Selke 2
Montag den S. März 1931
Nr. 5?
Dev âamlev au die GiudeuLeu
Gegen Berechttgungsu-nwesen und Radikalisierung
Berlin, 8. März. Daz Deutsche Studenten- merk e. B., die frühere Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft, feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß fand am Sonntag im Plenarsaal des Reichstags eine Kundgebung statt, bei der Reichs kanzler Dr. Brüning die Rede hielt. Der Reichskanzler verlas zu Beginn seiner Ansprache einen Brief des Reichspräsidenten, der dem Studenten- werk die Anerkennung der sozialen Verdienste aussprach.
Der Reichskanzler schloß sich namens der Reichsregierung den Glückwünschen des Reichspräsidenten an und erinnerte daran, daß er selbst vor elf Jahren in dem Kreise stand, der das studentische Selbst- Hilfewerk vorbereitete und schuf. Aus kleinen Anfängen sei in zehn Jahren ein großes Werk gewachsen. Es entstand, so führte Dr. Brüning weiter aus, aus der Not der ersten Nachkriegszeit. Heute ist eine neue Not wie eine Sturmflut über Deutschland hereingebrochen. Die Weltkrise trifft das geschwächte und vorbelastete Deutschland allein mit ihrer ganzen Schwere. Die Folge ist die Ueber« füllung aller Berufe.
Arbeitslosigkeit ist immer ein ernstes und schweres Los. Ganz besonders verhängnisvoll ist sie aber für die Jugend, die voll von Tatendrang überall auf verschloßene Türen stößt. Die Not der Jugend ist die große Tragik der deutschen Gegenwart. Unter den Möglichkeiten der Hilfe für die Jugend steht in erster Linie der Kampf gegen das Berechtigungsunwesen. Es ist ein Unding und der Ausdruck einer ungesunden Ueber ia.-gwng des intellktuellen Wissens. wenn für im» mer neue Berufe höhere oder gar tzockschulbildung verlangt wird. Ich richte hier mit größtem Nach- druck an alle amtlichen Stellen und an die Führer des Wirtschaftslebens den stärksten Appell, die jungen Menschen auch ohste Berechtigungsscheine nach ihren charakterlichen und praktischen Fähigkeiten in das tätige Lagen einzuführen und ihnen durch ihre Bs^^runa Aufstiegsmöglichkeiten zu geben.
In der Ueberfyllung der Berufe liegt einer der Gründe für den Radikalismus. Die deutschen Hochschulen können nur blühen in einer Atmosphäre, die von agitatorischen Ausschreitungen frei sind. Das würde die Folge sein, wenn Deutschland sich einem Radikalismus in die Arme werfen würde? Jedesmal, wenn scheinbar im Augenblick unlösbare Schwierigkeiten vorhanden sind, sucht man eine Rettung in dem vagen Begriff der Diktatur. Das ist nichts Neues. Schon vor bald 40 Jahren hat Fürst Bismarck warnende Worte nach dieser Rich- hing hin vor Studenten gesprochen. Mag auch die materielle Not der Nachkriegszeit in anderen Ländern groß sein, viel schlimmer aber ist die seelische Not einer Generation, die infolge der Bedrängnisse des vergangene« Jahrzehnts den Glauben an eine vernünftige und gerechte Ordnung der Welt zu verlieren beginnt.
Leider besteht in der gesamten Welt wenig Verständnis dafür, was es für eine Nation bedeutet, wes« sie sich für zwei Menschenalter mit schweren Kriegstributen belastet fühlt, wenn deutsches Land vom lebendigen Körper d ë sN èich es' getre nnt,"d euk-" schöS"Dolkstum mißhandelt und unterdrückt wird und die ethischen Voraussetzungen für die Einleitung von Verhandlungen, die im Versailler Vertrag begründet sind, nirgendwo erfüllt sind. Heroische Anforderungen müssen an die sittliche Kraft einer Heranwachsenden Generation gestellt werden, wenn sie gegenüber solchen Tatsachen und Enttäuschungen nicht der Hoffnungslosigkeit verfallen soll, wenn sie Verständnis aufbringen soll für eine Politik, die nur schrittweise die Erfüllung unserer gerechten Forderungen bringen kann.
