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Montag den 2. März 1931

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ausgeschickt waren, bares Geld und Lebensmittel entwendet. Das Mädchen auf frischer Tat zu stellen, war mit Schwierigkeiten verbunden, weil es die Kin­der durch Versprechen von Geschenken aus dem Straßenverkehr in einsam gelegene Hauseingänge lockte und sein Tätigkeitsfeld mit kurzen Unter­brechungen immer wieder in ein anderes Stadt­viertel verlegte. So konnte das Mädchen stets un­gestört und unbeobachtet die Tat ausführen. Den­noch konnte die Diebin vor einigen Tagen erkannt und festgenommen werden, und zwar durch Mithilfe eines der geschädigten Kinder, einer acht Jahre alten Schülerin. Diese traf die Diebin eines Tages wie­der, verfolgte sie nach vorheriger Anweisung der Kriminalpolizei unauffällig bis zum nächsten Schutz­polizeibeamten, der dann das Mädchen auf Veran­lassung der Schülerin sestnahm. Bei der Räuberin handelt es sich um ein léjäßriges Mädchen, das bei Kriegsausbruch im Alter von 14 Tagen von ihrer Mutter. einer polnischen Saisonarbeiterin, verlassen wurde und sich seitdem bei einer hiesigen Familie in Pflege befand.

Dor den Augen der Ehefrau verunglückt

Wetzlar. 1. März. Auf der Straße Ehrings­hausen-Dillheim (Kreis Wetzlar) erlitt der Schreiner Heinrich Trauhig aus Dillheim einen plötzlichen tragischen Tod. Er wollte seine Frau, die von einer Reise zurückkehrte, am Bahnhos abholen und traf mit ihr in dem Augenblick zusammen, als er von zwei unvorsichtigen Radfahrern, die im schnellen Tempo auf einem Rade die abschüssige Straße her- unterjagten, überfahren wurde. Die Wucht des An­pralls war so stark, daß Trauchig schwer mit dem Schädel auf die Straße schlug und in wenigen Augenblicken verschied. Er stand im 59. Lebensjahr. Den unvorsichtigen Radfahrern steht ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung bevor.

Die Gründung der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden A.-G.

Wiesbaden, 28. Febr. Nachdem im Laufe die­ser Woche die Körperschaften der Städte Mainz und Wiesbaden dem Zusammenschluß der Elektrizitäts­versorgung für die beiden Städte zugestimmt hatten, fand heute im Mainzer Stadthaus die notarielle Be' urkundunq des GUindungsvorganges der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden A -G. in Gegenwart der Ober­bürgermeister der Städte Mainz und Wiesbaden, der Fachdezernenten, der Direktoren der beteiliaten Werke und der in den Auisichtsrat gewählten Mit­glieder der beiderseitigen Stadtvertretungen statt.

Den Schwager erschossen

Mayen, 28. Febr. Der 47jährige Backofen­bauer Heuft und sein Schwager, der 27jährige Arbeiter Daub, gerieten heute nachmittag auf dem Wege von Niedermendig nach Bell in einen Wort­wechsel. Plötzlich federte Heuft mit einem Revolver Es seinen Sckâger. Der Getroffene sank tot nie- der. Er hinterMt' Frau und zwei unmündige Km- der. Der Tätet, der ebenfalls verheiratet ist, wurde sofort verhaftet. Zwischen Beiden bestanden schon seit langem Familienzwistigkeiten, die häufig in

Wortwechsel ausarteten.

Sahet nach Geevon rum Besuch des »Batenßeredhoss von Rheinhessen"

Am 31. Oktober v. I. fuhr eine kleine Reise­gesellschaft morgens um 8 Uhr in Alaina ab. Naß­kaltes Wetter, die ganze Trübseligkeit eines Spät­herbsttages trugen ihre Note in die Stimmung. Und doch ward rasch der Geist der Kameradschaft Sie­ger. Ein Jeder trug zur Unterhaltung bei, und bald wars im Autobus wärmer als draußen.

Ueber SaarbrückenZollgrenze"Metz nach Verdun! Wir grüßen schweigend die Denkmäler und Grabstätten aus dem 70,71er Kampf. Sie sind auch auf altfranzösischem Boden gepflegt. Als wir in Verdun einfahren, dunkelt es schon.

