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Stift 4

Montag den S. März 1931

Nr. »7

85 Vvorent dev deutsche« Vevötkevttng habe« Arbeit

2n der ZeitschriftDer Heimatdienst". dem Mit- teilungsblatt der Reichszentrale für Heimatdienst, führt Werner Stephan zum Problem der Arbeits­losigkeit in Deutschland u. a. folgendes aus: Die Zahl der Erwerbslosen im Deutschland hatte am 15. Februar die 5-Millionen-Grenze fast erreicht. Für die ersten Märztage kann man ' mit einer Höchstzahl von wenig über 5 Millionen Arbeits­losen rechnen Dor einem Jahr lag der Gipfelpunkt mit einer Ziffer von 3,1 Millionen ebenfalls in der zweiten Februarhälfte, die Weltwirtschaftskrise hat sich in Deutschland also in einer Ueberhöhung der letztjährigen Höchstzahl um knapp 2 Millionen ausgewirkt. Seit dem Sommer 1930 beträgt die Zunahme etwa 2,4 Millionen. die Spanne zwischen guter und schlechter Jahreszeit ist auch in früheren Jahren nicht geringer gewesen. Durchschnittlich war die Zahl der Arbeitslosen am Ausgang des Win­ters stets um über 2 Millionen größer als in der Mitte des Sommers. Die Weltwirtschaftskrise hat also den Verlauf der durch die Vaissenoerhältnisse bedingten Kurve wenig beeinflußt, sie hat sie nur von einer wesentlich höheren Ebene an aufsteigen lassen. Aber die absoluten Zahlen ermöglichen keine richtige Vorstellung von der tatsächlichen Bedeu­tung der 5-Millionen-Ziffer Erst der Vergleich mit der Zahl der Berufstätigen ergibt ein zutreffendes Bild. Die Ziffer der Erwerbstätigen ist wesentlich höher als man gewöhnlich annimmt. Während 1907 nur rund 25 Millionen Menschen innerhalb der heutigen deutschen Grenzen hauptberuflich tätig waren, betrug die Zahl im Jahre 1925 bereits 32 Millionen. Seitdem sind weitere zwei Millionen hinzugekommen, so daß heute die Zahl der im Erwerbsleben Stehenden die Arbeitslosen mit eingerechnet um etwa 9 Millionen größer ist als vor dem Kriege 5 Millionen Menschen, also rund 15 Prozent der Erwerbstätigen, sind arbeits­los. Es darf aber nicht übersetzen werden, daß auch im schlechtesten Augenblick der deutschen Wirtschafts­lage an die 30 Millionen Menschen tatsächlich hauptberuflich tätig sind, die Zahl der im Produk­tionsprozeß Stehenden ist um viele Millionen größer als vor dem Kriege. Ferner darf Nicht über­setzen werden, daß die Arbeitslosen nicht als eine einförmige Maste von Dauerarbeitslosen anzu­sehen sind. Von der Reichsanstalt für Arbeitslosen- Dersicherung und Arbeitsvermittlung werden 2,6 Millionen Hauptunterstützungsempfänger und 860 000 Krisenunterstützte erfaßt. Aber auch die übrigen 1,5 Millionen Arbeitslosen sind nicht sämt­lich oder zum größeren Teil Dauererwerbslose. Es handelt sich oèelmehr um ganz verschiedene Kate­gorien. Die Gemeinden versorgen rund 950 000, die übrigen 600 000 sind Männer und Frauen, die noch kein Anrecht auf Unterstützung haben oder Jugendliche, die erstmalig Stellung' suchen. Die Zahl der Dauerarbeitslosen ist also zum Glück kleiner als angenommen wird. Die deutsche Wirt­schaft nimmt die meisten Arbeitslosen noch relativ kurzer Frist wieder auf. Selbst wenn die Konjunk­tur nicht so bald ansteigen und weitere 2% Mil- üonen an sich ziehen sollte, wird schon allein durch die Fluktuation einer großen Zahl der heute Er­werbslosen eine Möglichkeit ermöglicht. Endlich wird her Arbsitsmarkt noch durch den Krieos- geburtenausfav entlastet. So schlimm die Not der Mosicnarbeikslosiokeft FR, das deutsche Volk darf sich durch Pessimismus nicht in eine Hoffnungs­losigkeit hinsinfteigern, die in den realen Ver- hältmsien keineswegs begründet ist.

