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M. 4$

Freitag des 20. Februar 1931

Seite 3

Stadt Kanon

Gott ma« ivaven 7

Unter den verschiedenartigen Versuchen und Ueberlegungen, wie man die drückende Wirtschafts­krise in Deutschland beseitigen, bzw. lindern kann, ist neuerdings auch die Frage erörtert worden, ob man nicht wenigstens vorübergehend weniger spa­ren und die freiwerdenden Mittel zum Kauf von Waren verwenden sollte. In einer Berliner Abend­zeitung konnte man vor kurzem lesen: „Wie wäre es, wenn wir die Sparguthaben etwas abbauen würden, vielleicht bauen wir damit die Arbeitslosigkeit ab." Es ist interessant, daß eine ähnliche Erörterung zurzeit in England geführt wird. Wäre die oben geäußerte Ansicht richtig, so sollte man keinen Augenblick zögern, diesen Weg -zu beschreiten, denn die Milderung der Arbeits­losigkeit ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern ein dringendes soziales und politisches Problem. Aber in Wirklichkeit ist der Abbau der Spargelder eine falsche, gefährliche Parole. Wür- den Spareinlagen über das gewöhnliche Maß hin­aus abgehoben, so müßten die Sparinstitute die für die Auszahlung notwendigen Mittel durch Kündigung von Darlehen und Kre­diten sich beschaffen; denn das Sparkapital „ruht" ja nicht, sondern arbeitet in Kreditform in der Wirtschaft und dient über den Weg der Löhne und Gehälter ebenfalls dem Verbrauch. Die Folge der KredUkündigung wäre weitere Entlassung von Arbeitern und Angestellten und damit Zunahme also das Gegenteil eines Abbaues der Arbeits­losigkeit. Das Umgekehrte ist richtig. Eine andere Zeitung hat die zutreffende Formulierung gefun­den, wenn sie schreibt, jeder, der 5000 Mark spart, sorgt für die dauernde Beschäftigung mehrerer Ar- beitsloser, ohne daß dieses Kapital der Vernichtung durch Konsum anheim fällt. Gerade in der Gegen­wart ist diese private Sicherung von ganz erheb­licher allgemeiner Bedeutung, auch von dieser Seite her ist das Sparen eine Milderung der Arbeits­losigkeit. Man sieht also, daß es mit dem Schlag­wort von dem Abbau der Sparguthaben eine schlechte Bewandtnis hat. Heute können viele nicht sparen, infolgedessen muß der Spareinlagenzufluß sich verringern. Umsomehr liegt aber für die, die noch sparen können, im eigensten Interesse aller Anlaß vor, von dieser Sicherung Gebrauch zu machen.

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kB»« Werten? Sebtrtnij M. ob unt« den oben «nannten Verfetten StmtO^r» Korgetewnen sind, die auf Verödung beruhen. 3. Ä schwere Nerven- und Stiftes krankheilen. Schwachsinn ober Epilepsie, Neigung zu hiberMè|tn Crtranhingen — »der euch besonders ouffböige Begodubgen. z. a für Sufis. Schriftstelleret Vitters.

Matheinatit. Technik, Sprschen ober ähnliche»/)

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So sieht der Gesundheitspaß aus, der für jeden Deutschen eingeführt werden soll

Der Reichsausschuß, für hygienische Volksbelehrung strebt in Verbindung mit den dem Reichs­gesundheitsamt angeschlossenen Instituten danach, einen sog. Gesundheitspaß für jeden deutschen Bürger einzusühren. Es handell sich um ein Buch, in das alle Krankheiten des Menschen im Laufe seines Lebens eingetragen werden, so daß die Gesundheit von frühester Jugend bis zum spätesten Alter genau kontrolliert werden kann.

