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Mittwoch den 25. Februar 1931
Nr. 47
Mnen Antrag zu setzen, der die Haftentlassung Dr. Friedrich Wolffs fordert, wurde abgelehnt. Im übrigen ist im Verlauf der Dienstagsitzung ein kommunistischer Mißtrauensantrag gegen Minister Schiele etngegangen.
Dev Einbruch dev Schiele-Rede
In großen Zügen kannte man den Inhalt des Schiele-Programms bereits, doch durch die Einzel- heiten, die der Minister gestern mitgeteilt hat, hat sich das. Bild abgerundet. Vieles, was Herrn Schiele noch im Dezember unerreichbar schien, konnte er nun als Gabe der Landwirtschaft darbieten. Natürlich ist es auch ihm nicht gelungen, sein Programm hundertprozentig durchzusetzen. In den beiden umstrittensten Positionen, dem Butter- und Käsezoll, sind, wie sich jetzt herausstellt, Schieles Forderungen an dem zähen Widerstand des Reichs- arbeitsministers Stege rwald gescheitert, der eher zum Rücktritt als zur Nachgiebigkeit bereit gewesen ist. Mit Ausnahme des Getreides sind alle Ermächtigungen, die Zölle zu erhöhen, in die Hände des Gesamtkabinetts gelegt. Damit ist einer allzu einseitigen Ressortpolitik, deren Gefahren man ja genügend kennt, ein Riegel vorgeschoben, und das Kabinett wird, wenn es Generalvollmacht durch den Reichstag erhält, sorgfältig erwägen, in welchem Umfang es von einer so weitreichenden Befugnis Gebrauch machen wird.
Wie wir erfahren, dürfte der Entwurf dieses Ermächtigungsgesetzes dem Reichsrat schon in den nächsten Tagen zugehen. Es wird voraussichtlich nur aus zwei Paragraphen bestehen und außer den zollpolitischen Ermächtigungen auch noch solche Handels- und wirtschaftspolitischer Art enthalten. Praktisch bedeutet das Ermächtigungsgesetz, daß die Entscheidung über die Butter- und Käsezolle, über die gestern im Kabinett eine Einigung nicht erzielt war, auf später vertagt ist.
Die Vsvttnev Keeffe zur Schie e-Kede
Berlin, 25. Febr. In den Kommentaren
der
Berliner Morgenblätter über die Rede des Reichs- ernährungsministers Schiele im Reichstag spielt naturgemäß die Frage der Ermächtigungen die Hauptrolle. Alle Blätter unterstreichen die Tatsache, daß die Ermächtigung für z o l l p o l l- tische Maßnahmen bem Gesamtkabi- n e 11 und nicht dem Ernährungsminister allein übertragen werden soll" und sehen, je nach ihrer Einstellung zum Kabinett, darin einen Vorteil bzw. eine Belastung des Agrarprogramms.
Das „B. T." sieht in den Ausführungen des Ministers ein Anzeichen dafür, daß auf allen Gebieten und an allen Grenzen das bestehende Vertragssystem aufgelockert werden soll. Das werde in vielen Fällen schwere Zollkämpfe bedeuten. — Die „Busj. Ztg." bezeichnet die Einigung über dasiAgrorprogramm im Kabinett, die Schiele im Reichstags vertrat, als eine Vertagung und keine Entscheidung in den wichtigsten Punkten. Durch die Ermächtigung des Gesamtkabinetts werde der Kampf erneut ins Kabinett zurückverlegt. Wenn die Regierung auf Grund der Ermächtigung eine Handelspolitik treiben würde, die den wirtschaftlichen Grundsätzen des sogenannten „kleinen Genfer Zollfriedens" zuwiderliefe, werde sie auf den schärfsten Widerstand stoßen. Innerpolitisch erschienen die geplanten Maßnahmen nur dann möglich, wenn Hand in Hand mit ihnen die Verbilligungsaktion fortgeführt würde. — Die „Germain a" hält die Widerstände gegen das neue Agrarprogramm von leiten der übrigen Wirtschaft angesichts der bisherigen Maßnahmen für die Landwirtschaft für verstänolich. Es sei daher umso notwendiger, daß von den Ermächtigungen zum Schutze der Landwirtschaft nur soweit Gebrauch gemacht werde,- als es mit den Gesamtintereffen der deutschen Volkswirtschaft vereinbar sei. — Der „Börsen- Courier" sieht es als wesentlich an, daß die Ermächtigung auch stofflich auf die Erzeugnisse der bäuerlichen Veredelungswirtschaft und der Forstwirtschaft ausgedehnt werden solle. Die Ermächtigung setzè das Vertrauen voraus, daß die Ge- famtregierung auch im Sinne der Gesamtwirtschaft denke und handele. — Der „Vorwärts" hält die Ausdehnung der Ermächtigung auf alle agrarischen Produkte für das Bedenklichste. Entweder bedeute die Erhöhung der Zölle Kündigung der Handelsverträge und Zollkrieg oder Verhandlungen mit den betreffenden Staaten und Bewilligung von Einfuhrkontingenten. So weitgehende Zollermächtigungen seien in der Hand einer jeden Regierung ein gefährliches handelspolitisches Instrument.