* Freiwillig aus dem Leben geschieden ist am Samstag ein 41jähriger Kaufmann von hier, der sich schon längere Zeit mit diesem Entschluß ge­tragen hat. Der Unglückliche wurde in einem Nebenraum seines Geschäftslokales erhängt auf­gesunden.

* Preuß. Klassenlotterie. Am 24. Ziehungstage wurden u a. folgende Nummern gezogen (ohne Ge­währ): 7260, 70 919, 79 601, 79 612, 105 860, 105 871, 110 322. 118133, 148 549, 164 532, 164 537, 169 547, 169 585, 296 425, 307 207, 317 677, 396 422.

Vanknoten auf falschen «amen

Vielfach werden Geschäftsleute geneigt sein, aus den verschiedensten Gründen sich bei der Bank ein Konto anzulegen, ohne dieses auf chren rechtigen 'Jtamen führen zu wollen. Die Gründe brauchen dabei nicht etwa steuerlicher Natur fein, sondern es ist sehr wohl denkbar, daß Personen im Einzelsalle aus anderen Gründen ein Interesse daran haben, ihren Vermögensbestand nicht klarzulegen. Vom allgemeinen Rechtsstandpunkt wäre deshalb auch dagegen nichts einzuwenden, wenn nicht die Steuer­gesetzgebung dem entgegenstände. Nach der Reichs- abgabenordnung (§ 165) ist es verboten, auf einen falschen oder erdichteten Namen für sich oder einen anderen ein Konto zu errichten oder Buchungen vor­nehmen zu lassen. Der Zweck der Bestimmung ist eben der, die Errichtung von sogen, verschleierten Konten zu verhüten, um so die sonst gegebene Mög­lichkeit der St-">erhinterziehung zu unterbinden. Es muß also bei der Einrichtung eines Kontos bei einer Bank, Sparkasse oder ähnlichen Geldinstituten immer zu ersehen sein, wer der wirkliche Inhaber des Kontos ist. Ist das nicht der Fall, so macht der Betreffende sich strafbar. Es ist dabei nicht einmal erforderlich, daß sein Handeln auch nur in der Ab­sicht der Steuerhinterziehung geschehen ist. Ein Konto auf einen falschen oder erdichteten Namen liegt aber nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts nicht vor, wenn der Kontoinhaber das Konto auf einen ihm zwar rechtlich nicht zustehenden, im pri­vaten und behördlichen Verkehr aber allgemein bei­gelegten Namen errichtet.

12s060 Äkademrkev zuviel ?

Der Hauptausschuß des Verbandes der deutschen Hochschulen hat auf seiner Tagung in Würzburg eine Warnung vor dem akademischen Studium aus­gesprochen. In seiner Entschließung dazu führt er folgendes aus: Die Hochschule darf bei der Berufs­entscheidung nicht als eine Art Notausgang ange­sehen werden. Andererseits legt aber dèr Perband Gewicht darauf, daß wirklich Hochbegabten und Tüchtigen aus allen Schichten des Volkes der Zu- ;ang zur Hochschule ermöglicht wird. Das ist um o wichtiger, als in nächster Zukunft nur ganz her- vorragerckie Kräfte Aussicht haben, in freiwerdende Stellungen der akademischen Berufe einzurücken, während anderen Absolventen der Hochschule die Arbeit in Berufen zugemutet werden muß, die ein akademisches Studium nicht erfordern. Ein derarti­ges Mißverhältnis würde eine dauernde Befriedi­gung ausschlleßen. Innerhalb der Hochschule müssen Vorkehrungen getroffen werden, um diejenigen Studierenden, die nach Ueberzeugung der Dozen­ten nicht die volle wissenschaftliche und menschliche Eignung zum Studium haben, vom Studium fern« zuhalten oder zum Aufgeben des Studiums zu veranlassen.

