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Nr. 51

Montag den 2. März 1931

Stift 7

AMs Savol als Kam»« al Raschid

Unangenehmes Erlebnis im Polizeibüro Selk- sames Wiedersehen im Steueramt

König Carol von Rurnänien, der durch ftin schnelles und energisches Eingreifen bei den Skandal­szenen in den rumänischen Universitäten bei allen Freunden der Ruhe unt> des Anstandes Begeisterung hervorgerufen hat, überraschte in der letzten Woche einige Aemter durch sehr private, vorher nicht ange­kündigte Besuche, die er als schlichter Bürger nur in Gesellschaft eines einfach bürgerlich gekleideten Adjutanten unternahm. Es wird in Rumänien vom Volke viel über die Mißstände geklagt, die in zahl­reichen Aemtern, besonders bei der Polizei, bei der Post und der Steuer herrschen. Dem Könige waren diese Klagen zu Ohren gekommen, und er wollte sich nach dem Muster des Kalifen Harun al Raschid da­von überzeugen, was daran wahr sei, insbesondere ob die Beamten tatsächlich selbstherrlich und im üblen Sinne bürokratisch verfahren. Er kam zuerst in ein gewöhnliches Polizeibüro, wo hinter einer Schranke zahlreiche Bürger und Arbeiter ergeben warteten, während der Beamte irgend etwas las, ohne von dem Volk Notiz zu nehmen. Der König räusperte sich vernehmlich, hatte aber damit keinen Erfolg. Dann ersuchte er bescheiden abgesertigt zu werden. Daraufhin wurde er angeherrscht, daß er als letzter gekommen sei und sich ruhig zu verhalten habe, bis er gefragt werde. Als einige Zeit wie­der nichts erfolgte, schlug er einen energischen Ton an. Nun hatte er es aber mit dem Polizeiwacht­meister völlig verdorben, der wütend aufsprang und den Beschwerdeführer anbrüllte, daß sogar der Polizeioffizier aus dem benachbarten Zimmer her­auskam. Er erkannte zuerst den ihm befreundeten Adjutanten, dann aber auch den König, verbeugte sich tief und murmelte:Majestät . . ." worauf­hin eine stille, aber wirksame Szene in dem Amts­zimmer erfolgte, in der der selbstherrliche Polizist eine wenig ruhmreiche Rolle spielte. Von hier aus ging der König ins Steueramt, wo auch das Volk über Gebühr lange warten mußte. Hier er­lebte er ähnliches, wie in der Polizei, und erst, als der oberste Beamte gerufen wurde, der sich übri­gens zu kommen weigerte, wurde Wandel geschaf­fen. Den Vorschriften nach sollen Beschwerden von dem Leiter des Steueramtes persönlich entgegen- Senommen werden. Als der König sich aber be- hweren wollte, wurde er nicht vorgelasien, son­dern von dem Kastellan aufgefordert, seine Be­schwerden schristlich einzureichen. Nun sandte der König dem gewaltigen Mann ein kleines Kärtchen in sein Zimmer, das Wunder tat. Der allmächtige Herr kam herausgestürzt und konnte gar nicht ge­nug Worte finden, um sich zu entschuldigen. Es kam dazu, daß der Beamte erst kurz vorher dem Könige bet einem Empfange im Schlosse vorge­stellt worden war, was den König veranlaßte, beim Eintritt in das Amtszimmer den Steuer­direktor mit den Worten anzusprechen:Ein selt­sames Wiedersehen, nicht wahr . . .?" Nun herrscht in allen Aemtern von Bukarest große Aufregung und erheblicher Diensteifer. Besonders wenn ein einfach angezogener Mann überraschenderweise es wagt, ein energisches Wort zu sprechen, sieht man ihn ängstlich daraufhin an, ob er nicht mit dem -Billie des Königs Aehnlichkert habe. Man ist aber auâ tzann sehr höflich, wenn die. Aehnlichkeit nicht besteht, denn es kann ein Adjutant im Auftrage des Königs sein, oder ... der König kann sich eine neue Maske gemacht haben.

