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Nr. 53

rMktwoch den 4. März 1931

Sette 5

wirtschaftliche Lage zu sprechen. Er beleuchtete dass Mißverhältnis zwischen einigen übermäßig hohen Ge­hältern und Provisionen und der Not der Allgemein­heit. Mit diesen Beispielen wollte er zeigen, wie die Politiker von heute stets nur für sich selbst gesorgt hätten. Man hätte sie gewählt und das Volk habe an sie geglaubt. Das sei aber nicht die Führerschaft die Deutschland brauche, ein solcher Führer müsse ge­boren werden und, so schloß der Redner seine Aus- sührungen, in Deutschland sei dieser Führer Adolf Hitler. Nachdem in der Diskussion ein Redner die Vorgänge in Bad Orb beleuchtet hatte, nahm der Redner nochmal ein längeres Schlußwort und empfahl als Ausweg aus dèr Not, die Herausgabe von Baugeld nach dem bekannten Vorschlag des Herrn Feder Die Versammlung die fast 4 Stunden gedauert hatte, schloß mit Beifall.

Funkbild von dev Ankunft des SterchsautzennünMevs Dr. Suvtins in Wien

wettevbevkcht

Die Luftdruckverteilung über Europa ist sehr gleichförmig geworden, so daß auch bei uns sich kein ausgesprochener Witterungscharakter durchsetzen oder für längere Zeit halten kann. Da auch eine ausge­dehnte ursprünglich von dem Grönlandhoch aus­gehende Kaltluftmasse, die hauptsächlich über Nord- und Nordosteuropa lagert, dem Vordringen der ozeanischen Wirbel erheblichen Widerstand entgegen­setzt, so wird auch vorläufig unsere Witterung nur von kleineren Zwischenhochs oder Teiltiess bestimmt. Zunächst kann dabei mit einem späteren Uebergreifen des französischen Teiltiefs auf unser Gebiet gerechnet werden. Vorhersage bis Mittwoch abend: Zu­nehmende Bewölkung, zeitweise auch Niederschläge, ausgeglichenere und im Ganzen etwas mildere Tem­peraturen, südliche bis westliche Winde. Witte­rungsaussichten für Donnerstag: Meist bewölkt, ein­zelne Niederschläge, Temperaturen wenig geändert, schwache wechselnde Winde.

La«dk«rrs Kana«.

Niederrodenbach, 2. März. Von der Bau- und Wirtschaftsgemeinschaft (Ring der Bauwirte) Hanau, Geschäftsstelle Spessartstraße 17 wurde am vergangenen Sonntag hier im Gasthaus Schaaf eine Werbeversammlung abgehalten. Der rege Besuch und die Anmeldung einer großen Anzahl neuer Mitglieder zeigte, daß die Idee der BauwirteLos von der erdrückenden Zinsknechtschaft" auch in den Reihen der Landbevölkerung an Boden gewinnt. Diese Erscheinung ist um so erfreulicher, als der Weg über die Bausparkasse für die Folgezeit der einzige sein wird, zu einem Eigenheim zu kommen, ohne von überspannten Zinslasten erdrückt zu werden.

MS Gernbauke«.

m Bernbach, 8. März. Am vergangenen Sonn­tag fand im Saale von Herrn Gastwirt Huch der Liedertag des hiesigen GesangvereinsHarmonie" statt. An der Veranstaltung beteiligten sich neben den beiden Remeleschen Vereinen Germanra Neu- K und Männerchor 1891 Somborn auch die beiden von Herrn L. Schirmer, Hailer, geleiteten Vereine Lyra Altenmittlau und Teutonia Bernbach, wie auch die unter der Leitung des Herrn Hauptlehrer Filstg^Älienmittlau, stehende Gesangsabteilung des Turnvereins Altenmittlau. Die Teilnahme der hie­sigen und auswärtigen Bevölkerung war außer­ordentlich stark, das Programm reichhaltig und gut. - m Somborn, 3. März. Im überfüllten Saale des GasthausesZum Freigericht" (Gottfried Si­mon) fand am vergangenen Sonntag der Dele­giertentag für den aus Anlaß der Feier des 40« jährigen Vereinsbestehens des hiesigen Gesangver­einsMännerchor 1891" vom 27. bis 29. Juni d I. stattfindenden nationalen Gesangswettstreit statt Nach einem Marsche der Simonschen Haus­kapelle sprach der Ehrendirigent des Veranstalters, Herr Rèttor Karl Schneider, herzliche Begrüßungs­worte. Der Vorsitzende des Vereins. Herr Gott­fried Simon, stellte sodann fest, daß sich für den geplanten Wettstreit 22 Vereine mit einer Geiamt­sängerzahl von ca. 1100 gemeldet haben. Das Be­grüßungslied des Gesangvereins Männerchor Schwinge dich auf, mein Lied" wurde mit starkem Beifall ausgenommen. Meldungen liegen zahlreich vor für die erste, zweite und dritte Stadtklasse, für die dritte Landklasse, die Quartettklasse und für die Klasse der nicht preisgekrönten Vereine. Es win­ken wertvolle Geld- und andere Preise.

