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Nr. M

Samstag Sen 7. MSrz 1931

fette M

Die Flucht des Legionärs 6432

Von Avtuv Hildebrand

Der Verfasser diente fast vier Jahre in der französischen Fremdenlegion. Er erzählt im folgenden, wie er für die Fremdenlegion geworben wurde, schil­dert den Massentransport der Unglück­lichen nach Algier, ihre Verzweiflungs­ausbrüche und die Kämpfe gegen Araber in Marokko und gegen Bedu­inen in Syrien und schließlich seine Abenteuer bei den Fluchtversuchen, deren dritter ihn nach neunmonatiger Irrfahrt wieder in die Heimat gelangen ließ.

I.

Nach Kriegsende, zur Rätezeit, gelangte ich von der Front mit Truppenresten im November 1920 nach Breslau. Dort wurde mir und den ledigen Kameraden vom Arbeitsamt Beschäftigung im be­setzten Gebiet zugewiesen. Bald schon transportierte man uns nach Landau in der Haardt. Nicht weniger als drei französische Firmen warben hier gleich aus dem Bahnhof Leute an. Naturgemäß wandten wir uns dem Agenten zu, der uns die günstigsten Be­dingungen in Aussicht stellte Täglich 35 Franken und freie Verpflegung sollten wir erhalten. Der Agent nahm uns mit in eine Wirtschaft und stellte zunächst fest, wer über französische Sprachkenntnisse verfügte. Wer sich meldete, wurde dann besonders fort gebracht. Uns anderen versprach er ebenfalls Arbeit zu verschaffen Es währte denn auch nicht lange, und man legte uns ein französisch abgefaßtes Schreiben vor, das ein Elsässer verdeutschte. Seinen Angaben nach sollten wir gleichfalls im besetzten Gebiete-Verwendung finden, 35 Franken täglich und freie Verpflegung sowie eine Prämie von 800 Fran­ken nach Ablauf eines jeden Jahres, in dem wir nicht krank geworden waren, erhalten. Doller Freude stellten wir uns zur Verfügung.

Sevsühvt und abtvansvovtievt

In einer Kaserne wurden wir dann auf Taug­lichkeit untersucht. Die Arbeitsfähigen erhielten das Geld für fünf Tage ausgezahlt. Es hieß, so lange würden mir unterwegs fein. Die Papiere wurden abgeliefert, die Verträge unterzeichnet. Abends um 10 Uhr ging der Transport — 40 Mann stark — gen Metz. Wir standen nunmehr unter französischem Schutz, der aber mehr eine Bewachung darstellte. Kein Zivilist durfte uns zu nahe kommen. -Man sagte, deutsche Kriminalbeamte würden versuchen, unter den Kameraden nach Verdächtigen zu fahn­den. Das wolle man verhindern. Keiner von uns ahnte, daß wir uns schon in den Händen von Agen­ten der Fremdenlegion befanden, denen natürlich eine Aufklärung über ihr wahres Gesicht recht un­willkommen gewesen tpäre. Auch während der Bahn­fahrt wurden wir eifrigst „benützt", doch nicht so, daß es sonderlich ausgefallen wäre.

Vom Bahnhof in Metz brachte man uns unter ^mMrifchep Bedeckung nach einem Fort. Dgrt Zer- schwand der bisherige Transportführer, jener Agent aus Landau, auf Nimmerwiedersehen. Seine Stelle nahm ein Sergeant-Major (französischer Feldwebel) ein. Kaum aber waren wir in dem Fort angelangt, so erschien ein Soldat mit einer Pserdeschere und be­gann, einem meiner Kameraden eine Kreuzbahn in das Haar zu schneiden. Wir verwahrten uns da­gegen, der Feldwebel jedoch erklärte in barschem Tone, wir hätten uns als Fremdenlegionäre der Disziplin zu unterwerfen. Wie Faustschläge trafen uns die Worte. Alles Sträuben aber half nichts. Bis aufs Hemd zog man uns aus, nahm uns alle Sachen und Papiere ab und gab uns alte französische Uni- sormstücke: fote Hose, blaue Jacke und Käppi. Dann wurden wir in einzelne Kasematten verteilt. Bei der Untersuchung am nächsten Tage sind alle, selbst die Syphilitiker, als tauglich befunden worden. Nun­mehr kleidete man uns felbqrau ein. Ich hatte von Kameraden gehört, daß man, wenn irgend möglich, seinen Namen ändern müsse, sonst sei später eine Flucht kaum zu bewerkstelligen. Also gab ich an, daß mein richtiger Name falsch kei, und nannte den fal­schen Namen Behringer als richtig. Unter ihm wurde ich dann auch geführt.

