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Die Geschichte eines großen Skandal»
Der bekannte dänische Journalist Jens Ervö erzählt in einem großen nordischen Blatt einen Fall, der kurz vor dem Krieg in den skandinavischen Ländern das größte Aufsehen erregte Im Dezember 1913 wurde unweit der strategisch wichtigen Festung Boden an der schwedisch-russischen Grenze ein Spion gefaßt. Fäden liefen nach Kopenhagen, doch wußte man nicht, wo der Bertauensmann des russischen Nachrichtendienstes in Dänemark war. In Kopenhagen wohnte ein pensionierter russischer Telegraphist dänischer Abkunft, H. P. Hampen, der mit dem russischen Konsul, Staatsrat Brumer, verkehrte. Eines Tages wollte Ervö, damals ein blutjunger Journalist, mit feinem Freund, dem Revuedichter und Zeichner Axel Andreasien, Hampen, der als Rußlandkenner gatt, über die Verbältnisie in Rußland interviewen.
Auf dem Schreibtisch Hampens fiel den Besuchern ein Bild des russischen Militärattaches für Skandinavien, Assanawitsch auf, der sein Hauptquartier in Stockholm hatte. Hampen erzählte, er sei bei Assanawitsch als Uebersetzer tätig. Andreasien skizzierte nun während der Unterredung ein überaus ähnliches Bild Hampens. Als er die Zeichnung in der Redaktion vorlegte, ging zufällig eine Dame vorbei, die in der Inseratenabteilung be» schäftigt war. Six sah sich das Bild an und erkannte in dem Mann den unbekannten Besucher, der in der Zeitung in französischer und deutscher Sprache verfaßte Inserate aufzugeben pflegte. Man hielt sie für Heiratsinierate ihr Text war jedenfalls ziern- lich unverständlich. Ein Inserat lautete z. B. wörtlich: „Die fanzösische Dame teilt dem Herrn mit der Quittung 128 977 vom Jahre 1912 mit, daß sie den Brief, der an Fräulein 5. adressiert ist, erhalten hat. Diese Adresse ist' gut für unseren Briefwechsel, genau wie Nr. 3, aber nur 1 und Nr 4 sollen nicht näher benutzt werden." Ein zweites Inserat, das in der Rubrik „Heiratsgesuche" erschien, lautete so: „Die französische Dame dankt dem Herrn mit der Quittung 128 977 vom Jahre 1912 für den Brief vom 29. Mai 1913. Sie ist bereit, ihn in Kopen- Hagen am 15. Juni zu treffen. Die Einzelheiten über das Stelldichein sind im postlagernden Brief wie das letzte Mal enthalten." Das nächste Inserat: „Die Reise nach London, Amsterdam und Berlin ist am 5. November anzutreten. Falls Sie damit einverstanden sind, legen Sie einen Zettel unter dem Erkennungsschreiben ABC. 123 im Zeitungskiosk am Rathausplatz ab." Auf diese Inserate folgte dann eine Antwort: „ABC. 123 reisen Sie nicht nach Amsterdam, ich werde zwischen dem 10. und 20. November in London sein. Schreiben Sie nach London an Fräulein I".
Was bedeutete diese geheimnisvolle Jnseraten- korrespondenz? Die Polizei wurde benachrichtigt. Nun stellte sich heraus, daß die rätselhafte französische Dame niemand anders als Hampen selbst war. Der Herr mit der Quittung 128 977 war ein Spion, der in Schweden für den russischen Nachrichtendienst arbeitete und nicht unmittelbar mit Hampen korrespondieren durfte Er hatte den Auftrag, seine wichtigen Mitteilungen an die । Adresse eines Fräulein I. in einem Zeitungskiosk zu hinterlegen, wo Hampen sie abholte und weiterbeförderte. Die Zeichnung des Revuezeichners hatte also die Polizei auf die Spur einer undurchsichtigen Spionageaffäre gebracht. Am Tag vor der bevorstehenden Verhaftung waren sowohl Hampen als auch seine Frau spurlos aus Dänemark verschwunden. Es gab ein kleines diplomatisches Nachspiel, und der russische Militärattache Assanovitjch wurde abberufen.