Nach Ansicht der „Deutschen Tageszeitung" schaffe die Bordlage, die den Schlußstein des umfassenden Systems agrarpolitifcher Maßnahmen bilde, nur die Basis und Möglichkeit, noch nicht letzte Entscheidung und Wirklichkeit. Alles werde von der Art abhängen, wie die Ermächtigung tatsächlich gehandhabt werde.
.Bi« Blätter der Rechtsopposttion, „L o k a l a n - zeige r", „T a g" und „Deutsche Zeitung", sehen in der Ausdehnung der Ermächtigung eine Behinderung für die wirkliche Sanierung der Landwirtschaft. Die Zollfrage werde, so schreibt die „Deutsche Zeitung" in dem Kulissenhandel der letzten Tage vollends zur Phrase. Was Schiele gesagt habe, sei schon dürftig geung. Was die Regierung tun werde, löste sich an der Frage des ButterMs sehr leicht ermessen. — Der „T a g" nennt die Vorlage eine Kampferspritze zu momentaner Anregung. Wer die Spritze helfe nichts.
Die Avbe tsmavAlase im Reich
Fast 5 Millionen Arbeitslose
Berlin, 24. Febr. Die den Verlauf der Arbeitslosigkeit kennzeichnenden Zahlen, die im Vorjahr- Ende Februar ihren Höchststand erreicht haben, sind nach dem Bericht der Rc-ichsanstalt in der ersten Hälfte dieses Monats in einer weit flacheren Kurve gestiegen als in den vorangegangenen Wintermonaten. Dies gilt sowohl für den Ausschnitt aus dem Arbeitsmarkt, der durch die Statistik der Unterstützungseinrichtungen erfaßt wird, wie für
Maginot gegen wahre Abrüstung
Die Aeevesdebatte kn der französischen âammev - Deutschlands Rüstungen müssen schärfer begrenzt bleiben als die der Alliierten
Paris, 24. Febr. In der Kammer wurde heute mit der Beratung des Budgets des Kriegsministe- riums begonnen. Der Berichterstatter, Bouil- loux-Lafont (Radikale Linke) führte aus, Frankreich könne nicht auf die Heere mit kurzer Dienstzeit verzichten. Frankreich habe seine Heeresstärke um die Hälfte, seine Heeresausgaben um 16 Prozent herabgesetzt, während die Heeresausgaben in Amerika um 86 Prozent und in Japan um 48 Prozent gestiegen und in England unvermindert geblieben seien.
Der Berichterstatter wiederholte die oft widerlegten Behauptungen über die Stärke der Reichswehr, die er auf 259 000 Mann bezifferte, denen Frankreich im günstigsten Falle im Landesinnern nur 270 000 Mann gegenüberstellen könne.
