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Nr. 51

Montag den 2. März 1931

Sette 3

Stadt Saturn

KüvchtevNcheS Ende einte Familie

Mann. Frau und 3 Kinder mit Gas vergiftet

In seiner in der Novdstraße belogenen Woh­nung vergiftete sich in der vergangenen Nacht der 40 Jahre alte Generalagent Fritz Hengsberger gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinen drei Kindern im Alter von 47 Jahren durch Einatmen von Leuchtgas. Als ein Pollzeidsamter, der auf Grund intensiven Gasgeruches von Anwohnern hevbeigerufen worden war, heute früh gegen 8 Uhr die Wohnung gewaltsam erbrach, bot sich ihm em fürchterliches Bild. In dem gaserfüllten Schlafzim­mer lag die gesamte Familie vergiftet in den Betten. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche waren nur bei dem Ehemann von Erfolg b e gleitet, der in wenig hoffnungsvollem Zustand in das Landeskrankenhaus verbracht wurde. Bei der Ehefrau und den drei Kindern war der Tod be­reits eingetreten. Hinterlassene Briefe und ein Testament erhellten, daß es sich um ein von langer Hand vorbereitetes freiwilliges Ausscheiden aus dem Leben handell. Der Ehemann war noch am Sonntag abend gegen 10 Uhr von Anwohnern am Fenster gesehen worden, wie auch die noch nicht ein­getretene Leichenstarre bewies, daß die Oeffnung des Gasha' res erst gegen Mitternacht' erfolgt fein mußte. Die Hausangestellte der Familie war be­reits am Samstag auf Urlaub geschickt worden und fand heute früh bei ihrer Rückkehr das entsetzliche Bild vor. Das Motiv zu dem verzweifelten letzten Schritt dürfte in ungünstigen wirtschaftlichen Ver­hältnissen, bedingt durch größere Vermögensverluste in letzter Zell, zu suchen sein.

4tu-SAe auf der Laudftvatze

Als vor einiger Zell der Landwirt Edmund H. mit seinem Pferdefuhrwerk um Mllternacht eine Straße bet Hanau befuhr, fuhr ein Kraft­fahrzeugführer P. mit seinem Kraftfahrzeug gegen den Wagen des erwähnten Landwirts. Durch den Zusammenstoß wurden mehrere Personen verletzt. Sowohl das Pferdefuhrwerk des Landwirts H. als auch das von P. gesteuerte Kraftfahrzeug soll nicht ausreichend beleuchtet gewesen sein, auch soll der Führer des Kraftfahrzeuges mit sehr großer Schnelligkeit gefahren sein. Das Amtsgericht in Hanau verurteilte fowohl P. als auch den Landwirt H. wegen fahrlästiger Körperverletzung und Zu­widerhandlung gegen polizeiliche Vorschriften zu Geldstrafen. Gegen seine Verurteilung legte nur der Landwirt H. Revision beim Kammergericht ein und stellte in Abrede, daß ihn ein Verschulden treffe; er sei mit mäßiger Geschwindigkeit gefahren und habe auch eine brennende Laterne an seinem Wagen befestigt gehabt. Den Zusammenstoß habe lediglich der Kraftwagenführer P. verschuldet, welcher mit

«nder Geschwindigkeit gefahren sei und sich auf

em Kraftfahrzeug zu viel mit einer Frauens­person beschäftigt habe; auch habe die Laterne des Kraftfahrzeuges nur ein unzureichendes Licht ver­breitet. Der dritte Strafsenat des Kammergerichts hob auch die Vorentscheidung auf und wies die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an die Vorinstanz zurück und.führte u. a. aus, es sei nach der maßgebenden Polizeiverordnung als ausreichend anzusehen, wenn sich unter dem Pferdefuhrwerk eine hèllbrennende Laterne befunden habe, welche leicht bemerkbar gewesen sei. Es fehle auch an einer Fest­stellung, daß der Angeklagte H. den Zusammenstoß vorausgesehen habe. Es sei auch erneut zu prüfen, ob der erforderliche kausale Zusammenhang vorhan­den sei oder ob der Unfall dadurch herbeigeführt wor­den sei, daß der Kraftwagenführer P. zu schnell auf der betreffenden Straße zur Nachtzell gefahren sei

Daten für 3. März. 1847: Der Geograph Alexander Supan in Qnmdjen geb. 1887: Der Ver­leger und Schriftsteller Kurt Wolff in Bonn geb.

