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Nr. 45

Montag den 23. Februar 1931

Stile 5

Stadt Kana«

Dev Mwievwovt am Sonntag

Wie seine Vorgänger hat auch der letzte Fe- bruarsonntag die Winters portgemeinde in unseren ©ebirgen versammelt. Die durch die höheren Tem­peraturen der letzten Tage etwas verschlechterten ' Schneevevhällnisse hatten allerdings bewirkt, daß diesmal der Ansturm der Sportler und Wanderer nicht so stark war wie an den vorhergehenden Sonntagen. Die stark verharschte Schneedecke hatte in der Nacht zum Sonntag mehrere Zentimeter Neuschnee erhalten, so daß die Ausübung des Ski­sportes noch leidlich gute Chancen bot. Gestern harschte prächtiger Sonnenschein, der den vielen Wunderem die winterliche Gebirgslandschaft dop- ' peit schön erscheinen ließ. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, dürfte der Gebirgsschnee noch einige Zeit : erhalten bleiben, so daß es vielleicht auch noch in den ersten Tagen des März möglich fein dürfte, dem Wintersport zu huldigen.

Gese« bie âffe HM nuv das Lnsevai

Dlrtschaflsnot und Abbau der Reklame. warum der Kaufmann gerade jetzt inserieren muß. Der Anzeigenteil in Krisenzeiten besonders eifrig ge­lesen. Das ideale Werbemittel.

Unkostensenkung ist die Parole, mit der die Wirtschaft über die gegenwärtige schwere Zeit der Krise hinwegzukommen hofft. Wie in anderen Rubriken des Ausgabenetats wird baher auch an der Kundenwerbung gespart; die für Reklame aus- geworfene Summe wird stark reduziert. Der Kauf­mann hofft, auch so eine Ware an den Mann zu bringen. Ist die Hoffnung, mit geringeren Reklame- sbel-n hi»' afeirhe Wirkung zu erzielen, gerechtfer­tigt? Soll der Kaufmann in Zeiten dauernd sinken- ' den Absatzes infolge steigender Arbeitslosigkeit der Konsumenten im Glauben resignieren, Kundenwer­bung in früherem Umfang habe ja doch keinen Zm-ck, ül nun einmal die Kaufkraft fehle, und es müsse eben auch ohne Propaganda oder mit einer Werbung bescheidensten Ausmaßes gehen. Die Amerikaner, von denen Europa im letzten Jahr­zehnt viel, vielzuviel übernommen hat, dürfen sicher auf dem Gebiet der Reklame als Lehrmeister ange­sehen werden. Obwohl auch die Vereinigten Staa­ten unter dem Druck der Krise stehen, obwohl auch dort die Arbeitslosigkeit dauernd zunimmt, und die Masse der Kousum-nten kleiners wird, würde kein I Mensch auf den Gedanken kommen, nun die Re- fbwie è'mulchrânken. Das aerobe Gegenteil ist der Fall. Henry Ford, der jährlich mehr als 6 Millio­nen Dollars für Zeitungsinserate ausgibt, hat auf seiner letzten Europareise in Deutschland die Parole ausgegeben, man solle die Depression durch Re­klame verhüten ober ihrer Herr werden. Man wird einwenden können, der Autokönig von Detroit habe damit gut reden. Aber auch in Deutschland, und gerade in den Industrien, denen es heute infolge der sozialen Umschichtung und Verarmung nicht gut hat man klar erkannt, daß die Geschäftsstille

pomerenden Eindruck machen der effektive Wert dieser Reklame ist aber nur äußerst gering einzu- schätzen. Ein anderes Werbemittel ist das Plakat, 5 einen großen Wert hat, wo es gilt, eine üsare schnell einer großen Masse bekannt zu ma­chen. Aber es ist ungeeignet zur Veröffentlichung eines längeren Textes, den man im Vorüberhasten t . nicht lesen würd. Ueber den Wert der Rund­funkreklame, wie sie jetzt ausgeübt wird, sprechen die Hörer ohnedies ihr Urteil, indem sie einfach den Lautsprecher abstellen. Im Kino mögen 'bie gejeiditieten Trickfilme vor den Augen des Publikums Gnade finden, sie interessieren nicht we- gen ihres fachlichen Inhalts, sondern ihrer an» spprechenden Form; die endlose- Folge der Reklame- transparente an der Leinwand ist längst als Be­lästigung und unerwünschte Zugabe zum Pro- gramm abgelehnt worden.