Im weiteren Verlauf der Debatte fragte ein Abgeordneter der Fraktion Marin den . Sozialisten Spinasse, der vorgestern in Frankfurt a. M. sprach, was man in Deutschland über die Ab - r ü st u n g denke. Spinasse antwortete, er habe dort 31000 junge Leute gesehen, die entschlossen seien, den Frieden zu verteidigen. Auf Grund seiner Beobachtungen sei er zu der Erkenntnis gekommen, daß die rechtsstehenden Zeitungen in Deutschland ebenso wie in Frankreich nicht die Wahrheit sagten. Hierauf ergriff
Kriegsminister Maginot
das Wort. Die Beschränkung der Rüstungen, führte er aus, wäre natürlich für unser Land und für alle übrigen eine gute Sache, das Verschwinden der Rüstungen würde aber den Krieg nicht verhindern. Wir befinden uns in derselben Lage wie die ganze Welt, denn wir haben langgestreckte Grenzen, die mit denen mächtiger Militärnationen zusammenfallen. Wir haben im Laufe eines halben Jahrhun. derts zwei Einfälle erdulden müssen und wir haben ein großes Kolonialreich. Ich verlange auch, daß in Rechnung gestellt wird, in welchem Maße Frankreich seine Rüstungen herabgesetzt hat 1922 hatte es 56 Divisionen, heute nur 24. Es hat seine Dienstzeit auf ein Jahr herabgesetzt. 1913 hatten wir 810 000 Soldaten, 1930 haben wir, die Offiziere
Die ensAO-ß-ranzSMOen
LvanSvekch vevlangt neue Grckevhetten - ^ettdevson reift nach Rom
MMenveMmMungen ,
Paris, 24. Febr. Die französisch-britischen Flottenverhandëungen, welche gestern abend hier eröffnet wurden, dauerten heute den ganzen Tag an. Die Verhandlungen werden heute abend als vorerst abgeschlossen Eingestellt. Das französische Außenministerium gibt über ihr Ergebnis folgende amtlichen Mifteilungen:
„Die französisch-englischen Flottenbesprechungen haben jetzt einen Punkt erreicht, der Herrn Henderson und Herrn Alexander erlaubt, nach Rom abzureisen, um analoge Besprechungen mit der italienischen Regierung einzuleiten. Obwohl die Besprechungen in einer durchaus freundschaftlichen Atmosphäre verliefen, ist es natürlich unmöglich, die Bedeutung der realisierten Fortschritte in der Regelung der zur Diskussion stehenden Fragen zu bewerten, solange die italienische Regierung nicht befragt worden ist. Die amerikanische und japanische Regierung werden über alle Einzelheiten auf dem Laufenden gehalten."
Diesen etwas wortkargen Mitteilungen des Quai d'Orsay ist zu entnehmen, daß die französisch- englischon Besprechungen nicht, wie noch gestern erwartet wurde, bereits jetzt zum Abschluß gebracht werden konnten. Soweit man über die Einzelheiten der Verhandlungen unterrichtet ist, darf man den Grund dieses Mißerfolges vor allem in dem französischen Verlangen nach einer Sicherheitsklausel erblicken. Auf französischer Seite hat man nämlich den Standpunkt eingenommen, daß Frankreich sich nur. dann zur Einschränkung seines Flottenbauprogramms bereit finden könne, wenn es die Sicherheit habe, daß Italien nicht durch eine unvorhergesehene Forcierung seines Flottenbaues den vereinbarten Vorsprung der französischen Flotte vor der italienischen werde einzuholen versuchen. Infolgedessen forderte Frankreich eine Sicherheitsklausel, welche ihm gestatten würde, seinen Flottenbau über den vorgeschriebenen Rahmen hinaus zu steigern, falls das italienische Baugrogramm in einem Umfang ausgedehnt werden sollte, daß dadurch der vereinbarte Vorsprung der französischen Flotte beeinträchtigt werden könnte. Daneben scheinen auch andere ungelöste Streitfragen vorhanden zu sein, die sich auf einige Einzelheiten des französischen Flottenbauprogramms erstrecken, darunter aus U-Boote und
den Arbeitsmarkt im ganzen. Die Belastung der Arbeitslosenversicherung, die im vorigen Berichtsabschnitt noch um rund 155 000 Hauptunterstützungsempfänger zugenommen hatte, ist bis zum 15. Februar nur noch um rund 48 000 auf rund 2 602 000 (gegen 2 318 000 i. V.) gestiegen. In der Krisenfürsorge wurden am gleichen Stichtage rund 861 000 hauptunterstützunasempfänger gegenüber 811 000 am 31. Januar gezählt.