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Eine Lebensgeschichte aus dem Walde.

Von Felix Salten

Copyright' by Paul Zsolnay Verlag. Berlin- Wien -Leipzig

14. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Bambi war so überrascht, daß er alle Fassung verlor. Er schämte sich, einfach davonzulaufen, wie er jetzt am liebsten gewollt hätte. Und er schämte sich, hier zu bleiben. Er rührte sich nicht.

Nun . . .?" fragte der Alte ruhig, leise. Seine tiefe Stimme, die fb gelassen und doch so gebie­terisch war, drang Bambi wie immer mitten durchs Herz. Er schwieg.

Der Alte wiederholte: ,,. . . nun . . . ?"

Ich dachte . . ." stammelte Bambi,. . . ich . . . glaubte ... Romo .... oder . . ." Er schwieg und wagte es, den Alten schüchtern anzusehen und wurde durch seinen Anblick noch verwirrter.

' Der Alte stand regungslos und gewaltig da. Sein Haupt war nun ganz weiß geworden und seine dunkeln, stolzen Augen leuchteten tief.

Warum nicht gegen mich .. ?" fragte der Alte.

Bambi sah ihn an. von einer merkwürdigen Be­geisterung erfüllt und von einem geheimnisvollen Schauer durchzuckt. Er hätte gerne ausgerufen: weil ich Sie liebe! aber er antwortete:Ich weiß es nicht. . ."

Der Alte betrachtete ihn.Ich habe dich lange nicht gesehen. Du bist groß und. stark geworden.'

Bambi erwiderte nichts. Er zitterte vor Freude.

Der Alte fuhr fort, ihn prüfend zu mustern. Dann trat er überraschenderweise bis an Bambi heran, der darüber fürchterlich erschrak.Führe dich brav. . ." sagte der Alte.

, Er wandte sich ab und war im nächsten Augen­blick verschwunden. Bambi blieb noch lange am sel­ben Fleck.

Es tbar Sommer und glühend heiß. In Bambi begann sich die Sehnsucht wieder zu regen, die er schon einmal gefühlt hatte, aber sie war nun viel ltärker als früher, sie kochte in seinem Blute und wachte ibn ruhelos. Er streifte weit umher.

Eines Tages traf er Faline. Ganz unerwartet traf er sie, denn seine Gedanken waren gerade sehr verwirrt, feine Sinne so umnebelt von dem ruhe­

Dee D-ttstvauertag in Hanau

Der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfür­sorge alljährlich veranstaltete Volkstrauertag hat auch in diesem Jahre wieder ein starkes Echo ge­funden. Gab es auch noch keine große offizielle Feier, so nahmen doch alle Veranstaltungen die zu Ehren der Toten unternommen wurden, einen würdigen Verlauf.

