Mittwoch de« 25. Februar 1931
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Stadt Aanau
Vas vollkommene Radio- pvosvamm
Für die Frau
7 Uhr: Praktische Winke für das Ausstehen und Anziehen der Kleinen. Motto: Geht fröhlich zur Sckiüe! Vortrag von Frl. Dr. Kinderfreund,
8 Uhr: „Pflege und Nahrung des Babys", Bortrag von Anita Griesmus, Säuglingsschwester.
9 Uhr: „Die Dienstbotenfrage", Erfahrungen von Ober-Regierungsrat a. D. Käte Streng, Vor- Ukende des Verbandes organisierter Hausfrauen.
10 Uhr: „Was und wie koche ich heute?", Lehr- turs, gehalten von Konrad Fettauge, Schriftführer -er Berufsorganisation der Köche.
12 Uhr: Mittagskonzert: Potpourri a. d. Oper Am häuslichen Herd". Walzer a. d. Operette „Die glückliche Ehefrau". Marsch aus dem Singspiel Die Küchenfee". Duett „De glückliche Ehemann."
14 Uhr: Technischer Vortrag „Die Geschirrspülmaschine" von Ingenieur Oskar Tellerbruch.
16 Uhr: Schulaufgaben. Drahtlose Nachhilfestunden für alle Fächer.
17 Uhr: Schneiderkurs: Wie fertige ich aus einer Herrenweste ein neues Abendkleid?" An- schließend: Radio-Nähkurs.
20 Uhr: Bunte Stunde. Märchenerzählungen, Schlummerlieder, Warnung für die Kinder, im Bett keine Schokolade zu essen.
21 Uhr: „Der gesunde Schlaf", Plauderei von Aarl Schlummermeier, Schlafwagenkontrolleur a. D.
Für den Mann:
7 Uhr: „Wo finde ich mein Kragenknöpfchen?" Bortrag über die täglichen Unfälle des Lebens, von Dr. Ernst Tückebold.
9 Uhr: „Steuerbelehrung", Drahtlose Unterweisungen des Treuhanddirektors a. D. Friedrich Eugen Hinterzieher.
11 Uhr: „Warum kein Stammtisch mehr in der Mittagsstunde?" Radio - Ersatzstammtisch mit Mikoschwitzen und Streichholzspielen.
12 Uhr: Mittagskonzert. Programm: „Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust", Walzer von Strauß. Pistonsolo: „Hab ich nur deine Liebe, die Treue brauch ich» nicht." Lied: „Ich sitze gern beim Glase Wein." Damenchor: „Ein rheinisches Mädchen." Anschließend: „Nur wer die Sehnsucht kennt, weis was ich leide."
14 Uhr: „Alibi-Nachweise", Vortrag von Heinz Scharfblick, Inhaber des Detektivinstituts: „Die Sonne bringt es an den Tag".
16 Uhr: Renntips, Fußballresultate, Unterweisung in Kartenkunststücken, Plauderei über Golf, Tennis und moderne Tänze.
18 Uhr: „Die Berechtigung des Alkoholgenusses" Portrag von Dr. Emil Viermann.
21 Uhr: „Die Notwendigkeit des Dereinslebens" Belehrender Kurs über Vorteile der Mitgliedschaft in möglichst vielen Vereinen, von Hermann Nachts licht, Syndikus des Allgemeinen Deutschen Vereins für Vereinswesen. (Da dieser Vortrag voraussichtlich in Abwesenheit der männlichen Hörer gehalten wird, ist er den Damen besonders zu
Die Gteinauer GüteszusrSubev vor Gericht
Ein Kapitel für sich bilden jene systematischen Beraubungen von Güterzügen auf offener Strecke zwischen den Stationen Steinau und Schlüchtern, mit denen sich seit Frühjahr 1922 die Hanauer Ge- i richte wiederholt zu befassen hatten. Vor etwa zehn Jahren stieg in den beiden Gebrüdern Iahn aus Steinau erstmalig der verwegene Gedanke auf, an einer Steigung kurz hinter dem Bahnhof Steinau auf die dort sehr langsam fahrenden Güterzüge aufzuspringen, die Plomben von den Güterwagen abzureißen und in die so gewaltsam geöffneten Waggons einzudringen. An Hand von Firmenbezeichnungen auf den Frachtgütern hielt man dort möglichst sorgfältige Auswahl, um das gestohlene ®ut_ alsbald aus dem fahrenden Zuge hinauszuwerfen und nach getaner Arbeit wieder abzuspringen. Mit Hilfe von Komplizen wurde dann der Raub in Sicherheit gebracht und „verschärft".