Von den verfügbaren Arbeitssuchenden, die am 15. Februar bei den Arbeitsämtern eingetragen waren, waren rund 4 991 000 an diesem Stichtage arbeitslos. Das Ansteigen dieser Zahl um rund 106 000 gegenüber dem 31. Januar fällt zum grö-
einbegriffen, 522 000 Mann. Die Lage ist also so, daß nur 317 000 Mann zur Verteidigung des Heimatbodens zur Verfügung stehen. Wenn man in der Abrüstung nur die jetzigen Ziffern berücksichtigen will, dann würde eine Nation, die den Beweis ihres guten Willens geliefert hat, ein Opfer werden.
Außerdem kann keine Macht, die den Friedensverlrag von Versailles unterzeichnet Hal, auf die Klauseln verzichten, durch die Rüstungsbeschränkungen Deutschlands feffgelegt werden. Unsere augenblickliche Rüstung hängt tatsächlich von diesem Zustande ab. Wenn Deutschland sich seinen Verpflichtungen entziehen würde, wären wir genötigt, unsere Bewaffnung heraufzusehen anstatt herabzusehen. Das würde also nicht eine Beschränkung, sondern ein neues Wettrüsten geben. Man kann die Abrüstung der Völker nicht dadurch erzielen, daß man damit anfängt, die bestehenden Abmachungen nicht zu berücksichtigen. Man darf doch nicht sagen, daß alle Nationen auf den Fuß der Gleichberechtigung gestellt werden müssen. Wenn man die Kriegsgefahr zum Verschwinden bringen will, ist es nur gerecht, ja notwendig, daß denen, die die Angreifer gewesen sind, die strengsten Beschränkungen auferlegt werden und daß die Nationen, die nicht angegriffen haben und die sich weigern, anzuqreifen, nicht dulden können, 'daß die militärischen Bestimmungen des Versailler Vertrages in Frage gestellt werden. Eine internationale Kontrolle muß den aufrichtigen Nationen die Versicherung geben, daß sie nicht zu Opfern neuer Angriffe werden. Unter diesen Vorbehalten wird Frankreich alles tun, was von ihm abhängt, damit die nächste Abrüstungskonferenz zu einer Verständigung gelangt.
So wird Frankreich der Politik treu bleiben, die alle Regierungen in den letzten Jahren betrieben haben. Was die Sicherheit anbetrifft, so will Frankreich diese durch nationale und internationale Mittel gewährleisten. In einer Zeit, in der man so oft aus wahltaktischen Gründen sagt, daß der Krieg das Land bedroht, ist es notwendig, dem Lande zu zeigen, daß es zur Vermeidung des Krieges erforderlich ist, eine Politik der nationalen Verteidigung und eine Politik der Verständigung unter den Völkern zu verfolgen, die sich gegenseitig ergänzen.
die französische Absicht, Kreuzer vom Typ des Ersatz-Preußen zu bauen.
Die kvamSKkchen Sondev- wummv
Loudon, 25. Febr. Ueber die französisch-englischen Floklenvereinbarungen berichtet Pertinex dem „Deily Telegraph" aus Paris, diese Vereinbarung bezieht sich auf die Begrenzung der fran- zöfifchen Flotte (ungefähr 630 000 Tonnen) und auf die Verteilung der Frankreich zustehenden Tonnage auf die verschiedenen Kriegsschisskategorien, ferner soll die französische Flotte der italienischen Flotte gegenüber eine Ueberlegenheit von etwa 157 000 Tonnen behalten, auf jeden Fall bis zum Jahre 1936. Perlinax meldet weiter, daß die britischen Minister den französischen Vorschlag eines Beitritts Frankreichs zum 3. Teil des Londoner Flottenabkommens unter Einführung einer auf Italien bezüglichen Sicherheitsklausel nachdrücklich abgelehnt hätten.