Die Arbeitsgemeinschaft der Krieger- und Mililär- vereine und Gardeverein hatte um 8.50 Uhr auf dem Ehrenfriedhofe eine Ehrungsfeier mit Kranzniederlegung und um 9.30 Uhr veranstalteten sie einen Gedächtnis« gottesdienst in der Iohanneskirche. Bis auf den letzten Platz war das Gotteshaus ge­füllt, als unter den Klängen der Orgel die Fahnen der Vereine feierlich eingebracht wurden. Den Gottesdienst hielt Herr Pfarrer Kranepuhl. Er sprach über das Wort aus dem Buche Jesajas: 62. Kapitel Vers 6:O Jerusalem, ich will Wächter auf deine Mauern bestellen, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nimmer stillschweigen sollen und die des Herrn gedenken sollen; auf daß bei Euch kein Schweigen sei." Wächterruf klang einst vom Turm der Marinkirche, wenn der Stadt Hanau Ge­fahr drohte, Wächterrufe klingen auch heute zu uns, wenn wir der Gefallenen gedenken. Wenn diese Ge­danken einen Sinn haben sollen, dann muß es der sein, daß wir uns dieser Helden würdig zeigen. Nicht das hat sie zu Helden gemacht, daß sie vor den Feind getreten sind, nein, das macht sie zu Helden, daß sie den Tod erlitten um ihres Vaterlandes willen. Auch wir müssen lernen zu Opfern bereit zu ein. Jesus lehrt uns wie wir in Dienst und Liebe für andere leben sollen. Dienst und Liebe muß auch das Doppelgestirn über unserem Leben sein. Volk und Vaterland ruft uns heute zum Dienst und wenn wir unserem Vater­lande dienen wollen, dann müssen wir unsere ganze Kraft einsetzen. Wir müssen wieder christliche Liebe in unser Volk tragen, denn ohne Jesus Christus geht es auch in der deutschen Republik nicht. Zum Dienst muß die Liebe treten. Geist der Liebe müssen wir hineintragen in unser zerrissenes Volk. Wir brauchen diesen Geist der Liebe, wenn wir über­haupt noch weiter leben wollen. Von den Men­schen muß eine Wärme ausstrahlen und von jedem Mitglied der Gemeinde muß der Geist des Christentums in die breiteste Oeffentlichkeit ge­tragen werden. Viele gibt es, die dem neuen Staat falsch gegenüberstehen, ihnen ist es zu Mute, als ob mit dem alten Deutschland ihre Mutter gestor­ben ist. Mißtrauisch und ablehnend stehen sie dem neuen Staat gegenüber, aber in der Zeit der Not müssen wir zusammenstehen und die Hände über die Gräben reichen, um des deutschen Volkes willen. Und wem der Dienst am Vaterlande un­möglich dünkt, der sei an die Gefallenen erinnert. Draußen im Feld gab es kein Unmöglich. Wir müssen dienen und wir müssen lieben, um unser Volk und unser Vaterland willen, dann wird es auch aus deutscher Nacht ein Auferstehen geben." Die würdige Feier war umrahmt von Chorgesängen und gemeinsamen Liedern.

Gedächtnisfeier auf dem Ehrenfriedhof

Anschließend an die Gottesdienste in den Kirchen fand auf dem Ehrenfriedhof eine schlichte Gedächt­nisfeier statt, bei der Herr Pfarrer Knell die An­sprache hielt. Der Geistliche zeichnete zunächst ein Bild von dem Heldentum unserer Gefallenen, von der Größe des Opfers, das Menschen für die All- gemeinheit zu bringen bereit waren und die Ge­fallenen durch Hingabe ihres Lebens auch gebracht haben. Man müsse selbst draußen im Felde gestan­den und den Krieg mit all feinen Schrecknissen mit erlebt haben, um dieses Opfer in seiner ganzen

zu verstèhen, was es

Größe erfassen, um

bedeutet, das in was beim Auszug

die Tat . umzusetzen, gesungen wurde: daß jenem Deutschland, die heilige Heimaterde über alles, auch über ihr Einzelschicksal, über ihr Einzel­leben ging. Dann behandelte Redner die Frage, warum dieses furchtbare Geschehen zugelassen wor­den sei, die er dahingehend beantwortete, daß die

losen Verlangen, von dem er durchwühlt wurde, daß er Faline gar nicht wahrgenommen hatte. Nun stand sie vor ihm. Bambi betrachtete sie eine Weile sprach­los, dann sagte er ergriffen:Faline . . . wie schön bist du geworden . . ."

Faline entgegnete:Erkennst du mich denn wie­der?"

Ich sollte dich nicht wieder erkennen!" rief Bambi,sind wir nicht zusammen ausgewachsen?"

Saline seufzte:Wir haben uns so lange nicht gesehen . . ." Dann fügte sie hinzu:. . . man wird einander ja ganz fremd," aber das war schon wie­der ihr leichter, zierlich neckender Ton von einst.

Jetzt blieben sie beisammen.