Ganz anders ist es mit dem Zeitungsinserat. Kein Fachmann, der wirklich etwas von Reklame­psychologie versteht, bestreitet, daß das Zeitungs- inserat das weitaus wirksamste und auf die Dauer billigste aller modernen Werbemittel ist und bleiben wird Präsident Hoover sagt mit vollem Recht:Die wirtschaftlichen Werte der Jnserae sind heute so all­gemein bekannt, daß ich wohl nichts weiter darüber ist so aewöbnt, ltondio in großem Matzltab m in» zu sagen brauche". Der amerikanische Kaufmann serieren daß er bei einer Europareise nur kopfschüt- telnb die verhältnismäßig kleinen Inseratenteile der deutschen Zeitungen betrachtet. Die Kunst der Äunbmm-'rbuna durch die An'-iqe siebt bei UNS noch in den Anfängen. In diesen Zeiten, wo der Kaufer sich zehnmal überlegt, wie er seinen Bedarf am'"nitiaften deckt, ist H- Inseratenteil der Sei» ÈMe umfassende Orientierungsmög- lichkeit über das vorliegende Angebot. Gerade jetzt, wo der Käufer mit Pfennigdifferenzen rechnet, muß der Kaufmann inserieren, denn der Anzeigenteil erlaubt Vergleiche und das Wahrnehmen der besten Elnkaufsbedlngungen.

meindevertreter hin. Die anschließende Aussprache ergab eine ausgiebige Klärung über einzelne wich­tige Fragen. Die einzelnen Positionen in den Haushaltsvoranschlägen werden ebenfalls erörtert mit dem Hinweis auf eine sorgfältige und gewissen­hafte Aufstellung bedacht zu sein. Auf verschiedene Anfragen hin wurden die gesetzlichen Bestimmun­gen über die Wohlfahrtslasten der Gemeinden, so­wie die Verpflichtungen des Kreises hierzu weit- gehendst erörtert. Zum Schluß referierte der Redner noch über dieNotverordnung". Die Ver­sammlung konnte geschlossen werden mit der Ueberzeugung, daß die Tagung sehr belehrend wirkte und dadurch manche Unstimmigkeiten, die innerhalb der Gemeinde, wie auch mit den Behör­den eintreten, beseitigt werden und bleibt zu wün­schen, daß der Kurhessische Landbund für die Zu­kunft diese Ausgabe weiter übernimmt, um auch dem Landvolk mehr Gelegenheit zu geben, sich in diese Bestimmungen einzuweihen.

* Reichsbanner-kundgebung. Wie überall im Reich, so veranstaltete gestern auch dasReichs­banner" in Hanau aus Anlaß des 7. Gründungs-

fester Sektfabrikant betont, daß gute, sachkundige Werbung sehr wohl in der Lage sein «erde, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen und der beänastiaenden Absatzstille einen stärkeren Mntrieb zum Kaufen folgen zu lassen.

Worin besteht aber eine gute sachkundige Wer- f bung? Ganz zweifellos haben die Beobachter des ' Wirtschaftslebens recht, die erkläre^ bah für Re­klame zu viel Geld ausgegeben werde. Eine wirk­same Reklame kann natürlich niemals zu teuer sein anders aber ist es mit jenen Methoden bestellt, die in den letzten Jahren in Deutschland um sich ge­griffen haben und den Kunden an der Stelle oder in dem Augenblick bearbeiten wollen, in denen er der Werbung gerade am allerwenigsten zugänglich ist. Das phantastische Bild der Lichtreklamen mag gewiß aus der modernen Großstadt nicht mehr weg­zudenken sein und dem Fremden sicher einen im»

^wwM

Eine Lebensgeschichte aus dem Walde.

