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Donnerstag den 19. März 1931

Mr. 66

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Her Vertrag von Versailles zum Chiffon de papier. Die Volksabstimmung ist nicht als ausschlaggebend anerkannt worden, und da sich Frankreich und Großbritannien nicht einigen konnten und Italien in seiner Politik schwankte,

hat man den Völkerbundsrat befragen wollen. (Worüber denn, nachdem die Volksabstimmung gesprochen hatte?) Und der Völkerbund hat eine Entscheidung getroffen, die nicht nur seine Rechtlichkeit, sondern auch, was ebenso schlimm ist, seinen moralischen Ernst in Frage stellt. Soweit die Schilderung des ehemaligen rta- lienischen Ministerpräsidenten Nitti, die aller- dinas noch einiger Ergänzungen bedarf. Der für Deutschland günstige Abstimmungserfolg hatte zur Folge, daß man in Frankreich und Polen auf andere Wege sann, Oberschlesien von Deutschland loszureißen. Man dachte an eine Teilung dieses Landes, doch da dieser Ein­fall wenig Aussicht auf Durchführung hatte, mußte eine „vollendete Tatsache" geschaffen werden, was denn auch im Mai durch den dritten Polenaufstand unter Korfanty geschah. Dieser Aufstand brachte eine entsetzliche Schreckensherrchaft mit sich. Der Franzose Rene Martel schreibt in feinern Buch „Deutschlands blutende Grenzen": „Die Mord­taten vervielfältigten sich, die Deutschen wur­den gemartert, verstümmelt zu Tode gepeinigt, ihre Leichen geschändet. Dörfer und Schlößer wurden ausgeraubt, in Brand gesteckt, in die Luft gesprengt. Die deutsche Regierung hat über diese Vorgänge eine Reihe von Weiß­büchern veröffentlicht, die mit Bildurkunden ausgestattet sind, welche der einem Gefühl zu- oangliche Leser nicht leicht vergessen wird. Die hier im Bilde festgehaltenen Vorgänge überschreiten an Grausigkeit die schlimmsten Schrecklichkeiten, die man sich vorstellen kann Die fremden Besatzungstruppen sahen diese Schreckensherrschaft tatenlos zu. Die Notschreie der Oberschlesier häuften sich und so ruckten deutsche Freiwilligenkorps in Oberschlesien ein, die am 21. Mai unter Führung des Generals Höfer, den Annaberg stürmten und die Auf­ständischen verjagten. Dieser Aufstand hatte zur Folge, daß der Völkerbund den Auftrag be­kam, ein Gutachten über die oberschlesische Frage abzugeben. Diese Arbeit wurde einem Ausschuß von fünf Mitgliedern (ein Chinese, ein Belgier, ein Tscheche, ein Brasilier und ein Spanier) übertragen, der denn auch, wie bei dieser Zusammensetzung nicht anders zu er­warten stand, gegen Deutschland entschied. Am 20. Oktober 1921 verkündete der Oberste Rat die Teilung Oberjchlesiens, die für uns den Verlust wertvollen deutschen Landes brachte. Der ehemaliche deutsche Abstimmungskom- missar für Oberschlesien Urbanek-Beuthen er­klärte am Sonntag in Karlsruhe: „Es küm­merte sich niemand mehr darum, daß vor der Abstimmung Polen und Franzosen einig in der Unteilbarkeit Obsrschiesiens waren. Jetzt wurde das Land zerrissen, die blutende Grenze geschaffen nach dem Grundsatz: Den Polen die Kohlen, den Deutschen die Rübe n". Tatsächlich hat sich der Völker­bund eine Grenzfestsetzung geleistet, die einem Zertrümmerungswahnsinn gleichkommt. Trotz­dem Oberschlesien ein einheitlich aufgebautes Jndustregebiet ist, sind Deutschland von den auf 60 Milliarden Tonnen geschätzten Kohlen­vorkommen nur 5,5 Milliarden verblieben, von 37 Hochöfen 15, von 16 Zink- und Bleierz- gruben 4, von den Eisenerzgruben keine. Dar­über hinaus hat diese unsinnige Teilung zwi­schen beiden Staaten Reibungsflächen ge­schaffen, an denen sich bis in die letzte Zeit der Streit entzündet hat, und auch weiterhin ent­zünden wird. Seit Jahr und Tag erlebt man in Polen eine Verschärfung des antideutschen Kurses, der sich nicht nur mit der Zurück­weisung deutscher Forderungen begnügt, son­dern ganz offen eine Propaganda begünstigt, । die die Vernichtung der deutschen Minder­heiten in Polen zum Ziele hat. Die ganzen Jahre nach der Teilung Oberschlesiens bilden , für die deutschen Minderheiten in Ostober­schlesien eine Zeit schweren Leidens. Unglaub- , liche Ausschreitungen, unmenschliche Grausam- , feiten haben sie ertragen müssen. Die unglaub- ' lichen Terrorakte, die Mißhandlungen von ; Deutschen durch polnische Aufständische bei den letzten Polenwahlen sind noch in aller Erinne­rung. Wohl hat der Völkerbundsrat in seiner Januar-Tagung die polnischen Methoden