Diesen Weg hier," sagte Bambi nach einiger Zeit,diesen Weg bin ich als Kind mit meiner Mut­ter gegangen . . ."

Er führt zur Wiese," meinte Faline.

Auf der Wiese habe ich dich zum erstenmal ge­sehen," sagte Bambi ein wenig feierlich,weißt du das noch?"

Ja," erwiderte Faline,mich und Gobo. Sie seufzte leichthin:Der arme Gobo."

Bambi wiederholte:Der arme Gobo."

Nun sprachen sie von damals und fragten einan­der jeden Augenblick:Weißt du noch?" Es zeigte sich, daß sie noch alles wußten. Darüber waren sie beide entzückt. _ _

Draußen, auf der Wiese, erinnerte Bambi, haben wir Haschen gespielt . . . weißt du noch?"

Ich glaube, es war so . . ." sagte Faline und sprang wie der Blitz davon. Bambi blieb zuerst ganz verdutzt zurück, dann sauste er hinterdrein. Marte! Warte doch!" rief er glücklich.

Ich warte nicht," neckte Faline,ich habe große Eile!" Und in leichten Sätzen zog sie einen Bogen, weithin durch Busch und Gras.' Endlich holte Bambi sie ein, versperrte chr den Weg und nun standen sie ruhig beisammen. Sie lachten und waren zufrieden. Plötzlich sprang Faline in die Höhe, als ob sie gestochen wäre, und stob aufs neue davon. Bambi stürzte ihr nach. Faline zog Bogen auf Bogen, warf sich herum und entwischte immer wieder.

Bleib stehen!" keuchte Bambi,bleib doch stehen ... ich muß dich etwas fragen."

Faline blieb stehen.Was mußt du mich fra­gen?" erkundigte sie sich neugierig.

Bambi schwieg.

Menschheit es nicht verstanden habe, sich von der gewaltigen großen Liebe, die im Nächsten den Bru- )er sieht, beherrschen zu lassen. Der Volkstrauertag olle Mahnung dafür sein: Werdet wieder Menschen )er Liebe! Seht in eurem Nächsten wieder den Bru, der, reicht ihm die Hand und tragt gemeinsames Leid gemeinsam! Dann wird die Zeit kommen, nach der wir uns alle sehnen, die Zeit des Friedens für die Welt, und für den Einzelnen. Die Ansprache wurde umrahmt von Chören des Posaunenchores.

Das Reichsbanner

zog um 11.30 Uhr in geschlossenem Zuge zum Ehrenfriedhof um dort die Ehrung der gefallenen und verstorbenen Kriegstellnehmer durch Kranz- wiederlegung zu ehren. Es wurde ein Kranz der republikanischen Parteien und Verein« Hanaus niedergelegt.

Weiterhin wurden vom Verein für Verkehrs- truPpen ein Kranz niedergelegt.

Feierstunde der Marienkirchengemeinde

Abends 5.30 Uhr Haire die Marren-Gemeinde eine Feierstunde in der Marienkirche veranstaltet, die sehr gut besucht war und bei her die Konzert­sängerin Frl. Marx, der Gesangverein der Kirche und der Organist Herr Otto mitwirkte. Im Rahmen einer Passionsandacht sangen nach dem Orgelvorspiel Frl. MarxGib dich zufrieden und sei stille" undGott lebet noch". Der Kirchenchor sang im Anschluß an die einschläg. Schriftworte Siehe des Gottes Lamm",O Lamm Gottes", O Welt sieh hier dein Leben" undSo gibst du nun, mein Jesu gute Nacht". Im Mittelpunkt der Feier stand die Ansprache des Pfarrers K n e l l, der ausgehend von den Leiden unserer Helden den Tag als einen Gedenktag würdigte, der aber auch ein Leidenstag für uns bilde. Er wies hin auf den großen Dulder Jesu, dessen Leiden mir wieder in der Jetzt­zeit bedenken wollen. Mit dem Gems indegesang Lasset uns mit Jesu sterben" undMach End' o Herr, mach Ende mit aller unserer Not", schloß die eindrucksvolle und erhebende Feier.