Von Felix Sailen

Copyright by Paul Zsolnay Verlag. Berlin-Wien-Leipzig.

8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Ach . . . jetzt . . ." sagte das zweite Blatt, . . . ich . . ." Da brach ihm die Stimme. Es ward sanft von seinem Platz gelöst und schwebte nieder.

Nun war es Winter.

Bambi merkte, daß die Welt verändert sei. Es wurde ihm schwer, sich in diese verwandelte Welt zu schicken. Sie hatten alle wie die reichen Leute gelebt und nun fingen sie an, in Armut zu ge­raten. Aber Bambi kannte nur den Reichtum. Er Mit es für selbstverständlich, überall vom groh- ten Ueberfluß und vom feinsten Luxus umgeben ZU, sein, keine Nahrungssorgen zu haben, in der Ichvnen grünverhängten Kammer zu schlafen, tn vw niemand hineinsehen konnte, und in einem prächtig glatten,' schimmernd roten Rock emherzu- gehen.

ittommunalNoüttsche Nttdunss- avbeff bet? âversbauevnschast

Kanau

am 19. und 20. Februar 1931 im Hotel Kiesen

Die Tagung wurde am 19. vormittags 10 Uhr durch das geschäftsführende Vorstandsmitglied Herrn Schmitt-Wachenbuchen eröffnet. Herr Schmitt begrüßte die aus fast allen Gemeinden erschienenen Vertreter und ganz besonders den Redner des Tages, Herrn Bürgermeister a. D. Schäfer aus Immenhausen, der sich 'für diese Arbeit dem Kurhessischen Landbund zur Verfügung ge­stellt hatte. Ebenfalls wurden die Leiter der Land- wirtschaftsschule, sowie die Schüler, die an der Tagung teilnahmen, begrüßt. Herr Schmitt wies auf den Zweck der Tagung hin mit der Bemer­kung, den Vorträgen gut zu folgen, in der Aus­sprache auf politische Parteien nicht einzugehen und sich nur auf die Sache zu beschränken.

Dann ergriff der Redner das Wort und gab das Programm der Tagung bekannt. Zuerst refe­rierte er über die geschichtliche Entstehung und ging dann auf das Gesetz über die allgemeine

I I UL/ Ulllv 4LU7|]JLUUJ&^ UUP der man erblicken konnte, daß der Vortragende über reiches Wissen und Kenntnisse verfügt und die Ausführungen mit Interesse verfolgt werden. Der Nachmittag begann mit dem Vortrag über Volkswirtschaft, Finanzwirtschaft, Gemeindever­mögen und gewerbliche Betriebe innerhalb der Ge­meinde. Auch hierbei zeigte sich, daß verschiedene Gemeindemitglieder über die.Rechtsverhältnisse im Unklaren waren und dieser Vortrag auch sehr be­lehrend wirkte.

Den größten Raum der Tagung nahm dann der Vortrag am nächsten Tage überDie Land­gemeindeordnung, Rechte und Pflichten der Ge­meindeverwaltung und Haushaltungsvoranschläge" in Anspruch. Der Redner erläuterte die einzelnen Paragraphen der Landgemeindeordnung und wies ganz besonders auf die Rechte und Pflichten der Bürgermeister, Gemeindevorstände sowie der Ge-

stöhnen eines edlen, rasend gewordenen Blutes, das von Urkraft schäumte in Sehnsucht, Zorn und Stolz. Bambi fampfté gegen seine Angst ver­gebens. Es überwältigte ihn, wenn er diese Stim­men hörte, aber er war stolz, solche vornehme Ver­wandte zu haben. Zugleich spürte er eine eigen­tümliche Regung von Gereiztheit darüber, weil sie so unnahbar waren. Das verletzte, das demütigte ihn, ohne daß er sich dessen überhaupt näher be­wußt wurde.