Mit den ersten Beraubungen, die in die Jahre 1919—1921 fielen und vornehmlich von den beiden Brüdern Iahn ausgeführt wurden, hatte sich im März 1922 das Hanauer Schwurgericht zu beschäftigen. Der frühere Schreiber und nachmalige Gelegenheitsarbeiter Wilhelm Jahn aus Steinau, der späterhin der
König der Gülerzugränber
wurde und bei allen nachfolgenden Beraubungen seine Hände im Spiel hatte, erhielt damals als knapp 19jähriger 2% Jahre Gefängnis zudiktjert. Als die beiden Jahns ihre Strafe verbüßten, hörten auch die Beraubungen ganz von selbst auf. Erst nach ihrer Entlassung aus der Strafanstalt begann das verwegene Spiel aufs neue. Diesmal ging es für die Räuber nicht so gnädig ab, denn das Gericht hatte eingesehen, daß man derartigen Burschen nur mit exemplarischen Strafen beikommen kann. So ereilte Wilhelm Jahn im Juni 1925 sein Geschick in Gestalt von 2 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Daß auch diese schwere Strafe nichts fruchtete, ließ die neuerliche Verurteilung Jahns im September v. I. wegen einer gemeinschaftlich mit den Gebrüdern Josef und Heinrich Müller von der Dielmühle bei Uerzell (Kreis Schlüchern) begangenen Beraubung erkennen. Auf 3 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust hatte damals das Hanauer Schöffengericht erkannt, nachdem zunächst Heinrich Müller in der Verhandlung im Mai v. I. die Alleinschuld auf sich genommen hatte und als Opfer der Iahn- schen Verführungskünste mit 1 Gefängnis davongekommen war. Hinterher kam dann die Wahrheit an den Tag und außer Jahn wurde auch Josef Müller zur Verantwortung herangezogen, der gleichfalls mitbeteiligt war und dafür auf 1% Jahr ins Gefängnis wandern mußte.
Den Stein des Anstoßes gab im letztgenannten Falle der am 1. Fe - bruar bei Schlüchtern begangene Po st raubüberfall, dessen Klärung bis auf den heutigen Tag noch nicht
man damals größere Posten Diebesgut, über dessen Ursprung man sich nicht lange im Unklaren war. Schlag auf Schlag folgten dann die Aufdeckungen zahlreicher Beraubungen von Güterzügen und die Ermittlung eines berufsmäßigen Hehlers schlimmster Sorte in Frankfurt, der das gestohlene Gut in einer Kraftdroschke abholte und den großen Unbekannten mit dem vielsagenden Vornamen „Fritz" zum Weiterverkauf am Börneplatz und ähnlichen lieblichen Gegenden überlassen haben will. Neben Wilhelm I a h n und den Brüdern Heinrich und Josef Müller als den eigentlichen Zugräubern wurden noch der Frankfurter Hehler, ein 42jähriger Arbeiter Karl Ludwig Bauer, ein junger Nachbar des Jahn aus Steinau, ein jüngerer Bruder von der Diolmühle und der Vater Jahn in die Affäre hineingezogen:
In der gestrigen Hauptoerhandlung waren nicht zuletzt dank der umfassenden und geschickten Ermittlungstätigkeit des bekannten Spezialisten auf dem Gâüete der Bahnberaubungen Ersenbcchniekre- tär Seng- Hersseld sämtliche Angeklagten geständig. Lediglich der Neuling und Außenseiter der Bande, ein geistig etwas beschränkter 24jähriger Schuhmachergoselle Lotz aus Steinau, versuchte vergeblich den Schutz des § 51 für sich herauszuholen. Zur Aburteilung gelangten insgesamt
erst die Schwierigkeiten, die sich unserer evangelischen Kirche auf dem Wege zu wahrer Kirchlichkeit entgegenstellen, darzutun. Er kennzeichnete die Mächte, die als Gegner evangelischen Christentums und der evangelischen Kirche alle Anstrengunden machen, den in ihr lebenden Geist nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. So schärfte er den Anwesenden das Gewissen zur rechten Wachsamkeit und zu klarer Schau all der der Kirche entgegen* stehenden Institutionen, Geisteserscheinungen und Weltanschauungen. Besonders wertvoll war an diesem Teil des Vortrags, daß gegenüber der Zeit und ihren Erscheinungen, gegenüber der Lage der Kirche keine Vogel-Strauß-Politik getrieben wurde. Nach der Schilderung der Not und der besonderen Lage der evangelischen Kiche ging der Redner dazu über, nun den Grund aufzuzeigen, von dem aus man die Gewißheit zur Ueberwindung der Not und den Mut zu neuem Vorwärtsdringen finden könne. Wichtig war bei diesen Ausführungen die Feststellung, wie eine in erschütternder Bedrohtheit ihrer Existenz dahinlebende Menschheit sich geradezu nach