Am frühen Morgen desAllerheiligentages" be­suchten wir die Stadt selbst. Dann ginge ins Kampfgelände. Zunächst nach Charny. Oestlich von Verdun erblicken mir die berühmtevoie sacrée", die Kriegsstraße, die von Bar-le-duc über Souilly nach Verdun führt. Aus ihr hat das französische Volk, groß und klein, jung und alt, der Stadt Verdun und Frankreich die Rettung gebracht. Charny ist wieder aufgebaut. Ebenso Marre (rechts drei alte Forts) und Chattancourt. Zwischen gestor­benen Bäumen hindurch erblicken mir dieHöhe 304", wo besonders im Jahre 1916 schwere Kämpfe ausgefochten wurden. Vorbeiam toten Mann", dann über Esnes nach Avocourt. Links von uns derGesprengte Berg". Wir kreuzen mehrfach die Linie, bis zu der die deutschen Truppen nach Frankreich vorgedrungen sind. Mit einfachen, grenz­steinähnlichen Pfosten, bekrönt mit dem französi­schen Kriegshelm, ist diese Frontlinie auf franzö­sischem Gebiet bezeichnet.

Nach kurzem Aufenthalt in Varennes über Le Four de Paris durch den Argonner Wald nach La Harazee. Wir halten einen Augenblick vor dem in Terrassenbau angelegten und gut instand gehalte­nen französischen Kriegerfriedhof. Im Tal der Bisme ists still. Waldwiesen und Baumbestand liegen regenfeucht vor uns. Dort lugt Vienne le Chateau hervor. Dann öffnet sich das Gelände. Servon liegt vor uns. Am Dieussonbach zwischen St Menehould und Vouziers. Seine neuausgebaute Kirche grüßt vom Hange herüber. Aber vorher leuchtet sie uns schon in die Augen und beginnt ihre zu Herzen gehende Predigt: Der Patenfriëdhof von Rheinhessen, die Ruhestätte von ca. 8000 deutschen Helden, worunter eine große Zahl von Angehöri­gen hessischer und nassauischer Truppenteile.

Wir fahren am Eingänge vor. Zwei französische Veteranen mit der Instandhaltung des Friedhofs betraut, begrüßen uns. Der Friedhof zählt nach Umbettung verschiedener Kleinfriedtzöfe und Einzel­gräber aus der Umgegend 3862 Einzelgrabstätten und drei Sammelgräber mit 4261 Toten. Langsam gehen wir den Hâuptweg entlang. Gräber werden aufgesucht im Auftrage ihrer Angehörigen. Sie sind alle sauber gehalten. Ein Ge'denkkreuz mit dem Namen. Zu Füßen des Grabes ein Nelkenbu'ch. Sonst nichts. Das wirkt auf deutsche Gemüter bitter. Aber der Franzose hält die feinen geradeso. üu7s adT ocvoieiarrkCCCCy-K eMi- 67890 Nüchtern und fast schmucklos. Aber der Friedhof ist auch noch jung. Die letzten Umbettungen sind gerade erst vorgenommen. Er wird später, in ein paar Jahren als deutscher Friedhof doch besser aussehen Er steht ja unter der Patenschaft ganz Rheinhessens.

Ueber den Querweg schreiten mir. An seinen

Vampyr vor Gericht

Prozeß gegen den Massenmörder kürten Beginn nächste Woche

Sechzig schwere Verbrechen, auf die ein paar hundert Jahre Zuchthaus stehen, löscht ein einziger Federstrich aus. Versuchte und vollendete Brand­stiftung, Raubüberfälle, Sittlichkeitsdelikte mit solchen Kleinigkeiten gibt der Staatsanwalt sich erst gar nicht ab. Allein die erwiesenen Blutverbrechen, so heißt es in der Anklageschrift, fallen bei der Ur­teilsfindung ins Gewicht. Peter Kürten, dem die An­klage eben zuging, wird, wenn die Psychiater ihn nicht für geisteskrank erklären, sechzehnmal zum Tode verurteilt werden: neunmal Lustmord und sie­ben Mordversuche. Daß er dazu noch ein paar Häu­ser in Brand steckte, Gastwirtschaften plünderte und Jagd auf Handtäschchen machte? Nichtigkeiten irdischer Justiz, da Gericht gehalten wird über die Bestie im Menschen.