Reichstagsberatung über den Wottetat Der Rerchsboftminkfiev WM ftaatsfeiudliche Beftvebungen nicht dulden

Berlin, 18. März. Reichstagspräsident Löbe eröffnet die Reichstags-Sitzung um 1 Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Maddalena (K.) die sofortige Beratung eines kom- munistischen Antrages, der sich gegen die Demon- strationsoerbote des Hamburger Senats richtet. Als der Redner auf die vorgestrige Debatte eingeht und dabei beschimpfende Bemerkungen gegen den Abg. Sollmann macht, entzieht ihm Präsident Löbe das Wort. Der sofortigen Beratung des kom­munistischen Antrages wird widersprochen.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Be­ratung des Postetats. Der Haushaltsausschuß for­dert u. a. eine Senkung der Fernsprechgebühren für Wenigsprecher.

ReichsvofimMMev Dv. Gthâtzel

gibt eine ausführliche Darstellung der Entwickelung der Deutschen Reichspost im letzten Jahr. Die Ver­waltung habe mit allen Mitteln darnach gest ihren Verkehrsapparat nach Möglichkeit auszuü und zu verbessern, dabei aber der schwer um ihre Existenz ringenden deutschen Wirtschaft durch ver­stärkte Auftragserteilung und Tarifherabsetzungen zu Hilfe zu kommen. Der Ausfall an Einnahmen infolge des Tiefstandes der Wirtschaft sei nach Möglichkeit durch größte Wirtschaftlichkeit auf allen Gebieten wettgemacht worden. Für das Publikum eien eins Reche von Derkehrserleichterungen ein- zeführt worden. Zur Postversorgung des flachen Landes waren Ende des laufenden Rechnungs- ahres etwa 1150 Landkraftposten mit 14 700 Post- tellen und 2400 Postagenturen vorhanden. Das

strebt,

lauen

Kraftpostnetz umfaßte rund 2340 Linien mit etwa 45 300 Km. Streckenlänge. Im Sommer 1930 wur­den 110 Luftpostlinien benutzt, im letzten Winter 26. Die Verkehrssteigerung bei der Luftpost belief ick auf 58 Prozent gegenüber 1929. Die Zahl der siostscheckkunden hat nahezu eine Million erreicht, )er Gesamtumsatz ist aber um rund acht Milliar­den auf 130'Milliarden gesunken.

Im Telegraphenwesen wurden die Derbilligungs- maßnahmen fortgesetzt. Das Bildtelegraphennetz wurde ausgebaut und der Funktelegraphenverkehr erweitert. Zehn Kurzwellensender sind in Nauen und vier Kurzwellenempfänger in Beelitz in Betrieb ge­nommen worden. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer teigerte sich um eine halbe Million bis Ende 1930 auf rund 3% Millionen. Großsender sind noch ge­plant in den Sendebezirken Berlin, Breslau, Ham­burg, Leipzig und München. Das Fernkabelnetz wurde um 900 Km. auf über 10 000 Km. erweitert. Für 1931 sind Fernsprechseekabel von Pillau nach Libau und zwischen Deutschland und Dänemark (vierte Verbindung) geplant. Das Beschaffungspro-

des unerhörten Unrechts, das damals am deut­schen Volke begangen worden ist. Es muß der Tag kommen, an dem ganz Oberschlesien wie­der zum Mutterlands zurückkehrt. R. H

gegen die deutschen Minderheiten verurteilt — doch was macht sich Polen daraus? Es läßt den Woiwoden Graczynfki, der die Hauptver­antwortung für die letzten Terrorakte trägt, auf seinem Posten und Ostoberschlesien bleibt weiter das Land unter Kreuz, wenn die un­mögliche Grenzziehung nicht rückgängig ge­macht wird.