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Am Montag fand unter dem Vorsitz des Kreis- 'pfarres Kranepuhl und in Anwesenheit des Landespfarres D. Fuchs-Kassel der Kreis- kirchentag des Kirchenkreises Hanau- Stadt im Evangelischen Vereinshaus statt. Im Rahmen der notwendigen geschäftlichen und organisatorischen Punkte der Tagesordnung, die sich mit Rechnungslegung und Etatsberatungen zu beschäftigen hatten, standen wichtige Verhandlungsthernen zur Besprechung. Pfarrer Gerlach wußte die Versammlung unter Zugrundelegung des Iesajawortes Kap. 49, V. 4 „Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und brächte meine Kraft umsonst und unnütz-
I jerfol gen t o n n t e. In Verfolgung dieser Raub- WMWM Mygetegenyeit ichrttr man aucy zu zahlreichen Haussuchungen in der ganzen Umgebung. Dabei machte man die nicht einmal sonderlich überraschende Entdeckung, daß
5 Fälle von Zugberaubungen, die in besonders dunklen Nächten der Monate August-Dezember 1929 begangen worden waren. In allen Fällen war Jahn auf die Güterzüge aufgesprungen und hatte dann die Beraubung der Wagen vorgenommen. Viermal war Heinrich Müller der Mittäter, zweimal waren auch Josef Müller und Lotz dabei. Der jüngere Müller und Lotz, die beide von ihren Mitangeklagten sichtlich geschont wurden, spielten dabei eine bescheidenere Rolle. Der Raub war immer recht lohnend und erreichte einen Gesanrtwert von ca. 2800 RM. Gestohlen wurden im einzelnen Leder in ganz beträchtlichen Mengen, einige Ballen Futterstoff, Bettwiin. Bettfedern, Mantelstoff, 50 Paar Damenschuhe, eine Kiste Wein und eine Kiste Schokolade und Kakao. Die Beute wurde stets in der Scheune der Dichl- mühle versteckt die einem förmlichen Diebeslager glich. Von dort aus erfolgte später der Abtransport des gestohlenen Gutes. Der Mitangeklagte Vater Jahn, der bereits bei den ersten Zugberâu- bungen im Jahre 1921 wegen Hehlerei 8 Monate Gefängnis erhalten hatte, stand wiederum unter der gleichen Anklage vor Gericht, da er sich von dem gestohlnen Stoff einen Mantel hatte anfertigen lassen.
Nach mehrstündiger Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt hohe Zuchthaus- und Gefängnisstrafen gegen sämtliche Angeklagten. Das Gericht fällte um 4 Uhr nachmittags nach siebenstündiger Berhandlungsdauer folgendes
Arleil:
Wilhelm Iahn 4 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust als Gesamtstrafe, Heinrich Mül-
ewigen, crbsvbuten Werten sehne und nach Geborgenheit und neuer Sinngebung des Lebens Ausschau halte. Hier liegt die Gewißheit eingeschlosien, daß die Menschen, je ernster und heißer sie ringen, wieder stoßen müssen auf das Erlebnis Luthers und seiner Kirche, diese irdische und ewige Geborgenheit bei dem gnädigen Gott, was den Hauptinhalt evangelisch-kirchlicher Verkündigung ausmacht. Aber gegenüber dem nur individuellen Frömmigkeitserlebnis wurde hier das Recht und die Pflicht gemeinsamen Ringens in der Kirch« um diesen tiefsten Grund des Lebens dargetan. Zu gleicher Zeit wurde nachgewiesen, welche Kräfte in unser Volkstum von einer in solchem Sinne wirkenden evangelischen Kirche ausgegangen sind und immer neu ausgehen. Im Sinne der Nürnberger Kundgebung sprach der Vortragende am Schlüsse die Erwartung rechter Kirchlichkeit von feiten der Glieder der evangelischen Gemeinden aus und fand damit die lebhafte Zustimmung der Anwesenden. — Frl. Buddenberg, die kirchliche Fürsorgerin, berichtete über die von der kirchlichen Wohlfahrts- stellc geleistete Arbeit und gab Anregungen zu weiterem Ausbau. — Ein gemeinsam gesungenes Lied endete diesen Kreiskirchentag des Kirchenkreiser Hanau-Stadt.
