Sette 4
Montag den 23. Mürz 1931
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Landesvever« Aessen-Lrassau für werktätige Evriebu«-
Die Tagung des Landesvereins Hessen-Nassau für werktätige Erziehung am Samstag hatte eine überaus starke Anziehungskraft auf die Lehrer und Erzieher der Provinz ausgeübt, so daß alle Veran- staltungen überreichen Besuch auswiesen. Die Ausstellungen erfuhren von früh um 8 Uhr an eifrigste Auswertung durch die von starker innerer Teilnahme bewegten Zuschauer. Ganz besonderer Wert- schâtzung aber erfreuten sich die praktischen Unter- richtsvorführungen, und der Andrang zu ihnen war teilweise so stark, daß die Räume die Gäste nicht zu fassen vermochten. Der Direktor des Pädagogischen Instituts der Technischen Hochschule in Darmstadt, Herr Professor Dr. Vogel, legte in seinem Vortrage „Die Entwicklung des praktisch-technischen Denkens beim Kinde" die grundlegenden Unterschiede in den Denkformen des Kindes und des Erwachsenen dar und wies in längeren tiefschürfenden Ausführungen die Gründe nach, die in unserem heutigen technischwissenschaftlichen Zeitalter eine einseitige geistes- wissenschaftliche Bildung der Jugend verbieten und eine Beschäftigung an und mit den wirklichen und greiflichen Dingen der Umwelt unabweislich fordern. Die lückenlose seelenkundliche Begründung mußte jeden Anwesenden stark überzeugen. Der Redner beklagte es, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit dieser Dinge einstweilen fast ganz auf die Lehrenden der Volksschule beschränkt sei, was sich übrigens auch durch die Zusammensetzung des Zuhörerkreises zu bestätigen schien. Die Hauptversammlung des Nachmittags erledigte alle ge chäft- lichen Dinge in wenigen Minuten, um möglichst alle verfügbare Zeit der Behandlung der schulpraktischen Aufgaben widmen zu können.
Herr Rektor S i m d o r n aus Kilianstädten zeigte die Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich der Werkttätigkeit in der Landschule entgegenstellen-, aber in freudiger Bejahung der Zwecke und Ziele werktätiger Bildung auch für das Landkind und in gläubigem Vertrauen- auf die Durchführungsmöglichkeit und auf die Bereitwilligkeit der Lehrenden zur Ueberwindung aller Hemmnisse wußte er stark anregend zu wirken.
Herr Rektor Garz von der Reformschule Schwarzburg in Frankfurt a. M. sieht nach den in den Hanauer Schulen gebotenen Ausstellungen den hiesigen Unterricht auf die zwei wichtigsten Grundpfeiler aller Lehrkunst gestellt, den der Anschauung und den der Kindesgemäßheit. Die von seinen Schülern gefertigten und beim Vortrage vorge- führten Geräte aus dem Unterrichte der Naturlehre zeigten ebenfalls diese Eigenschaften in hohem Maße und waren bei vorbildlicher Einfachheit und Klaheit ihres Aufbaus unübertrefflich in ihrer Wirksamkeit und Bestimmung.
Die eigens für die Zwecke der Tagung veranstaltete Ausstellung der Staatlichen Zeichenakademie vermittelte den zahlreichen auswärtigen Besuchern dank der geschickten und fiaren Führung durch Herrn Prof. Leven tiefe und sicherlich nachhaltig wirksame Eindrücke von Hanaus stolzehrwürdiger Schmuckindustrie und der segensreichen Tätigkeit ihrer Fachschule, zu der wir uns sofort im gleichgestimmter Gesinnung hingezogen fühlten. Ein geselliges Beisammensein in den Abendstunden schloß den wohlperlaufenen arbeits- aber auch ertragreschen Tag. ' ^ ^ " ’ --
wird das Brot wkedev teurer?