In diesem Zusammenhang wirkt nachfolgende Zusammenstellung geradezu erschütternd. An den Stichtagen des 1. Januar 1930 und L Januar 1931 waren als Referendare beschäftigt:

Im Ober-landesgerichtsbezirk am 1.1. 30 am 1.1.31

Kammergericht

1489

1790

Breslau

772

871

Celle

543

614

631

752

Hamm Westfalen)

792

959

Kassel

220

272

Kiel

276

308

Köln

743

806

Königsberg (Pr.)

346

373

Marienwerder

94

99

Naumburg (Saale)

550

607

Stettin

261

319

zusammen

7042

8205

Darunter aus anderen Ländern vorübergehend in den preußi­schen Vorbereitungsdienst über­nommen

37

42

Die Zahl dieser angehenden

Richter,

Rechts-

anwälte usw hat also in einem

Jahre

noch um

rund 1200 zugenommen. Wie sie alle einmal unter- gebracht werden sollen, ist ganz rätselhaft. Es

wächst hier wie überall ein akademisches Proletariat heran, dessen Zukunst mit ernster Sorge erfüllen muß, denn, wie sich aus nachfolgender Uebersicht ergibt, haben mir in den nächsten Jahren mit einem ungeheuren Ueberangebot an Akademikern zu rechnen.________________'__________________________________

Jahr

Vor­han, dene stellen

Frei- wer- dende stellen

Stellen­lose Aka­demiker am An­fang des Jahres

Neuzu­gang an Akade­mikern

Ueberan- gebot am Ense des Jahres

1930

3500«

6000

16000

23000

33030

1931

3.")0U0(i

6000

33U00

25000

51900

1932

350000

6-00

51900

28OOJ

73700

1933

350000

6300

73700

29700

97100 120Ö0

1934

350000

6400

97100

29300

Deutschland wird hier nach bereits im Jahre 1934 rund 120 000 Akademiker oder ein Drittel des Bedarfs zuviel haben.

* Die Nacheichuna in Hessen-Nassau. Vor einiger Zeit wurde in der Presse, auch in unserem Blatt, eine im Preußischen Landtag von verschiedenen Abgeordneten emgehrachte Kleine Anfrage veröffent­licht. In dieser Anfrage hieß es, daß durch Be­schluß des Landtages nom 28. Februar 1930 die gegenwärtig ür die ßanbmirtfdroft geltende Nach­eichungsfrist von 2 Jahren auf 4 Jahren verlängert worden sei. Diese Behauptung trifft aber, wie uns mitgeteilt wird, nicht zu. Der Preuß. Eichungs­direktor in Kassel schreibt uns: Die Annahme, daß die Nacheichungssrist für die Landwirte verlängert ist, beruht auf einem Irrtum. Es trifft zwar zu, daß der Landtag am 28. Februar 1930 beschlossen hat, das Staatsministerium zu ersuchen, die gegen­wärtig für die Landwirtschaft geltende Nach­eichungsfrist von 2 Jahren auf 4 Jahre zu verlän­gern. Dem Landtag mußte aber mitgeteilt werden, daß das Preußische Staatsministerium den Beschluß nicht aussühren kann, weil die Nacheickungsfristen durch ein Reichsgesetz Maß- unh Gewichtsord' nung vom 30. Mai 1908 (R. G. Bl. Seite 349) festgelegt sind. Eine Aenderung der Maß- und Ge­wichtsordnung ist bisher nicht erfolgt. Von einer Absicht, sie zu ändern, ist nichts bekannt.