Otte Gezrehuttssbeeatttttgsstelle an -ev BerßekssOuSe i

Am Schulwesen ist in den letzten Jahren sehr viel herumprobiert worden und wird weiter herum­probiert. Alle Augenblicke tauchen neue Pläne für Reformen auf. Man hat kaum Zeit abzuwarten, was mit den bisher vorgenommenen Eingriffen in den Schulbetrieb für Erfolge erzielt werden. Diese Ueber- Haftung, der häufige Wechsel der Ansichten über Auf­bau und Umstellung der Schule oder Unterrichts­methoden haben unter einem großen Teil der Eltern- j^aft eine, dauernde,Beunruhigung ausgelöst, haben weiter dazu geführt, daß man allen Reformvor- ^fchlägen von vornherein skeptisch, wenn nicht ab­lehnend gegenübersteht. Eine bedauerliche Tatsache; bedauerlich deshalb, weil so auch guten, durchführ­baren Vorschlägen nicht die Aufmerksamkeit gewid­met wird, die sie verdienen. Aber eine Tatsache, die [fto nicht leugnen läßt, und auf die wohl auch mit der verhülinisrnäßig schwache Besuch der öfsent- L lieben Elternoersammlung in der Aula der Bezirks-

schule I am Mittwoch zurückzusühren war. In dieser Eüernversamnllung wurde, wie angekündigt war, von Herrn Rektor Jäger über die mit Geneh­migung der Regierung zu Kassel an der hiesigen Be­zirksschule I eingerichteten individualpsychologischen Erziehungsberatungsstelle, die erste dieser Art in unserer Provinz, berichtet.

Ausgehend von den Ergebnissen der wissenschaft­lichen Psychologie in den letzten Jahren, von den Erfolgen die Adler-Wien mit der Errichtung von individualpsychologischen Erziehungsberatumgsstellen in Wien — die allerdings nicht organisch mit der Schule verbunden sind — zu verzeichnen hatte, fer­ner von. der 'Entwicklung dieser Bewegung in ver­schiedenen Großstädten wie München, Stuttgart, Harn-burg usw., schilderte Rektor Jäger Zweck und Ziel der an der Bezirksschule I errichteten Er­ziehungsberatungsstelle, die gegenüber anderen Stellen den Vorzug habe, daß das gesamte Lehrer­kollegium hinter ihr stehe. Was will nun diese Er­ziehungsberatungsstelle? Redner erklärte hierzu: äStr^wotten um em^ Kindes zu bet

kommen, die seelischen Vorgänge erfassen, seien sie bewußt, oder unbewußt, und wollen dann die ent­sprechenden Erziehungsmaßnahmen treffen. Dabei soll das Einzelwesen ^erfaßt werden. Bisher war es nicht möglich, jedes Schulkind nach seiner Eigenart zu behandeln. Wir sind uns darüber klar, daß uns

dies bei einer so großen Schülerzahl nicht restlos möglich sein wird, doch wir wollen neue s"

und versuchen, einen Teil dessen, was früher ver-

* Daten für 21. Februar. 1677: Der Philosoph Baruch Spinoza in Haag gestorben. 1779: Der Rechtslehrer Karl v. Savigny in Frankfurt a. M. geboren.

♦ Ihren 70. Geburtstag feiert Samstag, 21. Februar Frau Susanne K e r st e n, Langstr. 61.

* Aenderung im Zugverkehr. Vom Samstag, 21. Februar, wird der bisher Samstags ver­kehrende und zur Personenbeförderung freigegebene Leerpark 4344 Hanau-Hbf.-Franksurt (M) Sud m einen Personenzug 834 umgewandelt. Pz. 834 (Samstags) Hanau-Hbf. ab 13,11 Frankfurt (M) Süd an 13,44 Uhr mit Halt auf allen Unterwegs- bahnböfen. Ab Montag, 23. Februar fallt der im Anschluß an die Pz. 2364 von Aschaffenburg und 456 von Wiebelsbach-H. ab 26. 1. 31 zwischen Hanau Hbf. und Hanau Nord eingelegte Klemzug 1879, Hanau Hbf. ab 6.30, wegen ungenügender Besetzung wieder aus.

