Land
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M 31
Mittwoch de«
25. MS«»
1931
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In der gestrigen Sitzung des Reichskabi- nett s erstattete Der Reichsverkehrsminister einen eingehenden Bericht über den Schenker-Vertrag. Das Reichskabinett beauftragte den Reichsverkehrsminister, das Erforderliche zu veranlassen, worüber in den nächsten Tagen Mitteilungen erfolgen werden.
• Bei der gestrigen zweiten Lesung des Osthilfegesetzes äußerte sich Minister Tte'viranus nochmals über die Ost Hilfe.
• Zur dritten Beratung des Reichshaushaltsplanes hat die sozialdemokratische Reichstagsfraktion eine Entschließung vorgelegt, nach der die Regierung darauf hinwirken soll, daß die Bezüge der Mitglieder des Reichsbankdirektoriums und der leitenden Beamten der Reichsbahn umgehend den Gehältern der entsprechenden Reichsbeamten ange- glichen werden.
Die Fraktion des Landvolks beschäftigte sich gestern abend in einer Sitzung, der auch der Ernährungsminister Schiele und der Volkskonservative Abgeordnete Graf Westarp beiwohnten, mit dem Zollermächtigungsgesetz. Die Fraktion sprach sich für die Ablehnung dieses Gesetzes aus, vor allem gegen den Artikel 3, der als höchst bedenklich für die Industrie und Landwirtschaft bezeichnet wurde. In der Aussprache wurde betont, die Fraktion müsse auch ihre Stellungnahme zum Haushalt davon abhängig machen, ob es dem Reichskanzler gelinge, feinen Einfluß dahin geltend P machen, daß die sozialdemokratischen Forderungen in der Ermächtigungsvorlage nicht verwirklicht werden.
♦ Ms Saran f i e n des Ruffen g efch af- tes sollen von einem interministeriellen Ausschuß von Fall zu Fall behandelt werden.
In der gestrigen Sitzung des Sächsischen Landtags wurde ein kommunistischer Antrag auf Auflösung des Landtages in namentlicher Abstimmung mit 60 gegen 29 Stimmen abgelehnt. Sieben Abgeordnete sehlten.
Die Strafkammer des Landgerichts Stuttgart hat die Haftbeschwerde von Dr. Wolf und Frau Dr. Kienle-Jakubowitz verworfen. Die Strafkammer war der Ansicht, daß bei beiden Beschuldigten Fluchtverdacht vorliegt und daß daher auch die Kaution von Dr. Wolf, der sich in Freiheit befindet, nicht freigegeben werden kann.
Im Laufe dieses Jahres werden beim Reichs- heer größere Manöver nicht abgehaltenwerden. Es wird nur in kleinen Verbänden geübt. In Aussicht genommen ist lediglich ein Landungsmanöver in Verbindung mit den Flottenübungen.
Die französischen Journalisten laufen nach wie vor gegen das Zollabkommen zwischen Deutschland und Oesterreich Sturm, während die englischen und amerikanischen die Frage ruhig und günstig behandeln. Der „Petit Parisien" will zu der gestrigen Unterredung B r i a n d - H e N d e r- so n berichten können, daß man englischerseits hin- sichtlistch des Zollabkommens nicht a.zu eilig vorzu- Zehen wünsche, oder wenigstens erst einmal genau den Text des Dokuments prüfen wolle. Da die gleiche Ansicht auch in Rom vorherrsche, kann man annehmen, daß es noch einige Zeit bauert, ehe die Mächte einen gemeinsamen Standpunkt einnehmen.
_ Die französische Kammer hat mit 319 gegen 208 Stimmen das am 3. Februar 1931 unterzeichnete Zusatzabkommen zum deutsch-französischen Handelsvertrag vom 17. August 1927 angenommen.
. In der Nähe von Montpellier ist gestern das Auto des Grafen d'Artois, der selbst steuerte, i n d e n K a n a l g e st ü r z t. Der Wagenführer sowie die fünf übrigen Insassen, zwei Diener, zwei Kammermädchen und ein kleines Sinb ^tnen ums Leben.
Die englischen Konservativen haben im Unterhaus einen Mißtrauensantrag gegen bie Regieruung eingebracht, weil diese ihre Wahl- Nersprechungen bezügl. der Bekämpfung der Arbeits- 'Aigkèit nicht eingelost hätte.
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Die Moskauer und Leningrader Sowjets haben beschlossen, alle Kirchen, Synagogen und Moscheen, bie bisher geschlossen wurden, zu Wohnhäusern um- kubauen. Vor allem sollen sie nach dem Umbau als llnterkunfts- und Klubhäuser für die kommunistische Jugend verwendet werden.