Freitag den 27. MSrz 193 f
5CC m unter dem Meeresspiegel
Die tiefste Forschungsstätte der Welt. — Der Gelehrte aus dem Grunde des Ozeans. — Da» Laboratorium in der Stahlkugel. — die Schrecken und Geheimniste der Tiefsee.
Zwei Tiefsee-Expeditionen, die von kühnen amerikanischen Forschern unternommen wurden, erregen wegen der ungewöhnlichen Umstände und der eigenartigen Forschungsergebnisse nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa großes Aufsehen. Es handelt sich um Expeditionen von Prof. Williams und Pros William Bebe Don ihnen ist die des Prof. Bebe die bemerkenswertere, denn sie führte bisher in die größten Tiefen, die je ein Forscher erreicht hat. Vor einiger Zeit brachte die „Review of Reviews" darüber einen größeren Bericht, der sich wie die Phantasie eines Dichters las. Schon die Forschungsergebnisse von Prof. Williams, der im Jahre 1929 mit Frau und Kind eine Tiefsee-Expedition in einer Stahlkugel unternahm, waren sehr interessant, obwohl Williams nur eine Tiefe von etwas mehr als 100 Meter erreicht hat. Prof. Beb« dagegen ist fast bis zu einer Tiefe von 500 Meter unter dem Meeresspiegel vorgedrungen. Auch er hat für feine Expedition eine Stahlkugel Herstellen lassen, die einen Inhalt von ungefähr 50 ebm hatte. Die Stahlkugel konnte luftdicht verschlossen werden und war so konstruiert, daß sie einem Druck von 20 Tonnen gewachsen war. Da er bis zu einer Tiefe von ungefähr 500 Meter tauchen wollte, so kam zwar ein derartige großer Druck nicht in Betracht, aber er sorgte dafür, daß die Stahlkugel auch den größten Anforderungen gewachsen war. In der Kugel hatte er ein ganzes Laboratorium untergebracht. Hier waren Vorkehrungen für elektrisches Licht angebracht, ferner Sauerstoffbehälter, Signaleinrichtungen für die Außenwelt, ein Fernsprechapparat, mit dem er mit dem Schiff verbunden war, von dem aus er sich in die Tiefe hatte sinken lassen. Außerdem war die Stahlkugel mit Quarzfenstern versehen, um einen Ausblick auf den Grund des Ozeans und die Waf- serumgebung zu haben. Von hier aus konnte Prof. Bebe ungewönhliche Beobachtungen machen. Es gelang ihm, einen Einblick in die Geheimnisse der Tiefsee zu erlangen, wie ihn bisher noch kein Mensch gehabt hatte. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die meisten Tiere in diesen Tiefen mit Leuchtvorrichtungen ausgestattet sind. Die Natur sorgt in der wunderbarsten Weise dafür, daß auch in ewiger Nacht das Leben gedeihen kann. Andere
SchttlAndev als Muleumsfammlev
Berlins Museen sind berühmt; auf der Museumsinsel an der Spree sind kostbare Bilderschätze und edle Kunstwerke der Antike zu sehen, es gibt die großartigsten naturwissenschaftlichen, völkerkundlichen und kriegswistenschaftlichen Sammlungen. Das originellste Museum aber dürfte doch ein städtisches Schulmuseum seich das sich im Nokden der- Stadt angesiedelt hat. Es ist nicht groß, denn es besteht nur aus zwei Schulzimmern der 309. Berliner Volksschule, der letzten, die in der Reichshauptstadt vor Ausbruch des Weltkrieges errichtet wurde. Seine Gründung geht auf die Initiative eines ein» zigen Mannes zurück. Die Rektor Roß-Stiftung — das ist der andere Name dieses „Museums im Schul zimmer" — wurde im Jahre 1924 von dem heute noch amtierenden Rektor Roß, einem gebürtigen Westpreußen, geschaffen. Roß hat in echt deutscher Gründlichkeit fein ganzes Leben hindurch bienenfleißig gesammelt, was ihm an interessanten Din