A«S K«a«r?u«t a. UL

DerPolizeiskandal" in Frankfurt

: In der Angelegenheit Pache, der, wie bereits gemeldet, ein Wiederaufnahmeverfahren auf Grund

Dr. Curtius wird von dem -österreichischen Vizekanzler Dr. Schober begrüßt- Dahinter Staatssekretär Dr. Pünder.

In Wien traf der Reichsaußenminister Dr. Curtius zu einem offiziellen Staatsbesuch ein, dem von der gesamten mitteleuropäischen Treffe große Aufmerksamkeit geschenkt wird.

von Bezichtigungen einer Zeugin gegenüber einem Kriminalassistenten anstrebt, erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Die Staatsanwaltschaft hat den in Frage kommenden Kriminalassistenten E. aufgefordert, sich zu den Beschuldigungen zu äußern. E. bestreitet ganz energisch, zu der Zeugin K. in irgendwelchen intimen Beziehungen gestanden zu haben. Er gibt aber zu, daß er mit ihr einmal einige Stunden in einem Hotel und mehrmals einige Stunden in einer Pension in der Schiller­straße verbracht hat. Als Grund gibt er an, daß er bei seinen Ermittlungen die Zeugin K., die sich stets verfolgt und bespitzelt fühlte, ohne Zeugen in aller Ruheausquetschen" mußte. 5m Amtszimmer des Polizeipräsidiums oder in einem öffentlichen Lokal sei dies nicht möglich gewesen. Im übrigen soll be- reits die Absicht bestanden haben, in der Gerichts­verhandlung mit der Polizei abzurechnen. Der Ver­teidiger Paches vermied es jedoch, Dinge vorzu- bringen, die mit der Sache selbst nichts zu tun haben. Das Polizeipräsidium ist bestrebt, die gegen einen feiner Beamten erhobenen Vorwürfe rück­sichtslos zu klären. Wie weit aber diese Sache zu einer Wiederaufnahme des Kokain-Prozesses füh­ren sollte, ist nicht recht einzusehen. Paches Ver- urtestung erfolgte nicht auf Grund der Aussagen der Zeugin K., die gar nicht vereidigt wurde, sondern Pache wurde. vom HMM des Dergeheps gegen das Opium-Gesetz und der Kuppelei für schuldig befun­den. Er erhielt eine noch verhältnismäßig niedrige Strafe, die ihm zudem nach ganz kurzer Zeit aus­gesetzt wurde. Nach Lage der Dinge können weder Pache noch seine Freunde ein Interesse daran haben, daß die unschönen Dinge, die damals in der Verhandlung besprochen wurden, noch einmal in aller Oessentlichkeit erörtert werden. An der Sache selbst würde auch ein Vergehen eines Kriminal­beamten, das aber in keiner Weise geklärt ist, nicht viel ändern können.