•) Rädere, siebe im politischen Teil.
Flotte Arbeit im Reichstag | Vereinigung der Vesivunkte - Ende der tvoche Annahme des Etats - Vertagung bis Oktober
Berlin, 24. März. 3m Reichstag geht es jetzt mit Volldampf voraus, die Sommerferien winken. Es steht außer Zweifel, daß spätestens bis zum Freitag der Etat und alle mit ihm zusammenhängenden Gesetze unter Dach und Fach sein werden. In der Frage der Vertagung des Reichstages haben die Sozialdemokraten dem Wunsche des Reichskanzlers insofern nachgegeben, als sie damit einverstanden sind, daß für den Wiederzusammen- lrilt ein Tag etwa in der zweiten Hälfte des Oktober festgelegt wird.
Die Äldftkmmnns übsv die EZnzeleLaès
Auf der Tagesordnung der heutigen Reichstagssitzung stand die dritte Beratung des Reichsetats für 1931. Von allen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten, des Landvolkes und der Volkskon- servattven war ein Antrag eingegangen, der die bestehende Regierung Brüning ermächtigt, Aus- gaben bis zur Gesamthöhe der Mehrausgaben oder Mindereinnahmen abzusetzen. In dem Antrag heißt es u. a.
„Sofern im Laufe des Rechnungsjahres Mehrausgaben oder Mindereinnahmen gegenüber den Ansätzen im Reichshauchaltsplan zu erwarten sind, wird die Reichsregierung ermächtigt, Ausgaben des ordentlichen Haushalts bis zur Gesamthöhe der Mehrausgaben oder Mindereinnahmen abzusetzen. Die Ermächtigung erstreckt sich nicht auf die Etatsansätze, die auf gesetzlich fest gelegten Ansprüchen beruhen. Die hiernach verbleibenden Ausgabemittel treten für die Haushaltsführung und Rechnungslegung im Sinne der Reichshaushaltsordnung an die Stelle der im Reichshaushaltsplan vorgesehenen Absätze, sie sind
Hüfoss Deuksmen Reiches mitzuteilèn. Dem Reichstag und dem Reichsrat ist ferner Halbjährlich eine Uebersicht über die notgenommenen Ersparnisse vorzutegen. Diese Ermächtigung entfällt, wenn die Reichsregierung zurücktritt oder in der Besetzung des Reichskanzleramtes ein Wechsel eintritt."
Reichsfinanzminister Dietrich stellte in einer kurzen Erklärung das Einverständnis der Regierung mit diesem Anträge fest. Vor den Abstimmungen über den Haushalt nahm der Abgeordnete Dr. Breitscheid (Soz.) das Wort zu einer Erklärung, in der er ausführte, daß eine frühere Unterrichtung der deutschen Volksvertretung über das Zollabkommen mit Oesterreich durch den Reichsaußenminister doch wohl am Platze gewesen sei. Unter lebhafter Zustimmung aus allen Parteien fragte Dr. Breitscheid, warum die Regierung denn nicht wenigstens vorher dem Auswärtigen Ausschuß Mitteilung gemacht habe, er sei
Gevering
über das VoEsbegehsen
Me Beamten dürfen sich einzeMnen
Berlin, 24. März. Landlagspräsident Barfels eröffnet die Landtagssitzung um 12.30 Ahr. Die Aussprache zur zweiten Lesung des des H a u s h a lte s d e s Innenministeriums wird fortgesetzt.
Lnnenminiftev Sevevkns erklärt, so lange es sich um die Propagierung der kommunistischen Weltanschauung handele, würden die Kommunisten von der Regierung toleriert. (Rufe bei den Komm.: Wer lacht da?) Den Ausschreitungen könne man immer nicht mit Toleranz begegnen. Zu dem Vorkommnis, bei dem ein Polizeioffizier das Singen von Chorälen am Volkstrauertage untersagte, betont der Minister, daß der betreffende Schupooffizier bereits gerügt worden sei. In der Schupo sei kein Raum vorhanden für Angehörige der Parteien, die den gewaltsamen Umsturz betreiben. (Rufe bei den Deutschnat.: Das ist ja eine alt- preußische Ansicht!) Was vom alten Preußen gut war, übernehmen wir! (Heiterkeit.) Was die Reparationszahlungen angehe, so müsse man sich doch fragen, wie die Maßnahmen der Gläubigerstaaten aussehen würden, die auf eine deutsche Erklärung, daß wir nicht weiter zahlen würden, eingeleitet werden würden. Es erscheint ihm allerdings fraglich, ob nicht vielleicht die Reichsregierung schön heute Schritte tun müsse, um eine Revision der Verpflichtungen zu erreichen.