* Sportzug. Am Sonntag, 22. Februar, ver­kehren infolge günstiger Sportwitterung im Vogels­berg die Wintersportzüge 4115/4114 Frank­furt a. M.-Hptbf.—Lauterbach-(Hessen)-Nord. Zug 4115 Hana u-Hptbf. ab 7.50 Lauterbach-sHessen)- Nord an 10.58. Zug 4114 Lauterbach-Nord ab 17.13, Hana u-Hptbf. an 20.13 Uhr.

säumt worden ist, in Zukunft nachzuholen. Redner brachte einige typische Fälle vor, in denen Kinder falsch behandelt worden sind, weil man das ein­heitliche Wesen von Leib und Seele des Kindes nicht kannte. Die Erziehungsberatungsstelle ist be­setzt durch Pädagogen und Aerzte, und ihre Auf­gabe ist es, den Ursachen der von den Aerzten fest- gestellten Symptome, nehmen wir an von Ner­vosität, nachzugehen. Die bisher in dieser Beziehung gemachten Erfahrungen haben gezeigt, daß in den meisten Fällen Erziehungsfehler vorlagen, auch be­züglich der Nichtbeteiligung am Unterricht in diesem oder jenem Fach. So ist es dem Lehrerkollegium an der genannten Schule im letzten Vierteljahr durch Nachforschungen dieser Art gelungen, 60 Pro­zent aller schlechten Rechner auf genügend und gut zu bringen. Die Beratungsstelle teilt die Ergebnisse der Nachforschung allen Lehrern mit, so daß ein einheitlicher Vorstoß in der Behandlung des Kindes erfolgt. Sie steht aber auch den Eltern mit Rat und Tat zur Seite und spinnt die Fäden weiter an â ^gunlimwuen, ine für die Erziehung in Be­tracht kommen. Redner schloß: Wir glauben an den Erfolg unserer Arbeit und bitten um Ihr Vertrauen.

Auch wir glauben, daß hier etwas geschaffen worden ist, das segensreiche Erfolge zeitigen kann, die wir der Neuerung wünschen. Die Elternschaft

nid)t restlos u uer Steuerung wunslyen. -uie ^lrernscyasr Weqe geben sollte der Beratungsstelle das größte Verständnis früher ver- entgegenbringen.. I

♦ Freikarlen für Sonderzugbestelter. Zur Be­lebung des Sonderzugsverkehrs hat die Reichs­bahn neuerdings angeordnet, daß die Besteller von Gesellschastssonderzügen — Vereine, Reisebüros usw. — für je 100 bezogene Fahrkarten 2 Sonder­zugkarten und bei Abnahme von mehr als 500 gan­zen Fahrkarten für je weitere 100 3 Sonderzug- karten ohne Bezahlung für die im Sonderzuge ge­führte niedrigste Wagenklasse erhalten. Zwei Fahr­karten zum halben Preise werden als eine ganze Fahrkarte gerechnet. Die gleiche Regelung gilt künftig auch für Verwaltungssonderzüge und Wochenendzüge.

* Hanauer Geschichtsverein. Am Dienstag, 24. Februar, abend 8.15 Uhr, hält Herr Kustos t. R. R. Walker in der Eberhardfchule einen Vortrag mit Lichtbildern „Der Wildbann Drèieich". Drei­eich ist ein königlicher Baumforst, der das Gebiet zwischen Rhein, Main, Spessart und Odenwald umfaßt. Seine Geschichte zeigt, wie allmählich die Rechte des Kaisers auf lokale Gewalten übergehen, und wie das Gebiet schon im 14. Jahrhundert sich zu einem steinen Territorialstaat entwickelt, bis es sich in der modernen Geschichte auflöst in Hessen, Frankfurt, Hanau usw.