Das Studentenwerk bewahrt und nenn altes ein Erbe, das die Kriegsteilnehmergeneration schuf. Die Kriegstellnehmer brachten das Erlebnis mit, daß es keine Stände gibt und die besten Führer der damaligen studentischen Generation waren von dem Glauben durchdrungen, daß dieses Fronterlebnis der Gemeinschaft für alle Zukunft als Grundstock der neuen Einheit Deutschlands erhalten bleiben müsse. Das Werk hat diese Tradition bewahrt. Der Geist der Gründer gibt ein Vorbild für unsere Zerspaltene Zeit. „Halten Sie," so schloß der Reichskanzler, „fest an diesem unersetzlichen Gut, um so die sittliche Grundlage für einen sicheren Aufstieg unseres Vaterlandes zu schaffen."
StekEsiassSMise
Berlin, 7. März. In der heutigen Reichstags- fitzung steht die zweite Beratung des Haushaltes des Reichstages zur Debatte.
Die Aufwandsentschädigungen für die Reichs- tagsabgeordneten betragen mehr als 4 Millionen RM. Der Präsident des Reichstages erhielt bisher Aufwandsgelder, die das Vierfache der Aufwandsentschädigungen der Abgeordneten aus- ma^en. Er soll von jetzt an nur noch den doppele« Betrag erhallen. Neu angefordert werden für das Neubeziehen der Sessel im Sitzungssaal des Reichs- rates 8000 RM. Die Wirstchaftspartei beantragt, diesen Betrag auf 10000 RM zu erhöhen und den Mehrbetrag den Summen zu entnehmen, die durch Abwe'o-^-st von Abgeordneten eingespart werden. Dieser Antrag wird angenommen und der Haushalt bewilligt.
Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes über die Entscködtgung der gewerbsmäßige« Stellenvermittler. Der Ausschuß' hat die Regierungsvorlage vollständig umgestaltet und im S'nne volksparteilicher Anträge bestimmt, daß die Stellenvermittler für Haus- und Gastwirtspersonal die Wahl haben, ob sie den Betrieb bis zum Lebensende des Inhabers f„rtführen oder den Betrieb gegen Entschädigung aufgeben wollen. Die Abstimmung wird vertagt.
Ohne Debatte wird dann das Zusatzabkommen zum deutsch-französischen Handksabkommen in zweiter und dritter Beratung angenommen.
Das Haus vertagt sich auf Donnerstag: Zweite Beratung des Haushaltes des Reichsarbeits- ministeriums.
Die «vSmmtsen im MMchMÄMNMNö
Berlin, 8. März. Der Bundesvorstand des Reichslandbundes wird am Dienstag dieser Woche hier eine Sitzung haben, in der vor allem die politischen Strömungen erörtert werden sollen, die zurzeit
Stegerwald untersuchte einleitend die großen weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Veränderungen, die seit Ausbruch des Krieges festzustellen sind, und erklärte, daß
die letzten und tiefsten Sonderursachen der deutsche« Wirtschaftskrise neben der Reparationsfrage in dem mangelnden Vertraue« in Staal und Wirtschaft, in der großen Kapikalnok und in den zu hohen Abgabe« an die öffentliche Hand zu suchen
seien. Erste Voraussetzung für die Milderung der deutsche« Wirtschaftskrisis ist, so fuhr der Minister fort, das in vielen Jahren verwirtschaftete Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Wir sind immer von einem Extrem ins andere getaumelt. Beim Ruhreinbruch und bei der darauffolgende« Hochinflation herrschte große Resignation. Von 1924 bis 1929 haben wir vor lauten Halleluja vergessen, daß wir den größten aller Kriege verloren haben. Breite Volksschichten haben sich eine Lebenshaltung angewöhnt, die in starkem Gegensatz zu der Tatsache steht, datz wir durch Krieg und Inflation 150 Milliarden^ Mark ober nahezu die Hälfte unseres Dolksvevmögens der Vorkriegszeit verloren haben. In Reich, Ländern und Gemeinden wurde darauf losgewirtschaftet. Man hat sich bei den Ausgaben nicht nach den Einnahmen gerichtet, sondern umge« kehrt gehandelt.. Mit Radikalismus, Romantik, Illusion und Gejammer ist den Dingen nicht beizu- kammen. Auch die Privatwirtschaft hat der öffentlichen Wirtschaft im allgemeinen nicht viel vorzuwerfen.
Unsere Wirtschaft befindet sich weitgehend in einem Zustand der Ueberorgamsatio« und der Desorganisation.