Don der hiesigen Zwangsinnung der Bäcker wird uns schrieben: Mit großer Sorge verfolgt das Bäckergewerbe in den Wochen die erhebliche Steigerung der Roggen- und Weizenmehlpreise. Das Bädergewerbe hat als erster Beruf der Preissenkung der ReichsrsAierung Rechnung getragen und hat den Brotpreis im November vorigen Jahres, um das Versprechen seines German raverbandL-Borstandes der Reichsregierung gegenüber einzulösen, von — 62 RM aus —.55 RM für 3 Pfund Roggenbrot gesenkt. Dieser Abbau, der dem BäckerhaNdwerk schwere Lasten auferlegte, wurde als eine Dor- leistung bezeichnet, dergestalt, daß düe Preisabbaubestrebungen ebenfalls auf die allgemeinen Lasten
IaAensviel aus dem städtischen Etat
Blättert man dèn Haushaltsplan für 1931, der in der vorigen Woche dem Finanzausschuß zur Durchberatung überwiesen wurde, durch, so geben die Zahlen ein nüchternes, trockenes Bild, überall, wo es nur irgend angängig war, hat man gespart, aber trotz oller Sparsamkeit bleibt noch ein Defizit von rund 850 000 RM. Sieht man sich nur die Zah- len an, so bleibt der Eindruck uninteressant. Aber hinter den nüchternen Zahlen verbirgt sich doch allerlei Interessantes und Aufschlußreiches.
Die bei der Allgemeinen Verwaltung erzielte Einsparung von 35 000 RM ist in erster Linie auf den 6%igen Gehaltsabbau zurückzuführen. Eine solche starte Einschränkung war bei den Ruhegehältern nicht möglich, doch konnte auch hier die Summe für Beamten-, Witwen- und Waisengelder herabgesetzt werden. Gespart hat man auch bei der Botenmeisterei und der Fernsprechzentrale, doch sind hierfür immer noch Aufwendungen von 55 573 RM nötig, das ist auch bei dem heutigen Betrieb durchaus verständlich. In der genannten Summe sind für Postgelder 5000 RM und für Fernsprechgebühren 18 500 RM enthalten. Rechnet man das Jahr zu rund 300 Arbeitstagen, so zahlt die Stadt täglich 30 RM Postgelder an Porto und über 60 RM Fernsprechgebühren. Man sieht, die Reichspost hat an Hanau einen guten Kunden.
Die Badeanstalten in Hanau sind mit 51 840 RM angesetzt, und erfordern einen Zuschuß von ca. 17 200 RM, davon erhält allein die Badeanstalt in der Ebert-Anlage 7400 RM Zuschuß. Eine Einschränkung erfährt der Badebetrieb dadurch, daß die Freibäder in Kesselstadt und an der Kinzig in diesem Jahre aus Ersparnisgründen geschlossen bleiben. Auch die Badeanstalten in Kesselstadt und in der Bangertstraße schließen am vom 1. April ab. Der fromme Wunsch so vieler Hanauer nach einem Hallenschwimmbad wird also noch lange Zeit unerfüllt bleiben, und nach wie vor werden alle die, die im Winter das Schwimmen nicht vermissen wollen, weiter mit dem Omnibus nach Fechenheim fahren müssen.
Das Feu erlösch» und Rettungswesen erfordert in Hanau 24 569 RM. Der verhältnismäßig niedrige Betrag ist nur dadurch möglich, daß sich die Freiwillige Feuerwehr kostenlos in den Dienst der guten Sache stellt. Darin enthalten ist auch die 1. Rate für einen Schaumlöscher, der bei Bränden in Anwendung kommt, bei denen mit Wasser allein nichts ausgerichtet werden kann.
Das Bestattungswesen in Hanau erfordert einen Zuschuß von 14 479 RM. Man nimmt ca. 420 Todesfälle an und zwar 290 Erwachsene und 70 Kinder, ferner 60 Verbrennungen. Seit Mai 1930 sind im hiesigen Krematorium 56 Einäscherungen vorgenommen worden.)