Noch keine Aufklärung des Mordes von Oberursel

: Die Frankfurter Mordkommission weilte Diens­tag den ganzen Tag über in Oberursel und nahm abermals eine Reihe von Vernehmungen vor. Da­neben aber richtete sie ihr Hauptaugenmerk aus die Auffindung des zur Ausführung des Mordes ge­brauchten Messers und des stumpfen Gegenstandes, mit dem der erste Todeshieb gegen die Witwe Trauth geführt worden sein soll. Auf Veranlassung der Kom­mission wurde ein großes Aufgebot von Schulkindern in den Dienst der Polizei gestellt. Die Kinder mußten das Anwesen der Frau Trauth und feine weitere Umgebung gründlich nach den Mordwaffen durch­suchen. Ein Erfolg wäre jetzt um so eher möglich ge­wesen, als kein Schnee mehr liegt. Aber trotz langen Suchens fand sich nicht die geringste Spur vor. Ebenso hatten die einige Tage zuvor von Installa­teuren vorgenommenen Durchsuchungen der Kanäle und Ausgußrohre nach den Gegenständen keinen Er­folg. Am Montag wurde die Einwohnerschaft in Oberursel durch Gerückte von dem angeblichen Fund der Mordwaffe in unnötige Aufregung versetzt. Man

wollte an einem Schneehaufen ein Messer gefunden haben, das genau den Beschreibungen, die man von dem Mordinstrument gemacht hatte, entsprechen sollte. Später stellte er sich heraus, daß der Fund mit der ganzen Sache gar nichts zu tun hatte. Auch sonst fehlt noch jeder weitere Anhaltspunkt für irgendwelche Täterschaft in der Mordsache. Die in Preungesheim befindliche Anna Trauth soll sehr ge­faßt sein und fortgesetzt erklären, daß sie unschuldig sei. Die Angaben die die Anna Trauth vor betn Ver­nehmungsrichter gemacht hat, lauten teilweise wesentlich anders wie ihre Bekundungen vor der Polizei, und es ist daher mit Fortdauer der Haft zu rechnen. Als die Aufdeckung der Mordtat erfolgte, wurde verabsäumt, die Trauth sofort einer genauen Untersuchung zu unterziehen. Eine körperliche Un­tersuchung ist erst später erfolgt. Da hat es sich ge­zeigt, daß sie am Arm eine Wunde hatte, und es wird jetzt vermutet, daß diese Wunde aus jener Nacht her­rührte und daß Anna Trautb sie sich bei dem Kampf mit der Mutter zuzog, was sie heute freilich in Ab­rede stellt.

Ein guter Fang

: Das Eimbruchskommissariat hat in der Nacht zum Dienstag den vielgesuchtenMitarbeiter" des kürzlich verhafteten Fassadenkletterers Albert Hecken, Henner Schmunck, in Dackenheim verhaftet. Schmunck ist 30 Jahre alt und bereits wegen schwerer Einbrüche mehrfach vorbestraft. Die Ver­haftung hat folgende Vorgeschichte: Vor einigen Wochen wurde in einer Wochenschrift ein bebilder­ter Artikel über die Fassadenkletterer und ihre Beute veröffentlicht. Unter den Bildern befand sich auch das des Henner wchmunck. Als ein hiesiger Kaufmann das Bildnis sah, erkannte er sofort, daß der von der Polizei noch gesuchte Mann mit dem Bräutigam feiner Hausangestellten identisch sei. Schmunck sah aber auch in dem Blatte sein Kon­terfei und ging sofort flüchtig. Er fuhr nach Luxemburg, wurde hier sistiert, aber, da nichts gegen ihn vorlag, wieder entlassen. Wenige Stun­den nach feiner Enthaftung traf aber dort der funkentelegraphische Steckbrief gegen Schmunck ein. Zugleich aber meldete sich in Luxemburg auch ein Uhrmacher, der die Polizei an der Hand des Bildes aus dem Blatte auf Schmunck aufmerksam machte. Der Einbrecher aber blieb verschwunden.

Aus Haft «Ad Seen.

Kind vom Vater erstochen

Kassel, 3. März. Emen tragischen Tod erlitt das fünfjährige Kind eines Landwirts in Lich- tenau. Es hatte sich heimlich hinter einem Stroh­haufen versteckt und dem mit Strohausladen be­schäftigten Vater zugerufen, er möge es suchen. Der Vater überhörte den Zuruf des Kindes, und als er mit der Heugabel in einen abseits liegenden Bündel Stroh stach, verletzte er das Kind derart

schwer, daß es verstarb, eh« ärztliche Hilfe «inzu- grerfen vermochte.