Tiere wiederum hatten phantastische Figuren und Gestalten, wie sie dem hohen Wasserdruck angemessen sind, unter dem sie leben. Es ist selbstverständlich, daß die Tiere in Tiefen von mehreren 100 Meter andere Lebensbedingungen haben, wie die Fische, die wenige Meter unter der Oberfläche des Wassers ihr Dasein verbringen. Da andererseits wiederum diese Lebewesen nicht an der Oberfläche atmen können, wie anzunehmen ist, sondern auf ein Leben in den Abgründen des Ozeans angewiesen sind, so werden Menschen nie Gelegenheit haben, diese Geschöpfe zu sehen. Es ist also durchaus glaubwürdig, daß sich hier zahlreiche Tiere befinden, die der Wissenschaft bisher noch völlig un» bekannt sind. Vielleicht werden sie auch stets un- bekannt bleiben, da der Mensch unter normalen Umständen nicht zu ihnen vordringen kann und sie, selbst nicht an die Oberfläche kommen können. Aus diesem Grunde hat Prof Bebe auch Wert darauf gelegt, in solche Tiefen vorzudringen, um festzustellen, wie weh das Dichterwort wahr ist: „Da unten ist es fürchterlich..." Ob die leuchtenden Werkzeuge, mit denen die Unterseefische ausgerüstet sind, der leuchtende Nöbel, den sie um sich verbreiten können und andere ähnliche Einrichtungen, die Bebe in allen möglichen Abarten hier beobachtete, dazu da sind, um den Tieren den Weg zu weisen, oder um als Schutz- und Blendmittel gegen Verfolger zu dienen, oder gar vielleicht als Anlockmittel für ihre Beute, konnte nicht festgestellt werden, da dazu die Beobachtungsstation zu klein war. Bebe hat versucht, von diesen phantastischen Bildern, die oft wie Erscheinungen eines Alpdrucks im Traum aussahen, Filme herzustellen. Hoffentlich1 ist es ihm gelungen. Er hatte zu diesem Zwecke besonders lichtempfindliche Filme in sein Tiefsee- Labovatorinm m^bgenommen. Unter allen Umständen sind seine Schilderungen, die teilweise auch in amerikanischen und englischen Zeitungen erschienen, von größtem Interesse, da es ihm zum erstenmal gelungen ist, in die großen Tiefen des Ozeans zu Beobachtungszwecken zu gelangen. Man wird darum feinen eigenen authenrifchen Bericht über die Ergebnisse seiner Tiefsee-Expedition in der Stahlkugel mit größtem Interesse erwarten dürfen.
gen in den Weg kam; schon als Kind hat er damit begonnen. Seine Käfersammlung, die über 40 000 Exemplare enthält, ist weit über Deutschlands j Grenzen hinaus bekannt, und der Entomologe hat die Genugtuung gehabt, daß fünf der von ihm entdeckten Käfer nach ihm benannt wurden.
Das Schulmuseum sieht seinen Zweck darin, durch verstärkten Anschauungsunterricht das Blickfeld des Kindes zu erweitern. Was ist da alles zu sehen! An der Wand steinerne Schafsköpfe, die Ornamente eines befüWh;4
Berliner Haufes, das Friedrich der Große hat erbauen lassen. Amerikaner wollten für jeden Schafskopf 1000 Dollar zahlen. Ein Modell der „Santa Maria", die Columbus nach Amerika trug, eine vollständige Jndianerausrüftung aus Paraguay ein altnorwegisches Spinnrad, eine Strautzenfeder- decke aus Südafrika, Achselklappen umd Koppelschlösser kriegsgefangener Russen, ein französisches Kriegskreuz, bei einem Gefallenen im Westen geborgen, Patronen, die während der Unruhen von 1920 den Frieden des Schulhofes gestört, und deren eine ein Kind getroffen hatte. Eine Sammlung mit
Nr. 73
Millionen Jahre alter Versteinerungen, hinter Elas Papiergeld aus er Inflation, alte Münzen, bie deutschen Jnflationsma-rken, fast vollzählig, Stück Tapete aus dem Schloß Sanssouci. seltene Zeitungen, darunter die letzte Nummer der „Petin, ger deutschen Zeitung" vom 9. Juli 1901, die als Amtsblatt der deutschen China-Expedition von Igyg galt. Ein Fahrrad mit Kriegsbereifung, ein Hochr^ wie es noch 1905 in Berlin gefahren wurde. An einer Wand hängt ein oben abgerundetes Brett mit der Inschrift „Hier ruht. . .", ein von Kameraden gezimmertes Ehrenmal für einen in den Kax, pathen Gefallenen. Mit der Leiche war auch das Totenbrett nach Berlin überführt, aber nicht ausgestellt worden. Ein Schüler des Rektors Roß entdeckte das Brett im Gerümpel eines Friedhofes Auch für die Chemie- und Geschichtsstunden ist reiches Anschauungsmaterial vorhanden, im ganzen 1700 Ausstellungsstücke dieser Art.