ausgedehnt werden sollten. Seit 4 Monaten hat nun das Bäckergewerbe auf diese Lastensenkung seitens der Regierung und der Kommunen gewartet, ohne daß irgend etutas erfolgt ist. Während dieser Zeit ist aber durch Maßnahmen her Regierung, die zur Unterstützung Der Landwirtschaft erfolgt sind, eine sprunghafte Steigerung der Roggen- und Wei- zenmehlprerse eingetreten, die nach den amtlichen Notierungen bei Roggenmehl 4.— RM und bei Weizenmehl 6.— RM beträgt. Daß derartige Mehl- preissteigerungen vom Bäckergewerbe auf längere Sicht nicht getragen werden können, wenn es nicht selbst zu Grunde gehen will, muß jeder einsichtige Mensch verstehen. Das Bäckergewerbe weiß' aber auch, was eine Brotpreiserhöhung bei der heutigen allgemeinen Not für die Bevölkerung bedeutet. Im Bewußtsein der vollen Derantwormchkeit hat das Bäckergewerbe von ganz Mitteldeutschland in einer gestrigen Besprechung in Frankfurt a. M. nochmals einen letzten Mahnruf, den wir unten folgen lassen, an die Reichsregierung gerichtet und gefordert, Maßnahmen zur Senkung der Mehlpreise umgehend herbeizuführen. Sollte die Regierung auch den letzten Mahnruf un-beamtet lassen, so muß in aller
Auch die kulturellen Einrichtungen der Stadt haben unter der allgemeinen Notlage zu leiden. So ist der Zuschuß der Stadt für die Stadthallenkonzerte, für die erst 6000 RM vorgesehen waren, gestrichen worden. Bei der Stadt- bibliothek hat man die Ausgaben von 40122 auch aus 35 400 RM gesenkt, obwohl doch gerade in der Zeit der jetzigen Arbeitslosigkeit das Lesebedürfnis des Publikums sehr gestiegen ist, was an der bedeutenden Mehrbeanspruchung unserer Bibliothek zu ersehen ist. Für Ergänzung des Bücherbestandes konnten nur 1022 RM angesetzt werden.
Dem Stadttheater hat man die Ausgaben für Unterhaltung der Ausstattung und außerordentliche Anschaffungen und Herrichtungen gekürzt und zwar um 6650 RM, dagegen hat man die Zuschüsse für unsere Museen erfreulicherweise nicht gekürzt, so daß diese ihre Arbeiten in der gewohnten Weise fortführen können.
Den Schulen hat man das Schulkino einstweilen geschlossen, um auch hier jede Ausgabe zu vermeiden, die vielleicht entbehrlich ist. Die Beiträge der kaufm. und aewerbl. Berufsschulen, welche die Hälfte der städtischen Ausgaben für diese Anstalten decken sollen, werden auf 35 Prozent der Gewerbesteuergrundbeträge vom Ertrag u. 70 Proz. der Grundbeträge vom Kapital festgesetzt. Für Filialbetriebe erhöht sich der Beitragssatz um 20 Prozent.
Die Hanauer Straßenbahn ist noch immer ein Zuschußbetrieb und zwar sind als Zuschuß 12 587 RM in den Etat eingesetzt. Dieser Zuschuß ist durch das dauernde Zurückgehen in der Benutzung der Verkehrsmittel zu erklären. Man hat ja auch deshalb jetzt den Preis für die Straßenbahn herabgesetzt (10 Pfg. die Teilstrecke) und hofft, daß sich dadurch die Frequenzziffer wieder heben wird.
Das Sorgenkind des Etats H die Abteilung S., das ist die Abteilung für sozialpolitische Angelegenheiten. Werden doch allein für diese Abteilung 2 318 217 RM Zuschüsse gebraucht. Das Wohlfahrtsamt hat an Unterstützungen in Geld und Naturalien 1306 500 Reichsmark angesetzt. Krankenpflege 211000 RM. Auch der Gemeindeanteil an der Krisenfürsorge hat einen hohen Satz erreicht, nämlich 72 000 RM. Für Kleinrentner müssen 72 350 und für Sozialrentner 160 850 RM aufgewendet werden. Die Heilfürsorge für Kinder müßte gerade auf die Hälfte herabgesetzt werden, nämlich von 20 000 in der Ausgabe auf 10 000 RM. Man plant, davon 75 Kinder in Heilfürsorge zu entsenden.
Nun ist der Etat in den Finanzausschuß gewandert, um weiter beraten zu werden. Abstriche werden nicht mehr möglich sein und man muß abwarten, ob die Parteien gewillt sind, diesem schmalen Etat mit den großen Belastungen ihre Zustimmung zu geben.