Etwa 14 Tage später brachte uns — mittlerweile hatte sich die Zahl auf 200 Mann erhöht — eine starke Bedeckung mit aufaepflan^tem Bajonett nach dem Bahnhof Für diese Wegstrecke war alles Sprechen verboten. Wer auch nur ein Wort sagte, wurde mit dem Gewehrkolben erbarmungslos nie« dergestreckt. In zwei bereit stehenden Wagen beför­derte man uns nach Marseille. An den Türen eines jeden Abteils saßen französische Schützen, das Sei­tengewehr in der Hand. Die Zivilisten im Zuge wußten Bescheid Sie bedauerten unser Los und versahen uns reichlich mit Lebensmitteln.

In Marseille ging es unter Musikbegleitung nach dem berüchtigten Fort Jean. Hier trafen von Straß­burg und zahlreichen anderen Orten immer neue Opfer ein. Als wir etwa 800 Mann waren, verstaute man uns in dem Laderaum des Dampfers. Nach der Ausfahrt spielten sich herzzereißende Szenen ab. Die jüngeren Leidensgefährten weinten und gebärdeten sich ebenso verzweifelt wie die älteren, die Frau und Kind in Deutschland gelassen hatten. Zwei Kame­raden sprangen über Bord und versanken. Wir fuh­ren mit Volldampf weiter.

Ln Marokko

In Dran durften wir zunächst nicht einlaufen, denn hier lag ein deutsches Schiff. Erst als dieses den Hasen verlassen hatte und uns damit die letzte Möglichkeit zur Flucht genommen war, konnten wir landen. Unter den Klängen der französischen Nationalhnmne wurden wir nach dem Fort Therese gebracht. Dann kamen wir nach Saida und von dort nach Port Mascara. In Arrestzellen verbrachten wir dort die Nacht. Am Morgen erhielten wir die Legio- närs-Unisorm: amerikanische Jacken, Reithosen, Wickelgamaschen, als Kopfbedeckung den Zweimaster, außerdem einen Tropenhelm und die Packtasche. Un­sere Zinimer und Schläfsäle für je 40 Mann wurden uns in der Kaserne zugewiesen. Das Bett bestand aus einer Matratze, zwei Leinentüchern und dem Kopfpolster. Am dritten Tage hieß es: Antreten zur Impfung. Der nächste Tag brachte uns die erste Dienstverlesung. Dann wurde exerziert.

Die Truppe bestand aus Türken, Russen, Bul­garen, Belgiern. Ungarn, Engländern, Amerikanern und Deutschen. Aber die letzteren überwogen. Sie machten etwa zwei Drittel aus. Bei den Vertretern der anderen Nationen handelte es sich hauptsächlich um Deserteure und Verbrecher, deren Prozentsatz unter den Deutschen war verhältnismäßig sehr gering.

Gehe vakch veügette man uns die ßvanrSNrrhen Kommandos ein

Am ersten Exerziertage ward deutsch und fran­zösisch kommandiert. Schon am zweiten hörten mir ausschließlich französische Kommandos, und erbar­mungslos wurde jeder geschlagen, der sie noch nicht begriffen hatte.

Nach einem Monat führte man uns gegen die Morrokaner Wir wurden nach dem Inneren ge­bracht, und bald hatte ich mit 48 Mann einen vor­geschobenen Posten gegen marokkanische Uebermacht zu verteidigen. Mehrmals stand unsere Handvoll Leute tausend Eingeborenen gegenüber. Zahlreiche schwere Angriffe schlugen wir erfolgreich zurück. Die Tage der Ablösung rückten allmählich näher. Da setzte abermals ein Massensturm der Gegner ein. Wie verzweifelt schossen, hieben und stachen mir um uns. Hunderte von Marrokkanerleichen deckten den Boden. Die Uebermacht war, jedoch zu groß. Immer schwächer wurde unser Feuer.