Es ist das schaurigste Stück Natur, das in der bevorstehenden Verhandlung gegen den Vampyr von Düsseldorf enträtselt wird. Enträtselt? Vielleicht nur enthüllt In den neun Monaten, die der Würger nunmehr in Untersuchungshaft gehalten wird, ist sein Geistes- und Seelenzustand von den ersten Aerzten Deutschlands durchleuchtet worden. Sie werden im Prozeß ihre Gutachten abgeben, und wer sich ein­gehend mit dem Gang der Voruntersuchung beschäf­tigt, weiß, daß dieses Gutachten ein negatives sein wird. Der bekannte Milderungsparagraph ist dem Massenmörder nicht zuzubilligen. Er ist auch kein interessanter" Verbrecher. Wenn die Arbeitskollegen auf dem Bau, auf dem er beschäftigt war, chn den schönen Peter nannten, so machten sie sich nur lustig über diesen Peter Kürten, der klein von Statur, un­ansehnlich von Gesicht, graugelb von Farbe war. Er hat die Untersuchungshaft sehr gut überstanden, die Renommiersucht der ersten Wochen hat sich bald gelegt und aus dem Massenmörder wurde ein Musterhäftling Erst in den letzten Tagen wurde Peter Kürten unruhig. Nicht etwa ängstlich, bewahre, das bißchen Todesurteil schreckt ihn nicht. Es scheint vielmehr, als warte er darauf. Dieser unscheinbare

Ein neunjähriger Lebensretter

Bad Homburg, 1. März. Freitag nachmittag spielten am Forellenteich bei Dornholzhausen einige Knaben im Alter von fünf bis zehn Jahren. Mag es nun beim Spiel oder mag es auch aus Bosheit geschehen sein, ein zehnjähriger Junge aus Ober­stedten stieß einen Fünfjährigen aus Dornholz­hausen ins Wasser. Der Junge ging sofort unter. Ein Junge aus Dornholzhausen, erst neun Jahre all, hatte die Geistesgegenwart, unter eigener Lebensgefahr, sich nur an einer schwankenden Plauke festhaltend, seinen Spielkameraden aus hem

Enden haben sie je ein Kriegerdenkmal von zwei aufgelassenen Friedhöfen ausgestellt. Namenlos. Aber das linksstehende zeigt die Pionierembleme Es soll einigen Gefallenen des 23. Pionier-Bataillons gewidmet sein, die jetzt auch hier ruhen. Oberhalb der Reihengräber, die an einem leichten Hange an­gelegt sind, treffen wir drei Massengräber. Das mittlere ziert ein frischer Kranz mit der hessischen Rot-Weiß-Schleife. Wir lesen ergriffen und dank­bar die Stiftungsworte: Von den Mainzer Haus­frauen! Einen zweiten Gruß übermittelt ein Teil­nehmer: Ein Säcklein Erde vom Mainzer Friedhof streut er aus. Geweihte Heimaterde! Auch auf dem rechtsliegenden Massengrab ein Kranz. Von der Stadt Saarlouis. Söhne dieser Stadt schlummern hier.

Hinter den Massengräbern, auf dem höchsten Punkt, soll ein kleines Ehrenmal entstehen. Die Lösung soll ein Entwurf des an der Fahrt teilneh­menden Architekten Baurat Götz, Wonns, bringen.

Dann die Umfriedung. Wir sprechen uns auch in diesem Punkt aus. Gartendirektor Wagler, Mainz, faßt das Ergebnis zusammen: Am oberen Ende und an den Seitengrenzen soll ein bis zu 7 Meter tiefer Streifen gemischter Hecke mit Baum­schlag angepflanzt werden. Der Fachmann begrün­det nochmals kurz diese Entschließung und macht auch Bäume und Sträucher namhaft, die auf dem trockenen, kalkhaltigen Boden hier gedeihen können.