* Rückgang des Lebenshaltungs-Index. Nach den Berechnungen von Dr. Moritz Elsaß sind die Indexziffern über die Kosten der Lebenshaltung bis zum 1. März auf 137 zurückgegangen. Seit 1. Januar beträgt der Rückgang 1% Prozent. Die Tetlindices stellen sich: Nahrung 131, Kleidung 133, Wohnung 130, Heizung und Beleuchtung 134, Ver­schiedenes 190. Der innere Geldwert der Mark be­trägt am 1. März, an der Lebenshaltung gemessen, 73 und ohne Berücksichtigung der Miete' 72)4 Vor- kriegsppfennige. Bemerkenswert ist, wie sehr sich die beiden Geldwerte, mit und ohne Miete, wieder angeglichen haben. Die Angleichung kam dadurch zustande, daß seit einem Jahr die Preise für alle Warengattungen zurückgehen, während die Miete noch gestiegen ist. Der Vorteil der Zwangsfestset­zung der Miete, die bisher eine Verbilligung der Lebenshaltung bewirkt hatte, ist also kaum mehr zurückgegangen. Er steht Januar 8^ Prozent unter dem des Vorjahres. In einem Ausblick sagt Dr. Elsaß: Mit dem Frühjahr ist eine saisonelle Besserung des Arbeitsmarktes, von feiten der Außengewerbe, zu erwarten, die aber nicht aus­reicht im Hinblick auf 5 Millionen Arbeitslose. Um eine Zahl, die wirklich ins Gewicht fällt, wieder in den Arbeitsprozeß einzuschalten, müßte man sich dazu entschließen, trotz aller Bedenken und Wider­stände die Verkürzung der Arbeitszeit in den wich­tigsten Industrien obligatorisch zu machen.

* Das Konzert der Ehorgemeinschask Offenbach- Hanau findet nicht wie am Samstag gemeldet am Dienstag, sondern am Freitag, 13. März statt.

* An übertragbaren Krankheiten wurde in der Woche vom 1.7. März 1 Fall Diphterie aus Hanau gemeldet.

* Vortrag. Auf den heute abend um 8 Uhr im Singsaal der Hohen Landesschule von der Theos. Gesellschaft veranstalteten Vortrag des Schrift­stellers Erhard Bäzner-Dresden überErlösende > Kräfte, ihre Entfaltung und Wirkung" sei an die­ser Stelle hingewiesen. Erhard Bäzner behandelt dabei folgenbe Punkte: Unsere Binduna ans Leben. Wie überwinden wir körperliche Leiden? Wie beseitigen mir seelische Hemmungen? Auf. Teilung des geistigen Irrtums. Die Grade u. a.

* Kleine Gesundheilsregeln.Gesundheit ist Schönheit" sagt ein altes Wort. Wenn man gesund lebt, wird man schön und hält sich lange gesund. Das Geheimnis des gesunden Lebens ist ziemlich einfach und kann von jedem leicht gelöst werden. Es gilt vor allem, sich nicht zu überessen, eine üble Ange­wohnheit, zu der wir alle ein wenig neigen, so daß mir längst nicht mehr imstande sind, auf die Stimme unseres Magens zu hören. Man mache es sich zur Regel, mit dem Esten auszuhören, noch bevor man sichsatt" fühlt, denn das allgemeineSattaefühl" ist bei uns schon das Zeichen der Ueberlast. Wollen wir gesund leben, müssen wir uns aber wieder daran gewöhnen, auf unseren Organismus zu hören. Man vermeide es, zu den Mahlzetten zu trinken. Das verdünnt den Sveifebrei zu sehr und ist schädlich. Eine halbe Stunde vor oder nach dem Esten kann man trinken, es ist sogar gebm^ Ganz ausgezeichnet ist es, am frühen Morgen ein Glas warmes Wasser mit Zitronensaft, anstelle des Zuckers jedoch mit Salz gewürzt, zu sich zu nehmen, sowie am Abend ein Glas kaltes Wasser vor dem Schlafengehen. Es durchspült den Organismus und hilft mit zur Reini­gung, Zuckerzeug,' Fette und schwere Speisen soll man nach Möglichkeit meiden. Ausgezei^net wirkt dagegen frisches Gemüse und vor allem Obst. Es hat eine vorzügliche Wirkung auf das Blut und die Ver­dauung und hierdurch auf das Ausseb-n. Vieles Stillsitzen ist gesundheitsschädigend. Ist man ge­zwungen, viel zu sitzen, mache man sich anschlie­ßend soviel Bewegung in frischer Luft, wie es mög­lich ist, mache weite Wanderungen, wobei man sich bemüht, regelmäßig und tief zu atmen. Auch ver­säume man es nie, jeden Tag ein wenig Gymnastik ui treiben und feien es auch nur fünf Ministen am Morgen beim Ankleiden. Beachtet man diese Re- gefn, erringt und bewahrt man sich seine Gesundheit und damit seine Schönheit.