Das Leben ohne wert

Mainz, 3. März. Eine alleinstehende 48« jährige Büglerin aus der Neubrunnenstraße hat sich in ihrer Wohnung aus wirtschaftlichem Sorgen mit Gas Bereistet Ein 17jähriges Bürofräulein und eine 32jährige Frau von hier versuchten durch Einnehmen eines größeren Quantums Schlaftab" letten freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Beide wurden noch rechtzeitig ins Krankenhaus überführt. Ein 55jähriger Landwirt aus Mainz-Bischofs­heim warf sich in der Nähe des Bahnhofes Mainz- Gustavsburg von einen Personenzug; er wurde überfahren und getötet. Aus dem fahrenden Zug gesprungen ist in Mainz-Kastel ein 12jähr'lg. Schüler aus Düsseldorf, der seinen Eltern durchgebrannt war und ohne Fahrkarte fuhr. Er stürzte so un­glücklich, daß er einen schweren Schädelbruch er- litt. Der Schwerverletzte wurde erst im später Stunde aufgesunden und ins Krankenhaus gebracht.

Drei Nationalsozialisten schwer verletzt

Bab Schwalbach, 3. März. In der Nacht zum Montag wurden drei junge Leute von hier, die der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bzw. dem Stahlhelm angehören, von politischen Gegnern durch Mesierstiche schwer verletzt. Mit einem Stich in die Lunge und die Halsschlagader wurde Ludwig Wiesner in bedenklichem Zustand in das hiesige Krankenhaus eingeliefert. Stiche in den Rücken, in die Schultern, in Arm und Hände erhielt Karl Buff, besten Zustand ebenfalls eine Uebersührung in das Krakenhaus notwendig machte. Stichverletzungen im Gesicht trug Paul Krautworft davon. Als Täter wurde ein gewisser Rodenbach festgenommen, der die Tat auch eingestand.

Weil der Vater in Untersuchungshaft saß

Altenkirchen, 3. März. Auf dem Friedhof in Hamm hat sich am Samstag nachmittag der Sohn des verhafteten Bahnhofsinspektors Jaedicke aus Kirchen (Sieg) erschossen. Er nahm sich, wie aus Ab­schiedsbriefen hervorgeht, die Tat seines Vaters, der wegen Unterschlagung im Amt in Untersuchungshaft sitzt, so zu Herzen, daß er Hand an sich legte. Erst nach längeren Nachforschungen wurde die Leiche, die einen Kopfschuß aufwies, auf dem Friedhof gefun­den.

Der Pirmasenser Lustmörder noch nicht ermittelt

Pirmasens, 3. März. Die Nachforschungen der Polizei nach dem Lustmörder, der das sechs Jahre alte Mädchen Herl umbrachte, haben bisher zu kei­nem Ergebnis geführt. Die Ermittlungen der Krimi­nalpolizei werden sortgefetzt.

Todesopfer eines rücksichtslosen Motorradfahrers

Reetz, 3. März. Auf der Straße von Arnswald« nach Rees fuhr gestern ein Motorradfahrer in rasender Geschwindigkeit an einer etwa 100 Mann starken Reichsbannerabteilung vorbei. Dabei wurde ein zehnjähriger Junge von dem Motorrad erfaßt und etwa 30 Meter weit mitge schleift. Dem Kinde wurde der Kopf vollständig zerschmettert, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der rücksichtslose Fahrer setzte seine Fahrt fort, ohne sich um fein Opfer zu kümmern.

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Prof. Dr. Johann Reinke, einer der ältesten deutschen Biologen, ist im 83. Lebensjahr gestorben. Reinke, auch auf politischem Gebiet erfolgreich tätig 24 Jahre lang vertrat er die Stadt Kiel im Preußischen Herrenhaus war einer der ernstesten Gegner Haeckels. Reinkes Werke:Die Welt als Tak",Naturwissenschaft, Weltanschauung, Religion" u. a. zeugen von feinem glaubenbegründeten Forschertum.