* Fortbildungskurs. Am 13. Februar fand im Kreishause unter dem .Vorsitz des Herrn Regie­rungs-Assessors Dr. Knost und unter zahlreicher Beteiligung der 2. Fortbildungskursus der Stan­desbeamten für diesen Winter statt. Redner waren Herr Regierungs-Inspektor Stiller und Herr Bür­germeister a. D. Führer. Die Vorträge, die die Erfordernisse und Form der Eheschließung, sowie die Eheschließung von Ausländern in Deutschland behandelten, boten wieder eine Fülle von Anre­gungen und zeigten, wie schwer es für den Stan­desbeamten ist, alle Bestimmungen des Gesetzes in bezug auf die Eheschließung zu beherrschen. Durch die Vorträge und die mit ihnen verbundene lebhafte Diskussion wurde der große Wert der Fortbildungskurse von neuem dargetan.

* Freibankverkauf am Samstag. 21. Februar von 8 bis 11 Uhr vormittags. Zum Verkauf kommt Rindfleisch gedämpft und roh, Preis pro Pfund 35 und 50 bzw. 56 Pfg., Höchstgewicht 6 Pfund. Der Verkauf erfolgt nur in der genauen Reihen­folge der ausgegebenen Karten. Kartenaüsgabe I im Schlachthof am Samstag den 21. Februar von 7.50 Uhr vorm. ab bis zum Ende des Verkaufs.

Schöne weiße Zähne: Chiorodont NWA

54 Pf. 90 Pf.

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Eine Lebensgeschichte aus dem Walde.

Von Felix Lallen

Copyright by Paul Zsolnay Verlos. Berlin-Wien-Leipzig.

(Mchdruck verboten.)

6- Fortsetzung.

.Eine andere Nacht verging, und der Morgen brachte ein Ereignis.

Es war unter einem wolkenlosen Himmel ein Morgen voll Tau und Frische. Alle Blätter an den Bäumen begannen plötzlich stärker zu duften, alle Blätter an den Sträuchern. Die Wiese atmete Duft in breiten Wellen zu den Baumwipfeln empor.

, Piep, sagten die Meisen, als sie erwachten. Sie sagten es ganz leise. Aber weil es noch grau und dämmerig war, sagten sie einstweilen nichts mehr. Es blieb eine Zeitlang ganz still. Dann klang etn rauher, rissiger Krähenrus durch die Luft, von hoch oben. Die Krähen waren erwacht und besuchten einander in den Wipfeln. Sogleich antwortete die Elfter: „Schakerakschak . . . glauben Sie etwa, ich schlafe noch?" Nun fing es in kleinen Hundertfäl­tigen Rufen, da und dort, fern und nah, ganz leise an: Piep! Piep! Tiu! Noch war in diesen Lauten Schlaf und Dämmerung. Und noch waren sie eigentlich vereinzelt.

Plötzlich flog eine Amsel auf den Wipfel einer Buche. Ganz hinauf flog sie zum äußersten Zweige, der dünn in die Luft stach, saß hoch oben und sah wstlt über alle Bäume weg, wie der nachtmude, ahlgraue Himmel fern im Osten erglühte und lebendig wurde. Da sing sie an zu singen. ©ie ®°r nur ein winziges, dunkles Fleckchen, wenn luan sie von unten aus erblickte. Ihr kleiner, l^^arzer Körper glich von weitem nur einem FEen Blatt. Aber ihr Lred zog wie ein großer •3ubel über den Wald hin. Und jetzt wurde alle- rege. Die Finken schlugen, die Rotkehlchen und der Stieglitz ließen sich hören. Mit breitem Klatschen Knattern der Flügel strichen die Tauben von unh”!, Blatz zum andern. Die Hasanen tonen auf, klang, als berste ihnen die Kehle. Weich kräftig war das Geräusch ihrer Fittiche, nun IchDon den Schlafbäumen zur Erde meder- N?"Sen. Noch viele Male stießen sie am Boden >4ren metallisch berstenden Schrei aus und gurrten

leise nach. Hoch in den Lüften riefen die Falken scharf und freudig jajaja!