„Die Geister zur Klarheit und die Herzen zur Bereitschaft aufzu­rufen" soll der Zweck der Kundgebungen anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des oberschlesischen Äbstimmungstages sein. Da-° deutsche Volk dankt allen die vor zehn Jahren zu dem Abstimmungssieg beigetragen haben, dankt vor allem allen Brüdern und Schwe­stern in Ostoberschlesien für die Treue, die sie trotz allen Terrors, aller Mißhandlungen und aller Bedrückungen dem Deutschtum gehalten haben, dankt nicht zuletzt den deutschen Frei­willigen, die ihr Leben für deutsches Recht eingesetzt haben und gelobt den oberschlesischen Driiderr. und Schwestern diesseits und jenseits der Grenze Treue um Treue in dem Kampfe um die Revision des Genfer Machtspruches Es ruft aber auch der Welt jene Tage, in denen man deutsches Recht mit Füßen getreten hat, ins Gedächtnis zurück, schreit ihr die Wahrheit dis Gesicht und fordert Wiedergutmachung

Die OSvosttkorr 8e6ci zuvück?

(Fortsetzung von Seite 1)

Anträge einen Grund sieht, wieder in den Parla­mentsbetrieb einzugreifen. Das würde dann aller­dings eine Abkehr von den bisher proklamierten Grundsätzen bedeuten.

Der „Jungdeutsche" weist auf die Möglichkeit hin, daß die beiden oppositionellen Rechtsparteien einige Hoffnungen hegen, durch plötzliche Rückkehr in den Reichstag einen Sturz der Regierung her­beiführen zu können, indem sie etwaige Zugeständ­nisse an die Sozialdemokratie — Tantiemensteuer, Kinderspeisungsbeihilfe und so weiter — nieder­stimmen, oder den Wehretat zu Fall zu bringen, indem sie mit der Sozialdemokratie den Panzer­kreuzer ablehnen. Man ist über die Pläne der nationalen Opposition lediglich auf Vermutungen angewiesen. Daß neue taktische Erwägungen im Schoße der bisherigen Rechtsparteien schweben, ist ja schon vor einigen Tagen in den Hugenberg- Blättern vorsichtig angedeutet worden.

KvSttMOev LamdiaA

Berlin, 18. März. Landtagspräsident Bartels eröffnet die heutige Landtagssitzung um 12.20 Uhr. Die zunächst fortgesetzte Aussprache zur zweiten Lesung des Kultushaushalts wird dann zur Vor­nahme von Abstimmungen unterbrochen. Die ange­fochtenen Titel des Justizhaushalts werden in zwei­ter Lesung bestätigt. Die Anträge auf Streichung der Aufwandsentschädigung des Justizministers und des Staatssekretärs verfallen der Ablehnung. Ange­

sichts der vorhandenen etwa 8000 Gesetze im Reich und in den Ländern soll das Reich ersucht werden, Sachverständige zur Sammlung und Sichtung des vorhandenen Rechtes einzuberufen, mit dem Ziel, veraltete und entbehrliche Bestimmungen auszu- merzen Weiter werden angenommen Anträge auf Heraufsetzung der Altersgrenze für Richter vom 65. auf das 68 Lebensjahr, bessere Förderung der sozia­len Gerichtshilfe und der Fürsorge für die Haftent­lassenen und Einstellung von Mitteln im Etat 1932 für Neubau der Amtsgerichte in Treysa, Sömmerda und Jastrow (Grenze Posen-Westpreußen). Abgelehnt wird dagegen in namentlicher Abstimmung mit 241 gegen 135 Stimmen der Antrag des Hauptaus­schusses, Rechtsanwälte zur Vertretung vor den Arbeitsgerichten zuzulassen. Mit 180 Stimmen gegen 179 Stimmen der Rechtsparteien und des Zentrums wird der Ausschußantrag angenommen, wonach alle Gefangenen das Recht zum Bezüge und Lesen von Literatur haben sollen, die ihrer wissenschaftlichen, kulturellen und beruflichen Weiterbildung bient.