Kürze mit einer Brotpreiserhöhung gerechnet werden.
Die in Frankfurt angenommene Ents chlie - ßung lautet:
„Die Vertreter der drei Bäcker-Zweigverbände, Mitteldeutschland, Hessen und Meift-MÄn-NsU des Germania-Verbandes deutscher Bäderinnungen wenden sich in allerletzter Minute an die Raichs- und Staatsregierung, um dieselben auf die ungeheure Gefahr der — durch die Agrarmatznahmen hervor gerufenen großen Preis-Steigerung des Roggen- und Weizenmehls — nicht länger aufzuhalten- den Brotpreiserhöhung aufmerksam zu machen.
Das Bädergewerbe kann, nachdem die Versprechungen der Regierung, die Unkosten (soziale Lasten, Steuern, Werktarife etc.) zu senken, nicht innegehalten wurden, den seitherigen Brotpreis nicht länger aufrecht erhalten, wenn es nicht mit Riesenschritten dem Ruin entgegengeführt werden soll.
Im Bewußtsein der vollen Verantwortlichkeit in der Frage der Brotpreiserhöhung und der damtt verbundenen Belastung für die Volksgesamtheit fordern wir in letzter Minute umgehend Maß
nahmen zu treffen, die die Mehlpreise auf eine «< tragische Höhe zurück!chvauben.
Wir erwarten diese Maßnahmen noch im Laus, dieser Woche, andernfalls die Führer des Bäte gernerbes sich außer Stande sehen, im gesamten Wirtschaftsgebiet der vorgenannten Zweigverbârch, mit Wirkung vom 30. März 1931 ab entsprechend den gewaltigen Mehlpreissteigerungen Brotpreir- erhöhungen aufhatten zu können."
Was die freie tvohIiahrSvNek dem Staat ersvart?
Die „Freie Wohlfahrtspflege" das Organ her Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege, d«. äffentttcht eine interessante Gegenüberstellung, bi( zeigt, welch große Summen an Wohlsahrtsauz, gaben dem Staate durch die Tätigkeit der freien Wohlfahrtspflege erspart werden. Bei den Sofien für die Anstaltsfürsorgeerziehung werden allein in Preußen jährlich mehr als 15 Millionen RM it, faprt, weil 36 Prozent aller Fürsorgezöglinge in Erziehungsheimen der freien Wohlfahrtspflege un. tergebracht sind. Die höchsten Zahlen ergeben sich auf dem Gebiete der Krankenfürsorge. Hierbei $< langt man zu dem Ergebnis, daß die öffentlich, Wirtschaft durch die Krankenanstalten der freien Wohlfahrtspflege eine jährliche Ersparnis von 45 Millionen hat. Bei der Behinderten- und Alters, fürsorge beläuft sich die Ersparnis auf rund 9 Mill. RM. Addiert man alle Zahlen, bei denen jedoch große Zweige der beschlossenen Fürsorge noch gor nicht berücksichtigt sind, so kommt man zu der stattlichen Zahl von 133 250 000 RM. Das ist eine Summe, die unter den augenblicklichen Verhältnissen die freie Wohlfahrtspflege den deutschen Steuer, Zahlern ersparen kann.
2,6 Milliarden Wael deutscher Tabakumsatz
In Deutschland werden jährlich etwa 6—7 Milliarden Stück Zigarren etwa 33 Milliarden Zigaretten und außerdem noch eine beträchtlich« Menu Pfeifentabak verkonsumiert. Dabei hat di« Durchschnittszigarre einen Preis von 16 Pfennigen. Im vergangenen Jahre wurden in Deutschland für bei- nahe eine Milliarde Mark Zigarren verkauft. Zi- garetten dagegen wurden im Werte von 1,6 Milliarden umgesetzt. Pfeifentabak war natürlich in Deutschland viel weniger verbraucht, der Gefamt- betraa dafür beläuft sich für das Jahr 1930 auf nur 125 Millionen Mark. Born Gesamtumsatz für Ta- bakwaren — also rund 2,6 Milliarden Mark — bezieht das Reich an Steuern etwa 1,1 Milliarden Mark und etwa 200 Millionen davon entfallen auf Arbeitslöhne in der Tabakindustie.