Sesselstadk

In der Friedenskirche in Kestelstadt fand eine Feier statt, an der der Kriegerverein mit feiner Fahne teilnahm. Herr Pfarrer Boos sprach über den Opfergedanken. Die Kirche war gut besucht. Auf dem Friedhof fand noch eine weitere Gedächt­nisfeier statt, bei der der katholische Geistliche Worte des Gedenkens sprach.

Meiheskunde des Stahlhelm

Der Stahlhelm beschloß den Volkstrauertag durch eine ernste Weihestunde, die am Abend unter Mitwirkung der Stahlhelmkapelle im gut besuchten Saale der Stadthalle vor sich ging und auf alle Teilnehmer einen äußerst' nachhaltigen Eindruck hinterließ. Im Mittelpunkt der Feier stand die Ge­dächtnisrede des Herrn Pfarrer Struckmeier- Frankfurt, der in packenden Worten der gefallenen Helden und ihres Erbes an das deutsche Volk ge­dachte. Das deutsche Volk verdiene nicht mehr die Existenz und Zukunft als Nation, setze es nicht das Gedenken an die 2 Millionen gefallener Brüder in lebendige Taten um. Ständig rufe es aus jenen «stillen Gräbern zu uns herüber, denkt chr auch noch an uns und an das,. für was wir opfer­willig unser junges Leben dahingaben. Leider aber wolle es vielfach scheinen, als ob man nicht mehr gerne an die stummen Helden dächte und die Erinnerung an die Gefallenen allmählich zur Gewohnheit zu werden drohe. Aber nicht nur aus einer schmerzlichen Rückerinnerung müßte eine derartige Gedenkfeier bestehen, das fei keineswegs im Sinne der Toten. Vielmehr müsse man aus derartigen Gedächtnisstunden glutvolle Kraft für die Gegenwart im Sinne der von jenen gebrachten unvergeßlichen Opfer schöpfen. Mag es bei der Zerrissenheit des heutigen Deutschlands auch so scheinen, als ob die Opfer vergebens gewesen seien, das deutsche Volk müsse und werde sich doch durchringen und der Rausch unserer Tage sich bald verfluchten. Harte und strenge Pflichterfüllung unter Hintenansetzung des eigenen Ich sei hierzu freilich vonnöten. Das Opfer der Gefallenen müsse

Ach, wenn du nur geflunkert hast . . ." meinte Faline und wollte sich abwenden.

Nein!" Bambi sprach schnell:Bleib doch stehen ... ich will ... ich will dich fragen . . . liebst du mich, Faline?"

Sie sah ihn an, noch viel neugieriger als vor­hin und ein wenig lauernd:Ich weiß es nicht."

Doch," drängte Bambi,du mußt es wissen! Ich weiß es ja auch, ich fühle es ganz deutlich, daß ich dich liebe. Rasend liebe ich dich, Faline. Also sag' mir jetzt, ob du mich liebst . . ."

Kann schon sein, daß ich dich lieb habe," ant­wortete sie obenhin.

Und wirst du bei mir bleiben?" forschte Bambi erregt.

Wenn du mich schön darum bittest . . ." sagte Faline fröhlich.

Ich bitte dich, Faline! Geliebte, schöne, teure Faline," rief Bambi außer sich,hörst du? Ich bitte dich aus ganzem Herzen!"

Dann bleibe ich gewiß bei dir," sprach Faline sanft und weg war sie.

Entzückt pfeilte Bambi von neuem hinter ihr drein. Faline fegte quer über die Wiese, schlug einen Haken und verschwand im Dickicht. Als aber auch Bambi einen Haken schlug, um ihr zu folgen, da rauschte es stürmisch in den Büschen und Karus sprang heraus.

Halt!" rief er.

Bambi begriff nicht. Er war zu sehr mit Faline beschäftigt.Laß mich vorbei," sagte er hastig,ich habe nicht Zeit für dich!"

Fort mit dir!" herrschte ihn Karus böse an. Augenblicklich fort! Sonst jage ich dich, bis du nicht mehr schnaufen kannst! Ich verbiete dir, Faline nachzulaufen!"