Vielfach sind es die gleichen Kreise, die unwirftchast- liche Preisbindungen und hohe Zölle für fanz in Ordnung haltsn. die aber gleichzeitig München, daß man bei 5 Millionen Arbeitslosen die «ensckliche Arbeitskraft dem freien Spiel der Kräfte überantwortet. Die Landwirtschaft verkauft jährlich Güter im Werte von rund 10 Milliarden RM, der letzte Verbraucher zahlt dafür etwa 20 Milliarden RM oder 100 Proz. mehr. In andere« wirtschaftlich gut durchorganisierten Ländern zahlt der letzte Verbraucher
etwa 25 Prozent mehr als der Er
zeuger erhält. Vor dem Kriege entfielen an Hand von Feststellungen des Instituts für Konjunktur, konchung einem ~ Warengüt Werte von ' Mark 70 Mark auf die Produktion und 30 Mark auf die Verteilung. Heute entfallen 57 RM auf die Produktion und 43 RM auf die Berteilung. Diese Verschiebung von 13 Prozent bedeutet etwa 5 bis 6 Milliarden RM. Dieser Betrag wieder in der Produktion angesetzt, bedeutet, weil die Produktion sehr viel mehr Menschen braucht als die Warenverteilung, 1 bis 1% Millionen mehr beschäftigte Menschen, bedeutet Verminderung von Kapitalfehlinvestierungen, bedeutet vergrößerten Lebensraum für die produktiv tätigen Menschen.
Auch über die Lohnsrage herrscht heute die größte Verwirrung.
Man redet heute vielfach über Reallohn, ohne zu durchdenken, daß bei 5 Millionen Arbeitslosen individueller Reallohn und korporativer Reallohn, das heißt der Lohn, der an die Arbeitnehmer im Ganzen bezahü wird, nicht ein und derselbe sind. Auch kommt es nicht auf den Stundenlohn als vielmehr darauf an, was die Arbeiter und Angestellten an Monats- bezw. Jahreslohn erhalten. Dann ist entscheidend, was man sich vom Jahreslohn kaufen kann. Es ist noch gar nicht lange her, daß alle Deutschen MAiardäre und Billionäre waren und sich trotzdem mit ihren Milliarden und Billionen nur die kärglichste Lebenshaltung leisten konnten.
in dem gesamten Reichslandbund sich gellend machen. Im Präsidium vertreten besonders der 1. Vorsitzende Graf K a l ck r e u t h und der 2. Vorsitzende Bethge, die zu den Nationalsozialisten hin drängende Richtung. Diese Bestrebungen sind besonders deullich in der Tagung des Reichslandbundes im Zirkus Busch zutage getreten. Das dritte Mitglied des Präsidiums, der Reichstagsabgeordnete Lind- Niederissigheim, hat bisher allen Versuchen, ihn in das einseitig parteipolitische Fahrwasser hinüberzuziehen, erfolgreich widerstanden. Es ist jedock bekannt geworden, daß in der allerletzten Zell sich diese Versuche im Hinblick auf die bevorstehende Vorstandssitzung wesentlich verstärkt haben. Innerhalb der Organisation des Landbundes ist eine gewisse regionale Klärung festzustellen, die wohl auch auf der Bundesvorstandssitzung zum Ausdruck kommen wird. Die süd- und westdeutschen Organisationen des Landvolkes haben sich im wesentlichen für die vom Reichs- ernährungsminister Schiele vertretene Richtung entschieden, die ihre Aufgabe darin sieht, durch Mitarbeit und Mitverantwortung in Regierung und Parlament den Interessen der Landwirtschaft zu dienen. Die östlichen Organisationen stehen dagegen unter dem Einfluß der Nationalsozialisten und in der Opposition zur Regierung und bekämpfen alles, was von Regierungsseite für die Landwirtschaft getan wird, als ungenügend und unzulänglich. Wie die Kräfteverteilung innerhalb des Bundesvorstands sein wird, läßt sich nicht mit Bestimmtheit erkennen. In eingeweihten Kreisen rechnet man zunächst damit, daß sich die beiden Kräfte etwa die Waage halten werden, so daß es also zu einem starken und erbitterten Ringen um die Richtung des Gesamtlandbundes kommen müßte. Angesichts dieses Gleichgewichts der Kräfte wird auch die Vermutung ausgesprochen, daß die unterliegenbe, ohne Zweifel starke Minder, heit sich von der geringen Mebrheit nicht unterdrücken lassen, gegebenenfalls eigene Wege gehen werde.