Erst als die Liebeszeit der Könige vorbei war und der Donner ihrer großen Rufe verstummte, gewann Bambi wieder Aufmerksamkeit für andere Dinge. Wenn er nachts durch den Wald ging oder unter Tags in feiner Kammer lag, hörte er den Blätterfall durch die Bäume flüstern. Unaufhör­lich rieselte und knisterte es in der Luft, in allen Wipfeln, in allen Zweigen. Ein zarter Sllberton rann beständig zur Erde nieder. Es war wunder­voll, mit ihm zu erwachen, und es war kostllch, bei diesem geheimnisvoll schwermütigen Geflüster einzuschlafen. Dann lag das Laub hoch und lose am Boden und wenn man ging, rauschte es laut auf und raschelte leise. Es war lustig, wie man es mit jedem Schritt beiseite schoben mußte, so hoch geschichtet lag es da. Das machte Schsch-Schsch, ganz fein, ganz hell und silbern. Außerdem war es sehr nützlich, denn an diesen Tagen brauchte man sich mit Lauschen und Wittern keine besondere Mühe zu geben. Man hörte ja alles schon von weitem. Das Laub raschelte bei der klemsten Be­wegung; er schrie Schsch! Wer konnte sich da her­anschleichen? Niemand.

Aber dann kam der Regen. Vom frühen Mor­gen bis zuin späten Abend strömte er.Runter, klatschte und plätscherte vom spaten Nbend die aan^e Nacht bis wieder zum anderen Mor^n, setzte eineWeile aus und begann mit frischer Kraft von neuem. Die Luft schien erfüllt von kal tem Wasser, die ganze Welt schien erfüllt davon.

sunfe Das Laub aber rauschte Ulcht meyr. Es lag weich rmd schwer am Boden, zerpreßt vom Regem und gab überhaupt kemenTon von ^ich.

rouu^ Gebieterisches VerlangenftE ) o0 die Haut gewaschen zu wer-

dahin, in tiefen Klängen, ungeheures Auf- gestriemr ui

Jetzt war alles anders geworden, ohne daß er eigentlich so recht gemerkt hatte. , Der Wandel, der sich vollzogen, war ihm nur eine Reihe von kurzweiligen neuen Erscheinungen gewesen, cs ^erhielt ihn, wenn milchweiße Nebelschleier des Morgens der Wiese entdampften oder sich plötzlich vom dämmerigen Frühhimmel herabsenkten, tote Zergingen dann so schön in der Sonne. Ihm gefiel auch der Reif, der den Boden und . die Wiese so iberrafcfjenb weiß bestreute. Eine Zeitlang ergötzte E M)- seine großen Verwandten, die Hlrsche, öfeten zu hören. Der ganze Wald dröhnte von den £llmmen der Könige. Bambi lauschte und fürchtete sch sehr, aber sein Herz bebte dabei vor Bewum wenn er diese Donnerrufe vernahm. Er daran, daß die Könige Kronen tragen, die na?^ waren und so verzweigt wie starke Baum- tie^"^.er dachte, ihre Stimme sei ebenso gewal- 'hre Krone. Vernahm er den machtvollen

tages der Organisation eine Kundgebung, an der sich auch die Sozialdemokratische Partei beteiligte. Bei dem Aufmarsch durch die Straßen in Hanau marschierte zum ersten Mal die neugebildete Schutz- formation (Schufo), die nach den letzten Wahlen als Gegengewicht gegen die nationalsozialistischen Sturmabteilungen gebildet worden ist, auf. Im Ge­werkschaftshaus schloß sich an die Demonstration eine Kundgebung gegen die Nationalsozialisten an. Als erster Redner sprach Herr Redakteur Klein- Frankfurt. Er ging auf die Schlagworte der Na­tionalsozialisten ein "unb versuchte die Ursachen des Erfolges dieser Partei zu erklären. Die starke Pro- vaqanda der Nationalsozialisten fei möglich gewesen durch die Zuwendungen des Großkapitals an die . Nationalsozialisten. Diese Gelder zahlen die Kapi- j taliften nicht, um das auch von der Wirtschaft als unsinnia abgelehnte Fe, ^ Programm zu umerftüt» zen, sondern das Großkapital benutze die National­sozialisten, um die Gewerkschaften zu zerschlagen. Man wolle den Arbeiter wieder dahin bringen, daß