Die gesäbvNcke Rückseite der Vviestnavèe

Es ist nicht nur eine Unsitte, die Briefmarken vor dem Aufkleben mit der Zunge anzufeuchten, sondern auch äußerst gefährlich; es gibt jedenfalls kein besseres Mittel' sich Mikroben aller Art ein­zuverleiben. Der Klebstoff auf der Rückseite der Briefmarke beherbergt deren genug, die er im Lauf seiner Zubereitung, wo er durch viele Hände gegangen ist, aufgenommen-hat und bewahrt. In derRevue generale des Sciences" werden diese Gefahren geschildert und wird darauf hingewiesen, daß dieAntituberkulose"-Briefmarke, wie sie in Frankreich zur Propaganda gegen diese Krank- heit ausgegeben wurde, sehr im Widerspruch mit ihrer eigentlichen Bestimmung ein vorzügliches Mittel zur Verbreitung dieser Volksseuche gewor­den ist. Dr. Regelsperger, der Verfasser des Ar­tikels, wiegt sich nicht in der trügerischen Hoffnung, es werde möglich sein, den Menschen das Befeuch­ten der Briefmarke mit der Zunge abzugewöhnen. Dafür schlägt er den zuständigen Stellen ein an­deres, wirksames Mittel vor. Es würde genügen, dem Klebstoff einen starken Absud von Quassia amara beizufügen, der völlig unschädlich ist, aber unerträglich schmeckt. Wer auch nur ein einziges Mal Bekanntschaft damit gemacht hat, wird sich das Lecken der Briefmarken für alle Zeiten abgewöhnt haben.

Dev neueste Trumpf dev englischen Kviegsslugtechnik

£ entsprechend 5 auf der Rück

Das neue englische Einmann-Flugzeug mit sechs automatischen Maschinengewehren (Zahlen (16) bedeutet eine Umwälzung in der Kriegsflugtechnik. Die Maschine wird nur von einem Mann bedient, der durch eine Auslösung sechs Maschinengewehre gleichzeitig betätigt.

Gedanken Und auch in der Ehe z-llivei

Der Mann Hal kein Recht auf das Tagebuch seiner Frau

Ueber eine ganz eigenartige Scheidungsklage hatte das oberste ungarische Gericht als dritte und letzte Instanz zu entscheiden. Es handelte sich um die Grundfrage, ob der Mann das Recht besitze, ohne Wissen und Einwilligung seiner Gattin ihr Tagebuch zu lesen und auf Grund seiner Lektüre eine Scheidung zu fordern.

Der Budapester Kaufmann Alfred Kozma suchte eines Tages in seinem Schreibtisch nach einem Buch. Als er es nicht fand, setzte er seine Suche im Schreibtisch seiner Frau fort. Hier ent­deckt er plötzlich ein dickes, vollgeschriebenes Heft. Neugierig schlug er es auf und sah zu seinem Er­staunen, daß er das Tagebuch seiner Frau vor sich hatte. Voll Interesse begann er zu lesen.

Die Aufzeichnungen begannen am Tage der Verlobung. Ilona, die schöne Braut, schrieb, daß sie ihren Mann nur des Vermögens wegen heirate und ihn absolut, nicht liehe, .Sie trage sich jetzt schon mit dem Gedanken, ihn zu betrügen. Ja, die kleine Frau war so unvorsichtig, sogar den Namen dessen ihrem Tagebuch anzuvertrauen, mit dem sie den Ehebetrug beabsichtigte.

Als der Gatte das Tagbuch zu Ende gelesen hatte, beschloß er, sich sofort von seiner Frau scheiden zu lassen. Er brachte die Klage ein unb in zwei Instanzen wurde die Scheidung auch aus Verschulden der Gattin ausgesprochen. Ilona legte

Trotz «ebeeftnk - zu wenig Bodenschätze!

Wann werden die WellvorrAe erschöpft sein?

Die Preise der Metalle und anderer Boden­schätze sind infolge der Überproduktion in letzter Zeit sehr gesunken; man könnte also annehmen, daß sie im Lauf der Jahrhunderte durch verbesserte Gewinnungsmethoden noch billiger würden. Dem steht aber die Tatsache im Weg, daß im Gegenteil die Erschöpfung günstiger Lagerstätten zu einer immer steigenden Teuerung führen muß. Einzelne dieser Rohstoffe werden erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit benutzt; das Zink seit 150, Petroleum und Kunstdünger feit 70, Nickel und Aluminium seit 50 Jahren, die seltenen Metalle zur Veredelung von Stahl seit noch kürzerer Zeit. Dabei wächst der Verbrauch an Metallen sehr rasch In den letzten 30 Jahren vor dem Krieg hat sich der Verbrauch von Blei, Eisen, Zinn, Zink und Silber verdrei­facht, der von Gold ist auf das Vier-, der von Kupfer auf das Achtfache gestiegen. Aber im Ge-

jedoch Berufung ein und so kam es zu einer inter­essanten Entscheidung des obersten Gerichtes.