Der Kamsk arge« die WirttOaKSnot Eine Kode «tegovwaidS über tVirikMaftskvike und Massenarbeitslosigkeit
Münster, 8. März. Die christlichen Gewerkschaften und die konfessionellen Arbeitervereine hatten hier heute eine gewaltige Kundgebung. Ueber 5000 Personen nahmen daran teil. Nach Begrüßungsansprachen ergriff Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald das Wort zu einer Rede über die gegenwärtige W irtschaftskrife und Massenarbeitslosigkeit und über die Möglichkeiten zu ihrer Zurückdräng ung und Milderung.
In dieses Chaos suchte das Sanierungsprogramm der Reichsregierung allmählich Ordnung hineinzubringen. Dieses Programm ging von drei ganz einfachen Erwägungen aus: Erstens müssen die Etats des Reiches, der Länder und Gemeinden unter allen Umständen in Ordnung gebracht werden. Das ist im Augenblick nicht mehr möglich durch eine Erhöhung der Einnahmen. Mithin muß es durch Ausgabenkürzungen geschehen. Neue Steuern bedeuten nicht mehr Erhöhung der Einnahmen, sondern lediglich Vermehrung der Arbeitslosigkeit. Die zweite Erwägung war: die deutsche Ausfuhr muß nachdrücklichst gefestigt und konsolidiert werden. Sonst kommen wir in eine immer größere Versklavung gegenüber dem Ausland, und in dieser Verfassung bekommen wir nie eine erträgliche Gesamtbereinigung des Krieges. Mit Lamentieren und nationalsozialistischen Methoden erreichen wir dieses Ziel bestimmt nicht. Die dritte Erwägung war: wir müssen im ganzen nachdrücklichst auf eine Senkung der Gestehungskosten Hinsteuern, wir müssen auch über die überspitzte Leihkapitalperiode hinweg. Wir werden nicht darum herumkommen,
de« Unkernehmungea einige Jahre Schonzeit zur eigenen Kapitalbildung zu geben. Wenn wir das nicht machen, werden wir selbst bei den geringsten Anlässen aus den ständigen Krisenerscheinungen nicht herauskommen.
Neben der Wiederherstellung des Vertrauens zu Staat und Wirtschaft ist eine planmäßig gepflegte Kreditpolitik das Gebot der Stunde. Geld ist an sich in Deutschland da. Was fehlt, ist Kapital, ist Geld für langfristige Anleihen zu einem erträglichen Zinsfuß umzuwandeln, ist zu 90 Prozent eine Vertrauensfrage. Daneben ist für eine künftige Kreditpolitik und eine ausreichende Neukapitalbildung entscheidend
die Verringerung der gegenwärtigen Belastung der Wirtschaft. Ein Teil der lleberlaftung muß beseitigt, ein anderer Teil vermittels langfristiger Kreditpolitik auf künftige Generationen ab- gswälzt werden.
Es ist eine Illusion, daran zu glauben, daß in Deutschland in kurzer Zell anstelle des privatkapitalistischen Wirtschaftssystems ein anderes Wirtschaftssystem gesetzt werden könne. In Rußland liegen die Dinge einfach. Dort leben 85 Prozent der Bevölkerung auf dem Lande oder in Landstadtchen. Ruß- koMM iWB M SeutfcManb dünn bevölkert^
Rußland ist noch kein hochentwickeltes Industrie- und Kulturland. Dort ist die Einführung des kommunistischen Regimes im Vergleich zu Deutschland eine verhältnismäßig einfache Sache. In Deutschland leben 75 Prozent der Bevölkerung von Industrie, Gewerbe, Handel und Verkehr. Deutschland ist im Gegensatz zu Rußland außerordentlich stark mit der Weltwirtschaft verstrickt usw.
Wenn aber in Deutschland in absehbarer Zeit anstelle des privatkapitalistischen Wirtschaftssystems kein anderes Wirtschaftssystem gesetzt werden kann, dann hat es auch keinen Zweck, daß sich Arbeitgeber und Arbeiter ständig als zwei feindliche Heerlager gegenüberstehen.
Wir werden bestimmt auch die jetzigen Schwierigkeiten überwinden. Wir müssen insbesondere in dem Krisenjahr 1931 alle Kräfte straffen und zusammenfassen. Mit Wahrheit, Klarheit und sittlichem Ernst werden und müssen wieder die Grundlagen geschaffen werden für die Gesundung von Volk und Staat. Dieses sind auch die ersten Voraussetzungen für eine gefestigte Stellung und für den Emanzipationskampf der deutschen Arbeiterschaft: sie und die deutsche Jugend haben noch eine Well vor sich, die sie neu gestalten müssen.