Reichstag" sprach. Redner befaßte sich zunächst mit der Frage, weshalb die Nationalsozialisten in den Reichstag hineingegangen find und erklärte in dieser Beziehung, die Nationalsozialisten seien nicht in den Reichstag gezogen, um Parlamentarier ab­zulösen, für die Nationalsozialisten sei der Eintritt in den Reichstag nicht Selbstzweck, Endziel, sondern nur Mittel zum Zweck gewesen, um über dieses Parlament die Macht im Staate zu ergreifen und damit den nationalsozialistischen Staat in die Hand zu nehmen. Alle, die etwas anders geglaubt, hät­ten daneben gehauen. Die 107 Nationalsozialisten seien nach der Reichstagwahl grundsätzlich bereit gewesen, die Regierung zu übernehmen und da dies von den anderen Parteien abgelehnt worden sei, habe sich Hitler bereit erklärt, bedingt auch mit an­deren Parteien zu regieren. Bedingung sei aller­dings gewesen: Uebertragung des Wehr- und In­nenministeriums sowohl im Reich wie in Preußen an die Nationalsozialisten. Auf alles andere hätte man großmütig verzichtet, auch verzichten können, denn ein halbes Jahr nationalsozialistisches Wehr­ministerium und nationalsozialistisches Innenmini­sterium im Reich wie in Preußen hätte genügt, die Dinge vorwärts zu treiben. Dann hätten die Koalitionsgenossen, ob sie sich liberal oder national nennen, tun und lassen können, was sie wollten. Hätten sie Neuwahlen verlangt, hätten wir erklärt: Ihr könnte wählen, wir haben gewählt, die Natio­nalsozialisten haben von heute ab die Macht allein. Die anderen Parteien hätten jedoch erkannt, wie die Dinge unter einer faschistischen Regierung laufen würden, daß ihnen dieBonzensessel" genommen

er auf alle seine erkämpften Rechte verzichtet. Eine weitere Schuld an der Zunahme der Rechtsradikalen sei die eigene Schläfrigkeit gewesen, deshalb sei der 22. Februar ein bedeutungsvoller Tag, weil er die Antwort gebe auf das Geschrei vonDeutschland erwache!" Das freiheitliche Deutschland sei erwacht. Die Hauptschuld aber an dem Ausgang der letzten Wahlen habe der deutsche Spießer. Die Losung müsse sein: Geistig den Spießer umbringen. Zuerst gelte es, den Spießer in sich selbst tu bekämpfen. Das Reichsbanner müsse wieder ein Ziel haben. Der 14. September habe ihm dieses Ziel gegeben, das Ziel sei die Ausrottung des Nationalsozialismus. Mit dem Betonen des Kampfwillens schloß der Redner seine mit großem Beifall ausgenommenen Ausführungen. Als zweiter Redner sprach Herr Berthold- Schlüchtern. Er wies darauf hin, wie die allgemeine Notlage ein günstiger B "en für die Entwicklung der Radikalen sei und gab dann eine Scbildernna non Italien, demParadies" der Nationalsozialisten. In Italien sei alle Freiheit vernichtet und selbst nach einem Sturz von

genommen habe. Redner gab alsdann Bilder von einigen nationalsozialistischen Führern, in denen er alle scharf kritisierte. Zum Schluß feiner Aus­führungen ging er noch auf den Auszug der Nationalsozialisten aus dem ^Reichstag ein. Heute schreien die Hitlerleute nach «schütz der Demokratie- aber die Nationalsozialisten hätten keinen Anspruch auf Schutz der Demokratie, die sie zerstören wollen- Auch die Ausführungen dieses Redners fanden viel Beifall. Die Kundgebung nahm einen ruhigen Verlauf.