Als über 40 von uns getötet waren, krochen mir anderen unter die Leichen und stellten uns tot. So überstanden vier Mann lebend die Erstürmung unseres Postens. Erst als die Marokkaner ihre Ge­fallenen in dem Wüstensande verscharrt hatten und längst abgezogen waren, wagten mir — blutbespritzt und völlig erschöpft — uns wieder aufzurichten. Zwei Tage später traf die Ablösung ein. Wir Ueber« lebenden wurden nach Uschda gebracht, mit der französischen Verdienstmedaille ausgezeichnet und zur Beförderung vorgeschlagen.

Kaum hatte man uns neu eingekleidet, so wur­den wir auch schon wieder nach Syrien verschifft. Ruhe gönnte man dem Legionär nicht für eine ein­zige Stunde Entweder muß er exerzieren oder kämpfen oder Straßen bauen. Und das war das Fürchterlichste. Vor dem Feinde benahmen sich die Vorgesetzten recht kameradschaftlich. Beim Arbei­ten jedoch entpuppten sie sich als Rohlinge, die voller Sadismus von den Peitschen Gebrauch machten.

Sn Svvken

In Beirut legte unser Dampfer an. Wir bezo­gen ein offenes Feldlager und spielten uns nun als ein Trupp auf, der sich freiwillig nach Syrien ge- meldet habe, weil nämlich jeder Freiwillige 500 Franken erhalten sollte. Der Zahlmeister jedocb meinte, er verfüge nicht über genügend Geld. Da aber brach eine kleine Meuterei aus. Wir warfen unsere Kleider fort und konnten sofort beruhigt werden, als man uns versprach, in Ladiky die Hälfte des Betrages auzuzahlen. Wiederum brachte man uns auf einen Dampfer und fuhr uns acht Stunden von Beirut nördlich nach Ladikye. Hier

wurden wir regulären Truppen zugeteilt. Ich er­hielt den Posten einer Ordonnanz bei einem Ser­geanten der Legion Er stand bereits 22 Jahre in ihren Diensten ein Deutscher, aus Koblenz gebürtig.

Der Zweck unserer Reise war Verstärkung der Truppen, die den syrischen Aufstand bekämpften. Die Beduinen hatten erst kürzlich wieder zwei fran­zösische Offiziere ermordet, und wir mußten zunächst eine Reihe von Beduinen-Riederlasiugen, welche die Tributzahlungen verweigerten, ausrauben und niederbrennen. Was sich in ihnen an männlichen Wesen noch vorfand, wurde standrechtlich erschossen.

Nach dem blutigen Streifzug kehrten wir wieder nach Ladikye zurück. Ich wollte fliehen. Da hieß es aber: zunächst Zivilkleidung beschaffen. Ein jü« bischer Trödler verlangte für ein einziges Paar schä­biger Hosen 700 Franken. Ich kochte vor Wut. Ich zahlte 200 Franken an und verständigte dann einige zuverlässige Kameraden. Der Jude wurde von uns verhaftet. Mittlerweile räumte ein anderer Kamerad den Laden de» Trödlers aus und steckte seine Waren in die Straßenkanalisation. Unterwegs ward der Wucherer wieder freigelaffen. Er erstattete andern Tages Anzeige bei der Kompagnie. Als aber zum Sammeln geblasen wurde und der Trödler die Reihen der Truppen abschritt, um die Schuldigen zu finden, hatten wir uns gedrückt und erledigten Ar­beiten, von denen wir nicht weggerufen werden konnten.