Wenn jetzt, durch eine Schwäche der Regierung begnüstigt, es den Desperados von rechts und links gelinge, die Weltöffenlichkeit dahin irre zu führen, daß Deutschland vor einem neuen Bürgerkrieg stehe, dann würde der bereits nach dem 14. September bemerkte Kapitalausfluß aus Deutschland, der die Konkurrenz unmöglich machende hohe Zinsen zur Folge hatte, noch verstärkt werden.
Zum Stahlhelm-Volksbegehren auf Landtags- auflösung sagt der Minister, er stimme dem deutsch- volksparteilichen Antrag zu und gebe die darin verlangte Erklärung ab, daß die preußischen Beamten um io.au u9r ^™ sich in die Listen einzeichnen dürsten, soweit dabei Mittwoch 11 Uhr vertagt.
doch nicht dazu da, immer nur vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Der Redner bat darum, daß in Zukunft mehr Rücksicht auf die berechtigten Ansprüche der deutschen Volksvertretung genommen werde.
Bei den folgenden Abstimmungen wurden der Etat des Reichsaußenministeriums, des Arebilsministeriums, des Reichstages, des Reichspräsidenten, der Reichskanzlei, des Ernährungs- Ministeriums, des Reichsjustizministeriums und des Reichswehrministeriums bewilligt. Die Abstimmung über die Panzerfchiffersatzbauten werden auf Mittwoch zurückgestellt. Der Haushalt des Reichsverkehrsministeriums wurde bewilligt, ebenso der Versorgungsetat und der haushalt der Reichsschuld. Mit anderen Abstimmungen wurde auf morgen auch die Abstimmung über einen Miß- trauensanlrag zurückgestellt, der von den Kommunisten eingebracht worden ist. Auf morgen zurück- gestellt ist weiter die dritte Beratung der Etats des R e l ch s f i n a n z m i ni st e r i u m s, der allgemeinen Finanzverwalkung und der Kriegslasten, sowie das haushallsgefeh.
Dazu ist von den Sozialdemokraten inzwischen eine Entschließung eingegangen, die verlangt, daß
Gehäktèrn der entsprechenden Reichsbeamten an- geglichen werden.
Ohne Aussprache wurde dann das Gesetz über den Waffenmißbrauch in zweiter Beratung angenommen. Der Schiffssicherheitsvertrag von 1929 wurde in zweiter und dritter Beratung ohne Debatte genehmigt.
Zum Etat des Reichsverkehrsministeriums beantragte der Abg. Mollath (D. Vpt.), daß die Reichsbahn sofort Verhandlungen zur Aufhebung des Schenkervertrages und zur Umwandlung in einen Vertrag mit den Organisationen des Speditionsgewerbes einleiten möge. Dazu erklärte Reichsverkehrsminister v. Guèrard, daß er noch immer auf dem Standpunkt stehe, daß der Schenker-Vertrag der Zustimmung der Regierung bedürfe, um gelten zu können. Das sei auch die Mei-
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nicht die den Beamten durch ihre besonderen Pflichten gesetzten Grenzen überschritten werden. Mit dieser von der Volkspartei selbst formulierten Einschränkung werde der Antrag erfüllt werden.
Der Landrat von Bismarck habe durch den Vorwurf der Korruption gegen seine eigene Regierung erwiesen, daß er diese Grenzen nicht kenne. Er werde beim Staatsministerium beantragen, den Landrat von Bismarck zur Disposition zu stellen. Die Staatsregierung fürchte das Volksbegehren nicht.
Aus der Erklärung, die ich eben zu dem volksparteilichen Antrag abgegeben habe, ergibt sich wohl, daß wir das Volksbegehren nicht fürchten. Revidiert das Volk seine Anschauung, so dürfen sie überzeugt sein, werden wir nicht bonzenhaft auf unseren Posten kleben, sondern wir werden dann, mit anderen Waffen allerdings wie sie, aber frei von der Bürde, die wir in schwerer Zeit getragen haben, einmal wieder agitieren. Und wie lange dann Ihre Herrlichkeit dauern wird, ist eine Frage, die die Zukunft zu entscheiden hat. .
Steuer (Dnatl.) erklärt, unbestreitbar übe das Kabinett Braun-Severing, nur noch aus formal- rechtliche Zuständigkeit gestützt, eine Macht aus, deren moralische Berechtigung von dem Auftraggeber, der preußischen Wählerschaft, bereits verneint sei.