* Nationalsozialistische Versammlung. Die Hana uer Nationalsozialisten hatten für Samstag abend in dieCentralhalle" eine öf­fentliche Versammlung einberufen, in der Reichs- tagsabgeordneter S p r e n a e r-Frankfurt über das ThemaWarum verließen wir den

den. Er fror noch nicht, aber er sehnte sich nach Wärme und er hielt es für eine jämmerliche Sache, so durchnäßt herumlaufen zu müssen.

Als aber dann auch der Nordsturm kam, lernte Bambi das Frieren kennen. Es half nicht viel, sich eng an die Mutter zu schmiegen. Ja natürlich, im Anfang fand er es großartig, so dazuliegen und es wenigstens auf der einen Seite hübsch warm zu haben. Allein der Sturmwind wütete nächtelang, tagelang im Walde umher. Es schien, als sei er von einem unbegreiflichen, eiskalten Zorn getrie­ben, bis zur Tollheit, und als wolle er den Wald aus allen Wurzeln reißen und davontragen oder sonstwie vernichten. Die Bäume brausten von einem mächtigen Widerstand, sie kämpften gewaltig gegen den gewaltigen Angriff. Man hörte . ihr langgezogenes Aechzen, man hörte ihr seufzendes Knarren, hörte den lauten Knall, mit dem die star­ken Aeste splitterten, das zornige Krachen, mit dem da und dort der Stamm eines Baumes zerbrach und der Ueberwältigte aus allen Wunden feines zerspaltenen sterbenden Leibes aufschrie. Dann aber hörte man gar nichts mehr, denn der Sturm fiel nur noch grimmiger über den Wald her und sein Brüllen verschlang alle anberen Stimmen.

Jetzt begriff Bambi, daß die Not gekommen sei und die Armut. Er sah, wie sehr der Regen und der Sturm die Welt verändert hatten. Kein Blatt gab es mehr an Baum und Strauch. Wie aus­geraubt standen sie alle da, nackt am ganzen Leibe, der nun sichtbar war, und sie streckten ihre nackten, braunen Arme erbärmlich zum Himmel. Das Gras der Wiese war welk und schwärzlichbraun und so kurz, als wäre es dicht am Boden abge­sengt worden. Auch in der Kammer sah es jetzt er­bärmlich und kahl aus. Seit die grünen Wände verschwunden waren, konnte man nicht einmal hier mehr so ganz für sich sein wie früher und zudem zog es von allen Seiten.

Eines Tages flog eine junge Elfter über die Wiese. Etwas Weißes, Kühles fiel ihr ins Auge, nochmals, nochmals, legte ihr einen kleinen Schleier vor die Blicke und kleine, weiche, blendend weiße Flöckchen tanzten um sie her. Die Elster hielt flatternd in ihrem Fluge inne, richtete sich steil auf und stieg höher in die Luft. Vergeblich. Die wei­chen kühlen Flöckchen waren wieder da und sielen itzr wieder in die Augen. Noch einmal richtete sie sich gerade auf und stieg noch einmal hoher.