Unverhältnismäßig groß ist der Betrag, der für Tabakimport jährlich ausgegeben wird. Er beläuft sich auf 265 Millionen Mark. demgegenüber stehen nur 20 Millionen Mark als Wert des heimischen Rohtabakes. Während Zigaretten beinahe ausschließlich in Fabriken hergestellt werden, werden Die Zigarren immer noch zum allergrößten Teile in Kleinbetrieben gedreht. »Von den 10000 Bettieben, in denen Zigarren Hergestelll werden, arbeiten 8000 ohne fremde Hilfskräfte.
Eine deutliche Abnahme der Anzahl der Tabakpflanzungen in Deutschland ist während der letzter Jahre zu vergleichen. Im -JbM-'M26 fnm^ etwa 100 000 Pflanzer, von denen bis zum JaW 1930 34 000 ihre Tabakkulturen aufgegeben haben. Der Tabakhandel wird in Deutschland von Mt 600 000 Händlern bestritten, jedoch ist nur der N Teil von ihnen als Spezialhändlor zu bezeichnen. Während bei uns schon auf 1000 Einwohner 10 Tabakhändler kommen, kommen in Oesterreich die gleiche Anzahl Händler erst auf 4500 Einwohner. Das erklärt den geringen durchschnittlichen Jahresgewinn der deutschen Tabakhändlsr.
* Geflâgeldiebstahl. In der Nacht zum Sonntag wurden aus dem Hühnerstall eines Anwesens d« Aepfelallee drei rebhuhnfarbige und hellgilbt Zwsrghühner nebst einem red huhnfarbigen Zwerg- hahn mit rötlicher Brustzeichnung gestohlen. Sachdienliche, auch vertrauliche Mitteilungen, erbittet das Kriminal-Kommissariat.
Jurist und
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issenstbatt.
freuliches Zeichen dafür, wie dieses höchst gedie- jene und kulturelle Unternehmen in den Jahren eines Bestehens in weitem Umkreis Wurzel geschlagn und von seiner Eristenznotwendigkit überzeugt )at. Die Garantiebeträge sind nicht nur von Marburgern, sondern auch von Auswärtigen gezeiHnet. Auch die Provinz hat sich in Anerkennung der überragenden Leistungen der Festiviele und ihrer Bedeutung für den ganzen deutschen Westen zur finanziellen Beteiligung entschlossen. So ist nicht nur lie Durchführung, sondern auch das Niveau gesichert, zu dem gerade die Erfolge des vergangenen Jahres verpflichten. Hier darf es nur ein Aufwärts, kein Stehenbleiben oder gar ein Abwärts geben. Ueberdies schließt das St. Elisabeth-Jubiläumsjahr für Marburg, die Stadt des Elisabethdomes und Elisabethengrabes ganz besondere Verantwortung in sich, muß doch nach den bisherigen Anmeldungen mit einem zahlreichen Besuch aus dem Ausland gerechnet werden. Das Interesse, in diesem Sommer Außerordentliches zu bieten, geht daher über Marburgs Grenzen weit hinaus und steigert sich zu einem nationalen Interesse. Das Programm der Veranstallungen wird in Kürze bekannt gegeben werden.
o Abschieds-ttonzerl Casio Sentgyörgyi. Am Gründonnerstag, den 2. April, veranstaltet Laslo Sentgyörgyi, der weltberühmte, jugeäche, ungarische Geiger aus Budapest, sein Abschieds- Konzert vor Antritt seiner Wett-Konzerttournee. Am Flügel begleitet Paul Meyer aus Frankfurt, ein als Begleiter sehr gewandter Pianist. Das Konzert findet im großen Saale der Stadthalle statt. Das Können von Laslo Sentgyörgyi ist so bedeutend, daß ein genußreicher Abend bevorsteht. — Seit einiger Zeit wird versucht, durch Verpflichtung erster Künstler, die man sonst nur in großen und größten Städten hören kann, den hiesigen Konzert- besuchern nur Erstklassiges zu vermitteln, und es wäre sehr zu bedauern, wenn die Besucherzahlen hinter den gehegten Erwartungen zurückblieben, und Die Durchführung solcher Abende gefährdet würde. Eintrittskarten zu dem Abschiedskonzert sind im Musikhaus Ed. Schaaf, Marktplatz 15, zu haben.