Letterhaus (3) führt aus, man könne nicht sagen, daß die sogenannte nationale Opposition ein leuchtendes Beispiel der Einigkeit bei der Einbringung des Volksbegehren abgegeben habe. Sichtbarer als in den letzten 12 Jahren habe die Rechte jetzt bewiesen, daß sie nur eine Einheit der Verneinung sei.
Um 18.30 Uhr wird die Weiterberatung auf
nette Spvach- hednürkung in Südtirol
Von Dr. Fritz Mittelmann
Im Frühjahr 1928 erregte eine Kundgebung des früheren italienischen Ministerpräsidenten Nitti gewaltiges Aufsehen in der ganzen Welt, die in dürren Worten besagte, daß keine auf das gegenwärtige Regime folgende Regierung die Handlungen der gegenwärtigen italienischen Regierung anerkennen könne noch werde. Nachdem der Faschismus die Verfassung abgeschafft habe, stellten die Handlungen dieser Regierung lediglich Handlungen einer illegalen Partei dar, und selbst die konkervatiste Partei würde die Gültigkeit dieser illegalen Akte nicht anerkennen können.
Der italienische Faschismus glaubte damals mit einer Handbewegung über diese Auslassungen des früheren Ministerpräsidenten Italiens hinweggehen zu können. Er übersah und übersieht dabei aber das Eine, daß das gegenwärtige Regime in keiner Weise die noch so feierlichen Versprechungen und Verplfich- tungen früherer italienischer Regierungen anerkennt, wenn ihm diese in seine Politik gewaltsamer Unterdrückung nicht Hineinpassen. Den schlagenden Beweis hierfür bildet die Haltung gegenüber der deutschen Sprache und Kultur in Südtirol, die jedem gesunden Rechtsempfinden Hohn spricht.
Die Weltöffentlichkeit hat sich mit diesen Dingen zwar schon ost beschäftigt und mit Entrüstung davon Kenntnis genommen, daß deut- mel beten bürfen, daß Ute deutsche Familiennamen ausgemerzt werden und daß selbst die kleinste deutsche Aufschrift an den Geschäften längst verschwunden ist. Trotz dieser nicht mehr zu überbietenden Ausrottungsmethoden findet der italienische Faschismus aber noch immer neue Möglichkeiten heraus, um das Deutschtum in Südtirol zu knebeln. Jetzt ist man sogar dazu übergegangen, den keuschen Anwälten in den Anwaltszimmern der Gerichte im Verkehr untereinander die deutsche Muttersprache zu verbieten. Das betreffende Schreiben ist so kennzeichnend für die Denkungsart und das Vorgehen der italienischen Faschisten, daß e- in deutscher Uebersetzung widergegeben sei. Die Uebersetzung ist wörtlich, verzichtet daher absichtlich aus eine Wiedergabe in flüssigem Deutsch, um den Sinn auch nicht im geringsten zu beeinträchtigen. Das Rundschreiben an die Anwälte ist vom 31. Januar d. I. aus Bozen datiert und lautet:
„An alle Herren Advokaten des Kollegiums, damit dieselben streng beobachten, was der Gegenstand der geschätzten Kundmachung ist, die hier wiedergegeben wird, nämlich in bezug des Gebrauchs der deutschen Sprache im Tribunal.
Es kommt vor und zwar wiederholt, daß Advokaten und Anwälte, die im Berufs- album der Stadt Bozen eingetragen sind, in den verschiedensten Amtslokalen des hiesigen Gerichts, wenn sie untereinander Unterhaltung pflegen, selbst in Gegenwart der Beamten sich der deutschen Sprache bedienen.
Dadurch 'beweisen dieselben, die doch einen Eid abgelegt haben, ihre Berufspflichten mit Loyalität für die höheren Interessen der Nation zu erfüllen, daß sie in sehr geringem Maße gewillt sind, dem geleisteten Eid eine weitherzige Auslegung zu geben und daß sie in jedem Falle unkorrekt handeln und dies angesichts der nationalen Verhältnisse dieses Landes, welche die größte Anständigkeit verlangen, ferner in Anbetracht dessen, daß es die heiligste Pflicht jedes guten Bürgers ist, nicht nur Italiener zu sein, sondern sich auch als solcher zu fühlen und zu bezeugen, endlich in Erwägung, daß jenen Personen, die in beruflichen Beziehungen zu den Behörden stehen, es obliegt, nicht nur den Gesetzen ergeben zu sein, sondern auch rücksichtslos korrekt zu erscheinen.
Um diesen Mißstand zu beseitigen, wende ich mich an Euer Hochwohlgeboren, damit Sie die Herren Advokaten und Anwälte des hiesigen Kreisgerichts (Tribunal) — Bezir-
Die beutlse Nummev umfaßt 12 Seite«