Damit ist die zweite Lesung des Justizhaushalts beendet; auch die Haushalte des Landtages und des Staatsrates werden in zweiter Lesung bestätigt.

Weiterberatung am Donnerstag.

Höhe von 200 Millionen RM. Bezüglich der Ratio­nalisierung werde das Tempo verlangsamt, soweit es nur irgend angängig sei, um den Arbeitsmarkt nicht zu belasten. Durch Einschränkung sächsischer Aus­gaben konnten beispielsweise rund 2000 Tele­graphenarbeiter weiterbeschäftigt werden. Ende 1930 waren über 25 000 Maschinen aller Art und nahezu 1800 mechanische Förderanlagen in Betrieb.

Zum Schluß hob der Minister die Einrichtung der neuen Laufbahn der Postjungboten für den ein­fachen Postbetriebdienst hervor. Diese Laufbahn ist ausschließlich den Volksschülern vorbehalten

Der Minister zollte dem Personal Anerkennung und Dank für die im letzten Jahr in opferfreudiger Pflichterfüllung geleistete Arbeit.

In der Aussprache wurde von den Rednern der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Kommu­nisten darüber geklagt, daß der natio­nalsozialistischen Agitation innerhalb der Post« beamtenschaft nicht mit dem nötigen Nachdruck ent­gegengetreten werde. Es wurden dafür verschie­dene Beispiele angeführt, vor allem der Fall der Fernsprechaufsichtsbeamtin W e h n e l t in Berlin, die ein nächtliches Telephongespräch über eine Schlägerei zwischen Kommunisten und National­sozialisten sofort dem nationalsozialistischen Füh­rer Dr. Goebbels mitgeteilt und damit das Post­geheimnis in schwerer Weise verletzt haben soll. Minister Schätzel erwiderte, er habe in wieder­holten Verfügungen den Beamten eingeschärft, daß alle staatsfeindlichen Bestrebungen verboten seien, er werde auch rücksichtslos gegen alle Verstöße ein- chreiten, sobald die Beweise vorliegen. Im Falle Wèhnelt sei das Disziplinarverfahren im Gange, dessen Ausgang abgewartet werden müsse.

Der Etat wird in zweiter Lesung bewilligt. Da­zu werden die Ausschußentschließungen angenom­men, in denen die Regierung ersucht wird, Härten zu beseitigen, die durch Einführung der Alters­grenze von 65 Jahren bei Ueberführung von Lohn­empfängern ins Beamtenverhältnis entstanden mb, sowie möglichst bald die Senkung der Fern- prechgebühren für Wenigsprecher durchzusühren. In einer weiteren Ausschußentschließung wird die baldige Einstellung von Supernumerar'en für die Reichspost verlangt. — Damit ist der Postetat er­ledigt.

Ohne Debatte wird dann in allen drei Lesungen eine formale Aenderung des Gesetzes über die Mündelsicherheit von Wertpapieren und Forde­rungen angenommen.

Gegen 5.45 Uhr vertagt sich das Haus auf Don­nerstag, 10 Uhr. Auf der Tagesordnung ftebt'ber

auszuschleudern, wurde dann auf zwei Monate aus» geschlossen. Unter den ausgeschlossenen tommuniftf. schen Abgeordneten befand sich auch der Abgeord- nete Andrè, dem der nationalsozialistische Ueberfall eigentlich gegolten hatte. Der Mörder hatte be> kanntlick den Abgeordneten Henning gefragt, ob er Andrè sei und ihn dann niedergeschossen.

Stehend hörte das Haus dann die Gedenkrede des Bürgerschaftsprästdenten Leuteritz auf den Ab- geordneten Henning an. Noch einige solcher rohen Mordtaten, erklärte der Redner, und das deutsche Volk verliert seinen Ruf als Kulturvolk, der deutsche Staat fein Ansehen als Rechtsstaat und Der- fassungsstaat.