wettevbevicht

Die Hauptmasse des skandinavischen Ho^druck- gebietes hat sich westwärts verlagert, so daß jetzt eine allmähliche Umgestaltung der Großwetterlage wahrscheinlich wird. Da jedoch vorläufig das er­hebliche nord-südliche Druckgefälle erhalten bleibt, so ist eine Aenderung des rauhen und unfreund" lichen Wintercharakters bei uns vorläufig noch nicht zu erwarten, da die Zufuhr kalter Luftmasten aus Osten sich fortsetzt. Wahrscheinlich werden sich aber stärkere Randstörunoen des südeuropäischen Tiefdruckgebiets über dem Kontinent ausbilden kön­nen. wodurch die Neigung zu Schneefällen sich ver­stärken dürfte. Vorhersage bis Montag abend: Wolkig, zeitweise auch bedeckt, Neigung zu Schnee­fällen, sich etwas verstärkende, rauhe nördliche und östliche Wi"ds, Frost. Wittevungsanssichten für Dienstag: Bei sich langsam abschwächender Luft­bewegung, zunächst noch Fortdauer des bestehenden Witterungscharakters.

LandSvers &an<m.

bBruchköbel, 8.Mürz. Elternabend. Wenn heute versucht wird, schon in der Grundschule durch neue Lehrmethoden und andere Hilfsmittel die Lehrer und Kinder einander näherzubringen tmb

...............................Will

Was nennen Sie sparen?

Sie können nicht sparen wollen und dabei Waschmittel mit scharfen Zusätzen verwenden, die Ihre gute Wäsche zerstören. Sparen heißt: Mit reiner Seife grünbl. aber schonend waschen.

Naumann's weiße Kernseife

ist besonders rein und mild, schäum- und waschbräftig: eine Haushallseife ganz nach dem Herzen der Hausjraul

Pat ans Oudec

Ene kleine Geschichte von Kurl Miethke.

o Der Ire Pat war nach Amerika ausgewandert. Zuerst ging es ihm schlecht. Da hörte er von dem Polizeimajor Flannigan, der auch aus Irland stammte und nicht nur das, sogar aus Dudec, dem Heimatdorf Pats. Pat machte sich sofort aus die Strümpfe, und der Polizeimajor Flannigan erkun­digte sich freundlich bei chm nach dem Pastor Williams, der aber schon zwanzig Jahre tot war.

Ja, und dann wollte ich mal fragen", sagte Pat,ob ich bei Ihnen als einem alten Landsmann nicht einen Posten oder auch nur ein Pöstchen krie­gen könnte, wie?"

Na, ich werde Sie empfehlen, kommen Sie in vierzehn Tagen wieder."

Als Pat wiederkam, legte ihm der Major einen Vertrag vor, demzufolge Pat sich verpflichten sollte, eine einjährige Ausbildungszeit als Verkehrspolizist von Newyork durchzumachen, dann würde er An­stellung finden.

Unterschreiben Sie das bitte!" sagte Flanni­gan.

Haha", lachte Pat,das finde ich komisch. Ich soll das unterschreiben, wo ich doch überhaupt nicht schreiben kann!"

Wie?" sagte da Flannigan böse,Sie können nicht mal schreiben? Lieber Freund, dann tut es mir leid, aber dann haben Sie keine Aussicht auf Anstellung."

Schöne Schweinerei!" sagte Pat.Und was soll ich nun machen? Mein Geld ist zu Ende."

Flannigan entnahm seiner Brieftasche fünf Dollar und gab sie Pat. Der bedankte sich. Und vertrank in der nächsten Flüsterstube einen Dollar.

Mit dem A'kohol aber überkam ihn die Arbeits­wut. Er ging hin und kaufte für die restlichen vier Dollar Kaugummi. Eine ganze Kiste voll. Und be­gab sich zum Futzbollwèttkampf OhioMaßachu- setts, der an jenem Nachmittag in Newyork itatt- fand.