o Münster ohne Oper? Westdeutsche Blätter melden, daß im Theater der Stadt Münster durch Aushang bekannt gegeben worden sei, daß die Oper in der nächsten Spielzeit nicht fortgeführt wird.
o Gaspar Cassadö im Urteil der Presse. Im nächsten Konzert des Pf-alzorchesters spielt Gaspar Cassadö, ein Cellist, der heute allgemein neben Pablo Casals, welcher übrigens sein Lehrer war, gestellt wird, die nachfolgenden Auszüge mögen zeigen, wie Cassadö heute in der Presse beurteilt wird. Berlin „Tempo", 28. 1. 31 . . . Das solistische Ereignis des Abends war Gaspar Cassadös Bor trag der von ihm konzertmäßig bearbeiteten Arpsggione- Sonate für Violoncello und Orchester von Schubert. Cassadö spielte sie mit unnachahmlicher Mischung von Anmut und Größe. Als bedeutender Brrtuofe und unbeschreiblich schlichter Musiker, der von Geist und Intuition gleichermaßen berührt ist. Diesseitig- feit und Jenseitigkeit Schubertscher Musik werden dem Hörer selten zu so bestürzendem Ereignis geworden sein wie es hier geschah ... — München. „Münchn. Neuest« Nachrichten", 7. 11. 30 . . . Ein Konzert von Gaspar Cassadö gewährleistet stets den Genuß einer vollendeten instrumentalen Technik, eines Dioloncellofpieles höchsten Ranges. Künstler, die mit ihrem Instrument so verwachsen, so fouverain in seiner Handhabung sind wie Cassadö, sind auch in unserer Zett der hochgesteiger- ten technischen Leistung fetten . . . Brüssel. ,L'Jn- dèpendance Betge", 16. 12. 30 . . Cassadö, Schüler und sicherlich künstlerischer Erbe von Casals . . . fouDeraine Technik, Klangfülle und Zartheit des Tones, in der Nuancierung vom sicherstem Geschmack, voll Zurückhaltung im Adagio und voll jugendlichem Schwung im Finale... Ein Cellist allererster Ordnung: Gaspar Cassadö scheint allen überlegen durch die absolute Musikalität der Mittel, er besitzt sie alle und mißbraucht keins . . . sein Ton ist lebendig . . seine Bogenführung leicht . . . aus dieser Verbindung ergibt sich eine außergewöhnlich« Klangfülle . . .
o Marburger Festspiele 1931. Die Marburger Festspiele 1931 sind nun endlich und endgültig beschlossene Sache. Mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Notlage hatte sich die Stadtverwaltung lange gesperrt die erheblichen Zuschüsse und Garantien zu übernehmen. Da ist nun in dankenswerter Weise private Initiative unter Führung der Um- versitätskreisè zu Hilfe gekommen durch Bereitstellung eines grotzen Garantiefonds. Es ist ein er
Infolgedessen hätten sich die Opernkräfte und der Opernchor als entlassen zu bettachten. Intendant Bernau ist bekanntlich durch seinen Pachtvertrag verpflichtet, am Schluß der Spielzeit einige Opern- Gastoorstllungen zu geben. Daß er in diesem Jahr über diese Verpflichtung hinaus ständig mit eigenem über diese Verpflichtung hinaus ständig mit eigenen Kräften Opern gespielt hat, scheint ihm finanziell nicht mehr möglich zu sein, nachdem auch in Münster die Stadt die Barzuschüsse an den Pächter verringern zu müssen glaubt.
o Ein Tempel des Eros entdeckt. Eine bemerkenswerte Bereicherung des Schatzes altgriechischer Dokumente, die in der Akropolis von Athen noch der Hebung harren, ist soeben Professor Brognarb von der amerikanischen Ärchäoloaenschule geglückt. Bro- gnard entdeckte am Nordabhang des Hügels den Tempel des Eros, den Pausanias, der berühmte griechische Geograph und Reiseschriftsteller, in seinen Berichten erwähnt. Zum erstenmal hat man einen Tempel gefunden, der dem Gott der Liebe geweiht war.