Vor Beginn der Etatsberatung nahm sodann Senats Präsident Bürgermeister Roß das Wort zu einer Senatserklärung, in der es u. a. heißt: Die beiden politischen Bluttaten, die Hamburg in den letzten Tagen erlebt hat, und die jeden mit Empö­rung erfüllen, beweisen den Grad der Verhetzung, der durch zügellose Kampfmethoden erreicht wird Wenn auch für beide Fälle allein die National­sozialistische Partei die moralische Verantwortung trägt, eine Verantwortung, die ihr durch keine tat- tischen Manöver ihrer Führer abgenommen wer- den kann, so ist doch für die ganze politische Atmo­sphäre, die solche Taten ermöglicht, selbstverständ­lich die Maßlosigkeit der kommunistischen Dema­gogie mitverantwortlich. Verantwortlich für die Bluttaten sind allein diejenigen, die nicht durch ehr­liche Mitarbeit bemüht sind, die Not der Gegenwart zu überwinden. Solchen zerstörenden Kräften setzen wir die Staatsregierung gegenüber und wir werden, wenn es notwendig ist, auch diejenigen zu erfassen wissen, die als Mitläufer oder geheime Nutznießer die zu bekämpfenden Bewegungen unter­stützen. In dieser Zeit heißt es: Wer nicht für den Staat ist, gegen den ist auch der Staat. — Die Re- Staat st, gegen den st auch der Staat. — Die Re­den des Bürgerschaftspräsidenten und des Senats. Präsidenten, besonders die erste, wurden wieder­holt von Zwischenrufen der Kommunisten unter­brochen.

LukammenstoS toitoett Nolker und MommuEe«

2 Tote und 7 Verletzte

Düsseldorf, 18. März. Bei einer Kund­gebung von Kommunisten und Erwerbslosen kam es in der Nähe des Volksgartens zu einem In- fammenstoß zwischen den Demonstranten und bet Polizei. Hierbei fielen auch einige Schüße. Zwei Polizeibeamte und fünf Demonstranten mürben verletzt. Einer der Demonstranten ist feinen Ver­letzungen erlegen. Einer der beiden Polizeibeamten ist schwer verletzt.

Düsseldorf, 19. März. Von den bei den gestrigen Straßenkämpfen verletzten Demonstranten ist im Laufe der Nacht im Städtischen Krankenhaus noch einer gestorben. Die Demonstration hat also insgesamt 2 Tote und 7 Verletzte gefordert.

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München, 1& Ptarz^ Die Verhan!

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ESssen vettsMe Verhetzung und RadWaWsmus

Berlin, 18. März. Die heute unter dem Vor­sitz des Reichsinnenministers Dr. Wirth tagende Konferenz der Polizeiminister der größeren Länder beschäftigte sich mit der innenpolitischen Lage unter besonderer Berücksichti­gung der antireligiösen Verhetzung und der politi­schen radikalen Strömungen. Die sehr eingehende "sfprad)e ergab die völlige Uebereinstimmung in oet Auffassung, daß es notwendig fei, der ständig wachsenden Verhetzung und Ausschreitung in poli­tischer und kultureller Hinsicht mit allen zur Ver­fügung stehenden Mitteln entgegenzutreten. Die fest- gestellte einmütige Auffassung der Länderminister wird die Grundlage einer einstweiligen Aussprache des Reichsinnenministers beim Herrn Reichskanzler haben.

VedeuMchev Instand Assmann Müllers

Berlin, 18. März. Im Laufe der Nachmittags­stunden trat im Befinden des am Samstag operier­ten Reichskanzlers a. D. Hermann Müller eine abermalige Verschlechterung ein, da der schwache Zustand auch durch einen kurzen Nachtschlaf nicht behoben wurde. Zu dem amtlichen Konsilium, das um 8 Uhr stattfinden wird, wird nochmals Professor Sauerbruch hinzugezogen werden.

Berlin, 18. März. Nachdem schon in den Nach- mitragsstunden das Befinden des am Samstag operierten Reichskanzlers a. D- Hermann Müller Müller sich verschlechtert hat, was vor allem dar-

auf

zurückzuführen mar, daß der Patient neben

der Kreislaufstörung noch über große Darmträg­heit zu klagen hatte, war in den Abendstunden eine leichte Besserung festzustellen. In Anbetracht des ungewöhnlich wechselvollen und schweren

ungewöhnlich wechselvollen und schweren Krankheitsbildes des Patienten muß sich das amt­liche Bulletin auf folgenden Satz beschränken: „Der Zustand des Reichskanzlers a. D. Hermann Müller ist nach wie vor anhaltend ernst."