Paris, 25. Febr. Ueber das gestern zwischen Briand und Henderson zustande gekommene grundsätzliche Einverständnis in der Seeabrüstungsfrage, zu dem die italienische Regierung noch ihre Zustimmung geben muß, äußert der offiziöse „Petit Parisien", es habe sich darum gehandelt, einen Abstand zwischen den italienischen und den französi- -ben Rüstungen zu finden, der England zufriedenstellen und für Italien annehmbar sein werde. Dieser Abstand fei festgelegt in einer Weise, die die Bedürfnisse der Verteidigung Frankreichs sicherstelle. Die französischerseits gemachten Zugeständnisse hinsichtlich der Unterseeboote würden durch eine Erhöhung der Tonnage-Gesetze der französischen Klein-Kreuzer ausgeglichen. Die politische Seite der Verständigung sei ebenso bedeutungsvoll wie ihre technische Seite. Die französisch-britische Zusammenarbeit. die in den letzten Monaten viel enger und lebhafter geworden sei, habe sich gestern und vorgestern wieder einmal bestätigt. Die Verständigung sei nicht nur mit einer für diplomatische Verhandlungen seltenen Raschheit erzielt worden, sondern die englischen Delegierten hätten auch eine großzüaige Auffassung gegenüber den internationalen Problemen bewiesen.
ßeren Teil den Saisonaußenberufen zur Last. Die Belastung der Arbeitslosenversicherung entwickelte sich in den einzelnen Landesarbeitsamtsbezirken nicht gleichmäßig. Stärker als im Durchschnitt der 13 Landesarbeitsämter war die Zunahme in den Bezirken Südwestdeutschland, Schlesien, Pommern, Nordmark, Niedersachsen und Sachsen, geringer in Ostpreußen, Brandenburg, Rheinland und Bayern.
Die Unterscheidung zwischen saisonmäßigen und konjunkturellen Einflüssen auf den Arbeitsmarkt ist auch für den vergangenen Berichtsabschnitt außerordentlich schwer. Im ganzen hielt der Rückgang der Beschäftigung an.
Uebevsâlle auf Lebensmittelgeschäfte in Bevlin
Berlin, 24. Febr. An zwei verschiedenen Stellen der Stadt verübten heute nachmittag gtg. ßere Gruppen jüngerer Burschen Ueberfälle auf Lebensmittelgeschäfte. Das eine Mal drangen etwa 25 jüngere Leute in ein Lebensmittelgeschäft in bet Müller stratze und raubten die auf dem £a. dentisch liegenden Wurst- und Backwaren. Einen ähnlichen Raubzug unternahm eine etwas kleinere Schar auf einen Laden in der Kommando«, tenstrahe. Auch hier wurden elwa dreißig Pfund Fleisch und Wurst mitgenommen.
Man betrachtet die beiden Ueberfälle als Auf. takt zu dem für morgen proklamier- len kommunistischen Hungermarsch, den der Polizeipräsident verboten hat. Aus diesem Grunde wurde auch für den morgigen Tag das De- monstrationsverbot auf die vier Plätze ausgedehnt die von dem allgemeinen Aufmarschverbot aus', genommen sind.
Schwere UslMGe Su- sammenstStze ht Göèirngen
Göllingen, 25. Febr. Nachdem bereits am 23. Februar abends ein Stahlhelmangehöriger und ein Nationalsozialist von Kommunisten überfallen und schwer verletzt worden waren, dauerten die lln. ruhen auch den ganzen gestrigen Tag über an. Die Kommunisten versuchten das Parteibüro der Nationalsozialisten zu stürmen. Die Polizei mußte wiederholt mit dem Gummiknüppel einschreiten. Am vormittag und Nachmittag wurden je ein National- sozialist ieichl verletzt. Gegen 4 Uhr nachmittag? kam es zu einer Schlägerei auf dec Nikolai-Straße, wobei von den Kommunisten geschossen wurde. Eine Person erlitt schwere Verletzungen. Eine von den Nationalsozialisten in einen Saal einberufene Der- sammlung verlief ruhig, jedoch wurden im Anschluß hieran abmarschierende Nalionalsozlalisten von Som- munisten beschossen. Bei der sich entwickelnden Schlägerei wurden einige Kommunisten leicht und zwei Nationalsozialisten schwer verletzt. Als in spâ- ter Nachtstunde die Polizei auf der Geismarer Landstraße einen etwa 150 Mann starken komm«, nistischen Zug auflösen wollte, wurde sie ebenfall? beschossen. Die Polizei räumte die Gegend von den Demonstranten, die einige Leichtverletzte mit sich führten. An beiden Tagen wurden insgesamt sieben Personen schwer verletzt.