Er verkaufte die ganze Kiste Kaugummi unb er» hielt dafür acht Dollar. Am nächsten Nachmittag ging er mit zwei Kisten Kaugummi zu dem Box­kampf. der ganz Newvork aufregte. Und verkaufte die beiden Kisten für sechzehn Dollar.

Kauft dafür vier Kisten. Verdiente damit zwei- unddreißig Dollar.

Kaufte dafür acht Kisten und stellte einen Arbeits­losen ein Nach zwei Wochen mußte er schon einen zweiten dazu nehmen. Nach einem halben Jahre hatte er einen großen Kaugummivertrieb, der sich über die sämtlichen Städte des Staates Newyork erstreckte. Nach zwei Jahren beherrschte er den Kau­gummihandel ganz Nordamerikas. Nach drei Jahren fabrizierte er selbst Kaugummi. Nach vier Jahren nannte man ihn den Kaugummi-Großherzog.

Und dann begab er sich eines Tages zu dem Bankmagnaten Feller und sagte:Ich habe zehn Millionen Dollar flüssig, wie kann ich die am besten anlegen?"

Feller dachte ein bißchen nach, dann schlug er ihm eine gescheite Anlage des Geldes vor und dik­tierte gleich einen entsprechenden Vertrag.

Den Vertrag legt er Pat vor und sagte:Unter­schreiben Sie bitte hier."

Da lachte Pat und erwiderte:Haha, ich kann ja garnicht schreiben!"

Feller war platt.Denken Sie mal", sagte er, was aus Ihnen hätte werden können, wenn Sie nun auch noch die nötige Schulbildung gehabt hätten!"

Das weiß ich ganz genau", grinste Pat,dann wäre ich Verkehrspolizist geworden und wäre es heute immer noch!"

o 3. Kammermusikabend Liny Stübing. Wir verweisen noch einmal auf den heute abend in der Stadthalle stattfindenden Kammermusikabend (Mozart-Abend) von Liny Stübing, unter Mit­wirkung erster Frankfurter Künstler. Beginn 8 Uhr. Karten sind noch an der Abendkasse zu haben.

o Vortragszyklus von Theaterdirektor a. D. Joh. Poetsch. Im Saale des Mozart-Konservatoriums führte am Donnerstag Direktor Poetsch seinen Zyklus:Dramendichter der klassischen Zeit" mit der Betrachtung Shakespeares zu Ende. Er entwarf ein fesselndes Bild der Persönlichkeit des großen Briten, dessen Schaffen von nachhaltigstem Ein­fluß auf die dramatische Produktion älter Kultur­völker gewesen. Wie zu feiner Zeit, rücke die heutige Stilbühne Wort und Inhalt an erste Stelle, während das Szenische, wenn auch nicht in der damaligen 1 primitiven Art aus Andeutung beschränkt, auf das

Einfachste zurückgedrängt werde. Leider falle man dabei häufig in ebn lächerliches Extrem und es komme zu bedenklichen Entgleisungen. Der Vortragende verlebendigte wiederum seine Ausführungen durch Rezitationen u, a. ausRichard III." undJulius Cäsar". Aus letzterem die große Rede des Marc Anton an der Bahre des Ermordeten. Die ganze Szene erstand packend vor dem geistigen Auge. Nicht viele Schauspieler verfügen heute über eine solche Organschulung. Wie nötig aber ist sie für das klas­sische Drama! Dieses seiner Vernachlässigung zu entziehen und es in vollem Umfange der Bühne zu­rückzugewinnen, dazu wandte sich Redner an die andächtig lauschende Zuhörerschaft möge jeder nach Kräften beitragen. Lebhafter Beifall dankte für den interessanten Abend.