und damit das ganze Gerippe der Parteien zer­schlagen worden wäre Deshalb habe man auch bie bedingte Anteilnahme der Nationalsozialisten an der Regierung abgelehnt und sich bereit gefunden, lieber mit den Sozialdemokraten zu arbeiten. Das Kabi­nett Brüning fei nichts weiter, als die Fortsetzung des sozialistischen Kabinetts Müller. Als die Na­tionalsozialisten erkannt hätten, daß in diesem Reichstag eine praktische Arbeit im Interesse bes Volkes nicht mehr möglich sei, als der Opposition bewußt die verfassungsmäßige Grundlage entzogen worden sei, in diesem Augenblick hätten die Natio­nalsozialisten klare Fronten geschaffen und den Reichstag verlassen. Die Nationalsozialisten dächten nicht daran, die Verantwortung dafür zu über­nehmen, was die Regierung Brüning leiste. Der Reichskanzler solle sehen, wiè er mit seinem Stumpf» Parlament den Etat durchbringe. Die Regierung könne fid) nur solange halten als die Kommunisten an derDiätenschluckerei" festhielten. An dem Tage, wo dies nicht mehr der Fall sei, würde das Paria- ment und damit das ganze gegenwärtige System zusammenbrechen. Weiter befaßte sich Redner mit den Abgeordnetendiäten, bzw. den von seiner Partei im Reichstag in dieser Begehung emgeb rächten An­trägen, wobei er die ganze Schale seines Zornes über dieDiätenschlucker" undBonzen" ausgoß. Auf Zwischenrufe hin, daß auch die Notionalsozva» Asten zu triefenDiätenschluckern" gehörten, er­widerte Redner, daß sie dasPulver" das die Ab­geordneten im Voraus bekämen also noch ehe sie

Arbeit geleistet hätten,

in Empfang genommen

hätten, um den Kampf zu führen, um die natio»

nalMche Bewegung . ________ ________ ,

Schließlich kam Redner noch auf das Reichsballne* sprechen, er j_

Wortmeldungen lagen nicht vor, so daß Redner so-

vorwärts

zu

treiben.

fort das Schlußwort sprach, in dem er seine eigene Diätenangelegenhsit erörterte. Die Versammlung nahm einen ruhigen Verlauf.

Schmerzloses Rasieren durch vorheriges Einreiben mit:

Preis: RM. 0,20-1,20

Geben Sie sich keine Mühe, meine Beste," rief eine Krähe, die über ihr in der gleichen Richtung hinzog, zu ihr herab,geben Sie sich keine Mühe. So hoch können Sie nicht fliegen, daß Sie aus diesen Flocken herauskommen. Das ist der Schnee.

Der Schnee?^' staunte die Elster und kämpfte gegen die Gestöber.

Nun ja," sagte die Krähe,mir haben eben Winter. Und das ist der Schnee."

Verzeihen Sie," entgegnete die Elster,ich bin erst im Mai aus dem Nest gekommen. Ich kenne den Winter nicht."

Das geht manchem so," bemerkte die Krähe, Sie werden ihn schon kennen lernen."

Nun, wenn das der Schnee ist," meinte die Elster,dann will ich mich ein wenig setzen." Sie ließ sich auf einem Erlenzweig nieder und schüttelte sich.

Die Krähe flog schleppend weiter.

Bambi freute sich anfangs über den Schnee. Die Luft war still und mild, während die weißen Sterne niederschwebten, und dann sah die Welt so völlig neu aus. Es war heller geworden, sogar heiterer, wie Bambi meinte, und wenn die Sonne für eine kurze Welle heroorkam, dann leuchtete alles, dann funkelte und strahlte die weiße Decke so kräftig, daß man ganz geblendet wurde.

Aber bald hörte Bambi auf, sich über den Schnee zu freuen. Denn es wurde schwerer, Nahrung zu finden. Man mußte den Schnee wegkratzen und das kostete viel Mühe, bis so ein Fleckchen welkes Gras bloßgelegt war. Auch schnitt der Schnee in die Beine und man mußte fürchten, wunde Füße zu bekommen. Gobo hatte sie schon. Freilich, mit Gobo stand es so, daß er überhaupt nicht viel er» tragen konnte und feiner Mutter Sorgen machte.

Sie waren jetzt fast immer beisammen und hat­ten auch sonst mehr Geselligkeit als früher. Frau Ena kam beständig mit ihren Kindern. Neuerdings verkehrte auch Marena in ihrem Kreise, ein fast er» wachsenes, junges Mädchen. Zur Unterhaltung trug aber die alte Frau Nettla wohl am meisten bei. Sie war eine ganz alleinstehende Person und latte über alles ihre eigenen Ideen.Nein," sagte ie,mit Kindern befasse ich mich nicht mehr. Von diesem Spaß habe ich einstweilen genug."

(gortfe^ui j folgt)