die Dielmühle ein Diebeslager größten Formals
Muller 2 Jahre Gefängnis Gemmtstrare, Lotz, 9 Monate Gefängnis, Anglist Müller 4 Monate Gefängnis wegen Begünstigung, Bauer 1% Jahr Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust Hehlerei im Rückfall und Jahn sen. 2
* Daten für 26. Februar 1931. 1802: Der französische Dichter Victor Hugo in Besaneon geb. 1815: Napoleon I. verläßt Elba. 1871: Unterzeichnung des Präliminarfriedens zu Versailles.
* Seinen 71. Geburtstag feiert heute Mittwoch Herr Polizeiwachtmeister i. R. Hemr. Rahn, Lamboystraße 21.
* Feskgenommen wurde gestern nachmittag in der Nähe der Dunlop ein ortsfremder Mann, der sich Frauen in unsittlicher Weise genähert hatte.
* Hühnerdiebstahl. In der Nacht zum Samstag wurden von einem Grundstück der Akademiestr. 14 Hühner und 1 Hahn gestohlen. Es handelt sich bei den gestohlenen Hühnern größtenteils um Rassegeflügel. Im einzelnen wurden entwendet: 6 weiße Leghorn, 2 Zwerg-Wyandottes, 2 schwarze Hühner, je ein weißes Bantam, rebhuhnfarbiger Zwerg, Hamburger Goldsprenkel, silbergraues Huhn und 1 weißer Hahn mit gelber Brust. Sachdienliche auch I vertrauliche Mästungen ervmet das Krim.-Kom- I miffartaf.
war. In der Scheune des Mühlenanwesens fand I Gefängnis wegen Hehlerei.
lich zu, wiewohl meine Sache des Herrn und mein Amt meines Gottes ist" — zur Besinnung auf den tiefsten Grund pfarramtlicher Tätigkeit zu weisen. Kreispfarrer K r a n e p u h l zeigte in seinem Jahresbericht anhand der sonst so trockenen Zahlen die geleistete Arbeit, aber auch die Nöte der Kirche in der heutigen Zeit der Auflösung aller alten Ordnungen. Im Mittelpunkt der Beratungen des Kreiskirchentags stand der Nortrag des Pfarrers
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Kaiser- Enkheim über die „Kundgebung des Nürnberger Kirchentages", der im Juni 1930 getagt hatte. Der Inhalt dieser Kundgebung 'gipfelt in dem Hinweis auf die kirchen- bildende Kraft der Reformationskirchen und der Aufforderung zu rechter Kirchlichkeit. Da die Frage nach der Kirche und der Aufbau der Kirche heute eine der ernstesten Fragen im Protestantismus geworden ist, war es dem Vortragenden wichtig, zu-
WdfO»^ /^Kathreiner. Oos istgefiinSer-unä&os kostet ( erßeulidjerweise!) weniger QlsdieJWfie^
Eine Lebensgeschichte aus dem Walde.
Von Felix Salten
Copyright by Paul Zsolnay Verlos. Berlin-Wien-Leipzig.
10. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
Marena sah alle mit großen Augen an, die ruhig glänzten. „Versöhnung ist keine „Dummheit , sprach sie. „Versöhnung muß kommen.
Frau Nettla wandte sich ab. „x>4 such nur was zu essen", sagte sie und lief davon.
Der Winter dauerte an. Manchmal wurde es milder, aber dann fiel auch gleich wieder «chnee und lag immer höher, so daß es unmöglich wurde, ihn wegzuscharren. Schlimm war es, wenn einmal Tauwetter kam und der zu Wasser geschmolzene Schnee des Nachts doch wieder gefror. ^as gab eine dünne Eisfläche, auf der man leicht aus- giitt. Auch zerbrach sie oft und ihre scharfen Splitter schnitten die zarten Fesselgelenke der Rehe bluig.
Jetzt aber war harter Frost eingefallen, schon seit Tagen. Die Luft war rein und dünn wie noch nie und voll Kraft. Sie begann in einem ganz seinen, hohen Ton zu klingen. Sie sang vor Kalte.