In Bambi erwachte die Erinnerung an die vorige Sommerzeit, da er so oft und so elend da­vongejagt worden war. Augenblicklich geriet er in Wut. Er sagte kein Wort, sondern warf sich ohne weiteres mit gesenkter Krone auf Karus.

Der Anprall war unwiderstehlich und Karus lag im Grase, noch ehe er recht wußte, was mit ihm geschah.

Blitzschnell raffte er sich auf, aber kaum stand er wieder auf den Beinen, da traf ihn ein neuer Stoß, daß er taumelte.

Bambi!" rief er und wollte noch einmal rufen, .Bam . . ." doch ein dritter Stoß, der von seinem

lebendig sein und bleiben, die Tat als ihr teuerstes Vermächtnis aber im Anfang und Ende stehen. Ein Volk, das derartige Leistungen vollbracht habe wie das deutsche, werde auch wieder den Weg finden zur einstigen Höhe. Daran mitzuarbeiten im Interesse von Volk und Vaterland fei auch in Zukunft die Pflicht eines jeden Deutschen. Die eindringlichen Wort« des Redners waren umrahmt von musi­kalischen Darbietungen der Kapelle und zwei geist­lichen Liedern der heimischen Sängerin Frau Breidenbach-de Grote. Den Abschluß der hebenden Feierstunde, der am Nachmittag eine Kranzniederlegung auf dem Ehren­friedhof vorangegangen war bildete bas ge­meinsam gesungene Deutschlandlied.

er»

Schon im vorigen Jahre haben wir unser leb­haftes Bedauern über die Zersplitterung in der Be­gehung des Dolkstrauertages zum Ausdruck gebracht und den Wunsch geäußert, daß es in diesem Jahre gelingen möchte, die Bevölkerung zu einer gemein­samen Feier aufzurufen. Leider ist eine Einigung nicht möglich gewesen, was für die innere Zerrissen­heit unserer Bevölkerung bezeichnend ist. Wir be­dauern dies erneut, da wir der Ansicht sind, daß eine Volkstrauer zum Andenken an unsere Weltkriegstoten ein einigendes Band um die ganze Bevölkerung schlingen müßte.

Infolge des unverständlichen Verhaltens des preu­ßischen Landtages bei Behandlung des Antrages der Deutschen Volkspartei, am Volkstrauertag auf den öfentlichen Gebäuden die Flaggen auf Halbmast zu setzen, fehlte dieser Flaggenschmuck an den staat- lichen Gebäuden; ebenso trug, soweit wir feststellen . konnten, kein Privathaus Flaggenschmuck. Dagegen hatte das Rathaus auf Veranlassung des Oberbürger­meisters auf Halbmast geflaggt sehr erfreulich. Vielleicht gelingt es auf diese Weise, nämlich daß die lokalen Behörden den Anfang machen, die Teilnahme der amtlichen Welt an einem solchen Tage zu er­reichen. ___________

* Das Fest der silbernen Hochzeit feiern morgen Dienstag die Eheleute Otto T h o m e r und Frau Marie geb. Schleckfer, Salisweg 79.

* Seinen 72. Geburtstag feiert morgen Dienstag Herr Joh. Schmidt, Waldstraße 26.

* Gewarnt wird vor den beiden Unternehmen Vitalis-Verlag" in München undHansa-Verlag" in Halle a. S., die in letzter Zeit in der Tagespresse Inserate mit der UeberschriftHeimarbeit schriftlich" erscheinen lassen. Arbeitsuchende nehmen in vielen Fällen auf Grund des Inserates an, daß sich ihnen hier sofort eine bezahlte Arbeit bietet, die zu Hause ausgeführt werden kann. In Wirklichkeit erhalten die Leute, die auf die Inserate hineinfallen, aber gar keine Arbeit, sondern lediglich eine sogenannte Erwerbsmappe", für die ein Betrag von 5. RM gefordert wird. Der Inhalt der Mappe bietet aber nichts, was von dem Arbeitssuchenden wirklich er­folgreich ausgewertet werden könnte, so daß man sagen kann, daß die Ankündigungen der beiden Unternehmen, sowie die von diesen herausgegebenen Erwerbsmappen, eine bewußte Irreführung sind. Personen, die mit diesen Unternehmen zwecks Er­langung von Arbeit in Verbindung getreten sind und sich geschädigt fühlen, werden gebeten, sich auf dem hiesigen Kriminalkommissariat zu melden.

