew stellte seine Bemühungen aber nicht ein, sondern schlug vor, ein Flugzeug zu erwerben, es an der Küste des finnischen Meerbusens zu verstecken und die Nacht aus der Luft anzugreifen. Der Plan scheiterte jedoch, da die Spitzeltätigkeit Asews inzwischen aufgedeckt werden konnte.
Das Geheimnis des indttchen Schlangentanzes
Eine der berühmtesten Jndianerzeremonien. den Schlangentanz des Hopi-Stammes, wird man künftig nicht mehr bewundern können. Der Häuptling Harry Shu Pei der gleichzeitig auch Hoher- priester des Stammes war, ist kürzlich im Hopi- dorfe Walpi, im Norden von Arizona, gestorben und hat das Geheimnis bei gefährlichen Schlangen, tanzes m:t ins Grab genommen. Die Leuche des toten Häuptlings wurde in fitzender Stellung be‘ gefetzt Nach der Ueberlieferung der Indianer weilt sein Geist tn den Jagdgründen des großen Manitu,
die die Hopis in der Nähe des Gran Canan von Colorado vermuten Wenn oie Tanzzeremonie ob- gehalten werden sollte, wurden Hunderte von Klap. verschlangen in der Wüste gefangen. Man ver- suchte gar nichr erst, ihnen die Giftzähne auszu- brechen, sondern mantpulteite m't den gefährlichen Schlangen bei der Zeremonie ohne Scheu, streichelte sie liebkosend und nahm sie selbst in den Mund Trotzdem hat mar nie gehört daß ein Tänzer gebissen worden wäre. Seit undenklichen Zeiten fanden diese Schlangentänze im Monat August statt und wurden gelegentlich auch wiederholt, wenn Dürre es erforderlich machte, die Götter um erfrischenden Regen zu bitten. Der jeweilige Häuptling und Dberpneftei, der als Leiter des Tanzes fungierte, wußte als einziger, wie man die gefährlichen Schlangen zu behandeln hatte, und vertraute das Geheimnis sterbend leinem Bruder an. Häuptling Harry hatte aber keinen Bruder, und deshalb kann der Schlangentanz von keinem mehr gelastet werden
Lmwulvev als Volkelwafse
Ein ebenso originelles wie wirkungsvolles Mittel zur Bekämpfung der Nacktkultur, wie sie von den weiblichen Angehörigen der Sekte der „Donkho- bors" propagier i wird. Hor die Polizei in Nelson in Britisch-Columbien angewandt. Es handelt sich um ein Pulver, das einen heftigen Juckreiz auf der Haut auslöst und zum Kratzen zwingt. Die praktische Wirkung dieser neuen Angriffswaffe war verblüffend sieben Frauen, die im Evaskostüm auf dem Felde arbeiteten, wurden von Polizisten überrascht, die sie energisch aufforderten, sich anzuziehen. Statt einer Antwort leerten die nackten Frauen gefüllte Wasiereimer über die Angreifer aus. Aber diese ließen sich dadurch nicht einschüch'ern, sondern eröffneten ihrerseits ein Bombardem""* mit 3ucf=
pulver Die Polizisten wurden zwar pudelnaß, hatten aber die Genugtuung, daß die widerspenstigen Frauen den Kampf einstellen mußten, weil sie ihre Hände zum Kratzen benötigten. Kratzend und schimpfend flohen sie dann in ihre Hütten, um sich mi. Kleidern zu versehen.
Ohne Heilung kein Avrthonoeav?
Der Pariser Arzt Dr. Jacquemin hatte vor einiger Zeit an einem Kinde, das an einer Lähmung des Rückenmarks litt, eine schwierige Operation ausgeführt. die aber ohne Erfolg blieb. Daraufhin weigerte sich der Vater des Kindes, die übersandte Rechnung zu bezahlen. Seine These „Ohne Heilung keine Bezahlung" wurde auch vom Gericht anerkannt. Der Arzt ging an die höhere Instanz, wo die Sache jetzt verhandelt wurde. Der Ernst der Angelegenheit hinderte den Rechtsvertreter des Arztes nich., einen humoristischen Ton anzuschlagen, zum großen Verdruß des gegnerischen Anwalts, der sich schutzlos den satirischen Pfeilen des Klägers ausgesetzt sah. „Will sich mein gelehrter Kollege", fragte der Gegner, „etwa zu dem Grundsatz bekennen, daß er beim Verlust eines Prozesses auch seinen Anspruch auf Zahlung des Honorars einbüßt? Oder sollte ein Schausvieler gehalten sein, aus sein Sviel- honorar zu verzichten, wenn er keinen Beifall findet? Wird ferner etwa einem General die Gage ein» behalten, wenn er eine Schlacht verliert? Oder soll ein Geistlicher für jede Prediat, die seine Gemeinde in den Schlaf lullt, eine Kürzung seiner Bezüge erleiden?" In diesem Tone ging es fort. In ärztlichen Kreisen ist man nicht wenig qesvannt. m°sche Ent- 'lheiduna das Berusunosgericht f^'^n wird.
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