Die Sonne war aufgegangen.

Diu-diju! jauchzte der Pirol. Er flog zwischen dèn Zweigen hin und her und sein gelber, runder Leib glänzte im Morgenstrahl wie eine beschwingte Kugel aus Gold.

Bambi trat unter der großen Eiche auf die Wiese. Sie funkelte im Tau, duftete nach Gras, nach Blumen und nasser Erde und flüsterte von tausendfachem Leben. Dort saß der Freund Hase und schien über etwas Wichtiges nachzudenken. Dort ging ein stolzer Fasan langsam spazieren, nippte an den Grasrispen und sah sich vorsichtig nach allen Seiten um. Das dunkelblaue Geschmeide seines Halses leuchtete in der Sonne. Aber dicht hier vor Bambi stand einer der Prinzen, ganz nahe. Bambi hatte ihn noch nie gesehen, hatte überhaupt keinen von den Vätern ze so nahe er- blickt. Hart am Haselstrauch stand er vor ihm, von den Zweigen noch ein wenig verhüllt. Bambi rührte sich nicht. Er hoffte, der Prinz werde ganz herauskommen, und Bambi überlegte, ob er es wagen dürfe, ihn anzureden. Er wollte die Mutter fragen und sah sich nach ihr um. Mein die Mutter war schon weitergegangen und stand ziemlich ent­fernt drüben bei Tante Ena. Gerade kamen dort auch Gobo und Faline aus dem Dickicht auf die Wiese gelaufen. Bambi rührte sich nicht und über­legte. Wenn er jetzt zur Mutter und zu den an­deren hinüber wollte, mußte er an dem Prinzen vorbei. Das kam ihm unziemlich vor. Ach was, dachte er, ich brauche die Mutter nicht erst zu fragen. Es hat ja doch der alte Fürst mit mir ge- prochen und ich habe der Mutter nichts davon er­zählt. Ich werde den Prinzen anreden, ich versuche es. Mögen die anderen drüben sehen, wie ich mit ihm spreche. Ich werde sagen: Guten Morgen, mein Prinz! Darüber kann er doch nicht boss wer­den. Aber wenn er böse wird, laufe ich schnell da­von. Bambi kämpfte mit seinem Entschluß, der immer wieder ins Wanken geriet.

Nun trat der Prinz aus der Haselstaude hervor

auf die Wiese.

Jetzt . . . dachte Bambi.

Da krachte ein Donnerschlag.

Bambi zuckte zusammen und wußte nicht, was

^?6^ her Prinz vor ihm in die Höhe

fuhr, mit einem großen Sprung, und sah ihn knapp an sich vorbei in den Wald hineinrasen.

Bambi blickte starr umher, der Donnerschlag dröhnte noch in ihm nach. Er sah, wie drüben die Mutter, Tante Ena, Gobo und Faline dem Walde zuflüchteten, er sah, wie Freund Hase fassungslos davonstob, sah den Fasan mit vorgestrecktem Halse laufen, er merkte, daß der ganze Wald plötzlich schwieg, raffte sich auf und sprang zurück ' ins Dickicht.

Nur ein paar Sätze hatte er gemacht, da lag der Prinz vor ihm auf dem Boden. Regungslos. Entsetzt blieb Bambi stehen und begriff nicht, was das sein könne. Der Prinz lag da, die Schulter in breiter Wunde aufgerissen, blutig und tot.

„Nicht stehen bleiben!" rief es dringend neben ihm. Es war die Mutter, die in vollem Galopp dahinftchr. „Lauf!" rief sie. „Lauf, was du kannst!"