* Die Flüsse steigen. Main und Kinzig sind in­folge der Regengüsse und Schneeschmelze stark an- geschwollen und zum Teil aus den Ufern ge­treten. In Hanau werden beide Flüsse noch steigen, do» ist mit keiner Gefahr zu rechnen, da die Kin­zig bei Wirtheim schon wieder fällt und die Haupt­welle des Mains auch schon bei Würzburg liegt.

* An übertragbaren Krankheiten wurden in der Woche vom 22.-28. Februar amtlich gemeldet. Scharlach 2 Fälle aus Hanau und 1 Fall aus Langenselbold; Tuberkulose 1 Fall aus Hanau und Diphtherie je 1 Fall aus Großauheim und Mar­köbel.

* Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter- Partei verweist auf ihr Inserat in der heutigen Aus­gabe.

* Die Kapelle der Freiw. Feuerwehr veranstal- tet Sonntag, 8. März, in der Turnhalle, Jahn- straße, einen Konzertabend mit gutem Programm. (Siehe heutiges Inserat.)

Schulterblatt abglitt, erstickte ihn beinahe vor Schmerz.

Karus sprang zur Seite, um dem nochmals an- stürmenden Bambi zu entwischen. Er fühlte sich plötzlich merkwürdig schwach. Zugleich erkannte er mit Entsetzen, daß es nun auf Tod und Leben ginge. Kalte Angst faßte ihn. Er wandte sich zur Flucht und aus dem Schweigen Bambis, der ganz nah hinter ihm dreinsauste, erkannte Karus, daß Bambi von Sinnen, zornig und unerbittlich ent­schlossen sei, ihn zu töten. Das nahm ihm vollends die Fassung. Er wich vom Wege ab, brach mit der letzten Kraft mitten in die Büsche, wollte nichts mehr, dachte nichts mehr, sondern ersehnte nur noch Erbarmen oder Rettung.

Da ließ Bambi mit einem Male von ihm ab und blieb stehen. Karus merkte es gar nicht in sei­ner Angst und rannte quer durch die Büsche wei­ter, was er konnte.

Aber Bambi war stehengeblieben, weil er den feinen Ruf Falinens gehört hatte. Er horchte, da rief sie wieder, ängstlich, bedrängt. Augenblicklich machte er kehrt und stürmte zurück.

Als er auf die Wiese kam, sah er eben noch, wie Faline, von Ronno verfolgt, ins Dickicht flüchtete.

Ronno!" rief Bambi. Er wußte gar nicht, daß er gerufen hatte.

Ronno, der nicht so schnell laufen konnte, weil er durch sein Hinken gehindert war, blieb stehen.

Sieh da," sagte er vornehm,mein kleiner Bambi! Wünschest du etwas von mir?"

Ich wünsche," sprach Bambi ruhig, aber mit einer Stimme, die von verhaltener Kraft und von beherrschtem Zorn ganz verändert war,ich wünsche, daß du Faline in Ruhe läßt und augen­blicklich von hier fortgehst."

Weiter nichts?" höhnte Ronno.Was für ein frecher Bursche du doch geworden bist ... das hätte ich nie erwartet . . ."

Ronno," sagte Bambi noch leiser,ich wünsche es für dich. Denn wenn du jetzt nicht sofort gehst, wirst du nachher auf deinen Beinen gerne laufen wollen, aber du wirst nicht mehr laufen können ..."

Oho!" rief Ronno erbost,redest du so mit mir? Weil ich hinke? Man merkt es übrigens gar nicht. Oder glaubst du vielleicht, auch ich fürchte mich vor dir, weil Karus so erbärmlich feige war? Ich rate dir in gutem .. /

(Fortsetzung folgt)