Die Versammlung spendete dem Reichsarbeitsminister, der im Münsterland als Reichstagsabgeordneter gewählt ist, lebhaften Beifall.
KE den «stlswmtds»!
Berlin, 7. März. Unter dem Mahnruf „Not, bitttre Not liegt über dem deutsche« Volk!" veröffentlicht die Deutche Liga der freien Wohlfahrtspflege einen Aufruf, worin es u. a. heißt: Hunger unb Entbehrung gefährden wieder wie in den Schreckensjahren der Inflation die Gesundheit von Erwachsenen und besonders von Kindern. Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Beamte und Angestellte und freie Berufe, alle sind von den Folgen der wirtfchaftichen Krise erfaßt. Trotzdem richten wir unseren Ruf an alle: Helft mit eurer Kraft die Not zu überwinden! Denkt an die besondere Not der Kinder und Jugendlichen, der Kinder, die zum erstenmal seit den Zeiten her Inflation wieder Merl male schwerer Unterernährung und Rachitis zeigen. Sorgt für Arbeit und Beschäftigung auch im kleinen! Helft mit, eine mächtige Welle der Hllfsdereitschaft, der Selbsthilfe durch das ganze deutsche Volk zu wecken! Keiner darf sich ausschließen!
Die Deutsche Liga der freien Wohlfahrtspflege: Zentralausschuß für die innere Mission der deutschen evangelischen Kirche. Deutscher Karitasverband. Zcmtralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Deutsches Rotes Kreuz. Fünfter Wohlfahrtsverband. Christliche ArbeiterhUfe.
Die Reichsregierung unterstützt diesen Aufruf mit folgenden Worten: „Aus der Not der Zeit durch helfende Liebe zu neuem Aufftieg! Hilfsbereitschaft ist vaterländische Pflicht und Dienst am Volkstum. Wer helfen kann, muff helfen.
Für die Reichsregierung:
Dr. Brüning, Reichskanzler.
Ein SOvoibs« Selbe Weingartners an Laval
Basel, 8. März. Felix Weingartners stellt der Baseler Presse einen Brief Mr Verfügung, den er am 7. März an den französischen Mini, fterpräfibenten Laval gerichtet hat und in dem er zur Absage der von ihm zu dirigierenden Pasdeloup-Konzerte Stellung nimmt. In diesem Schreiben heißt es u. a.: „Ich habe das Manifest der 93" im Jahre 1914 unterzeichnet, meine Unterschrift aber im Jahre 1917, also noch während des Krieges, öffentlich zurückgezogen, als ich meine Ueberzeugung mit dem Inhalte des Manifestes nicht mehr vereinen konnte. Das Ritterkreuz der Ehrenlegion habe ich nie zurückgesandt, sondern bewahre es noch heute. Aber auch, wenn diese letzte Anschuldigung wahr wäre, und wenn ich meine Unterschrift nicht zurückgezogen hätte, wäre es ganz unangebracht, daß man heute, wo so viel von Versöhnung und von An- nährung der Völker geschrieben und gesprochen wird, eine verjährte Verfehlung des Weltkrieges herauszieht. Einen Künstler meines Namens aber, der für die französische Kunst stets eingetrete« ist, in solcher Weise zu behandeln, wie es jetzt geschehen ist, kann nur mit einem Ausdruck beurteilt werden, den in diesem Briefe zu gebrauchen mich lediglich die Hochachtung abhält, die ich für Euer Exzellenz empfinde.
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2éon Blum schreibt im „Populaire" zu den Verbotsmaßnahmen: Wenn die französische Regierung mit derartigen Ausnahme-Maßnahmen vorgehe, unterstütze sie die nationalistische Presse. Wohin käme man, wenn Meinungen, Worte und Ziele aus der Kriegszeit heute noch maßgebend sein sollen. Jeder Friede sei eine gegenseitige Amnestie, wenn man das nicht berücksichtige, werde man weiter Haß säen und den Revanchegedanken pflegen. Keine Annäherung sei unter diesen Umständen möglich. Das ist es aber, was die französischen Nationalisten wollen. Will das aber auch die französische Regierung?