Der klagende Gatte erklärte hier, daß er auf Scheidung der Ehe bestehen müsse. Er habe seine Frau bis zu dem Tag geliebt, an dem ihm ihr Tagebuch in die Hände gefallen war. Nun aber wisse er, daß seine Frau nur eine elende Heuch­lerin ist. Demgegenüber erklärte jedoch die unvor­sichtige Gattin, daß sie trotz ihrer Aufzeichnungen im Tagebuch ihren Mann noch immer liebe. Das, was sie dem Tagebuch anvertraut habe, fei gar nicht ihr voller Ernst gewesen. Sie ließ dabei nur ihrer Phantasie freien Lauf. Das dort nieder­geschriebene stimme mit ihren Gefühlen absolut nicht überein. Und das Wesentliche sei nicht, was im Tagebuch stehe, sondern, wie sie sich ihrem Gatten gegenüber verhalten habe.

Das oberste Gericht kam nach einer langen, an­scheinend sehr schwierigen Beratung endlich zu fol­gender Entscheidung:

Die beiden .vorinstanzlichen Urteile werden für nichtig erklärt, denn ein jeder Mensch hat das Recht, ein Tagebuch zu führen, und dieses Recht kann auch durch die Ehe nicht gemindert werden. Der Gatte hat nicht das Recht, auch über die Ge­danken seiner Frau zu wachen. Gedanken sind auch in der Ehe zollfrei. Im übrigen darf der Mann ohne Einwilligung seiner Frau chr Tagebuch über- Haupt nicht lesen. Tut er es dennoch, so ist nicht die Frau, sondern er der Schuldige."

gensatz zu den Erzeugnissen der Landwirtschaft wachsen diese Bodenschätze nicht immer wieder nach; sie sind nur in einer beschränkten Zahl von Lager­stätten abbauwürdig vorhanden, die in absehbarer Zeit erschöpft sein werden. Solange man im Ueberfluß schwimmt, denkt man nicht an diese Ge­fahr; erst wenn die Quellen immer spärlicher fließen, ertönen Warnungsrufe.

Wegen der Kohle und des Erdöls, das sich ja durch Verflüssigung aus jener gewinnen läßt, braucht man sich zunächst keine Sorge zu machen. Auch um die Metalle sollte man feine Bedenken haben, denn in einem Kubikkillometer der bekannten Erdoberfläche, der etwa 3 Milliarden Tonnen wiegt, sind enthalten: (in Millionen Tonnen): 150 Eisen, 2 Mangan, 0,3 Chrom, 150000 Tonnen Nickel, 15 000 Tonnen Zinn und Kobalt und auch große Mengen aller anderen Metalle, Vorräte, die den Weltbedarf für Monate und Jahre decken wür­den. Aber alle diese Schätze sind in der Erde in feinster Form verteilt, und da ihre Trennung zu große Mühe und Kosten verursacht, sind sie nicht abbauwürdig. Auch dort, wo sie beisammen in

großen Mengen vorkommen, hängt die Gewinnung»' Möglichkeit sehr von den Transportwegen ab. In stark besiedelten Gebieten verschwinden im Lauf der Geschichte des Abbaus zuerst Gold und Silber, ' dann Kupfer, Zinn und Blei, am Schluß bleiben, wie in Europa, nur Kohle und Eisen übrig. Große Gebiete der Welt sind aber geologisch noch nicht erschlossen.

Daher können die Vorräte an Rohstoffen dieser Art nur ganz beiläufig geschützt werden. An Kohle aller Art dürften noch 5600 Milliarden Tonnen vorhanden sein. Diese Zahl scheint außerordentlich groß, verliert aber ihre Bedeutung angesichts eines Jahresverbrauchs von 1,3 Milliarden, der viel­leicht bis 1960 auf 3 Milliarden anwachjey wird. Man glaubt, mit den Vorräten noch 2000 Jahre auskommen zu können. Von den Erdtellen steht Europa mit 775 Milliarden Tonnen an dritter Stelle; da es aber jährlich 620 Millionen ver­braucht, reichen seine Vorräte nur mehr für 1000 Jahre, ja, für einzelne Grubengebiete in Europa läßt sich ihr« Erschöpfung in 100 bis 200 Jahren voraussagen. Was das Erdöl betrifft, be­haupten ja die Nordamerikaner, es werde in 30 Jahren bei ihnen keines mehr geben, aber ge­rade bei diesem Rohstoff sind Voraussagen schwer zu machen. Der Jahresverbrauch beträgt 160 Mil­lionen, die gesamte Weltreserve etwa 10 Milliar­den Tonnen, wovon die Hälfte auf die Vereinigten Staaten, entfällt.