Dann besuchen wir einzelne Stätten. Gräber, die uns von Angehörigen besonders empfohlen wurden- Die von der Bezirksgruppe Mainz des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge geschaffene Kartei unterstützt uns dabei sehr. Neue Einträge sind ge­macht, Korrekturen werden vorgenommen. Auch auf den oft mangelhaften Graüaufschristen. Eine zweite gleiche Kartei lassen wir den Betreuern des Fried­hofs. Sie ist in guten Händen. Und es ist so auch den Besuchern möglich, Einblick an Ort und Stelle zu nehmen und hie Gräber ihrer Lieben leichter zu finden.

Noch ein stilles Gedenken, einen Blick zurück. Unsere Mission ist beendet. Zurück geht es über Darennes, Aoaucout, Haucourt, Malancourt, Montfaucon, Conserwoye bis Fort Douaumont: Front der Franzosen im MärzApril 1916.

Das Gedächtnismal Tranchèe des Bayonnettes macht einen sonderbaren Eindruck. Ein neuher­gerichtetes Gebeinhaus mit Totenkapelle und Leucht­turm wirken dagegen gewaltig und erhebend. Das DenkmalLe soldat du Droit steht schweigend am Weg^ Die Dämmerung mahnt. Vorüber gehts an der Stätte, wo Fleury lag. Ein schlichtes Denk­mal besagts. Chapelle Sainte Fine. Einruhen­der Löwe" zeigt die Stelle des weitesten Vorsprungs der deutschen Front vor Verdun.

Verdun! Die Fahrt ist zu Ende. Tote Bäume, zerstörte Bauten, die endlosen Trichterfelder sprechen nochmals zu uns. Die wassergefüllten Trichter in ihrer Unzahl schauen wie mit gebrochenen Augen auf uns: Vergeßt die für uns gefallenen Helden nicht! Gedenkt ihrer Ruhestätten!

Und du, Rheinhessen, mit deinen von diesen Kämpfen unberührten Fluren-, die Nur dein Pflug mund macht zu segensreichem Auferstehen halte in herzwarmem Dank die Halch schützend über deinen PatenfriedhofServon".

P. Th. Keßler, Mainz.

kleine Mann ist von einem wahrhaft dämonischen Geltungsdrang besessen. Nun fiebert er der Verhand­lung entgegen, die chm Gelegenheit geben soll, sich noch einmal, zum unwiderruflich letztenmal, das weiß auch er, in Szene zu setzen.

Die Juristen meinen, die Verhandlung, die An­fang März in Düsseldorf beginnt, würde sehr einfach verlaufen. Es ist kein Jndizienprozeß. Nichts muß dem Vampyr erst nachgewiesen werden. Im Gegen­teil, in Kürtens Lust zur Selbstbeschuldigung liegt die entscheidende Schwierigkeit der Wahrheitsfin­dung. In diesem seltsamen Hirn, verwirrt und metho­disch zugleich, ist die Kriminalchronik von Jahren, ja von Jahrzehnten, mit peinlicher Sorgfalt aufge­stapelt. Und alles, alles will er auf sich nehmen. So­gar Ueberfälle auf Eisenbahnzüge, die längst geklärt und längst gerichtet sind, nimmt er für sich in An­spruch. Nun wird es auch ein Wiedersehen mit einigen Opfern geben. Die Hausgehilfin Schulte wird ihm gegenübertreten, sie hat heute noch seine abge­brochene Dolchspitze im Rückgrat stecken, indes Frau Kühn vor Gericht vielleicht nicht wird erscheinen können, well sie noch todkrank darniederliegt. Allein vor einer hat er Angst: vor der eigenen Frau. Sie war, die Frau in seinem Leben, Scheuerfrau in einem kleinen Mufikcafö. Keiner hat sie beachtet. Ihm aber, dem Massenmörder, war sie ein höheres Wesen Und wenn er etwas wie Gewissen hat, er­schöpft es sich in der immer wiederholten Frage, wie es seiner Frau ginge in der Irrenanstalt, in die sie beim Zusammenbruch gebracht werden mußte. Ihr schöner neuer gelber Regenmantel war es eigentlich, der ihn schließlich ins Garn lockte. Die Polizei hatte ihm eine Falle gestellt, man weiß es. Eine Attrappe im vertrauten Regenmantel, lockte Kürten zu dem letzten Rendezvous, zu dem statt der Frau die Krimi­nalpolizei sich einfand. War sie es, die ihn verraten hat, oder wurde der verhängnisvolle Regenmantel ihr herausgelockt? Diese letzte Frage ist die einzige, die den Maffenmörder heute noch beschäftigt.