RuMkch-tüvWOs M- SsrMndig«»«
Angora, 8. März. Der türkische Minister des Aeußern und der Botschafter der Sowjetunion haben über die Beschränkung der Flottenrüstung auf dem Schwarzen Meere heute hier folgendes Protokoll unterzeichnet:
Die beiden hohen vertragschließenden Parteien, die sich von den wesentlichen Grundsätzen des Vertrages vom 17. Dezember 1925 und des Protokolls vom 17. Dezember 1929 leiten lassen und eine Festigung der friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen untereinander erstreben, sind fest davon überzeugt, daß die einzige sichere Garantie für einen dauerhaften Frieden in einer tatsächlichen Herabsetzung aller Arten von Rüstungen besteht. Da sie unerschütterlich bestrebt sind, ihre Bemühungen für die Durchführung einer allgemeinen Rüstungsherabsetzung auch in Zukunft fortzusetzen, hielten sie es, um einen neuen Beweis des so glücklich zwischen den beiden Ländern hergestellten gegenseitigen Vertrauens zu geben, für wünschenswert, Stritte I 2 des Prrüoföllsvom 17 Dezember 1926 gegenseitige Verpflichtung zu ergänzen:
Keine der hohen vertragschließenden Parteien wird irgendein Kampsschiss, das zur Verstärkung ihrer .Flotte auf dem Schwarzen Meer oder auf be- nachbarlen Meeren bestimmt wäre, auf Stapel legen, noch ein derartiges Schift bei fremden Werften in Auftrag geben, noch sonst irgendeine Maßnahme ergreifen, welche den gegenwärtigen Bestand ihrer Kriegsflotte auf den genannten Meeren verstärken würde, ohne dis Gegenpartei sechs Monate vorher davon in Kenntnis zu sehen. Das gegenwärtige Zusahproiokoll bedarf der Ratifizierung und wird bann zu einem wesentlichen Bestandteil des Protokolls von 17. Dezember 1929.
AsOLVMM iw Geiue m VaM
- V?^6» 8. März. Trotz des Frostwetters, das fett Tagen in Nordfrankreich herrscht, ist die Seine im eonntag in beängstigendem Maße weiter ge» ttegen. An der Pariser Austerlitz-Brücke wurde am Vormittag der 5-Meter-Stand weit überschritt
9'^ Montag kündigt der Wasserdienst einen Höchststand von 5,45 Meter an. Da das Hochwasser )er Nebenflüsse seit Samstag aber im Abnehmen begriffen ist, glaubt man den Gefahrenpunkt überwunden zu haben. In gewissen Vororten von Paris ist der durch die Überschwemmung angerichtete Schaden ungeheuer. Allein in dem Städtchen Viry-Chatillon sind 7000 Menschen ohne Unter» fünft. Truppenabteilungen sind zur Hilfeleistung herangezogen worden. Die Soldaten bemühen sich.
v Zu rettenden Wohnungseinrichtungen, Viehbestände und so weiter in Sicherheit zu bringen.
Sie Stimmung im Ueberschwemmungsgebiet sist außerordentlich erregt, da d e Einwohner in den letzte" neun Monaten zum fünften Mal von der Hochwasserkatastrophe heimgesucht werden, ohne daß der Staat auf die zahllosen dringenden Ein- . gaben zur Linderung der Not reagiert hat. Die heimgesuchte Bevölkerung will sich in ihrer Verzweiflung nicht mehr mit Worten abspeifen lassen und verlangt dringend Lebensmittel, Wäsche, Stroh und Rettungsfahrzeuge. Auf die dringenden Hilferufe stattete der Seine-Präfekt den besonders schwer notleidenden Gemeinden einen Besuch ab und stellte sofortige Unterstützung in Aussicht.
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Berlin, 9. März. Ein Berliner Kraft- wagen, in dem sich vier Personen, zwei Mânnek und zwei Frauen, befanden, wurde am Sonntag nachmittag in der Nähe Genthins von einem Kleinbahnzug der Strecke Genthin—-Jerichow- Schönhausen an einem ungeschützten Bahnübergang erfaßt und zermalmt. Die vier Insassen des Wagens, alle Berliner, wurden schwer verletzt unb mußte« in bedenklichem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo sie sofort operiert mürben. Bei dreien von ihnen besteht Lebensgefahr.
Die Genthiner Polizei hat sofort eine Untersuchung zur Klärung der Schuldfrage eingeleitet. Nach übereinstimmenden Aussagen von Augenzeugen soll die Schuld den Lenker des Kraftwagens ' Der Lokomotivführer des Slelnbahnzuges hat vorschriftsmäßig Glockensignal gegeben. Es scheint, daß der Chauffeur bei dem hoben Tempo die Signale der Lokomotive überhört hat.
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