Im Walde war es still, aber jeden Tag pasjiene letzt etwas Schreckliches. Einmal überfielen die «atzen den jungen Sohn des Freund Hajen, der ehnchin krank darniederlag, und töteten ihn auf grausame Weise. Man hörte ihn lange und er» ärmlich klagen. Freund Hase war eben unter- ^rgs und als er die traurige Nachricht empnng, konnte er sich gar nicht fassen. Ein anderes Mal M das Eichhörnchen mit einer großen Wunde ?" der Kehle herum, die ihm der Marder ge- b'jlen hatte. Wie durch ein Zauber war ihm das Eichhörnchen entwischt. Es konnte nicht sprechen ^ Schmerz, aber es rannte durch alle Zweige. Jeder konnte es sehen. Es rannte wie toll. Bon
Zett hielt es inne, setzte sich, h°d ver- ^ die Vorderpfoten, griff sich an den Kop, bei n”cm Schreck und in seinem Kummer und da- stürzte ihm das rote Blut über die weiße Brust ^ Stunde lief es so umher, dann brach es plotz- iS zusammen, schlug plump gegen die Aeste und
paar Elstern herbei, um ihren Schmaus zu beginnen. Wieder ein anderes Mal zerriß der Fuchs den schönen starken Fasan, der sich allgemeiner Achtung und Beliebtheit erfreut hatte. Sein Tod erregte" in weiten Kreisen viele Teilnahme und man bedauerte die trostlose Witwe. Der Fuchs hatte den Fasan aus dem Schnee gezogen, worin er sich eingewühlt und sich gut versteckt glaubte. Niemand fühlte sich mehr sicher. Denn dies alles geschah am Hellen Tage. Die große Not, die kein Ende nehmen wollte, verbreitete Verbitterung und Rohheit. Sie mache alle Erfahrungen zunichte, untergrub das Gewissen, vernichtete jeden guten Brauch und jede gute Sitte und zerstörte das Vertrauen. Es gab kein Erbarmen mehr, keine Ruhe, kein Zurückhalten.
„Man kann sich gar nicht denken, daß es einmal besser wird," seufzte Bambis Mutter.
Auch Tante Eya seufzte. „Und man kann sich gar nicht denken, daß es jemals bester war.
„Oh, doch," sagte Marena und schaute vor sich hin, „ich denke beständig daran, wie schon es früher gewesen ist!" „
„Hören Sie," sagte Frau Nettla zu Tante Ena, Ihr Kleiner „zittert ja"! Sie zeigte auf Gobo. „Zittert er immer so?"
„Leider," antwortete Tante Ena bekümmert, „schon seit mehreren Tagen."
„Na," meinte Frau Nettla in ihrer offenen Art, „ich bin nur froh, daß ich keine Kinder mehr habe. Wenn der Kleine da mein wäre, ich hatte Angst, ob er den Winter übersteht."
Es sah wirklich nicht gut aus mit Gobo. Er war schwach, war schon immer viel zarter gewesen als Bambi oder Faline und war auch kleiner geblieben als die beiden. Jetzt aber ging es ihm von Tag zu Tag schlechter. Er konnte die Nahrung nicht vertragen, die es jetzt gab. Sie verursachte ihm Leib- sckmerzen. So war er von der Kälte und von den Uebelkeiten ganz entkräftet. Er zârte fortwährend und hielt sich kaum aufrecht. Alle schauten ihn teil-
"^Frau Nettla trat zu ihm und stieß ihm freund- lick in die Seite. „Nur nicht traurig sein, sagte Mng *« Ich!« M n» für.nn<» ta™ sRrirtten und es ist ungesund. Sie wandte sich av, tamTnÄ m-r'-n U
Ronno, der ein wenig abseits E Schnee gesessen hatte, sprang auf. „Ich weiß nicht, was das o“iu*mnen, jcyiug plump gegen uw «m» -", t mmmelte er und spähte umher.
M sterbend in den Schnee. Sogleich kamen ein ist . . . murme
Man wurde aufmerksam. „Was denn . . .?" fragten sie.
„Ich weiß es eben nicht," wiederholte Ronno, „aber ich bin unruhig ... auf einmal bin ich unruhig ... als ob etwas los wäre . . ."
Karus hatte die Luft geprüft. „Ich spüre nichts Besonderes," erklärte er.
Sie standen alle da, lauschten und prüften die Luft. „Nichts!" „Nichts zu spüren . . ." meinte eins nach dem anderen.
„Trotzdem!" beharrte Ronno, „chr mögt sagen, was ihr wollt... es ist etwas los. . ."