Sie hielt nicht inne, jagte

weiter und ihr Gebot

riß Banzbi mit sich fort. Er rannte aus allen

Kräften.

„Was ist das, Mutter?" fragte er. das, Mutter?"

Was war

Die Mutter gab keuchend zur Antwort: „Das... war . . . Er!"

Bambi schauderte und sie rannten.

Atemlos blieben sie endlich stehn:

„Was sagen Sie? Ich bitte, was sagen Sie?" rief eine feine Stimme über ihnen. Bambi blickte auf, da kam das Eichhörnchen durch die Zweige herabgesaust.

„Ich bin die ganze Strecke mit Ihnen hierher­gesprungen," rief es. „Nein, das ist furchtbar!"

„Sind Sie denn dabeigewesen?" fragte die Mutter.

„Aber natürlich war ich dabei," antwortete das Eichhörnchen. „Ich zittere ja noch an allen Glie­dern." Es saß aufrecht da, lehnte sich an seine prächtige Fahne, zeigte die schmale, weiße Brust und hielt die beiden Vorderpfoten beteuernd an den Leib gepreßt. „Ich bin ganz außer mir vor Aufregung."

„Ich bin auch ganz matt vor Schrecken," sagte die Mutter. „Es ist unbegreiflich. Keiner von uns hat etwas gesehen."

„So?" Das Eichhörnchen ereiferte sich. „Da irren Sie sich aber. Ich habe Ihn schon lange ge­sehen!"

„Ich auch I" rief eine andere Stimme. Es war

die Elster; sie kam herbeigeflogen und setzte sich auf einen Zweig.

„Ich auch!" schnarrte es von noch höher. Dort saß auf einer Esche der Häher.

Und aus den Wipfeln der Bäume kreischten ein paar Krähèn mürrisch dazwischen: „Wir haben Ihn auch gesehen!"

Sie saßen alle umher und redeten wichtig. Sie waren seltsam erregt und, wie es schien, voll Zorn und Bangigkeit.

„Wen?" dachte Bambi, „wen haben sie ge­sehen?"

„Die größte Mühe habe ich mir gegeben," er zählte das Eichhörnchen und preßte beteuernd beide Vorderpfoten ans Herz. „Die größte Mühe habe ich mir gegeben, den armen Prinzen aufmerk­sam zu machen.

„Und ich," schnarrte der Häher, „wie oft habe ich geschrien! Aber er hat inich nicht hören wollen."

„Mich hat er auch nicht gehört," gackerte die Elster. „Zehnmal hab' ich gerufen. Gerade wollte ich ganz nah zu ihm hinfliegen, denn ich dachte mir, wenn er mich bis jetzt nicht hört, so flieg ich auf den Haselstrauch, vor dem er. steht. Dort muß er mich hören. Aber in diesem Augenblick ist es geschehen."

„Meine Stimme ist doch wahrhaftig lauter als die eure und ich habe gewarnt, wie ich konnte," sprach die Krähe in erbittertem Ton. „Aber die Herrschaften geben zu wenig acht auf unsereinen."

„Wirklich, viel zu wenig," stimmte das Eich­hörnchen zu.

„Man tut, was man kann," meinte die Elster „wir sind gewiß nicht schuld, wenn dann ein Un- gluck geschieht."

„So ein hübscher Prinz," klagte das Eichhorn- chen, „und in den besten Jahren?

„Hach!" schnarrte der Häher, „wäre er nicht so stolz gewesen und hätte auf uns geachtet!"

»Er war gewiß nicht stolzs" ‘ widersprach bas Eichhörnchen. '

Die Elster fügte hinzu: „Nicht stolzer als die anderen Prinzen seiner Art."

„Also dumm!" lachte der Häher.

„Sie sind ja selbst dumm!" rief die Krähe von oben herab. „Sprechen Sie doch nicht von Dumm­heit. Der ganze Wald weiß, wie dumm Sie sind."

(Sortierung folgt)