Wasser zu fischen. Der Verunglückte hatte inzwi­schen das Bewußtsein verloren und wurde von seinem Retter nach Hause gebracht.

Auto im Eise eingebrochen Vier Tote

Göteborg. 1. März. Auf dem Redsee in der Nähe von Göteborg brach ein Auto mit sechs Insassen im Eise ein. Während der Chausfer und ein Passa­gier sich retten konnten, kamen die vier übrigen Insassen ums Leben.

Gehört der Name zur Erbmasse?

Mit der bisher wohl noch nicht aufgeworfenen Frage, ob der Name eines Toten zum Besitzstand her Erben gehört, wird sich demnächst eine Pariser Zivilkammer zu beschäftigen haben. Es handelt sich im vorliegenden Falle um den Namen des berühm­ten Schauspielers Mounet-Sully, des früheren Doyen derComédie Franeaise", der im Jahre 1916 gestorben ist. Sein Erbe war einer seiner Nef­fen namens Francois Mounet-Sully, der außer dem beträchtlichen Vermögen des Verstorbenen auch den Familienbesitz erbte. Er starb 1929, und seine Witwe hat jetzt Schritte unternommen, um den unberechtigten Gebrauch des Namens des Onkels ihres verstorbenen Gatten zu verhindern. Der Einspruch richtet sich besonders gegen die Thea­ter, die sich nach Mounet-Sully nennen, ohne um die Ermächtigung zu dieser Bezeichnung eingekom­men zu sein. In der Provinz gibt es mehrere Theater dieses Namens. Die Klägerin stellt in ihrer Klageschrift den Antrag, die Theaterbesitzer zu einem Schadenersatz von 1,2 Millionen Francs zu verurteilen, um dadurch dem Recht, auf das sie Anspruch macht, Geltung zu verschaffen.

Mussolinis Nachwuchspropaganda erfolgreich!

Mussolinis vor zwei Jahren eröffnete Propa­ganda zugunsten der Bevölkerungszunahme hat ein über alles Erwarten günstiges Ergebnis ge­habt. Seit dem Jahre 1929 steigt die Geburten­ziffer des Landes, wenn sie auch im voranaegan- âenen Jahre ein Nachgeben um 2 Prozent aufweist. Die Bevölkerung des Landes beträgt heute etwas unter 43 Millionen Einwohner Wägend 1929 die Zahl der Geburten die der Todesfälle nur um 44 768 überschritt, überstiegen die Geburten im ver­gangenen Jahre die Todesfölse um 51^000. Ita­lien zählt heute mehr als 20 000 ^mrnlien. deren febe mehr als zehn Kinder aufweist. Neapel bat mit etwas unter einer Million Einwobner die stärkste Bevölkerung aller italienischen Sädte, Mai­land steht an zweiter Stelle, unh Rom folgt mit 940 000 Einwohnern am dritten Platz.

Eine neue phryne

Um die Ueberlegenheit der Wirklichkeit über die Kunst ad oculos zu demonstrieren, trat kürzlich, wie die Blätter berichten, eine rumänische Künst­lerin in Mailand vor eine Statue (?) des Leonardo da Vinci, warf ihre Kleider ab und forderte die Menge auf, ein Urteil darüber abzugeben, ob der Körper einer lebenden Frau nicht ungleich schöner sei als irgendein Kunstwerk der Renaissance, ganz gleich, ob es sich um Malerei oder Plastik handele. Die Polizei war rasch zur Stelle, um die Neu­gierigen, die sich begreiflicherweise in großer Zahl drängten, zu zerstreuen. Ein Polizeioffizier ver­suchte vergebens, die nackte Frau mit einem Tuch zu umhüllen: gewandt und leicht entzog sie sich seinem Zugriff. Erst nach kurzem Kampf konnte man sich der augenscheinlich Geisteskranken be­mächtigen und sie nach der Irrenanstalt schäften. Unterwegs hörte sie nicht auf, dieMittelmäßig­keit" der Werke da Vincis mit wüsten Worten zu schmähen.

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