Aus den leicht gewinn- und verhüttbaren Eisen­erzen kann man 10, aus weiteren 40 Milliarden Tonnen Eisen gewinnen. Da aber der Jahres­verbrauch jetzt 100 bis 120 Milliarden Tonnen be­trägt, werden jene Vorräte in 80, diese in 400 Jahren erschöpft sein, doch wurden bei dieser Be­trachtung nur Lager in Europa und Amerika, nicht die unerforschten in anderen Weltteilen, in Betracht gezogen. Von den Mineralien mit 60 bis 65 Prozent Eisengehalt gibt es in Europa nur 750 Millionen Tonnen in Schweden, Lappland und Rußland.

Die Gewinnung von Zinn hat in Europa ganz an Bedeutung verloren, außer in Cornwall. Hauptfundorte sind heute Malakka, die Malaien­staaten und Bolivien. Würde dieses Metall nir­gends mehr gefunden werden, so wäre dies kein allzu großes Unglück, denn man könnte es durch andere ersetzen. Gold findet sich in allen zivili­sierten Ländern kaum mehr, auch die Lager in Nordamerika sind nicht mehr recht ergiebig, auch von den Hauptsundorten in Transvaal erwartet man, daß in 30 Jahren die Ausbeute auf zwei Drittel bis auf die Hälfte sinken und damit das Gold viel teurer werden wird, was nicht ohne schwere wirtschaftliche und soziale Folgen bleiben kann.

LNadame Butievsiv stellt kick um

Die Geishas dürften bald von der Bildfläche ver­schwunden sein, wie es dieSamurai", die alte japanische Kriegerklasse, längst sind. Sie fallen als Opfer der Kabaretts und Jazzbands, der Zivili­sation des Musikkaffees, die sich in den Städten des Jnfelreiches seit dem großen Erdbeben von 1923 eingenistet hat. Tokios City mit ihrer Bastardarchi­tektur, mit ihren Tausenden in billigem Flitter­staat prunkenden Kaffees und ihren Autobussen fst nicht mehr der Boden, wo sich die Vertreterinnen der klassischen Geifhakunst heimisch fühlen können. In dieser veränderten Umwelt heißt es, sich an­passen oder erliegen, Madam« Butterfly ist, wenn sie leben will, gezwungen, sich umzustellen. Wenn sie also auf den anmutigen Fächertanz zugunsten des Foxtrotts verzichtet, so ist das ein' bitteres Muß, kein freiwilliges Aufgeben ihrer Wesensart. Sie tut es widerwillig genug. Aber die Kaffeehäu­ser mit ihren Grammophonen und ihren Huldin- nen im Bubikopf sind billig, und selbst in 'den besse­ren Restaurants braucht der Gast weniger für eine Abendunterhaltung auszugeben als in den Geisha­häusern. Deshalb sind die billigen Kaffeehäuser für die minderüemitelten Studenten und Angestellten ein wirkliches Lebensbedürfnis. Mit großer Unruhe sehen die Geishas, wie in der Gesellschaft Tokios, bei alt und jung und bis in die höchsten Kreise hinauf, der Jazz zur Herrschaft gelangt ist. Sie fühlen sich ernstlich gefährdet, denn die meisten ihrer festen und besten Kunden lassen sich von dem lockenden Talmiglanz der Kaffeehäuser blenden, wenden sich leichten Herzens von der feinen Kunst der Geishas ab und lauschen lieber dem Saxophon, das ihnen angenehmer ins Ohr klingt als die ge­wohnten Klänge des Koto und Samifen und der anderen Instrumente der japanischen Heimats­musik. Was bleibt da den Geishas anderes übrig, als sich in das Unvermeidliche zu fügen und dem veränderten Zeitgeschmack ihr Standesbewußtsein zum Opfer zu bringen, wobei ihnen die An­passungsfähigkeit ihrer Rasse erheblich zugute kommt. Die Geisha kauft sich also ein Grammophon mit den dazugehörigen Platten und macht öffent­lich bekannt, daß sie von nun an statt vor ihren Gä­sten, jetzt mit ihnen tanzen will.

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