o Stadttheaker. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Morgen Dienstag, abends 8 Uhr ge­langt als 25 Vorstellung im Dienstag-Abonnement zum ersten Male die NeuheitVoruntersuchung", Schauspiel in 5 Akten von Max Alsberg und Otto Ernst Hesse zur Aufführung. Ein Zeitstück? Zum Teil mag das zutreffen. Jedenfalls eins, das turmhoch über jenen Zeitstücken steht, in denen unter dem Vorwand, an das Gerechtigkeitsgefühl zu appellie­ren, ein die Staatsautorität schädigender Kampf ge­gen die Rechtspflege geführt wird. Nach den einsei­tigen politischen Tendenzstücken eine Genugtuung für den Gedanken der autorativen Gerechtigkeit. Je­der einzelne ist ein Mensch von Fleisch und Blut, ein Opfer des Schicksals, das diesenKriminalfall" aus der Sphäre des Kriminellen heraushebt und in die Sphäre des Menschlichen rückt. Die Spannung wird bis in die letzte Szene in einer Weise aufrecht­erhalten, daß der Theaterbesucher bis dahin im Dun­keln tappt und durch diese schließliche Aufklärung gewiß überrascht wird. Am Mittwoch, abends 7.30 Uhr wird als 25. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement die erfolgreichste Opereten-Neuheit Das Spielzeug Ihrer Majestät", Operette in drei Akten von Joses Königsberger wiederholt. Diese Operetten-Novität hatte sich auch an unserer Bühne eines durchschlagenden Erfolges zu erfreuen, so daß wir auf den Besuch besonders empfehlend Hinweisen können.

o Schauerromane in Front. Der englische Ver­lagsbuchhandel kündigt, wie dieLiterarische Welt" mitteilt, für bas Frühjahr die Herausgabe von über 4000 neuen Büchern an. Es lohnt sich, diese er«

scheinenden und angekündigten Bücher einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Die stärksten Wellen in dieser Bücherflut schlagen wieder die sogenannten Thriller", die Schauerromane, dann die biographi­schen Romane und Blographien und, last not least, die Uebersetzungen deutscher Autoren. Bei den Schauer- und Kriminalromanen sind es noch immer die alten Autoren, die alten Schablonen und ftero» typen Verwicklungen und Lösungen, die einem ge­boten werden. In der Memoirenliteratur finden wir vor allem die Feldherren des Weltkrieges und lebende und tote Minister und Ministerpräsidenten vertreten. Die unverhältnismäßig große Anzahl von Uebersetzungen deutscher Werke beweist ein erhöhtes Interesse der Engländer nicht nur für deutsche Literatur, sondern auch für Deutschland überhaupt. Das beweisen vor allem mehrere Bücher, die Eng­land den deutschen Zuständen näher bringen sollen.

Theater- Spielpläne

Stadttheaker Hanau. Dienstag, 10. März, 20: Voruntersuchung"; Mittwoch, 11. März, 19.30: Das Spielzeug Ihrer Majestät"; Freitag, 13. März, 19.30:Marie, die Tochter des Regiments"; Sams­tag, 14. März, 19.30:Das Land des Lächelns"; Sonntag, 15. März, 19.30:Das öffentliche Aerger- nis".

Frankfurter Opernhaus. Montag, 9. März, 19.30: Der Bettelstudent"; Dienstag, 10. März, 19.30: Der fliegende Holländer"; Mittwoch, 11. März, 19.30:Zar und Zimmermann"; Donnerstag, 12. März, 19.30:Die Boheme"; Samstag, 14. März, 19.30:Cavalleria rufticana" undBajazzo", Sonn­tag, 15. März, 17.30:Die Meistersinger von Nürn­berg".

Frankfurter Schauspielhaus. Montag, 9. März, 20:Phaea"; Dienstag, 10. März, 20:Clavigo , Mittwoch, 11. März, 20:Rotation"; Donnerstag, 12. März, 20:Viel Lärm um nichts"; Freitag, 13. März, 20:Tartüff"; Samstag, 14. März, 20: Rotation"; Sonntag, 15. März, 15.30:Grand Hotel", 20:Phaea".

Neues Theater Frankfurt. Montag, 9. März. 20: Die Matrosen von Catarro"; Dienstag, 10., Mitt­woch, 11., Donnerstaa. 12., Freitag, 13. März je­weils 20: Mady Christians inCocktail"; Samstag, 14. März. 20:Haus Rothschild"; Sonntag, 15- März, 15.30:Das häßliche Mädchen", 20;Haus Rothschild",