Kurz danach wurde zum Hauptstoß gegen die Beduinen ausgeholt. Ich hatte mir aber die Füße mit Salz eingerieben, so daß sie rot geschwollen waren, und mich krank gemeldet. Etwa sechs Kilo­meter marschierte ich mit. Um den Hals hing mir die Krankenmarke als Erkennungszeichen. Als ich nicht weiter konnte und wollte, setzte ich mich an der Straße nieder. Mein Sergeant kam zurück und wollte meine Sachen tragen. Ich lehnte es ab. So marschierten innerhalb 2—3 Stunden die Truppen an mir vorüber. Zuerst die Legionäre, dann kamen die Regulären. Auch hierin lag eine gewisse Taktik. Etwa fliehende Legionäre mußten den Regulären in die Arme laufen und hatten zu befürchten, von deren Schüssen wieder gegen die Feinde getrieben zu werden.

Es dauerte noch geraume Zeit, dann erschien die Schlußtruppe. Unterofsiziere und Sergeanten, welche die Zurückgebliebenen wieder zur Kolonne zu bringen hatten Ich blieb aber halsstarrig. Man nahm mir das Gewehr ab, alles Geschirr und selbst die Lebensmittel. Schon wollte ich verzweifeln, da sah ich nach Abzug der letzten Truppenreste und beim Weitermarsch auf eigene Faust in der Nähe eines Flusses drei Legionäre. Kaum erblickten sie mich, so legten sie ihre Gewehre aus mich an. Sie hielten mich für einen Spitzel. Nach Aufklärung des Miß­verständnisses gaben sie mir einen Browning, der nur noch einen einzigen Schuß enthielt. Nun hatte ich doch wenigstens eine Waffe. Wir flohen ins Gebirge, waren sechs Tage unterwegs und nährten >JJ>Ä> E UAeroen. 'M Kameraden hatten auf der Straße eine Anzahl weggeworfener Büchsen gesammelt.

Als wir uns wieder der Ebene näherten, befan­den mir uns unweit von Ladiky, ohne es zu ahnen. Wir waren im Kreise gelaufen. In der Nähe einer Farm entfachten wir ein Lagerfeuer. Rauch und Flammen lockten jedoch die Bewohner der Nieder­lassung herbei. Der Farmer kam selbst, interessierte sich für uns und schickte uns reichlich Lebensmittel. Weiter ging die Flucht Wir hatten mittlerweile erfahren, wie nahe wir uns den Häschern befanden. So schlugen mir einen Bogen nach der Küste zu und konnten dann auch ohne Gefahr am Tage marschieren.

Vebev die armenische Grenze

Bald darauf erreichten mir die armenische Grenze. Der erste Posten, den wir trafen, hielt uns

an.

er aber sah, daß mir bewaffnet waren, zog

er nor, uns in die kleine Grenzortschaft zu führen. Wir wurden dort etwas mißtrauisch ausgenommen. Und auch uns erfüllte starke Abneigung gegen den Grenzposten und die Einwohner, bei denen wir untergebracht waren. Leider vergaßen mir, für die Nacht eine Wache zu stellen. Die Folge war, daß man,

als wir schliefen, unsere guten Waffen aeae schlechte auvtauschte. Etwas bedrückt und doch voll froher Zuversicht ob der geglückten Grenzüberschrei- tung marschierten wir weiter.

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Am solgenden Tage erreichten wir die armenische Stadt Kassab. Von ihr aus war — fast greifbar nahe — Ordir, ein türkischer Flecken, zu sehen. Die Armenier nahmen uns hier anfangs freundlich aus. Als sich dann aber noch drei Deserteure zu uns ge-

seilten und Zwistigkeiten unter uns ausbrachen, schwand die Achtung der Eingeborenen mehr und mehr. Zufällig las ich auf einem Ausweis, den ein Armenier bei sich hatte die Worte „Armenische Legion". Daraus beschloß ich, nur mit einem Ka­meraden die Flucht sortzusetzen.

Von den Avmenkevn verraten

Da kam von der Küste her ein bäuerisch genei­gter Mann, der englisch sprach und uns Arbeit an» E- TaNächlich verbarg sich hinter ihm ein fran» 3öfifrfier Sergeant. Mein Kamerad und ich dankten für das Angebot. Die fünf anderen Deserteure je­doch sagten zu. Zwei Tage später wurden sie von einer 40 Mann starken Abteilung zur „Arbeits­stätte" geholt. Als ich verwundert fragte, weshalb eine so zahlreiche Begleiterschar erforderlich sei, er­widerte man, in der Nähe befinde sich viel Räubervolk.