DttZfievbevg übev das VEsbsssHven
Altona, 24. Febr. In einer stark besuchten Kundgebung des Elbe-Trave-Gaues des Stahlhelms sprach am Montag abend im Kaiserhos der zweite Bundesführer, Oberstleutnant a. ID. Due st erber g.
Der Redner erklärte u. a. zur Abrüstungsfrag^, daß der Stahlhelm den Krieg kenne und b» Frieden wünsche, aber einen Frieden abs Boden absoluter Gleichberechtigung.
leber das Volksb egeh r e n auf Auflösün Preußischen Landtages fMst^Duesterber bl Taktik des Stahlhelms, als überparteilicher Bun
allein vorzugehen, habe sich als richtig erwiesen Jetzt stehe eine Front von der Deutschen 23olM Partei bis zu den Nationalsozialisten, und das b# deute eine Gruppierung, wie sie in einer solchen Stärke nicht einmal bei der Reichspräsidentenwahl habe erreicht werden können.
Als Vorschläge zum Wiederaufbau der Wirtschaft nannte Duesterberg Stärkung des Wehrwillens (Schaffung eines Reichsheeres von 300 000 Mann mit moderner Ausrüstung) und Einführung der Arbeitsdienstpflicht.
VsfchWffe dev GaMche« äonMulionaMen
Madrid, 24. Febr Die Konstitutionalisten Hieb ten am Dienstag nachmittag eine Sitzung ab, über die ein langes Communiquë ausgegeben wurde. In der Erklärung, die als eine Ari Parteiprogramm zu betrachten ist, heißt - es, daß die Konstitutionalisten mit größerer Energie als je ihre Doktrinen und ihre Verpflichtungen aufrecht erhalten würden Die von der Regierung angekündigten Cortes, die den Anschein von verfassungsgebenden Cortes haben sollten, seien tatsächlich nur ordentliche Cortes, deren Grundübel darin bestehe, daß sie die Verfassung von 1878 anerkennen. Diese Verfassung sei aber tatsächlich schon verschwunden; denn die Exekutivgewalt habe die Souveränität der Cortes ungesetzlich beschränkt; daher hätten diese Cortes gar nicht die notwendige Autorität, um eine Verfassungsrevision zu beschließen. Die Konstitutionalisten verlangten eine einzige, auf Grund des allgemeinen Wahlrechts $u wählende verfassungsgebende Versammlung, die imstande wäre, eine neue Verfassung auszuarbeiten.
Diese Entschließung soll morgen dem In Paris wohnenden Santiago Alba überbracht werden.
Kvau MavgaVsihe âuM *
Essen, 24. Febr. Frau Geheimrat F. A. Strupp, Ehrenbürgerin unserer Stadt und Witwe des Heimrats Friedrich Alfred Krupp, ist heute nachw- auf Villa Hügel im Alter von fast 77 Jahren PW lich verschieden. Diese verehrte Wohltäterin^ 20 Jahre an der Seite des letzten Essener Krupp, der 1902 verstarb. Sie war in weitgehendem MM Hüterin der Kruppschen Ueberlieferung. Im Jayre 1904, etwa zwei Jahre nach dem Tode ihres Galten, führte sie erstmalig die Ehrung der Kruppsche Jubilare ein. Sie ist Urheberin viele Stiftungen für die Stadt. Die Stiftung Margarethenhöhe wurde am 1. Dezember 1906 m einem Kapital von einer Million Mark und einen Baugelände von 50 Hektar errichtet. Für den Ausbau der Fürsorgestellen für Arbeiter und Angestellte der Gußstahlfabrik und der übrigen Wert teile gab sie beträchtliche Mittel. Ferner gründen sie die Hauskrankenpslege. Die Kruppschen Kolonien, besonders der Altenhof, sowie Erholung»' Häuser für Frauen und Kinder der Werksangehörigen wurden auf ihre Anregung ausgebaut. Innere und äußere Schlichtheit, großes f o 3 i °1 e 5 Verständnis und tiefstes Pflichtgefühl kennzeichneten ihr Wesen.