Die Schüler dieser Berliner Volksschule sind nicht wenig stolz auf ihr Museum, an dem sie eifrig Mitarbeiten; oft sind sie freilich enttäuscht, wenn jhx Fund von ihrem Rektor als weniger wichtig abgelehnt wird. Zehntausend Besucher haben dort schon vorgesprochen; argentinische und schwedische Lehrer, die sich auf einer Studienreise durch Deutschland befanden, haben es aufgesucht, und in verschiedenen Gegenden Deutschlands wie auch im Ausland will man jetzt dem Beispiel des Rektors Rost folgen und die Schuljugend dafür begeistern, Mu. seumssammler zu werden. Die Kinder, denen der moderne Anschauunsunterricht auch scheinbar trockne Fächer anziehend gestaltet, sollen überall, wo sie sind, die Augen offen halten lernen; das ist der pädagogische Zweck des Museums. das in seiner Art einzig dasteht.
Kupfer macht Austern seßhaft
Nach Untersuchungen des staatlichen Büros jur Fischerei in den Vereinigten Staaten werden junge Austern erst seßhaft, wenn sie geringe Spuren von Kupfer in sich aufnehmen, wozu ein Teil Kupfer in 50 Millionen Teilen Wasser genügt. Die aus dem Ei kommende Larve bewegt sich etwa zwei Wochen lang durch Fäden, Segeln genannt, im Meer umher. Gelingt es ihr dann n'cht, genügend Kupser aufzunehmen dann bleibt der Wandertrieb bestechen, sie treibt weiter umher, altert rasch und stirbt bald. Bei Kupferanfnahme läßt sie sich auf den Boden nieder, kriecht ein Weilchen umher und klebt sich dann mit einem aus dem Körper abgeschiedenen Klebstoff auf den Felsen fest.
Hungerstreik der Stuttgarter Aerzlin
Berlin, 26. März. Das Befinden der weiter im Hungerstreik verharrenden Frau Dr. Kienle ist, wie die „B Z." aus Stuttgart meldet, so besorgniserregend geworden, daß ihre Freunde noch gestern Nacht sich an den Ausschuß für § 218 in Berlin gewendet haben. Der Kampfausschuß hat gestern spät abends eine Sitzung abgehalten und noch in der Nacht den Verteidiger Friedrich Wolfs Rechtsanwalt Dr. Apfel nach Stuttgart entsandt. Dr. Apfel hat sich heute früh zusammen mit Rechtsanwalt Dr. Elsaß aufs Gericht begeben und einen Haftenlassungsantrag für Frau Dr. Kienle eingebracht, der mit .dringender Lebensgefahr" begründet wurde.
Das Gehalt für Generalmusikdirektor Lusch M
Dresden, 26. März Der Haushaltsausschuß des Landtags faßte bei Behandlung des KanitelL- Staatstheaters einstimmig den Beschluß, das ®ebal des Generalmusikdirektors der Dresdner Oper, Frist Busch, zu streichen. Der Grund dieses Beschlusses ist darin zu sehen, daß der Generalmusikdirektor, der ein Gehalt von 60 000 RM bezieht, nur eine Kürzung um 10 v. H. hat vornehmen lassen wollen, während die Minister, die nur etwa die Hälfte beziehen. bereits seit Oktober auf 20 v. H. ihres Ein° kommens verzichtet haben.
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