Ein Ortspolizist wollte uns beide dann aus dem Hause verjagen, in dem wir uns aufhielten. Wir aber beriefen uns darauf, daß der Bürgermeister uns das fiaus zugewiesen habe. Am Abend wollten wir unsere Flucht fortsetzen. Indessen waren auch die von den Armeniern schon einmal eingetauschten Gewehre verschwunden. Der Polizist kehrte mit dem Besitzer des Hauses wüct Der aber zwinkerte uns mit den Augen Vorsicht zu. Darauf durch­schnitten wir dem überrumpelten Polizisten den Gürtel, entwanden ihm das Gewehr und warfen ihn die Treppe hinunter.

Natürlich schlug der Mann Lärm. Die Orts­einwohner eilten herbei und sammelten sich vor dem Hause, das, wie fast alle Gebäude der ro^enb, ein Stück in einen Felsen eingebaut war. Wir wurden beschossen. Als man uns so nicht beikam. erft: egen die Emmener den Felsen und rollten von oben Steinblöcke herab: auch das half ihnen nichts. Nur die Front des Hauses wurde von den Steinen er­reicht und zertrümmert. Nun kam der Polizist zum dritten Male und brachte die Tochter des Lehrers mit. Sie sprach deutsch und sollte als Dolmetscherin fungieren. Abermals warfen wir dm Polizisten hinaus und erklärten, daß wir das Mädchen als Geisel betrachteten. Immer schlimmer ward das Bombardement. Man befrhoh uns. Als wir schließ­lich aller Wurfmittel und Munition en^bGßt waren, gelang es der Uebermacht, uns zu fesseln. Bei der nun beginnenden Leibesvisitation auf dem Plateau eines Hüaels a-rieten mir zwei in Wut und stürzten uns mit dem Führer der B-nde über e*n<m Felsvor­sprung in das Geröll des Abbanaes. Wäbrend des Ruttens und Wasserns erdrosseln mit den An­führer unserer Häscher A'^rmichüsse der Bande lackten Armenier aus den Wäldern am Fuß des Hüaels. Wir wurden abermals aafangen, zurück­gebracht und in einen Stall gesperrt.

Einen Tag später wurden wir gefesselt auf einen .<o^.obLâr^res gebracht her uns nach.Ladikye zurückfuhr. Fürchterliche Stunden folgten. Man hatte uns an die Reling gebunden und in der Hitze ohne Kopfbedeckung gelassen. Ein Matrose stellte uns einen Eimer Wasser hin und warf einem von uns einen Schlauch hin. Mit den Füßen stießen wir den Eimer mühsam weiter und reichten den Schlauch einander mit dem Munde unter größten Schwierig­keiten zu.

Das Urteil des Gerichts lautete:

Lehn Lahve Schwere LwangS- arbeit im Bergwerk

Dann brachte man uns nach Dfchebel Iorisa un­weit der algerischen Grenze am Rande der kleinen Sahara. In Tubersuk hatte man uns mit der Ge­fangenenkleidung versehen. Ich erhielt die Nummer 9666 und wurde in eine braune Hose und eine braune Jacke gesteckt. Die Kleidungsstücke waren vielfach innen und außen gestempelt und so noch besonders kenntlich gemacht.

In Dschebel Iorisa zeigte Ich mich bei den Tage­bauarbeiten nach Magneteisenerde arbeitswillig, um das Vertrauen der Posten und der Ausseher zu er­werben Monatelang wurde von drei Uhr morgens bis drei Uhr Nachmittags geschuftet. Unser Arbeits­pensum war uns genau vorgeschrieben und erfor­derte Anstrengung bis zur völligen Erschöpfung. Der Ossizierstellvertrcter erhielt Provisionen für Mehrleistungen, und so war es verständlich, daß wir bis zum äußersten angetrieben wurden. Die Schwä­cheren, die ihre Arbeit nicht zu schaffen vermochten, kamen abends in Arrestzellen. erhielten keine Nah- rung und mußten anderntags hungrig zur Arbeits­stätte. (Schluß folgt.)

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