Marena sagte: „Die Krähen haben gerufen..." „Sie rufen wieder!" fügte Faline rasch hinzu, aber nun hatten es die anderen auch schon gehört.
„Da fliegen sie!" machte Karus die übrigen aufmerksam.
Alle blickten empor. Ueber die Baumwipfel weg strichen Krähen in Scharen. Sie kamen vom letzten Rande des Waldes, von dort her, von wo immer die Gefahr sich näherte, und sie sprachen da oben verdrießlich miteinander. Slugenscheinlich hatte es eine besondere Störung gegeben.
„Nun, habe ich nicht recht gehabt?" fragte Rono. „Man sieht doch, daß etwas im Gange ist!"
„Was soll man tun?" flüsterte Bambis Mutter ^S^ort weg!" drängte Tante Ena aufgeregt. „Warten!" bestimmte Ronno.
„Mit den Kindern?" Tante Ena widersprach. „Mit den Kindern, wo Gdbo doch nicht laufen kann?" ,
„Also gut," gab Ronno zu, „entfernen Sie sich mit Ihren Kindenn Ich halte es freilich für zwecklos, aber ich will dann keine Vorwürfe haben."
Er war ernst und gefaßt.
„Komm, Gobo! Faline komm' Aber leise! Langsam! Und immer hinter mir," mahnte Tante Ena. Sie schlich mit den Kindern fort.
Eine Zeit verstrich. Sie standen still, lauschten und witterten. m
„Das fehlt uns noch," begann Frau Nettla, „das hätten wir noch nötig zu allem, was wir jetzt auszustehen haben!" Sie war sehr ärgerlich. Bambi sah sie an und fühlte, daß sie an etwas Schreckliches
Da schäkerten auch schon die Elstern auf der- selben Seite der Dickung, aus der die Krähen her- geflogen waren, drei, vier auf einmal. „Gebt acht, acht acht acht!" riefen sie. Man sah sie noch nicht,
aber man hörte sie nacheinander, ineinander rufen und warnen, „achtachtacht!" Nun kamen sie näher, flatterten gescheucht von Baum zu Baum, spähten zurück, flatterten weiter, ruhelos und erschrocken.
„Hach!" krestchten die Häher auf. Laut rätschten sie Alarm.
Plötzlich fuhren alle Rehe zusammen, gleichzeitig. Es hatte sie wie ein Schlag durchzuckt. Nun standen sie still und zogen die Luft ein.
Das war Er.
Eine Welle von Witterung flutete daher, erfüllt wie noch nie. Hier gab es nichts mehr zu prüfen. Der Geruch stieg ihnen in die Nase, er benebelte chre Sinne und ließ ihr Herz erstarren.
Noch schäkerten die Elstern, rätschten die Häher über ihnen, aber nun war es überall lebendig geworden. Die Meisen schwirrten durch die Aeste, hunderte kleine gefiedert Bälle, und zirpten: „Fort! Fort!" Amselflug strich schwarz und blitzschnell über ihnen weg mit langgezogenem Zwitscherschrei. Durch das dunkle Gitter der kahlen Büsche sahen sie auf dem weißen schneeboden ein wirres Hin- und Herrennen schmaler kleiner Schattengestalten. Das waren die Fasanew Dort schimmerte es rot auf. Wahrhaftig, das war der Fuchs. Aber niemand hatte jetzt Angst vor ihm. Denn beständig strömte in breiten Wellen dieser furchtbare Geruch heran, der ihnen Entsetzen ins Gemüt hauchte und sie alle zusammen einigte in einer einzigen tollen Angst und in einem einzigen Fieberverlangen, sich zu flüchten, sich zu retten.
Diese geheimnisvolle, überwältigende Witterung durchdrang den Wald mit solcher Kraft, daß sie er kannten, Er sei diesmal nicht allein, sondern wohl mit all den ©einigen herbeigekommen und cs gehe nun um das Aeußerste.
Sie regten sich nicht, sahen die Meisen an, die in geschleudertem Flattern davonhuschten, die Amseln, die Eichhörnchen, die in rasenden Sprüngen von Gipfel zu Gipfel fausten, sie dachten, daß alle diese Kleinen im Grunde nichts zu fürchten brauchten. Trotzdem begriffen sie ihre Flucht, wenn Er zu püren war, denn kein Geschöpf des Waldes ertrug Seine Nähe.
Jetzt hoppelte Freund Hase zögernd daher, saß tiH, hoppelte weiter.
„Was gibt's?" rief ihm Karus ungeduldig entgegen.
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