©Mitemitos Auftritte in der Samdnvgev taiteeeetoeft

Hamburg, 18. März. Trotzdem für die heutige Sitzung der Hamburger Bürgerschaft besondere Vor­sichtsmaßregeln getroffen waren, entwickelte sich noch vor der Eröffnung der Sitzung eine Schlägerei, an der etwa ein Dutzend Mitglieder der radikalen Parteien beteiligt waren. Mit dem Rufe „Mörder raus!" versuchten die Kommunisten immer wieder, nationalsozialistische Abgeordnete hinauszudrängen. Erst nach dem Erscheinen der Polizeibeamten ge­lang es dem Präsidium, die Ruhe wieder herzu­stellen. Präsident Leuteritz schloß dann sieben Mit­glieder der kommunistischen Fraktion auf je einen Monat aus und kündigte den Ausschluß auf zwei Monate an, falls diese Abgeordnete nicht sofort den Saal verlassen würden. Einer der kommunisti­schen Abgeordneten, der immer noch fortfuhr, dro­hende Rufe nach der rechten Seite des Saales hin.

abend nach 7 Uhr mit einem Schiedsspruch geendet Der Schiedsspruch mürbe mit folgenden Aende­rungen gegen den vorherigen für verbindlich es klärt: / ।

1. Die Laufzeit erstreckt sich bis 30. 9. 31,

2. die Lohnregelung erfolgt mit Wirkung vom

18. 3. 1931. Von diesem Tage an werden die gültigen Löhne und Akkordbasen um 5,5 % ermäßigt. Die laufenden Stücklöhne und

3.

Zeitakkorde ermäßigen sich um 5,5 bis 7 %. Die Arbeitsaufnahme erfolgt umgehend. Maßregelungen dürfen nicht vorgenommen werden. Die Aussperrung gilt nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses. Die bisher erworbenen Rechte bleiben gewahrt.

Letzte ZelssvaMms.

Wivtb tose «adkkaUsmnS

Paris, 19. März. Der Außenpolitiker des „Matin" veröffentlicht ein Interview mit dem Reichsinnenminister Dr. Wirth, der sich zu dem Thema „Der Radikalismus in Deutschland" äußerte. Dr. Wirth wies auf die Geschichte der politischen Parteien hin und erklärte, daß sich Zentrum und Sozialdemokratie für die Erreichung eines gemein­samen Zieles, nämlich der Weimarer Verfassung, zusammcngetan und häufig in verschiedenen Mi­nisterien eine parlamentarische Mehrheit gestellt hätten. Das sei von den Rechtsparteien propagan­distisch ausgenutzt worden, sie fragten, wie könne das Zentrum und der Sozialismus sich politisch zu- fammenfun. Man müsse erkennen, daß diese beiden Strömungen auf allgemeinem politischem Gebiet, wenn nicht gleiche, so doch benachbarte Ziele hätten. Gegen dieses Bündnis, das die Notwendigkeit er­heische, sei von den beiden Extremen immer schärfere Opposition gemacht worden, einerseits durch die Kommunisten und auf der anderen Seite durch Hugenberg und Hitler. Der politische Radikalismus sei auch auf das wirtschaftliche Elend zurückzuführen. Die Tatsache, der großen Zahlungen, die Deutschland zu leisten habe und seine besondere Stellung als kontrollierte Nation, die nicht ihre Freiheit gefunden habe, be­einflusse die Grundlage der Pottlik der Radikalen. Diese Politik ist um so mehr zu fürchten, als sie höheren Sphären bleiben wolle, d. h. in keiner Veise die politische Verantwortung zu übernehmen gedenke. Als Hitler und Hugenberg den Reichrtag verließen, halten sie dadurch die Mißachtung gegen­über den parlamentarischen Institutionen ausge- drückk da ihre Fraktionen ihr Prestige hätten ver­lieren können, wenn sie an den unvermeidlichen Komnromissen feingenommen hätten, hierin liegt ie Gefahr des Exodus der 150 Abgeo-cknelen.

Gegen sie könne man nur in der Weise kämpfen, aß man im deutschen Volke das Gefühl für bürger- che und politische Pflicht pflege. Deutschland müsse seine parteipolitischen Aufgaben vereinfachen. Man müsse, wie in England, zu zwei oder drei Parteien kommen. Das deutsche Wahlsystem begünstige die Bildung in kleinen Grüppchen, die den Wähler nur verwirren, hoffentlich verstehe man im Ausland alle Schwierigkeiten, mit denen Deutschland zu tämpsev habe.