o Goldmacher Tausend als Dramenskosf scheint aktuell werden zu wollen. Wir erhalten gleichzeitig die Meldung, daß Ferdinand Bruckner über dieses Thema an einer Tragikomödie des Aberglaubens" arbeitet (S. Fischer Verlag), während Günther Weißdorn zu diesem Thema soeben eine Zeitsatire, „Hexenkessel" (Dolksbühnenverlaa), beendet hat. Bert Brecht hat ein neues, abendfüllendes Schauspiel vollendet: „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe". Peter Martin Lampels neues Stück trägt den Titel „Vaterland". Werner Ackermann hat ein neues Stück geschrieben, die Tragikomödie „Der Apostel von Steißerbach".
o Sladktheater. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Als 27. Vorstellung im Disnstag-Abon. nement veranstaltet die Direktion morgen Dienstag, abends 8 Uhr, einen Moliöre-Abend. Zur Aufführung gelangt „Die Schule der Frauen", Lustspiel in 5 Akten von Mvliöre, deutsch von Ludwig Fulda, hierauf „George Dandin", Lustspiel in 3 Akten von Stetere, deutsch von Ludwig Fulda. Man staunt hier, wie kraftvoll die Satire Molières in seine Zeit hineinleuchtet. Sie ist von einer Leichtigkeit, von einem Geist und einem Schwung, von einer dramatischen Makellosigkeit, daß hier erst recht nicht mit Maßstäben der Gegerrwart gemessen werden kann — Me modernen Dramatiker würden da
bei schlecht abschnöiden. — Am Mittwoch, abends 7.30 Uhr, gelangt als 27. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement zum letzten Male „Die Regimentstochter" komische Oper in 3 Aufzügen von Donizetti zur Aufführung.
Theater- SvielplSne.
Stadtiheater Hanau. Dienstag, 24. März, 20: Molière-Abend! „Die Schule der Frauen", danach „George Dandin"; Mittwoch, 25. März, 19.30: „Die Regimentstochter"; Freitag, 27. März, 19.30: „Das Spielzeug Ihrer Majestät"; Samstag, 28. März, 19.30: „Katja, die Tänzerin"; Sonntag: 29. März, 19.30: „Voruntersuchung".
Frankfurter Schauspielhaus. Montag, 23. März, 20: „Phaea"; Dienstag, 24. März, 20: „Rotation , Mittwoch, 25. März, 20: „Gelegenheit macht Diebe"; Donnerstag, 26. März, 20: Tanzabend: Niddy Im» pekoven; Freitag, 27. März, 20: „Clavigo"; Samstag, 28. März, 20: „Elisabeth von England"; Sonntag, 29. März, 16: „Sturm im Wasserglas", 20: „Elisabeth von England". ,
Frankfurter Opernhaus. Montag, 23. März, 19.30: „Der Bettelstudent; Dienstag, 24. März, 19; „Tannhäuser"; Mittwoch, 25. Marz, 19.30: „Der Barbier von Sevilla"; Donnerstag, 26. März, 19.30: „Fidelio"; Freitag, 27. März, 19.30: „Der Barbier von Sevilla"; Samstag, 28. März, 19.30: „Die Boheme"; Sonntag, 29. März, 15: „Die Fledermaus", 19: „Carmen".
Neues Theater Frankfurk. Montag, 23. März, 20: „Voruntersuchung"; Dientsag, 24. März, 20: „Die kleine Katharina"; Mittwoch, 25. März, 19.iä- „Haus Rothschild", 22.30: Gastspiel der Weintraubs Syncopaters; Donnerstag, 26. März, 20: „Die kleine Katharina"; Freitag, 27. März, 20: „Die kleine Katharina"; Samstag, 28. März, 19.45: „Die kleine Katharina", 22.30: Gastspiel der Weintraubs Syncopaters; Sonntag, 29. März, 15.30: „Die Drei' Groschenoper", 20: „Die kleine Katharina".
AUevleS tVMenswevtes
In Dänemark werden neueren ngs unverheiratete Frauen „Frau" angeredet.
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Kaninchen sehen mit ihren Augen gleichzeitig vovwärts und rückwärts.